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Ihr Lieblingsplatz am Wasserfall
Heimatroman um einen ganz besonderen Ort
Von Verena Kufsteiner
Wochenlang hat sich Marie auf ihren Urlaub in den Zillertaler Bergen gefreut. Nun ist sie endlich angekommen! Unternehmungslustig bricht sie auf, um die schönsten Plätze abseits der Touristenpfade zu finden. Dann entdeckt sie einen Wasserfall und spürt: Dieser Ort hat etwas Märchenhaftes an sich. Bei jeder Gelegenheit kommt sie nun hierher, und der Wasserfall wird zu ihrem geheimen Lieblingsplatz. Bis nach wenigen Tagen dort immer genau zur selben Zeit ein fremder Mann auftaucht. Ein Zufall kann das nicht sein ...
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Seitenzahl: 127
Veröffentlichungsjahr: 2019
Cover
Impressum
Ihr Lieblingsplatz am Wasserfall
Vorschau
BASTEI ENTERTAINMENT
Vollständige eBook-Ausgabeder beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe
Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG
© 2019 by Bastei Lübbe AG, Köln
Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller
Verantwortlich für den Inhalt
Titelbild: Bastei Verlag / Wolf
eBook-Produktion:3w+p GmbH, Rimpar
ISBN 9-783-7325-8360-7
www.bastei-entertainment.de
www.lesejury.de
www.bastei.de
Ihr Lieblingsplatz am Wasserfall
Heimatroman um einen ganzbesonderen Ort
Von Verena Kufsteiner
Wochenlang hat sich Marie auf ihren Urlaub in den Zillertaler Bergen gefreut. Nun ist sie endlich angekommen! Unternehmungslustig bricht sie auf, um die schönsten Plätze abseits der Touristenpfade zu finden. Dann entdeckt sie einen Wasserfall und spürt: Dieser Ort hat etwas Märchenhaftes an sich. Bei jeder Gelegenheit kommt sie nun hierher, und der Wasserfall wird zu ihrem geheimen Lieblingsplatz. Bis nach wenigen Tagen dort immer genau zur selben Zeit ein fremder Mann auftaucht. Ein Zufall kann das nicht sein …
Fröhlich pfiff Andi Kastler vor sich hin, während er ein paar Essiggurken auf dem Holzbrettl verteilte. Er und seine Frau Hedi hatten tagsüber zwar schon im Berghotel gegessen, das sie gemeinsam leiteten, aber eine kleine Jause am Abend konnte nicht schaden. Nach einem langen, arbeitsreichen Tag liebten die Kastlers es, den Abend gemütlich in ihrem Wohnhaus ausklingen zu lassen, das ein Stückerl vom Hotel entfernt idyllisch im Grünen gelegen war.
Mit Schinken, Käse und frischen Semmeln kehrte er also auf die Terrasse zurück, auf der Hedi gerade telefonierte. Sie saß auf einem Klappstuhl, hatte die gebräunten Beine aufs Geländer gestützt und genoss die letzten goldenen Sonnenstrahlen. Ein Lächeln trat auf sein Gesicht, als er seine Frau betrachtete, die in einer Hand das Telefon hielt und den blondgefärbten Flechtzopf um die Finger der anderen Hand wickelte.
Nach all den Ehejahren ließ sie sein Herz immer noch höherschlagen, vor allem wenn sie so lebhaft plapperte und so fröhlich übers ganze Gesicht strahlte, wie jetzt gerade. Und wie fesch sie war!
Das waldgrüne Dirndl mit dem wadenlangen Rock schmeichelte ihrer Figur, der Ausschnitt war wie so oft gewagt, aber nicht geschmacklos tief. Und dieses Prachtweib hatte er sich geangelt! Dafür hätte er sich wahrlich auf die Schulter klopfen können.
Um sie nicht bei ihrem Telefongespräch zu stören, stellte er das Essen leise auf dem Tisch ab, setzte sich auf den freien Stuhl und stellte die Lehne ein Stückerl zurück. So genoss er mit einem tiefen, wohligen Seufzen den Blick auf die dunklen Wälder und die frische Abendluft, die nach Tannengrün und süßen Sommerblumen duftete. Schmunzelnd lauschte er der Stimme seiner Frau, die wie ein munterer Wasserfall dahinplätscherte.
„Oh, das ist ja wunderbar“, zwitscherte Hedi jetzt aufgeregt. „Ich freu mich so sehr, ich kann’s kaum erwarten. Freilich werd ich die allerbesten Zimmer für euch beide reservieren!“
Fragend sah Andi Hedi an, nachdem sie aufgelegt hatte. Ihre Wangen waren vor Freude gerötet, ihre Augen funkelten vergnügt.
„Jetzt musst du mir aber sagen, mit wem du dich da so angeregt unterhalten hast“, bat er.
Hedi streckte sich genussvoll, dann erblickte sie den Jausenteller, den er bereit gestellt hatte. Flink griff sie danach und begann, sich ein Semmerl zu belegen.
„Danke, mein Anderl, du bist einfach der Beste!“ Sie warf ihm eine Kusshand zu.
Er grinste. „Ich weiß, ich weiß. Aber das beantwortet net meine Frage. Wer hat denn angerufen, Spatzl?“
„Du bist aber neugierig.“ Vergnügt blitzte es in ihren Augen, als sie ihn noch ein Momenterl zappeln ließ, doch dann erbarmte sie sich: „Du erinnerst dich sicherlich an die Schöller-Judith, gell?“
„Freilich, wie könnte man die denn vergessen? Die ist doch eine richtig wilde Hummel, immer auf Achse, sodass es einem beinahe schwindelig wird.“
Hedi lachte. „Genau so ist sie. Ich muss sagen, ich hab sie ja immer schon für ihre viele Energie bewundert. Wie die das alles wuppt! Im Berufsleben macht ihr so schnell keiner was vor, und nebenbei hat sie ihre Tochter großgezogen, als wär’s das Leichteste der Welt, sich als alleinerziehende Mutter durchzuschlagen.“ Ihr Blick wurde für einen Moment ernster. „Freilich war’s für sie sehr hart, als der Vincent damals gestorben ist. Das Kind war ja damals noch ganz klein, und die Judith hat ihn heiß und innig geliebt. Das war eine schlimme Zeit. Aber man hört sie niemals jammern und klagen, irgendwie kommt sie immer mit allem bewundernswert zurecht.“
„Wie geht’s ihr denn jetzt so? Ist sie wieder auf Reisen?“, erkundigte sich Andi.
Judith war immer schon reiselustig gewesen. Wann immer sie es sich erlauben konnte, der Firma für ein paar Tage oder Wochen den Rücken zu kehren, tingelte durch die Welt. Sie liebte es, in fremde Kulturen einzutauchen und exotische Orte kennenzulernen. Leisten konnte sie sich das freilich problemlos, nicht nur, weil sie beruflich so erfolgreich war, sondern auch wegen des kleinen Vermögens, das ihr verstorbener Mann ihr hinterlassen hatte.
„Ja, tatsächlich war sie jetzt grad in Rom, hat sie mir erzählt. An der Stadt hat sie einen Narren gefressen. Und auch das nächste Reiseziel steht schon fest.“ Freudenstrahlend machte Hedi eine große Geste und wedelte mit ihrer Semmel. „Sie kommt hierher, ins Zillertal! Und zwar mit ihrer Tochter, der Marie.“
„Das ist ja schön“, freute sich Andi mit seiner Frau. Er wusste, wie sehr Hedi es liebte, sich hin und wieder mit ihrer Jugendfreundin zu treffen. Die beiden Damen kannten sich schon lange, und obwohl Judith momentan in Wien lebte, war der Kontakt zwischen ihnen nie abgerissen. „Das Madel muss mittlerweile auch schon recht groß sein, gell?“
„Neunzehn Jahre.“ Hedi nickte. „Die Matura hat sie mit Auszeichnung bestanden, sie war ja immer schon ein gescheites Ding. Mittlerweile studiert sie in Wien Kunstgeschichte und Germanistik, das hat mir die Judith grad erzählt.“
„Schon neunzehn Jahr“, staunte Andi kopfschüttelnd. „Da merkt man wieder einmal so richtig, wie alt man selbst geworden ist.“
Hedi schmunzelte und stupste ihn an.
„Aber geh, von wegen alt. Du hast dich doch ganz gut gehalten.“
„Ganz gut?“, wiederholte er mit gespielter Empörung. „Na, du bist mir vielleicht ein Charmebolzen. Kannst du mir net sagen, dass ich der jugendlichste Adonis bin, den du je erblickt hast?“
Sie lachte schallend. „Das tät dir so passen, mein Lieber. Aber am Ende hebst du mir noch vollends ab. Ich muss ja dafür sorgen, dass du auf dem Boden der Tatsachen bleibst.“
„Von wegen Tatsachen“, murmelte er, konnte sich ein Schmunzeln aber nicht verkneifen.
„Und jetzt, du Adonis, lass uns Frieden schließen“, sagte Hedi zärtlich und zog ihren Balkonstuhl ein Stückerl näher zu Andis, sodass sie Händchen halten konnten.
Gemeinsam ließen sie sich die Jause schmecken, während die Sonne hinter den Zillertaler Berggipfeln versank, und plauderten über die Judith, die Hedi allzu lange nicht mehr getroffen hatte. Die Hotelchefin konnte es kaum erwarten, ihre liebe Jugendfreundin wiederzusehen, um Erinnerungen und Neuigkeiten auszutauschen.
***
Laut röhrend brauste der rote Sportwagen die kurvige Landstraße entlang. Judith schob mit einer Hand ihre Designer-Sonnenbrille hoch, mit der anderen hielt sie das Lenkrad umfasst. Das Dörfchen St. Christoph war weltabgeschieden in einem Seitental des Zillertals gelegen, die Bergstraße dorthin wand sich in unzähligen Serpentinen aufwärts, doch das zwang Judith nicht dazu, langsam zu fahren. Sie hatte ihren geliebten roten Flitzer perfekt unter Kontrolle und trat das Gaspedal nur zu gerne durch.
„Na, was sagst du? Wird höchste Zeit, dass wir einmal gemeinsam hierherkommen“, rief sie gut gelaunt. „Als kleines Madel hab ich ein paar Jahre hier gelebt, bevor meine Eltern mit mir weggezogen sind, aber jetzt noch erkenn ich die Berge an ihren Umrissen. Schau nur, siehst du die zwei schrundigen Gipfel da hinten? Das ist der Hexenstein. Und das da drüben ist das Frauenhorn.“
Marie blickte aus großen, neugierigen Augen hinaus und ließ den Blick über die Landschaft schweifen. Die imposante Schönheit der Natur zog sie ganz in ihren Bann und beflügelte ihre Fantasie. Ein bisserl erinnerten die hohen Berge, schroffen Schluchten und schier endlos weiten Wälder und Wiesen sie an die Märchenbücher, die ihr Vater ihr früher vorgelesen hatte, oder an spannende Fantasy-Filme, die in fernen Welten spielten. Wie atemberaubend schön, wild und ursprünglich sich die Natur hier zeigte! Man glaubte gar nicht mehr, in der realen Welt zu sein. Wenn sie zwischen den Baumriesen plötzlich Feen, Kobolde und Einhörner entdeckt hätte, wäre Marie wohl gar nicht wirklich überrascht gewesen.
Just in dem Moment, als sie das dachte, tauchte plötzlich ein bildhübsches gelbes Barockschlössl vor ihnen auf, das immer wieder zwischen den Bäumen und Hügeln hervorblitzte. Die Illusion, in einem Märchen gelandet zu sein, war damit komplett. Ob darin wohl ein fescher Prinz lebte? Sie sah förmlich vor sich, wie ein goldhaarige Jüngling auf einem weißen Pferd über den Schlosshof trabte, in der Hand eine rote Rose.
„Das ist das Schloss des Barons von Brauneck“, erklärte ihre Mutter, die ihren Blick bemerkt hatte.
„Ein Baron“, wiederholte Marie versonnen. „Wie romantisch.“
Judith lachte. „Der Markus ist ein netter Kerl, ich hab ihn ein paar Mal getroffen, wenn ich die Hedi hier in St. Christoph besucht hab und in der Umgebung ausgeritten bin. Aber ich weiß, was dir grad vorschwebt. Ein Märchenprinz, wie du ihn dir erträumst, ist er net. Er ist net ganz deine Altersklasse, außerdem ist er verheiratet.“
Aber das hinderte Marie nicht daran, ihren Gedanken nachzuhängen. Der Baron von Brauneck mochte nicht der richtige Traumprinz für sie sein, aber irgendwo da draußen in der großen weiten Welt wartete Mr. Right auf sie, und warum nicht ausgerechnet hier an diesem zauberhaften Fleckerl Erde? Das Zillertal schien ihr wie gemacht für herrliche Liebesgeschichten, und so fand sie sich in lebhaften Tagträumen wieder.
Das Quietschen der Bremse riss sie aus ihren Gedanken und vor Schreck verschluckte sie sich, als ihre Mutter ausscherte und den Wagen in einer gewagten Aktion nach rechts steuerte. Judith hingegen strahlte übers ganze Gesicht. Sie hatte einen kleinen Parkplatz mit einem Aussichtsturm am Straßenrand entdeckt.
„Komm schon, mein Madel, das lassen wir uns net entgehen“, beschloss sie fröhlich und war schon aus dem Auto gesprungen.
Beschwingt lief sie die schmale Treppe des Turms bis zur Aussichtsplattform empor: eine zierliche Frau mit honigblondem kinnlangem Haar, deren energetische Bewegungen verrieten, dass sie gerne und viel Sport machte.
Schmunzelnd folgte Marie ihr etwas langsamer. Sie liebte ihre Mutti von ganzem Herzen, aber manchmal fiel es ihr schwer, mit ihr Schritt zu halten. So ging es den meisten Menschen, die Judith kannten, denn sie war fast immer auf Achse. Marie hingegen kam mehr nach ihrem Vater, den jedermann als warmherzigen, verträumten Mann beschrieben hatte. Sie selbst konnte sich noch gut an seinen lieben Blick und seinen sanften Tonfall erinnern, obwohl er gestorben war, als sie noch ein kleines Madel war. Über die Unternehmungslust seiner Frau hatte er oft nur milde gelächelt, doch trotz ihrer Unterschiede waren sie sehr verliebt und glücklich gewesen, bis eine grausame Krebserkrankung Vincent viel zu früh aus dem Leben gerissen hatte.
„Komm schon, lass uns ein Foto von uns beiden machen!“ Schon zückte Judith ihr Handy, legte ihrer Tochter einen Arm um die Schultern und zog sie näher an sich heran.
Ein Klick, dann erschien auf dem Display ein Foto des Mutter-Tochter-Gespanns vor der atemberaubenden Kulisse. Margarete lächelte engelsgleich, die honigblonden Haare umschmeichelten in Wellen ihr hübsches Gesicht, die hellgrünen Augen hatten einen sanften Ausdruck. Judith hingegen strahlte übers ganze Gesicht. In den Augen, die etwas dunkler als die ihrer Tochter waren, lag ein verschmitztes Funkeln.
„Machst du noch ein Foto von mir? Das schick ich dann dem Arno“, beschloss Judith und warf sich gekonnt in Pose. Ihre schwarze Wildlederhose saß knackig eng, die hochwertige tiefrote Seidenbluse betonte ihre gute Figur.
Marie reckte die Daumen hoch, dann machte sie das gewünschte Bild. Judith kicherte wie ein blutjunges Madel, als sie das Foto direkt an ihre neue Urlaubsbekanntschaft Arno schickte.
„Jetzt aber weiter“, beschloss sie danach. „Ich kann’s kaum erwarten, die Hedi zu sehen. Du wirst vom Berghotel begeistert sein!“
***
„Da ist es!“, jubelte Judith.
Mit quietschenden Reifen hielt sie auf dem Hotelparkplatz an, sprang aus ihrem geliebten Sportwagen, stemmte die Hände in die Hüften und betrachtete das Berghotel. Hier war es schön wie eh und je. Ein paarmal hatte sie Hedi hier besucht, und jedes Mal hatte sie sich im schönen Hotel auf Anhieb wohlgefühlt. Es war ein gepflegtes, ganz im alpinen Stil gehaltenes Gebäude, das Hedi und ihr Mann Andi mit viel Liebe und Umsicht leiteten. Kein Wunder, dass die beiden so viele Stammgäste hatten, die Jahr für Jahr wiederkamen.
Sporthotel ‚Am Sonnenhang‘ stand auf dem Schild über der Tür. Herrlich bunte Blumen blühten in Kübeln neben dem Eingang und an den Balkonen. Judith wusste, dass Hedi die Blumen selbst kümmerte und sehr stolz auf die alljährliche Blütenpracht war.
Ein förmlich gekleideter Mann kam auf sie zu. Judith erkannte ihn als Kilian Garnreiter, der schon seit einer ganzen Weile im Berghotel arbeitete. Er wollte ihnen wohl mit dem Gepäck zur Hand gehen, doch er wurde überholt von einem blonden Wirbelwind im feschen rubinroten Dirndl. Hedi Kastler lief jauchzend auf Judith zu und umarmte sie kräftig.
„Hedi! Grüß dich. Wie schön, dich zu sehen“, jubelte Judith und erwiderte die Umarmung.
Es tat so gut, ihre alte Freundin wiederzusehen. Kennengelernt hatten sie sich als kleine Madeln, als Judith eine Weile im Zillertal gelebt hatte. Als Teenager hatten sie sich in Innsbruck zufällig wiedergetroffen, und seither war der Kontakt nicht abgebrochen. Sie schafften es weniger selten, sich zu treffen, als sie eigentlich wollten, aber zumindest telefonisch standen sie regelmäßig in Kontakt. Nun kicherten sie wie zwei Backfische, während sie sich umarmten, als wollten sie einander erdrücken.
„Grüß Gott, die zwei Damen. Ich freue mich sehr, Sie im Sporthotel ‚Am Sonnenhang‘ als unsere geschätzten Gäste begrüßen zu dürfen. Wenn ich Ihnen vielleicht mit dem Gepäck behilflich sein könnte?“, sagte Kilian, der danebenstand, etwas gestelzt.
Hedi lachte. „Ach, Kilian, du musst net so förmlich sein. Die Judith kennen wir doch.“
„Sehr wohl“, entgegnete Kilian höflich, reichte erst Judith, dann Marie die Hand und griff anschließend nach den Koffern, um sie ins Hotel zu tragen.
Hedi löste sich aus der Umarmung, ihr Blick richtete sich neugierig auf das bildhübsche junge Madel.
„Und du bist die Marie, gell? Ich freu mich sehr, dich wiederzusehen! Als wir uns das letzte Mal getroffen haben, warst du ja noch ganz klein. Wahnsinn, was für eine fesche Dame aus dir geworden ist.“
Judith glühte förmlich vor Stolz, als sie bestätigte: „Darf ich vorstellen? Meine Tochter.“
Ehe Marie sich versah, wurde auch sie in Hedis starke Arme gezogen.
„Sehr erfreut“, stammelte sie überrumpelt.
„Und jetzt nix wie rein in die gute Stube“, beschloss Hedi energisch. „Ihr seid’s sicher erschöpft von der langen Fahrt. Oh, wir haben uns ja so viel zu erzählen! Aber das Wichtigste ist, dass ihr einen wunderbaren Aufenthalt hier im schönen Zillertal habt, und dass keine Wünsche offen bleiben.“
***
„Du hast dich gar net verändert“, seufzte Hedi lächelnd und schob ihren Strohhut zurecht, der sie vor der gleißend strahlenden Sonne schützte. „Fit und jugendlich wie eh und je.“
Judith hatte es sich nicht nehmen lassen, Hedi bei der Gartenarbeit zu unterstützen. Obwohl ihr schickes weißes Sommerkleid mit dem großflächigen roten Rosen-Aufdruck eigentlich viel zu schade dafür da, hockte sie also zwischen den Blumen und jätete eifrig Unkraut, dass die Erdbrocken nur so flogen. Jetzt blickte sie hoch und grinste.
