Das Berghotel 268 - Verena Kufsteiner - E-Book

Das Berghotel 268 E-Book

Verena Kufsteiner

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Beschreibung

Im Berghotel in St. Christoph herrscht Aufregung: Die international bekannte Schauspielerin Marleen Monte hat ihren Besuch angekündigt. Nach den Dreharbeiten zu ihrem letzten Film ist sie erschöpft und möchte sich in den Tiroler Alpen einmal so richtig ausspannen. Nur ihr Manager und Lebensgefährte Frank Wedekind begleitet sie.
Die Kastlers haben nun alle Hände voll zu tun, um die Vorbereitungen für die Ankunft des Filmstars zu treffen und zugleich dafür zu sorgen, dass das Hotelpersonal auf dem Teppich bleibt. Denn etwas mag Marleen Monte überhaupt nicht: Fans, die jeden ihrer Schritte überwachen. Die Kastlers haben sich im Vorfeld verpflichtet, dies zu verhindern.
Als die Schauspielerin dann im Berghotel eincheckt, verläuft die Begrüßung zwischen ihr und Hedi Kastler sehr vertraut. Was niemand weiß: Marleen stammt aus St. Christoph und ist seinerzeit mit der Hotelchefin zur Schule gegangen. Im richtigen Leben heißt sie Christa Moser und wurde auf einem kleinen Hof geboren, wo ihre verwitwete Mutter noch immer lebt.
Christa vertraut der alten Freundin an, warum sie wirklich nach St. Christoph gekommen ist. Nicht nur, um ihre betagte Mutter zu besuchen, sondern auch, um ihr Kind zu sich zu nehmen, das seit zwölf Jahren auf dem Moser-Hof lebt ...


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Seitenzahl: 122

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Inhalt

Cover

Die Männer lagen ihr zu Füßen

Vorschau

Impressum

Die Männer lagen ihr zu Füßen

Eine berühmte Schauspielerin sorgt für Aufsehen in St. Christoph

Von Verena Kufsteiner

Im Berghotel in St. Christoph herrscht Aufregung: Die international bekannte Schauspielerin Marleen Monte hat ihren Besuch angekündigt. Nach den Dreharbeiten zu ihrem letzten Film ist sie erschöpft und möchte sich in den Tiroler Alpen einmal so richtig ausspannen. Nur ihr Manager und Lebensgefährte Frank Wedekind begleitet sie.

Die Kastlers haben nun alle Hände voll zu tun, um die Vorbereitungen für die Ankunft des Filmstars zu treffen und zugleich dafür zu sorgen, dass das Hotelpersonal auf dem Teppich bleibt. Denn etwas mag Marleen Monte überhaupt nicht: Fans, die jeden ihrer Schritte überwachen. Die Kastlers haben sich im Vorfeld verpflichtet, dies zu verhindern.

Als die Schauspielerin dann im Berghotel eincheckt, verläuft die Begrüßung zwischen ihr und Hedi Kastler sehr vertraut. Was niemand weiß: Marleen stammt aus St. Christoph und ist seinerzeit mit der Hotelchefin zur Schule gegangen. Im richtigen Leben heißt sie Christa Moser und wurde auf einem kleinen Hof geboren, wo ihre verwitwete Mutter noch immer lebt.

Christa vertraut der alten Freundin an, warum sie wirklich nach St. Christoph gekommen ist. Nicht nur, um ihre betagte Mutter zu besuchen, sondern auch, um ihr Kind zu sich zu nehmen, das seit zwölf Jahren auf dem Moser-Hof lebt ...

In St. Christoph, im schönen Tiroler Zillertal, gab es ein ganz besonderes Hotel, das seinem Namen immer wieder alle Ehre machte. Es war das Sporthotel »Am Sonnenhang«, von den Einheimischen kurz Berghotel genannt. Die Lage war ebenso malerisch wie der Service perfekt.

Hedi und Andi Kastler führten das im Gebirgsstil auf einer leichten Anhöhe am Ortsrand erbaute Haus seit Jahr und Tag mit großem Erfolg. Der bodenständige Hotelier, der meist in Krachledernen und kariertem Hemd unterwegs war, und seine hübsche, blonde Frau mit den üppigen Kurven und dem ansteckenden Lachen lebten in glücklicher, wenn auch kinderloser Ehe. So war das Berghotel zu ihrem »Baby« geworden. Sie investierten all ihre Zeit, Kraft und Kreativität in das Hotel, mit dem ehrgeizigen Ziel, dass ein jeder Gast sich bei ihnen wie daheim fühlen sollte. Und es gelang ihnen immer wieder, dieses Ziel zu erreichen. Das lag zum einen an dem schönen Haus, das alles bot, was der verwöhnte Reisende heutzutage erwarteten durfte.

Große, helle Gastzimmer, gemütlich eingerichtet mit echten Tiroler Bauernmöbeln und ausgestattet mit dem angenehm duftenden, heimischen Zirbelholz, das Körper und Seele gut tat.

Einen weitläufigen Blumengarten hinter dem Hotel, einen traditionellen Biergarten, in dem unter mächtigen, alten Kastanien Tiroler Schmankerln serviert wurden, einen großen Außenpool und zwei Tennisplätze.

Im Souterrain gab es einen ausgedehnten Wellnessbereich mit Hallenbad, Sauna und Ruheräumen, sowie die Rosenstube, eine kleine Beauty-Farm, in der spezielle Behandlungen mit wunderbar duftendem Wildrosenöl angeboten wurden.

Hinzu kamen das exquisite Restaurant mit Panoramaterrasse, eine urige Weinstube, eine Bar und das Jagdstüberl, ausgestattet mit Holzschnitzereien und Bildern von Anno dazumal. Im Berghotel gab es das ganze Jahr über ein abwechslungsreiches Programm für die Gäste. Neben den verschiedensten sportlichen Aktivitäten konnte man zahlreiche Veranstaltungen in einem der hoteleigenen Säle besuchen. Da gab es zum Beispiel Tanzabende, Sommerfeste, Spezialitätenwochen im Restaurant, Kutschfahrten durch das landschaftliche reizvolle Zillertal und natürlich im Winter Schlittenfahrten durch die tief verschneite Umgebung.

Doch all das bildete nur den Rahmen, das eigentliche Herz und die Seele des Berghotels waren seine Angestellten.

Hedi und Andi Kastler legten nicht nur großen Wert darauf, ihren Gästen ein familiär gemütliches Ambiente zu bieten, sie behandelten auch jeden, der im Berghotel arbeitete, wie ein Familienmitglied. Die Gewissheit, dass man immer zum Chef oder zur Chefin kommen konnte, mit jeder Bitte, mit jedem Problem, war beruhigend und gab Sicherheit. Und das freundliche Miteinander sorgte zudem dafür, dass ein jeder sein Bestes gab, sich einbrachte und engagierte.

So hatten die Kastlers durch ein perfektes Zusammenspiel von Ambiente und Servicepersonal eine wahre Urlaubsoase geschaffen. Und der Erfolg gab ihnen immer wieder recht. Das Berghotel war rund ums Jahr gut besucht, oft ausgebucht, und es gab zahlreiche Stammgäste, die jedes Jahr wieder ins Zillertal kamen, weil sie sich hier einfach wohlfühlten.

Neben den Kastlers sorgte Gerda Stahmer, die Hausdame, dafür, ebenso wie Kilian Garnreiter, der Mann für alle Fälle, der Gärtner Franz Kroneder, der die Außenanlagen in Schuss hielt, Lukas Einrieder, der Fitnesstrainer, die Köche Leo Hofbacher und Rosi Stadler, sowie Zimmer- und Küchenmädchen, Kellner und der Nachtportier. Sie alle arbeiteten fleißig Hand in Hand, damit es den Gästen an nichts fehlte und sie ihren Aufenthalt in St. Christoph von der ersten bis zur letzten Sekunde genießen konnten. Um ein Haus wie das Berghotel am Laufen zu halten, waren viel Arbeit und stetes Engagement unabdingbar.

Hedi und Andi Kastler wohnten nur ein paar Schritte von ihrem Hotel entfernt und waren praktisch immer greifbar.

An diesem wetterwendischen Aprilmorgen saß das Ehepaar zusammen in dem kleinen Büro hinter der Rezeption. Sie hatten etwas zu besprechen, das nicht unbedingt jeder hören sollte.

Es kam immer mal wieder vor, dass Prominente im Berghotel abstiegen. Diese galt es dann nicht nur zu verwöhnen, sondern auch vom Rest der Gäste abzuschirmen. Freilich hatte es schon Fälle gegeben, in denen die Berühmtheiten die Aufmerksamkeit und Bewunderung ihrer Umgebung auch im Urlaub genossen hatten. Doch die meisten Promis wollten im Berghotel vor allem eines: ihre Ruhe. Und dafür hatten die Kastlers dann Sorge zu tragen. So auch jetzt. Die international bekannte Schauspielerin Marleen Monte plante einen längeren Aufenthalt im Berghotel.

Andi hatte diese Reservation bislang geheim gehalten. Nur er und Hedi wussten davon. Am Vorabend hatten sie dann Gerda Stahmer eingeweiht und zugleich um Diskretion gebeten. Die Hausdame war verlässlich und verschwiegen, man konnte sich in einem solchen Fall auf sie verlassen.

»Meinst du net, es wäre besser, den Rest der Angestellten kurz vor ihrer Ankunft zu informieren?«, sinnierte Hedi nun. Sie trug an diesem Morgen wieder einmal eines ihrer geliebten Dirndlkleider mit offenherzigem Ausschnitt und sah darin sehr adrett aus, wie Andi fand.

Wohlwollend ruhte sein Blick auf seiner besseren Hälfte, während er erwiderte: »Das gibt nur einen Riesenaufstand. Und genau den wollten wir doch verhindern, net wahr? Erst vor Kurzem hab ich gehört wie eines unserer Zimmermadeln von der Marleen Monte geschwärmt hat.«

»Die Sofie oder die Lena?«, fragte Hedi.

Andi dachte kurz nach. »Ich glaub, es war die Lena.«

»Das hat nix zu sagen, sie ist ein Filmfan und rennt ständig ins Kino. Sie würde die Christa höchstens um ein Autogramm bitten, das wär doch nix Schlimmes.«

Der Hotelier lächelte schmal. »Wenn du sie bei ihrem echten Namen nennst, steh ich im ersten Moment immer auf dem Schlauch.«

»Tja, Marleen Monte heißt eben in Wirklichkeit Christa Moser und ist ein echtes Kind der Berge. Um genau zu sein, ein Madel aus St. Christoph. Das scheint dich immer noch zu irritieren, Anderl, hab ich recht?«

»Ich kann's net leugnen. Als du mir erzählt hast, dass ihr beiden zusammen die Schulbank gedrückt hab, konnte ich es erst gar net glauben.«

»Aber es stimmt. Christa war ein außergewöhnlich hübsches Madel und hatte schon früh Ambitionen Richtung Film. Ihren Eltern war das überhaupt net recht. Sie wollten, dass Christa einen Jungbauern heiratet und den kleinen Hof übernimmt. Bewerber hatte sie fei genug, hübsch wie sie war. Aber sie hatte kein Interesse. Kaum war sie großjährig, hat sie unser Tal verlassen und sich nimmer blicken lassen.«

»Aber euer Kontakt ist nie ganz abgerissen, oder?«

»Freilich net. Wir waren eben beste Freundinnen. Und daran hat sich auch nix geändert, als aus dem Christerl die Marleen wurde. Ab und an haben wir telefoniert, manchmal hat sie mir auch einen Brief geschrieben.« Hedi lächelte. »Ein bisserl war ich wie die Kummerkastentante für sie. Wenn es wo hakte, sie Probleme hatte oder einfach nur einsam war, dann hat sie sich bei mir gemeldet. Und das Ganze hatte auch sein Gutes für mich. Ich hab mitgekriegt, wie es im Filmgeschäft zugeht, und dass man die Schauspieler trotz Ruhm und Geld net unbedingt beneiden sollte. Wenn wir ein Kind hätten, Anderl, würde ich alles tun, um es von einer Karriere beim Film abzuhalten. Egal, wie talentiert es auch wäre!«

»Diese Frage stellt sich uns ja net. Zum Glück, muss ich sagen, denn was du mir da ab und an unter dem Siegel der Verschwiegenheit erzählt hast, war wirklich net lustig.«

»Die Christa hat ein paar Jahre gebraucht, bis sie ihren Durchbruch hatte. Heutzutage wird das gern anders dargestellt, sozusagen die Eroberung Hollywoods im Sturm. Aber das stimmt net. Sie hat lange suchen müssen, bis sie einen guten Manager gefunden hat. Am Anfang gab es da einige Enttäuschungen. Dann hat sie zum Glück den Frank Wedekind kennengelernt. Die beiden sind sozusagen das perfekte Paar, beruflich wie auch privat. Du wirst ihn ja kennenlernen.«

»Ist er eigentlich der Vater von Christas Kind?«

Hedi schüttelte den Kopf. »Nein, damals kannte sie Frank noch net. Ich glaube, es war ein junger Kollege. Sie hat den Namen nie erwähnt, nur dass er eben sehr fesch und charmant war. Sie verliebte sich und kam in die Hoffnung. Der Kollege wollte von dem Butzerl freilich nix wissen. Christa wollte es bekommen und aufziehen. Aber dann kam das erste wirklich gute Angebot. Sie hatte kurz vorher Frank kennengelernt. Weil sie ihm vertraute, sagte sie ihm, was los war. Er schaffte es, den Vertrag für sie abzuschließen, keiner erfuhr von ihrer Schwangerschaft. Nach den Dreharbeiten zu dem Film, der ihr internationaler Durchbruch wurde, hat sie sich zurückgezogen und das Butzerl in aller Heimlichkeit zur Welt gebracht. Frank sprach der Öffentlichkeit gegenüber von einer Denkpause, um mit dem plötzlichen Erfolg fertigzuwerden. Das war fei ein genialer Schachzug. Die Presse feierte den neuen, sensiblen Star, bis Christa wieder ins Rampenlicht treten konnte. Und von da an ging ihre Karriere steil bergauf. Zwölf Jahre ist das nun her.«

»Und was wurde aus dem Butzerl?«

»Sie hat es zu ihren Eltern gegeben. Die Mosers haben sich gut um die Kleine gekümmert. Als der Bauer vor fünf Jahren am Schlag gestorben ist, hat Christas Mutter das Mädchen zu den Poltingers auf den Schlehenhof gebracht. Sie ist ja mittlerweile gesundheitlich auch nimmer ganz auf der Höhe.«

»Da schau her, das wusste ich net.«

»Es ging alles ganz heimlich vor sich. Was meinst du, wäre passiert, wenn die Presse von dem Kind Wind gekriegt hätte? Christa wollte das unter allen Umständen vermeiden. Sie wusste die Kleine bei ihren Eltern ja in guten Händen.«

»War sie denn einverstanden, dass ihre Mutter sie weggegeben hat? Ich mein, die Poltingers sind liebe Leut, aber eben doch keine Verwandten ...«

Hedi seufzte. »Sie weiß es net. Vor einer Weile hab ich die Luise Moser im Dorf getroffen und ein bisserl mit ihr geschwatzt. Sie kam gerade vom Doktor, das Herz, weißt du? Sie hatte Angst davor, dass Christa herkommen und erfahren könnte, dass ihre Tochter nimmer bei der Oma ist. Ich fürchte, genau das wird jetzt passieren.«

Andi machte ein betroffenes Gesicht. »Das wird dann wohl Ärger geben, nehme ich an.«

»Net unbedingt. Wenn Christa sieht, dass es ihrer Tochter auf dem Schlehenhof gut geht, wird sie gewiss nix einzuwenden haben. Ich seh da net unbedingt ein Problem, zumal die Luise wirklich nimmer in der Lage ist, sich um ein Kind zu kümmern. Das sollte Christa einsehen.«

»Und wenn es doch kracht, wirst du gewiss vermitteln, gelt?«

Hedi musste schmunzeln. »Kennst mich halt genau, Anderl. Ich werde mein Bestes geben. Für die Christa gilt schließlich auch unsere Maxime: Sie soll sich da bei uns wie daheim fühlen ...«

***

»Bist du fertig?« Frank Wedekind machte große Augen, als er die Batterie von Luxuskoffern erblickte. »Die willst du doch nicht alle mitnehmen, oder? Wir reisen sonst immer mit leichtem Gepäck.« Der große, schlanke Mann mit dem dichten, dunklen Haar und den klugen, grauen Augen seufzte. »Was wird das? Urlaub oder die neueste Marleen-Monte-Show?«

Die bildschöne Brünette lächelte schmal. In ihrem ebenmäßigen Gesicht dominierten die großen, tiefblauen Augen. Filmkritiker und Fans überschlugen sich in Vergleichen ihres ausdrucksvollen Blicks mit Edelsteinen, Bergseen und dem klaren Himmel über dem nördlichen Kanada. Nun lag ein feiner Schleier von Traurigkeit über diesem Blick, der nicht von ungefähr kam.

»Die Hedi wird sich bemühen, mir die Fans vom Hals zu halten. Aber das klappt doch nie wirklich, das wissen wir ja. Und als Marleen Monte muss ich halt einen standesgemäßen Auftritt hinlegen.«

»Du bist eben in jeder Beziehung perfekt.«

»Nicht in jeder, leider.« Sie seufzte leise, als er sie in seine Arme schloss und ihr versicherte: »Es wird besser. Du musst nur ein wenig Geduld haben. Im Berghotel kannst du mal wieder so richtig die Seele baumeln lassen. Du wirst sehen, wie gut dir das tut, mein Herz.«

Sie tauschten einen zärtlichen Kuss, dann meinte sie: »Das wird auch nichts ändern. Wenn ich nur das Kind nicht verloren hätte, dann wäre nun alles anders...« Mit bekümmerter Miene dachte sie an die Fehlgeburt vor wenigen Wochen.

Christa wünschte sich ein Kind. Nun, da sie beruflich alles erreicht hatte, ein internationaler Star und nahezu märchenhaft reich geworden war, fehlte ihr einzig das noch zum Glück.

Natürlich hatte sie gewusst, dass es eigentlich schon ein wenig zu spät war. Mit zweiundvierzig Jahren hatte sie sich einer Risikoschwangerschaft ausgesetzt. Doch ihr Kinderwunsch war einfach zu stark gewesen. Ihr Gynäkologe hatte sie vor einer möglichen Fehlgeburt gewarnt. Allerdings hatte sie nicht hören wollen. Ihr Traum musste sich erfüllen!

So hatte Christa Moser ihr Leben lang gehandelt. Als junges Mädchen war sie fest entschlossen gewesen, einmal eine große Schauspielerin zu werden. Es war ihr gelungen. In Frank hatte sie auch endlich den Mann fürs Leben gefunden. Warum also sollte ein spätes Kind dieses Glück nicht krönen?

Doch die Natur, ihr Körper, hatten ihr nun die Grenzen aufgezeigt. Es war eben nicht alles im Leben Willenssache. Manche Dinge blieben unmöglich, egal, wie oft und fest man mit dem Kopf gegen die Wand rannte. Und das hatte sie getan. Sich geschont, alles auf sich genommen, um das Kind, das unter ihrem Herzen wuchs, zu schützen. Umsonst.

Im vierten Monat hatte sie es verloren. Und ihr Arzt hatte ihr dringend ans Herz gelegt, auf weitere Schwangerschaften zu verzichten. Keine Kinder mehr, aus der Traum.

Sich damit abzufinden, erschien Christa allerdings unmöglich. Deshalb hatte sie einen Entschluss gefasst, von dem Frank noch nichts wusste. Er sprach von Heirat und Adoption. Schön und gut, sie war nicht dagegen, weder gegen das eine noch das andere. Aber es gab noch einen Weg. Er war nicht ganz einfach, doch Christa war fest entschlossen, ihn zu gehen.

»Wir werden Kinder adoptieren«, sagte Frank nun. »Darüber haben wir doch schon gesprochen.«

»Es ist nicht dasselbe«, hielt sie ihm entgegen.