Das Berghotel 237 - Heimatroman - Verena Kufsteiner - E-Book

Das Berghotel 237 - Heimatroman E-Book

Verena Kufsteiner

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Beschreibung

Zum ersten Mal findet das "Romantik-Festival" in St. Christoph statt. Andi und Hedi Kastler haben diese Idee ins Leben gerufen. Die Hotelbelegschaft ist ganz aus dem Häuschen. Mit Feuereifer stürzt man sich in die Planung. Es wird ein kurzes Theaterstück über die Liebe aufgeführt, außerdem soll ein Kusswettbewerb stattfinden. Hauptpreis ist ein Rundflug über die Zillertaler Alpen. Schnell sprechen sich die Pläne im Dorf herum. Besonders Leon ist Feuer und Flamme. Er will unbedingt den Rundflug gewinnen und bekniet seine Freundin Cilly, mit ihm beim Wettbewerb mitzumachen. Cilly weigert sich standhaft, ihrem Freund diesen Wunsch zu erfüllen. Sie hasst es, im Rampenlicht zu stehen, und fürchtet obendrein, sich vor ihrer verhassten Cousine Pauline lächerlich zu machen, die ausgerechnet jetzt für ein paar Tage zu Besuch aus Wien kommen will. Cilly ahnt Fürchterliches, denn Pauline wird nichts unversucht lassen, um den Kusswettbewerb zu gewinnen ...

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Seitenzahl: 123

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Inhalt

Cover

Wer küsst am besten?

Vorschau

Impressum

Wer küsst am besten?

Spritziger Roman um einen romantischen Wettbewerb im Berghotel

Von Verena Kufsteiner

Zum ersten Mal findet das »Romantik-Festival« in St. Christoph statt. Andi und Hedi Kastler haben diese Idee ins Leben gerufen. Die Hotelbelegschaft ist ganz aus dem Häuschen. Mit Feuereifer stürzt man sich in die Planung. Es wird ein kurzes Theaterstück über die Liebe aufgeführt, außerdem soll ein Kusswettbewerb stattfinden. Hauptpreis ist ein Rundflug über die Zillertaler Alpen.

Schnell sprechen sich die Pläne im Dorf herum. Besonders Leon ist Feuer und Flamme. Er will unbedingt den Rundflug gewinnen und bekniet seine Freundin Cilly, mit ihm beim Wettbewerb mitzumachen. Cilly weigert sich standhaft, ihrem Freund diesen Wunsch zu erfüllen. Sie hasst es, im Rampenlicht zu stehen, und fürchtet obendrein, sich vor ihrer verhassten Cousine Pauline lächerlich zu machen, die ausgerechnet jetzt für ein paar Tage zu Besuch aus Wien kommen will. Cilly ahnt Fürchterliches, denn Pauline wird nichts unversucht lassen, um den Kusswettbewerb zu gewinnen ...

Draußen stürmte es, und der Regen hatte wieder eingesetzt. Die Wolken hingen so tief, dass von den sechs Gipfeln, die das kleine Dorf St. Christoph wie steinerne Wächter umringten, nichts zu sehen war. Obwohl der Abend noch nicht angebrochen war, leuchteten bereits die Straßenlaternen. In ihrem Licht glänzten die Pflastersteine wie Fischschuppen, und das Regenwasser in den Rinnsteinen verwandelte sich in kleine Bäche, die von den Hängen hinab in die Straßen flossen.

Trotz des anhaltenden schlechten Wetters ließ sich Cilly Schmiedel jedoch nicht von ihrem Vorhaben abbringen. Schließlich hatte sie Hedi Kastler ihre Hilfe versprochen. Sie trat vor die Tür des Bauernhauses, in dem sie mit ihrer Mutter lebte, und sah sich kurz um. Ein Windstoß zerrte an ihrem Haar. Schnell zog sie die Kapuze tief ins Gesicht und eilte los, den steilen Weg hinauf.

Schon von Weitem sah sie den Lichtschein, der aus den Fenstern des Sporthotels »Am Sonnenhang« fiel. Statt der bunten Blumen in Kübeln und an den Balkonen, die das schöne Gebäude im alpinen Stil im Sommer zierten, hatte die Hotelchefin die Fensterbankerl mit Tannenzweigen geschmückt. Wieder einmal bewunderte Cilly die Hausherrin für ihr Geschick, mit wenigen Handgriffen eine einladende Atmosphäre zu zaubern.

Atemlos machte sie auf der Panoramaterrasse Halt und drehte sich um. Um diese Jahreszeit – es war Februar – waren die Berghänge normalerweise schneebedeckt und Wintersportler kehrten erschöpft aber glücklich von den gut präparierten Pisten und Langlaufloipen zurück ins gemütliche Hotel, um den Abend bei österreichischen Spezialitäten aus Leo Hofbachers Küche und einem guten Tropfen ausklingen zu lassen. Doch in diesem Jahr war alles anders. Anfang des Monats waren die Temperaturen gestiegen. Statt ergiebigen Schneefall brachten die Wolken seit ein paar Tagen Regen. Die Schneedecke schmolz dahin, Wasserpfützen machten sich auf den Hängen breit. Die sonst so imposante Natur – sanft geschwungene Almwiesen vor hohen Bergen, schroffe Schluchten und endlos weite Wälder – wirkte grau und fast ein bisserl trostlos.

»Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich meine Taucherausrüstung mitgebracht«, witzelte einer der Gäste, die sich in Ermangelung einer anderen Beschäftigung am Tresen bei der Hotelchefin Hedi Kastler versammelt hatten.

Noch war die Stimmung gut. Doch hier und da wurden schon erste, unzufriedene Stimmen laut. Schließlich waren die Gäste hierher ins idyllische Zillertal gekommen, um die herrliche Berglandschaft und die Natur zu genießen. Besonders Unerschrockene ließen sich vom Regen nicht abhalten, schnallten Schneeschuhe unter die Füße und marschierten los, um kaum eine Stunde später bis auf die Haut durchnässt wieder zurückzukehren.

Das Ehepaar Hedi und Andi Kastler und das ganze Team des Hotels gaben sich redliche Mühe, um die Besucher zu unterhalten. Doch trotz des attraktiven Schwimmbads, Sauna, Fitness-Raum und Beauty-Salon wurden die Tage lang, was sich besonders unter den jüngeren Gästen des Hotels bemerkbar machte. Daran konnten weder der Kochkurs mit Küchenchef Leo Hofbacher noch der Vortrag über die heimischen Bergkräuter der Physiotherapeutin und Kosmetikerin Gerti Wachter etwas ändern. Den Jungen stand der Sinn nach Spiel, Spaß und Action. So nahm es kein Wunder, dass Hedi aufatmete, als die Hoteltür aufgestoßen wurde. Sie hätte es ihrer Helferin nicht übel genommen, wenn sie es sich angesichts des Wetters anders überlegt hätte.

Cilly schüttelte sich wie ein Pudel, Wassertropfen stoben zu allen Seiten davon. Sie schob die Kapuze vom Kopf und rieb die kalten Hände.

»Oh, ist es gemütlich hier! Und so schön warm«, seufzte sie und atmete den würzigen Duft des heimischen Zirbelholzes ein, aus dem ein Großteil der Hoteleinrichtung gefertigt war. Im Kamin brannte ein Feuer. Schade nur, dass das Knacken und Zischen vom Stimmengewirr übertönt wurde.

Beim Anblick der jungen Grundschullehrerin war die Hausdame Gerda Stahmer verschwunden. Kurz darauf tauchte sie wieder auf. Sie nahm Cilly die nasse Jacke ab und reichte ihr ein Handtuch.

»Net, dass du krank wirst und der Schulunterricht ausfallen muss.«

»Die Kinder würd es freuen. Aber zum Glück bin ich net aus Zucker«, lachte Cilly und drückte das Gesicht in den flauschig weichen Stoff. »Und wenn alle Stricke reißen, müssen mich die Kollegen vertreten. Die Schule in Mayrhofen ist ja zum Glück net so klein wie die hier droben in St. Christoph.«

Inzwischen hatte sich auch Hedi zu den beiden Frauen gesellt.

»Ich bin so froh, dass du angeboten hast, den Lukas zu unterstützen«, begrüßte sie ihre Helferin. »Besonders die jungen Leute freuen sich schon auf euer Fitness-Training. Wir haben extra den Edelweiß-Saal ausgeräumt, damit ihr genügend Platz habt.«

»Das mach ich doch gern«, versicherte die Cilly. »Bei dem Wetter fällt mir auch die Decke auf den Kopf. Wie muss es da erst den Touristen ergehen? Die sind extra hergekommen, um sich den ganzen Tag die frische Luft um die Nase wehen zu lassen. Und dann das!«

»Und in den nächsten Tagen soll es net viel besser werden.« Hedi deutete auf die Pinwand neben der Eingangstür. Neben dem Tagesprogramm des Hotels und Vorschlägen zur Freizeitgestaltung in der näheren Umgebung hing dort ein aktueller Ausdruck mit der Wettervorhersage. Dunkelgraue Wolken, aus denen dicke Regentropfen fielen, und das an jedem Tag der Woche. »Dabei geben wir uns alle die größte Mühe, damit ihnen net langweilig wird. Der Andi hat heute schon eine Führung bei einem kleinen Skihersteller in Innsbruck organisiert.« Hedis Seufzen kam aus tiefstem Herzen. »Trotzdem denken ein paar Gäste schon laut darüber nach, den Urlaub abzubrechen und früher abzureisen.«

Cilly verstand die Sorgen der Hotelchefin nur zu gut. Eine Lösung für das Problem hatte sie aber leider auch nicht parat.

»Fürs Erste sorgen der Lukas und ich dafür, dass sie net auf dumme Gedanken kommen.«

Sie hob die Hand und winkte dem Sporttrainer des Berghotels, der die Treppe heruntergekommen war. Schlagartig zog er die Aufmerksamkeit auf sich. Die Blicke vieler Frauen folgten ihm, als er mit geschmeidigen Schritten die Hotellobby durchquerte. Seinem kantigen Gesicht war anzusehen, dass er seinen Auftritt genoss. Kein Wunder, wenn man so gut aussah und obendrein auch noch ein feiner Kerl war. Kein Wunder, dass er sich in der Liebe noch nicht festgelegt hatte. Selbst einem Kostverächter wäre es schwergefallen, angesichts dieser Auswahl treu zu sein.

Auch Cilly hatte als junges Madel von dem feschen Sporttrainer geträumt. Doch seit sie sich in den Jungbauern Leon Haberlander verliebt hatte, war sie gegen Lukas' Charme immun und konnte sich ganz auf das Sporttraining konzentrieren. Die beiden begrüßten sich mit einer freundschaftlichen Umarmung und einem Busserl links und rechts auf die Wange. Dann konnte es auch schon losgehen.

Dankbar sah Hedi den beiden nach, wie sie in Begleitung einer ansehnlichen Schar Touristen lachend und schwatzend davonzogen. Das bedeutete, dass die Hotelchefin ihre Sorgen zumindest für eineinhalb Stunden los war. Diese Zeit wollte sie nutzen, um im Internet zu recherchieren, welche Attraktionen sie ihren Gästen am nächsten, verregneten Tag bieten konnte.

***

Drei Stunden später wehte ein Duft nach Kräutern und Gebratenem aus dem Restaurant herüber in den Eingangsbereich. Leise Musik vermischte sich mit zufriedenen Stimmen, Geschirr und Besteck klapperte dazu. Wie fast an jedem Abend läutete diese Geräuschkulisse auch diesmal den Feierabend der Wirtsleute ein. Hedi richtete sich auf. Sie lockerte die Schultern und drückte den schmerzenden Rücken durch. An diesem Abend waren die Gäste versorgt, und das Programm für den kommenden Tag stand.

»Du bist ja noch ein bisserl da, oder?«, wandte sie sich an Gerda, die ihr gelegentlich am Empfang zur Hand ging. Gerda saß an einem Tisch im Eingangsbereich über dem Belegungsplan und hob den Kopf.

»Ich brauch hier bestimmt noch eine Stunde. Geh nur heim. Dein Anderl wartet bestimmt schon sehnsüchtig auf dich.«

Hedis Herz zog sich zusammen vor Mitgefühl.

»Keine Sorge, du findest bestimmt auch noch das ganz große Glück.«

Gerdas sinnender Blick ruhte auf einem Namen ihres Plans.

»Du hast recht.« Ein Lächeln erhellte ihr hübsches Gesicht. »Solange ich so leuchtende Beispiele vor Augen hab, werde ich die Hoffnung net aufgeben.«

Hedi wusste sofort, von wem Gerda sprach.

»Du meinst bestimmt das Ehepaar Hornung«, mutmaßte sie, während sie ihre Siebensachen zusammensuchte.

»Die zwei sind schon weit über siebzig und noch immer verliebt wie am ersten Tag. Das zeigt mal wieder, dass Liebe kein Alter kennt.«

Derart getröstet machte sie sich wieder an die Arbeit. Hedi hingegen trat den Heimweg an.

Ein Glück, dass das Haus des Ehepaares Kastler nur ein paar Meter entfernt oberhalb des Hotels idyllisch im Grünen lag. Andernfalls wäre Hedi auf dem Heimweg wahrscheinlich bis auf die Haut nass geworden. Schnell schlüpfte sie durch die Haustür und sperrte das schlechte Wetter aus. Endlich daheim!

Sie hängte die tropfnasse Jacke an den Haken. Der Dirndlrock war ein bisserl feucht geworden, aber er würde schnell wieder trocknen. Sie hob den Kopf und lauschte. Ein fröhliches Liedchen hallte durchs Haus. Ihr Mann war schon vorgegangen und stand in der Küche, um ein kleines Abendessen vorzubereiten. Eine dicke Scheibe Bergkas, Butter und resches Bauernbrot zu eingelegtem Gemüse vom letzten Sommer, das waren die Schätze für ein einfaches, aber köstliches Mahl. Fehlte nur noch die Gesellschaft seiner Frau.

»Da bist du ja, Spatzl.« Andi zog seine Hedi an sich und drückte ihr einen Kuss auf die Lippen. Sein fragender Blick ruhte auf ihrem geliebten Gesicht. »War deine Suche erfolgreich? Hast du eine Idee, was wir morgen mit unseren Gästen anstellen können?«

Hedi erwiderte den Kuss ihres Mannes und schmiegte sich in seinen Arm.

»Das Training von Cilly und Lukas war ein voller Erfolg. Die Teilnehmer sind so begeistert, dass wir beschlossen haben, die Aktion gleich morgen zu wiederholen. Außerdem spielt das Bauerntheater in Mayrhofen morgen Abend ein lustiges Stückerl. Außerdem könnten wir einen Bus chartern und die Gäste ins Erlebnisbad nach Wörgl bringen. Während sich die Kinder im Erlebnisbad tummeln, können sich die Erwachsenen entspannen und erholen«, plauderte sie auf dem Weg ins Wohnzimmer. »Der Tag morgen ist also gerettet. Aber wenn der Wettergott net langsam ein Einsehen hat, gehen mir bald die Ideen aus.«

Ihr bekümmerter Ton berührte Andis Herz. In den vielen gemeinsamen Ehejahren waren sie immer mehr zusammengewachsen. Hedis Sorgen waren seine Sorgen. Wenn sie glücklich war, war er es auch. Andi konnte sich kaum etwas Schöneres vorstellen als das strahlende Lächeln seiner Frau und ihre fröhliche Stimme, wenn sie munter wie ein Gebirgsbach vor sich hinplapperte. Umso mehr bekümmerte es ihn, sie so niedergeschlagen zu sehen.

»Komm doch heut Abend mit zum Stammtisch in den Ochsenwirt. Das bringt dich bestimmt auf andere Gedanken«, schlug er in Ermangelung einer anderen Idee vor.

»Lieber net. Heute bin ich keine gute Gesellschaft.« Hedi schüttelte den Kopf, dass ihr blondgefärbter Flechtzopf auf ihrem Rücken tanzte. »Du weißt ja, wie sehr mir unsere Gäste am Herzen liegen. Wenn sie sich nicht bei uns wohlfühlen, geht es mir auch net gut.« Ihr Blick wanderte hinüber zum Fenster. Inzwischen war es stockdunkel draußen. Auf der Terrasse brannte ein Licht. Im Schein der Lampe glänzten die Regentropfen. »Ich wünschte nur, ich könnte etwas an dem Wetter ändern.«

»Das liegt leider noch net in unserer Hand. Oder sollte ich sagen: Gott sei Dank?« Andi stellte die Brotzeit auf den niedrigen Couchtisch und zog seine Frau zu sich auf das Sofa. »Stell dir mal vor, was für ein Chaos das wär, wenn jeder Mensch da droben mitmischen könnte.«

Wohl oder übel musste Hedi lachen.

»Da hast du auch wieder recht.«

»Na, siehst du, mit einem Lachen sieht die Welt gleich nimmer ganz so düster aus.« Andis Herz ging auf. »Willst du net doch nachher mit ins Dorf kommen? Das wird bestimmt lustig heute Abend. Der Burger-Pankraz will vorbeischauen, und du weißt doch, dass unser alter Bergdoktor immer was zu erzählen hat.«

Doch Hedi stand der Sinn wirklich nicht nach Unterhaltung.

»Ich hab heut im Hotel keine ruhige Minute gehabt und freu mich auf ein bisserl Erholung vor dem Kamin mit einer schönen Tasse Tee. Aber das soll dich net davon abhalten, mit den anderen Spaß zu haben.«

»Ohne dich ist's aber nur halb so schön.«

»Das nächste Mal bin ich wieder dabei«, versprach sie und steckte ihrem Anderl ein Stückerl Bergkas in den Mund, um jeden weiteren Überzeugungsversuch im Keim zu ersticken.

***

Nach einer großen Portion von Leos köstlichen Krautfleckerln verließ auch Cilly Schmiedel das Berghotel und machte sich auf den Weg nach Hause. Unterwegs überlegte sie kurz, ob sie ihrem Freund Leon einen kurzen Besuch abstatten sollte, entschied sich aber dagegen. Verschwitzt und müde, wie sie war, sehnte sie sich eigentlich nur noch nach einer Dusche und ihrem Bett. Nur ein paar Minuten später betrat sie ihr Elternhaus.

»Cäcilie, bist du das?«, rief ihre Mutter aus der Kuchl.

Cillys Nackenhaare kräuselten sich. Wann lernte die Mama endlich, dass sie ihren vollen Namen nicht aussehen konnte?

»Ja, ich bin's«, antwortete sie brav und schüttelte den Kopf.

Wer hätte es auch sonst sein sollen? Aber seit ihr Vater gestorben war, war ihre Mutter mehr als sonst um sie besorgt. Das war rührend und lästig zugleich, zumal Cilly schon fünfundzwanzig Jahre alt war.

»Komm zu mir, und leiste mir ein bisserl Gesellschaft.«

Cilly seufzte und sah sehnsüchtig zur Stiege, die hinauf in den ersten Stock führte, wo ihre Kammer lag. In ein paar Stunden musste sie schon wieder aufstehen und sich vor der Klasse als Referendarin beweisen. Trotzdem brachte sie es nicht übers Herz, ihrer Mutter die Bitte abzuschlagen. Als sie in die Kuchl trat, stellte Elisabeth einen Becher warme Milch auf den Tisch.

»Ich hab Neuigkeiten«, verkündete sie.

»Ja?« Die Eckbank knarrte, als Cilly auf ihren angestammten Platz rutschte. Sie nippte an der Milch und sah ihre Mutter über den Rand der Tasse neugierig an.

»Was glaubst du, wer uns besuchen kommt?«, ließ Elisabeth ihre Tochter raten.

Mit dem Becher in der Hand lehnte sich Cilly zurück.

»Deinem Gesicht nach zu urteilen, ist es jemand, den du magst. Was mich, wenn ich ehrlich bin, beunruhigt.«

Diese Bemerkung ignorierte Elisabeth geflissentlich.

»Deine Cousine Pauline hat angerufen«, verkündete sie strahlend.

Cilly stellte die Tasse so hart auf den Tisch, dass die Milch überschwappte.