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Tina Wagner aus Wien und Magnus Möller aus Berlin sind weder miteinander verwandt, noch sind sie sich jemals begegnet - und erben doch zu gleichen Teilen eine Almhütte im Zillertal. Konflikte sind da vorprogrammiert, die Fronten schon bald verhärtet, denn ihre Vorstellungen über die künftige Nutzung der Hütte könnten unterschiedlicher nicht sein. Die Korrespondenz und der Kampf finden ausschließlich über ihre Anwälte statt.
Unabhängig voneinander beschließen sie, die Lage vor Ort zu sondieren. Zufälligerweise übernachten sie beide im Berghotel und begegnen sich dort auf der Panoramaterrasse. Sie fühlen sich sofort zueinander hingezogen, flirten, tauschen Zärtlichkeiten aus und genießen den Abend in romantischer Atmosphäre. Magnus erzählt nebenbei von einer "Zicke", die ihm das Leben schwermacht, Tina spricht von einem "widerlichen Bonzen", der meint, mit Geld alles und jeden kaufen zu können.
Zwei Tage später treffen sich die beiden bei ihrer Almhütte und fallen aus allen Wolken. "Du!", rufen beide gleichzeitig ungläubig aus - und dann bricht auch schon ein heftiger Streit los ...
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Seitenzahl: 123
Veröffentlichungsjahr: 2022
Cover
Ich hasse dich, ich liebe dich
Vorschau
Impressum
Ich hasse dich, ich liebe dich
Wenn zwei Unbekannte die gleiche Berghütte erben
Von Verena Kufsteiner
Tina Wagner aus Wien und Magnus Möller aus Berlin sind weder miteinander verwandt, noch sind sie sich jemals begegnet – und erben doch zu gleichen Teilen eine Almhütte im Zillertal. Konflikte sind da vorprogrammiert, die Fronten schon bald verhärtet, denn ihre Vorstellungen über die künftige Nutzung der Hütte könnten unterschiedlicher nicht sein. Die Korrespondenz und der Kampf finden ausschließlich über ihre Anwälte statt.
Unabhängig voneinander beschließen sie, die Lage vor Ort zu sondieren. Zufälligerweise übernachten sie beide im Berghotel und begegnen sich dort auf der Panoramaterrasse. Sie fühlen sich sofort zueinander hingezogen, flirten, tauschen Zärtlichkeiten aus und genießen den Abend in romantischer Atmosphäre. Magnus erzählt nebenbei von einer »Zicke«, die ihm das Leben schwermacht, Tina spricht von einem »widerlichen Bonzen«, der meint, mit Geld alles und jeden kaufen zu können.
Zwei Tage später treffen sich die beiden bei ihrer Almhütte und fallen aus allen Wolken. »Du!«, rufen beide gleichzeitig ungläubig aus – und dann bricht auch schon ein heftiger Streit los ...
»Im nächsten Leben solltest du Innenarchitektin werden«, sagte Sonja Gangl lachend und prostete ihrer besten Freundin Tina anerkennend zu.
Tina Wagner folgte Sonjas Blick durch ihre neue Wohnung. Sie hatte die vergangenen drei Wochen damit zugebracht, die beiden Zimmer einzurichten und die alte Küche mit kleinen Deko-Elementen aufzuhübschen. Und ja, es war ihr gut gelungen. Vielleicht war ja wirklich was dran an dem, was Sonja sagte, und ihr Blick fürs Detail war eine Art von Begabung, die nicht selbstverständlich war.
Tinas kleine Mansardenwohnung lag in einem Altbau und bot eine herrliche Aussicht über die Wiener Innenstadt mit ihren verwinkelten Gässchen und den vielen unterschiedlich gefärbten Dächern. Nach der Trennung von ihrem langjährigen Freund Markus hatte Tina den ärgsten Liebeskummer überwunden und das früher so gefürchtete Alleinsein schätzen gelernt. Heute genoss es die achtundzwanzigjährige Frau, nach ihrer Arbeit als Lehrerin die Tür hinter sich zu schließen und in eine Oase der Stille einzutauchen. Sie hörte abends Musik, die sie selbst ausgewählt hatte, sie konnte nur in Unterwäsche durch die Wohnung tanzen, wenn ihr danach war, und sie brauchte keinem anderem hinterher zu putzen. Zurzeit war das Tinas absolute Vorstellung eines perfekten Lebens.
Deshalb hatte Tina gleich nach Schulschluss alle Energien auf die Einrichtung ihres neuen Zuhauses gerichtet. Nun war sie mit dem Ergebnis ihrer Mühen sehr zufrieden: Die Farben harmonierten, die Lampen passten zum Tisch, und die Bilderrahmen waren aufeinander abgestimmt. Im Schlafzimmer fügte sich die hellblaue Tagesdecke auf dem Bett farblich gut zum dunkelblauen Flausche-Teppich. Dazu kam in beiden Räumen ergänzend der liebevoll von Flohmärkten heimgeschleppte Trödel. Jede einzelne der bunt zusammengewürfelten Tassen, Blumenvasen oder Kissenbezüge war von Tina mit Bedacht ausgewählt worden. Das Ergebnis war lebendig und charmant.
»Ja, ich denke, ich werde mich hier wohlfühlen«, entschied Tina zufrieden. »Nach der Trennung von Markus ist diese Wohnung genau das, was ich gebraucht habe: Mein eigenes Reich. Von hier aus ist es nicht weit zur Schule, und ich freue mich schon darauf, auf dem Schreibtisch neben dem Fenster die Hausaufgaben der Kinder zu korrigieren.«
»Aber jetzt hast du erst mal Ferien, und die solltest du genießen«, warf Sonja ein. »Und du solltest allmählich wieder in der Männerwelt umschauen. Du kannst dich ja nicht ewig hier verkriechen. Liebeskummer ist schön und gut, aber irgendwann ist's auch genug!« Sonja deutete auf Tinas Frisur. »Apropos. Deine Haartönung könnte eine kleine Auffrischung vertragen. Oder soll ich dir gleich auch einen neuen Schnitt verpassen?«
Tina warf einen raschen Kontrollblick in die spiegelnde Fensterscheibe. Ihre schulterlangen haselnussbraunen Haare fielen glatt zu beiden Seiten ihres schmalen Gesichts herunter. Bis eben hatte sie das für durchaus passabel gehalten. Aber nun kamen ihr Zweifel auf. Hatte Sonja recht? Das Braun war vielleicht etwas langweilig, und die Haarspitzen waren schon wieder ausgefranst.
»Hm«, machte sie nachdenklich.
Da war Sonja schon aufgesprungen und hatte ihr »Rüstzeug« ausgepackt. Sie zückte die Schere: »Wie gut, dass ich immer alles dabei habe!«
Tina seufzte vernehmlich. »Es ist ja sehr praktisch, wenn die beste Freundin Friseurin ist«, sagte sie und schnitt eine liebevolle Grimasse, »aber gleichzeitig nervt es, wenn sie jedes schiefe Härchen entdeckt und daran herummäkelt!«
»Ich biete dir ja bloß meine professionelle Betreuung an. Du solltest froh sein, dass du mich hast. Vergiss nicht, dass du nun wieder auf der freien Wildbahn bist! Da heißt es immer hübsch auszusehen!«
»Aber geh. Ich interessiere mich momentan überhaupt nicht für Männer und bin froh, wenn ich fürs Erste schön unauffällig bleibe.«
»Das kannst du vergessen«, entgegnete Sonja, während sie bereits mit geübten Griffen Tinas Haare in gleichmäßige Strähnen teilte. »Mit deinen großen, himmelblauen Augen bist du nicht zu übersehen. Dazu bist du klein und zart – fehlt nur eine hübsche Frisur, und die Männer liegen dir in Scharen zu Füßen.«
Tina lächelte geschmeichelt.
»Dann mach mal«, erwiderte sie gottergeben.
Sie wusste ja schon seit Kindergartentagen, dass es sinnlos war, Sonja von einer Idee abzubringen, wenn sich diese erst einmal festgebissen hatte.
***
Eine Stunde später waren Tinas Haare um wenige Zentimeter gekürzt und von einem satten Goldschimmer überstrahlt.
»Na bitte«, stellte Sonja zufrieden fest und pustete sich ihrerseits eine dunkle Locke aus der Stirn. »Der Sommer kann kommen! Was hast du eigentlich für Pläne, nun, da du deine Wohnung in Rekordzeit auf Vordermann gebracht hast?«
Tina reagierte mit einem kaum wahrnehmbaren Schulterzucken. Eigentlich sollte sie jetzt mit Markus durch New York spazieren ... Nun, dieses Programm zog der Ex-Verlobte wohl gerade mit einer anderen Frau durch. Tina stellte fest, dass der Gedanke an Markus nicht mehr so schmerzte wie noch vor ein paar Tagen. Sie hatten sich ja wirklich schon vor längerer Zeit voneinander entfremdet und waren nur aus Gewohnheit und Bequemlichkeit ein Paar geblieben. Das alles war ihr erst nach der Trennung so richtig bewusst geworden und inzwischen erkannte sie, dass es immer noch besser war, allein zu sein, als in einer unglücklichen Beziehung. Einzig, dass ihre Urlaubspläne nun hinfällig geworden waren, fand sie bedauerlich. Tatsächlich bereute Tina es beinahe, dass sie sich für das Einrichten der Wohnung nicht mehr Zeit genommen hatte. Denn der Sommer hatte doch gerade erst angefangen, und sie hatte keine Ahnung, was sie an den vielen freien Tagen unternehmen sollte, die noch vor ihr lagen. Andererseits ...
»Habe ich dir eigentlich von der Erbschaft erzählt?«, fragte sie.
Sonja ließ vor Erstaunen die Schere fallen.
»Du hast geerbt? Sag bloß, du bist jetzt eine wohlhabende Frau?«
Tina lächelte. »Aber nein. Es ist nur eine kleine Almhütte im Tiroler Zillertal. Ich habe als Kind dort öfter meine Ferien verbracht – erinnerst du dich?«
»Natürlich. Wie hast du mir damals mit deinen Geschichten den Mund wässrig gemacht! Ständig hast du von der Alm geredet, von den Kühen, vom kuscheligen Hofhund, von Katzenbabys, von Wanderungen mit deinem lieben Onkel und vom Kuchenbacken mit deiner Tante«, zählte Sonja auf. Sie zog eine Grimasse. »Ich war damals ganz schön neidisch, denn ich musste in den Ferien daheim bleiben und Mama in ihrem Friseursalon helfen. Ich hätte auch gern Verwandte auf dem Land gehabt.«
Tina lächelte. »Ja, das waren wahrscheinlich meine schönsten Ferien. Mein Großvater hat mir seine frühere Heimat gezeigt, und so durfte ich auch seinen Bruder und dessen Frau kennenlernen. Du weißt ja wie das bei den Bauern ist: Der älteste Sohn übernimmt die Landwirtschaft, die übrigen Kinder erlernen andere Berufe und verlassen den Hof. Und so war es auch in meiner Familie. Der älteste Sohn – also mein Großonkel Franz – wurde Bauer. Er hatte einen großen Hof in St. Christoph, das ist ein kleines beschauliches Dörfchen im Tiroler Zillertal. Mein Opa aber zog in die Stadt und wurde Lehrer.«
»Dann bist du ja in seine Fußstapfen getreten!«
»Sowieso. Mein Berufswunsch stand schon als kleines Mädchen fest. Obwohl ich in jenem Sommer andere Pläne hatte. Nach meinen Ferien bei Großonkel Franz und Großtante Maria wollte ich unbedingt Bergbäuerin werden!«
»Diese Leute müssen dich ja sehr beeindruckt haben ...«
»Und wie! Vor allem Maria und Franz. Ich erinnere mich noch gut, wie liebevoll die beiden miteinander umgegangen sind. Diese beiden alten Leute waren immer noch verliebt wie ein junges Paar – das war so süß anzusehen. Und ich habe mir damals geschworen, dass ich genau das auch einmal haben will.« Tina verstummte, verzog schmerzlich das Gesicht und fügte hinzu: »Na ja, mit diesem Plan war ich wohl nicht sehr erfolgreich ...«
Sonja legte ihr tröstend den Arm um die Schulter.
»Das kann ja noch werden, Tina. Ich gebe für uns beide die Hoffnung auf Liebesglück noch lange nicht auf. Wahrscheinlich hat sich dieses alte Liebespaar auch erst spät gefunden, und so hat ihre Verliebtheit noch angehalten, als du sie kennengelernt hast.«
»Möglich.« Tina überlegte. »Ich erinnere mich dunkel, dass mein Großvater sogar so etwas erwähnt hat. Maria, die Frau meines Großonkels, kam ja ursprünglich aus Deutschland. Sie war eine richtige Großstädterin mit schicken Kleidern und hochhackigen Schuhen. Sie hatte studiert und war in einem führenden Architekturbüro angestellt. Eines Tages wollte sie ihre Ferien in Italien verbringen, ganz allein, stell dir vor! Das war auch in den 70er-Jahren noch nicht selbstverständlich. Doch dann ist ihr Auto mit Motorschaden auf halber Strecke liegen geblieben. So landete Maria eben in Tirol. Großonkel Franz war zu diesem Zeitpunkt verwitwet und alleinerziehender Vater. Er lebte mit seinen Kindern auf einem großen Bauernhof in St. Christoph. Maria kam, verliebte sich Hals über Kopf in Franz und blieb für immer.«
»Wie romantisch! Das muss wirklich die ganz große Liebe gewesen sein. Denk nur, Tina: Diese Frau hat ja nicht nur eine ganze Familie übernommen, sondern auch ein völlig anderes Leben! – Und sag bloß, dein Großonkel hat dir jetzt seinen Bauernhof vererbt?«
»Aber nein!« Tina lachte. »Der Hof wurde schon vor Jahren verkauft, nachdem seine Kinder und Enkelkinder kein Interesse hatten, den Betrieb weiterzuführen. Inzwischen hat sich die Familie in alle Winde verstreut. Das hochbetagte Ehepaar Franz und Maria lebte bis zuletzt in einem Altersheim nahe bei Innsbruck. Sie besaßen jedoch neben dem Hof noch eine kleines Grundstück in den Bergen mit einer Almhütte, und diesen bescheidenen Besitz haben sie nie verkauft oder an die Kinder weitergegeben.«
Sonja seufzte. »Wahrscheinlich hielten die beiden Alten daran fest, weil sie dort früher so glücklich miteinander gewesen waren!«
Tina lächelte. »So stelle ich es mir auch vor.« Sie seufzte. »Und dann sind die beiden gestorben, kurz hintereinander ...«
»Und du bist die Erbin der Hütte?«, rief Sonja atemlos. »Das ist ja großartig! Wenn du das Almhäuschen verkaufst, kannst du viel Geld herausholen!«
Tina schüttelte energisch den Kopf.
»Kommt gar nicht infrage. Ich habe doch alles, was ich brauche. Ich habe einen schönen Beruf, der mich glücklich macht, und seit Neuestem habe ich auch diese hübsche Wohnung. Ich sehne mich nicht nach einem teuren Auto oder exklusiven Klamotten. Ich bin mit meinem Leben zufrieden und brauche nicht mehr Geld. Deshalb werde ich die Hütte behalten und mir dort eine kleine gemütliche Zuflucht für die Ferien einrichten. Allerdings ...« Sie verfiel in ein kurzes Schweigen und biss sich auf die Unterlippe.
»Was?«, fragte Sonja atemlos.
»Mir gehört leider nur die halbe Hütte.«
»Wie? Die halbe Hütte?«
Tina stand auf und holte den Besen, um ihre dunklen Haarschnippel vom Boden zu kehren.
»Ja, das ist leider der Haken an der Sache. Tatsächlich haben mir die beiden nur die halbe Hütte vererbt. Die andere Hälfte fiel an einen Berliner Bauunternehmer, der nun offenbar das Geschäft seines Lebens wittert. Dieser unsympathische Kerl hat mir tatsächlich gleich durch seinen Rechtsanwalt einen Brief schicken lassen! Er will die Hütte nämlich umbauen und ein kleines Romantikhotel in den Bergen errichten. Dabei würde er natürlich den ganzen Charme dieser Alm zerstören – was diesem Menschen aber egal ist, solange nur die Kassa klingelt!« Tina warf theatralisch die Arme empor, und die gerade aufgekehrten Haarspitzen flatterten wieder über den Küchenboden.
»Seltsam. Weißt du denn, welche Beziehung dieser Berliner zu deinem Onkel hatte?«, fragte Sonja.
»Keine Ahnung. Wahrscheinlich hängt diese komische Erbschaft damit zusammen, dass Maria ja ursprünglich auch aus Berlin stammt. Es wird sich bei diesem Mann wohl um einen ihrer Nachkommen handeln. Allerdings war Maria im Unterschied zu ihrem geldgierigen Verwandten eine wirklich nette Person. Leider kenne ich die Hintergründe nicht, denn ich habe nur Kontakt mit dem Notar, der mich über die Erbschaft informiert hat, und eben mit dem Rechtsanwalt dieses anderen Erben. Und der schickt mir ständig kompliziert getextete Mails im Namen meines Kontrahenten«, fügte sie bitter hinzu. »Der Typ will mir meinen Anteil abkaufen, um frei über die Hütte verfügen zu können. Kurz war ich sogar in Versuchung ... dann könnte ich mir nämlich noch ein neues Sofa fürs Wohnzimmer kaufen. Ich habe so ein hübsches Teil in einem schicken Designerladen in der Innenstadt entdeckt. Sandfarben mit winzigen rosa Punkten ... das würde perfekt in mein Wohnzimmer passen, ist aber weit über meinen finanziellen Möglichkeiten. Aber dann habe ich mich dagegen entschieden. Denn mich schmerzt die Vorstellung, dass dieser widerliche Banause die schöne Almhütte von Maria und Franz für alle Zeit ruinieren würde. Und deshalb lasse ich seine ständig neuen Angebote an mir abprallen.«
Sonja schüttelte ratlos den Kopf.
»Ihr solltet euch zusammensetzen und miteinander reden«, sagte sie dann. Als Friseurin wusste Sonja Gangl, wie wichtig das persönliche Gespräch war. Nun strich sie ihrer Freundin energisch eine vorwitzige Haarsträhne aus der Stirn. »Das kann doch nicht sein, dass man in einer so bedeutsamen Angelegenheit nur schriftlich miteinander verkehrt!«
»Vielleicht ist es ja besser so. Ich habe gegen so einen Wirtschaftsboss ja doch keine Chance. Der zieht mich doch sofort über den Tisch! Ich kann schon von Glück reden, wenn ich seine Mails in eine halbwegs verständliche Sprache übersetzen kann ...«
Sonja, die noch ein fürwitziges Haarsträhnchen in Tinas Nacken entdeckt hatte, holte erneut die Schere aus dem Etui.
»Das ist aber schade«, sagte sie. »Hoffentlich wird das nicht so ein endloser Streit! Eigentlich ist so eine Erbschaft doch eine so schöne Sache, nicht nur wegen dem Geld. Immerhin beweist dir dein Großonkel auf diese Weise auch noch nach seinem Tod, wie gern er dich mochte. Vielleicht ist es ja das Beste, wenn dein Miterbe und du eine gewisse Zeit verstreichen lasst und ihr derweil beide über mögliche Kompromisse nachdenkt.«
Tina wischte sich eine Träne aus dem Augenwinkel.
»Das ist eine schöne Idee, es geht aber leider nicht. Maria und Franz haben in ihrem Testament nämlich eine Klausel gesetzt: Wenn wir uns nicht innerhalb von zwei Wochen einigen, fällt die Almhütte in die Erbmasse des Bauernhofs zurück. Und dann kriegen wir gar nichts.«
»Oh je, das ist hart. So wollten sie wahrscheinlich den Streit verhindern. – Was wirst du jetzt tun?«
