Das Berghotel 227 - Verena Kufsteiner - E-Book

Das Berghotel 227 E-Book

Verena Kufsteiner

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Beschreibung

An einer Wiener Musikakademie lernen sich die lebenslustige Rabea, der zurückhaltende Tobias, der Freigeist Finn und die ehrgeizige Elisa kennen. Die vier sind sich sofort sympathisch und bilden während der Studienzeit ein Streicherquartett. Unter dem Namen "Viererbande" treten sie fortan auf.
Zehn Jahre später sind aus den vier Musikern zwei Liebespaare geworden, und das Quartett erfreut sich immer mehr Bekanntheit. Als es Anfragen aus verschiedenen europäischen Konzerthäusern gibt, planen die vier eine Tournee. Von Wien aus wollen sie ganz Europa erobern. Rabea und Tobias lenken sich so von ihrem unerfüllten Kinderwunsch ab.
Kurz vor dem Start der Tour fährt das Quartett ins Berghotel, um sich eine Woche lang musikalisch einzustimmen und dem Repertoire den letzten Schliff zu geben. Vor allem die ehrgeizige Elisa sieht sich schon bald am Gipfel ihrer Karriere. Lästig ist allerdings der Magen-Darm-Infekt, der sie seit Tagen plagt. Die morgendliche Übelkeit stört immer wieder die Proben. Eines Morgens ist es so schlimm, dass es Elisa nicht aus dem Bett schafft. Dr. Burger wird gerufen. Und seine "Diagnose" kommt zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt ...


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Seitenzahl: 134

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Inhalt

Cover

Impressum

Viererbande

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige eBook-Ausgabeder beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2020 by Bastei Lübbe AG, Köln

Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: Bastei Verlag / Anne von Sarosdy

eBook-Produktion:3w+p GmbH, Rimpar (www.3wplusp.de)

ISBN 9-783-7325-9892-2

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

www.bastei.de

Viererbande

Die Reise ins Berghotel wird für die Paare zum Härtetest

Von Verena Kufsteiner

An einer Wiener Musikakademie lernen sich die lebenslustige Rabea, der zurückhaltende Tobias, der Freigeist Finn und die ehrgeizige Elisa kennen. Die vier sind sich sofort sympathisch und bilden während der Studienzeit ein Streichquartett. Unter dem Namen „Viererbande“ treten sie fortan auf.

Zehn Jahre später sind aus den vier Musikern zwei Liebespaare geworden, und das Quartett erfreut sich wachsender Bekanntheit. Als es Anfragen aus verschiedenen europäischen Konzerthäusern gibt, planen die vier eine Tournee. Von Wien aus wollen sie ganz Europa erobern. Rabea und Tobias lenken sich so von ihrem unerfüllten Kinderwunsch ab.

Kurz vor dem Start der Tour fährt das Quartett ins Berghotel, um sich eine Woche lang musikalisch einzustimmen und um dem Programm den letzten Schliff zu geben. Vor allem die ehrgeizige Elisa sieht sich schon bald am Gipfel ihrer Karriere. Lästig ist allerdings der Magen-Darm-Infekt, der sie seit Tagen plagt. Ihre morgendliche Übelkeit stört immer wieder die Proben. Eines Morgens ist es so schlimm, dass es Elisa nicht aus dem Bett schafft. Dr. Burger wird gerufen. Seine Untersuchungsergebnisse kommen zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt …

Nervös betrat Rabea Friedrich die Gebäude der „Universität für Musik und darstellende Kunst“ in Wien. Es war der erste Studientag, und sie war spät dran, weil sie sich in der neuen Stadt noch nicht gut auskannte. Mit welcher S-Bahn sie wohin fahren und in welche U-Bahn sie umsteigen musste … Das war alles noch neu für die neunzehnjährige Kärntnerin. Eine Großstadt hatte doch so ihre Tücken, wenn man auf einem Dorf aufgewachsen war. Gerade heute fühlte sich Rabea überfordert.

Sie hastete mit klopfendem Herzen die Gänge entlang und blickte immer wieder auf den Zettel mit der Raumnummer. Zum Glück hatte sie nur einen kleinen Geigenkasten dabei. Hätte sie Kontrabass studiert, wie der Bursche dort drüben, hätte sie es niemals durch den dichten Wiener Großstadtverkehr geschafft.

Am Ende eines langen Korridors stand sie endlich vor der geöffneten Flügeltür, über der in großen Lettern „Konzertsaal“ stand. Drinnen hörte sie Gemurmel, Stühlescharren und die charakteristischen Geräusche von Streichinstrumenten, die gestimmt wurden.

Rabeas Herz schlug schneller. Einen tiefen Atemzug Konzertsaalluft nehmend, trat sie ein und sah sich einer kleinen, aufgeregten Menge von angehenden Studierenden gegenüber, die sich auf Stühlen inmitten der Bühne eingefunden hatten. Mehrere Dozenten standen dazwischen und berieten sich, während die Studenten aufgeregt miteinander tuschelten. Rabea huschte, so schnell sie konnte, zum letzten noch freien Platz und warf sich auf den quietschenden Stuhl.

Der Bursche neben ihr grinste schief.

„Auch verschlafen?“ Er fuhr sich mit der Hand durch das leicht zerzauste, volle, blonde Haar.

„Auf gar keinen Fall!“, protestierte Rabea und klappte hastig ihren Violinkoffer auf. Alle anderen schienen die Instrumente bereits gestimmt zu haben. „Die U-Bahn! Ich bin in die falsche Richtung gefahren.“

Der Bursche lachte. „Ein Klassiker! Bist wohl net aus Wien?“

„Kärnten. Ich bin ein richtiges Landei. Zum Glück hab ich hier eine Großmutter, die mir alles zeigen kann.“

„Ich stamm aus der Steiermark. Bei uns daheim gibt’s auch keine U-Bahn.“

Sie lächelte, und als er ihr die Hand reichte und sich als „Tobias Vogel, Bratsche“ vorstellte, spürte sie gleich, dass sie ihn mochte. Er hatte so ein nettes Lächeln, einen kräftigen Händedruck und eine unkompliziert freundliche Art, die sie sofort für ihn einnahm.

Tobias Vogel. Den Namen musste sie sich merken.

Dann ergriff einer der Dozenten das Wort und begrüßte die neuen Studierenden. Spannende, arbeitsintensive Jahre an der Musikhochschule sagte er ihnen voraus und betonte, dass ihm und seinen Kolleginnen und Kollegen daran gelegen sei, jeden nach seinen Fähigkeiten und Vorlieben zu fördern. Auch die anderen Professoren stellten sich vor und erklärten, welche Fächer sie unterrichteten.

„Jetzt sind Sie an der Reihe“, sagte der erste Dozent schließlich. „Wir möchten Sie kennenlernen und fangen mit einer Übung im Ensemblespiel an. Bitte finden Sie sich zu Quartetten zusammen.“

Rabea warf dem Burschen namens Tobias einen vorsichtigen Blick zu – und war erleichtert, als auch er signalisierte, er wolle gern mit ihr zusammenspielen. Da sie Geige spielte und er Bratsche, brauchten sie jetzt noch eine weitere Geige und ein Cello für die klassische Besetzung eines Quartetts. Sie drehten sich auf ihren Stühlen herum und blickten direkt in das grinsende Gesicht eines Burschen mit kurzen, dunklen Haaren.

„Ich bin der Finn, und das ist die Elisa.“ Er deutete auf ein zierliches, beinahe filigranes Madel neben sich, das glänzende dunkle Haare hatte und überhaupt sehr hübsch aussah. „Cello und Geige. Praktisch, gell? Wir passen direkt zusammen.“

Rabea lachte und reichte auch Finn und Elisa die Hand.

„Freut mich, euch kennenzulernen.“

Während der freche Finn so tat, als würde er Rabea einen Handkuss geben, wirkte Elisa zögerlicher. Zwar nahm sie die ausgestreckte Hand, musterte Rabea jedoch mit prüfendem Blick.

Ihre Stimme klang hell, aber ziemlich bestimmt.

„Bist du im Orchester die Erste oder die Zweite Geige?“

Finn kommentierte grinsend, damit stünde ja wohl fest, was Elisa gern wär.

„Mir ist’s eigentlich wurscht“, entgegnete Rabea. „Ich bin net unbedingt eine Solistin. Mich interessiert eher der Zusammenklang.“

Das schien Elisa zu beruhigen.

Als auch Tobias beiden die Hand gegeben hatte, war das Quartett perfekt. Auf Geheiß des Dozenten drehten sie die vorderen Stühle um und rückten ein wenig aus der Gruppe heraus, sodass alle für sich proben konnten.

Ihre Aufgabe war nun, ein kurzes Stück zu improvisieren.

„Als klassische Musiker sind Sie es gewohnt, Noten vor sich zu haben, an denen Sie sich festhalten können. Aber ein guter Musiker muss flexibel sein, und den Klang eines Quartetts kann man nur mit den Ohren erfassen, nicht mit den Augen.“

Im ersten Moment wirkten Finn, Tobias und Elisa genauso ratlos wie Rabea.

„Sind wir jetzt beim Jazz, oder was?“, flüsterte Elisa unzufrieden.

Doch Finn meinte nur „Öfter mal was Neues“ und stimmte einen tiefen, schwebenden Ton auf dem Cello an.

Tobias zuckte wortlos die Schultern und suchte denselben Ton auf der Bratsche, nur eben eine Oktave höher, sodass es ein wenig voller klang.

Als Rabea den Akkord dazu bildete, wie sie es bei ihrer hervorragenden Geigenlehrerin in Kärnten gelernt hatte, ergänzte das den Klangteppich.

Und dann kam Elisa.

Mühelos spielte sie über die Klänge der anderen eine kleine Melodie, die Rabea noch nie gehört hatte. Sie war sicher, dass sich Elisa dieses Plätschern aus Trillern und Glissando einfach so ausdachte, während sie spielte. Obwohl das zierliche Madel erst ablehnend geklungen hatte, schien ihr die Improvisation durchaus zu liegen, und die anderen drei sorgten zunächst nur für Begleitakkorde.

C-Dur, E-Dur, G-sieben … Rabea musste sich erst sehr konzentrieren, doch nach einer kurzen Weile lief es wie von allein, weil sie perfekt miteinander harmonierten. Da wagte auch Rabea, sich von den gelernten Akkorden zu lösen, und spielte eine weniger komplizierte, aber gut auf Elisa abgestimmte zweite Stimme.

Nur selten griff sie daneben, sodass es einen kleinen Missklang gab. Aber sie spürte instinktiv, wohin Elisas Melodielinie führte, und löste den Fehler gleich wieder auf. Nach wenigen Takten wurden auch die Fehlgriffe weniger, und Rabea spürte dieses erhebende Gefühl, Teil einer Harmonie zu sein. Sich ganz in die Musik hineinfallen zu lassen.

Wohlig und warm wurde es in ihrem Bauch, und da sie nicht auf ein Notenblatt schauen musste, bemerkte sie in den anderen Gesichtern dieselbe Emotion, die auch sie ergriffen hatte.

Immer komplexer, immer schöner wurden ihre Melodien, die sich mühelos miteinander verwoben und die ganze Aufregung, die nervöse Spannung aber auch die freudige Erwartung eines ersten Tags an der Hochschule einfingen.

Auch Finn und Tobias spielten längst nicht mehr nur einzelne Töne oder Dreiklänge, sondern passten sich dem Verlauf der Violinstimmen an, umspielten sie und lieferten den perfekten Gegenpart.

Nun ja, perfekt nicht, es war ja eine Improvisation, aber das Gefühl in allen vier Stimmlagen war genau dasselbe, und Rabea erkannte, sie waren als Quartett wie füreinander geschaffen.

Als sie die Instrumente absetzten, saßen sie einander atemlos gegenüber und sahen sich an.

Neben ihnen klatschte der Dozent.

„Mei, da haben sich ja vier gefunden“, sagte er schmunzelnd und nickte ihnen anerkennend zu. „Was für eine Viererbande! Kannten Sie sich vorher?“

„Ganz und gar net“, gab Rabea zurück und sah, dass die Wangen der anderen genauso erfreut glühten wie ihre eigenen.

„Aber ich glaub, wir tauschen gleich einmal Nummern aus“, schlug Finn vor, und Rabea musste lachen, als Elisa vorbereitete Visitenkarten aus ihrem Violinkoffer zog.

Das Madel war wirklich ehrgeizig!

„Freut mich, dass Sie sofort Nägel mit Köpfen machen. So gute Co-Musiker muss man festhalten“, kommentierte der Professor und ging zur nächsten Gruppe weiter.

„Viererbande … Klingt gar net schlecht für ein Quartett, oder?“, überlegte Elisa laut. „Selbst bei einer internationalen Tournee ließe sich das gut verkaufen …“

„Lass uns erst einmal zusammen proben, bevor wir auf Tour gehen“, gab Tobias lächelnd zu bedenken. „Schauen, wie wir so zusammenpassen.“

„Freilich, aber man muss halt seine Ziele immer im Auge behalten.“

***

Schon während des Studiums feierte die „Viererbande“ erste Erfolge.

Neben dem Lernen für Fächer wie „Kompositionslehre“, „Musiktheorie“ und „Kammermusikalisches Zusammenspiel“ schafften sie es, ein breites Repertoire aus klassischen Stücken und wunderschönen alten Volksweisen zusammenzustellen. Damit traten sie bei Veranstaltungen auf, gaben Hochzeiten und Firmenevents den festlichen Rahmen und gastierten in kleineren Konzertsälen.

Es war die perfekte Art, sich das Studium zu finanzieren. Abgesehen davon, dass sie Elisa ab und an ein wenig bremsen mussten, wenn sie allzu übereifrig wurde, hatte die „Viererbande“ nie auch nur einen einzigen Streit. Meist war man sich selbst bei der Liedauswahl einig. Nur selten kam es vor, dass einer etwas spielen wollte, das ein anderer ablehnte. Dann entschied meist eine altmodische Partie „Schnick-schnack-schnuck“.

Sie studierten zusammen, lernten zusammen, musizierten zusammen. Bald wussten alle Kommilitonen, dass Rabea, Tobias, Finn und Elisa ein eingeschworenes Team waren – beliebt unter den Studenten, aber unzertrennlich. Soloprojekte gab es bei der „Viererbande“ grundsätzlich nicht.

Und auch keine Duette, wie Finn nervös überlegte, als ihm bei der Abschlussfeier der Universität etwas klar wurde.

Was für ein aufregender Tag! Die Überreichung der Magisterurkunde war eine wichtige Stufe auf der Karriereleiter eines Musikers. Nun hatten sie einen Abschluss der größten europäischen Musikhochschule in der Tasche und konnten in die Welt hinausziehen, sich zu beweisen.

Selbstverständlich würde die „Viererbande“ diesen Schritt gemeinsam wagen. Die lokale Kritik war sich einig, dass sie zusammen riesiges Potenzial hatten. Dem wollten sie nachgehen und herausfinden, wie weit sie es als Quartett bringen konnten.

Nur hatte Finn eben festgestellt, dass neuerdings da etwas war … Etwas, das Elisa plötzlich in einem völlig neuen Licht erscheinen ließ.

In eleganter Kleidung hatte er sie freilich schon öfter erlebt. Es war unter Streichern so üblich, dass bei Auftritten die Herren Anzug und die Damen ein Kleid trugen.

Aber Elisas Abschlusskleid saß wie eine zweite Haut, als sie mit glänzenden Augen auf die Bühne des Konzertsaals der Universität stieg, um die Auszeichnung als beste Violine entgegenzunehmen. Ihre schmale Figur wurde vom fließenden, petrolfarbenen Stoff perfekt umspielt. Die langen dunklen Haare fielen glänzend um die zarten Schultern, und Finn ertappte sich dabei, wie er ihr geradezu frenetisch applaudierte.

Du liebe Güte! Er hatte sich doch wohl nicht in Elisa verguckt?

Erschrocken nahm er die Hände herunter und blickte zu Tobias und Rabea hinüber, die allerdings zu seiner Erleichterung ebenfalls jubelten und auf den Fingern pfiffen. Er war nicht weiter aufgefallen.

Seit Wochen schon plagte Finn ein seltsames Gefühl, sobald Elisa den Proberaum betrat. Ein Sehnen, sie in seine Arme zu ziehen und diesen zartrosa Mund zu küssen, aus dem so viel Kluges und Motivierendes kam. Wenn Elisa im Raum war, wurde Finn, der sonst gerne die Füße baumeln ließ, zum besseren Mann. Nur ihr zuliebe wollte er sich immer wieder beweisen und noch intensiver an sich arbeiten.

War das ein Wunder? Sie war atemberaubend! Wie sollte ein Mann dieser Frau widerstehen?

Noch dazu, als später am Abend bei einem Glaserl Wein im Stammlokal der Musikstudenten dieser ganze Druck von ihm abfiel, der während der Abschlussprüfungen auf ihm gelastet hatte.

„Geschafft! Wir haben es geschafft!“, rief er ein wenig ungläubig aus und bestellte gleich noch eine Flasche des guten Hausweins.

Gemeinsam mit den anderen Absolventen feierten sie bis spät in die Nacht hinein.

Als es draußen längst dunkel geworden war und die Tische sich langsam leerten, saßen Finn und Elisa auf einmal allein auf einer versteckten Bank in einer dunklen Alkove.

Finn wusste selbst nicht, wie er hierher geraten war. Der Abend war wie im Rausch an ihm vorbeigezogen, nicht nur des Weines wegen, sondern vor allem wegen dieser mitreißenden, überwältigenden Stimmung nach der Abschlussfeier. All die Mühen und Sorgen des Studiums, das stetige Üben, die vielen Prüfungen. Das lag jetzt hinter ihnen, und es gab nichts mehr, was sie noch aufhalten konnte.

Außer vielleicht die Tatsache, dass sein Mund schlagartig trocken wurde, sobald er mit Elisa allein war und niemand anders ihn hörte. Unendlich viele Worte lagen ihm auf der Zunge und wollten doch nicht heraus. Er konnte nicht, durfte ihr nicht sagen, wie faszinierend er sie fand.

Elisa zu küssen, müsste das ganze Quartett auf den Kopf stellen. Sie harmonierten perfekt miteinander, doch ein Paar in einem Quartett? So etwas musste das sensible Gruppengefüge mächtig durcheinanderbringen.

„Ähm … Fantastischer Tag, gell?“, versuchte er ungeschickt, das aufgeladene Schweigen zu durchbrechen.

Elisa neigte lächelnd den Kopf zur Seite.

„Find ich auch. Genau der richtige Tag, um endlich zu tun, was ich ewig vorhab.“

Mit diesen Worten beugte sie sich vor und legte einfach ihre Lippen auf seine.

Überrascht atmete Finn scharf ein, war kurz davor, sich zurückzuziehen und vor dieser Verlockung zu fliehen. Aber dann wurde ihm klar – alles noch im Bruchteil einer Sekunde – dass dieser Moment nie wieder kommen würde und dass er einen Rückzieher für immer bereuen müsste.

Also legte er eine Hand an ihre weiche, glatte Wange und erwiderte den Kuss.

Es war köstlich! Atemberaubend! Finn konnte gar nicht genug davon bekommen, sie zu spüren. Zu erforschen, was zwischen ihnen war, und all diesen Gefühlen freien Lauf zu lassen, die seit Wochen in ihm brodelten.

Als er sie schließlich freigeben musste, um Luft zu holen und das Wirrwarr in seinem Kopf ein wenig auspendeln zu lassen, hörte er ein Schnauben neben sich.

„Mei, das kam unerwartet“, kommentierte Tobias, der sich im Laufe des Kusses neben ihrem Tisch materialisiert haben musste.

Neben ihm hatte Rabea die Augen weit aufgerissen. Der Mund stand ihr offen, sie wirkte genauso entgeistert wie Tobias.

Reflexartig rutschten Finn und Elisa auseinander. Jeder in einer eigenen Ecke der Nische blickten sie schuldbewusst zu den anderen beiden empor.

„Das … das ist einfach so passiert“, brachte Finn schließlich hervor. „In der Hitze des Moments sozusagen.“

Es war ein bisserl geflunkert, weil Finn aus Elisas Worten herausgehört hatte, dass auch sie sich schon lange nach einem Kuss sehnte. Aber warum Rabea und Tobias unnötig durcheinanderbringen? Finn wusste ja noch nicht einmal, was dieser Kuss für die „Viererbande“ bedeutete.

„Wir können doch trotzdem ein Quartett bleiben?“, stellte Elisa die Frage, die auch ihn umtrieb. Ohne die „Viererbande“ wusste er inzwischen gar nicht mehr, wer er eigentlich war.

Zu seiner Überraschung brachen Rabea und Tobias in Gelächter aus.

Elisa runzelte die Stirn. „Was ist daran so witzig?“ Sie konnte ziemlich wütend werden, wenn sie das Gefühl hatte, dass jemand über sie lachte.

Elisa fing sich als Erste wieder.

„Entschuldige, Elisa. Wir lachen net über euch, ehrlich! Es ist nur …“

Tobias und Rabea tauschten einen Blick, und auf einmal bemerkte Finn, wie das Wort „wir“ aus ihrem Mund geklungen hatte.

„Wo wart ihr zwei eigentlich gerade?“, fragte er misstrauisch.

Tobias kratzte sich grinsend im Nacken.

„Tja, das ist halt das Witzige daran …“

Nun schien auch bei Elisa der Groschen zu fallen.

„Nein! Das gibt’s doch net! Ihr zwei seid’s ein Paar?“ Ihre schönen, braunen Augen waren ebenso weit aufgerissen wie Rabeas.

Diese nickte wortlos und legte einen Arm um Tobias‘ Taille, der wesentlich größer war als sie.