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Ben Schumann ist der Neue in der Gendarmerie von St. Christoph. Im Rahmen seiner Ausbildung absolviert er ein Praktikum bei Ludwig Sirch. Der fesche Bursche bringt die Madeln im Dorf völlig aus der Fassung. Überfälle und Diebstähle stellen sich schnell als falscher Alarm heraus, den die verliebten Mädchen nur vorschürzen, um mit dem Polizeianwärter beim Verhör zu flirten. Ludwig Sirch kann nur den Kopf schütteln über die "narrischen Madeln".
Als ein Einbruch auf dem reichen Krachninghof gemeldet wird, gehen die beiden Polizisten erneut von einem Fehlalarm aus. Doch sie täuschen sich: Tatsächlich fehlen mehrere wertvolle Erbstücke ebenso wie die Spur des Täters.
Nach und nach werden nun alle Bewohner St. Christophs befragt. Die Dörfler zeigen sich kooperativ - bis auf eine. Marie Seidel. Hat sie etwas zu verbergen? War sie zur Tatzeit vor Ort? Aber weil sie gleichzeitig so hübsch und verletzlich wirkt, fällt es Ben schwer, die notwendige professionelle Distanz zu wahren ...
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Seitenzahl: 131
Veröffentlichungsjahr: 2020
Cover
Impressum
Heimliche Zeugin
Vorschau
BASTEI ENTERTAINMENT
Vollständige eBook-Ausgabeder beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe
Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG
© 2020 by Bastei Lübbe AG, Köln
Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller
Verantwortlich für den Inhalt
Titelbild: Markus Gann / shutterstock
eBook-Produktion:3w+p GmbH, Rimpar (www.3wplusp.de)
ISBN 9-783-7325-9761-1
www.bastei-entertainment.de
www.lesejury.de
www.bastei.de
Heimliche Zeugin
Sie war zur falschen Zeit am falschen Ort
Von Verena Kufsteiner
Ben Schumann ist der Neue in der Gendarmerie von St. Christoph. Im Rahmen seiner Ausbildung absolviert er ein Praktikum bei Ludwig Sirch. Der fesche Bursche bringt die Madeln im Dorf völlig aus der Fassung. Überfälle und Diebstähle stellen sich schnell als falscher Alarm heraus, den die verliebten Mädchen nur vorschürzen, um mit dem Polizeianwärter beim Verhör zu flirten. Ludwig Sirch kann nur den Kopf schütteln über die „narrischen Madeln“.
Als ein Einbruch auf dem reichen Krachninghof gemeldet wird, gehen die beiden Polizisten erneut von einem Fehlalarm aus. Doch sie täuschen sich: Tatsächlich fehlen mehrere wertvolle Erbstücke ebenso wie die Spur des Täters.
Nach und nach werden nun alle Bewohner St. Christophs befragt. Die Dörfler zeigen sich kooperativ – bis auf eine. Marie Seidel. Hat sie etwas zu verbergen? War sie zur Tatzeit vor Ort? Aber weil sie gleichzeitig so hübsch und verletzlich wirkt, fällt es Ben schwer, die notwendige professionelle Distanz zu wahren …
„Hört’s einmal alle her, bitte!“
Ludwig Sirch, der kräftige, ein wenig untersetzte Gendarm des kleinen Örtchens St. Christoph in einem Nebental des Zillertals, musste seine ganze, imposante Stimmgewalt einsetzen, um die Anwesenden zum Schweigen zu bringen.
Es war Samstagabend, und das Gasthaus „Zum Ochsen“, von den Ortsansässigen nur Ochsenwirt genannt, gerappelt voll. Unzählige neugierige Burschen und Madeln waren gekommen, um sich „den Neuen“ anzuschauen. In einem Dorf wie St. Christoph sprachen sich solche Neuigkeiten schnell herum.
Unter den Gästen waren auch Hedi und Andi Kastler, die Besitzer des einzigen Hotels am Platze, des Sporthotels „Am Sonnenhang“. Auch sie waren ein bisserl neugierig – vor allem Hedi, die immer gern wusste, was im Dorf vor sich ging, und sich überhaupt sehr für die Belange ihrer Mitmenschen interessierte.
Sowohl Hedi als auch Andi waren in St. Christoph beliebt, da sie offen und freundlich mit Gästen wie Bekannten umgingen und stets hilfsbereit waren. Die beiden waren Mitte vierzig, sie blond und herzlich und er von kerniger, zupackender Natur. Wie so oft trug Hedi auch heute ein Dirndl in einem satten Grünton. Andi war in seinen üblichen Lederkniebundhosen zum rotkarierten Trachtenhemd gekommen.
Hedi reckte sich gespannt, um den jungen Mann, der neben Ludwig Sirch am Tresen stand, besser erkennen zu können.
„Fesch schaut er aus“, kommentierte sie, und Andi kitzelte sie zum Spaß, sodass sie das Gleichgewicht verlor und nicht mehr so genau hinschauen konnte.
„Dass er fesch ist, steht hier net zur Debatte.“
„Mei, man wird’s halt schon noch feststellen dürfen.“
„Du net, mein Spatzl. Deine Aufmerksamkeit soll allein mir gehören.“
Hedi wandte sich zu Andi um und sah, dass er nur Spaß machte.
„Mei Anderl, dir gehört mein Herz. Ab. Dieses vorrausschauende Denken zeichnete eine gute Mitarbeiterin im Hotelgewerbe freilich aus. Deshalb hatten Hedi und Andi ihr er dich schau ich jetzt schon seit zwei Jahrzehnten jeden Tag an. Wenn einmal ein Neuer im Dorf ist, muss ich für ein Momenterl wegschauen dürfen.“ Sie lachte, als Andi ein empörtes Gesicht machte.
Langsam legte sich das Gemurmel, und Ludwig Sirch konnte sich endlich Gehör verschaffen. Der Gendarm war heute Abend in Uniform zum Ochsenwirt gekommen, was selten vorkam, denn die St. Christopher wussten sich beim Trinken zu benehmen, und er wurde fast nie dienstlich hergerufen. Wenn er einmal herkam, dann um mit seinem Stammtisch eine Partie Karten zu spielen, wie es viele im Dorf taten. Doch heute Abend war er immerhin beinahe dienstlich hier. Auch der junge Mann neben ihm trug Uniform.
„Ich möcht euch jemanden vorstellen“, sagte er in das gespannte Schweigen der Dorfbewohner hinein. „Dies hier ist mein neuer Kollege Ben Schumann. Er wird uns vier Monate lang in der Gendarmerie unterstützen. Der Bursche macht eine Ausbildung zum Polizisten und absolviert in diesem Rahmen ein Praktikum bei mir.“
„Hört, hört!“, riefen einige Madeln und brachen in Gelächter aus. Offensichtlich war auch ihnen aufgefallen, wie gut der junge Polizeianwärter ausschaute.
Er war groß und sportlich gebaut, mit breiten Schultern und flachen Bauchmuskeln, die Andi schon länger unter einem Wohlstandsbäuchlein versteckte. Am interessantesten jedoch war das Gesicht des Burschen. Seine offenen, braunen Augen schienen jedes Detail wahrzunehmen und blickten dabei so freundlich und warmherzig in die Runde, dass man das Gefühl bekam, man könne sich ihm anvertrauen.
Hedi glaubte, dass das für einen jungen Polizisten bestimmt von Vorteil war. Weil er die Polizeimütze unter den Arm geklemmt hielt, sah sie seine kurzen dunklen Haare. Doch am attraktivsten war freilich sein breites, einnehmendes Lächeln mit ausgesprochen weißen Zähnen. Er hätte für das Paradebild eines feschen jungen Polizisten posieren können.
„Mei, so gut schaut er nun auch wieder net aus, dass du ihn so anstarren musst“, murmelte Andi, während Ben Schumann sich den St. Christophern in warmen Worten vorstellte und betonte, er hoffe, man könne freundschaftlich miteinander umgehen.
„Das hoffen wir auch“, riefen die Madeln kichernd und prosteten dem jungen Polizisten zu, was dieser mit einem strahlenden Lächeln quittierte.
„Bei den Madeln kommt er jedenfalls gut an“, flüsterte Hedi an Andi gewandt.
„Net bei unserer Marie. Schau“, widersprach dieser und deutete auf einen Tisch hinten in einer Ecke, wo Marie mit ihrer kleinen Schwester Anna saß.
Marie Seidel war süße neunzehn Jahre alt und half im Moment sehr oft bei ihnen im Sporthotel „Am Sonnenhang“ aus. Mitten in der sommerlichen Hauptsaison konnten die beiden Köche des Hotelrestaurants jede Hilfe gebrauchen, und Marie war ein ausgezeichnetes Serviermadel – höflich, pünktlich und immer konzentriert bei der Sache. Manch ein Gast hatte gar schon lobend behauptet, sie habe seine Wünsche erraten, bevor er sie überhaupt ausgesprochen hatte nach der bestandenen Matura geraten, eine Ausbildung in diesem Bereich zu machen.
Marie war hübsch, ein eher dunkler Typ mit langen, leicht welligen, dunkelbraunen Haaren und aufmerksamen Augen, die an die Farbe von Karamellbonbons erinnerten. Bei der Arbeit trug sie praktische, stets tadellos gepflegte Dirndl in kräftigen Farben. Heute war es ein leuchtendes Himmelblau, das Hedi selbst gern gehabt hätte. Sie musste Marie bei Gelegenheit fragen, wo sie dieses schöne Kleid gefunden hatte. Die Haare trug sie offen, und sie wäre für jeden Burschen interessant gewesen, wenn sie nicht solch ein verschlossenes, ja, abweisendes Gesicht gemacht hätte. Ihre zurückhaltende Schwester Anna, gerade einmal vierzehn Jahre alt, hockte neben ihr und sah aus, als fühle sie sich recht unwohl in ihrer Haut, während Marie den jungen Gendarm anstarrte, als habe er sie persönlich beleidigt.
„Was sie wohl hat?“, fragte sich Hedi laut. „Sie schaut doch sonst net so finster drein.“
„Mei, sie wird sich halt fragen, warum die Madeln solch ein Gewese um den armen Burschen machen“, gab Andi zurück. „Die bedrängen ihn ja regelrecht.“
Das stimmte allerdings. Nun, da Ludwig Sirch den jungen Polizisten vorgestellt und die lautstarke, fröhliche Atmosphäre beim Ochsenwirt wiedereingesetzt hatte, war eine ganze Reihe Madeln von ihren Stühlen aufgesprungen und zu Ben Schumann an die Theke geeilt. Wie ein Rudel Wölfe umlagerten sie ihn in einem sich immer enger ziehenden Halbkreis, aus dem Sirch längst geflüchtet war, um sich ein Stückerl weiter mit seinen Bekannten zu unterhalten.
Beinahe musste Hedi lachen, während sie beobachtete, wie die Madeln sich um die Aufmerksamkeit des Burschen bemühten. Es fehlte nur noch, dass sie wie die I-Männchen in der Volksschule mit den Finger schnipsten, um sprechen zu dürfen.
Wie alt mochte er sein? Vielleicht gerade einmal Anfang zwanzig?
Mehr als einmal musste er ein angebotenes Bier oder einen Wein ablehnen. Er sei im Dienst, betonte er und nippte an einer frischen Saftschorle. Damit wurde er Hedi recht sympathisch. Allzu schnell schien er sich von den Madeln nicht einwickeln zu lassen, und man fühlte sich doch wohler, wenn die Gendarmerie solchen Versuchungen nicht erlag.
Die St. Christopher Burschen warfen ihm dennoch neidische Blicke zu. Zweifellos fragte sich jeder, warum er eigentlich keine Ausbildung zum Polizisten machte.
Irmi und Jo Krachning, ein Geschwisterpaar von achtundzwanzig und zwanzig Jahren, das gemeinsam den Bauernhof der früh verstorbenen Eltern weiterführte, warfen sich amüsierte Blicke zu, bevor der große, kräftige Jo aufstand und zum Tresen hinüberging.
„Madeln, Madeln! Jetzt gönnt’s dem Burschen doch ein bisserl Ruh“, polterte er in seiner lauten, etwas ungehobelten Art, worauf sich einige tatsächlich abwandten und zurück an ihre Tische gingen.
Ben Schumann lächelte dankbar, doch Hedi konnte sich nicht helfen. Irgendwie war Jo ihr unsympathisch. Dabei kannte sie ihn kaum und hatte keinen Grund, sich über ihn zu beklagen. Der große Bursche wirkte zwar oft ein bisserl ungepflegt– mit schlecht gekämmten Haaren und ungebügelten Hemden – aber das sprach wohl kaum gegen ihn. So oberflächlich war Hedi nun auch wieder nicht. Immerhin gehörte ihm und seiner Schwester einer der reichsten Bauernhöfe in St. Christoph. Da war es in gewisser Weise sogar anständig, dass er diesen Reichtum nicht zur Schau trug.
Hedi schüttelte über sich selbst den Kopf und wandte sich wieder Andi zu.
„Schau, die Marie geht schon. Morgen wird ein langer Tag, und wir haben unsere Neugierde gestillt“, sagte sie und trank den letzten Schluck ihres schal werdenden Bieres. „Wollen wir’s packen?“
Andi antwortete mit einem zweifelnden Blick.
„Mei, Spatzl. Es wird doch grad erst richtig lustig.“ Er hatte gerade erst einige Stammtisch-Freunde ausgemacht und wollte noch bleiben.
Sie drückte ihm ein zärtliches Busserl auf die Wange.
„Weißt du was? Dann lauf ich mit der Marie heim, und du bleibst noch ein bisserl. Einverstanden?“
Andis Augen leuchteten. „Freilich. Du bist die Beste, Schatzl!“
„Weiß ich, Anderl. Das weiß ich doch.“
Lachend beeilte sie sich, Marie und ihre kleine Schwester einzuholen, die schon zur Tür hinaus waren. Man musste seinem Mann auch Freiheiten einräumen, aber Hedi lief nicht gern allein durch die Dunkelheit.
Obwohl in St. Christoph so gut wie nie etwas passierte. Der Polizeianwärter würde sich bei ihnen wahrscheinlich außerordentlich langweilen.
***
Die ersten Wochen in St. Christoph waren für Ben zwar nicht übertrieben ereignisreich, aber dennoch sehr anstrengend. Jeder kannte jeden im Dorf, und auch die Bewohner der umliegenden Gemeinden lebten größtenteils von Geburt an dort. Sie wussten alles übereinander, und der Gendarm Ludwig Sirch war ein fester Bestandteil dieses Dorfgefüges. Außerdem strahlte er eine natürliche Autorität aus, konnte sogar ordentlich streng werden, wenn sein Dienst es erforderte.
Für Ben hingegen war alles neu. Redlich bemühte er sich, die Namen der Dorfbewohner zu lernen und in etwa zu erfassen, wer sich mit wem gut stellte oder eben nicht so gut und warum. Solche Verwicklungen konnten bei der Arbeit eines Dorfpolizisten nützlich sein, hatte Sirch erklärt, und Ben gab sein Bestes, sie zu erfassen. Aber das war nicht leicht, wenn man nicht hier lebte, sondern nur für ein paar Monate hergekommen war.
Und dann war da noch die Sache mit dem Respekt.
Während Sirch von allen mit großer Hochachtung behandelt wurde, fühlte Ben sich eher … nicht besonders ernst genommen.
Nun ja, es war nicht so, als hätte man ihm in St. Christoph keinen herzlichen Empfang bereitet. Man hatte ihn eher ein bisserl zu sehr bedrängt, fand er. Vor allem die Madeln. Mit Schaudern erinnerte er sich an seinen ersten Abend, als Sirch ihn beim Ochsenwirt vorgestellt hatte. Sicher, eine Gastschenke verbreitete eine lockere Atmosphäre, aber dass die Madeln überhaupt keinen Abstand gehalten hatten … Flößte er ihnen denn überhaupt keinen Respekt ein? Nicht einmal die Uniform?
Dabei hatte er oft sogar das Gefühl, dass es gerade die Uniform war, die die Madeln narrisch werden ließ. Was ihm gar nicht behagte. Freilich schmeichelte es ihm, dass er gut ankam. Aber im Praktikum während der Ausbildung wollte man doch nicht gerne wie ein Schürzenjäger rüberkommen.
Zumal Ben durchaus bemerkte, wie Sirch immer wieder ungläubig den Kopf schüttelte, wenn sie etwa bei einer Kontrollrunde über den kleinen St. Christopher Markt an einem der ortsansässigen Madeln vorbeikamen und diese ihm recht offensiv schöne Augen machte.
Eine tat sich besonders hervor, ein junges Madel von vielleicht gerade einmal achtzehn oder neunzehn Jahren mit langen, goldblonden Haaren und klarblauen Augen. Schon beim Ochsenwirt war sie in der Gruppe der vorlauten kleinen Biester gewesen, die bei seinem Anblick in Kichern ausgebrochen waren. Nun klimperte sie unweigerlich mit den Augen, sobald sie ihn sah, und verzog ihre Lippen zum Schmollmund. Es hätte ihm schmeicheln können, wären ihm Sirchs fragende Blicke nicht aufgefallen. Wann immer die Madeln ins Spiel kamen, hatte Ben das Gefühl, bei seinem Chef unter Beobachtung zu stehen. Fast, als würde er einer Prüfung unterzogen.
Und dann fiel Sirch etwas auf. Er zitierte Ben in sein Büro und setzte ihm auseinander, seit Ben in St. Christoph sei, habe man einen rasanten Anstieg an kriminellen Aktivitäten zu verzeichnen.
„Wie bitte?“ Ben wurde heiß und kalt. Das war sicher kein gutes Zeichen.
„Mei, ja. So viele Delikte, wie hier gerade gemeldet werden … Einbruch, Diebstahl, bedrohliche Gestalten vor dem Haus … Und nie ist irgendwas zu finden. Und immer sind die Anrufe weiblich.“
Dabei sah Sirch ihn so seltsam an, dass Ben am liebsten gestanden hätte, er selbst sei die Bedrohung. Was er natürlich nicht war. Er war ja schließlich Polizist – oder wollte zumindest einer werden. Aber so ratlos, wie er sich gerade fühlte, war der Weg dahin wahrscheinlich noch weit.
Am Freitagnachmittag ging schon wieder eine Meldung in der Gendarmerie ein. Ben nahm den Hörer des Notruftelefons ab.
„Bitteschön, ist da die Gendarmerie?“, fragte eine helle Mädchenstimme, obwohl Ben gerade noch laut und deutlich seinen Namen und die Bezeichnung der Polizeidirektion genannt hatte.
„Ja, freilich. Was kann ich für Sie tun?“, antwortete er betont freundlich.
„Ich möcht … ähm … einen Einbruch melden“, erklärte das Madel und ergänzte, es sei ganz, ganz schlimm, und ob der junge Herr Polizeiaspirant nicht direkt vorbeikommen könne? Sie ängstige sich zu Tode …
Was seltsamerweise überhaupt nicht zu ihrem Tonfall passte, der eher forsch und aufgeräumt klang. Aber da konnte man sich am Telefon freilich auch täuschen, und Ben wollte nicht, dass ein verängstigtes Opfer seinetwegen keine Hilfe bekam.
Also ließ er sich Namen und Adresse geben und versprach, so schnell wie möglich bei ihr zu sein.
Sirch war ebenfalls der Meinung, dass man sich die Sache gleich einmal anschauen müsse, und sie sprangen hastig in ihren Dienstwagen, schalteten das Blaulicht ein und rasten durch die engen Gassen des Dorfes.
Am Tatort angekommen, öffnete ihnen das betroffene Madel, noch bevor sie die Klingel betätigen konnten, und Ben blieb sein freundlicher Gruß beinahe im Halse stecken, als er in der vermeintlich Beschädigten ebenjenes blonde Madel erkannte, die ihm allerorten zuzwinkerte. Auch jetzt schob sie wieder ihre lippenstiftrote Unterlippe vor und bat die beiden Polizisten hinein. Ihrem stark geschminkten Gesicht war deutlich abzulesen, dass sie mit Sirch nicht gerechnet hatte.
Ein Eindruck, der sich noch verstärkte, als sie in die Wohnkammer des Hauses traten und dort ein Kaffeetisch gedeckt war – für zwei. Selbstgebackenes verströmte einen verlockenden Duft, der sich mit dem Aroma frisch aufgebrühten Kaffees vermischte. Auch ein Hochprozentiger und zwei Schnapsstamperl standen bereit. Die Mitte des kleinen Tisches zierte ein Strauß frischer Wildblumen.
Sirch legte den Kopf schief. „Bist du allein zu Haus, Sina?“
Das Madel zuckte mit den Schultern.
„Freilich. Die Eltern sind auf dem Feld bei der Arbeit.“ Ben merkte, dass es ihr unangenehm war, von den Eltern zu sprechen. Jung, wie sie war, wollte sie sich betont erwachsen geben – vermutlich, um ihn zu beeindrucken.
Es funktionierte nicht.
„Und der Kaffeetisch ist für deine Eltern, wenn sie heimkommen?“, stellte Sirch die Frage, die auch Ben auf der Zunge lag. Nur hatte er taktlos gefunden, sie zu stellen. Das ganze Arrangement sah aus wie eine Einladung an einen Burschen.
Sina Printner – jetzt war auch Ben ihr Name eingefallen, den er schon bei Gesprächen über die Dorfbewohner gehört hatte.
