Das Berghotel 187 - Heimatroman - Verena Kufsteiner - E-Book

Das Berghotel 187 - Heimatroman E-Book

Verena Kufsteiner

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Beschreibung

Für ein paar Stunden Zärtlichkeit Heimatroman um verbotene Küsse im Berghotel Von Verena Kufsteiner Mit ihrem Gartenwerkzeug bewaffnet, macht sich Hedi Kastler an diesem Frühlingsmorgen auf den Weg in den Rosengarten. Als die Hotelchefin um die Ecke tritt, hält sie abrupt inne. Dort drüben in der Laube, verborgen zwischen üppig blühenden Rosen, stehen zwei Menschen, innig versunken in einen leidenschaftlichen Kuss. "Das gibt's doch net", murmelt sie leise zu sich selbst. In den zwei Liebenden erkennt sie die Pferdeausbilderin Lena Kainz und den berühmten Springreiter und Hotelgast Fabian Sommer. Hedi ist verwirrt, denn Lena ist verheiratet mit dem Pferdezüchter Marius. Es ist zwar allgemein bekannt, dass dieser auch hin und wieder zu Zornesausbrüchen neigt und es die junge Frau nicht immer leicht hat, aber dass sie sich getrennt haben sollen, davon weiß die Hotelchefin nichts. Doch Hedi wäre nicht Hedi, wenn sie der Sache nicht auf den Grund gehen würde ...

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Seitenzahl: 132

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Inhalt

Cover

Impressum

Für ein paar Stunden Zärtlichkeit

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige eBook-Ausgabeder beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2018 by Bastei Lübbe AG, Köln

Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: Bastei Verlag / Anne von Sarosdy

eBook-Produktion:3w+p GmbH, Rimpar

ISBN 9-783-7325-7697-5

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

www.bastei.de

Für ein paar Stunden Zärtlichkeit

Heimatroman um verbotene Küsse im Berghotel

Von Verena Kufsteiner

Mit ihrem Gartenwerkzeug bewaffnet, macht sich Hedi Kastler an diesem Frühlingsmorgen auf den Weg in den Rosengarten. Als die Hotelchefin um die Ecke tritt, hält sie abrupt inne. Dort drüben in der Laube, verborgen zwischen üppig blühenden Rosen, stehen zwei Menschen, innig versunken in einen leidenschaftlichen Kuss.

„Das gibt’s doch net“, murmelt sie leise zu sich selbst.

In den zwei Liebenden erkennt sie die Pferdeausbilderin Lena Kainz und den berühmten Springreiter und Hotelgast Fabian Sommer. Hedi ist verwirrt, denn Lena ist verheiratet mit dem Pferdezüchter Marius. Es ist zwar allgemein bekannt, dass dieser auch hin und wieder zu Zornesausbrüchen neigt und es die junge Frau nicht immer leicht hat, aber dass sie sich getrennt haben sollen, davon weiß die Hotelchefin nichts. Doch Hedi wäre nicht Hedi, wenn sie der Sache nicht auf den Grund gehen würde …

Dumpf trommelten die Hufe der Jungstute über den weichen Boden des Dressurvierecks. Ihr grauweißes Apfelschimmel-Fell glänzte in der Sonne, darunter konnte man die straffen Muskeln arbeiten sehen. Jede Bewegung des Tiers war kraftvoll und anmutig.

Ein Vogel flog auf, und schon begann das Pferd, nervös zu tänzeln. Die großen dunklen Augen rollten angstvoll, sogar das Schnauben klang angespannt.

„Ruhig, Filia“, sagte Lena, die die Stute gerade longierte, leise. „Alles gut, es war nur ein Vogel.“

Sie murmelte ein paar beruhigende Silben vor sich hin und tätschelte Filias muskulösen Hals, bis sich das Pferd wieder im Griff hatte und sie ihre Arbeit an der Longe fortsetzen konnte.

Ein versonnenes Lächeln umspielte Lenas Lippen, als sie Filias geschmeidige Bewegungen in allen drei Gangarten begutachtete. Was für ein großartiges Pferd! Die Stute hatte viel Potenzial, wenngleich ihr Temperament manchmal Probleme bereitete und sie nicht die stärksten Nerven besaß. Sie war wild und schreckhaft. Mit ihr musste man behutsam und sensibel arbeiten, mit Druck kam man bei einem solchen Tier nicht weit, doch Lena war freilich bereit, sich darauf einzustellen.

Der Baron Markus von Brauneck hatte derzeit besonders viele vielversprechende Jungpferde auf seinem Gestüt. Nicht umsonst waren die Tiere aus seiner Zucht über die Landesgrenzen hinaus bekannt und genossen einen hervorragenden Ruf. Lena arbeitete seit Jahren als Reitlehrerin und Pferdeausbilderin auf dem Gestüt und besaß genug Fachkenntnis, um zu beurteilen, dass Filia von allen aktuellen Jungpferden womöglich das größte Potenzial hatte.

Tief und genussvoll atmete Lena ein. Sie liebte die Arbeit mit den Tieren und konnte sich dafür kein schöneres Umfeld als das Zillertal vorstellen. Wie schön es hier war! Im Rücken hatte sie die gepflegten Stallungen, die stets perfekt in Schuss waren. Ein Stückerl weiter befand sich das schöne Barockschlössl des Barons, das über dem beschaulichen Örtchen St. Christoph thronte.

Manchmal konnte Lena kaum glauben, dass sie tatsächlich das Glück gehabt hatte, an diesem herrlichen Ort geboren und aufgewachsen zu sein und nun auch noch ihrem Traumberuf nachgehen zu können.

Das weltabgeschiedene St. Christoph lag ganz am Ende des Zillertals in einem Seitental, das nur von Mayrhofen aus zu erreichen war. Gepflegte Bauernhäuser scharten sich um eine kleine weiße Dorfkirche mit dem Zwiebelturm. Das beschauliche Dörfchen wurde von sechs hohen Bergen wie von gewaltigen steinernen Wächtern umgeben. Sie schienen es vor allzu rauhen Winden und vor der Hektik der Außenwelt zu beschützen.

Da merkte Lena plötzlich, dass sie nicht mehr allein war. Sie hatte den Neuankömmling bisher sowgehört noch gesehen, doch sie spürte einfach, dass jemand da war – so, als hätte sich etwas in der Atmosphäre verändert. Und mehr noch: Sie wusste sogar, wer es war. Sie konnte es einfach immer instinktiv fühlen, wenn sich ihr Mann näherte. Es fühlte sich an, als griffe eine kalte Hand nach ihr. Die feinen Härchen an ihrem Nacken stellten sich auf.

Unwillkürlich verkrampfte sie sich, ihre Hand umfasste das Ende der Longe fester. Das Hochgefühl, das sie gerade noch empfunden hatte, war schlagartig verschwunden. Ihr Magen zog sich schmerzhaft zusammen, und das Atmen fiel ihr plötzlich schwer.

Gerade noch war ihr die Arbeit leichtgefallen, jetzt überwachte sie sich selbst peinlich genau und vermied es krampfhaft, Fehler zu machen. Filia bemerkte die Änderung in Lenas Haltung und reagierte mit einem irritierten Schnauben. Lena merkte, dass ihre Wangen rot und heiß wurden, während ihre Finger eiskalt waren.

Jetzt nur kein Fehler, hämmerte es ihr durch den Kopf, während sie sich auf jede ihrer Bewegungen konzentrierte und sich mehr denn je bemühte, alles absolut fehlerlos und formvollendet auszuführen.

Es war verrückt, und sie ärgerte sich in dem Moment über sich selbst: Eigentlich wusste sie doch, dass sie toll mit Pferden umgehen konnte und sehr gut in ihrem Beruf war. Sie war kompetent, sowohl als Pferdeausbilderin als auch als Reitlehrerin, und das war ihr klar. Doch war ihr Mann in der Nähe, war ihr Selbstvertrauen plötzlich wie weggeblasen. Vor ihm fühlte sie sich immer wie ein unbeholfenes Schulmadel, das sich vor Tadel fürchtete.

Als sie mit dem Training fertig war, hielt sie die Stute an und tätschelte Hals und Schulter des Tieres. Sie stand mit dem Rücken zu ihrem Mann, sodass sie vorgeben konnte, sie hätte ihn noch nicht bemerkt. So konnte sie ein bisserl Zeit schinden und noch einmal tief durchatmen.

„Grüß dich, mein Engerl“, erklang seine tiefe Stimme.

Während sie sich ihm zuwandte, war jede Faser ihres Körpers angespannt. Sie hatte Angst davor, wie seine Laune heute sein würde. An guten Tagen hatte sie nichts zu befürchten, dann konnte er ein charmanter und verträglicher Ehemann sein. War er jedoch schlecht drauf, schreckte er nicht davor zurück, seine Launen an ihr auszulassen.

„Hallo, Marius, servus.“ Ihre Stimme zitterte leicht.

„Na, wie läuft’s? Macht die Filia Fortschritte?“, fragte er und schenkte ihr sein umwerfendes Lächeln.

Mit einer Gewandtheit, dank der man ihm die beinahe fünfzig Jahre nicht ansah, sprang er über den Zaun, kam mit federnden Schritten auf sie zu und gab ihr ein Busserl.

Sie atmete auf und entspannte sich. Heute war ein guter Tag. Doch sie wusste aus Erfahrung, dass sie sich nicht zu sicher fühlen durfte, denn seine Laune konnte jederzeit umschlagen.

„Ja, sie macht große Fortschritte“, berichtete Lena mit einem Seitenblick auf Filia.

Der erfahrene Pferdezüchter musterte das Pferd von oben bis unten. Mit seinem Fachwissen wählte er viele der Verpaarungen aus, die auf dem Gestüt zustande kamen, um vielversprechende Linien weiterzuführen und zu verbessern. Aber hauptsächlich wurden hier Haflinger gezüchtet.

„Ein prachtvolles Tier“, meinte er. „Der ausgewogene Körperbau, die raumgreifenden Bewegungen, die Kraft in der Hinterhand. Wenn nur die Charakterschwäche net wär.“

„Wenn man sie zu nehmen weiß und geduldig mit ihr arbeitet, muss es keine Schwäche sein“, sprang Lena für die Stute in die Bresche.

Marius ließ sein vollklingendes Lachen ertönen.

„So? Interessante Meinung. Wenn du mich fragst, ist sie einfach zickig. Typisch Weib!“

Lena biss sich auf die Unterlippe und widersprach nicht. Schon vor Langem hatte sie aufgehört, ihrem Mann Widerworte zu geben.

„So, bist du jetzt auch fertig hier?“, wollte er wissen. „Ich hab Feierabend und setz mich mit ein paar anderen Leuten in die Reiterstube.“

Lena nickte. „Ich versorg die Filia noch und bring sie zurück in den Stall, dann komm ich nach.“

Als er ging, schaute sie ihm seufzend und kopfschüttelnd hinterher. Er war ein fescher Mann! Kaum jemand wusste, dass er die pechschwarzen Haare seit einer Weile färbte, um jugendlicher zu erscheinen. Er ließ sie halblang wachsen und stylte sie in einer lässigen Welle aus dem Gesicht, was ihm ein schneidiges Aussehen verlieh. Die stahlblauen Augen leuchteten aus dem gebräunten, markanten Gesicht.

Er war nicht übermäßig groß, aber drahtig und durchtrainiert. Sein Selbstbewusstsein und seine Präsenz ließen ihn größer und stattlicher erscheinen, als er tatsächlich war.

Wenn sie ehrlich zu sich selbst war, war er ihr anfangs vor allem wegen seiner Attraktivität aufgefallen. Doch nicht etwa, weil er makellos schön wäre, sondern weil er sie mit seinem Charisma in seinen Bann gezogen hatte. Bei seinen Freunden galt er als charmant und unterhaltsam, er scherzte und lachte viel, wie auch die Lachfalten um seine Augen verrieten.

Doch er hatte noch eine andere Seite, und auch diese zeichnete sich in seinem Gesicht ab: ein harter Zug um den Mund, der immer auftauchte, wenn Marius sich über etwas ärgerte.

Nachdem sie das Pferd in den Stall gebracht hatte, nahm sie sich noch einen Moment Zeit, bevor sie ins Reiterstüberl ging. Sie löste den praktischen Zopf, zu dem sie die langen schokoladenbraunen Haare gebunden hatte, sodass der Wind mit den Locken spielen konnte, und blickte über die Landschaft.

Die Nachmittagssonne stand bereits tief am Himmel, bald würde sie hinter den schroffen Berggipfeln der Zillertaler Alpen versinken. Die dunklen Tannen warfen lange Schatten. Zu dieser Tageszeit hing eine friedliche, ruhige Stimmung über dem Zillertal, die es Lena erlaubte, ihren Gedanken freien Lauf zu lassen.

Erneut seufzte sie, als sie daran dachte, wie sie und Marius sich kennengelernt hatten. Sie war ein blutjunges Madel gewesen und hatte hier auf dem Gestüt ihre erste Festanstellung gefunden. Der wohlhabende, erfolgreiche Pferdezüchter Marius hatte sie auf Anhieb fasziniert. Dass er deutlich älter war als sie, hatte sie kein bisschen gestört. Ganz im Gegenteil: Er wirkte so reif und interessant, stand voll im Leben. Dass der charismatische Mann sich ausgerechnet für sie, ein unerfahrenes Ding, interessierte, hatte sie sich kaum vorstellen können. Kurz darauf kam es zur Heirat.

Doch das Glück, das Lena anfangs empfunden hatte, war längst verflogen und hatte Ernüchterung Platz gemacht. Es hatte nicht lange gedauert, bis Marius sein wahres Gesicht zeigte.

Oft war er so unbeherrscht und cholerisch, dass sie es mit der Angst zu tun bekam. Widerworte trieben ihn zur Weißglut. Lena hatte gelernt, vor ihm zu kuschen, um seinen Zorn nicht zu erregen.

„Ich wollt doch nur glücklich sein“, flüsterte sie, doch wenn sie ehrlich zu sich selbst war, musste sie sich eingestehen, dass sie das nicht war. Vielmehr fühlte sie sich bedrückt und ungeliebt.

***

Fasziniert blickte Fabian Sommer durch die Windschutzscheibe hinaus. Wie herrlich die Landschaft war! Die Sonne versank als flammendrote Scheibe hinter den Bergen und tauchte den Himmel in einen feurigen Schein. Die Gipfel ragten so hoch empor, als wollten sie an den Wolken kratzen, die der Wind vor sich hertrieb. Almwiesen und Wälder wechselten sich ab und wirkten schier endlos weit.

Vielerorts machte die Natur einen so unberührten Eindruck, als hätte keine Menschenhand sie je berührt. Dann wiederum schlängelte sich die schmale Landstraße an Bauernhöfen und kleinen Ortschaften vorbei, die so idyllisch waren, als hätte jemand die Zeit angehalten.

Fabian war fast verleitet, kurz anzuhalten, um den Anblick besser genießen zu können, ohne sich dabei auf die Fahrt konzentrieren zu müssen. Doch dann rief er sich ins Gedächtnis, dass er in den nächsten Wochen noch ausreichend Gelegenheit haben würde, die reizvolle Gegend zu erkunden. Jetzt wollte er sich sputen, um das Hotel zu erreichen, solange es noch hell war.

Das Zillertal war beinahe noch schöner, als er es in Erinnerung hatte, überlegte er, während er das letzte Stück nach St. Christoph zurücklegte. Vor einigen Jahren hatte er hier bereits einen Urlaub verbracht und seither geplant, noch einmal hierherzukommen. Nun war er aus ganz anderen Gründen hier, berufliche Motive hatten ihn nach Tirol geführt.

Als erfolgreicher Springreiter war er auf der Suche nach einem neuen, vielversprechenden Pferd. Hier in der Region gab es einige Gestüte von ausgezeichnetem Ruf, allen voran die Stallungen des Baron von Brauneck, also versprach Fabian sich viel von seinem Zillertal-Aufenthalt.

Fabian lächelte, als das Sporthotel „Am Sonnenhang“ vor ihm auftauchte. Das gepflegte, im alpinen Stil gehaltene Haus lag ein Stückerl über St. Christoph, gegenüber dem Schloss des Barons. Hier hatte er sich schon beim letzten Mal wohlgefühlt, also hatte er ohne zu zögern wieder ein Zimmer in diesem charmanten Hotel gebucht.

„Grüß Gott! Herzlich willkommen“, rief ihm die junge Frau an der Rezeption gut gelaunt entgegen. „Lassen Sie mich raten, Sie sind sicherlich der Herr Sommer, gell?“, vermutete sie nach einem Blick kurzen auf den Computerbildschirm.

Er lächelte. „Richtig geraten, Frau … Gerda Stahmer.“ Er warf einen schnellen Blick auf ihr Namensschild.

„Ich freu mich sehr, Sie hier begrüßen zu dürfen“, versicherte sie freundlich. „Ein Momenterl, ich such gleich Ihren Zimmerschlüssel heraus. Sind Sie denn zum ersten Mal hier?“

„Zum zweiten Mal schon“, berichtigte er sie.

„Oh, also hat Ihnen der erste Aufenthalt getaugt? Was führt Sie denn erneut hierher?“, fragte sie neugierig.

„Freilich die Schönheit der Madeln“, antwortete er, ohne darüber nachzudenken, und schaute ihr tief in die Augen.

Gerda errötete bis über beide Ohren und schien gar nicht zu wissen, was sie darauf antworten sollte.

„Und außerdem, um ein Pferd zu kaufen“, fügte er schmunzelnd hinzu. „Morgen geh ich rüber zum Gestüt und schau mich dort um.“

„Da werden Sie sicherlich fündig, der Baron hat herrliche Pferde“, plapperte sie und fühlte sich offensichtlich wieder auf sicherem Terrain.

Während sie seinen Check-in bearbeitete, betrachtete er sie ausgiebig. Sie mochte keine auffallende Erscheinung sein, war aber durchaus hübsch, mit einem lieben Lächeln.

„Und Sie?“, fragte er neugierig. „Das ist net Ihr Hotel, gell? Sie sind zu jung, um schon Hotelchefin zu sein, gell?“

Erneut lief sie knallrot an. „Ach was, man wird net jünger, gell? Aber nein, ich bin nur die Hausdame“, stammelte sie.

Er konnte nicht anders, er musste über ihre Verlegenheit lächeln. Dass er ein bisserl mit ihr flirtete, war reine Gewohnheit – er hatte es selbst nicht einmal so richtig wahrgenommen. Er schäkerte einfach gern mit den Madeln, auch ohne irgendwelche Absichten zu haben. Es war ihm längst in Fleisch und Blut übergegangen. Die junge Hausdame schien er damit jedoch ganz außer Konzept zu bringen.

„Die Hotelchefin bin ich“, erklang eine warmherzige Stimme. „Grüß Gott, Herr Sommer! Ich bin die Hedi Kastler, meinem Mann und mir gehört das Hotel.“

Er schüttelte der blonden Frau im feschen Dirndl, die gerade dazugekommen war, die Hand.

„Ach ja, Frau Kastler! Ich erinner mich. Schön, Sie wiederzusehen.“

Auch sie erkannte ihn wieder, obwohl hier Tag für Tag viele Gäste ein- und ausspazierten.

„Wie schön, dass wir Sie wieder hier begrüßen dürfen. Sie werden sehen, seit Ihrem letzten Besuch hier hat sich gar net allzu viel geändert. Das Weinstüberl haben der Andi und ich ein bisserl umgebaut, das Hallenbad ist renoviert worden, aber sonst werden Sie alles so wiederfinden, wie sie es kennen.“

„Das hab ich gehofft“, entgegnete er lächelnd.

Durch Zufall hatte er sogar dasselbe Zimmer wie bei seinem letzten Aufenthalt, stellte er kurz darauf fest, nachdem Kilian Garnreiter – der ebenso damals schon hier gearbeitet hatte – seinen Koffer hochgetragen hatte und Fabian sich im gemütlichen Raum umsah.

Genussvoll atmete er den würzigen Duft des heimischen Zirbelholzes ein, aus dem die meisten Möbel und die Zimmerdecke gefertigt waren. Die Einrichtung war geschmackvoll ausgewählt und im alpinen Stil gehalten, der sich durch das ganze Hotel zog. Auf dem Tisch lag neben einem Obstkorb eine Broschüre mit Informationen über die Angebote des Hotels und die Freizeitgestaltungsmöglichkeiten in der Region. Fabian nahm sich vor, das Heftchen später noch in Ruhe durchzublättern. Auch wenn er eigentlich hier war, um ein Pferd auszusuchen, würde er gewiss auch einiges an Freizeit haben, die er genießen wollte.

Der junge Mann trat ans Fenster und blickte hinaus. Die Sonne war mittlerweile untergegangen, der Mond warf sein bleiches Licht über Berge und Wälder. Die Luft roch angenehm frisch und rein, ganz anders als in der Stadt.