Das Berghotel 278 - Verena Kufsteiner - E-Book

Das Berghotel 278 E-Book

Verena Kufsteiner

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Beschreibung

Nach siebzehn Jahren Ehe reicht Stefan die Scheidung ein. Er hat sich neu verliebt und möchte mit seiner Freundin ein neues Leben beginnen. Seine Noch-Ehefrau Christina trägt es mit Fassung. Auch sie hat schon länger gespürt, dass ihre Ehe, die sie mit gerade mal achtzehn Jahren geschlossen hatten, nicht länger intakt ist. Christina sieht ihre Chance gekommen, sie will sich nicht länger im Schatten der von Stefans wohlhabender Familie ausruhen, sondern ihr Leben endlich selbst in die Hand nehmen.
Christina erinnert sich an das Erbe ihrer verstorbenen Tante Burgl. In dem hübschen Häuschen mit dem romantischen Garten hat sie eine wunderbare Zeit verlebt. Die nun Alleinerziehende weiß jetzt, wohin ihr Weg sie führen wird: Hals über Kopf packt sie in Wien ihre sieben Sachen, meldet die beiden Töchter von der Schule ab und reist mit ihnen nach St. Christoph ins Zillertal. Doch als die drei Frauen dort ankommen, können sie ihre Tränen kaum zurückhalten: Tante Burgls Haus ist eine verfallene Ruine ...


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Seitenzahl: 122

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Inhalt

Cover

Der lange Weg zum Glück

Vorschau

Impressum

Der lange Weg zum Glück

Christina und ihre Töchter wagen einen Neubeginn

Von Verena Kufsteiner

Nach siebzehn Jahren Ehe reicht Stefan die Scheidung ein. Er hat sich neu verliebt und möchte mit seiner Freundin von vorne beginnen. Seine Noch-Ehefrau Christina trägt es mit Fassung. Auch sie hat schon länger gespürt, dass ihre Ehe, die sie mit gerade mal achtzehn Jahren geschlossen hatten, nicht länger intakt ist. Christina sieht ihre Chance gekommen, sie will sich nicht länger im Schatten von Stefans wohlhabender Familie ausruhen, sondern ihr Leben endlich selbst in die Hand nehmen.

Christina erinnert sich an das Erbe ihrer verstorbenen Tante Burgl. In dem hübschen Häuschen mit dem romantischen Garten hat sie eine wunderbare Zeit verlebt. Die nun Alleinerziehende weiß jetzt, wohin ihr Weg sie führen wird: Hals über Kopf packt sie ihre sieben Sachen, meldet die beiden Töchter von der Schule ab und reist mit ihnen nach St. Christoph ins Zillertal. Doch als die drei Frauen dort ankommen, können sie ihre Tränen kaum zurückhalten: Tante Burgls Haus ist eine verfallene Ruine ...

»Sind wir bald da?« Die achtjährige Leni Burgstaller stellte diese Frage inzwischen im Minutentakt.

Ihre Mutter Christina, die den Wagen steuerte, musste erst einmal tief durchatmen, bevor sie antwortete: »Bald, mein Schatz. Wir fahren gleich von der Autobahn ab. Schau doch nur aus dem Fenster! Dort drüben weiden Pferde!«

Für eine Minute war Leni abgelenkt. Während ihre ältere Schwester Sarah missmutig aus dem Fenster starrte, ohne die schöne Landschaft auch nur wahrzunehmen, war Leni immer noch leicht zu begeistern – vor allem, wenn es um Pferde ging.

»Darf ich einen Reitkurs machen, wenn wir in Tirol leben?«, fragte die Kleine sofort.

»Mal sehen«, gab Christina vorsichtig zurück. Sie war früher eine begeisterte Reiterin gewesen, hatte aber nach einem Sturz vom Pferd einen gehörigen Respekt vor diesen stattlichen Trieren zurückbehalten. »Wir sind übrigens schon in Tirol«, sagte sie nun, um Leni weiter zu unterhalten. »Sieh doch nur die schönen Berge. Auf manchen Gipfeln liegt sogar noch Schnee!«

Leni reckte ihren Kopf zur Seite und war für eine weitere Minute zufriedengestellt.

Kleine Kinder mochten anstrengend sein, aber man konnte mit ihnen immer noch besser zusammenleben als mit einem aufmüpfigen Teenager.

Die sechzehnjährige Sarah interessierte sich weder für die Pferde auf den Weiden noch für die schöne Bergkulisse. Sie war bloß stinkig, weil ihre Mutter sie Hals über Kopf aus ihrem gewohnten Leben gerissen hatte.

Christina unterdrückte einen Seufzer. Sie konnte es gut verstehen, dass ihre Töchter beunruhigt waren. Kinder brauchten Stabilität, das war in jedem Erziehungsratgeber nachzulesen. Und genau in diesem Punkt versagte sie als Mutter gerade schmählich.

Die Zukunft der beiden Mädchen – und ihre eigene – lag seit zwei Wochen völlig im Dunkeln. Noch im Frühling hatten die Burgstallers von einem gemeinsamen Familienurlaub nach Italien geträumt – Vater, Mutter und die zwei Kinder – ganz, wie es sich gehörte. Jetzt würde Stefan ohne sie in den Süden fahren. Die neue Frau an seiner Seite würde ihn begleiten, und es würde für die beiden eine Hochzeitsreise sein. Für seine alte Familie war kein Platz mehr in Stefan Burgstallers Leben.

Die Scheidung war so schnell vonstattengegangen, dass weder Christina noch die Mädchen so recht an diese neue Wirklichkeit glauben mochten. Kein Wunder, dass die eine Tochter quengelte und die andere grummelte. Und ja, es war nur natürlich, dass die Kinder der Mutter die Schuld gaben. Hätte sie ihren Mann eben nicht ziehen lassen!

Tja, wenn das nur so einfach wäre!

Und wieder kam Christina zu derselben Frage: Hatte sie nicht genug um ihre Ehe gekämpft?

Wie auch immer: Es war ihre Schuld, dass die Kinder litten. Nun seufzte Christina doch laut auf. Wie sollte man zwei Kindern erklären, dass man sich als Ehepaar auseinandergelebt hatte? Dass Stefan und sie viel zu früh, viel zu jung, eine Familie gegründet hatten, ohne einander richtig zu kennen? Dass schon allein die grundverschiedenen Familien, aus denen sie stammten, für Konflikte sorgten?

Sie hatte bis zu ihrem achtzehnten Jahr kein richtiges Zuhause gehabt, war schon als Baby von einer Pflegefamilie zur anderen weitergereicht worden. Stefan hingegen stammte aus einer regelrechten Dynastie, in der man zusammenhielt und Fremde außen vor ließ. So war auch Christina bis zuletzt von Stefans Familie ausgegrenzt worden, die sie zwar – um der Kinder willen – in ihrer Villa wohnen ließ, sie aber nie als gleichwertiges Mitglied betrachtete.

Christina blinkte, verließ die Autobahnspur, trat das Kupplungspedal nieder und schaltete behutsam in den dritten Gang. Das Getriebe kreischte erbärmlich.

»Bitte halte noch eine halbe Stunde durch!«, flehte Christina ihr Auto in Gedanken an.

Sie sah sich schon mit ihren Mädchen am Straßenrand stehen, neben sich einen Turm aus Koffern und Kuscheltieren. Und es regnete.

Nein, es regnete nicht wirklich – im Gegenteil! Eine schöne Augustsonne legte ihren goldenen Schimmer auf die sattgrünen Wiesen, welche sich zu beiden Seiten der Straße bis zu den Bergen ausbreiteten.

Ich sollte nicht so negativ denken, schalt sich Christina in Gedanken. Dass die Kinder nach der langen Fahrt müde und überreizt sind, ist nur verständlich. Das wird sich legen, sobald wir in Tante Burgls Haus sind. Das Auto hat bisher durchgehalten – warum sollte der Motor ausgerechnet jetzt, auf den letzten achtzig Kilometern, den Geist aufgeben?

Wie zur Untermalung ihrer Überlegungen knackte es verdächtig unter der Motorhaube.

Christina beschloss, diese Signale zu ignorieren und setzte ihre positive Gedankenkette fort: Die Scheidung war einvernehmlich verlaufen, und sie bereute es immer noch nicht, dass sie Stefan so rasch ihre Einwilligung gegeben hatte. Stefan war, wie sie, selbst noch ein halbes Kind gewesen, als Sarah zur Welt kam, und er war stets ein abwesender Vater gewesen. Die Kinder würden ihren Papa nicht wirklich vermissen, jedenfalls nicht so sehr, wie sie die Großeltern vermissen würden. – Aber Stefans Eltern konnten sie doch später einmal, wenn sich die Wogen geglättet hatten, in Tirol besuchen! Wenn sich Christina und die Mädchen in St. Christoph erst einmal eingelebt hatten, war die Schwiegermutter vielleicht auch wieder bereit, zu verzeihen, dass Christina mit den Kindern fortgegangen war.

»In der Nähe von unserem Haus gibt es einen See, den Kuckuckssee. Habe ich euch das schon erzählt?«, fragte Christina jetzt, um die Stimmung aufzulockern.

Sarah grunzte unfreundlich unter ihren unvermeidlichen Kopfhörern hervor. Ihre schwarz gefärbten Haare hingen ihr wirr ins viel zu stark geschminkte Gesicht.

Die kleine Leni mit den verstrubbelten blonden Haaren, mit denen sie wie ein frecher Lausbub aussah, richtete sich auf und beugte sich vor: »Ein See? Können wir dort auch schwimmen?«

»Klar«, sagte Christina halbherzig und dachte an die eisigen Quellen, die den Bergsee speisten. »An besonders heißen Sommertagen ist es dort herrlich. Und wir können auf den Luftmatratzen gemütlich übers Wasser treiben. Oder noch besser: Wir kaufen uns ein kleines Boot, mit dem wir dann von einem Ufer zum anderen schippern! Ihr werdet staunen, wie schön es dort ist. Rund um den See sind viele hohe Berge, die spiegeln sich im klaren Wasser – das ist wie im Märchen!«

»Und kalt«, murmelte Sarah. »Vergiss es, Leni«, sagte sie herablassend zu ihrer kleinen Schwester. »In einem Gebirgssee frierst du dir sofort die Zehen ab.«

»Echt? Mama?« Lenis Stimme zitterte.

»Nun ja«, versuchte Christina, die Situation zu retten. »Freilich ist der Kuckuckssee ein kühles Gewässer. Vielleicht sollten wir zum Schwimmen lieber in ein Freibad gehen oder zu einem anderen See fahren. Aber stell dir vor, Leni: Du kannst von unserem Haus zu Fuß zum Kuckuckssee laufen!«

»Aber was mache ich bei einem See, wenn ich nicht darin schwimmen kann?« Lenis Stimme hatte wieder eine weinerliche Note angenommen.

»Sag ich doch«, setzte Sarah nun obendrauf. »Gar nichts können wir beide machen, Kleine. Weil die Erwachsenen ja doch immer alles über uns bestimmen, und die denken nur an sich.«

***

Die letzten Kilometer hatte die Frauengruppe schweigend zurückgelegt. Nur das alte Auto gab von Zeit zu Zeit einen Huster von sich – sonst herrschte bedrücktes Schweigen.

Christina hatte es aufgegeben, den Mädchen gut zuzureden. Sarah fiel ihr ja doch jedes Mal in den Rücken – ganz egal, was sie sagte.

Christina verstand den Unmut ihrer älteren Tochter nur zu gut. Sarah hatte sich in Wien einen Freundeskreis aufgebaut, wahrscheinlich gab es auch schon den einen oder anderen Jungen, der ihr gefiel. Das alles hatte das junge Mädchen Hals über Kopf zurücklassen müssen.

Aber in der Villa der Schwiegereltern hätte es Christina nach der Scheidung keinen Tag länger ausgehalten. Ohne die Kinder fortzugehen, kam für sie aber schon gar nicht infrage. Und fort musste sie. Es war höchste Zeit, dass sie endlich den goldenen Käfig verließ und ihr eigenes Leben in die Hand nahm. Für die Kinder bedeutete das natürlich eine große Umstellung und leider auch den Verzicht auf den gewohnten Luxus.

In den vergangenen Tagen war Christina kaum zum Nachdenken gekommen. Nachdem Stefan ihr von seinen Plänen mit der anderen Frau erzählt hatte, hatte sie sofort alle Hebel in Bewegung gesetzt, um sich aus der bevormundenden Klammer ihrer Schwiegermutter zu befreien. Das Problem: Christina hatte keinen Beruf gelernt und sie besaß so gut wie nichts. Während Stefans Eltern streng darauf geachtet hatten, dass ihr Sohn eine gute Ausbildung genoss, hatten sie Christinas diesbezügliche Wünsche immer abgeblockt.

»Jetzt kümmere dich erst einmal um deine Kinder!«, hatte Stefans Mutter Barbara stets gesagt. »Wenn die beiden Mädchen erst alt genug sind, kannst du deine Berufsausbildung nachholen! Fürs Erste kannst du ja in unserer Firma mitarbeiten, ein Mädchen für alles wird bei uns immer gebraucht.«

Und so war die knapp achtzehnjährige Christina, die bis dahin nie ein Familienleben kennengelernt hatte, dankbar in die Nobelvilla der Burgstallers gezogen. Sie hatte den Anweisungen ihrer Schwiegermutter gehorcht, sich vor allem um die Kinder gekümmert und Stefan bei seinem Studium unterstützt. Und brav hatte sie als Mädchen für alles in der Möbelfirma der Familie mit angepackt. Auf diese Weise hatte das Leben gar nicht so schlecht funktioniert, und die Träume, die Christina einst als junges Mädchen gehegt hatte, hatte sie eben abgetan.

»Ich bin nun eine Mutter, und da habe ich selbst nichts mehr zu wünschen«, sagte sie sich beharrlich. »Solange es den Kindern gut geht, bin ich glücklich.«

Und dann hatte sich doch so schnell alles geändert.

»Sie heißt Julia, und ich liebe sie«, hatte Stefan erklärt. »Ich möchte mich so bald wie möglich scheiden lassen, denn Julia wünscht sich, dass wir heiraten. Und ich wünsche mir das auch. All meine Freunde fangen jetzt gerade erst an, Familien zu gründen, und ich will mit Julia zusammen auch noch einmal von vorne beginnen.«

Bei allem Kummer konnte Christina sogar dieses Argument nachvollziehen. Stefan und sie waren beide erst vierunddreißig, da hatte man normalerweise noch kein grummeliges Teenager-Kind.

»Du weißt, dass ich immer Zuneigung für dich empfinden werde«, hatte Stefan zum Schluss gesagt. »Du warst meine erste große Liebe, Christina. Aber du weißt: Unter anderen Umständen hätten wir uns nach wenigen Wochen wieder getrennt und wären füreinander nur noch eine entfernte, romantische Erinnerung geblieben. Insofern haben wir eh lange durchgehalten.«

Christina hatte tapfer genickt. »Es war aber eine gute Zeit, findest du nicht?«

»Natürlich. Schon allein durch die beiden Mädchen, die uns wirklich gut gelungen sind. Ich wünsche dir jedenfalls, dass du auch noch einmal die Liebe findest, Christina!«

Darauf war ihr als Antwort nur ein Schulterzucken geblieben. Sich noch einmal zu verlieben, konnte sich Christina Burgstaller beim besten Willen nicht vorstellen. Tapfer hatte sie die Tränen unterdrückt und die Scheidungspapiere unterschrieben, welche Stefan praktischerweise gleich mitgebracht hatte.

Nun war Christina eine geschiedene Frau, und es war eine Tatsache, dass durch die neuen Umstände im Hause Burgstaller keinen Platz mehr für sie war.

Das hatte auch ihre Schwiegermutter sofort erkannt. »Du kannst dir ja eine eigene Wohnung suchen«, hatte ihr Barbara vorgeschlagen. »Doch die Kinder müssen natürlich bei uns bleiben. Hier in der Villa ist schließlich ihr Zuhause.«

Zum Glück hatte sich Christina an das Haus in Tirol erinnert. Ihre Tante Burgl, lange Zeit die einzige Erwachsene, die sich um das Waisenkind gekümmert hatte, hatte ihr im Tiroler Zillertal ein kleines Haus vererbt. In dem beschaulichen Ort St. Christoph hatte Christina vor vielen Jahren – sie mochte damals etwa so alt gewesen sein wie Leni heute – den schönsten Sommer ihres Lebens verbracht.

Sie erinnerte sich noch heute an duftendes Holz in der gemütlichen Bauernstube, an ein herrlich bunt blühendes Bauerngartl und an grüne Fensterläden, die knarrend den Blick auf bizarre Felsen und malerische Berggipfel freimachten. Tante Burgl war damals schon eine sehr alte Frau gewesen, deshalb hatte sie sich auch nicht weiter um das kleine, elternlose Mädchen kümmern können. Nach ihrem Tod hatte Burgl Schwaninger verfügt, dass Christina das Haus erben sollte. Das war schon einige Jahre her, und Christina hatte nie die Zeit gefunden, sich ihren Besitz näher anzuschauen. –

»Ach, so ein altes Häusel in Tirol – wer braucht schon sowas, wenn er in einer richtigen Villa wohnen kann?«, hatte Christinas Schwiegermutter Barbara verächtlich gesagt und Christina dazu gebracht, sich für den Stolz auf ihren einzigen Besitz zu schämen.

Aber nun war dieses Besitztum – das »alte Häusel in Tirol« – für sie wichtig geworden. Ja, sie würde Tante Burgls Haus in Besitz nehmen und gemeinsam mit ihren Töchtern ein neues Leben beginnen!

Die Formalitäten waren rasch erledigt: Christina hatte die Kinder in den Wiener Schulen abgemeldet und in Tiroler Schulen angemeldet. Ab September würde Sarah täglich mit dem Bus nach Mayrhofen pendeln, das war zwar mühsam, aber es gab sicher noch andere Jugendliche, die diesen Weg zum Gymnasium nahmen. Leni würde die Volksschule im Ort besuchen.

Und sie selbst würde sich eben irgendeine Arbeit suchen. Vielleicht kam sie ja als Altenpflegerin unter, das kam ihrem ursprünglichen Traumberuf der Krankenschwester sehr nahe. Für den Anfang würde sie sicherlich als »Mädchen für alles« eine Arbeit finden, und das Geld, das ihr Stefan monatlich überwies, würde fürs Erste ausreichen.

»Eines nach dem anderen«, murmelte Christina, als sie den Wagen in die letzten Kehren der Bergstraße steuerte.

Vor ihr öffnete sich das Tal, und der hübsche Ort St. Christoph lag vor ihr. Unübersehbar war die weiße Dorfkirche mit ihrem goldenen Zwiebelturm. Der Wetterhahn obenauf blinkte, von einem Sonnenstrahl gefangen, freundlich auf. Mit jedem neuen Eindruck erwachte in Christina eine verschüttete Erinnerung an den schönsten Sommer ihrer Kindheit.

Linker Hand stand auf einem Hügel ein imposanter Bau im rustikalen Tiroler Stil. Sporthotel »Am Sonnenhang« stand auf einem Schild zu lesen. Oh, dieser Ort gab ja einiges her, stellte Christina zufrieden fest. Das war alles andere als ein verschlafenes Nest! Nur ruhig war es hier, viel stiller als in der Großstadt, und das war gut so.