Das Berghotel 222 - Verena Kufsteiner - E-Book

Das Berghotel 222 E-Book

Verena Kufsteiner

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Beschreibung

Die alleinerziehende Marie fährt mit Töchterchen ins Berghotel. Esther ist ein Sorgenkind. Die Fünfjährige ist sehr scheu und in sich gekehrt. Marie hofft, dass die Natur und die Tiere einen guten Einfluss auf das Mädchen haben und ihm helfen, sein Schneckenhaus zu verlassen.
Hedi Kastler mit ihrem feinen Gespür für die Sorgen ihrer Gäste, empfiehlt Mutter und Tochter den kleinen Streichelzoo auf dem Gaismair-Hof. Die süßen Schafe und Ziegen haben noch jedes so traurige Herz im Sturm erobert.
Und tatsächlich: Die kleine Esther taut endlich auf, ist wie ausgewechselt. Als sie bei einer Ziegengeburt dabei sein darf, da ist es vollends geschehen um das kleine Mädchen. Fortan verbringt Esther jeden Tag auf dem Gaismair-Hof, um Zicklein Wölkchen die Flasche zu geben oder um gemeinsam mit ihm um die Wette zu springen. Am liebsten möchte sie sich gar nicht mehr von ihrer geliebten neuen Freundin trennen. Doch die Abreise rückt immer näher, und eines Morgens liegt Esther nicht in ihrem Bett ...

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Seitenzahl: 124

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Inhalt

Cover

Impressum

Unzertrennlich

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige eBook-Ausgabeder beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2020 by Bastei Lübbe AG, Köln

Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: Vorobev Maksim / shutterstock

eBook-Produktion:3w+p GmbH, Rimpar (www.3wplusp.de)

ISBN 9-783-7325-9887-8

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

www.bastei.de

Unzertrennlich

Heimatroman um eine tierisch starke Freundschaft

Von Verena Kufsteiner

Die alleinerziehende Marie fährt mit Töchterchen ins Berghotel. Esther ist ein Sorgenkind. Die Fünfjährige ist sehr scheu und in sich gekehrt. Marie hofft, dass die Natur und die Tiere einen guten Einfluss auf das Mädchen haben und ihm helfen, sein Schneckenhaus zu verlassen.

Hedi Kastler, mit ihrem feinen Gespür für die Sorgen ihrer Gäste, empfiehlt Mutter und Tochter den kleinen Streichelzoo auf dem Gaismair-Hof. Die süßen Schafe und Ziegen haben noch jedes so traurige Herz im Sturm erobert.

Und tatsächlich: Die kleine Esther taut endlich auf, ist wie ausgewechselt. Als sie bei einer Ziegengeburt dabei sein darf, da ist es vollends geschehen um das kleine Mädchen. Fortan verbringt Esther jeden Tag auf dem Gaismair-Hof, um Zicklein Wölkchen die Flasche zu geben oder um gemeinsam mit ihm um die Wette zu springen. Am liebsten möchte sie sich gar nicht mehr von ihrer geliebten neuen Freundin trennen. Doch die Abreise rückt immer näher, und eines Morgens liegt Esther nicht in ihrem Bett …

„Es ist nicht das, wonach es aussieht“, murmelte Marie schniefend und beugte sich vor, um noch ein weiteres Taschentuch aus dem Spender auf dem Couchtisch zu zupfen. „Ich dachte immer, dass man solche Sprüche nur in schlechten Filmen hört.“

„Wahrscheinlich hat Adrian zu viele schlechte Filme angeschaut“, mutmaßte Maries Mutter Tina. Es hatte ein kleiner Scherz sein sollen. Doch statt zu lächeln, flossen die Tränen nur noch schneller. „Komm schon, Hasi“, fuhr Tina unglücklich fort. „Andere Mütter haben auch schöne Söhne. So lange wart ihr ja noch nicht zusammen. Und mit Esther hat Adrian sich auch nicht gut verstanden.“ Beim Gedanken an ihre fünfjährige Enkeltochter musste Tina lächeln.

„Esther versteht sich mit kaum jemandem auf Anhieb. Das weißt du so gut wie ich“, widersprach Marie mit einem Anflug von Trotz. „Deshalb habe ich ja den Urlaub in St. Christoph gebucht. Dort hätten die beiden endlich einmal die Gelegenheit gehabt, sich besser kennenzulernen. Vielleicht hätten sie sogar Freundschaft geschlossen.“

Das zerknüllte Taschentuch landete auf dem Haufen, der auf dem Boden vor dem Sofa langsam aber beständig wuchs.

„Statt mit dem Schicksal zu hadern, solltest du Adrian lieber dankbar sein. Stell dir mal vor, die beiden wären wirklich Freunde geworden und du hättest erst später erfahren, dass er ein Lügner und Betrüger ist. So ein Vertrauensbruch wäre nur schwer zu verkraften für meinen kleinen, sensiblen Schatz.“

Tief in ihrem Inneren wusste Marie natürlich, dass ihre Mutter recht hatte. Doch noch war die Erinnerung zu frisch. Noch taumelte das Bild durch ihren Kopf, das sich ihr am Nachmittag geboten hatte.

Zur Feier des Tages war sie an diesem Freitag früher aus dem Büro gekommen. Esther war bei einer Freundin und die Gelegenheit günstig, ein, zwei ungestörte Stunden mit ihrem neuen Freund zu verbringen. Nachdem Esthers Vater noch in der Schwangerschaft davongelaufen war, war Marie allein mit ihrem kleinen Sorgenkind geblieben, bis sie vor ein paar Monaten Adrian kennengelernt hatte.

Vor ihrem Mietshaus war sie gestolpert und ihm sprichwörtlich vor die Füße gefallen. Das strahlende Lächeln des Versicherungsvertreters und seine Zuvorkommenheit hatten sie nachhaltig geblendet, so dass sie nur zu gerne über seine Unzulänglichkeiten hinwegsah. Oder lag es an ihrer mangelnden Erfahrung, dass sie geliehenes Geld nicht zurückforderte, Einkäufe und Restaurantbesuche aus eigener Tasche bezahlte und ihm jeden Wunsch von den Augen ablas?

Doch nach all den Jahren der Einsamkeit überwog die Freude über die Zweisamkeit, die starken Arme eines Mannes und das Gefühl, nicht mehr allein zu sein, dass Marie alles andere beiseiteschob. Bis zu diesem Freitagnachmittag, als sie Adrian auf dem Nachhauseweg in den Armen einer anderen entdeckt hatte. Direkt vor dem Haus! Als wäre das nicht schon schlimm genug gewesen, hatte er ihr auch noch die Schuld in die Schuhe geschoben, weil sie unangekündigt früher von der Arbeit gekommen war. Der Gedanke an diese Unverschämtheit raubte Marie noch immer den Atem und ließ die Tränen wieder fließen.

„Aber wir wollten doch nächste Woche verreisen“, heulte sie auf. „Es sollte alles so schön werden da oben in dem verträumten Bergdorf.“

„Moment mal!“ Tina stutzte. „Hast du mir nicht erzählt, Adrian wäre lieber in ein Luxus-Resort ans Meer gefahren statt in die Berge?“

„Ja, na ja, schon“, gab Marie zögernd zu.

Zornesfalten kräuselten Tinas Stirn.

„Wahrscheinlich hat er nur zugestimmt, weil du den Urlaub bezahlen wolltest.“

Das stimmte, und insgeheim ärgerte sich Marie, ihrer Mutter in einer schwachen Stunde ihr Leid geklagt zu haben. Andererseits hatte Tina schon immer ein offenes Ohr für die Sorgen und Nöte ihrer einzigen Tochter gehabt. Sie hatte immer eine Lösung parat, auch wenn es nicht die beste war, und war stets um das Wohl ihrer beiden Lieben bemüht. So war es auch diesmal. Tina legte den Arm um Maries Schultern und zog sie an sich.

„Ach, meine Süße“, seufzte sie und streichelte mitfühlend ihren Rücken. „Wenn ich diesen Kerl in die Finger bekomme, zerquetsche ich ihn wie einen Floh.“ Eine Idee kam ihr in den Sinn und ihre Miene hellte sich auf. „Aber vorher machen wir drei Hübschen etwas anderes.“

Marie horchte auf. Sie kannte diesen Tonfall.

„Und was?“

„Was hältst du davon, wenn einfach ich zusammen mit euch in den Urlaub fahre? Ganz wie früher, als Papa noch gelebt hat.“

„Und was ist mit deiner Arbeit?“

„Momentan ist nicht so viel los und die Abteilung ist gut besetzt.“ Je länger Tina über diese Idee nachdachte, umso besser gefiel sie ihr. „Ich rede mal mit meinem Chef. Bestimmt kann Eduard mich entbehren. Dann kommst du gar nicht erst in die Versuchung, deinen Urlaub als Trauerkloß zu verbringen.“

Verglichen mit dem ursprünglichen Plan fand Marie dieses Angebot nett, aber nicht besonders reizvoll. Aber recht hatte ihre Mutter schon. Schon die Vorstellung, die Abende alleine auf dem Zimmer zu verbringen, trieb wieder Tränen in Maries Augen.

„Also gut.“ Schniefend fügte sie sich in ihr Schicksal. „Gleich morgen rufe ich im Hotel an und buche die Zimmer um.“

Tina lächelte zufrieden.

„Wir drei machen uns eine richtig schöne Zeit“, versprach sie innig. „Und am Ende des Urlaubs wirst du dich gar nicht mehr daran erinnern, dass es diesen Adrian überhaupt in deinem Leben gegeben hat.“

***

Am nächsten Morgen stand die Hotelchefin Hedi Kastler schon früh an der Rezeption ihres geliebten Sporthotels „Am Sonnenhang“. Um diese Uhrzeit war noch nicht viel los, so dass sie ein wenig Zeit für Träumereien hatte.

Sie ließ den Blick durch die Lobby schweifen, die wie die Zimmer im alpenländischen Stil eingerichtet war. Sie atmete tief ein und saugte den Duft des Zirbelholzes auf. Obwohl Hedi und ihr Mann Andi ein gemütlich eingerichtetes Haus etwa fünfhundert Meter aufwärts im Grünen bewohnten, war das Hotel ihr eigentliches Zuhause. Hier lebten und arbeiteten sie und kümmerten sich um das Wohl ihrer zahlreichen Gäste, häufig Stammgäste, die immer wieder den Weg hinauf ins idyllische St. Christoph fanden. Kein Wunder, bot das Hotel doch alle Annehmlichkeiten, die man sich wünschen konnte.

Neben vielfältigen Sportmöglichkeiten sorgten Pool, Hallenbad und Saunalandschaft für Entspannung. In der kleinen Beauty-Farm bot die Kosmetikerin und Physiotherapeutin Gerti Wachter Massagen und Verdampfungen mit dem beliebten Wildrosenöl an. Natürlich war auch für das leibliche Wohl gesorgt. Nach einem ereignisreichen Tag konnten sich die Besucher im hoteleigenen Restaurant nach Strich und Faden verwöhnen und den Abend im gemütlichen Weinstüberl oder der kleinen Bar im Souterrain ausklingen lassen.

Doch noch lag der Tag verheißungsvoll vor Hedi. Ihr Blick fiel durch die Glastür nach draußen auf den sonnenüberfluteten Vorplatz. Trotz der frühen Stunde hatte Kilian Garnreiter schon ganze Arbeit geleistet. Der Kies war frisch geharkt, ihre Lieblingsrose im Rosengarten streckte der Sonne die pastellfarbenen Blüten entgegen. Im Hintergrund leuchteten die grünen Almwiesen, über denen sechs steinerne Gipfel aufragten.

„Du träumst ja mit offenen Augen, Spatzl.“

Die zärtliche Stimme ihres Mannes riss Hedi aus ihren Betrachtungen. Ohne dass sie es bemerkt hatte, war Andi zu ihr hinter den Tresen getreten. Sein Atem kitzelte sie am Ohr. Lächelnd drehte sie sich zu ihm um.

„Dabei habe ich das gar net nötig. Mein Leben fühlt sich an wie ein einziger, schöner Traum.“

Sie streckte die Hand aus und streichelte ihrem Mann über die Wange. Worte der Liebe lagen ihr auf den Lippen. Bevor sie sie aber aussprechen konnte, klingelte das Telefon.

„Hotel „Am Sonnenhang“, Sie sprechen mit Hedi Kastler“, meldete sie sich. Ohne Andi aus den Augen zu lassen, lauschte sie in den Hörer. Gleich darauf klapperte die Computertastatur unter ihren Fingern. „Sie haben Glück, Frau Goerg. Ich kann das Familienzimmer auf ein Doppel- und ein Einzelzimmer umbuchen. Dann reisen Sie wie vereinbart in der kommenden Woche an? Wir freuen uns auf Sie. Auf Wiederhören.“ Hedis Lächeln erlosch, kaum dass sie den Hörer zurück auf die Gabel gelegt hatte. „Schade, dass nicht alle so ein Glück in der Liebe haben können wie wir zwei“, murmelte sie, während sie die geänderte Reservierung abschloss.

Andi runzelte die Stirn.

„Wie kommst du denn auf so was? Nur weil ein Gast ein Zimmer umbucht?“

„Von einem Familienzimmer auf ein Doppel- und ein Einzelzimmer“, korrigierte Hedi ihren Mann. „Das sagt doch alles!“

„Vielleicht ist der Familienvater verhindert und jemand anderer nimmt seinen Platz ein.“

„Verhindert? Nein, das glaube ich nicht.“ In aller Entschiedenheit schüttelte Hedi den Kopf. „So hat Frau Goerg nicht geklungen. Und glaub mir, als Frau spüre ich so was.“

Andi lachte leise. Er legte die Hände auf Hedis Hüften und zog sie an sich.

„Und was sagt dir dein Gespür über mich?“, raunte er dicht an ihrem Ohr.

„Dass dir mein Wohl am Herzen liegt und du mir deshalb aus der Küche ein schönes Haferl Kaffee holst. Und dann musst du dich unbedingt mit dem Abendorff-Florian wegen unserem Heimatabend treffen. Er hat mir versprochen, mit seinen Schuhplattlern aufzutreten. Von der Musikkapelle hab ich auch noch keine Rückmeldung. Und vielleicht kannst du mal mit der Rosi reden. Ich glaub, sie ist mal wieder mit dem Leo aneinandergeraten und will nicht mehr mit ihm kochen …“

„Schon gut, schon gut!“ Lachend hob Andi die Hände. „Ich hab schon verstanden. Das ist deine Art, mir zu sagen, dass du ohne mich nicht leben kannst.“

„Nicht nur das.“ Hedis Augen blitzten vergnügt.

„Was noch?“

„Das, mein Lieber, verrate ich dir heute Abend“, gluckste sie vergnügt, drückte ihm einen letzten Kuss auf die Lippen, ehe die ersten Gäste aus ihren Zimmern kamen und auf dem Weg ins Restaurant auf ein Schwätzchen an der Rezeption Halt machten.

***

Holzspäne spritzten durch die Luft, als der Tischler Florian Abendorff mit dem Hobel über die Schnittkanten fuhr. Andi Kastler hatte eine neue Sitzbank für den Rosengarten bei ihm bestellt, die bald ihren Platz unter dem prächtigen Rosenbogen beziehen sollte. Sein Freund Severin Gaismair hielt schützend die Hände vors Gesicht.

Trotz unterschiedlicher Lebenswege hatten sich die beiden Freunde nie aus den Augen verloren. Nach dem Realschulabschluss hatte sich Florian dazu entschieden, in den Familienbetrieb einzusteigen und eine Tischlerlehre zu machen.

Severin dagegen verspürte wenig Lust, den Bauernhof des Vaters zu übernehmen. Stattdessen war er nach Abitur und Studium nach München gegangen und hatte sich dort als Steuerberater selbstständig gemacht. Das hinderte ihn nicht daran, seinem Heimatdorf St. Christoph in regelmäßigen Abständen Besuche abzustatten. In den vergangenen Jahren war Severin dabei – sehr zum Leidwesen seines besten Freundes – stets in weiblicher Begleitung gewesen.

Nun stand er mit mürrischer Miene neben Florian und sah ihm bei der Arbeit zu. Florian legte den Hobel weg und fuhr prüfend mit der Hand über die Kante der Sitzfläche.

„Jetzt sag endlich, was los ist“, wollte er nebenbei wissen.

„Was soll denn los sein?“

Florian richtete sich auf.

„Mir kannst du nichts vormachen. Es hat bestimmt einen Grund, warum du ohne Vorankündigung und mutterseelenalleine plötzlich bei mir in der Werkstatt auftauchst.“ Er warf einen Blick über Severins Schulter. „Wo steckt denn deine holde Carlotta? Hast du sie schon bei deinem Vater abgeladen?“

Severin wich dem forschenden Blick aus stahlblauen Augen aus.

„Lotta ist in München geblieben.“

„Wirklich? Sonst lässt sie dich doch auch keinen Schritt alleine machen.“

„Ab und zu braucht man eben seine Freiräume. Aber davon hast du als ewiger Single ja keine Ahnung“, erwiderte Severin schärfer als nötig.

Florian stutzte nur kurz.

„Oh oh, das klingt aber ganz anders als in den vergangenen zwei Jahren. Lass mich raten: Im Paradies sind Gewitterwolken aufgezogen!“

Die Versuchung zu leugnen war groß. Doch der Blick in das Gesicht seines Freundes genügte, um Severin schwanken zu lassen.

„Nicht nur das“, rückte er endlich mit der Wahrheit heraus. „Wir haben uns vor ein paar Tagen getrennt.“

Für den Bruchteil einer Sekunde schien die Welt stillzustehen. Als hätte jemand den Ton abgestellt, war es mit einem Schlag mucksmäuschenstill in der Tischlerei.

„Was ist passiert?“, fragte Florian nach einer gefühlten Ewigkeit.

Severin stand noch immer an der Hobelbank. Seine Hände steckten in den Hosentaschen. Er kickte ein Stück Holz weg. Es klapperte durch den Raum, bis es an der Tür liegen blieb.

„In letzter Zeit lief es nicht mehr ganz so rund bei uns“, begann er endlich stockend zu erzählen. „Unsere Beziehung hat sich nur noch im Geschäft abgespielt. Also habe ich beschlossen, Carlotta am Freitagabend zu überraschen. Ich bin früher von der Arbeit gegangen, hab Champagner und Sushi gekauft, weil Carlotta das so liebt. Ich habe Blumen besorgt und alles schön hergerichtet.“ Severin verzog das Gesicht. „So eine Blamage habe ich nie zuvor erlebt.“

„Jetzt erzähl schon, was ist passiert?“

„Statt sich zu freuen, hat Carlotta den romantischen Abend dazu genutzt, um mir mitzuteilen, dass sie in die Steuerkanzlei unseres schärfsten Konkurrenten einsteigt. Und das so kurz vor unserem gemeinsamen Urlaub.“

„Wo hat sie denn plötzlich die neue Stelle her?“

„Das war von langer Hand geplant. Sie wusste nur nicht, wie sie es mir beibringen sollte“, seufzte Severin. „Jedenfalls hat sie noch am selben Abend ihre Koffer gepackt. Das war’s dann. Zwei gemeinsame Jahre mit einer Unterschrift weggewischt.“ Severin ließ den Kopf hängen.

Tröstend legte Florian den Arm um die Schultern seines Freundes.

„Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Jetzt kann ich es dir ja sagen. Meiner Ansicht nach hat die feine Carlotta dich schon die ganze Zeit ausgenutzt. Du hast ihr eine Chance in deiner Kanzlei gegeben, obwohl sie nicht halb so gut war, wie sie dachte.“ Nur zu gut erinnerte er sich an die verhaltenen Klagen seines Freundes. „Und kaum bietet sich was Besseres, ist sie auf und davon. Nach Liebe klingt das nicht gerade.“

„Wahrscheinlich hast du recht.“