Das Berghotel 261 - Verena Kufsteiner - E-Book

Das Berghotel 261 E-Book

Verena Kufsteiner

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Beschreibung

Gerda Stahmer, die Hausdame des Berghotels, erhält einen überraschenden Anruf von einem Jugendfreund. Tom Wagner, der in der Schule ihr Schwarm war, bittet sie, ihm im Berghotel ein Zimmer zu mieten, aber unter ihrem Namen, und dazu über seine Identität zu schweigen. Er will ihr bei seiner Ankunft alles erklären. Gerda tut ihm den Gefallen und wartet ungeduldig auf das Wiedersehen.
Tom erscheint in St. Christoph zunächst bei Gerda daheim. Er erzählt ihr, dass er als investigativer Journalist arbeitet und hinter einer heißen Story her ist. Angeblich geht es um Kunstraub, Kopien von Gemälden und das Barockschloss der Barone von Brauneck. Gerda findet das alles sehr aufregend und schleußt ihn heimlich ins Hotel ein. Sie ist von Toms Charme nach wie vor angetan, nicht ahnend, dass sein Versteckspiel ganz andere Gründe hat ...


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Seitenzahl: 123

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Inhalt

Cover

Der Gast, der keiner war

Vorschau

Impressum

Der Gast, der keiner war

Packender Heimatroman um ein charmantes Schlitzohr

Von Verena Kufsteiner

Gerda Stahmer, die Hausdame des Berghotels, erhält einen überraschenden Anruf von einem Jugendfreund. Tom Wagner, der in der Schule ihr Schwarm war, bittet sie, ihm im Berghotel ein Zimmer zu mieten, aber unter ihrem Namen, und dazu über seine Identität zu schweigen. Er will ihr bei seiner Ankunft alles erklären. Gerda tut ihm den Gefallen und wartet ungeduldig auf das Wiedersehen.

Tom erscheint in St. Christoph zunächst bei Gerda daheim. Er erzählt ihr, dass er als investigativer Journalist arbeitet und hinter einer heißen Story her ist. Angeblich geht es um Kunstraub, Kopien von Gemälden und das Barockschloss der Barone von Brauneck. Gerda findet das alles sehr aufregend und schleußt ihn heimlich ins Hotel ein. Sie ist von Toms Charme nach wie vor angetan, nicht ahnend, dass sein Versteckspiel ganz andere Gründe hat ...

Es war ein klarer Wintermorgen, die Sonne ging eben hinter dem Feldkopf, der höchsten von sechs Erhebungen rund um das idyllisch gelegene St. Christoph im Zillertal, auf. In diesem weltabgeschiedenen Teil des beliebten Feriengebietes gab es viel Natur, dunkle Forste, lichte Mischwälder und Bergkiefern, die geradewegs in den Himmel zu wachsen schienen. Die traditionelle Landwirtschaft hatte hier ebenso ihren Platz wie der sanfte Tourismus, den Hedi und Andi Kastler, die Besitzer des Berghotels, schon seit Jahren mit Leben erfüllten. Weitab von Massenabfertigung und Bettenburgen fand man in ihrem Haus Ruhe und Erholung und wurde als Gast rundum verwöhnt.

Die Kastlers führten eine harmonische Ehe, die auf Liebe und Vertrauen fußte und auch auf ihrer gemeinsamen Leidenschaft für ihren Beruf, der viel mehr als nur ein Gelderwerb für sie war.

Sie hatten das Berghotel zu einem Ort gemacht, an dem jeder sich auf Anhieb wohl und auch ein wenig daheim fühlte. Das galt für die Gäste, aber auch fürs Personal.

»Wir sind eine große Familie da«, diesen Satz hörte man nicht selten von der lebensfrohen Blondine und ihrem bodenständigen Ehemann. Ihrer beider Optimismus, ihr Engagement färbten ab.

Ob Portier, Kellner oder Zimmermadel, sie alle gaben ihr Bestes. Nicht zu vergessen die Meisterköche, die es immer wieder verstanden, auch den verwöhntesten Gaumen zu erfreuen. Ob Lukas Einrieder, der fesche Fitnesstrainer, oder Kilian Garnreiter, der »Mann für alle Fälle«, jeder war stets präsent, packte zu, ohne ermahnt zu werden, strengte sich einfach an, das Berghotel Tag für Tag noch ein bisschen besser zu machen, als es eh schon war. Und dann gab es noch Gerda Stahmer, die Hausdame.

Die hübsche, dunkelhaarige Mittdreißigerin führte im Berghotel die Oberaufsicht über die Zimmermadeln und die allgemeine Ordnung, sie löste die Kastlers öfter an der Rezeption ab und war immer zur Stelle, wenn es wo hakte oder jemand eine Frage oder ein Problem hatte. Mit ihrer angenehmen, unaufdringlichen Art nahm sie jeden rasch für sich ein, arbeitete präzise und stets zuverlässig. Immer korrekt gekleidet, hübsch frisiert und mit einem Lächeln im Gesicht, so kannte man Gerda. Doch das war eben nur eine geschäftsmäßige Freundlichkeit, die ihr dabei half, auch an schlechten Tagen ihre Pflicht zu erfüllen.

Privat lebte sie zurückgezogen in ihrem kleinen Häusel am Brückenbach in St. Christoph, wo ihr nur ihr Kater Karlo Gesellschaft leistete und die Einsamkeit vertrieb. Gerda träumte manchmal von der großen Liebe, doch bislang war sie ihr noch nicht begegnet. Früher hatte sie öfter mal für einen hübschen Burschen geschwärmt, meist war es dann aber doch nicht der Rechte gewesen. Unzuverlässig, untreu oder einfach nicht der Mensch, mit dem man das Leben verbringen wollte. Gerda machte da keine halben Sachen. Sie war eine unabhängige Frau, beruflich erfolgreich und geschätzt, und hatte viele Freunde und Bekannte. Der Mann ihrer Träume, er würde ihr irgendwann begegnen, davon war sie tief im Herzen fest überzeugt. Aber die Zeit der mädchenhaften Schwärmerei war eben vorbei. Als »gestandene« Frau geriet sie beim Anblick eines feschen Mannsbildes nicht mehr aus der Fassung. Und ein Flirt mit einem Gast verbot sich sowieso. Da wahrte sie stets den professionellen Abstand.

Doch manchmal, an einem Morgen wie diesem, wenn die sanfte Wintersonne das Postkartenidyll ringsum vergoldete, dann dachte sie schon daran, wie schön es wäre, nicht allein aufzuwachen und nicht allein frühstücken zu müssen...

»Miau!« Der dicke, geringelte Kater Karlo machte lautstark auf sich aufmerksam. Zuerst dachte Gerda, er habe Hunger, aber dann wurde ihr klar, dass er es gar nicht schätzte, wenn sie mal wieder ins Träumen kam. Seine traubengrünen Augen musterten sie vorwurfsvoll und schienen zu sagen: »An wen denkst denn bloß? Du hast doch mich!« Und sein tiefer Bass, der zu vibrieren schien, wenn er schnurrte, brachte Gerda gleich wieder zum Lächeln.

»Hast ja recht, mein Dicker«, gestand sie ihm zu. »Träumen tut man nachts, jetzt ist lichter Tag!«

Karlo ließ sich genüsslich tretelnd auf Gerdas Schoß nieder. Sie kraulte ihm die Öhrchen und entspannte sich dabei selbst mindestens ebenso sehr wie er.

Nach der Schmusestunde gab's dann Frühstück. Die hübsche Brünette hatte eben ihre Semmel mit frischer Butter geschmiert, als sich das Telefon meldete. Eine kleine, steile Unmutsfalte zeigte sich zwischen ihren schön geschwungenen Brauen und sie seufzte: »Nur kein Notfall im Berghotel!« Sie benötigte ihre Tasse frischen Kaffee, sonst war sie zu nichts zu gebrauchen.

Doch am anderen Ende der Leitung meldete sich nicht Hedi Kastler, sondern eine Männerstimme, die fragte: »Bin ich da richtig bei Gerda Stahmer? Hier ist der Thomas, Thomas Wagner!«

Sie dachte kurz nach, konnte mit dem Namen aber auf Anhieb nichts anfangen.

»Ja, hier ist Gerda Stahmer«, bestätigte sie deshalb zögernd. »Was kann ich für Sie tun?«

»Mei, Gerdi, du wirst mich doch net siezen, ich bitt dich!«, rief die muntere Männerstimme, die ihr entfernt bekannt vorkam. »Kannst dich denn nimmer an deinen Tommy erinnern?«

»Tommy?« Sie seufzte. »Wenn das ein Scherz sein soll ...«

»Gewiss net. Wir waren zusammen in der Schul! Mei, es ist lange her, ich weiß. Aber ich hab dich net vergessen, Mauserl. Wir zwei waren doch schließlich ein Herz und eine Seele, bis meine Eltern weggezogen sind und mich mitgenommen haben, leider!« Er lachte. »Ich wär' fei lieber bei dir geblieben, aber mit sechzehn kann man ja nun mal leider noch keine solchen Entscheidungen treffen.«

»Tommy?« Nun dämmerte es Gerda. »Ja, freilich. Das ist aber eine Überraschung! Wir haben uns ewig net gesehen ...«

»Das soll sich nun ändern. Ich komm nämlich nach St. Christoph, musst wissen. Und ich hab gehört, im Berghotel ist man bestens untergebracht.«

»Woher weißt du denn, dass ich dort arbeite?«, wunderte sie sich skeptisch.

»Ein Freund von mir hat vor einer Weile im Berghotel Urlaub gemacht und nur so geschwärmt. Er hatte einen Haufen Fotos. Und stell dir vor, auf einem warst du drauf. Ich hab ihn gleich ausgequetscht, und er hat mir erzählt, dass du dort als Empfangsdame arbeitest. Eine saubere journalistische Leistung.«

»Du bist Journalist?«

»Ja, ich setze mein Plappermaul für etwas Sinnvolles ein, arbeite für ein Nachrichtenmagazin. Aber das kann ich dir alles erzählen, wenn ich nach St. Christoph komme.«

»Und wann? Hast du schon einen Termin festgelegt?«

»Freilich, morgen bin ich bei dir.«

»Morgen schon? Mei, Thomas, das ist heikel, wenn du net gebucht hast. Jetzt ist Wintersaison, wir sind gut belegt.«

»Ich konnte net buchen, deshalb ruf ich ja an. Ich wollte dich nämlich um einen Gefallen bitten.«

»So? Und worum geht es?«

»Schau, ich erkläre dir alles ganz genau, wenn ich bei dir bin. Jetzt sollst du nur wissen, dass ich inkognito reise, weil ich eine heikle Recherche am Laufen hab. Keiner darf wissen, dass ich Journalist bin, beziehungsweise dass ich überhaupt in St. Christoph bin. Wenn die Leut, um die es geht, Wind davon bekommen, kann ich gleich daheim bleiben. Deshalb wollte ich dich bitten, das Zimmer im Berghotel für mich zu mieten.«

»Du meinst, ich soll es auf meinen Namen buchen?«

»Genau. Selbstverständlich zahle ich das Zimmer, es geht nur darum, meine Anonymität zu wahren, damit ich unerkannt meine Nachforschungen anstellen kann.«

»Und worum geht es da?«, wunderte Gerda sich.

»Darüber mag ich am Telefon lieber net reden. Man weiß nie, wer mithört. Die Konkurrenz schläft net, verstehst?«

»Net wirklich. Das ist alles ziemlich verwirrend...«

»Ja, ich weiß. Aber wenn ich es dir richtig erklärt hab, siehst du klar, das verspreche ich dir. Kannst du also das Zimmer für mich mieten? Oder geht das net? Es soll nämlich außer dir niemand etwas davon erfahren.«

»Aber ich muss es meiner Chefin sagen, die kümmert sich normalerweise um die Buchungen«, wandte Gerda ein.

»Kannst du das net selbst erledigen, ohne ihr Wissen?« Sie überlegte kurz, denn das Ganze erschien ihr doch ein wenig merkwürdig. Zwar erinnerte sie sich nun wieder an Thomas Wagner, ihren Schwarm aus Schulzeiten. Doch was er im Schilde führte, das war ihr recht rätselhaft.

»Schau, Gerdi, ich bin wirklich auf deine Hilfe angewiesen«, drängte er sie nun sanft. »Ich kenne ja sonst keinen im Berghotel und weiß net, wem ich vertrauen kann ...«

Die junge Frau seufzte. »Also gut, wenn es so wichtig ist, will ich es versuchen. Ich buche das Zimmer auf meinen Namen.«

»Du bist ein Engel!«, jubelte er. »Ich wusste doch, dass ich mich auf dich verlassen kann.«

»Dann kommst du am besten morgen zu mir, net direkt ins Hotel.«

»Ja, das klingt gut. Ich werde mich schon recht früh auf den Weg machen, dann bin ich bei dir, bevor du zur Arbeit gehst.«

»Das passt mir. Ich schleuse dich ins Berghotel, aber du musst dann sehr vorsichtig sein. Die Kastlers kümmern sich gern um jeden Gast. Am besten gehst du ihnen aus dem Weg.«

»Ich werde es mir merken. Vielen Dank, Gerdi, du bist eine echte Freundin. Dann bis morgen!«

Gerda Stahmer legte das Telefon weg und machte dabei ein nachdenkliches Gesicht. Was es wohl war, das Thomas in St. Christoph recherchieren wollte? Große Skandale gab es hier keine. Womöglich war er ja einem Promi auf der Spur, von dessen Aufenthalt im Berghotel Gerda nichts wusste.

Wie auch immer, sie freute sich auf das Wiedersehen mir ihrem alten Schulfreund, ohne zu ahnen, was da auf sie zukam ...

***

Das Berghotel fand sich am Rande von St. Christoph, auf einer kleinen Anhöhe, gegenüber dem Barockschloss der Barone von Brauneck. Diese exklusive Lage wussten die Gäste zu schätzen. Der schöne Blick auf das Dorf mit all seinen traditionsreichen Gebäuden, die umliegenden Berggipfel und nicht zuletzt den Stammsitz einer im Zillertal alt eingesessenen Adelsfamilie machten das Berghotel zu etwas ganz Besonderem.

Als Gerda an diesem Morgen zur Arbeit erschien, stand Andi Kastler hinter der Anmeldung. Er hatte den Nachtportier abgelöst, dessen Schicht gegen sieben Uhr am Morgen endete.

Der Hotelier, wie meist in kariertem Hemd und Krachledernen unterwegs, begrüßte Gerda freundlich und ließ sie wissen: »Meine Frau ist schon drüben im Edelweiß-Saal beim Dekorieren. Wenn du Zeit hast, sollst ihr ein bisserl helfen.«

Die junge Frau nickte. »Das mach ich gern. Wir haben heut net viele Neuzugänge, es wird gewiss ruhig an der Rezeption bleiben. Wenn Sie ab und an einen Blick nach draußen werfen, Chef, kann ich der Hedi zur Hand gehen.«

»Das passt sich. Ich hab den ganzen Vormittag im Büro zu tun«, erwiderte Andi und verschwand in dem Raum hinter der Anmeldung, während Gerda ihre Handtasche verstaute, die dicke Winterjacke auszog und einen Blick in den Computer warf, um zu sehen, ob alles in Ordnung war.

Gleich darauf nickte sie zufrieden. Es gab keine Beschwerden und keine Probleme bei der Zimmerbelegung. Erst am Nachmittag wurde eine kleine Reisegruppe aus Hannover erwartet. Bis dahin würde es erfahrungsgemäßig ruhig bleiben auf ihrem Posten.

Gerda dachte an den Gefallen, den sie ihrem alten Freund versprochen hatte. Da Andi Kastler sich nicht mehr blicken ließ und seine Frau mit den Vorbereitungen für den Neujahrsball beschäftigt war, beschloss sie, die günstige Gelegenheit für ihre Zwecke zu nutzen.

Thomas hatte keine besonderen Wünsche geäußert, deshalb ging sie davon aus, dass es ein Einzelzimmer tun würde.

Viele waren momentan nicht frei, Gerda musste eine Weile suchen, bis sie fündig wurde. Schließlich hatte sie das Richtige gefunden. Es war ein Einzelzimmer, das bis Mitte Januar nicht gebucht war. Sie mietete es auf ihren Namen, zunächst für eine Woche, mit Option zur automatischen Verlängerung um jeweils eine Woche. Nachdem alles korrekt eingegeben war, schob sie den Ordner in die Ablage. Dort kamen normalerweise nur erledigte Buchungen hin, deshalb konnte sie davon ausgehen, dass es niemandem auffallen würde, auf wen das Zimmer gebucht war.

Recht zufrieden mit ihrer Arbeit, schloss sie den Ordner.

Nun konnte Thomas jederzeit einchecken, niemand würde Verdacht schöpfen. Gerda verließ schließlich die Anmeldung und ging hinüber zum Edelweiß-Saal. Es war die größere von zwei Räumlichkeiten, die für Feste und besondere Anlässe genutzt wurden. Der Neujahrsball war immer eines der ganz besonderen Highlights im Jahreslauf. Hedi ließ sich stets ein Motto einfallen, unter dem das Fest stand. Gerne richtete sie einen Maskenball aus, aber ein ganz normales Tanzfest war bei den Gästen ebenso beliebt.

In diesem Jahr drehte sich alles um das Motto »Tiroler Gemütlichkeit«. Dazu zählte nicht nur ein anheimelndes Ambiente mit entsprechenden Dekos, sondern auch herzhafte Schmankerln aus der Alpenküche, regionale Weinspezialitäten, sowie eine zünftige Musik, die Laune machte. Zu diesem Zweck hatte Hedi eine Dreimannband engagiert, die sich auf bodenständige Songs spezialisiert hatte und flotte Melodien spielte, die sogleich in die Beine gingen.

Als Gerda den Saal betrat, gab Hedi gerade Kilian Garnreiter Anweisungen. Der war damit beschäftigt, ein großes Schild mit dem Motto des Balls über der Bühne anzubringen. Die üppige Blondine war damit aber gar nicht zufrieden. Wie meist trug Hedi auch an diesem Tag ein fesches Dirndl mit großzügig bemessenem Ausschnitt. Sie konnte es sich leisten, ihre Kurven waren durchaus sprichwörtlich.

»Mei, Kilian, stell dich halt net so deppert an«, schimpfte sie nun ungehalten. »Das sieht doch ein jeder auf Anhieb, dass das schief ist!« Sie wandte sich an Gerda. »Net wahr?«

Diese nickte. »Ja, es muss rechts noch ein bisserl höher, Kilian. Ich glaub, dann stimmt's!«, rief sie ihm zu.

»Rechts?«, seufzte der, schon reichlich mitgenommen.

»Das ist da, wo der Daumen links ist«, knurrte Hedi und wandte sich ab. Gerda deutete auf die entsprechende Stelle, und es dauerte gar nicht lange, dann war das Schild völlig im Lot.

»Ich dank dir, Gerda«, meinte Kilian aufatmend. »Noch eine Minute länger, dann hätt' ich fei das Gleichgewicht verloren.«

Die Hausdame lächelte. »Auweh, das wär' was gewesen. Wie sollen wir da denn auskommen ohne dich?«

Er erwiderte ihr Lächeln geschmeichelt. Da Hedi gerade nicht in Sichtweite war, beschloss er: »Ich verdrück mich lieber, muss noch Schnee schaufeln. Ehrlich gesagt, ist mir das lieber als so ein Balanceakt. Dann bis später.«

Gerda nickte mit geistesabwesendem Blick. Sie schaute zu, wie ein Florist kunstvolle Gestecke aus Immergrün und Beerenschmuck auf den Tischen verteilte, dabei schweiften ihre Gedanken wieder in die Vergangenheit ab, zu Thomas Wagner.