Das Berghotel 230 - Verena Kufsteiner - E-Book

Das Berghotel 230 E-Book

Verena Kufsteiner

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Beschreibung

Auf seiner eleganten Dachterrasse in Wien macht Sven seiner Freundin Tamara einen Heiratsantrag. Doch sie reagiert nicht wie erwartet mit dem freudenstrahlenden "Ja", sondern bittet um etwas Bedenkzeit. Verwirrt und verletzt willigt Sven ein.
Er ahnt nicht, warum Tamara zögert. Sie ist noch verheiratet, doch das hat sie Sven niemals erzählt. Ihr Noch-Ehemann Tobias lebt im Zillertal. Er hat sie damals betrogen, die Trennung war sehr schmerzhaft, und Tamara hat St. Christoph daraufhin überstürzt verlassen. Bisher hatte sie nicht die Kraft, die Scheidung offiziell anzugehen. Aber jetzt hat sie endlich einen triftigen Grund, in die Heimat zurückzukehren und sich ihrem Ehemann und der Scheidung zu stellen ...

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Seitenzahl: 122

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Inhalt

Cover

Impressum

Rückkehr nach St. Christoph

Vorschau

BASTEI LÜBBE AG

Vollständige eBook-Ausgabeder beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

© 2020 by Bastei Lübbe AG, Köln

Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: Bastei Verlag / Wolf

eBook-Produktion:3w+p GmbH, Rimpar (www.3wplusp.de)

ISBN 9-783-7517-0538-7

www.bastei.de

www.luebbe.de

www.lesejury.de

Rückkehr nach St. Christoph

Sie kam zur Scheidung – und blieb dochfür immer

Von Verena Kufsteiner

Auf seiner eleganten Dachterrasse in Wien macht Sven seiner Freundin Tamara einen Heiratsantrag. Doch sie reagiert nicht wie erwartet mit dem freudenstrahlenden »Ja«, sondern bittet um etwas Bedenkzeit. Verwirrt und verletzt willigt Sven ein.

Er ahnt nicht, warum Tamara zögert. Sie ist noch verheiratet, doch das hat sie Sven niemals erzählt. Ihr Noch-Ehemann Tobias lebt im Zillertal. Er hat sie damals betrogen, die Trennung war sehr schmerzhaft, und Tamara hat St. Christoph daraufhin überstürzt verlassen. Bisher hatte sie nicht die Kraft, die Scheidung offiziell anzugehen. Aber jetzt hat sie endlich einen triftigen Grund, in die Heimat zurückzukehren und sich ihrem Ehemann und der Scheidung zu stellen ...

Die Sonne sank allmählich tiefer und tauchte die elegante Dachterrasse in ein warmes, rötliches Licht. Schimmernde Reflexe fingen sich in den beiden Weißweingläsern, auf denen sich Tauwasser gebildet hatte.

Tamara atmete tief durch und streckte sich genüsslich, als sie auf die Terrasse trat. Sofort fiel die Anspannung des Arbeitstages von ihr ab. Die perfekt geschnittenen Buchsbaum-Kugeln, die in ihren anthrazitfarbenen Pflanzkübeln symmetrisch die Terrasse säumten, verbreiteten eine friedliche, ruhige Atmosphäre. Dazu trug das plätschernde Wasserspiel bei. Sven hatte bei der Einrichtung seiner Stadtwohnung mitsamt Terrasse wirklich Geschmack bewiesen.

Ihr Freund Sven, der gerade den Tisch gedeckt hatte, blickte lächelnd hoch und begrüßte sie mit einem zärtlichen Kuss.

»Grüß dich, meine Liebste. Der Abend ist grad noch schöner geworden«, sagte er sanft und drückte ihr eines der Weingläser in die Hand. »Hier, für dich. Dein Lieblingswein.«

Sie seufzte zufrieden und erwiderte sein Lächeln.

»Du bist einfach der Beste. Genau das hab ich jetzt gebraucht.«

Leise klirrten die dünnwandigen Gläser gegeneinander, als sie einander zuprosteten. Herrlich kühl rann der gute Wein Tamaras Kehle hinab, als sie daran nippte.

Einen aufmerksameren Mann als den Sven hätte sie sich wohl nicht wünschen können. Er schien instinktiv immer zu spüren, wie sie sich fühlte, und las ihr jeden Wunsch von den Augen ab, noch bevor sie selbst wusste, was sie eigentlich wollte und brauchte. Seit fast zwei Jahren waren sie jetzt schon ein Paar, und er war immer noch so zuvorkommend und aufmerksam wie am ersten Tag.

Kein Wunder, dass ihre Freundinnen sich vor Neid überschlugen.

»Wenn du ihn net mehr willst, sag Bescheid, dann nehm ich ihn mit Handkuss«, hatte Barbara neulich lachend gesagt, aber der scherzende Tonfall hatte nicht darüber hinweggetäuscht, dass mehr als nur ein Körnchen Wahrheit in der Aussage steckte.

Und Heike hatte beim letzten Mädelsabend ganz betrübt in ihr Cocktailglas gemurmelt: »Mein Lars könnt sich von deinem Sven wirklich eine Scheibe abschneiden. Mir kommt’s so vor, als würd er mich schon lang nimmer wahrnehmen. Für ihn gehör ich zum Inventar, wie eine altmodische Kommode oder irgendein anderes Möbelstück.«

Nein, über mangelnde Aufmerksamkeit konnte Tamara sich wahrlich nicht beschweren. Sven war ein echter Traumtyp, und ihr war bewusst, was für ein Glück sie mit ihm hatte.

»Ich helf dir gleich beim Anrichten!«, rief sie ihm zu, als er sich daran machte, Baguette, Oliven und ein paar Dips auf den Tisch zu stellen.

Aber er winkte ab. »Passt schon, ich bin gleich fertig. Erhol du dich von der Arbeit.«

Also nickte sie, trat an die Terrassenbrüstung und blickte über die Dächer der Wiener Altstadt, die sich im warmen Abendlicht unter ihr erstreckten. Tauben flatterten hoch, und rosa Wolken zogen über den Himmel.

Es war eine schöne Stadt, fand sie. Als sie vor zwei Jahren so überstürzt umgezogen war, hatte sie einfach das erstbeste Ziel angesteuert, das ihr in den Sinn gekommen war – und das war die Landeshauptstadt gewesen. Damals hatte sie keine Ahnung gehabt, wie es weitergehen sollte und wie lange sie bleiben würde.

Doch dann hatte eines zum anderen geführt. Sie hatte sich übergangsweise ein Zimmer zur Untermiete besorgt und dabei Barbara kennengelernt, die ihr weitere Freundinnen vorgestellt hatte. Ein neuer Job war schnell gefunden, das Gehalt reichte für eine schnuckelige kleine Wohnung in der Innenstadt. Auf einer Feier hatte sie Sven kennengelernt, und damit war die Sache besiegelt: Tamara war in Wien geblieben. Sie hatte sich ein neues Leben aufgebaut, hatte alle Brücken hinter sich abgebrochen und blickte nicht zurück.

Der Abendwind streichelte ihre Haut. Er trug den Großstadtlärm zu ihr, denn auch zu dieser Uhrzeit dachte eine Stadt wie Wien nicht daran, schlafenzugehen. Kurz musste sie daran denken, wie ruhig es in ihrer vorherigen Heimat gewesen war. Die Geräusche Wiens machten ihr den Kontrast deutlich bewusst. Doch schon verdrängte sie die Erinnerung wieder. Was brachte es denn schon, in der Vergangenheit zu verweilen?

Sven trat neben sie. Das Licht der untergehenden Sonne verlieh seinem sandblonden Haar einen rötlichen Schimmer. Zärtlichkeit lag in seinen blauen Augen.

Sanft fuhr seine Hand ihren Oberarm empor, wanderte über ihre Schulter und ihren Hals. Sie lehnte sich an ihn und genoss die zarte Berührung. In seiner Nähe fühlte sie sich immer so wohl und geborgen. Jetzt erst bemerkte sie, wie verspannt ihr Nacken war.

»Anstrengender Arbeitstag?«, fragte Sven mitfühlend.

Sie zuckte mit den Schultern.

»Ach, wie üblich. In der Agentur geht’s ja immer stressig zu. Aber es hat auch Spaß gemacht. Und jetzt ist ja erst einmal Wochenende!«

Seine Finger liebkosten immer noch ihren Nacken, doch plötzlich hatte sie das Gefühl, Svens Bewegungen wurden fahriger und zittriger. Beinahe so, als sei er nervös. Dabei ruhte er eigentlich immer in sich und ließ sich kaum von Emotionen aus der Ruhe bringen.

Doch bevor sie ihn fragen konnte, ob alles in Ordnung war, räusperte er sich plötzlich und ging vor ihr auf die Knie.

»Tamara. Die letzten beiden Jahre waren die schönsten meines ganzen Lebens.« Seine Stimme bebte leicht. »Du bist die Frau, die ich mir immer an meiner Seite ersehnt hab, obwohl’s mir vorher selbst gar net bewusst war. Erst, seit ich dich kenn, weiß ich, was mir immer gefehlt hat. Ich will den Rest meines Lebens mit dir verbringen. Willst du mich heiraten?«

Er öffnete eine kleine Schmuckschatulle, aus der ein atemberaubend schöner Diamantring hervorfunkelte. Erwartungsvoll sah Sven Tamara an und wartete auf ihre Antwort.

Es konnte nur eine richtige Antwort geben: ein überglückliches ›Ja.‹ Das war es, was sie sagen musste. Und auch, was sie sagen wollte! Sven war der perfekte Mann. Sie war glücklich mit ihm, und daran sollte sich auch in Zukunft nichts ändern.

Sie sah ihm an, dass er auf dieses ›Ja‹ wartete. Er war nervös, immerhin war es eine große, bedeutsame Frage, die er da gestellt hatte – und doch las sie in seinen sanften, blauen Augen, dass er nicht daran zweifelte, wie sie antworten würde.

Doch Tamaras Kehle war wie zugeschnürt, sie brachte keinen Ton hervor. Die Luft schien mit einem Mal jeglichen Sauerstoff verloren zu haben, Tamara konnte kaum atmen. Punkte begonnen vor ihren Augen zu flirren. Und bildete sie es sich nur ein, oder schwankte der Boden plötzlich ganz leicht unter ihren Füßen?

Panik wallte in ihr hoch. Ein Sturm aus widerstrebenden Emotionen wirbelte durch ihr Herz. Die Erinnerungen, die sie in den letzten zwei Jahren zu verdrängen versucht hatte, brachen hervor und nahmen sie ganz gefangen.

»Tamara«, brachte er noch einmal hervor, nur dieses eine Wort – nur ihren Namen.

Seine Stimme durchbrach ihre Starre. Endlich konnte sie antworten, doch sie konnte ihm nicht die Antwort geben, die er sich erhoffte.

»Ich brauch Zeit«, presste sie atemlos hervor. »Es tut mir so leid, Sven, aber ich kann jetzt net Ja sagen. Ich ... Ich muss ... Ich brauch Bedenkzeit.«

Es tat ihr weh, zu sehen, wie die Hoffnung auf seinem Gesicht zerbröckelte wie eine Porzellanmaske. Darunter kamen Verwirrung und Schmerz zum Vorschein.

»Aber ... ich hab geglaubt, du liebst mich«, murmelte er schwach. Er verstand die Welt nicht mehr.

»Das tu ich! Oh, Sven, das musst du mir glauben. Ich lieb dich wirklich. Es ist nur...« Sie rang hilflos nach Worten. »Es gibt Dinge, die ich klären muss. Zwei Wochen, Sven. Gib mir zwei Wochen. Davor kann ich dir keine Antwort geben. Und diese zwei Wochen verbring ich in Tirol.«

»Da hast du vorher gelebt«, sagte er tonlos. Langsam und schwerfällig kam er aus seiner knienden Position wieder auf die Beine, stemmte sich an der Brüstung hoch. »Bevor du nach Wien gekommen bist.«

Sie nickte. Das war alles, was sie über ihre Vergangenheit verraten hatte: dass sie im Zillertal gelebt hatte. Alles andere hatte sie ausgeklammert, und Sven hatte das akzeptiert. Keiner ihrer neuen Freunde hier in Wien wusste irgendetwas über ihre Vergangenheit. Nicht, wie sie gelebt hatte, was sie gemacht und erlebt hatte, mit wem sie befreundet gewesen war – gar nichts. Mit dem Umzug nach Wien hatte sie einen klaren Schnitt gezogen und die Vergangenheit hinter sich gelassen.

Minutenlang schwiegen sie. Die Sonne versank hinter den Dächern Wiens, doch die Stadt wurde nicht dunkel. Straßenlaternen, Autoscheinwerfer und erleuchtete Fenster tauchten die Stadt in einen spätabendlichen Schein.

»Na schön«, sagte Sven schließlich leise. »Dann soll’s so sein. Ich geb dir die Zeit, die du brauchst. Wann brechen wir auf? Soll ich ein Hotel buchen?«

Immer war er verständnisvoll, sogar jetzt, in dieser Situation. Sie hatte ihn gar nicht verdient, schoss es Tamara durch den Kopf.

»Nein«, flüsterte sie und hasste sich in dem Moment selbst, weil sie ihn so verletzte. »Du kannst net mitkommen. Ich geh allein. Ich bitt dich, Sven, gib mir diese zwei Wochen.«

***

Wahllos warf Tamara Kleidungsstücke in ihren Koffer. Sobald sie nach Hause in ihre kleine Wohnung gekommen war, hatte sie zu packen begonnen. Sie und Sven hatten zwar immer vorgehabt, zusammenzuziehen, aber noch hatten sie dieses Vorhaben nicht in die Tat umgesetzt, und jetzt gerade war sie froh darüber. Sie hätte es nicht ertragen, seinen traurigen, verwirrten Blick im Rücken zu spüren und seine stumme Anklage zu fühlen, während sie ihre Abreise vorbereitete.

Tamara wünschte, sie hätte ihm die Antwort geben können, die er sich wünschte. Die Antwort, die er verdiente. Und das würde sie auch tun! Alles in ihr schrie danach.

Aber zuerst gab es Dinge, die sie erledigen und aus der Welt schaffen musste. Erst wenn sie alles in Ordnung gebracht hatte, konnte sie Sven das Jawort geben.

»Oh Sven, wenn du wüsstest«, murmelte sie.

Ihre Hände zitterten, als sie sich dann an den Computer setzte und die Website des Sporthotel »Am Sonnenhang« in St. Christoph aufrief. Es versetzte ihr einen Stich, als sie die schönen Fotos auf der Homepage sah: Aufnahmen der herrlichen Zillertaler Alpen und des idyllischen Dörfchens St. Christoph. Dort hatte sie gewohnt, und es hätte ihr das Herz gebrochen, von dort wegzugehen – wenn dieses Herz zu dem Zeitpunkt nicht ohnehin schon so zertrümmert gewesen wäre, dass es nichts mehr zu brechen gab.

In der Agentur würde der Aufschrei groß sein, wenn sie ausgerechnet in dieser stressigen Zeit so überaus spontan Urlaub nahm. Aber sie war so oft für Kolleginnen eingesprungen, dass man ihr die zwei freien Wochen nun wirklich nicht verwehren konnte. Freilich würde die Chefin meckern, aber im Moment gab es für Tamara nun einmal wichtigere Dinge.

Mit ein paar Klicks buchte sie ein Hotelzimmer. Es fühlte sich seltsam an, dass sie in ihrer einstigen Heimat ein Hotel nehmen musste. Damals hatte sie auf einem wunderschönen, alten Weingut gewohnt. Doch jetzt hatte sie in Tirol kein Zuhause mehr, also musste sie freilich zusehen, dass sie an eine Unterkunft kam.

Zumindest war das Sporthotel »Am Sonnenhang«, das in St. Christoph nur als das Berghotel bekannt war, schön gemütlich. Sie erinnerte sich noch gut an das hübsche Haus. Dort würde sie sich wohlfühlen, wenn sie sich dem unerfreulichsten Kapitel ihres Lebens widmete.

Schwungvoll schloss sie den Koffer, doch dann erstarrte sie und machte ihn noch einmal auf – sie hatte etwas vergessen. Sie huschte noch einmal zu ihrem Schreibtisch, öffnete die unterste Schublade und kramte darin. Da, ganz hinten, war etwas versteckt: ein schlichtes, kleines Holzkästchen, in dem etwas hin und her kullerte. Sie hielt den Atem an, als sie den Deckel öffnete und den Inhalt des Kästchens betrachtete: einen schmalen, goldglänzenden Ring.

Wieder kamen Erinnerungen hoch, die sie nicht abwehren konnte. Sie musste daran denken, wie sich der Ring an ihrer Hand angefühlt hatte. Und daran, wie Tobias ihn ihr an den Finger gesteckt hatte.

Energisch schüttelte sie den Kopf, als könnte sie die Erinnerungen so vertreiben. Zögernd blickte sie zwischen dem Ring und dem gepackten Koffer hin und her. Es war albern, irrational, vermutlich sogar lächerlich, aber sie brachte es einfach nicht über sich, den Ring zurückzulassen und ohne ihn zu verreisen. Auch jetzt noch, nach zwei Jahren, hing sie auf nostalgische Weise an dem Schmuckstück.

Dabei wollte sie diesen Ehering um nichts in der Welt noch einmal an ihren Finger stecken. Am besten sollte sie ihn verkaufen! Aber sie konnte sich nicht dazu überwinden.

Und auch jetzt gewann die alberne Nostalgie. Rasch packte sie das Kästchen mit dem Ring in den Koffer, verstaute es ganz unten, unter ihren Kleidungsstücken. Jetzt erst fühlte sie sich bereit, diese Reise in die Vergangenheit anzutreten.

***

Ein feiner Nieselregen hüllte die Welt in einen durchscheinenden Schleier, doch trotzdem war die Landschaft, durch die Tamara gerade fuhr, atemberaubend schön. Majestätisch ragten die Berge aus dem Grau. Beim Anblick dieser Riesen schlug ihr Herz höher. Wie sehr sie die Zillertaler Alpen vermisst hatte! Die Weite der Landschaft hatte etwas so Beruhigendes, Heilsames an sich.

Die Landstraße schlängelte sich durch dunkle Wälder und grüne Almwiesen, auf denen Kühe und Schafe grasten. Immer wieder passierte Tamara kleine Dörfer, die so ursprünglich wirkten, als seien sie immer schon hier gewesen und gar nichts von Menschenhand Geschaffenes, sondern ein Teil der Natur.

Sie hatte nicht immer hier gelebt, nur ein paar Jahre. Ursprünglich stammte sie aus Kärnten, doch schon mit achtzehn Jahren war sie zum Studieren nach Graz gezogen, dann nach Salzburg. Ein Auslandsjahr hatte sie sogar in Japan verbracht. Ihre Eltern hatten Österreich mittlerweile den Rücken gekehrt und lebten in Amerika. Vielleicht war ihr die Rastlosigkeit in die Wiege gelegt worden.

Meist hatte es sie nach ein paar Jahren weitergezogen, sie war oft umgezogen. Aber als sie das Zillertal kennengelernt hatte, beschlich sie zum ersten Mal in ihrem Leben das Gefühl, hier könnte sie es für immer aushalten. Dieses wunderschöne Fleckerl Erde könnte auf Dauer ihr Zuhause sein.