Das Berghotel 246 - Heimatroman - Verena Kufsteiner - E-Book

Das Berghotel 246 - Heimatroman E-Book

Verena Kufsteiner

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Beschreibung

Irmi Pielmeier schwebt im siebten Himmel. Der erfolgreiche Medienanwalt Luis Schindler macht ihr während eines Abendessens im Berghotel einen Heiratsantrag. Die Nachricht von der Verlobung verbreitet sich wie ein Lauffeuer. Die Dörfler nehmen lebhaft Anteil am Glück des jungen Paares, und nicht nur für Irmi steht fest, dass die Hochzeit in der Dorfkirche von St. Christoph und die anschließende Feier im Berghotel stattfinden wird, zumal Hedi und Andi Kastler gute Freunde der Familie Pielmeier sind. Doch Wolfang Schindler, der ein Modehaus besitzt, hat ganz eigene Pläne. Er träumt von einer medienwirksamen Hochzeit. Bald nach der Verlobung präsentiert er eine Hochzeitsplanerin. Außerdem sollen Trauung und Feier auf Schloss Ambras bei Innsbruck stattfinden. Irmi ist hin und her gerissen. Einerseits gefällt ihr die Vorstellung einer Märchenhochzeit in dem altehrwürdigen Gemäuer, aber auf der anderen Seite hat sie immer von einer Landhochzeit geträumt. Die junge Braut sitzt in der Zwickmühle ...

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Seitenzahl: 123

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Inhalt

Cover

Unsere Landhochzeit

Vorschau

Impressum

Unsere Landhochzeit

Wenn im Berghotel Träume wahr werden

Von Verena Kufsteiner

Irmi Pielmeier schwebt im siebten Himmel. Der erfolgreiche Medienanwalt Luis Schindler macht ihr während eines Abendessens im Berghotel einen Heiratsantrag. Die Nachricht von der Verlobung verbreitet sich wie ein Lauffeuer. Die Dörfler nehmen lebhaft Anteil am Glück des jungen Paares, und nicht nur für Irmi steht fest, dass die Hochzeit in der Dorfkirche von St. Christoph und die anschließende Feier im Berghotel stattfinden wird, zumal Hedi und Andi Kastler gute Freunde der Familie Pielmeier sind.

Doch Wolfang Schindler, der ein Modehaus besitzt, hat ganz eigene Pläne. Er träumt von einer medienwirksamen Hochzeit. Bald nach der Verlobung präsentiert er eine Hochzeitsplanerin. Außerdem sollen Trauung und Feier auf Schloss Ambras bei Innsbruck stattfinden. Irmi ist hin und her gerissen. Einerseits gefällt ihr die Vorstellung einer Märchenhochzeit in dem altehrwürdigen Gemäuer, aber auf der anderen Seite hat sie schon immer von einer Landhochzeit geträumt. Die junge Braut sitzt in der Zwick‍mühle ...

»Und ich soll das Kasterl wirklich in die Topfencreme stecken?«

Inmitten des hektischen Treibens stand die Köchin Rosi Stadler in der Küche des Berghotels. Ihr unschlüssiger Blick wanderte vom Kästchen mit dem Aufdruck eines Innsbrucker Juweliers zum Dessertteller und wieder zurück.

»Ein bisserl mehr Kreativität hätte ich schon von dir erwartet«, konterte ihr Kollege Leo Hofbacher. Er nahm den funkelnden Ring aus seinem Samtbett und legte ihn vorsichtig über die Minzzweige, mit denen die Topfencreme dekoriert waren.

»Seit wann verstehst du was von Kunst?«, konterte Rosi. »Bei dir gibt's jeden Tag Gamsbraten und Hirschgulasch.«

»Weil die Gäste das von einem anständigen österreichischen Restaurant erwarten«, verteidigte sich Leo und betrachtete mit sichtlichem Wohlwollen sein Werk. »Aber natürlich ist auch ein Boeuf Bourguignon kein Problem für mich.«

Die Küchentür wurde aufgestoßen, und das Serviermadel Vroni wirbelte herein.

»Ist der Nachtisch fertig? Der Luis wird schon ganz ungeduldig.« Sie entdeckte die beiden Teller und lachte. »Du hast ja meinen Rat befolgt und den Ring an ein paar Zweigerl gehängt. Das schaut so hübsch aus«, zwitscherte sie. »Oh, ich bin ja so gespannt, ob die Irmi Ja sagt.« Und schon war sie wieder zur Tür hinaus.

Rosi stemmte die Hände in die Hüften und musterte ihren Kollegen. Um ihre Lippen zuckte es verdächtig.

»Ich bewundere dich wirklich für deine Kreativität.«

Für mehr Neckereien war keine Zeit. Schließlich wollte jeder mitbekommen, wie der Schindler-Luis seiner Irmi den heiß ersehnten Heiratsantrag machte.

Für ein paar Minuten stand die Hotelküche still. Rosi und Leo, die Küchenhilfe Sissi Zöllinger und der Auszubildende Stefan Werninger steckten die Köpfe so unauffällig wie möglich durch die Tür oder die Durchreiche und hielten die Luft an. Ob die Irmi den Ring gleich entdecken würde?

»Oh, Luis, genau denselben Nachtisch hatte ich, als wir uns auf den Tag genau vor zwei Jahren hier im Berghotel getroffen haben.« Irmis Augen leuchteten vor Liebe und Glück.

Luis lächelte mit seiner Liebsten.

»Ich weiß. Es war mein erster Urlaubstag. Ich habe mich so gefreut auf die Ruhe in den Bergen, Wanderungen in die herrliche Umgebung, ein paar Tennisstunden mit dem Einrieder-Lukas ...«

»Nicht zu vergessen die wohltuenden Massagen von der Gerti«, warf Irmi mit verklärter Miene ein.

»Und dann komme ich am ersten Abend ins Restaurant und da sitzt meine Traumfrau am Tisch«, erinnerte sich Luis. Hoffentlich merkte man ihm die Nervosität nicht zu sehr an. Er musste sich regelrecht dazu zwingen, nicht auf den Ring zu starren, der im Kerzenlicht zwischen den Minzblättern, Topfencreme und eingelegten Kirschen funkelte und glitzerte. »Mir ist fast das Herz stehen geblieben, als ich den Kerl gesehen habe, mit dem du da warst.«

Irmi kicherte. »Eigentlich schade, dass die Hedi dir gleich verraten hat, dass der Magnus mein Bruder ist.« Sie beugte sich vor und sah Luis tief in die Augen. »Ich hätte schon gerne gewusst, ob du um mich gekämpft hättest.«

»Für dich hätte ich mich sogar duelliert. Aber ich bin froh, dass es net so weit gekommen ist«, scherzte Luis.

Langsam aber sicher hielt er es nicht mehr aus. Auch deshalb, weil er die vielen neugierigen Blicke aus der Küche bemerkt hatte.

»Was ist denn da? Warum schaust du denn immer da rüber?« Irmi folgte seinem Blick.

Blitzschnell verschwanden die Köpfe.

»Tu ich doch gar nicht«, verteidigte sich Luis. »Komm, lass uns endlich die Topfenmousse probieren.« Demonstrativ griff er nach dem Löffel.

Irmi tat es ihm nach. Auf halbem Weg hielt sie inne, und nicht nur das Küchenpersonal hielt die Luft an.

»Was ist denn das?« Sie legte den Löffel wieder weg, pflückte den Ring aus den Minzzweigen und hielt ihn ins Kerzenlicht.

Der große Moment war gekommen. Luis' Herz schlug ihm bis zum Hals.

»Irmi«, hob er an. »Willst du meine Frau...?«

»Jaaaaaaa!«, ertönte ein Jubelschrei aus dem vorderen Teil des Restaurants.

Irmi schnellte herum. Im gleichen Augenblick schlug Hedi Kastler entsetzt die Hand vor den Mund.

»Tut mir leid!«

Die Gäste des Restaurants lachten, und Andi Kastler mit ihnen. Luis erhob sich und grinste zur Hotelchefin und ihrem Mann hinüber.

»Es wäre mir eine Ehre, liebe Hedi, aber leider bist du schon vergeben.« Er zwinkerte ihr zu und konzentrierte sich wieder auf seine Braut. »Deshalb möchte ich dich, Irmi, fragen, ob du meine Frau werden willst.«

Vor Rührung brachte Irmi kein Wort heraus. Sie nickte nur und sah Luis dabei zu, wie er ihr den Ring aus der Hand nahm, den sie noch immer festhielt. Wie ein aufgeregter kleiner Vogel flatterte ihr Herz in ihrer Brust. Luis wollte sie heiraten. Alle hatten Bescheid gewusst, wie die lächelnden Gesichter verrieten. Und keiner hatte auch nur ein Sterbenswörtchen verraten.

Sie spürte, wie Luis ihr den antiken Ring auf den Finger schob. Der große Diamant, der den Kopf einer aufgeblühten Blume darstellte, funkelte sie an. Blätter und Stiel waren von weiteren Diamanten besetzt und gingen in zartem Schwung in eine Ringschiene aus Platin über. So etwas Kostbares hatte Irmi noch nie gesehen, geschweige denn besessen.

»Er ist perfekt«, hauchte sie.

Dann sah sie hinauf zu dem Mann, mit dem sie den Rest ihres Lebens verbringen wollte.

Luis musterte sie mit einem Blick, der so zärtlich war wie nie zuvor. Dann küsste er seine Braut.

Endlich löste sich die atemlose Stille im Restaurant. Ein wahrer Freudentaumel brach aus. Endlich durfte auch Hedi Kastler ihrer Begeisterung lautstark Luft machen. Sektkorken knallten, Gläser klangen hell aneinander. Und während auf das Brautpaar angestoßen wurde, konnte Irmi es kaum glauben. Sie war verlobt mit ihrer großen Liebe!

***

Ein paar Tage später stand Irmi im einzigen Raum des alten Bauernhauses, der schon fertig umgebaut war, und wusch Farbe von den Händen. Dabei betrachtete sie sich im Spiegel über dem Waschbecken.

»Ich, Irmi Pielmeyer, nehme dich, Luis Schindler, zu meinem gesetzlichen Ehemann...« Nein, das klang irgendwie falsch. Aber sie hatte ja noch genügend Zeit, diesen Schwur auswendig zu lernen.

»Wo steckst du denn, Haserl?«, hallte Luis' Stimme durch das Haus. »Deine Mama hat mir Krautfleckerl mitgegeben. Die sind noch warm.«

»Ich komm schon.« Während Irmi die Holztreppe hinuntersprang, spielte ein Lächeln um ihre Lippen. Traudl würde wohl nie aufhören, sich um ihre beiden Kinder zu sorgen und sie nach Strich und Faden zu verwöhnen. »Wie lieb von ihr.« Sie drückte Luis einen Kuss auf die Lippen. »Aber warum essen wir net zusammen?«

»Der Magnus und der Sepp sind schon wieder draußen unterwegs, die Zäune reparieren. Und die Traudl hat Besuch. Nichtsdestotrotz hat sie Angst, dass du hier verhungern musst, weil die Kuchl doch noch eine Baustelle ist.«

»Glaub mir, das ist gerade meine geringste Sorge.« Mit dem rechten Arm wischte Irmi über den Holztisch und schob Pläne, Notizen und anderen Papierkram zur Seite um Platz zu schaffen für die Pfanne und die Thermoskanne, randvoll mit duftendem Kräutertee. Erst jetzt bemerkte sie, wie hungrig sie war, und schob eine große Gabel in den Mund. Genüsslich verdrehte sie die Augen, bevor sie sich wieder auf die harten Tatsachen konzentrierte. »Der Töpfer hat vorhin angerufen. Die Bodenfliesen für den Eingang werden net rechtzeitig fertig.«

»Hat er gesagt, bis wann er es schafft?« Luis wischte sich den Mund mit einem Taschentuch ab. »Ich wäre gern bis zur Hochzeit mit dem Umbau fertig.«

»Wir haben doch noch gar keinen Termin.«

»Deine Mama schlägt Anfang Juni vor.«

Irmi verschluckte sich am Tee und musste husten, bis ihr die Tränen kamen.

»Luis«, krächzte sie endlich. »Findest du net, wir sollten es langsam angehen lassen? Ich meine, wir haben uns doch erst vor ein paar Tagen verlobt. Wir müssen doch jetzt nichts überstürzen und schon einen Termin festlegen.«

Ihr Blick glitt durch die Kuchl. Das einzige Stück, das noch an seinem ursprünglichen Platz stand, war die alte Eckbank, auf der schon Generationen gesessen waren. Drumherum stapelten sich Holzbretter, alte und neue Ziegelsteine lagen zwischen Farbeimern und Zementsäcken. Die neuen Fenster mit den schönen Sprossen waren zwar schon eingesetzt, aber die Wände noch nicht neu verputzt. Der Plan war, im Spätsommer mit den Renovierungsarbeiten an dem alten Bauernhaus fertig zu sein, das Luis vor ein paar Monaten gekauft hatte. Bis dahin schlief das Paar in der Einliegerwohnung auf dem Hof der Eltern, wenn Luis nicht gerade wegen geschäftlicher Angelegenheiten in seiner Innsbrucker Wohnung war.

»Du hast ja recht«, sagte Luis, nachdem er eine Weile nachgedacht hatte.

Auch Irmis Gedanken waren inzwischen weitergewandert.

»Obwohl, eine Sommerhochzeit wäre bestimmt sehr schön. Wenn alles grünt und blüht, ist es hier droben am Schönsten.« Mit einem Mal begann sie, auf dem Stuhl hin und her zu rutschen. Wenn sie wirklich im Sommer heirateten, konnte sie ja schon in diesen schicken Hochglanzmagazinen mit den klangvollen Namen wie »Braut heute«, »Landhochzeit« oder »Der Hochzeitsplaner« stöbern, um die sie schon eine Weile herumschlich.

Luis zog eine Augenbraue hoch.

»Verstehe mich nicht falsch. Ich heirate dich lieber heute als morgen. Aber ich will dich auf keinen Fall drängen.«

»Ich kann es kaum erwarten, Frau Irmi Schindler zu sein.«

Luis' Augen leuchteten auf.

»Dann ist es also abgemacht. Wir heiraten Anfang Juni«, jubelte er und zog sie in seine Arme, um sie zu küssen, bis sie um Gnade flehte.

Irmis Stimme vermischte sich mit dem Läuten der nahen Kirchturmuhr. Luis horchte auf.

»Schon ein Uhr? Dann sollte ich mich langsam auf den Weg machen. Nicht, dass ich zu spät zum Flughafen komme und Papa alleine dasteht.«

Luis' Vater Wolfgang war der Inhaber des Unternehmens »Schindler Landhausmode«, das seine traditionsbewusste Kleidung in alle Welt verkaufte. An diesem Nachmittag kehrte er von einem seiner wichtigen Kunden zurück, die er nach wie vor höchstpersönlich besuchte. Das war an sich nichts Ungewöhnliches. Doch in drei Stunden sollten sich Irmis Eltern und Luis' Vater Wolfgang endlich kennenlernen. Wenn Irmi nur daran dachte, wurde ihr ganz flau im Magen. Ihre Eltern und Wolfgang Schindler?

»Luis«, begann sie auf dem Weg zur Tür vorsichtig. »Glaubst du, dass sich unsere Eltern verstehen werden? Irgendwie sind sie ja schon ganz schön ... verschieden.«

»Mach dir keine Sorgen, Haserl. Ich weiß, dass mein Papa manchmal ein bisserl hochnäsig wirkt. Aber das ist seinem Geschäft und der Kundschaft geschuldet. Tief in seinem Herzen ist er ein bodenständiger, liebenswerter Mensch.«

Irmi unterdrückte ein Seufzen. Sie freute sich, dass Luis und sein Vater ein so enges Verhältnis hatten. Kein Wunder! Schließlich hatte Wolfgang seinen Sohn nach dem frühen Unfalltod seiner Frau alleine großgezogen. Trotzdem beschlich sie manchmal das Gefühl, dass Luis' Ergebenheit ein wenig zu weit ging.

»Sag ihm schon mal liebe Grüße. Ich freue mich auf später! Wir sehen uns im Berghotel.«

Irmi stand an der Tür, bis die Rücklichter des Geländewagens verschwunden waren. Ein letzter Blick zurück zur Baustelle. Sie hatte mit den Arbeitern alles besprochen, was an diesem Nachmittag wichtig war. Es sprach nichts dagegen, zum Hof ihrer Eltern zu laufen, um sich auf den aufregenden Termin vorzubereiten.

***

»Hallo, jemand zu Hause?«, rief Irmi. Ihre Stimme wurde vom Flur des Bauernhofes verschluckt.

»Ich bin in der Kuchl«, ließ die Antwort ihrer Mutter nicht lange auf sich warten. »Komm schnell, ich muss dir zeigen, was die Kastler-Hedi mir aus Mayrhofen mitgebracht hat.«

Traudl tauchte in der Küchentür auf und winkte ihre Tochter zu sich.

Auf dem Küchentisch lag ein ganzer Stapel Zeitschriften. Sie lachten Irmi genauso verführerisch an wie ein Eisbecher mit Sahne. Nur mit Mühe konnte sie sich zurückhalten, um sich nicht sofort die oberste Ausgabe zu schnappen.

»Das ist ja lustig. Erst vorhin habe ich über diese Magazine nachgedacht.«

»Hedi hat sie mir empfohlen«, berichtete Traudl mit leuchtenden Augen. »Ich hab ja gar net gewusst, was das heutzutage für ein Geschäft ist. Als der Papa und ich geheiratet haben, war alles viel einfacher.«

»Damals hattet ihr ja auch einen Hochzeitslader, der sich um alles gekümmert hat«, erinnerte Irmi ihre Mutter und schlug nun doch eines der Magazine auf.

Traudl schielte ihr über die Schulter.

»Schau mal, ist das net ein traumhaftes Brautkleid? Und was ist das hier? Ringkissen, Konfetti-Shooter, Streukörbchen«, las Traudl kopfschüttelnd vor. »Und dann erst die Tischdekoration. Da weiß man ja gar net, wofür man sich entscheiden soll«, seufzte sie schließlich. »Übrigens geht der Papa noch beim Baron vorbei, wenn sie mit den Arbeiten draußen fertig sind. Er will nachfragen, wie viel so eine Hochzeitskutsche kostet. Wollt ihr einen Zweispänner oder einen Vierspänner?«

Irmi schwirrte der Kopf. Sie klappte das Heft zu und sah ihre Mutter an.

»Ehrlich gesagt haben wir uns noch gar nicht über die Einzelheiten unterhalten, Mama. Sicher ist nur, dass wir die Kosten für die Hochzeit selbst tragen.«

»So ein Schmarrn!«, fiel ihre Mutter ihr brüsk ins Wort. »Hier droben ist es Brauch, dass die Brauteltern die Hochzeit ausrichten. Sogar die Aussteuer habe ich schon seit einer Weile beieinander.«

»Im Ernst?«

Traudl winkte ihre Tochter mit sich. In Irmis ehemaliger Mädchenkammer stand eine alte Holztruhe.

»Oh, Mama, die ist ja wunderschön.« Mit zitternder Hand strich Irmi über die kostbare Leinenbettwäsche, über Handtücher und Tischwäsche.

»Fehlt nur noch der zweite Buchstabe des Monogramms. Aber die Tante Lisl hat sich schon an die Arbeit gemacht«, erklärte Traudl mit sichtlichem Stolz.

Mit Tränen in den Augen fiel Irmi ihrer Mama um den Hals.

»Das ist so lieb von dir. Ich weiß gar net, was ich sagen soll.«

»Das ist doch selbstverständlich. Schließlich heiratet unsere einzige Tochter nur ein Mal. Da soll alles perfekt sein.«

Wenn es nach Irmi gegangen wäre, hätte sie den Rest des Tages in den Armen ihrer Mutter verbracht und sich Geschichten von früher erzählen lassen. Leider gab es im Augenblick Wichtigeres zu tun.

»Ich fürchte, ich muss mich jetzt für unser Treffen mit Wolfgang fertig machen.«

»Ich bin ja so gespannt auf Luis' Vater. Wenn er nur halb so nett ist wie sein Sohn, werden wir uns gut verstehen.«

Irmi wusste nicht, was sie dazu sagen sollte und begnügte sich mit einem Nicken, ehe sie in die Einliegerwohnung floh, um sich für das Treffen mit ihrem zukünftigen Schwiegervater zurechtzumachen.

***