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Als Tochter des Wiener Kommerzialrates Georg Winkelmann ist Isabella mit dem sprichwörtlichen goldenen Löffel im Mund groß geworden. Aber der Luxus hat seinen Preis: Schon in den nächsten Monaten soll sie in das Familienunternehmen einsteigen und eine Vernunftehe mit ihrem Jugendfreund Alexander eingehen. Vorher will die Neunundzwanzigjährige jedoch beweisen, dass mehr in ihr steckt als nur das verwöhnte Töchterchen. Mit ihrem Vater geht sie eine Wette ein: Wenn es ihr gelingt, inkognito im Zillertaler Berghotel als Zimmermadel zu arbeiten, ohne die Stelle gleich wieder zu verlieren oder selbst aufzugeben, dann will er ihr noch ein letztes Jahr in Freiheit gewähren.
In St. Christoph angekommen, steht schon bald Isabellas ganze Welt kopf. Hier ist sie nicht nur von der traumhaften Landschaft und den herzlichen Bewohner bezaubert - vor allem der fesche Fabian Fidelsberger von der Kashütte lässt ihr Herz schneller schlagen ...
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Seitenzahl: 123
Veröffentlichungsjahr: 2022
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Die Wette gilt!
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Impressum
Die Wette gilt!
Isabella will allen beweisen, was in ihr steckt
Als Tochter des Wiener Kommerzialrates Georg Winkelmann ist Isabella mit dem sprichwörtlichen goldenen Löffel im Mund groß geworden. Aber der Luxus hat seinen Preis: Schon in den nächsten Monaten soll sie in das Familienunternehmen einsteigen und eine Vernunftehe mit ihrem Jugendfreund Alexander eingehen. Vorher will die Neunundzwanzigjährige jedoch beweisen, dass mehr in ihr steckt als nur das verwöhnte Töchterchen. Mit ihrem Vater geht sie eine Wette ein: Wenn es ihr gelingt, inkognito im Zillertaler Berghotel als Zimmermadel zu arbeiten, ohne die Stelle gleich wieder zu verlieren oder selbst aufzugeben, dann will er ihr noch ein letztes Jahr in Freiheit gewähren.
In St. Christoph angekommen, steht schon bald Isabellas ganze Welt kopf. Hier ist sie nicht nur von der traumhaften Landschaft und den herzlichen Bewohner bezaubert – vor allem der fesche Fabian Fidelsberger von der Kashütte lässt ihr Herz schneller schlagen ...
Die Strahlen der Abendsonne fielen schräg durch das Bürofenster. Von draußen war das Rumpeln einer Straßenbahn zu hören, gleich darauf folgte das Trappeln von Pferdehufen eines vorbeifahrenden Fiakers. Doch hier oben, im letzten Stock des Nobelhotels, waren die Straßengeräusche nur gedämpft wahrzunehmen.
Isabella Winkelmann, die älteste Tochter des mächtigen Chefs, lehnte sich ans Fenster und sah nach draußen. Wie eine Postkarte lag die Wiener Ringstraße vor ihr. Gegenüber, im Volksgarten, blühten die üppigen Rosenbüsche um die Wette, und wenn Isabella den Kopf nach links drehte, winkte ihr der eiserne Rathausmann freundlich von seinem Dach zu, von dem aus er über die Wienerstadt wachte.
»Wir haben es schon sehr schön hier, Paps«, sagte Isabella lächelnd und wandte sich zu dem älteren Herrn um, der in seinem eleganten silbergrauen Armani-Anzug hinter seinem altehrwürdigen Schreibtisch saß. Als Haupteigentümer des Konzerns hatte Kommerzialrat Georg Winkelmann das schönste Büro von allen.
»Ja, die Aussicht von hier oben ist wirklich prächtig. Nun, das wirst du bald täglich genießen können, immerhin haben alle Geschäftsführer unserer Hotelkette ihre Arbeitsräume im oberste Stockwerk. Du brauchst dir nur noch aussuchen, ob du lieber auf die Ringstraße schauen magst, so wie ich, oder über das Häusermeer auf der anderen Seite des Hotels.«
»Ach, Paps ...« Isabella Winkelmann seufzte und pustete sich eine zimtfarbene Haarsträhne aus der Stirn. Sie setzte sich auf eine Ecke des väterlichen Schreibtischs und baumelte mit den Beinen, welche in einer verwaschenen Jeanshose steckten. »Früher hast du immer gesagt, der Ernst des Lebens begänne erst mit dreißig!«
»Nun ja.« Georg Winkelmann lächelte verschmitzt. »Da hast du es ja nicht mehr lange hin.«
»Ein Jahr! Das ist eine Menge. Zwölf Monate! Dreihundertfünfundsechzig Tage! Und ich verspreche dir, dass ich dann artig sein und in die Chefetage ziehen werde. Ich werde alles machen, was du willst: Ich werde unbequeme Kostüme tragen und Geschäftstermine auf der ganzen Welt wahrnehmen, ich werde ein strenges Gesicht machen und nur noch lächeln, wenn es mir wieder einmal gelungen ist, einen meiner Geschäftspartner über den Tisch zu ziehen.«
Mit einer frechen Grimasse veranschaulichte Isabella, wie sie sich das vorstellte.
»Und für all das wirst du mir monatlich ein dickes Gehalt zahlen. Aber nicht jetzt. Noch nicht jetzt. Bitte!«
»Ich werde aber auch nicht jünger, Liebes.«
»Pah! Wenn es ums Geschäftliche geht, bist du fitter als so mancher Jungspund.«
»Und ich freue mich schon auf Enkelkinder!«
»Dann frag doch mal deine andere Tochter. Sabrina könnte sich auch einmal nützlich machen! Abseits der Klatschblätter, meine ich!«
Der Gedanke an den neuesten Skandal seiner jüngeren Tochter ließ Georg Winkelmann schmerzvoll zusammenzucken.
Sabrina Winkelmann – in den Medien nur als »die Winkelmann-Erbin« bekannt – war auf einer wilden Party im Hafen von Saint Tropez gesichtet worden, wie sie, zusammen mit einem als Playboy bekannten Millionärssöhnchen und nur mit Unterwäsche bekleidet, vom Deck einer Yacht aus ins Meer gesprungen war.
Zum Glück hatten Georg Winkelmanns Medienbeauftragte die Sache wieder geradegebogen – mithilfe der Firmenanwälte, welche allen Fotografen, die das Ereignis abgelichtet hatten, mit saftigen Klagen gedroht hatten.
»Tja, da hat die Winkelmann-Erbin letztens wieder gewaltigen Mist gebaut«, sagte Georg Winkelmann nun zu seiner älteren Tochter. »Zum Glück bist du besser geraten, Liebes. In doppelter Ausführung würde ich diesen Stress nicht ertragen.«
Isabella machte einen Schmollmund.
»Die Pressefritzen würden sich überschlagen, wenn es zwei von uns gäbe. So wissen sie nicht einmal von meiner Existenz ... Und doch willst du mich dafür bestrafen, dass ich mich besser zu benehmen weiß als Sabrina! Das ist unfair!«
»Aber Kind, es ist doch keine Strafe, zu heiraten oder einen Chefposten in einer der größten europäischen Hotelketten zu übernehmen!«
»Nein, da hast du schon recht. Und ich kann Alexander ja auch wirklich gut leiden ...«
»Kunststück, wo er seit Kindertagen dein bester Freund ist«, fiel ihr der Vater ins Wort. »Weißt du eigentlich, wie wertvoll das ist? Liebe vergeht, Freundschaft besteht! Auf Alexander konntest du dich immer verlassen, und das wird auch in Zukunft so bleiben. Ihr gebt ein schönes Paar ab.«
Isabella lächelte. Ja, das taten sie wirklich. Alexander war ein äußerst gut aussehender, von Frauen umschwärmter Mann. Dennoch zeigte er sich ebenfalls mit dem von den Vätern getroffenen Arrangement einverstanden. Die Verbindung zwischen den beiden Familien würde dem Hotel guttun, keine Frage.
Isabella scheute nicht vor einer Vernunftehe zurück. So viele ihrer Freundinnen kamen aus zerrütteten Elternhäusern, in denen um jeden Cent gestritten wurde. Ihre Eltern hingegen führten eine Vernunftehe – »vernünftiger Weise« war Mama die meiste Zeit des Jahres auf Reisen, und Papa residierte in seinem Wiener Hotel.
Alexanders Eltern waren ebenfalls erst Jahre nach ihrer Hochzeit miteinander glücklich geworden. Inzwischen waren die beiden unzertrennlich. Ja, das Konzept der »Vernunftehe« schien besser zu funktionieren als jenes, sich Hals über Kopf in ein Liebesabenteuer zu stürzen und die wenigen Minuten der Seligkeit mit einem erbitterten, lebenslänglichen Kampf zu bezahlen.
Alexander war eine gute Wahl, die sie nicht bereuen würde, das war Isabella klar. Und falls sie sich doch einmal gegenseitig auf die Nerven fallen sollten, waren die Welt und der Winkelmann-Konzern groß genug, um einander stilvoll aus dem Weg zu gehen.
»Dieses letzte Jahr in Freiheit ist mir wichtig«, verlegte sich Isabella aufs Betteln. »Ich hab doch so viele Pläne ...« Sie bereute diese Worte sofort.
»Du armes Kind!«, höhnte ihr Vater und lachte schelmisch. Dann fügte er mit ernster Miene hinzu: »Wie kannst du dich als unfrei bezeichnen? Du bist mit dem goldenen Löffel geboren. Dir wurde zeitlebens jeder Wunsch erfüllt. Du hast in deinen jungen Jahren schon die ganze Welt gesehen. Und du vergisst noch etwas, Mädchen: Deine Aufgabe in der Firma ist nicht nur eine Verpflichtung, sondern gibt dir durchaus auch die Chance, deine eigene Handschrift einzubringen.«
»Meine Träume gehen aber in eine ganz andere Richtung! Das habe ich dir doch schon so oft erzählt.«
Georg Winkelmann seufzte demonstrativ auf. »Oh. Das schon wieder?«
»Ja, genau das. Ich würde so gern einmal ein kleines Hotel aufbauen. Ein hübsches Chalet in den Alpen oder ein kleines Weingut oder ein verlassenes Kloster ...« Isabella geriet ins Schwärmen. »Etwas Echtes, keine künstlich auf idyllisch gestaltete Unterkunft. Etwas, wo man sich so wohlfühlt, dass man gar nicht rausgehen mag ...«
»Du sprichst von Luxus? Einem persönlichen Whirlpool auf der Terrasse der Hotelsuite? Das haben wir in Florenz.«
»Nein, Papa! Der Luxus, den ich mir vorstelle, liegt im Bescheidenen. Gemütlich soll es sein und urig. Jedes Zimmer mit einer ganz persönlichen Note. Hübsche Möbel vom Trödel, die eine Geschichte erzählen.«
Der Chef der Luxushotelkette runzelte ungeduldig die Stirn.
»Das ist Schwachsinn. Hinter so einem Konzept liegt doch erst recht eine ausgetüftelte Strategie. Du bist eine weltfremde Träumerin, mein Kind. Ein verwöhntes Gör. In Wahrheit hast du keine Ahnung vom richtigen Leben.«
»Ich werde es dir beweisen! Ich kann bodenständig sein! Ich könnte in jedem Hotel als Zimmermädchen arbeiten.«
Georg Winkelmann, der alte Fuchs, zwinkerte verschlagen.
»So? Könntest du das? Soll ich dir gleich eine Stelle suchen?« Er deutete auf die Weltkarte über seinem Schreibtisch, auf der die Standorte der Winkelmann-Hotels mit kleinen Wimpeln festgesteckt waren.
Kleine rote Fähnchen waren das, mit einem verschlungenen goldenen W in der Mitte, wie sie in größerem Format vor den jeweiligen Entrées im Wind flatterten.
»Wäre dir der Norden genehm? Stockholm oder Sylt? Oder willst du nicht lieber gleich in Miami oder San Francisco anfangen? Dort wirst du ja sowieso bald einmal landen. Die werden sich dort allerdings schön wundern, wenn sich das ungeschickte Zimmermädchen vom letzten Sommer plötzlich als ihre Chefin vorstellt!« Das dröhnende Lachen ihres Vaters forderte Isabels Trotz nur weiter heraus.
»Nichts da«, sagte sie mit kühler Stimme. »Ich such' mir selbst einen Job in einem kleinen Hotel, dort, wo man noch wirklich Kontakt mit den Gästen hat. Wo es nicht für jeden Handgriff einen eigenen Angestellten gibt. Ich werde mir einen falschen Nachnamen zulegen.« Sie überlegte kurz. »Sternbach. Du weißt schon, wie mein liebstes Kindermädchen damals, Christl Sternbach. Ich werde mich Isabella Sternbach nennen, das klingt doch gut, oder?«
»Ach, willst du etwa in die Fußstapfen deiner Schwester treten?«, spottete Isabellas Vater. Er spielte auf die neueste Fernsehshow eines überkandidelten Privatsenders an, bei der sich verwöhnte und reiche junge Leute aus der Gesellschaft der oberen Zehntausend als »gewöhnliches Mädchen« oder »gewöhnlicher Junge« unter die Leute mischten und diese an der Nase herumführten. Isabellas Schwester Sabrina war einer der Stars dieser Sendung.
»Pfff«, machte Isabella. »Was ich mir vorstelle, hat mit Sabrinas komischer Fernsehsendung nicht das Geringste zu tun. Ich rede von ehrlicher Arbeit und nicht davon, so zu tun, als ob!«
Wie nebenbei hatte Isabella auf ihrem Handy die Internetseite für internationale Jobangebote im Gastgewerbe geöffnet und scrollte durch die Liste. Für den Sommer gab es immer Bedarf an Hilfskräften.
»Na bitte, hier, zum Beispiel. Ein kleines Sporthotel im Tiroler Zillertal sucht ein ›Mädchen für alles‹. Es wäre doch gelacht, wenn ich das nicht schaffen würde!«
Isabella klickte das Angebot an, und auf dem Display öffnete sich ein Feld, in das sie ihre Daten eintragen konnte.
»Isabella Sternbach«, murmelte sie, während sie tippte. »Erledigt. Studentin für Tourismus, das ist nicht einmal gelogen, auch wenn ich das Studium schon abgeschlossen habe. Grundkenntnisse im Servieren und für die Zimmerbetreuung – na ja, hier wird es haarig. Ach was, ein klares Ja. Kann ich nächste Woche anfangen? Ja, ich kann.«
Zufrieden lehnte sie sich zurück.
»Du wirst sehen, dass ich das schaffe, Paps. Ich werde es dir beweisen.«
Georg Winkelmanns stahlgraue Augen funkelten verräterisch. War da etwa auch eine Spur Stolz dabei?
»Und wenn nicht?«, fragte er dennoch. Der alte Pokerspieler.
Isabella dachte nach. »Wenn ich vorzeitig aufgebe oder gekündigt werde, gebe ich meinen Traum auf und heirate Alexander noch in diesem Jahr.«
Georg Winkelmann grinste. »Abgemacht. Topp – die Wette gilt!«
»Moment. Was kriege ich von dir, wenn ich es schaffe?«
»Dann ...« Ihr Vater zögerte, er hatte sich schon gefreut, seine Kleine ausgetrickst zu haben. Aber nun musste er ebenfalls ein Angebot auf den Tisch legen. Er rieb sich seinen angegrauten Vollbart. »Wenn du es schaffst, nicht hinausgeworfen zu werden, schenke ich dir ein weiteres Jahr.«
»Im Ernst?« Isabella zog die Augenbrauen hoch. »Ein Jahr, bevor ich in die Firma einsteigen muss? Ein Jahr lang kein Wort vom Heiraten? Hältst du das aus?«
Ihr Vater seufzte schwer, überlegte einen Moment und streckte ihr dann die Hand entgegen.
»Bis zu meinem Geburtstag«, sagte sie schnell.
Georg Winkelmann lachte. »Das sind dann aber ein Jahr und zwei Monate.«
»Genau. Wenn ich dreißig bin, reden – oder streiten – wir weiter.«
Der Hotelchef, der den Arm immer noch ausgestreckt hielt, lächelte.
»Nun gut«, meinte er. »Aber dann musst du deinen Einsatz ebenfalls erhöhen.«
»Ich werde mich den Journalisten stellen. Sollen sie doch endlich erfahren, dass es zwei Winkelmann-Töchter gibt. Ich lasse mich fotografieren und gebe ein Interview«, schlug sie vor. »Im eleganten Businesskostüm.«
Georg Winkelmann musterte grinsend das bequeme Jeans-und-T-Shirt-Outfit seiner Tochter. Dann blieb sein Blick an ihren giftgrünen Turnschuhen hängen.
»Und in hochhackigen Schuhen«, forderte er.
»Abgemacht«, sagte Isabella und schlug ein.
»Abgemacht.« Georg Winkelmann nickte.
Dass er die Hartnäckigkeit seiner Lieblingstochter belohnen und ihr zur Hochzeit ein kleines Hotel schenken würde, in dem sie nach Lust und Laune schalten und walten konnte, war längst beschlossene Sache.
Wer sich für seinen Traum so sehr ins Zeug legte, musste zumindest die Chance kriegen, sich zu beweisen. Er würde schon das passende Objekt für sie finden, wo sie sich dann nach Herzenslust austoben konnte.
Kaum war Isabella fröhlich aus dem Zimmer gehüpft, griff Kommerzialrat Georg Winkelmann zum Telefon.
»Ist der neue Assistent schon da?«, fragte er. »Wie heißt er nun gleich? Kaltenbrunner? Simon? Mir soll's recht sein. Schicken Sie ihn bitte zu mir hoch. Sofort.«
***
Hedi Kastler, die Chefin vom Sporthotel »Am Sonnenhang«, seufzte schwer. Gerade hatte die Kosmetikerin des Hotels angerufen. Mit einer Stimme, die so heiser war, dass fast kein Wort von dem, was sie sagte, zu verstehen war, hatte Gerti Wachter ins Telefon genuschelt.
Aber Hedi brauchte keine Details zu erfahren. Es war unverkennbar, dass es die Verantwortliche der Beauty Farm nun ebenfalls »erwischt« hatte. Die Grippewelle ging um!
Hedi Kastler wünschte dem armen Ding alles Gute, empfahl ihr einen Wadenwickel mit Essig und heißen Tee mit Zitrone. Dann wandte sie sich mit besorgter Miene an ihren Mann Andi.
»Jetzt hat sich auch die Gerti die Grippe eingefangen. Diese Sommergrippe macht heuer vor keinem Halt.«
»Oje, die Arme«, sagte Andi Kastler, richtete sein Augenmerk dann aber sofort auf das Wesentliche. »Übermorgen kommt die deutsche Reisegruppe. Acht Personen, lauter Männer, rüstige Rentner, wie es scheint. Sie haben Wandern, geführte Waldspaziergänge und Tennisspielen als Interessen angekreuzt. Wie es ausschaut, ist da eh kein Bedarf an Schönheits-Behandlungen. Und wenn doch, dann kann Gerda einspringen, die versteht was davon. Mach dir keine Sorgen, Hedi, wir schaffen das schon!«
»Das tun wir ja immer. Ich bin nur froh, wenn heute Nachmittag die Aushilfe aus Wien ankommt. Eine Studentin einer privaten Tourismusschule. Hoffentlich weiß sie auch, wie man Betten macht.«
Zwei Stunden später war Hedi klar, dass die junge Dame es nicht wusste. So war es ja immer mit den Praktikantinnen. Die kamen mit einem Kopf voller Ideen, wenn es um Themen wie »verrückte Werbemaßnahmen« oder »ausgefallene Zimmerdekoration« ging, aber vom eigentlichen Hotelgeschäft verstanden sie nichts.
Dann werde ich es ihr halt beibringen, sagte sich Hedi. Sie hatte nicht vergessen, wie unbedarft sie selbst seinerzeit in das Geschäft eingestiegen war. Damals, nach der Hochzeit, als sie mit ihrem Andi das Hotel übernommen hatte. Es ist das Vorrecht der Jugend, nicht alles wissen zu müssen, pflegte sie immer zu sagen.
