Das Berghotel 248 - Verena Kufsteiner - E-Book

Das Berghotel 248 E-Book

Verena Kufsteiner

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Beschreibung

Hedi Kastler ist völlig aus dem Häuschen. Es ist ihr gelungen, die berühmte Volksmusiksängerin Lisa Galletti für einen Auftritt im Berghotel zu gewinnen. Anlass ist das Heidelbeerfest, das mit dem ganzen Dorf und den Hotelgästen gefeiert werden soll. Die Entscheidung für einen Auftritt hat die erfolgreiche Sängerin nicht allein und uneigennützig getroffen. Sie soll die Gelegenheit für einen längeren Aufenthalt im Berghotel nutzen und zusammen mit einem Journalisten an der Biographie arbeiten, die über sie erscheinen soll. Für dieses Vorhaben hat ihr Agent den bekannten Journalisten Simon Ritter engagiert. Schon beim ersten Treffen mit Lisa Galletti wird ihm klar, dass sie wenig begeistert über eine Biographie ist. Sie entspricht damit lediglich dem Wunsch ihres Agenten. Simon hat es geahnt. Die schöne Sängerin gibt sich widerspenstig und wortkarg. Wenn das Buchprojekt ein Erfolg werden soll, muss es Simon gelingen, das Vertrauen der jungen Frau zu gewinnen. Und bald bemerkt er, wie er die professionelle Distanz verliert ...

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Seitenzahl: 124

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Inhalt

Cover

Ein Sommer voller Musik

Vorschau

Impressum

Ein Sommer voller Musik

Eine berühmte Volksmusiksängerin ist zu Gast im Berghotel

Von Verena Kufsteiner

Hedi Kastler ist völlig aus dem Häuschen. Es ist ihr gelungen, die berühmte Volksmusiksängerin Lisa Galletti für einen Auftritt im Berghotel zu gewinnen. Anlass ist das Heidelbeerfest, das mit dem ganzen Dorf und den Hotelgästen gefeiert werden soll. Die Entscheidung für einen Auftritt hat die erfolgreiche Sängerin nicht allein und uneigennützig getroffen. Sie soll die Gelegenheit für einen längeren Aufenthalt im Berghotel nutzen und zusammen mit einem Journalisten an der Biographie arbeiten, die über sie erscheinen soll.

Für dieses Vorhaben hat ihr Agent den bekannten Journalisten Simon Ritter engagiert. Schon beim ersten Treffen mit Lisa Galletti wird ihm klar, dass sie wenig begeistert über eine Biographie ist. Sie entspricht damit lediglich dem Wunsch ihres Agenten. Simon hat es geahnt. Die schöne Sängerin gibt sich widerspenstig und wortkarg. Wenn das Buchprojekt ein Erfolg werden soll, muss es Simon gelingen, das Vertrauen der jungen Frau zu gewinnen. Und bald bemerkt er, wie er die professionelle Distanz verliert ...

»Na, Spatzl, wie schaut es aus? Kommst du mit ins Weinstüberl? Die anderen warten schon auf uns«, fragte der Kastler-Andi seine Frau Hedi, die im Büro ihres Sporthotels »Am Sonnenhang« saß. »Oder hypnotisierst du lieber das Telefon?«

»Mach dich nur lustig über mich«, erwiderte Hedi überraschend harsch. »Du wirst schon sehen, was du davon hast.«

»Aber Spatzl, das war doch net böse gemeint«, versicherte Andi und wollte seine Frau in die Arme schließen. Doch auch dafür hatte die Hotelchefin im Augenblick keinen Sinn.

»Geh nur schon mal vor. Ich komme später nach. Ich hab hier noch was zu erledigen.«

Hedi sprach in Rätseln. Das Büro war pikobello aufgeräumt. Die Abreisen waren erledigt, die angekündigten Neuankömmlinge hatten eingecheckt und bereits das erste Abendessen im gemütlichen Restaurant genossen. Was also gab es noch so Wichtiges zu erledigen? Andi hatte das sichere Gefühl, dass seine Frau ihn loswerden wollte. Er haderte mit sich und stand ein bisserl unschlüssig im Zimmer herum. Schließlich blieb ihm nichts anderes übrig und er machte sich alleine auf den Weg ins Weinstüberl. Schon von Weitem wehten ihm fröhliche Stimmen und Musik entgegen. Er steckte den Kopf durch die Tür und staunte nicht schlecht.

»Darf ich bitten, Gnädigste?« Der Sporttrainer Lukas Einrieder stand vor der Stahmer-Gerda und hielt ihr die Hand hin.

Tatsächlich ließ sich die Hausdame nicht zwei Mal bitten. Sie sprang vom Stuhl auf und wirbelte mit ihrem Kollegen an Stühlen und Tischen vorbei. Viel Platz war nicht. Trotzdem machten es ihnen ein paar weitere Gäste nach. Wenn Hedi dagewesen wäre, hätte sich auch Andi nicht zurückgehalten. Die Stimme der Sängerin und ihre Musik waren einfach zu mitreißend. So aber blieb ihm nichts andres übrig, als sich im gedimmten Licht umzusehen.

Nicht nur die Hotelgäste hatten es sich in dem stilvoll eingerichteten Weinstüberl zwischen Holzschnitzereien und gerahmten Fotos aus längst vergangenen Tagen gemütlich gemacht. Der Garnreiter-Kilian saß mit dem Hofbacher-Leo, seines Zeichens Koch und dessen Azubi, dem Stefan Werninger, am Tisch und sah den Tanzenden zu.

»Gefällt euch das neue Lied von der Galletta-Lisa net oder warum sitzt ihr noch hier herum?«

»Das Lied ist gewaltig«, erklärte der Koch Leo Hofbacher. »Aber mir reicht es, den anderen beim Tanzen zuzuschauen. Mir ist das zu anstrengend«, grinste er und nahm einen Käsewürfel vom Brotzeitbrettl, das in der Mitte des Tisches thronte.

Der Kroneder-Franz musterte das Wohlstandsbäuchlein seines Kollegen.

»Ein bisserl Bewegung würde deiner Gesundheit aber net schaden.«

»Nein, danke. Bevor ich mir die Haxen breche, kreiere ich lieber ein paar neue Schmankerl«, winkte Leo ab. »Jeder von uns muss Opfer bringen.«

Das Zimmermadel Sofie Leitner und ihre Freundin Lena Kieslinger saßen mit am Tisch und lachten gemeinsam mit den Männern, als sich der Andi zu ihnen gesellte.

»Nanu, wo hast du denn deine Frau gelassen?«, erkundigte sich der Weininger-Stefan, während er sich ein neues Glaserl Kräuterlimonade einschenkte.

»Die Hedi führt irgendwas im Schilde«, gestand Andi und bestellte ein Glas alkoholfreies Bier. »Sie hat gesagt, dass sie noch was erledigen muss. Dabei ist das Büro blitzblank. Sie saß nur da und hat das Telefon angestarrt.« Er sah hinüber zur Gerda-Stahmer, die mit leuchtend roten Wangen und strahlenden Augen an den Tisch zurückkehrte. »Hast du eine Ahnung, was da los ist?«

»Mir hat sie auch nichts verraten.« Gerda runzelte die Stirn. »Du machst dir doch nicht etwa Sorgen?«

»Ich weiß net. Irgendwie war sie schon den ganzen Tag so komisch«, sinnierte Andi vor sich hin.

»Das stimmt«, mischte sich die Leitner-Sofie in das Gespräch ein. »Als ich heute mit den Zimmern fertig war, hat die Hedi am Tresen telefoniert. Wie ich dazugekommen bin, hat sie schnell aufgelegt.«

»Vielleicht hängt es mit dem ›Heidelbeerfest‹ zusammen, das sie gerade plant«, vermutete Gerda und trank einen großen Schluck Apfelschorle.

Andi wiegte den Kopf.

»Aus ihren Feiern hat sie doch noch nie ein Geheimnis gemacht. Ganz im Gegenteil kann sie ihre Pläne nie für sich behalten und plaudert wie ein Wasserfall über die Tischdekoration und welche Gerichte am besten zum Motto passen«, murmelte er. Je länger er darüber nachdachte, umso unheimlicher wurde ihm das Verhalten seiner Frau.

Jedermann wusste, dass Hedi es liebte, schöne Feste im Hotel abzuhalten. Dafür war ihr keine Mühe zu viel. Jedes noch so kleine Detail wurde akribisch geplant und nichts dem Zufall überlassen. Erst wenn so richtig was los war im Berghotel, die Stimmung ausgelassen war und die Augen der Gäste glänzten, wusste die Hotelchefin, dass sie ihr Ziel erreicht und den Besuchern unvergessliche Stunden bereitet hatte. Umso merkwürdiger war diesmal ihr Verhalten. Nicht die kleinste Kleinigkeit über das Fest sickerte nach außen.

Die Hotelfamilie zerbrach sich noch den Kopf über Hedis Geheimnistuerei, als die Hotelchefin von einem Ohr zum anderen strahlend ins Weinstüberl wirbelte.

»Oh, wie schön. Ihr seid noch alle da!«, jubelte sie. »Stellt euch vor: Die Lisa Galletti kommt ins Berghotel und wird beim Heidelbeerfest für uns singen.«

Nicht nur Gerda Stahmer stand der Mund offen. Auch der Einrieder-Lukas schnappte nach Luft.

»Du meinst die Lisa Galletti, zu der wir vorhin getanzt haben?«

»Unser Volksmusikstar, ganz genau«, bestätigte Hedi mit leuchtenden Augen. Keine Spur mehr von der ominösen Schweigsamkeit, mit der sie sich in den vergangenen Tagen umgeben hatte. »Ihre Lieder werden im Radio zurzeit rauf und runter gespielt. Und jetzt kommt sie zu uns ins Berghotel. Ist das nicht der Wahnsinn?«

Das war es tatsächlich. Schlagartig plapperten alle durcheinander. Nur Andi lehnte sich zurück und atmete tief durch. Hedi bemerkte es.

»Ich hoffe, du nimmst es mir net übel, dass ich vorher nichts verraten hab«, raunte sie ihrem Mann zu, während ihre Mitarbeiter noch immer über die Sensation diskutierten. »Aber ich musste dem Agenten versprechen, Stillschweigen zu bewahren.«

»Solang du mir nur hübsche Sängerinnen verschweigst und keinen knackigen Burschen, kann ich sehr gut mit deinen Geheimnissen leben«, entfuhr es Andi, bevor er seiner Frau ein herzhaftes Busserl gab, das keinen Zweifel daran ließ, für wen sein Herz schlug.

***

Seit über einer Stunde saß Simon Ritter an seinem Schreibtisch und brütete über einem halb beschriebenen Blatt Papier, als ihm endlich der Ansatz eines Gedankens in den Sinn kam. Es war noch kein richtiger Einfall, nur die Ahnung einer Idee, wie er den Artikel fortsetzen könnte. Er griff nach dem Kugelschreiber und wollte diesen Einfall festhalten, als er Schritte auf dem Flur hörte. Wie ein scheuer Vogel flatterte der Gedanke davon, und Simon stöhnte auf. Aus Erfahrung wusste er, dass er ihn nie wieder einfangen würde.

»Ich hätte doch daheim weiterarbeiten sollen«, schimpfte er und drehte sich zu seinem Besucher um. »Roland, du hast gerade meine Chancen für den Österreichischen Zeitschriftenpreis zunichte gemacht.«

»Es tut mir leid, dass ich dich jetzt noch stören muss.« Das Lächeln, das um die Lippen des Verlagsleiters spielte, strafte ihn Lügen. »Aber vielleicht kann ich meinen Fehler gleich wiedergutmachen. Sagt dir der Name Lisa Galletti etwas?«

»Natürlich.« Sofort hatte Simon das Bild der bildhübschen, quirligen Frau mit den funkelnden Augen vor sich. Er war kein Fan volkstümlicher Musik. Dass er den Fernseher trotzdem nicht abschaltete, wenn eine Sendung mit Lisa lief, und obendrein auch noch fasziniert vor der Mattscheibe saß, war ihrer unwiderstehlicher Ausstrahlung geschuldet.

»Was weißt du über sie?«, fragte Roland Leermoser weiter.

»Sie ist Ende zwanzig und lebt in Wien. Schon mit sechzehn Jahren nahm sie Gesangsunterricht und trat mit ihrem Vater, einem Hobby-Klarinettisten, auf Volksfesten auf. Vor ein paar Jahren schloss sie zusätzlich eine Ausbildung zur Schauspielerin ab. Sie hat nicht nur national, sondern auch international viele Preise eingeheimst, was bei volkstümlicher Musik an ein Wunder grenzt.« Das war nur ein Teil von dem, was Simon über Lisa wusste. Doch der Verlagsleiter war jetzt schon zufrieden.

»Alle Achtung. Hast du net immer behauptet, du würdest dich nimmer für Frauen interessieren?«

Schlagartig wurde Simons Miene finster.

»Ich hab nur meinen Job als Feuilletonist gemacht«, brummte er. »Erst neulich habe ich einen Artikel über die Renaissance der Volksmusik geschrieben. Da durfte die Galletti natürlich net fehlen.« Simon zog eine Augenbraue hoch. »Aber warum willst du das alles wissen? Soll ich etwa einen Artikel über sie schreiben?«

»Nein, es geht net um einen Artikel. Lisas Agent, der Hermann Högel, hat sich an mich gewendet, weil ihm dein klarer, schnörkelloser Stil gefällt.« Roland machte eine kurze, aber vielsagende Pause. »Er will, dass du ein Buch für ihn schreibst. Eine Biografie über Lisa Galletti.«

Simon Ritter warf den Kopf in den Nacken und lachte.

»Wie soll das denn funktionieren?«, fragte er dann. »Es ist ein offenes Geheimnis, dass Frau Galletti die schreibende Zunft hasst wie die Pest. Das ist über die Grenzen unseres Landes hinaus bekannt. Und wenn ich ein Buch über sie scheiben sollte, wäre ich ja auf ihre Zusammenarbeit angewiesen.«

»Keine Sorge«, beschwichtigte der Verlagsleiter. »Offenbar hat die Galletti dem Projekt bereits zugestimmt. Ihr Agent scheint sie irgendwie von der Notwendigkeit überzeugt zu haben.« Er trat von einem Bein auf das andere. »Allerdings gibt es eine Bedingung.«

»Und die wäre?«

»Sie will die Gespräche im Berghotel in St. Christoph führen.« Simon wollte gerade nachfragen, als Roland fortfuhr. »Das ist ein kleiner Ort in den Zillertaler Alpen. Sehr romantisch. Und das Hotel ist ein Volltreffer.«

»So was ist nicht in zwei, drei Tagen erledigt«, gab Simon zu bedenken. »Für die Interviews werd ich schon zwei Wochen brauchen. Mindestens.«

»Nimm dir so viel Zeit, wie nötig ist.« Und wer weiß, vielleicht verliebst du dich ja nebenbei! Aber das sprach der Verlagsleiter nicht laut aus.

Simon Ritter lehnte sich zurück und blickte auf das Blatt Papier vor sich auf dem Tisch.

»Das ist ja alles schön und gut. Aber ich bin Journalist und kein Schriftsteller.«

Robert Leermoser lächelte, auch deshalb, weil Simons Miene verriet, dass er jetzt schon mit sich rang.

»Du sollst ja auch keinen Roman schreiben, sondern das tun, was du am besten kannst: Informationen aus deinem Gesprächspartner herauskitzeln und sie in deinem unvergleichlichen Stil zu Papier bringen.« Robert zwinkerte seinem besten Journalisten zu. »Warum zögerst du? Dein Name wird vorne auf dem Umschlag stehen. Du wirst reich und berühmt werden. Mal abgesehen davon, dass dir ein bisserl Abwechslung guttun würde.«

»Daher also weht der Wind.« Simon lachte. »Du weißt aber schon, dass ich net an Frauenbekanntschaften interessiert bin.«

»Als ob ich dich verkuppeln würde«, schnaubte Robert in gespielter Empörung.

»Dann raus mit der Sprache. Was hast du davon?«, hakte Simon nach.

»Der Agent hat uns eine ansehnliche Beteiligung angeboten. Abgesehen davon gefällt mir der Gedanke, einen Bestseller-Autoren unter meinen Angestellten zu haben.« Wieder zwinkerte Robert Leermoser. »Und jetzt lass ich dich allein. Denk in aller Ruhe darüber nach und sag mir morgen früh Bescheid.«

***

In den kommenden Tagen flatterte Hedi wie ein Schmetterling durch das Hotel. Kaum war sie an einem Ort angekommen, flog sie auch schon weiter, um die Liste mit den Wünschen ihres prominenten Gastes abzuarbeiten.

»Frau Galletti wünscht sich zwei zimmerhohe Fächerpalmen im Zimmer«, teilte sie ihrem Gärtner Franz Kroneder mit. »Außerdem brauchen wir Casablanca-Lilien, rosa und weiße Rosen und alle drei Tage ein frisches Wildblumen-Arrangement.« Hedi war anzusehen, was sie von diesen Sonderwünschen hielt. »Und Freesien dürfen auch nicht fehlen. Die mag Lisa Galletti ganz besonders. Schaffst du das?«

Mit ihrer Meinung war sie offenbar allein.

»Für die Lisa würde ich sogar die Sterne vom Himmel holen, wenn sie es sich wünschen würde«, seufzte der Kroneder-Franz und machte sich postwendend auf den Weg, ehe Hedi ihn daran erinnern konnte, dass er glücklich verheiratet und obendrein Vater eines neunjährigen Buben war.

Hedis nächster Weg führte sie in die Küche. Auch hier gab es Anweisungen für ihre Mitarbeiter.

»Frau Galletti besteht auf regionalen Lebensmitteln aus ökologischem Anbau. Außerdem ist sie Vegetarierin«, las sie das vor, was auf ihrer Liste stand. »Ein Glück, dass unsere Stühle und Bänke im Restaurant net mit Leder bezogen sind. Sonst hätten wir jetzt ein Problem.«

Vor Schreck ließ der Hofbacher-Leo den Löffel in den Topf fallen. Braune Sauce spritzte zu allen Seiten. Bei seinem Anblick kicherte seine Kollegin Rosi Stadler.

»Jetzt schaust du aus wie meine Rosinensemmeln.« Zum Beweis hielt sie ein Semmerl hoch. Sie hatte recht. Durch den hellen Teig schimmerten die dunklen Weinbeeren hindurch.

»Ja, ja, lacht nur«, brummte der Leo beleidigt. »Ihr seid ja net stundenlang in der Küche gestanden und habt an neuen Rezepten getüftelt.« Seufzend wischte er sich die Sauce aus dem Gesicht. »Mein schönes Menü.« Als hätte er Liebeskummer blickte er in die Töpfe, in der neben der köstlichen Sauce auch Fischsuppe und Rinderbrust, Ragout Fin und Hähnchen-Cassoulet schmorten. »Was mache ich jetzt damit?«

»Ich wollte eh heute Mittag ein Treffen im Biergarten anberaumen, damit beim Aufenthalt von Frau Galletti auch ja nichts schiefgeht.«

»Bei der Gelegenheit probieren wir deine Schmankerln gern«, versicherte Rosi und zwinkerte dem Leo zu. »Dass du dir so eine Mühe für uns machst, das ist wirklich nett von dir.«

»Mach dich nur lustig über mich«, schimpfte Leo, konnte sich aber ein Schmunzeln nicht verkneifen. »Wirst schon sehen, was du davon hast.«

»Ach, komm schon, du alter Grantlhuber. Dafür steuer ich den Kaiserschmarrn bei, und du bekommst eine extragroße Portion Zwetschgenröster.«

Das war ein Angebot, das der Hofbacher-Leo nicht ausschlagen konnte. Rosis eingekochte Zwetschgen waren legendär und gingen obendrein zur Neige.

»Also schön«, gab er schließlich nach und seufzte demonstrativ. »Aber nur, weil du es bist.«

Von draußen wehten Stimmen in die Küche. Hedi verabschiedete sich vorsichtshalber, um nach dem Rechten zu sehen. Keine Minute zu früh, wie sich gleich darauf herausstellte.

Ein Lastwagen war vor dem Hotel vorgefahren. Zwei muskelbepackte Männer mühten sich mit einem Holzkasten ab, der sich bei näherem Hinsehen als Klavier entpuppte.

»Ach du heiliger Strohsack, was wird das, wenn es fertig ist?«, entfuhr es der Hotelchefin.

»Sehen Sie nicht, dass Sie im Weg stehen, gute Frau?«, schimpfte eine Stimme von rechts.

Hedi fuhr herum und starrte die spargeldünne Frau im Hosenanzug an, zu der die Stimme gehörte.

»Erlauben Sie mal ...«, wollte sie schon fortfahren, als die Dünne einfach an ihr vorbeimarschierte und die Träger dirigierte.