Das Berghotel 229 - Verena Kufsteiner - E-Book

Das Berghotel 229 E-Book

Verena Kufsteiner

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Beschreibung

Die alljährliche Herbstjagd des Baron von Brauneck sorgt für Trubel in St. Christoph. Jungjäger Moritz ist in diesem Jahr zum ersten Mal mit dabei. An jenem Morgen ist er von einem vorausgegangenen Streit mit seiner Verlobten so abgelenkt, dass ihm ein verhängnisvoller Fehler unterläuft.
Er schießt auf einen Hasen, der gerade ins Gebüsch geflüchtet ist - und plötzlich ertönt ein spitzer Schrei. Schockiert betrachtet Moritz die junge Frau, die wie aus dem Nichts aufgetaucht ist und nun aus einer Armwunde blutet. Dr. Burger eilt herbei und übernimmt die Erstversorgung der Fremden, die sich als Nora vorstellt. Glücklicherweise war es nur ein Streifschuss, und die junge Frau muss nicht ins Krankenhaus.
Nichtdestotrotz plagt Moritz sein schlechtes Gewissen. Dass er einen Menschen verletzt hat, ist für ihn schwer zu verkraften. Er schenkt Nora Wiesenblumen und verbringt in den nächsten Tagen viel Zeit mit ihr.
Seiner Verlobten Valentina schmeckt das freilich gar nicht. Das hübsche Madel, das in St. Christoph einen einwandfreien Ruf hat und sich gern als unschuldiges Engerl präsentiert, sinnt auf Rache ...

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Seitenzahl: 122

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Inhalt

Cover

Impressum

Blattschuss

Vorschau

BASTEI LÜBBE AG

Vollständige eBook-Ausgabeder beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

© 2020 by Bastei Lübbe AG, Köln

Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: Bastei Verlag / Wolf

eBook-Produktion:3w+p GmbH, Rimpar (www.3wplusp.de)

ISBN 9-783-7517-0455-7

www.bastei.de

www.luebbe.de

www.lesejury.de

Blattschuss

Packender Heimatroman aus dem Berghotel

Von Verena Kufsteiner

Die alljährliche Herbstjagd des Barons von Brauneck sorgt für Trubel in St. Christoph. Jungjäger Moritz ist in diesem Jahr zum ersten Mal mit dabei. Doch an jenem Morgen ist er von einem vorausgegangenen Streit mit seiner Verlobten so abgelenkt, dass ihm ein verhängnisvoller Fehler unterläuft.

Er schießt auf einen Hasen, der gerade ins Gebüsch flüchten will – und plötzlich ertönt ein spitzer Schrei. Schockiert betrachtet Moritz die junge Frau, die wie aus dem Nichts aufgetaucht ist und nun aus einer Armwunde blutet. Dr. Burger eilt herbei und übernimmt die Erstversorgung der Fremden, die sich als Nora vorstellt. Glücklicherweise war es nur ein Streifschuss, und die junge Frau muss nicht ins Krankenhaus.

Nichtdestotrotz plagt Moritz sein schlechtes Gewissen. Dass er einen Menschen verletzt hat, ist für ihn schwer zu verkraften. Er schenkt Nora Wiesenblumen und verbringt in den nächsten Tagen viel Zeit mit ihr.

Seiner Verlobten Valentina schmeckt das freilich gar nicht. Das hübsche Madel, das in St. Christoph einen einwandfreien Ruf hat und sich gern als unschuldiges Engerl präsentiert, sinnt auf Rache ...

Weinrot, goldgelb und braun erstrahlte das Laub. Der Herbst hatte die Blätter an Bäumen und Büschen in warme Farben getaucht. Einige Sommerblüher waren längst verwelkt, doch viele Blumen blühten noch einmal aus voller Kraft, als wollten sie die ganze Wärme der letzten milden Tage in sich aufnehmen. Ein würziger Geruch hing in der Luft.

Noch konnte man sich kaum vorstellen, dass schon bald der Winter hereinbrechen und die Natur in einen tiefen Schlaf versetzen würde. Die Sonne schien so angenehm warm aufs Zillertal herab, dass man um die Mittagszeit oft nicht einmal lange Ärmel brauchte. Nur morgens, wenn der Frühnebel über den Wiesen hing, und abends, wenn auf einmal klirrende Kälte hereinbrich, erahnte man, dass dieser goldene Herbst bald einem klirrenden Winter Platz machen würde.

Dass dem Kleinschober-Moritz der Schweiß auf der Stirn stand, lag aber keineswegs an den geradezu sommerlichen Temperaturen. Mit zitternden Händen zog er ein Taschentuch aus der Tasche seines Trachtenjankers und tupfte sich damit über die Stirn.

Lukas Einrieder, der im Sporthotel »Am Sonnenhang« als Sporttrainer arbeitete, klopfte seinem guten Freund kumpelhaft auf die Schulter.

»Jetzt mach dir halt net ins Hemd«, forderte er amüsiert. »Wenn du schon beschließt, dich für immer und ewig an ein Madel zu binden – und du weißt, dass ich das für blanken Irrsinn halte – dann schau dabei wenigstens net so drein wie ein Lamm, das man zur Schlachtbank führt.«

»Du hast leicht reden«, brummte Moritz. »Du als ewiger Junggeselle ... Das ist die wohl wichtigste Entscheidung in meinem ganzen bisherigen Leben!«

»Ja, ja, freilich kann man da ein bisserl Nervenflattern bekommen«, gab Lukas zu. »Aber zumindest bist du dir sicher, dass sie die Richtige ist, gell? Das ist das Wichtigste.«

Jetzt brachte Moritz doch ein Lächeln zustande.

»Oh ja, sicherlich! Die Valentina ist die Eine, die Einzige. Ein perfekteres Madel gibt’s wohl auf der ganzen restlichen Welt kein zweites Mal«, sagte er im Brustton der Überzeugung.

Er kannte Valentina schon sein ganzes Leben. Ihre Familie lebte seit Generationen neben dem Bauernhof seiner Familie, betrieb einen kleinen Buschenschank mit Streichelzoo. Als Kinder hatten sie miteinander gespielt, aber als sie herangewachsen waren und die Unschuld der Kindheit hinter sich gelassen hatten, waren neue Gefühle zwischen ihnen aufgeblüht.

Sie war die Richtige für ihn. Die, mit der er sein ganzes Leben verbringen wollte. Im Grunde genommen war das von Anfang an sonnenklar gewesen, keinen Tag hatte er daran gezweifelt.

Doch nun ging es darum, Nägel mit Köpfen zu machen. Diese wunderschöne Verbindung zwischen ihnen mit einem Ring und einem Schwur vor dem Traualtar zu besiegeln. Nervös drehte Moritz den Verlobungsring, den er liebevoll für seine Valentina ausgesucht hatte, zwischen den Fingern hin und her. Gleich würde Valentina hierher in den Blumengarten des Berghotels kommen, weil er sie unter einem Vorwand hergelockt hatte. Und dann wollte er ihr die Frage aller Fragen stellen und um ihre Hand anhalten.

»Na bitte, dann ist ja alles klar«, meinte Lukas pragmatisch. »Du liebst sie, sie liebt dich. Es funktioniert gut zwischen euch, ihr seid’s glücklich miteinander. Sie ist sicherlich eine gute Wahl, net nur hübsch, sondern auch ein liebreizendes, nettes Madel.«

»Net einfach nur nett«, widersprach Moritz, und seine hellbraunen Augen begannen warm zu glänzen. »Sie ist wie ein Engel, der vom Himmel auf die Erde herabgestiegen ist, um die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Ich schwör dir, das Madel hat keine einzige böse Faser im ganzen Leib.«

»Und wieder ist ein fescher Junggeselle vom Markt«, seufzte die Serviererin Vroni, die mit Sektgläsern bereitstand.

Moritz grinste über das Kompliment, aber gleich darauf entfuhr ihm auch ein Seufzen.

»Wenn sie denn Ja sagt!«

»Aber geh, bezweifelst du das? Ihr seid’s doch ein Herz und eine Seele«, wandte Lukas ein.

Moritz zuckte mit den Schultern. Zweifelte er daran, dass Valentina Ja sagen würde? War er deswegen so nervös? Hatte er Angst vor einer Abfuhr, die ihm zweifellos das Herz brechen würde?

Eigentlich konnte er sich nicht vorstellen, dass Valentina den Antrag ablehnte. Sie liebte ihn doch aus ganzem Herzen, das sagte sie ihm jeden Tag, und ihre himmelblauen Augen leuchteten vor Zärtlichkeit. Also warum war ihm jetzt ganz elend zumute?

Die Hotelchefin Hedi Kastler schmunzelte warmherzig.

»Ach, Moritz. Es ist ja ganz klar, dass man vor so einem großen Moment aufgeregt ist. Aber ich bin mir sicher, du wirst die Antwort bekommen, die du dir ersehnst. Und dann dauert’s net lang, bis die Hochzeitsglocken läuten.« Sie zupfte seinen Kragen zurecht. »Fesch schaust du jedenfalls aus in deinem Trachtenjanker und der Lederhose.«

Moritz atmete tief durch. »Danke. Für die ganze Unterstützung!«

Hedi war so lieb gewesen, Valentina hierherzubitten – angeblich, weil sie gute Tipps für die Pflege eines kränkelnden Rosenstrauchs brauchte. Die hilfsbereite Valentina hatte sofort zugesagt, nicht ahnend, dass stattdessen ein Verlobungsring auf sie wartete – und Moritz, der Blut und Wasser schwitzte.

Mit einem Finger zog er unbehaglich an seinem Kragen, der plötzlich viel zu eng erschien und ihm den Atem raubte.

»Da, für die Nerven«, sagte Hedis Mann Andi, mit dem sie das Berghotel leitete, gutmütig und drückte Moritz ein Stamperl Schnaps in die Hand. »Wird schon gutgehen.«

Dieser leerte das Glaserl mit einem Schluck. Dann straffte er die Schultern und nickte entschlossen. Ja, bestimmt würde es gutgehen. Zumindest hätte er sich keinen schöneren Ort aussuchen können. Der Blumengarten, den Hedi hinter ihrem geliebten Berghotel angelegt hatte und den sie mit Hingabe pflegte, war auch im Herbst eine Augenweide: ein idyllisches Fleckerl mit üppigen Beeten, Stauden und Spalieren, zwischen denen Kieswege hindurchführten. Ein Holzbankerl lud zum Verweilen ein. Die Blumen verströmten einen intensiven, betörenden Duft.

»Da kommt sie!«, zischte Vroni aufgeregt.

Rasch versteckten sich die Hotelmitarbeiter, gingen hinter Blumenbüschen und großen Pflanzkübeln in Deckung. Lukas reckte noch einmal aufmunternd beide Daumen hoch, bevor er hinter einem Rosenstrauch verschwand.

Moritz räusperte sich mehrmals, zuppelte noch einmal an seinem Kragen und tastete in der Tasche erneut nach dem Verlobungsring. Kühl und glatt fühlte sich das Gelbgold zwischen seinen Fingern an.

Und dann kam sie auch schon um die Ecke. Wie jedes Mal, wenn er sie sah, konnte Moritz gar nicht anders, als zu lächeln. Wie hübsch sie aussah! Das hellblaue Dirndl passte perfekt zu ihren himmelblauen Augen. Die weizenblonden Locken ringelten sich um ihr zartes, herzförmiges Gesicht mit dem etwas spitzen Kinn und den rosigen Wangen. Ihre großen Augen sahen sich suchend um.

Sie war tatsächlich wie ein leibhaftiges Engerl, dachte er einmal mehr. Die Unschuld, die sie ausstrahlte, rührte sein Herz.

»Hedi?«, rief sie, dann formte ihr Mund ein erstauntes Oh!, als sie stattdessen Moritz erblickte. »Moritz, was machst du denn hier? Die Hedi hat mich angerufen, sie möchte sich mit mir über ein paar Blumen austauschen.«

Lächelnd kam sie auf ihn zu, um ihn wie üblich zur Begrüßung zu umarmen und ihm ein liebevolles Busserl zu geben.

Jetzt ging es um alles. Statt sie in seine Arme zu schließen, hielt er sanft ihre Hände fest und ging vor uns auf die Knie.

»Valentina. Ich lieb dich so sehr, dass ich mir kein Leben ohne dich vorstellen kann und mag.« Seine Stimme war etwas brüchig. »Du und ich, wir sind füreinander bestimmt. Ich glaub, das war uns beiden von Anfang an klar. Mit dir an meiner Seite möchte ich durch die Welt gehen. Valentina, willst du meine Frau werden?«

Der kleine Diamant am Verlobungsring fing funkelnd das warme Licht der Herbstsonne ein und zauberte eine Reflexion in Valentinas staunend geweitete Augen. Moritz wagte kaum zu atmen. Er wusste nicht, was sie täte, wenn sie Nein sagen würde. Mit einem Wort hätte sie die Macht, seine ganze Welt zu zerschmettern. Im Grunde genommen war ihm schon vor vielen Jahren, als kleiner Bub, klar gewesen, dass er Valentina eines Tages heiraten würde. Aber sah sie das genauso?

»Ja«, hauchte sie überwältigt, »ja, ich will!«

Es war ihm, als löste sich eine schwere Eisenklammer, die sein Herz gerade noch schmerzhaft zusammengedrückt hatte. Mit zitternden Händen steckte er ihr den Ring an den Finger, dann nahm er sie zärtlich in die Arme, drückte sie an sich und küsste sie, dass ihr die Luft wegblieb.

Applaudierend kamen die Hotelmitarbeiter aus ihren Verstecken, Vroni servierte Sekt, und gut gelaunt stießen sie alle miteinander an. Valentinas Augen leuchteten wie zwei Sterne, sie wirkte völlig überrumpelt und betrachtete immer wieder freudenstrahlend den glitzernden Ring, als könnte sie es kaum glauben.

Und Moritz konnte endlich aufatmen. Warum war er bloß so nervös gewesen? Hatte er wirklich befürchtet, sie könnte seinen Antrag ablehnen? Sie beide gehörten nun einmal zusammen, das stand seit jeher fest!

***

»Wie herrlich, dass wieder eine Hochzeit in St. Christoph stattfindet«, schwärmte Hedi selig, als sie und ihr Mann anschließend durch ihr geliebtes Berghotel schlenderten. Später hatten sie noch eine Besprechung mit dem Koch Leo Hofbacher, um die Menüfolgen der nächsten Wochen zu besprechen, aber bis dahin hatten sie etwas Freizeit.

»Ein bisserl musst du dich gedulden, für die Valentina und den Moritz ist’s ja erst im Frühjahr so weit«, meinte Andi schmunzelnd.

Er kannte die Begeisterung seiner Frau für Feierlichkeiten, und Hochzeiten zählten für sie zu den allerschönsten Festen. Was gab es Schöneres, als die Liebe zu feiern?

»Freilich, aber freuen kann ich mich ja jetzt schon«, entgegnete sie gut gelaunt. Ihr fesches Dirndl schwang ihr um die Beine, als sie flott voranschritt. »Ist’s net schön, dass die beiden beschlossen haben, die Feier hier bei uns im Hotel abzuhalten? Ich freu mich so sehr für die zwei!«

Andi nickte. »Überraschend kommt’s freilich net.« Er lächelte. »Irgendwie war’s ja nur eine Frage der Zeit, gell? Die beiden waren ja immer schon unzertrennlich. Ich weiß noch, wie die Eltern damals, als die Kinder noch klein waren, drüber gescherzt haben, dass die zwei irgendwann heiraten werden.«

Nachdenklich nickte Hedi.

»Ja, ist schon wahr. Es ist, als wären die Weichen schon vor vielen, vielen Jahren gestellt worden. Ist’s das, was man Schicksal nennt?« Ihre Hochstimmung war auf einmal gedämpft, als ihre Gedanken sich selbstständig machten. Leiser fügte sie hinzu: »Ich frag mich ... ob’s wirklich das Richtige für die beiden ist, oder ob sie nur automatisch den Weg weitergehen, der seit ihrer Kindheit so klar vor ihnen liegt. Verstehst du, was ich mein? Ob sie wirklich füreinander gemacht sind, oder ob sie’s nur glauben, weil sie’s net anders kennen.«

Erstaunt musterte Andi seine Frau und zog die Augenbrauen hoch.

»Das sind ja philosophische Töne von dir. Hast du denn Zweifel an den Gefühlen der beiden? Auf mich wirken sie wie ein glücklich verliebtes Paar. Überglücklich sogar.«

Hedi schürzte die Lippen und tippte sich grüblerisch ans Kinn.

»Ja, stimmt schon. Der Moritz ganz sicher, dafür leg ich meine Hand ins Feuer. Die Valentina ... Nun, die ist ein bisserl schwer einzuschätzen.«

Andi riss die Augen auf. »Also das wundert mich jetzt noch mehr. Die Valentina ist doch das reinste Herzerl. Immer gut aufgelegt, immer ein strahlendes Lächeln auf den Lippen.«

»Vielleicht ist’s genau das, was mich skeptisch stimmt«, sagte Hedi leise. »Niemand ist immer gut drauf. Keiner kann immer lächeln. Aber die Valentina scheint niemals einen Regentag zu haben.« Sie schüttelte den Kopf über sich selbst, als ihr bewusst wurde, wie zweifelnd ihr Mann sie ansah. »Ist ja auch wurscht, vermutlich spinn ich grad nur herum«, sagte sie energisch. »Wir müssen uns um Wichtigeres kümmern!«

»Die Zimmerbuchungen für die Jagdgesellschaft.« Er begriff sofort, was sie meinte, und seine Augen leuchteten auf. »Hat der gute Herr Baron schon die Gästeliste geschickt?«

Eifrig nickte sie. »Ein paar Herrschaften bringt er bei sich drüben im Schloss in den Gästezimmern unter, aber es gibt auch eine Menge Leute, die sich hier bei uns im Hotel einquartieren. Gut, dass wir rechtzeitig Bescheid gewusst und die Zimmer freigehalten haben.

Der Baron von Brauneck, dessen hübsches Barockschlössl nicht weit vom Berghotel entfernt lag, lud zur Treibjagd. Im Dorf war die Aufregung schon groß. Freunde und Bekannte des Barons würden bald anreisen, darunter einflussreiche Persönlichkeiten, einige sogar selbst von Adel.

»Ich hab beschlossen, mich als Treiber anzumelden«, erzählte Andi begeistert. »Für alle drei Termine. Wie schaut’s mir dir aus? Bist du diesmal auch dabei?«

Zwei Wochen lang sollten die Gäste bleiben, in dieser Zeit wollte der Baron dreimal zur Jagd blasen. Es war nicht das erste Mal, dass Andi sich dem Jagdgeschehen anschloss, doch noch nie war es ihm gelungen, seine Hedi dazu zu überreden.

»Sicherlich net«, lachte sie auch jetzt. »Du weißt, ich bin ja gern draußen in der Natur unterwegs, aber wenn ich mir vorstell, in aller Herrgottsfrühe mit euch durch den Wald zu stapfen, ganz gleich, ob’s regnet oder stürmt... Na, da mach ich’s mir solang lieber daheim gemütlich.«

»Bist du dir ganz sicher?« Der Hotelchef setzte seinen besten Dackelblick auf. »Du verpasst was, ehrlich! Der Kroneder-Franz ist auch wieder mit von der Partie, genauso wie der Einrieder-Lukas. Und sogar die Wachter-Gerti lässt sich’s net entgehen!«

Hedi gab ihrem Mann ein zärtliches Busserl und zwinkerte ihm schelmisch zu.

»Dann wünsch ich euch allen ganz viel Spaß. Und wird voll Mitleid an euch denken, wenn ich mich gemütlich mit einem heißen Kakao auf der Couch räkel, während die Regentropfen gegen’s Fenster prasseln.«

***