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Rosi Stadler, die Köchin des Berghotels, hat eine Schwester in Wien. Diese ruft verzweifelt an: Ihre Tochter Caro ist außer Rand und Band, hat nur noch Flausen im Kopf und sorgt bei jeder Gelegenheit für Chaos. Seit Annemaries Mann vor einigen Jahren verstorben ist, findet sie keinen richtigen Zugang mehr zu ihrer Tochter. Die Schule hat das Madel kurz vor der Matura abgebrochen und sich in den Kopf gesetzt, Köchin zu werden. Annemarie bittet ihre Schwester Rosi um Hilfe. Die verspricht, ihre Nichte unter ihre Fittiche zu nehmen.
So wendet sich Rosi also an die Kastlers. Und tatsächlich: Caro darf einen Sommer lang als Serviermadel im Berghotel arbeiten, um zu sehen, ob ihr die Arbeit in der Gastronomie überhaupt gefällt. Das fröhliche und selbstbewusste Madel weiß sich im Hotel rasch zu behaupten. Doch leider hat Annemarie nicht übertrieben: die junge Frau sorgt für Chaos, wo sie nur kann ...
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Seitenzahl: 126
Veröffentlichungsjahr: 2020
Cover
Impressum
Ich bin die Neue!
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BASTEI ENTERTAINMENT
Vollständige eBook-Ausgabeder beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe
Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG
© 2020 by Bastei Lübbe AG, Köln
Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller
Verantwortlich für den Inhalt
Titelbild: Bastei Verlag / Anne von Sarosdy
eBook-Produktion:3w+p GmbH, Rimpar (www.3wplusp.de)
ISBN 9-783-7325-9888-5
www.bastei-entertainment.de
www.lesejury.de
www.bastei.de
Ich bin die Neue!
Serviermadel Caro sorgt für Chaos im Berghotel
Von Verena Kufsteiner
Rosi Stadler, die Köchin des Berghotels, hat eine Schwester in Wien. Diese ruft verzweifelt an: Ihre Tochter Caro ist außer Rand und Band, hat nur noch Flausen im Kopf und sorgt bei jeder Gelegenheit für Chaos. Seit Annemaries Mann vor einigen Jahren verstorben ist, findet sie keinen richtigen Zugang mehr zu ihrer Tochter. Die Schule hat das Madel kurz vor der Matura abgebrochen und sich in den Kopf gesetzt, Köchin zu werden. Annemarie bittet ihre Schwester Rosi um Hilfe. Die verspricht, ihre Nichte unter ihre Fittiche zu nehmen.
So wendet sich Rosi also an die Kastlers. Und tatsächlich: Caro darf einen Sommer lang als Serviermadel im Berghotel arbeiten, um zu sehen, ob ihr die Arbeit in der Gastronomie überhaupt gefällt. Das fröhliche und selbstbewusste Madel weiß sich im Hotel rasch zu behaupten. Doch leider hat Annemarie nicht übertrieben: die junge Frau sorgt für Chaos, wo sie nur kann …
Rosi Stadler, die Köchin des Berghotels, presste sich das Handy fester auf ihr Ohr.
„Was hast du gesagt? Annemarie, weinst du etwa? Was ist denn geschehen?“
Hektisch wedelte sie mit der Hand, als könnte sie so die Geräuschkulisse in der Hotelküche einfach verstummen lassen. Doch freilich herrschte hier in der Küche des Berghotels immer reges Treiben, wenn die schmackhaften Mahlzeiten für die Gäste zubereitet wurden.
Chefkoch Leo Hofbacher gab gut gelaunt Anweisungen, während er seine Magie wirkte und die herrlichsten Speisen zubereitete. Küchenhilfen eilten hin und her. In einer großen Pfanne zischte das heiße Fett. Kochgeschirr klapperte, rasche Schritte waren zu hören und Gespräche erfüllten die Luft.
„Wie bitte?“ Besorgt sog Rosi die Luft ein.
Ihre Stirn kräuselte sich. Mit der freien Hand versuchte sie, das Handy gegen den Umgebungslärm abzuschirmen, während sie den erstickt vorgebrachten Worten ihrer Schwester Annemarie angestrengt lauschte.
„Was ist denn los?“, raunte Leo ihr zu.
Der stattliche Koch runzelte sorgenvoll die Stirn und sah Rosi neugierig an. Mittlerweile war auch ihm aufgefallen, dass ihr Anruf alles andere als erfreulich war.
„Pst“, flüsterte sie ihm nur zu und legte sich den Zeigefinger auf die Lippen.
Dann verließ sie eilig die Küche, die sich zu dieser Tageszeit einfach denkbar schlecht für ein ernstes Telefongespräch eignete, und suchte sich ein ruhigeres Platzerl.
„Ich weiß einfach nimmer weiter“, jammerte ihre Schwester Annemarie in dem Moment. „Das alles ist so … so verfahren. Ich komm gar net mehr ans Kind heran, sie baut eine Mauer um sich und schließt mich aus. Das Madel bringt mich noch ins Grab!“Bekümmert seufzte Rosi. „Jetzt hör aber auf! Ich weiß, ihr beide macht’s grad eine sehr schwere Zeit durch, aber ich bin mir sicher, das lässt sich alles wieder einrenken.“
„Aber sie schmeißt ihre ganze Zukunft weg!“, schluchzte Annemarie auf. „Und von mir lässt sie sich gar nix sagen. Ich will doch nur ihr Bestes, aber alles, was ich sag, ist verkehrt. Sie hört mir gar net zu, rollt nur mit den Augen. Wohin ist nur mein kleines, süßes Madel verschwunden, das mit Puppen gespielt und so herzig gelacht hat? Ich erkenn sie gar net wieder. Wenn doch nur der Matthias noch bei uns wär …“
Die letzten Worte gingen in haltlosem Schluchzen unter.
„Das tut mir alles so leid“, murmelte Rosi ergriffen. Sie selbst hatte ihren Mann bei einem tragischen Unfall verloren. Dass auch ihre Schwester vor Jahren zur Witwe geworden war, war ein grausiger Schicksalsstreich. „Wenn ich euch nur irgendwie helfen könnt …“ Da kam ihr ein Gedanke. „Vielleicht kann ich das sogar. Ja, ich werd die Hedi und den Andi um Hilfe bitten. Die beiden sind net nur tolle Chefs, sondern auch herzensgute Menschen. Ich könnt mir vorstellen, dass die bereit wären, ein bisserl zu helfen.“
***
„Oh, Rosi“, entfuhr es der Hotelchefin Hedi Kastlers. „Was ist denn geschehen? Nimm’s mir net übel, aber du siehst aus, als hättest du die ganze Nacht kein Auge zugetan. So traurig seh ich dich gar net gern.“
Rosi seufzte tief. „Ich hab auch keine Minute geschlafen und mir nur den Kopf zerbrochen. Darüber wollt ich mit euch reden.“
Sie hatte Hedi und Andi um ein Gespräch am frühen Morgen gebeten. Jetzt saß ihr das Hoteliers-Ehepaar gegenüber, und Rosi knetete unruhig den Saum ihrer Dirndl-Schürze zwischen den Händen.
„Dann heraus mit der Sprache“, bat Andi gutmütig. „Gar net lang um den heißen Brei herumreden. Dir liegt doch was auf dem Herzen.“
„Ihr kennt’s ja meine Schwester, die Annemarie, gell?“, kam sie direkt zur Sache.
„Freilich.“ Hedi nickte. „Die wohnt doch in Wien, gell?“
„Sie und ihre Tochter, die Caro. Die beiden haben’s net leicht, seit Annemaries Mann, der Matthias, verstorben ist.“ Erneut kam ein unglückliches Seufzen über Rosis Lippen. „Es war eine tragische Sache, vier Jahre ist’s jetzt her. Die Ärzte haben Krebs diagnostiziert, und ab dann ging’s ganz schnell. Für die Annemarie und das Madel war’s freilich ein riesiger Schock. Die Caro war damals grad vierzehn Jahre alt.“
„Wie entsetzlich“, murmelte Hedi. „Ja, ich erinner mich natürlich.“
„Die Annemarie hat mich gestern angerufen, sie ist völlig verzweifelt. In manchen Momenten erscheint’s ihr, als hätte sie net nur ihren Mann verloren, sondern auch ihre Tochter, wenn auch auf ganz andere Weise“, sprudelte es aus Rosi heraus. „Seit Matthias’ Tod ist das Madel außer Rand und Band, die Annemarie findet gar keinen g’scheiten Zugang mehr zu ihr. Die Caro hat nur Flausen im Kopf, sorgt bei jeder Gelegenheit für Chaos und raubt der Annemarie noch den letzten Nerv. Freilich hat man da Verständnis, immerhin hat sie ihren Vater verloren. Aber jetzt ist sie drauf und dran, ihre vielversprechende Zukunft wegzuschmeißen, und da hört sich der Spaß auf. Die Annemarie kommt vor Sorgen fast um.“
„Was macht sie denn?“, hakte Andi nach und dachte an seine eigene Jugend, in der er seinen Eltern freilich auch das ein oder andere graue Haar beschert hatte.
„Die Schule hat sie abgebrochen, kurz vor der Matura! Und dabei hat sie immer so gute Noten gehabt. Sie möchte Köchin werden, das hat sie sich in den Kopf gesetzt. Zumindest ist das momentan der Stand der Dinge.“
„Das ist doch ein durchaus ehrbarer Beruf“, sagte Hedi sanft und versuchte, die sichtlich aufgelöste Rosi zu trösten. „Was ist denn daran falsch, Köchin zu werden, so wie du?“
„Na, gar nix!“ Rosi warf die Arme hoch und ließ sie kraftlos wieder fallen. „Wenn das denn wirklich ihr Traum wär. Aber die Annemarie meint, das Madel weiß zurzeit einfach selber net, was es will. Sie möchte, dass die Caro die Matura macht und dann weiterschaut, viel fehlt schließlich nimmer. Aber da redet sie bei ihrer Tochter gegen Wände an. Offenbar kommt bei den beiden kein normales Gespräch mehr zustande, alles mündet in Streit. Das mit dem Kochen, das ist ja sicherlich wieder nur ein Strohfeuer – wie die meisten von Caros Ideen! Sie ist einfach so wankelmütig, versteht ihr? Irgendeine neue Idee schießt ihr durch den Kopf, und schon schmeißt sie alles andere hin. Die Annemarie macht sich Sorgen, und ich kann sie da gut verstehen. Mir macht’s ja auch Sorgen, dass sie einfach so die Schule abbricht.“
Die Kastlers tauschten einen unschlüssigen Blick aus. Freilich fanden auch sie nachvollziehbar, dass Caros Mutter und Tante beunruhigt waren. Aber was für eine Rolle sie dabei spielen sollten, war ihnen noch nicht so ganz klar.
„Und das ist noch net alles“, sagte die Konditorin in dem Moment. Ihr sonst so lebhaftes, rundliches Gesicht war jetzt ganz fahl; ihre achtzehnjährige Nichte war ihr sichtlich wichtig. „Sie treibt sich mit üblen Gestalten herum, kennt keinerlei Vorsicht, lacht nur über Annemaries Einwände. Meine Schwester hat Angst, dass das Madel auf die schiefe Bahn abrutscht.“ Sie atmete tief durch. „Und da kommt das Berghotel ins Spiel.“
Während Andi immer noch verwirrt dreinblickte, hatte Hedi schon eine Ahnung, worum es geht.
„Hier in St. Christoph ist die Welt noch in Ordnung, gell? Da gibt’s weniger Möglichkeiten, sich Ärger einzuhandeln als in einer Großstadt wie Wien.“
Eifrig nickte Rosi. „Genau, so hab ich mir das überlegt. Vielleicht würd’s der Caro guttun, aus ihrem gewohnten Umfeld herauszukommen und den Sommer in Tirol zu verbringen. Die Freunde in Wien scheinen ihr ja net gutzutun, mit der Annemarie kommt sie momentan auch auf keinen grünen Zweig – und dann dieser Plan, in die Gastronomie zu gehen. Ich hab mir gedacht, vielleicht könnt das Dirndl den Sommer über hier im Berghotel als Serviererin oder Küchenhilfe jobben. Dann kriegt sie einen Einblick in die Küche und sieht, ob ihr eine Anstellung in der Gastronomie überhaupt taugt.“
Als die Kastlers diesmal einen Blick miteinander austauschten, lächelten sie beide.
„Das klingt nach keiner schlechten Idee“, meinte Andi. „Wir könnten für die Sommersaison eh noch ein paar Serviermadeln brauchen.“
„Vielleicht ist’s für Mutter und Tochter gar net schlecht, ein bisserl Abstand zu gewinnen. Manchmal hilft das ja dabei, eine neue Perspektive zu gewinnen.“
Erleichtert atmete Rosi auf.
„Ich hab ja gewusst, dass ich mich auf euch beide verlassen kann. Ich würd meiner Schwester und meiner Nichte so gern helfen. Ich werd die Caro ein bisserl unter meine Fittiche nehmen, wenn sie hier ist. Ich versprech euch, ihr werdet’s net bereuen!“
***
„Grüß euch, ich bin die Neue!“, trällerte Caro fröhlich und wirbelte in den Raum.
Sofort richteten sich alle Blicke auf sie, aber die Aufmerksamkeit schien ihr nicht im Geringsten unangenehm zu sein. Unbeschwert lächelte sie, als sich die anderen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen um sie scharten.
„Schön, dich kennenzulernen!“
„Du kommst aus Wien, gell?“
„Was verschlägt dich denn ins schöne Zillertal?“
So prasselten die neugierigen Fragen auf sie ein, und sie lehnte sich lässig an die Theke, antwortete selbstbewusst und war schon in ein Gespräch verstrickt. Der blonde Dutt wippte munter auf ihrem Kopf, als sie über einen Scherz lachte.
Hedi schmunzelte. Sie hatte vorgehabt, Caro in Ruhe vorzustellen, um ihr den Start in den neuen Job zu erleichtern und ihr die Nervosität zu nehmen, aber das war offensichtlich gar nicht notwendig. Von Nervosität überhaupt keine Spur! Caro stellte ein solches Selbstbewusstsein zur Schau, als könnte nichts und niemand sie erschüttern. Sobald sie den Raum betrat, nahm sie ihn voll und ganz für sich ein.
Schaut so aus, als müsst ich mir um Rosis Nichte keine Sorgen machen, dachte die Hotelchefin amüsiert, lehnte sich nun ihrerseits entspannt zurück und beobachtete das Geschehen noch für einen Moment.
Lukas Einrieder, der Sporttrainer, hatte den Tumult bemerkt und näherte sich jetzt neugierig. Als Caro ihn sah, blitzte es in ihren blauen Augen auf. Kein Wunder, mit seiner sportlichen Statur und der Sonnyboy-Ausstrahlung war Lukas wahrlich ein fescher Bursche, der die Blicke der Madeln auf sich zog.
„Aber hallo, wer bist du denn? Du schaust aus, als wärst du genau der Richtige, um einem Madel ein bisserl die Gegend hier zu zeigen“, sprach Caro ihn direkt an, stemmte die Hand in die Hüfte, legte den Kopf schief und blinzelte ihn keck an.
Lukas lachte. „Na freilich, ich will ja net, dass sich unschuldige Madeln im Zillertal verlaufen.“
Hedi zog eine Augenbraue hoch. Unschuldig? Das war nun wirklich nicht der Eindruck, den die Caro erweckte. Vielmehr schien sie es faustdick hinter den hübschen Ohren zu haben. Dem Lukas gefiel ihre selbstbewusste Art wohl, wenngleich Hedi vermutete, dass das Madel ihm mit ihren achtzehn Jahren ein bisserl zu jung war, um sich wirklich auf eine Liebelei einzulassen. Der Lukas war zwar bekannt dafür, nichts anbrennen zu lassen, aber ein paar Jährchen älter waren seine Herzdamen normalerweise schon.
Und doch war sich Hedi sicher, dass Caro nicht lang allein bleiben würde. Kontaktscheu war sie jedenfalls nicht. Sie hoffte, dass die junge Frau sich hier gut einfügen und wohlfühlen würde.
Aber freilich vergaß die Hotelchefin nicht, dass Caro nicht ohne Grund im Berghotel war. Rosis Worte waren ihr noch sehr genau im Gedächtnis. Die Annemarie schien ganz schöne Schwierigkeiten mit dem Mädchen zu haben. Hinter dem munteren Lächeln und den abenteuerlustig blitzenden Augen verbarg sich ein unruhiger Geist, der allzu häufig für Unfrieden sorgte.
***
„Hey, du bist auch neu hier, gell?“, fragte Caro neugierig und musterte die hübsche Brünette mit den sanften, moosgrünen Augen von oben bis unten.
„Ja, also, ich bin net neu in der Region, so wie du. Ich wohn schon mein ganzes Leben hier“, stammelte die junge Frau überrumpelt. Ihre Wangen färbten sich rot. Sie hatte gerade gemütlich in der Ecke gesessen, sich an ihrem Glaserl Almdudler festgehalten und offensichtlich nicht damit gerechnet, angesprochen zu werden. „Aber im Berghotel bin ich neu. Ich hab auch vor Kurzem als Serviererin angefangen.“
„Ich bin die Caro.“ Sie streckte der Brünetten die Hand entgegen.
„Bea.“ Das Lächeln der Anderen war scheu, ihr Blick ähnelte dem eines verschreckten Rehs.
Caro grinste breit. „Keine Angst, ich beiß net.“
Die Madeln standen und saßen gerade beisammen und verbrachten die Mittagspause miteinander: die Serviererinnen des Berghotels, die Küchenhilfe Sissi und einige der Zimmermadeln.
„Stellt’s euch nur vor, der Worringer-Ben hat mich gefragt, ob ich mit ihm ausgehen mag“, erzählte die Sofie, eines der Zimmermadeln, jetzt aufgeregt.
„Nein! Der Ben? Der ist ja ein echtes Sahnestückerl.“ Das Serviermadel Vroni riss die Augen auf.
Nachdem Sofie freudenstrahlend jedes Wort wiedergegeben hatte, das der fesche Ben an sie gerichtet hatte, wandte sie sich neugierig an Bea.
„Du, sag einmal, wie läuft’s eigentlich mit dir und deinem Christian?“
Schlagartig wurde es ganz still, betretenes Schweigen legte sich über den Raum. Sofie, die freilich sofort gemerkt hatte, dass sie etwas Patschertes gesagt hatte, biss sich auf die Unterlippe. Fragend schaute Caro in die Runde. Die meisten hier mochten wissen, was los war, aber sie als Neue hatte keine Ahnung.
Beas Gesicht hatte alle Farbe verloren, ihre Unterlippe zitterte. Die moosgrünen Augen begannen, feucht zu schimmern.
„Der Christian und ich, wir … wir sind nimmer zusammen. Wir haben uns getrennt.“
„Herrje, das tut mir leid, das hab ich net geahnt“, rief Sofie bestürzt aus.
„Schon in Ordnung“, brachte Bea schwach hervor, aber man merkte ihr deutlich an, dass das Thema sie mitnahm.
Mitfühlend musterte Caro sie. Das schüchterne Madel tat ihr leid. Bea erinnerte sie an ein unglückliches Vögelchen, das aus dem Nest gefallen war. Irgendwie verspürte sie auf einmal das Bedürfnis, ihr zu helfen und sie aufzumuntern. Niemand sollte wegen eines Mannsbildes traurig sein! Das Leben bot genug echte Gründe, deprimiert zu sein.
‚Zum Beispiel, wenn einem der Vater viel zu früh genommen wird‘, flüsterte ein Stimmchen in ihrem Hinterkopf, und sofort verdrängte sie den schmerzhaften Gedanken.
„Lass den Kopf net hängen, Bea“, sagte sie energisch. „Burschen gibt’s wie Sand am Meer. Und, ganz ehrlich? Die meisten von ihnen sind’s wirklich net wert, dass man ihretwegen bittere Tränen vergießt. Übrigens: Die beste Medizin gegen ein gebrochenes Herz ist bekanntermaßen eine neue Liebelei.“
Bea verzog den Mund und senkte den Kopf.
