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Melanie Sagmeister fühlt sich niedergeschlagen und unendlich müde, als sie im Berghotel ankommt. Gerade erst hat sie eine bittere Enttäuschung hinnehmen müssen. Ob sie sich in St. Christoph von ihrem Kummer erholen kann? Immerhin hat sie in diesem idyllischen Bergdorf als Sechsjährige unsagbar glückliche Stunden verlebt. Dunkel erinnert sie sich an einen Spielkameraden, den sie hier hatte. Gemeinsam haben sie Ritter und Prinzessin gespielt und inmitten einer üppigen Rosenhecke märchenhaften Träumen nachgehangen.
Gedankenverloren macht sich Melanie auf die Suche nach diesem Platz. Doch als die junge Frau endlich das Häuschen ihrer Kindheit wiederfindet, erwartet sie eine böse Überraschung: Ein groß gewachsener Mann mit wildem Bart und funkelnden Augen vertreibt sie mit grollender Stimme von dem Grundstück. Erschrocken läuft Melanie davon - ohne zu ahnen, dass dies der Beginn einer wunderbaren Geschichte um unstillbare Sehnsucht, brennende Hoffnung und selige Erfüllung ist ...
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Seitenzahl: 122
Veröffentlichungsjahr: 2022
Cover
Das Geheimnis der gelben Rose
Vorschau
Impressum
Das Geheimnis der gelben Rose
Heimatroman um eine schmerzliche Sehnsucht
Von Verena Kufsteiner
Melanie Sagmeister fühlt sich niedergeschlagen und unendlich müde, als sie im Berghotel ankommt. Gerade erst hat sie eine bittere Enttäuschung hinnehmen müssen. Ob sie sich in St. Christoph von ihrem Kummer erholen kann? Immerhin hat sie in diesem idyllischen Bergdorf als Sechsjährige unsagbar glückliche Stunden verlebt. Dunkel erinnert sie sich an einen Spielkameraden, den sie hier hatte. Gemeinsam haben sie Ritter und Prinzessin gespielt und inmitten einer üppigen Rosenhecke märchenhaften Träumen nachgehangen.
Gedankenverloren macht sich Melanie auf die Suche nach diesem Platz. Doch als die junge Frau endlich das Häuschen ihrer Kindheit wiederfindet, erwartet sie eine böse Überraschung: Ein groß gewachsener Mann mit wildem Bart und funkelnden Augen vertreibt sie mit grollender Stimme von dem Grundstück. Erschrocken läuft Melanie davon – ohne zu ahnen, dass dies der Beginn einer wunderbaren Geschichte um unstillbare Sehnsucht, brennende Hoffnung und selige Erfüllung ist ...
An diesem Vormittag im Mai hatte sich der Himmel über Hamburg jäh verdunkelt, und schon im nächsten Moment prasselte dichter Regen herab. Melanie Sagmeister, die solche Wetterkapriolen eigentlich liebte, warf heute nur einen flüchtigen Blick aus dem Dachfenster ihres schicken Büros.
Normalerweise konnte sie von ihrem Schreibtisch im Bürohaus der Werbeagentur Petersen aus die Schiffe im Hafen zählen. Jetzt war da nur noch eine graue, undefinierbare Masse. Der Verkehrslärm, das Hupen, die Sirenen, die fröhlichen Menschenstimmen – all das war mit einem Mal verstummt.
Und da blitzte es auch schon, gefolgt von einem Donner, der so gewaltig war, dass der ganze Stadtteil HafenCity erbebte. In der folgenden Dunkelheit erblickte Melanie in der Fensterscheibe nur ihr eigenes Gesicht.
Ob ihr der Kummer anzusehen war? Nun, vielleicht waren die blauen Augen etwas geweiteter als sonst, und ihre Lider waren vom vielen Weinen noch leicht gerötet. Die Nasenflügel vibrierten, und ihre Hände, mit denen Melanie über ihre schulterlangen blonden Haare strich, zitterten. Kein Wunder.
Sie schaute auf das Foto, das in einem hübschen Silberrahmen auf ihrem Schreibtisch stand. Sie hatten es im vergangenen Sommer bei ihrem Segelturn in Kroatien aufgenommen. Auf dem Bild flogen ihre blonden Haare wild durch die Luft, und ihr Lachen war unbeschwert und glücklich. Sie lehnte an der Schulter eines ebenfalls blonden Mannes. Stefan ...
Auf dem Foto lachte auch er, breit und strahlend, wie es seine Art war, und Melanie erinnerte sich, dass er sie, gleich nachdem diese Aufnahme entstanden war, geküsst hatte.
»Wollen wir nächstes Jahr heiraten?«, hatte er ihr ins Ohr geflüstert.
Nächstes Jahr, das war also jetzt. Doch statt als glückliche Braut ihre Hochzeit vorzubereiten, stand Melanie nun vor den Trümmern ihrer Liebe. Gleich nach dem Urlaub hatte es zwischen ihnen angefangen zu kriseln. Im Herbst hatten sie ständig miteinander gestritten, und kurz vor Weihnachten war Stefan aus der gemeinsamen Wohnung ausgezogen, weil er »ein bisschen Abstand« brauchte.
Gestern Abend hatte er dann von der anderen Frau erzählt. Amelie. Zehn Jahre jünger als Melanie und schon schwanger. Er hatte sie im Juli bei einer Firmenfeier kennengelernt.
»Sie ist die Richtige. Wir bekommen ein Kind! Du siehst wohl ein, dass ich mich meiner Verantwortung stellen muss«, hatte er erklärt.
Ach ja? Und was ist mit mir?, hatte sie entgegnen wollen, aber kein Wort herausgebracht. Stumm hatte sie genickt und ihm schließlich noch geholfen, seine letzten, in ihrer Wohnung verbliebenen Habseligkeiten einzupacken. – Und tschüs. Komischerweise hatte sich Melanie danach erleichtert gefühlt.
Dennoch war der Rest der vergangenen Nacht für Melanie wie in einem schlechten Traum vergangen – nur dass sie keine Minute geschlafen hatte. Erst im Morgengrauen war die Müdigkeit gekommen, aber da hatte sie sich anziehen, schminken und für den Bürotag herrichten müssen. Es würde einer von der anstrengenden Sorte werden.
Stefan hätte keinen ungünstigeren Zeitpunkt finden können, ihr das Herz zu brechen. Falls es für so etwas überhaupt einen geeigneten Moment gab. Er wusste doch, dass sie heute ihr großes Projekt vorstellen durfte! Auf diesen Tag hatte sie schon ewig hingearbeitet.
Bisher hatte ihre Aufgabe in der Werbeagentur Petersen ja nur darin bestanden, Texte und Slogans für Kosmetikprodukte zu verfassen. Das fand Melanie auf Dauer ziemlich langweilig, deshalb peilte sie schon seit Längerem eine Karriere als persönliche Kunstagentin an – ein Geschäftszweig, den Petersen ebenfalls anbot. Die Arbeit lag ihr, denn wenn sie an etwas glaubte, dann war sie bereit, sich mit Haut und Haar zu engagieren.
Als Melanie vor ein paar Jahren die aufstrebende Modedesignerin Clio kennengelernt hatte, hatte sie ihre Chance erkannt. Clio war in ihrem Metier sehr begabt, aber sie war flatterhaft und verstand nichts vom Wert eines gut geführten Terminkalenders. Die junge Designerin verschlief Fototermine, verpasste wichtige Gespräche und versetzte interessierte Kunden.
Mit der tüchtigen Melanie an ihrer Seite war es der jungen Künstlerin jedoch gelungen, Kontakte zu pflegen und ihre Präsentationen von den Hinterhöfen in große Clubs zu transportieren. Melanie wiederum hatte Spaß daran, die begabte junge Frau zu unterstützen und bekannt zu machen.
Jetzt war es endlich so weit: Clio hatte den großen Sprung geschafft. Dank Melanies Hilfe hatte sie einen bedeutenden Finanzier an ihrer Seite und bereits eine größere Kollektion erstellt. Die Modemessen von Paris und Mailand hatten ihr Interesse an der Künstlerin angemeldet, der Weg an die Spitze war geebnet.
Alle großen Werbeagenturen hatten bereits Aufstellung genommen, jeder wollte ein Stück vom Erfolgskuchen naschen. Doch, ha!, nun war endlich Melanies Stunde gekommen. Weil sie die launische Designerin immer weiter ermutigt hatte, wartete jetzt der Lohn all dieser unbezahlten Arbeit auf sie.
In einer halben Stunde würde Melanie Sagmeister ihrem Chef Magnus Petersen den fix und fertig geschnürten Großauftrag auf den Tisch legen. Und damit hatte endlich auch sie den Sprung ganz nach oben geschafft. Auf sie wartete eine Zukunft als anerkannte Kunstagentin!
Stefan hatte ihr freilich beinahe einen Strich durch die Rechnung gemacht. Der Vormittag verlief für Melanie bis jetzt jedenfalls ganz anders, als sie es sich immer erträumt hatte. Hätte Stefan mit seiner Ankündigung nicht wenigstens einen Tag länger warten können?
Er betrog sie doch schon über ein halbes Jahr, da kam es auf ein paar Stunden auch nicht mehr an! Schließlich wusste er doch, wie viel ihr dieser Auftrag bedeutete – und auch, wie wichtig in ihrer Branche eine coole und professionelle Präsentation war! Wie war das eigentlich mit der Verantwortung, die er ihr gegenüber hatte?
»Pah«, machte Melanie enttäuscht, nahm kurz entschlossen das Foto vom Schreibtisch und klappte es um. Sie konnte diese glücklichen Gesichter nicht länger anschauen. Das war doch alles nur eine riesengroße Lüge gewesen!
Ach, hätte sie nicht so ein romantisches Gemüt, das immer an die große, ewige Liebe glauben wollte, wäre sie Stefan längst auf die Schliche gekommen. Am liebsten hätte sie den Silberrahmen in den nächsten Mülleimer katapultiert, aber das brachte sie noch nicht übers Herz.
»Okay«, murmelte sie. »Weinen kann ich nachher. Jetzt muss ich Karriere machen.«
Sie schluckte dreimal hintereinander. Die Nervosität machte ihre Bewegungen fahrig. Melanie zwang sich, tief einzuatmen.
»Sei kein Angsthase, Melli«, sagte sie dann leise, aber bestimmt. »Du hast schon länger gewusst, dass das mit Stefan nicht gut ausgehen würde. Du wolltest diese Wahrheit nur nie akzeptieren. Wahrscheinlich ist es besser so, wie es nun gekommen ist. Und was die Besprechung betrifft: Du kriegst das hin. Immerhin bist du sechsunddreißig Jahre alt und ein Profi in der Werbebranche. Der Großauftrag gehört dir. Clio hat es versprochen. Jetzt geh und hol dir den Kuchen!«
***
Nicht einmal eine Stunde später stand Melanie Sagmeister wieder in ihrem Büro und starrte aus dem Fenster. Inzwischen hatte sich der Wolkenbruch gelegt, und der Regen fiel nun in gleichmäßigen Schnüren vom grauen Himmel herab.
Alles war schiefgegangen.
»Was soll das, Melanie?«, hatte Magnus Petersen gefragt. »Ich verstehe nicht, was du willst. Es ging doch heute Morgen durch alle Kanäle, dass die Modedesignerin Clio einen Vertrag mit unserem größten Konkurrenten, der Agentur Wilding, abgeschlossen hat. Und du hast dafür die Vorarbeit geleistet? Wie konntest du nur! Am liebsten würde ich dich auf der Stelle entlassen.«
Er hatte ärgerlich die Stirn gerunzelt.
»Gib mir einen Tag, damit ich deinen Platz in unserer Agentur gründlich überdenken kann. Aber ehrlich, was hast du dir bloß dabei gedacht? Clio ist sich seit Tagen mit Hannelore Wilding einig, das pfeifen die Spatzen von den Dächern! Alles, was Clio an Hintergrundwissen gebraucht hat, hast du ihr auf dem Silbertablett serviert. Damit hast du uns um eine Stange Geld gebracht. Ach, geh mir aus den Augen!«
Wie ein geprügelter Hund war Melanie aus Magnus Petersens Büro geschlichen.
Sie griff zum Telefon. Es musste sein, jetzt sofort, denn wenn erst einmal wieder die Tränen kamen, würde sie nicht mehr aufhören können, zu weinen.
»Warum?«, fragte sie heiser, als sich die Modedesignerin am anderen Ende der Leitung meldete. »Warum?«
»Wer spricht denn da? – Oh, du bist es, Melanie! Worum geht es denn? – Ach, der Auftrag! Aber das hat doch nichts mit dir persönlich zu tun, das ist doch eine rein geschäftliche Entscheidung. Hannelore Wilding hatte eben das bessere Angebot gemacht. Dank deiner Tipps wusste ich, worauf es ankommt, und konnte einen guten Deal abschließen!«
So fröhlich und unbekümmert, wie Clio da vor sich hin quasselte, war für Melanie ganz klar, dass Vorwürfe sinnlos wären. Die Designerin war nun einmal eine Egoistin wie aus dem Lehrbuch. Die sah nur sich selbst und den eigenen Profit.
Ich hätte es wissen müssen, dachte Melanie. Genauso, wie ich hätte wissen müssen, dass Stefan mich schon die ganze Zeit betrügt. Ich bin selbst schuld an allem. Weil ich eine dumme Träumerin bin, die sich das Glück nur herbeifantasiert, ihre Wünsche aber niemals in die Realität umsetzen kann.
Sie schnaufte und wusste in diesem Moment nur eines: Sie musste hier weg. Weg aus diesem Büro, weg von Stefan, weg aus Hamburg.
Wie ein verlorenes Kind kam sie sich vor, und deshalb machte sie, was sie auch als Kind gemacht hatte, wenn sie Hilfe brauchte: Sie rief ihre Schwester Barbara an.
Barbara Draschl lebte in der Nähe von München. Hierher war sie vor fünfzehn Jahren nach ihrer Hochzeit gezogen, und auch nach der Scheidung vor drei Jahren war sie dort geblieben. Zusammen mit ihren beiden Söhnen hatte sich Barbara das aufgebaut, was ihr selbst als Kind gefehlt hatte: ein Heim.
Alois Sagmeister, der Vater von Melanie und Barbara, war als Ingenieur für Bergbahnen rund um die Welt gereist – und seine Familie mit ihm. So hatten die beiden Sagmeister-Schwestern zwar viel zu sehen bekommen, aber ein Zuhause hatten sie immer vermisst.
Die vielen Ortswechsel hatten dazu beigetragen, dass die Beziehung der Schwestern stets konstant stark geblieben war, auch wenn die beiden Frauen in ihren Wesen von Grund auf verschieden waren. Melanie war ruhig und verträumt, wie sie es auch schon als kleines Mädchen gewesen war. Barbara war quirlig, redselig und tatendurstig.
»Du musst weg aus Hamburg«, schlussfolgerte sie deshalb auch jetzt, als sie von Melanies Niederlagen erfuhr. »Magst zu nicht für ein paar Wochen zu mir kommen?«
Melanie dachte an das gemütliche Haus mit den zwei Kinderzimmern. Sie dachte an Barbaras zahlreiche Freundinnen, die dort ein und aus gingen, um bei Kaffee und Kuchen über ihr Leben zu reden.
»Nein, ich denke nicht«, sagte sie leise. »Ein Tapetenwechsel wäre sicher gut für mich, doch ich mag nicht ständig daran erinnert werden, was ich alles nicht erreicht habe, und das wäre in deinem schönen Heim unweigerlich der Fall.«
»Wie kommst du denn darauf, Schwesterherz? Alles, was ich erreicht habe, ist eine lukrative Scheidung. Nun, zugegeben, das ist immerhin etwas. Aber ich kann verstehen, wenn du nicht das eine Zuhause mit dem anderen tauschen magst. Hier bei mir kennst du ja auch jeden Stein. Lass mich überlegen ... meine beiden Jungs verbringen die nächsten drei Wochen bei ihrem Vater, ich bin also eine freie Frau. Was hältst du davon, wenn wir beide mal ordentlich auf den Putz hauen?«
»Hmmm«, machte Melanie zweifelnd, aber ihre Schwester redete einfach weiter.
»Wie wäre es mit einer Kreuzfahrt in die Karibik? Da haben wir Sonne, Sand und Meer und können uns nebenbei zwei reiche Witwer angeln. Du musst sowieso so schnell wie möglich wieder auf die Piste, und ich hätte auch nichts gegen einen zweiten Anlauf – liebestechnisch gesehen, du weißt schon!«
Sie lachte.
»Meine Söhne sind inzwischen ja aus dem Gröbsten heraus, allmählich fällt mir hier die Decke auf den Kopf. Oder eine Kulturreise? Marokko? Jemen? Kambodscha? Ich hätte große Lust, meinen Fotoapparat hervorzukramen und wieder mal ein paar nette Bilder zu schießen.«
»Ach, Barbara«, seufzte Melanie. »Du solltest wirklich so etwas machen. Aber ich will erst einmal nur meine Ruhe. Frieden ... Geborgenheit ...«
»Oh, das sieht mir ja nach einem beginnenden Burn-out aus! Alles klar, Schwesterlein. Dann machen wir eben etwas anderes. Sag ...« Barbara holte ausnahmsweise kurz Luft. »Erinnerst du dich eigentlich noch an das Tiroler Dorf, wo wir damals mit unseren Eltern waren?«
Melanie überlegte einen Moment.
»Nicht wirklich«, sagte sie. »Nur dunkel. War da nicht eine Rosenhecke?«
Barbara lachte. »Dein ›Zauberwald‹! Klar. Eine Hecke voll gelber Wildrosen. Darin bist du immer mit dem Nachbarsjungen herumgekrochen, und ihr habt Ritter gespielt oder Indianer. Jedes eurer Spiele ist darauf hinausgelaufen, dass ihr euch gegenseitig retten musstet. Ich hab mich immer darüber amüsiert, dass ihr ausgerechnet in diesem idyllischen Dörfchen Ungeheuer und Monster herbeifantasiert habt. Und das war ... Moment, es fällt mir gleich wieder ein. Ja, es war ein kleines Dörfchen im Zillertal, lass mich nachdenken ...«
»Zauberwald?«, fragte Melanie, in der eine weit entfernte Erinnerung hochdämmerte.
»St. Martin? Nein – St. Christoph!«, rief Barbara derweil triumphierend. »Das war der Name des Ortes, nun weiß ich es wieder. Paps hat am Bau irgendeiner Gletschergondel mitgearbeitet. Wir beide haben dort ein Jahr die Schule besucht. Ich war in der letzten Klasse der Grundschule, du in der ersten. Erinnerst du dich denn gar nicht mehr? Diese gewaltigen Berge!«
»Oh, ein wenig«, gab Melanie nun zu. »Es ist schon so lange her, und ...«
»Weißt du was, Kleines? Ich werde mich dort gleich mal nach einem Hotel umschauen. Es müssen ja keine reichen Witwer sein, wir können uns auch zwei knackige Bauernburschen aufgabeln!«
Barbara lachte über den eigenen Scherz.
»So, jetzt verlässt du erst einmal dieses Büro. Die können dich doch alle mal! Setz dich auf dein Fahrrad, fahr nach Hause, und pack die nötigsten Sachen für einen Aufenthalt in den Bergen. Ich suche derweil meinen Fotoapparat heraus. In spätestens zwei Stunden melde ich mich mit den Details. – Mach dir keine Sorgen, Kleines«, fügte Barbara erstaunlich sanft hinzu. »Wir schaffen das. Ich bin ja da!«
Melanie schluckte. »Gut«, sagte sie dann. Plötzlich brach ein heftiger Schluchzer aus ihr hervor. »Aber es regnet doch!«
»Bei euch regnet es? Na und?«
