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Nach der bildhübschen Resi drehen sich in St. Christoph viele Burschen um. Das freundliche Serviermadel aus dem Berghotel fällt mit seinen üppigen braunen Locken, der zierlichen Figur und dem bildhübschen Gesicht nicht nur den Gästen auf, sondern auch den einheimischen jungen Männern. Doch genauso bekannt wie Resis Liebreiz ist auch ihre Unnahbarkeit. Bis heute hat es kein Bursche geschafft, ihr einen Kuss zu stehlen.
Aber es gibt einen Grund für Resis Abwehrhaltung: Vor Jahren wurde ihr von ihrer ersten großen Liebe das Herz gebrochen, und diese Wunde ist nie verheilt. Seither wacht sie sorgsam über ihre Gefühle.
Dann kommt der Tag, als im Berghotel plötzlich Robin vor ihr steht - ausgerechnet derjenige, der ihr damals so wehgetan hat. Und zu ihrer großen Bestürzung muss Resi erkennen, dass sie bei ihrem unverhofften Wiedersehen noch immer so empfindet, als sei seit damals kein einziger Tag vergangen ...
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Seitenzahl: 123
Veröffentlichungsjahr: 2021
Cover
Ungeküsst
Vorschau
Impressum
Ungeküsst
Bezaubernder Liebesroman aus St. Christoph
Nach der bildhübschen Resi drehen sich in St. Christoph viele Burschen um. Das freundliche Serviermadel aus dem Berghotel fällt mit seinen üppigen braunen Locken, der zierlichen Figur und dem bildhübschen Gesicht nicht nur den Gästen auf, sondern auch den einheimischen jungen Männern. Doch genauso bekannt wie Resis Liebreiz ist auch ihre Unnahbarkeit. Bis heute hat es kein einziger Bursche geschafft, ihr einen Kuss zu stehlen.
Aber es gibt einen Grund für Resis Abwehrhaltung: Vor Jahren wurde ihr von ihrer ersten großen Liebe das Herz gebrochen, und diese Wunde ist nie verheilt. Seither wacht sie sorgsam über ihre Gefühle.
Dann kommt der Tag, als im Berghotel plötzlich Robin vor ihr steht – ausgerechnet derjenige, der ihr damals so wehgetan hat. Und zu ihrer großen Bestürzung muss Resi erkennen, dass sie bei ihrem unverhofften Wiedersehen noch immer so empfindet, als sei seit damals kein einziger Tag vergangen ...
Die Sonne schien herrlich auf das Zillertal herab. Wenn man den warmen Frühlingswind auf der Haut spürte, konnte man sich kaum vorstellen, dass hier vor nicht allzu langer Zeit eine dicke Schneedecke das Land bedeckt hatte und es frostig kalt gewesen war. Die Natur blühte gerade auf und zeigte sich von ihrer schönsten Seite: Überall sah man frisches Grün und zarte Blüten.
Hedi Kastler hielt einen Moment lächelnd inne, atmete tief durch und ließ den Blick schweifen. Ein seliges Lächeln lag auf dem Gesicht der Hotelchefin. Sie stand im Biergarten, der zu ihrem geliebten Hotel »Am Sonnenhang« gehörte, das hier im schönen St. Christoph im Zillertal nur als das »Berghotel« bekannt war, und genoss den Anblick.
Kies bedeckte den Boden und knirschte unter den Füßen der Serviererinnen. Sachte fuhr der Wind durch die tiefgrünen Blätter der Bäume und ließ sie leise rascheln. Bienen tummelten sich in den Kastanienblüten, die einen lieblichen Duft verströmten.
Es war ein gutes Gefühl, zu sehen, wie reibungslos hier alles lief. Im Schatten der großen Kastanienbäume saßen Hotelgäste und ließen sich die Getränke und Brettljausen schmecken. Die Serviermadeln eilten geschäftig hin und her, trugen Speisen und Bierkrüge an die Tische und scherzten gut gelaunt mit den Gästen. Jedermann machte einen entspannten Eindruck.
Es war Hedi und ihrem Mann Andi wichtig, dass sich die Urlauber hier im Hotel wohlfühlten, und das war eindeutig der Fall.
Als sie so dastand, fiel ihr auf, dass eine der Serviererinnen ganz besonders die Aufmerksamkeit der männlichen Gäste auf sich zog. Die Sonnegger-Resi hatte sich die üppige, rotbraune Mähne zu einem praktischen Pferdeschwanz zurückgebunden, trotzdem wippten ihre Locken bei jedem Schritt. Ein paar Strähnen hatten sich gelöst und tanzten um ihr hübsches Gesicht.
Ihr Lächeln war so hell und strahlend wie die Sonne. Im blauen Serviererinnen-Dirndl kam ihre zierliche Figur gut zur Geltung. Kein Wunder, dass die Männer da gern einen zweiten Blick riskierten!
Immer wieder versuchten die Gäste mit ihr zu flirten und zu schäkern. Es hätte sicherlich Madeln gegeben, denen das nach einer Weile auf die Nerven gegangen wäre, doch die Resi ließ sich nicht beirren. Charmant konterte sie alle Annäherungsversuche und wies den einen oder anderen, der zu aufdringlich wurde, freundlich, aber bestimmt in seine Grenzen. Sie kam wunderbar zurecht.
»Mei, du hast vielleicht eine Wirkung auf die Mannsbilder«, sagte Hedi lachend, als Resi eine kurze Pause einlegte.
»Ach, was soll ich denn mit denen?« Resi schüttelte verlegen den Kopf und machte eine wegwerfende Handbewegung. »Für Männergeschichten hab ich ja eh keine Zeit. Ich muss mich schließlich um meine Oma kümmern!«
»Ja, wie geht's denn der Maria?«
Hedi kannte die alte Dame gut, jeder im Dorf kannte und mochte die Sonnenger-Maria. Im Familienbesitz befand sich ein großer Bauernhof, der früher gut gelaufen war. Doch mit der Tierhaltung war's mittlerweile vorbei: Marias einzige Tochter, Resis Mutter, hatte einen Mann kennengelernt und war mit ihm nach Italien ausgewandert.
Als die Maria und ihr Mann, der Sepp, älter geworden waren, war es ihnen mit der Tierhaltung allmählich zu viel geworden. Nach und nach war alles reduziert worden. Nun war der Sepp schon vor Jahren verstorben und hatte die Maria als Witwe zurückgelassen. Nur die Enkelin Resi war geblieben und kümmerte sich rührend um ihre Großmutter.
Nachdenklich wiegte Resi den Kopf.
»Freilich könnt's besser sein. Die Hüfte macht ihr noch immer zu schaffen. Aber wir zwei kommen schon zurecht.«
Hedi lächelte. »Die Maria hat wirklich Glück, dass sie dich hat!«
Energisch schüttelte Resi den Kopf.
»Wir beide haben Glück. Sie ist ja auch die beste Oma, die ich mir wünschen könnte. Wir alle drei haben Glück. Wir sind ja immerhin ein Dreimäderlhaus. Die Oma, die Dorothea und ich.«
Mit diesen Worten machte sie sich schwungvoll wieder an die Arbeit, wirbelte zwischen den Tischen umher, nahm Bestellungen auf und hatte für jeden Gast ein herzliches Lächeln und ein freundliches Wort übrig.
***
Nach der Arbeit lief Resi zu Fuß heim. Der Weg war so kurz, dass sie kein Fahrrad und schon gar kein Auto benötigte. Sie nahm sich Zeit, bummelte ein bisserl und genoss ihre herrliche Heimat. Lächelnd blickte sie über die Berggipfel, die ein herrliches Panorama boten: den Achenkegel und den Rautenstein, das Frauenhorn und den großen Feldkopf.
Es war schon früher Abend, doch die Tage wurden endlich wieder länger, und die Sonne beglückte das Zillertal auch zu dieser Uhrzeit noch.
Resi löste den Pferdeschwanz, zu dem sie ihre Haare bei der Arbeit meistens zusammenband. Ein lauer Wind fuhr durch ihre Locken, die beinahe zu den Hüften reichten, und wehte sie ihr ins Gesicht. Unbeschwert lachte sie. Das Dirndl schwang um ihre schlanken Beine, als sie gut gelaunt über den Weg heimwärts lief.
Ein paar Wanderer, höchstwahrscheinlich Urlauber, kamen ihr entgegen. Ein junger Bursche pfiff ihr hinterher. Resi verdrehte nur grinsend die Augen. Sie gab nichts auf die Aufmerksamkeiten der Männer, die bedeuteten ihr nichts.
Es dauerte nicht lange, dann erreichte sie den alten Bauernhof, der sich seit vielen Generationen im Besitz ihrer Familie befand. Die Stallgebäude und die Scheune, die um einen weitläufigen Innenhof gruppiert waren, standen mittlerweile leer. Nur das gemütliche Wohnhaus mit der dunklen Holzverschalung über dem weißen Putz und den roten Dachschindeln, den Sprossenfenstern und den vielen Blumenkübeln auf den Balkonen wurde genutzt.
Resi fand ihre Oma in der Wohnküche vor, wo sie gerade eine frische Kanne Kräutertee aufbrühte.
»Resi, Madel! Fein, dass du wieder da bist. Komm, nimm dir auch ein Häferl«, rief Maria erfreut. Dabei schob sie verstohlen ein Stück Papier unter den Zeitungsstapel auf dem großen, hölzernen Esstisch.
Die Katze Dorothea strich maunzend um Resis Beine und schnurrte lautstark, als diese sich bückte, um das Tier zwischen den Ohren zu kraulen.
»Grüß dich, Omi. Servus, Dorothea. Na, wie war euer Tag?«
»Die Zenzi ist auf einen Kaffee vorbeigekommen. Wir haben uns prächtig unterhalten. Sie hat ein dickes Fotoalbum mit lauter Bildern von ihren Enkerln und Urenkerln mitgebracht«, erzählte Maria und stellte die Zuckerdose auf den Tisch. Sie liebte ihren Tee so süß, dass es Resi beim bloßen Gedanken daran schaudern ließ.
»Tja, mit Urenkel-Fotos kannst du leider net auftrumpfen, tut mir leid«, meinte Resi schulterzuckend.
Maria lachte leise und strich Resi liebevoll über die windzerzausten Locken.
»Was net ist, kann ja noch werden. Übrigens, die Zenzi hat auch erzählt, dass sich die jungen Leut am Wochenende alle drüben bei der Gruber-Scheune treffen. Da findet ein Fest statt. Magst du da denn net auch hin?«
Resi schnaubte, bevor sie nach der Teekanne griff und erst ihrer Oma, dann sich selbst eine Tasse eingoss.
»Sicherlich net. Ich kenn diese Art von Festln. Da wird nur getrunken und geschäkert. Die meisten Leut gehen da nur hin, um wen kennenzulernen und abzuschleppen. Das interessiert mich net.«
Dorothea sprang auf den Küchentisch, rieb ihr Köpfchen schnurrend an Resis Hand und streifte dann an den Zeitungen vorbei, unter denen Maria gerade vorhin etwas versteckt hatte. Nachdenklich blickte Resi dorthin. Worum es sich wohl handeln mochte?
Marias Gesicht war für ihr Alter noch erstaunlich glatt und faltenarm, doch jetzt runzelte sie sorgenvoll die Stirn.
»Aber Madel, du vereinsamst mir doch net, oder? Es ist ja nix Schlimmes dabei, auf einem Festl ein bisserl Spaß zu haben und ausgelassen zu feiern. Das hab ich damals, in meiner Jugend, auch gemacht. Und will net jeder irgendwann jemanden kennenlernen? Das ist ja auch nix Schlimmes!«
Resi lachte. »Jetzt schau doch net so drein, Omi. Wer soll sich denn um dich kümmern, wenn ich mich mit irgendeinem Burschen herumtreib? Oder wenn ich mir mit Freundinnen in der Disco die Nacht um die Ohren schlag?«
Maria seufzte. »Ach, Reserl. Ich bin doch noch lang kein Pflegefall. Du kannst dein Leben ruhig genießen. Das sollst du sogar.«
Aber Resi hatte nicht vor, das Thema zu vertiefen oder auf die Party zu gehen. Sie lugte aus dem Fenster und kniff die Augen zu Schlitzen zusammen, um besser sehen zu können, als jemand vorne an der Straße vorbeiging.
»Der Franz von nebenan macht einen Spaziergang. In letzter Zeit ist er friedlicher, gell? Vielleicht tun die regelmäßigen Spaziergänge, die ihm der Bergdoktor verordnet hat, seinem Gemüt gut und machen ihn verträglicher.«
Jetzt war es Maria, die leise schnaubte.
»Schön wär's. Heut hat er mir schon wieder zugesetzt und sich bitterlich beschwert.«
»Oh nein, dieser Tyrann. Worum ging's denn diesmal? Haben wir die Auffahrt net gründlich genug gefegt? Oder ist unsere Hecke einen Zentimeter zu weit auf sein Grundstück rübergewachsen?«, stöhnte Resi. Der Nachbar machte seit jeher immer wieder Ärger, wo er nur konnte.
Mit ihrem verstorbenen Opa, dem Sepp, hatte er sich sogar einen richtigen Nachbarschaftsstreit geliefert. Seit der Sepp von ihnen gegangen war, war der Franz zwar etwas weniger biestig, doch immer noch musste sich die Maria häufig über ihn grämen.
»Noch schlimmer. Stell dir vor, unsere große Magnolie, die vorn an der Ecke steht, hat Blüten auf seinem Grundstück verloren.« Maria verdrehte die Augen. »Der arme Kerl. Ein paar Blüten auf seinem Grund und Boden! Da kann man schon mal die Nerven verlieren.«
Resi musste lachen, obwohl sie sich über den zänkischen Nachbarn ärgerte, der immer etwas zum Meckern fand.
»Wenn er sonst keine Probleme hat ...«
Ächzend stand Maria auf.
»Am besten kümmere ich mich gleich darum. Bald wird's ja dunkel.«
Resi sprang eilig auf. »Bleib sitzen, Omi! Das kann ich doch erledigen.«
Maria winkte ab. »Aber geh, Resi, jetzt tu doch net so, als wär ich zweihundert Jahre alt. Ein bisserl was kann ich wohl noch selber erledigen, sonst roste ich noch ganz ein. Du hast den ganzen Tag gekellnert, jetzt kann ich ein paar Blüten aufklauben.«
Als Maria die Küche verließ, humpelte sie ein wenig. Resi unterdrückte ein Seufzen. Im Winter war ihre Oma in der eisigen Auffahrt gestürzt und hatte sich die Hüfte gebrochen. Mittlerweile ging es schon viel besser, aber sie hatte immer noch häufig Schmerzen, und das Gehen bereitete ihr Mühe.
Sobald sie allein in der Küche war, griff Resi nach dem Zettel, den Maria vorhin unter die Zeitungen geschoben hatte. Es war eine Werbeanzeige, die Maria aus einem Hochglanzmagazin herausgetrennt hatte: Werbung für eine Kreuzfahrt. Ein schneeweißes Schiff pflügte durch glitzerndes, türkisblaues Meer; weißbekleidete Menschen winkten freudestrahlend in die Kamera.
Ein Seufzen kam Resi über die Lippen, der Anblick versetzte ihr einen Stich. Sie wusste, dass Oma und Opa seit jeher davon geträumt hatten, einmal eine Kreuzfahrt zu unternehmen. Doch es war nie dazu gekommen, immer hatte der Alltag im Weg gestanden. Und nun war Resis Opa tot.
Am liebsten hätte sie ihrer Oma den Wunsch einfach erfüllt und eine Kreuzfahrt für sie gebucht, doch das war unmöglich. Nicht nur, dass ihr Kellnerinnengehalt und Omas schmale Witwenrente keine großen Sprünge erlaubten – Marias Gesundheitszustand ließ es auch einfach nicht zu. Einen viele Stunden langen Flug an die Südsee würde sie nicht schaffen.
»Ach, Omi«, flüsterte sie. »Ich hab net gewusst, dass du noch immer davon träumst.«
***
Maria schaltete die kleine Lampe ein und tastete nach den Schmerztabletten auf ihrem Nachttisch, als sie mitten in der Nacht aufwachte. Es dauerte einen Moment, bis es ihr gelang, eine Tablette aus der Packung zu drücken. Ihre Finger waren auch schon etwas steif, dachte sie betrübt. Ihr ganzer Körper funktionierte einfach nicht mehr so wie früher, daran musste sie sich wohl gewöhnen.
Nun lag ihr Sturz schon einige Monate zurück, und trotzdem brauchte sie immer noch gelegentlich ihre Schmerzmittel. Der Landarzt Doktor Burger war zufrieden mit ihren Fortschritten – so eine Heilung nahm nun einmal Zeit in Anspruch, Maria sollte geduldig sein.
Tatsächlich ging es ihrer Hüfte langsam immer besser, sie war wieder halbwegs gut zu Fuß. Aber an große Anstrengungen war nicht mehr zu denken, das hatte der Arzt ihr eingeschärft.
Sie seufzte tief. Wenn doch der Sepp noch da wäre, dann wäre alles leichter zu ertragen. Ihr geliebter Ehemann fehlte ihr nach wie vor jeden Tag. Würde das jemals aufhören? Würde sie je aufhören, ihn so schmerzlich zu vermissen? Manchmal fiel es ihr schwer, nicht ganz in ihrem Kummer zu versinken. Nur die Resi munterte sie auf. Das Madel war ihr einziger Lichtblick.
Ihre Gedanken wanderten zu der Werbeanzeige, die sie heute in einer Zeitschrift entdeckt hatte. Wie oft sie und der Sepp davon geredet hatten, dass sie irgendwann eine Kreuzfahrt unternehmen würden! Nun war der Sepp nicht mehr bei ihr, der gemeinsame Lebenstraum hatte sich nicht erfüllt.
Und auch für Maria sah es nicht gut aus – in ihrem Alter würde sie ganz bestimmt keine Fernreise mehr unternehmen, noch dazu mit den Hüftschmerzen.
»Wenn ich mit der Ausbildung fertig bin und wir uns ein bisserl Geld zusammengespart haben, dann geht's für uns aufs Schiff«, hatte der Sepp damals, vor vielen Jahrzehnten, als junger Bursche gesagt.
»Wenn das Kind aus dem Gröbsten raus ist«, hatte Maria ein paar Jahre später gesagt, während sie ihre Tochter Margarethe auf dem Arm geschaukelt hatte.
»Wenn wir mal weniger zu tun haben«, hatte es dann geheißen.
Und so waren die Jahre ins Land gegangen. Ihr Leben lang waren sie kaum aus St. Christoph herausgekommen. Sie hatten nur für die Familie gelebt, und für die Arbeit, von der es auf dem alten Bauernhof freilich immer reichlich gegeben hatte.
Insgeheim hatten Maria und Sepp immer gehofft, ihre Tochter Margarethe würde eines Tages einen bodenständigen Tiroler heiraten und den Hof weiterführen, doch das Madel hatte andere Pläne gehabt, und freilich hatten Maria und Sepp sie nicht zurückgehalten. Margarethe hatte jedes Recht darauf, ihr eigenes Glück zu finden – und dieses hatte nun einmal in Italien gelegen, ganz weit weg von daheim.
Jedes Mal, wenn Maria an ihre Tochter dachte, wurde sie ein wenig traurig. Die Margarethe war immer schon ein eigensinniges Madel gewesen, das Zillertal war ihr zu eng und zu fad, hatte sie immer gesagt. Als sie unabsichtlich schwanger geworden war, war sie von dieser Verantwortung hoffnungslos überfordert gewesen. Im Grunde genommen hatte Maria ihre Enkelin großgezogen.
