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Brunis geheimnisvoller Retter
Bewegender Heimatroman um ein Versprechen fürs neue Jahr
Ratlos starrt Urlauberin Bruni auf die Hinweisschilder. Keines davon sagt ihr etwas. Der dichte Flockenwirbel ist schier undurchdringlich, und sie hat jede Orientierung verloren. Bruni späht unsicher umher und beschließt, bergab zu laufen. St. Christoph liegt tiefer, das weiß sie, und mit etwas Glück wird sie die Lichter des Dorfes ausmachen können und den Rückweg zum Berghotel finden. Seit Stunden schon irrt sie durch das Schneetreiben, und die Erschöpfung macht ihre Beine nun watteweich und jeden weiteren Schritt zur Qual. Weiter, nur weiterlaufen, treibt sie sich in Gedanken selbst an.
Da! Vor ihr! Plötzlich eine Bewegung! Bruni blinzelt, streicht sich über die Augen, aber sie sieht nur noch verschwommen. Was war das da vor ihr? Ist das ihre Rettung? Bevor sie mehr erkennen kann, scheinen mit einem Mal schwarze Wände von allen Seiten auf sie zuzukommen. Bruni bemerkt noch, wie der verschneite Waldboden auf sie zurast. Dann wird es dunkel ...
Liebe Leserinnen und Leser, Bruni ist nicht allein dort draußen in dem tosenden Schneesturm. Doch wer ist mit ihr dort? Das erfahren Sie in einer an Spannung kaum zu übertreffenden Ausgabe der BASTEI-Serie "Das Berghotel".
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Seitenzahl: 129
Veröffentlichungsjahr: 2019
Cover
Impressum
Brunis geheimnisvoller Retter
Vorschau
BASTEI ENTERTAINMENT
Vollständige eBook-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe
Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG
© 2018 by Bastei Lübbe AG, Köln
Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller
Verantwortlich für den Inhalt
Titelbild: Anne von Sarosdy / Bastei Verlag
Datenkonvertierung eBook: Blickpunkt Werbe- und Verlagsgesellschaft mbH, Satzstudio Potsdam
ISBN 978-3-7325-7520-6
www.bastei-entertainment.de
www.lesejury.de
Im idyllischen St. Christoph, dort, wo auch der »Bergdoktor« lebt und praktiziert, liegt das Hotel »Am Sonnenhang«. Es ist ein Haus, in dem sehr viel Wert auf Tradition und Gastlichkeit gelegt wird – und sich für die Gäste so mancher Traum erfüllt.
Brunis geheimnisvoller Retter
Bewegender Heimatroman um ein Versprechen fürs neue Jahr
Von Verena Kufsteiner
Ratlos starrt Urlauberin Bruni auf die Hinweisschilder. Keines davon sagt ihr etwas. Der dichte Flockenwirbel ist schier undurchdringlich, und sie hat jede Orientierung verloren. Bruni späht unsicher umher und beschließt, bergab zu laufen. St. Christoph liegt tiefer, das weiß sie, und mit etwas Glück wird sie die Lichter des Dorfes ausmachen können und den Rückweg zum Berghotel finden. Seit Stunden schon irrt sie durch das Schneetreiben, und die Erschöpfung macht ihre Beine nun watteweich und jeden weiteren Schritt zur Qual. Weiter, nur weiterlaufen, treibt sie sich in Gedanken selbst an.
Da! Vor ihr! Plötzlich eine Bewegung! Bruni blinzelt, streicht sich über die Augen, aber sie sieht nur noch verschwommen. Was war das da vor ihr? Ist das ihre Rettung? Bevor sie mehr erkennen kann, scheinen mit einem Mal schwarze Wände von allen Seiten auf sie zuzukommen. Bruni bemerkt noch, wie der verschneite Waldboden auf sie zurast. Dann wird es dunkel …
»Hedi?« Behutsam nahm Andreas Kastler die Hand seiner Frau in seine. Wie kalt sie war! Als würde alles Leben aus ihr weichen. »Hedi, kannst du mich hören?«
Sie lag reglos in ihrem Klinikbett. Ihre Augen waren geschlossen. Die Wimpern lagen wie ein dunkler, seidiger Kranz auf ihren blassen Wangen. Der weiße Verband um ihren Kopf ließ sie unendlich zerbrechlich erscheinen. Und die zahlreichen Drähte und Schläuche, die unter ihre Decke führten, verstärkten diesen Eindruck noch.
Ein medizinisches Überwachungsgerät gab ein leises Piepen von sich. Der stete Ton hätte ihn beruhigen können, wäre er nicht so besorgt gewesen. Die Angst um seine Frau wühlte in seinen Eingeweiden wie ein kleines, hungriges Tier.
»Ach, Schatzl, was machst du nur für Sachen?« Ein leises Seufzen entfuhr ihm.
Hastig biss er sich auf die Lippen und verstummte, denn er wollte ihr seine Angst nicht aufbürden. Sie sollte unbeschwert genesen. Allerdings war fraglich, ob Hedi ihn wahrnahm. Ob sie überhaupt irgendetwas wahrnahm. Seine geliebte Frau reagierte weder auf Worte noch auf das sanfte Busserl, das er nun auf ihre Wange drückte.
Die Furcht sammelte sich in seinem Magen zu einem kalten Klumpen. Er hatte die Blicke der Pflegerinnen bemerkt, die sie miteinander tauschten und die verrieten, wie schlecht es um seine Frau stand. Blicke voller Sorge. Blicke voller Mitgefühl.
Auf dem Klinikflur verrieten rasche Schritte ein reges Treiben. Gedämpfte Stimmen waren zu hören. Doch für den einsamen Mann am Krankenbett verkam das alles zu einem fernen Rauschen. Die Welt war in den Hintergrund gerückt.
Vor den Fenstern rieselten weiße Flocken unaufhörlich vom Himmel. Hier drinnen schienen Hedi und er in einer Blase gefangen zu sein. Die Zeit hatte jede Bedeutung verloren. Sein Leben teilte sich nur noch in ein Vorher und Nachher ein. Vor dem Unglück war Hedi ihm die beste Kameradin gewesen. Gemeinsam leiteten sie ihr geliebtes Berghotel und teilten einfach alles. Hedi war ein Teil von ihm. Nach dem Unglück stand all das plötzlich infrage. War ihr gemeinsames Leben nun Vergangenheit? Hatte der Unfall alles verändert?
Mit brennenden Augen starrte er auf das Sauerstoffmessgerät, das an ihren Finger geklippt war.
»Ich hab dich so lieb, Hedi«, flüsterte er. »Hab ich dir das eigentlich oft genug gesagt?«
Die Stille im Krankenzimmer, die seinen Worten folgte, dröhnte in seinen Ohren.
»Wie konnte das nur geschehen? Warum hab ich net besser auf dich aufgepasst? Ach, Hedi!« Er schlang seine Finger fester um ihre, als könnte er damit etwas von seiner Lebenskraft auf sie übertragen. »Du musst wieder gesund werden, hörst du? Was bin ich denn ohne dich?« Bang schaute er in das bleiche Antlitz seiner Frau und suchte verzweifelt einen Hinweis auf ein Erkennen.
Er fand keinen.
»Der Jahreswechsel steht bevor. Wir wollten zusammen feiern, weißt du nimmer? Zum ersten Mal sollte es im Hotel eine Tombola geben. Und die ›Hexensteiner‹ wollten aufspielen. Du hattest dich so darauf gefreut.«
Hedi lag reglos da und schien unerreichbar weit entfernt zu sein. Würde sie je zu ihm zurückkommen?
***
Zwei Wochen vorher
Sorgsam schichtete Hedi Kastler das Holz in den Kamin. Er verströmte pures Wohlbehagen. Das Knistern des Feuers erfüllte die Eingangshalle des Berghotels und verbreitete eine wohlige Atmosphäre. Neu ankommende Gäste wurden von der Wärme begrüßt wie von einer freundlichen Umarmung, und die hatten sie nach den frostigen Temperaturen draußen auch dringend nötig.
Der Winter hatte das Zillertal in ein weißes Märchenland verwandelt. Weiße Gipfel reckten sich und schienen den wolkenverhangenen Himmel beinahe zu berühren. Die Täler und Hänge waren tief verschneit. Aus den Schornsteinen der Bauernhäuser ringelte sich Rauch empor und verriet, dass tüchtig eingeheizt wurde, um die schneidende Kälte aus den Mauern zu bannen. Seit Wochen herrschten in den Bergen Temperaturen weit unter null Grad, und wenn man dem Wetterbericht glauben konnte, würden diese auch anhalten.
Auf einer verschneiten Anhöhe stand das Sporthotel »Am Sonnenhang«. Ein uriges Haus im Tiroler Stil war es, das von Hedi Kastler und ihrem Mann Andreas bewirtschaftet wurde. Auch nach all den Jahren, die sie hier lebte, ließ der Ausblick auf die idyllischen Gipfel Hedis Herz noch immer weit werden. Ihr Heimatdorf St. Christoph befand sich in einem hoch gelegenen Seitental und war nur über eine einzige Straße zu erreichen. Ein idyllischer Ort war es, aber der bitterkalte Wind, der hier mitunter wehte, konnte einem durch und durch gehen. Aus diesem Grund hielt Hedi für ihre Gäste täglich einen frisch zubereiteten Früchtepunsch bereit. Das köstliche Getränk wurde tagsüber in zwei Kesseln warm gehalten – einmal mit und einmal ohne Alkohol. Und es konnte die Kälte aus klammen Gliedern vertreiben.
»Mei, ist das schneidend da draußen!« Schnaufend stapfte ihr Mann in die Hotelhalle.
Schmelzwasser tropfte von seinen Stiefeln. Unter seiner grauen Wollmütze war sein Gesicht gerötet von der Kälte. Und an seinen Augenbrauen hatten sich kleine Eiszapfen gebildet.
»Es schneit und schneit immer weiter. Kaum ist man fertig, könnte man schon wieder von vorn anfangen. Da kommen auch der Kilian und der Franz nimmer hinterher mit dem Räumen.«
Hedi seufzte. »Morgen soll es sogar noch mehr schneien als heute.«
»Na, da können wir uns ja auf was gefasst machen. Kannst du mal nachschauen, ob meine Nase noch dran ist, Spatzl? Ich fühl sie nämlich nimmer.« Er lächelte schief.
Hedi schloss die Kaminklappe und richtete sich auf. Ihr blaues Dirndl raschelte, als sie sich vorbeugte und ihrem Mann ein Busserl auf die Nasenspitze tupfte.
»Alles noch dran«, versicherte sie ihm.
»Dann bin ich ja beruhigt.« Seine Augen blitzten. Er schlang die Hände um ihre Taille, und sie quietschte leise, denn die Kälte seiner Finger drang durch den Stoff ihres Kleides.
»Wärm dich erst einmal auf, Anderl. Möchtest du ein Haferl Punsch trinken?«
»Lieber net. Wenn ich jetzt schon Alkohol trinke, finde ich nachher die Schneeschaufel nimmer wieder, um mich an die zweite Runde zu machen.«
»Ach, du hast doch noch die anderen beiden. Du kannst auch etwas von dem Kinderpunsch bekommen. Das Stärkste daran ist das Murmeltier auf dem Becher.«
»Wenn das so ist, nehm ich gern einen.«
Hedi füllte eines der bereitstehenden Haferln. Sie reichte es ihrem Mann und schaute zufrieden zu, wie er es leerte.
»Köstlich.« Er stellte den Becher ab. »Ich werde mir jetzt ein paar Tücher besorgen und im Eingangsbereich wischen. Durch das Schmelzwasser ist der Boden dort rutschig wie eine Eisbahn. Danach mach ich mich an die Buchführung. Die ist wieder fällig.« Er gab ihr noch ein Busserl und eilte davon.
Hedi räumte den Becher fort. Danach kehrte sie auf ihren Posten hinter dem Empfang zurück. Auf dem Bildschirm ihres Computers wurde der Gipfelgruß angezeigt – ein Faltblatt, das täglich neu geschrieben und zum Frühstück für die Gäste ausgelegt wurde. Auf der ersten Seite fand sich ein Bild von zwei Wanderern in der verschneiten Bergwelt. Darunter waren Hinweise für den kommenden Tag abgedruckt, die den Gästen bei ihrer Urlaubsplanung nützlich sein konnten.
Wetteraussichten
Morgen wird es stürmisch. Wir erwarten starken Schneefall und Temperaturen zwischen -10 und -7 Grad.
Veranstaltungstipp
Heute Abend laden wir zum Schmankerlabend in das Hotelrestaurant ein. Ab 20 Uhr spielt das Duo Rosenherz in unserem Weinstüberl auf.
Hedi überlegte. Das stürmische Wetter würde am kommenden Tag das Skifahren vermutlich unmöglich machen. Es gab sogar eine Unwetterwarnung. Das Wetteramt warnte vor umstürzenden Bäumen und herabfallenden Ästen, die einen Aufenthalt im Wald äußerst gefährlich machten. Den Sturm durften sie nicht unterschätzen. Sollte sie kurzfristig etwas zur Unterhaltung ihrer Gäste organisieren? Einen Bingo-Nachmittag vielleicht? Mit Kaffee und Kuchen?
Während sie noch überlegte, führte die Drehtür eine junge Frau herein. Sie trug einen roten Wintermantel und versank beinahe in dem weißen Schal, den sie sich mehrfach um den Hals geschlungen hatte. Sie zog einen dunkelblauen Rollkoffer hinter sich her. Die blonden Haare der Unbekannten waren locker im Nacken zusammengesteckt und ließen ein hübsches, frisches Gesicht mit roten Wangen und leuchtend blauen Augen frei. Zwei Grübchen gruben sich um ihren Mund ein, als sie sich nun lächelnd und auch ein wenig atemlos an Hedi wandte.
»Grüß Gott, ich bin die Seibold-Bruni. Ich hab ein Zimmer bei Ihnen reserviert.«
»Herzlich willkommen im Berghotel, Frau Seibold«, sagte Hedi herzlich. Sie hatte alle Buchungen im Kopf und war im Bilde. Die junge Frau kam aus der Nähe von Linz und wollte zwei Wochen bleiben. »Mein Name ist Hedi Kastler. Hatten Sie eine gute Fahrt hierher?«
»Oh, der viele Schnee hat mir ziemlich zu schaffen gemacht. Mein Auto ist nimmer das Jüngste und hat ziemlich geschnauft auf der Steigung. Zwischendurch dachte ich schon, wir würden es net den Berg heraufschaffen, aber irgendwie ging es doch. Nun bin ich froh, hier zu sein. Das Lenkrad fasse ich in den nächsten Tagen nimmer an.« Sie schüttelte sich leicht.
»Ich verstehe. Sie können gleich sich von der anstrengenden Fahrt erholen. Wir haben ein Zimmer in der ersten Etage für Sie reserviert. Mit Blick auf unseren Hausberg, den Hexenstein.«
»Das klingt wunderbar. Ich freu mich so, endlich hier zu sein. Das Dorf liegt so zauberhaft versteckt. Ich glaub, St. Christoph ist genau der richtige Ort für eine Atempause. Das ist ein Glück für mich. Die vergangenen Monate waren net einfach.« Bruni strich sich über die Stirn, als wollte sie einen unliebsamen Gedanken fortwischen.
»Hier können Sie sich entspannen. Wenn Sie einen Wunsch haben, zögern Sie bitte net, sich damit an mich zu wenden«, bat Hedi. »Wir haben eine Sauna und ein Hallenbad mit Ruheraum. Im Restaurant können Sie sich kulinarisch verwöhnen lassen. Und der Schnee lädt freilich zum Skifahren ein.«
»Oh, ich kann leider net Skifahren«, bedauerte Bruni.
»Das macht nichts. Bei uns werden auch Skikurse angeboten. Unser Skilehrer heißt Lukas. Wenn Sie sich für eine Probestunde anmelden möchten, sagen Sie mir bitte einfach Bescheid. Dann trage ich Sie ein. Zur Entspannung würde ich Ihnen übrigens unsere Rosenstube empfehlen. Die Massagen mit reinem Wildrosenöl wirken Wunder bei verspannten Muskeln.«
»Das hört sich ja herrlich an!« Die Augen der jungen Urlauberin leuchteten auf. »Wenn es hier auch noch vegetarisches Essen gibt, möchte ich nie wieder weg.«
»Unser Koch Leo zaubert Ihnen gern alles, was Sie sich wünschen. Es stehen auch mehrere vegetarische Speisen auf unserer Karte.« Hedi reichte ihrem Gast den Zimmerschlüssel und dazu eine Karte mit Wanderwegen, die im Winter begangen werden konnten und auf der sämtliche Ski- und Sessellifte in der Umgebung verzeichnet waren. »Einen kuscheligen Bademantel finden Sie in ihrem Zimmer, und wenn Sie sonst noch was brauchen, können Sie mich jederzeit fragen.«
»Vielen Dank.« Bruni drückte ihren Schlüssel an sich. Dann steuerte sie den Fahrstuhl an. Dabei rumpelte ihr Rollkoffer sacht über den Boden.
Hedi wollte sich gerade wieder ihrem Morgengruß zuwenden, als sich rasche Schritte näherten und Gerda Stahmer auf den Empfang zusteuerte. Die Hausdame war mit ihren fünfunddreißig Jahren ebenso patent wie tatkräftig und nicht so schnell aus der Ruhe zu bringen. Jetzt jedoch waren ihre Wangen vor lauter Aufregung gerötet und ihre dunklen Haare waren zerzaust, als wäre sie sich mehrmals mit den Fingern hindurchgefahren.
»Ist denn das zu fassen?«, rief sie aus und schwenkte ein Blatt Papier in den Händen. »Ich hab gewonnen. Beim Preisausschreiben in meiner Illustrierten. Wirklich und wahrhaftig gewonnen. Ich!«
»Mei, zeig einmal her, Gerda! Das hört sich ja aufregend an.«
»Ich hab noch nie irgendwas gewonnen, und jetzt gleich eine Kreuzfahrt. Jessas, ich glaub, mir zerspringt gleich das Herz in der Brust.« Gerda schnappte nach Luft. »Als der Postbote vorhin das Einschreiben brachte, wollte ich es gar net öffnen. Solche Briefe bedeuten selten etwas Gutes. Aber dann hab ich mir ein Herz gefasst und in den Umschlag geschaut. Ich kann es immer noch net glauben. Eine Kreuzfahrt wollte ich schon immer gern machen!« Gerdas Augen leuchteten.
»Ja da schau her! Da gratuliere ich dir sehr. Das sind wirklich wunderbare Neuigkeiten. Wo soll es denn hingehen?«
»Durch das Mittelmeer. Acht Tage lang. Es gibt zwei Tage rein auf See. An den anderen legt das Schiff an und man kann einen Landgang mit Besichtigungen und Ausflügen unternehmen.«
»Wie herrlich.«
»Ja, gell?« Gerda presste das Schreiben an ihre Brust.
»Womöglich triffst du auf dem Schiff den Mann deiner Träume?«
»Das wäre schon beinahe zu viel des Glücks.« Ein Lächeln huschte über das Gesicht der Hausdame. »Ich hab immer noch das Gefühl, dass das alles nur ein schöner Traum ist. Eine Kreuzfahrt. Mei! Aber was mach ich in der Zeit mit Kater Karlo? Sonst passt meine Freundin auf ihn auf, wenn ich net da bin, aber diesmal kommt sie mit.«
»Gerda, das ist doch gar kein Problem. Dann wohnt der Karlo eben für die Zeit bei uns, gell? Wir kümmern uns gern um ihn. Wann soll es denn losgehen?«
»Wirklich? Das würdet ihr machen? Ach, das wär super, gell? Aber den Termin, ja, den muss ich noch abklären. Am besten mach ich das gleich. Vorher hab ich keine Ruhe.« Gerda hatte kaum ausgesprochen, als plötzlich ein Schrei durch die Halle gellte.
»Aaah!«
***
Bruni wusste nicht, wie ihr geschah. Eben noch wollte sie mit ihrem Koffer den Fahrstuhl betreten, und nun fand sie sich auf dem Fußboden wieder! Etwas hatte ihr buchstäblich die Beine unter dem Körper weggezogen. Ihre Kehrseite pochte dumpf und fühlte sich an wie ein einziger blauer Fleck.
Unwillkürlich entfuhr ihr ein Stöhnen.
»Jessas, hast du dir wehgetan?«
Ein Mann beugte sich über sie. Mit seinem gebräunten Gesicht war er ausgesprochen attraktiv. Sein Norwegerpullover spannte sich über seinen beeindruckend breiten Schultern, und ein leichter Kinnbart verlieh seinen markanten Zügen etwas Verwegenes. Besorgt musterte er Bruni. »Bist du verletzt?«
»Nur mein Stolz ist angekratzt.« Sie lächelte schief.
»Kannst du aufstehen?«
»Ich hoff’s.« Unsicher rappelte sie sich hoch und spürte, wie er ihr beherzt unter die Arme griff und sie auf die Beine zog. Ihre Knie fühlten sich nach dem Schrecken noch ein wenig wacklig an. Sie blickte nach unten und bemerkte eine Pfütze aus Schmelzwasser. »Ich bin wohl ausgerutscht.«
»Fehlt dir auch wirklich nichts?«
»Ich glaub net. Es fühlt sich so an, als wär alles noch heil.«
