Das Berghotel 273 - Verena Kufsteiner - E-Book

Das Berghotel 273 E-Book

Verena Kufsteiner

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Beschreibung

Als Vera Loh nach ihrer Brustkrebserkrankung nicht in ihren Beruf als Stylistin zurückkehren will, beschließt sie, ein Freiwilliges Soziales Jahr einzulegen. So kommt sie in die Gemeinde von Pfarrer Andreas Roseder in St. Christoph, wo sie sich mit viel Engagement für die Belange der Gemeindemitglieder einsetzt. Unter anderem ist es ihr Vorschlag, auf einem kürzlich der Kirche zugefallenen Grundstück im Ortskern einen Gemeinschaftsgarten für alle einzurichten. Viel Arbeit steckt Vera in dieses Projekt, organisiert Bänke und Hochbeete aus Altholz bei Tischler Hurras, bittet um Erde und Gemüsepflanzen bei den umliegenden Bauern und bereitet mit der Dorfjugend die Brachfläche vor.
Eines Abends trifft sie auf Mark Horstmann, einem Gast aus dem Berghotel. Er bietet ihr seine Hilfe an. Die beiden haben sofort einen guten Draht zueinander, es knistert ordentlich. Tag für Tag hilft Mark nun im Gemeinschaftsgarten mit, und in der lauen Frühsommerluft der Abenddämmerung kommen sie sich näher. Zärtlich will Mark die junge Frau, die ihm vom ersten Augenblick an gefallen hat, in den Arm nehmen. Doch zu seiner Bestürzung zuckt Vera zurück. Ohne Erklärung läuft sie davon. Ist er zu weit gegangen?


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Seitenzahl: 135

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Inhalt

Cover

Im Garten des Glücks

Vorschau

Impressum

Im Garten des Glücks

Heimatroman um eine verliebte junge Frau

Von Verena Kufsteiner

Als Vera Loh nach ihrer Brustkrebserkrankung nicht in ihren Beruf als Stylistin zurückkehren will, beschließt sie, ein Freiwilliges Soziales Jahr einzulegen. So kommt sie in die Gemeinde von Pfarrer Andreas Roseder in St. Christoph, wo sie sich mit viel Engagement für die Belange der Gemeindemitglieder einsetzt. Unter anderem ist es ihr Vorschlag, auf einem kürzlich der Kirche zugefallenen Grundstück im Ortskern einen Gemeinschaftsgarten für alle einzurichten. Viel Arbeit steckt Vera in dieses Projekt, organisiert Bänke und Hochbeete aus Altholz bei Tischler Hurras, bittet um Erde und Gemüsepflanzen bei den umliegenden Bauern und bereitet mit der Dorfjugend die Brachfläche vor.

Eines Abends trifft sie auf Mark Horstmann, einem Gast aus dem Berghotel. Er bietet ihr seine Hilfe an. Die beiden haben sofort einen guten Draht zueinander, es knistert ordentlich. Tag für Tag hilft Mark nun im Gemeinschaftsgarten mit, und in der lauen Frühsommerluft der Abenddämmerung kommen sie sich näher. Zärtlich will Mark die junge Frau, die ihm vom ersten Augenblick an gefallen hat, in den Arm nehmen. Doch zu seiner Bestürzung zuckt Vera zurück. Ohne Erklärung läuft sie davon. Ist er zu weit gegangen?

Gespannt beobachtete Hedi Kastler, wie sich Schweigen über den vollbesetzten Edelweißsaal legte. Alle Dörfler waren gekommen, um sich die neueste Idee von Vera Loh anzuhören, dem Madel, das in nur wenigen Monaten so viel für sie auf die Beine gestellt hatte.

Hedi und ihr Mann Andi – die Besitzer des Sporthotels »Am Sonnenhang« in St. Christoph – standen ein wenig Abseits, um während der Dorfversammlung den Serviermadeln diskrete Anweisungen geben zu können. So sah Hedi direkt in die Gesichter und erkannte die Spannung vor allem der Dorfjugendlichen. Sie hatten noch bei jedem Projekt von Vera mit Begeisterung mitgemacht.

Auf einer großen Leinwand zeigte diese einen Plan des Grundstücks, das die alte Henrietta bei ihrem Tod der Kirche hinterlassen hatte. Es lag im Ortskern des schönen, gepflegten Dörfels und war einigen Nachbarn schon lange ein Dorn im Auge, da Henrietta es zuletzt nicht mehr so recht hatte pflegen können. So hatten Unkraut und Verfall die Brachfläche und den kleinen Holzschuppen darauf in Besitz genommen.

Veras Pläne dagegen waren sehr viel schönerer Natur.

»Wie ihr seht, könnten wir hier und hier Wege anlegen, sodass im vorderen Bereich Blumenbeete entstehen, die im Sommer ein wahrer Hingucker werden. Ich hab an bienenfreundliche heimische Stauden gedacht, aber auch an ein paar niedrige Gehölze, und den Kirschbaum an der Grundstücksgrenze lassen wir auf jeden Fall stehen. Da können später net nur die Kinder zum Naschen herkommen, sondern alle Dorfbewohner. Und die Vögel bekommen fei auch etwas ab.«

Sie deutete auf eine eingezeichnete Baumkrone mit roten Punkten als Kirschen in einer Ecke des Bildes und lächelte so warmherzig, dass man ihr nichts hätte abschlagen können. Selbst dann nicht, wenn die Idee nicht ohnehin schon ganz wunderbar gewesen wäre.

Ein Gemeinschaftsgarten, in dem die St. Christopher zusammenkommen und verweilen konnten. Als passionierte Gärtnerin, die ihren Rosengarten voller Herzblut hegte, war Hedi sofort vernarrt in Veras Einfall.

Überhaupt war das Madel ein Segen für St. Christoph. Mit ihrer warmherzigen, mitreißenden Art hatte sie in den wenigen Monaten, seit sie bei Pfarrer Roseder in der Pfarrgemeinde arbeitete, einiges in Bewegung gesetzt.

Anfang dreißig war die Vera, jung, hübsch und zierlicher, als man bei ihrer Tatkraft denken würde. Sie hatte knapp schulterlanges, blondes Haar mit leichten Wellen, das sie bei der Arbeit meist zu einem lockeren Pferdeschwanz zusammenband, leuchtend blaue Augen, ein sehr einnehmendes Gesicht und eine schlanke, sportliche Figur, die sie allerdings unter weiten karierten Herrenhemden und lockeren Jeans versteckte.

»In diesen Kästen hier – seht ihr? – stell ich mir ein paar pflegeleichte Gemüsehochbeete vor, in denen wir Naschwerk wie Erdbeeren, Pflücksalat und Erbsen anbauen, sodass jeder, der mag, sich beim Aufenthalt in unserem Garten einen kleinen Snack pflücken kann.«

Seit dem letzten Sommer war Vera für ein Freiwilliges Soziales Jahr in der St. Christopher Pfarrgemeinde. Sie war vorher Stylistin beim österreichischen Fernsehen gewesen, hatte sie anfangs erzählt, sogar eine recht erfolgreiche, wie man hörte, mit vollem Terminkalender und immer viel Zeitdruck. Doch eine persönliche Krise hatte sie zum Nachdenken gebracht, und nun nutzte sie ihr Soziales Jahr, um sich zu überlegen, was sie künftig mit ihrem Leben anfangen sollte. Worin diese Krise bestanden hatte, das wusste im Dorf allerdings niemand.

Wenn es nach den St. Christophern ging, würde sie einfach für immer hierbleiben.

»Da gegenüber tät ich ein oder zwei Bänke hinstellen, die vielleicht der Hurras für uns bauen könnt?«

Sie schaute den Schreinermeister direkt an, der freilich gleich eifrig nickte.

»Ich hab ein paar Holzreste, die ich nehmen könnt, um Kosten zu sparen. Lass uns die Tage mal über Maße sprechen, dann bekomm ich da sicher was hin.«

»Super! Vielen Dank, Hurras.«

Vera kannte jeden im Ort längst persönlich, hatte zu allen einen guten Kontakt und vor allem zur Dorfjugend den richtigen Draht gefunden. Mit den Burschen und Madeln hatte sie einen Lieferdienst für Alte und Kranke ins Leben gerufen. Wer selbst nimmer einkaufen konnte, rief einfach im Gemischtwarenladen der Jeggl-Alma an, eine Bestellung aufzugeben. Dann wurde noch im Laufe desselben Tages von einem Freiwilligen ein Korbel mit den benötigten Lebensmitteln vorbeigebracht. Die Jugendlichen taten es gern. Sie waren eine große Gruppe und wechselten sich ab. Und die Alten freuten sich über ein Plauscherl an der Haustür. Nicht wenige Helfer berichteten, wie sie in die Wohnstube gebeten und mit Kakao und Naschereien verwöhnt worden waren. Als Dankeschön, das sie sich gern gefallen ließen.

Solche Dinge schweißten die Dorfgemeinschaft zusammen. Die wurde hier in ihrem ruhigen Nebental des Zillertals schon immer großgeschrieben. Doch Gemeinschaft musste man pflegen, und dafür hatte Vera ein Händchen. Sie würden sie vermissen, mit ihren guten Ideen und der positiven Energie, wenn das Soziale Jahr um war.

»Hier neben den Bänken stell ich mir einen Bücherschrank vor, wenn ihr das eine gute Idee findet's. Dort könnt ein jeder, der gern liest, die ausgelesenen Bücher einstellen und sich ein Neues herausnehmen. So kommen die Bücher in Umlauf, und jeder hat mehr zu lesen. Ich müsst nur noch herausfinden, wo man günstig einen passenden Schrank herbekommt.«

So einen Bücherschrank hatte Hedi beim Einkaufsbummel in der Kreisstadt Schwaz gesehen. Dort war es eine ausgediente rote Telefonzelle gewesen, und sie hatte gleich gedacht, dass ihr solch eine Einrichtung in St. Christoph gefallen tät. Bei all der Arbeit im Hotel war es abends unheimlich entspannend, in einem Schmöker zu versinken. Am liebsten las Hedi historische Romane, aber auch Krimis oder Liebesgeschichten. Besonders hatten es ihr natürlich Geschichten angetan, die in Tirol spielten.

»Da könnt ich einen Schrank zur Verfügung stellen«, rief Tom Ellwanger, ein junger, hochaufgeschossener, dunkelhaariger Bauer aus dem Dorf. »Ich hab in der Scheune noch einen alten Vitrinenschrank von unserem Großvater stehen. Ein hübsches Stück mit Schnitzereien, aber viel zu groß für die Wohnstube. Mei, wenn ich den mit ein bisserl Lack und einem wasserdichten Dach aus Teerpappe wetterfest mach, könnt er noch gute Dienste leisten.«

Veras blaue Augen leuchteten auf. »Das wär wunderbar, Tom! Eine klasse Idee!«

Bald hatte Vera alles über ihren Gemeinschaftsgarten erzählt und beantwortete die Fragen der Dörfler. Viele boten etwas an – Holz für die Beete, Mutterboden, Dünger, Miste, Gemüsepflanzen, Blumenzwiebeln und mehr – andere wollten selbst tatkräftig helfen, und gerade die Jugendlichen waren Feuer und Flamme. Es würde einiges an Arbeit bedeuten, den Holzschuppen abzureißen und das Grundstück vorzubereiten, bevor sie mit dem Anlegen des Gartens beginnen konnten. Doch die Begeisterung war groß, und Hedi sah mehrere Burschen schon buchstäblich die Ärmel hochkrempeln.

Schmunzelnd hob auch sie ihre Hand.

»Wenn wir irgendetwas beitragen können, sind freilich auch Andi und ich gern dabei. Gerätschaften für die Gartenpflege haben wir sicher einige hier, und unser Gärtner hat sich ja netterweise angeboten, bei der Gartengestaltung zu helfen.« Sie nickte Franz Kroneder anerkennend zu. »Was ich selbst noch anbieten könnt, wären ein paar Stecklinge aus meinem Rosengarten. Ich zieh jedes Jahr Rosenpflanzen nach. Da könnt ich ohne Probleme ein paar von meinen schönsten Sorten für den Gemeinschaftsgarten vermehren.«

Vera reckte einen Daumen hoch. »Das fänd ich echt klasse! Schließlich wachsen hier neben dem Berghotel die schönsten Rosen von ganz Tirol. Auf die hatt ich's von Anfang an abgesehen.«

Hedi lachte geschmeichelt. »Na, wenn das so ist ...«

Eine ganze Weile ging es zwischen Vera und den Burschen und Madeln an den Tischen noch so hin und her. Bierkrüge wurden gelehrt und Essen aufgetragen. Die Serviermadeln hatten einiges zu tun, bis sich alle ausgetauscht hatten und Bürgermeister Toni Angerer, der zur Versammlung geladen hatte, zum nächsten Tagesordnungspunkt übergehen konnte.

Lächelnd beobachtete Hedi, wie Vera sich schließlich mit glühenden Wangen an einen der Tische setzte und von mehreren Jugendlichen mit Schulterklopfen empfangen wurde.

Sie hatte die Herzen der Dörfler im Sturm erobert.

Und wer konnte dem liebenswürdigen Charme dieses warmherzigen Madels auch schon widerstehen?

***

Zwei Monate waren seit der Dorfversammlung vergangen, und Vera hatte neben anderen Projekten wie der neuen Eltern-Kind-Gruppe im Pfarrhaus, für die sie aus Geldern des Bistums Spielzeuge angeschafft hatte, bereits einiges für den Gemeinschaftsgarten organisiert.

Gemeinsam mit »ihren« Dorfjugendlichen, die sie so fest ins Herz geschlossen hatte, war es gelungen, den alten, klapprigen Holzschuppen auszuräumen und abzureißen, in dem Henriettas Ehemann uralte, rostige Gerätschaften aufbewahrt hatte. Ein Maschinenverleiher hatte ihnen schweres Gerät zur Verfügung gestellt, und es machte erstaunlich viel Spaß, etwas einzureißen. Hatte Vera in ihrem bisherigen Beruf als Stylistin eher feine Lidstriche bei zartbesaiteten Fernsehstars gezogen, genoss sie es nun, nach einem anstrengenden Tag im Gemeinschaftsgarten dreckig, ausgepowert und körperlich erschöpft auf die Couch zu fallen.

Das Gefühl, etwas bewirken zu können, hatte sie nach ihrer Krise ins Leben zurückgebracht. St. Christoph hatte sich als echter Neuanfang erwiesen, und Vera war unglaublich dankbar.

Inzwischen hatte sie sogar gelernt, einen Minibagger zu steuern, um größere Gesteinsbrocken und viele, viele Wurzelballen von Büschen, Sträuchern und Unkraut, die einem Garten im Weg gestanden hatten, in den Container zu transportieren.

Den hatten sie mithilfe einer großen Gruppe von Freiwilligen bis zum Rand gefüllt und abholen lassen. Jetzt erstreckte sich vor Vera eine einzige, leere Mondlandschaft aus aufgewühlter, sandiger Erde, wo inmitten des Dorfkerns etwas Neues, Wundervolles erwachsen sollte.

Im Moment sah das Grundstück bis auf den Kirschbaum noch etwas karg aus. Doch an diesem Maiabend, während die untergehende Sonne noch wärmte und in der Entfernung die Stimmen der heimgehenden Jugendlichen leiser wurden, stand Vera mit in die Hüften gestemmten Händen inmitten der Fläche und hatte klar vor Augen, wie es werden würde.

Hier die Hochbeete, da die Blumen, dort drüben die Bänke und der Bücherschrank ...

Morgen wollten sie die Wegplatten verlegen. Mit Schnüren hatten sie den leicht geschwungenen Wegverlauf bereits abgesteckt und die Linie dazwischen mit stützendem Schotter und einer Ausgleichsschicht aus einem Split-Sand-Gemisch aufgefüllt. Doch die Rüttelplatte, mit der sie den Unterbau verdichten wollte, musste gleich morgen früh zum Verleih zurück. Also blieb ihr nichts anderes übrig, als noch heute Abend alles fertigzubekommen, so müde sie sich jetzt auch schon fühlte.

Mühsam arbeitete sie sich Meter für Meter vor, hielt das massige Gerät mit aller Kraft in Schach und spürte die Vibrationen im ganzen Körper. Bald taten ihr die Arme weh, und Schweiß stand ihr auf der Stirn. Die alte, verschmutzte Arbeitsjacke hatte sie ausgezogen, und immer häufiger musste sie innehalten, weil es von dem Gerüttel in ihrer Brust zu schmerzen begann.

Schnaufend stützte sie sich auf dem Griff auf und versuchte, zu Luft zu kommen. Gerade einmal die Hälfte hatte sie hinter sich. Es war noch einiges zu tun, und sie spürte, wie ihr langsam die Luft ausging.

»Geht's Ihnen gut?«, hörte sie da eine fremde Stimme.

Überrascht sah sie auf und erblickte einen Mann Mitte oder höchstens Ende dreißig, der an dem alten, klapprigen Gartentor stand, das sie noch ersetzen mussten, und freundlich zu ihr herüberschaute. Er trug Jeans, knallblaue Turnschuhe und einen gemütlich aussehenden dunkelbraunen Pullover. Aus tiefdunklen Augen sah er sie an. Eine Locke seines dichten, dunklen Haars fiel ihm in die Stirn.

Als ihre Blicke sich trafen, war es, als liefe Strom durch ihr Inneres. Ein Schauer durchfuhr sie, so stark, dass sie hätte meinen können, sie hätte die Rüttelplatte versehentlich angestellt, wenn dieses Erzittern nicht andererseits sehr viel angenehmer gewesen wäre. Aufregend.

Er lächelte, und die winzigen Fältchen um seine Augen waren gut aussehender als alles, was Vera zuvor an einem Mann erblickt hatte. Ein unglaublich attraktiver Bursche!

Verlegen schüttelte sie langsam den Kopf. Hoffentlich hatte er nicht bemerkt, wie sie ihn angestarrt hatte.

»Mir geht's gut. Danke.«

Trotzdem öffnete er das Tor und sah sich auf dem leeren Grundstück um. »Sind Sie hier ganz allein bei der Arbeit?«

Sie zwang sich zu einem Lächeln, obwohl ihr Herz desto stärker flatterte, je näher er kam.

»Ich hab meine Helfertruppe schon heimgeschickt, aber den Weg muss ich noch ebnen. Die Maschine geht morgen früh zurück an den Verleih.«

Skeptisch kniff er die Augen zusammen. »Mei, ich will Sie net beleidigen, aber Sie schauen schon recht erschöpft aus.«

Vermutlich nicht nur das. Plötzlich wurde Vera bewusst, wie verschwitzt, zerzaust und dreckig sie war. Unbehaglich knibbelte sie an einem Dreckspritzer auf ihrer Jeans herum. Doch ihre Finger waren nicht sauberer.

»War ein langer Tag«, gestand sie schließlich schulterzuckend und wich seinem Blick aus – um im nächsten Moment wieder in diese faszinierenden dunklen Augen zu schauen.

Er lächelte schief und deutete auf ihre Wasserflasche, die ein wenig abseits am Boden stand.

»Gönnen Sie sich eine Pause. Ich mach für Sie weiter.«

Damit krempelte er die Ärmel hoch und wartete offensichtlich darauf, dass sie beiseitetrat.

Perplex starrte sie ihn an.

»Sind Sie sicher?« Unglaublich, wie attraktiv sogar seine sehnigen Unterarme waren. »Nehmen Sie's mir net übel, aber da Sie net aus dem Dorf sind, müssen Sie wohl ein Urlaubsgast sein. Da tät ich mir Besseres vorstellen, als im Urlaub Gartenwege anzulegen.«

Bei seinem Lachen machte ihr Herz einen Satz. So intensiv reagierte sie sonst nicht auf Männer. Es musste an der Erschöpfung liegen.

»Mir ist ein bisserl langweilig, gell? Also lassen Sie mich mal machen. Ich bin froh, wenn ich helfen kann.«

Schulterzuckend trat sie zurück, und er legte tatsächlich los. Breite, muskulöse Schultern dehnten den Stoff des Pullovers, und während sie unter den Vibrationen der Rüttelplatte am ganzen Körper gebebt hatte, schien er das Gerät sehr entspannt zentimeterweise voranzuschieben.

Fasziniert beobachtete sie seine geschmeidigen Bewegungen und ertappte sich dabei, wie ihr Blick heimlich zu seinem straffen Po glitt. Rund und wohlgeformt. Rasch konzentrierte sie sich auf den Hinterkopf mit dem dunklen, lockigen Haar.

Einem gut aussehenden Mann bei der Arbeit zuzusehen, half offenbar gegen die Schmerzen in der Brust. Nur der aufkommende Muskelkater, der ihr am nächsten Tag blühte, war nicht zu leugnen.

Nachdenklich an ihrer wassergefüllten Edelstahlflasche nippend, zog sie sich das Band aus dem Haar und glättete mit der freien Hand ihre Wellen. Plötzlich schien ihr die Luft wärmer, der Sonnenuntergang über den majestätischen Bergen ein wenig strahlender.

Schon relativ kurze Zeit später konnten sie gemeinsam die Rüttelplatte auf dem Anhänger verladen, den Hedis Gärtner Franz Kroneder ihnen bis morgen geliehen hatte. Die Wege waren vorbereitet, alle Arbeit für heute getan, und Vera schnupperte heimlich an diesem attraktiven Burschen, der ihr geholfen hatte. Er roch nach Bergwäldern, frischer Erde und einem würzigen anderen Duft, der von ihm selbst kommen musste. Lecker.

»Ich bin übrigens Mark«, stellte er sich vor, und Vera spürte, wie sie unter seinem wissenden Blick errötete. Er hatte gemerkt, dass sie an ihm gerochen hatte. »Mark Horstmann. Ich mache Urlaub drüben im Sporthotel ›Am Sonnenhang‹.«

»Vera Loh«, brachte sie mit belegter Stimme hervor. »Kannst mich ruhig duzen, Mark.« Sie zwang sich zu einem Lächeln. »Ich mach hier in St. Christoph noch bis Ende Juni ein Freiwilliges Soziales Jahr. Das, was du hier siehst, ...«, sie machte eine Geste über das leere Grundstück hinweg, »... wird ein Gemeinschaftsgarten fürs Dorf. Ein Ort zum Verweilen für die freundlichen, gutmütigen St. Christopher.«

Er folgte ihrem Blick über das Gelände und nickte anerkennend.

»Eine tolle Sache.« Jetzt sah er wieder sie an, und gleich war es, als nähme er sie mit seinem Blick gefangen. »Und kannst du dabei noch Hilfe gebrauchen? Ich weiß, ich bin im Urlaub, aber ganz ehrlich: Ausspannen ist net so mein Ding. Wenn ich was zu tun hätt, tät ich viel besser abschalten.«