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Die drei Schwestern Olivia, Sophie und Emma feiern Emmas 26. Geburtstag während ihres Urlaubes im Berghotel. Die drei sind übermütig und etwas beschwipst. Beim Spielen von "Wahrheit oder Pflicht" muss sich Emma auf einer Online-Dating-Plattform anmelden und mit mindestens drei Männern Kontakt aufnehmen. Gemeinsam füllen die Schwestern den Fragebogen aus - und bald meldet sich auch schon der erste Kandidat. Es ist der gut aussehende Patrick.
Emma zögert noch, ihm zu antworten, aber als sie kurz nicht aufpasst, entreißt ihr eine der Schwestern das Handy und tippt eine kecke Antwort. Es entspinnt sich ein kleiner Dialog, den Emma allerdings schon bald beendet. Sie sucht den nächsten "Kandidaten", um ihre Aufgabe möglichst bald hinter sich zu bringen. Eigentlich taugt ihr das Ganze so überhaupt nicht. Der zweite Mann entpuppt sich als langweilig, der dritte als unverschämt. Emma atmet innerlich auf, sie hat das dumme Spielchen überstanden. Als sie am nächsten Tag während eines Spaziergangs zufällig Patrick begegnet, ist sie allerdings froh, dass sie sich bei der Dating-App angemeldet hat. Patrick ist in natura noch gut aussehender, und auch mit seinem Charme und Humor kann er punkten. Ob Emma es wagen soll, sich wieder auf einen Mann einzulassen?
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Seitenzahl: 122
Veröffentlichungsjahr: 2022
Cover
Wahrheit oder Pflicht?
Vorschau
Impressum
Wahrheit oder Pflicht?
Drei Schwestern, zwei Wochen Urlaub und eine aberwitzige Idee
Von Verena Kufsteiner
Die drei Schwestern Olivia, Sophie und Emma feiern Emmas 26. Geburtstag während ihres Urlaubes im Berghotel. Die drei sind übermütig und etwas beschwipst. Beim Spielen von »Wahrheit oder Pflicht« muss sich Emma auf einer Online-Dating-Plattform anmelden und mit mindestens drei Männern Kontakt aufnehmen. Gemeinsam füllen die Schwestern den Fragebogen aus – und bald meldet sich auch schon der erste Kandidat. Es ist der gut aussehende Patrick.
Emma zögert noch, ihm zu antworten, aber als sie kurz nicht aufpasst, entreißt ihr eine der Schwestern das Handy und tippt eine kecke Antwort. Es entspinnt sich ein kleiner Dialog, den Emma allerdings schon bald beendet. Sie sucht den nächsten »Kandidaten«, um ihre Aufgabe möglichst bald hinter sich zu bringen. Eigentlich taugt ihr das Ganze so überhaupt nicht. Der zweite Mann entpuppt sich als langweilig, der dritte als unverschämt. Emma atmet innerlich auf, sie hat das dumme Spielchen überstanden. Als sie am nächsten Tag während eines Spaziergangs zufällig Patrick begegnet, ist sie allerdings froh, dass sie sich bei der Dating-App angemeldet hat. Patrick ist in natura noch gut aussehender, und auch mit seinem Charme und Humor kann er punkten. Ob Emma es wagen soll, sich wieder auf einen Mann einzulassen?
Ein Hund! Johanna sah aus dem Fenster ihrer Wiener Innenstadtwohnung und kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Was machte ihre alte, gebrechliche Nachbarin mit einem Hund?
Johanna beugte sich vor und rief: »Guten Morgen, Frau Kammleitner! Geht es Ihnen gut?«
Die alte Dame, die schon damit kämpfte, einen Regenschirm und eine schwere Einkaufstasche zu bändigen, wankte gefährlich am Ende einer straff gespannten Leine.
»Guten Morgen, Fräulein Schweighofer! Ich – zerr doch nicht so, du Untier! – Ja, danke der Nachfrage, mir geht es gut. Stellen Sie sich vor, meine Kinder haben mir einen Hund geschenkt! – Nicht so zerren, hab' ich gesagt! – Die Kinder fanden wohl, ich sei einsam ...«
Jetzt zog Frau Kammleitner auch noch einen schweren Schlüsselbund aus der Tasche und versuchte, das Eingangstor aufzusperren. Das sah nicht gut aus!
»Warten Sie!«, rief Johanna und lief in den Vorraum ihrer Wohnung, schlüpfte schnell in die Gummistiefel, die neben der Tür standen und war auch schon draußen. Gerade noch rechtzeitig. Ein vorüberdonnernder Autobus hatte den Hund erschreckt, dieser war nervös in die Höhe gesprungen und im Begriff, die alte Frau umzuwerfen.
»Aus!«, rief Johanna autoritär, deutete mit der linken Hand gegen den Boden und griff gleichzeitig mit der rechten Hand nach der Leine.
Erstaunlicherweise gehorchte der Hund augenblicklich. Johanna nahm ihrer Nachbarin die Einkaufstasche ab und zog den Hund ins Haus. Jetzt hatte sie erstmals Zeit, sich das Tier genauer anzuschauen.
Sie hatte überhaupt keine Erfahrung mit Hunden und auch nie besonderes Interesse an diesen Tieren gezeigt. Dennoch schien sie etwas richtig zu machen, denn der Hund wartete im perfekten »Sitz« schwanzwedelnd auf weitere Instruktionen ihrerseits.
Es war ein hübsches Exemplar, stellte Johanna fest, etwa kniehoch und mit kurzem, braun-weiß gefleckten Fell. Das Auffallendste an dem Hund waren seine langen Ohren, von denen eines neugierig in der Höhe stand, während das andere frech zur Seite geknickt war. Als der Hund Johannas Blick bemerkte, stellte er auch das zweite Ohr auf und glich nun einem riesigen, freundlichen Kaninchen. Johanna lächelte und streckte dem Tier, ohne lang nachzudenken, ihre Hand entgegen, an der auch sofort ausführlich geschnüffelt wurde.
»Du bist aber ein Lieber«, sagte sie und streichelte dem Tier über das Fell.
»Nicht ganz«, stellte Frau Kammleitner richtig. »Das ist ein Mädchen. Sie heißt Emma. Für mich ist sie leider viel zu stürmisch. Ich hab's doch so mit den Knien und überhaupt: Ich bin froh, wenn ich mit mir selbst zurechtkomme – und jetzt das!« Frau Kammleitner seufzte schwer.
Johanna wunderte sich. »Aber wie kamen Ihre Kinder denn auf die Idee, Ihnen ausgerechnet einen Hund zu schenken?«
»Meine Tochter und mein Sohn haben es gut gemeint. Sie wohnen ja erst seit Kurzem hier im Haus, Fräulein Schweighofer, sonst wüssten Sie, dass meine Kinder vielbeschäftigte Leute sind. Den Hund haben sie aus einem Tierheim. Wäre Emma nicht ein gar so liebes Geschöpf, würde ich sie sofort wieder zurückgeben. Doch ich bring' das nicht übers Herz.«
Johanna half der Dame, ihre Einkäufe, den Regenschirm und den zappelnden Hund in die Wohnung zu schaffen.
An der Tür verabschiedete sie sich: »Wenn Sie Hilfe brauchen, sagen Sie mir bitte Bescheid. Ich habe zwar keine Erfahrung mit Hunden, aber ich habe ein bisschen Zeit, nun, da ich meinen Job gekündigt habe und noch darüber nachdenke, wie es mit mir beruflich weitergehen soll. Ich kann gern einmal mit Emma spazieren gehen oder Ihre Einkäufe übernehmen!«
»Danke, Sie sind ein liebes Kind!«
Kind, dachte Johanna schmunzelnd, als sie wieder in ihre eigene Wohnung zurückkehrte. Ich feiere nächste Woche meinen fünfundzwanzigsten Geburtstag!
***
Im Sporthotel »Am Sonnenhang« in St. Christoph im schönen Tiroler Zillertal, herrschte wie immer hinter den Kulissen eine rege Geschäftigkeit. Nach außen hin verströmte das Personal die gewohnte Atmosphäre der Ruhe und Gelassenheit, welche die vielen Stammgäste so schätzten. Jeder, der hier eincheckte, wusste, dass Tage voller Entspannung warteten.
Das Hotel war auch wirklich gut ausgestattet, denn das Wohl der Gäste stand immer an erster Stelle. Die Küche, die von Chefkoch Leo Hofbacher und »Mehlspeisenkönigin« Rosina Stadler geführt wurde, galt weit über das Zillertal hinaus als hervorragend, und mit dem großen Fitnessraum und einem wirklich ausgetüftelten Wellnessangebot, mit Sportplätzen und einer stimmungsvollen Beauty-Farm war im Hotel auf allen Ebenen für das leibliche Wohl der Besucher gesorgt. Mehr als einmal hatten die Hotelbesitzer, das Ehepaar Kastler, überdies auch das seelische Heil ihrer Gäste zum Besseren gewandelt. Auf ihre herzliche Art nahmen die beiden stets großen Anteil an den Sorgen und Nöten ihrer »Familie« – denn zu ebendieser durfte sich zählen, wer hier übernachtete.
An diesem regnerischen Septembermorgen klopfte die attraktive Hausdame des Hotels, Gerda Stahmer, an die Tür vom Büro. An den meisten Vormittagen war Hedi Kastler hier anzutreffen – mit einem Haferl Milchkaffee und einem vom Frühstück übriggebliebenen Butterkipferl.
»Herein!«, rief Hedis kräftige Stimme auch diesmal, und Gerda öffnete die Tür.
»Ah, Gerda, du bist es. Ist alles in Ordnung?«, erkundigte sich Hedi.
»Ja natürlich. Familie Dinkelmeier hat eben ausgecheckt, die beiden Zimmermädchen richten das Zimmer bereits für die nächsten Gäste her. Im Aufenthaltsraum und Restaurant ist mehr los als sonst – du weißt ja, wie es bei einem Regenwetter ist: Da bleibt man lieber im gemütlichen Hotel. Ich habe unsere Kosmetikerin Gerti gebeten, etwas früher als sonst die Rosenstube aufzusperren. Heut ist grad die richtige Stimmung für eine gute Massage, ein Dampfbad oder eine schöne Maniküre.«
»Gute Idee. Danke, Gerda. Magst du auch noch eine Tasse Kaffee?«
»Gern«, sagte Gerda, zog ihren kniekurzen, eleganten Bleistiftrock aus schwarzer Seide zurecht und nahm am Schreibtisch gegenüber ihrer Chefin und Freundin Platz. Sie beobachtete Hedi, die flink aus ihrem Drehsessel aufgesprungen war und nun geschickt an der Kaffeemaschine hantierte.
Hedi war wirklich eine attraktive Frau. Heute trug die Mittvierzigerin ein dunkelgrünes Dirndlkleid mit schwarzen Samtborten, dazu eine weiße Bluse, deren tiefer Ausschnitt ihren ausladenden Busen betonte. Eine Dirndlschütze in hellerem Grün komplettierte dieses schöne Trachtenoutfit. Um den schlanken Hals trug die Hotelchefin wie immer ein Kropfbandl aus schwarzem Samt, in dessen Mitte ein silbernes Edelweiß prangte. Dieses alte Schmuckstück kam besonders hübsch zur Geltung, weil Hedi wie immer ihre blond gefärbten Haare zu einer adretten, rustikalen Kranzlfrisur hochgesteckt hatte.
Gerda deutete auf Hedis Kleid.
»Ist das neu? Das ist ein hübsches Grün. Ich nehme an, du hast in der Dirndlschneiderei von der Josefa Ladstätter gleich wieder die passenden Halsbandeln für den Andi dazu bestellt?«
»Natürlich. Man soll doch mit dem ersten Blick erkennen, dass wir zwei zusammengehören, der Andi und ich. Und zu seinen Trachtenanzügen passen Samtbandeln halt besonders gut, das ist viel hübscher als Krawatten. Es freut mich, dass dir mein Kleid gefällt!«
Gerda lächelte. »Ich spiele auch wieder mit dem Gedanken an ein neues Dirndl. Aber du weißt ja, ich trage eigentlich lieber elegante Geschäftskleider und Kostüme. Nicht jede Frau hat so eine gute Dirndlfigur wie du.«
Hedi lachte geschmeichelt und blickte zufrieden auf ihre fraulichen Rundungen. Sie stellte ihrer Freundin ein Häferl voll dampfender, schwarzer Flüssigkeit hin.
Gerda bedankte sich und griff nach dem Zuckerstreuer.
»Ich möcht' gern etwas mit dir besprechen«, sagte sie dann, während sie mit dem Löffel in ihrem Kaffee rührte. »Es geht um die Familiensuite, die heute frei geworden ist«, fügte sie hinzu. »Eigentlich war es ja vorgesehen, dass wir die Suite für morgen wieder bereitstellen, da kommt nämlich eine Düsseldorfer Wandergruppe. Ich hätte diese Räume aber gern für meine Freundin Sophie und ihre Schwestern reserviert. Die drei kommen aber erst in vier Tagen.«
»Hm«, machte Hedi nachdenklich, »das heißt, die Suite steht solange leer? Können wir die Düsseldorfer denn überhaupt umquartieren?«
»Im Prinzip schon, aber wir haben jetzt Wandersaison, außerdem kommen um diese Jahreszeit immer wieder Freundesgruppen zum Tennisspielen oder Golfen zu uns. Wenn wir die Suite vier Tage unvermietet lassen, ist das ein Verlust. Trotzdem ...«
»Deine Freundinnen brauchen die Suite unbedingt?«, fragte Hedi interessiert. Sie wusste, dass Gerda ihre Bitte nicht grundlos äußerte.
»Sophie und Olivia wollen hier im Hotel den Geburtstag der jüngsten Schwester feiern, Johanna. Die ganze Reise ist als Überraschung gedacht, Johanna hat noch keine Ahnung. In der Suite sind die Frauen ungestört und belästigen auch die anderen Gäste nicht, falls es etwas lauter werden sollte. Unter normalen Umständen würde ich ihnen natürlich Einzelzimmer zuteilen und sie bitten, zum Feiern in ein Wirtshaus zu gehen. Es ist nur so, dass diese Mädels schon ein wenig vom Schicksal gebeutelt sind, und da würde ich ihnen den Wunsch nicht gern abschlagen.«
»Oh je, vom Schicksal gebeutelt, das klingt net gut. Erzähl, Gerda!«
Gerda Stahmer nahm einen Schluck von ihrem Kaffee.
»Ich bin seinerzeit mit Sophie in Innsbruck zur Schule gegangen. Sie ist die älteste der drei Schweighofer-Mädels. Ich habe nach der Matura die Tourismusschule besucht, Sophie wollte Medizin studieren und Ärztin werden. Sie hat auch in Wien an der Uni inskribiert und zwei Semester bravourös gemeistert. Aber dann starben ihre Eltern bei einem schrecklichen Lawinenunglück. Sophie übernahm daraufhin sofort die Mutterrolle für ihre beiden jüngeren Schwestern. Die beiden jüngeren Mädels zogen nach Wien, und Sophie änderte ihre Pläne und wechselte auf die Krankenpflegeschule. Die mittlere Schwester, Olivia, wurde Lehrerin. Beide heirateten bald und gründeten ihre eigenen Familien. Die Jüngste, Johanna, war eine Weile lang das Sorgenkind, denn sie war beim Tod der Eltern erst fünfzehn Jahre alt, und der Verlust traf sie sehr hart. Sophie und Olivia haben sich wirklich rührend um das Kind gekümmert. Es hat sich dann sehr gut gefügt, dass Johanna schon mit siebzehn einen sehr netten Burschen kennen- und lieben gelernt hat. Die Beziehung war von Anfang an ziemlich ernst.«
»Na bitte«, fiel Hedi ihrer Freundin ins Wort. »Dann ist doch eh alles gut ausgegangen!«
»Nicht ganz. Anfangs war es toll. Johanna wurde von Lukas' Eltern warmherzig und mit offenen Armen in der Familie aufgenommen. Nach der Matura begann sie im Familienbetrieb, einer Gärtnerei, im Büro zu arbeiten und zog auch gleich in das große Haus. Aber dann ...« Gerda stockte kurz, sie rührte mit dem Löffel klappernd in ihrem Häferl, dann erst sprach sie weiter: »Lukas und Johanna haben sich vor zwei Jahren verlobt und wollten eigentlich heuer im Sommer heiraten. Doch vor wenigen Monaten ist Johanna draufgekommen, dass Lukas sie betrügt. Daraufhin hat sie ihre Sachen gepackt und ist aus der Villa seiner Eltern ausgezogen. Sie nahm sich eine kleine Wohnung in Wien und ist jetzt ganz allein. Ihre Schwestern machen sich Sorgen.«
»Hat sie denn auch ihren Job aufgegeben?«, erkundigte sich Hedi.
Gerda nickte, und ihre dunklen, perfekt geschnittenen Haare legten sich dabei in einer exakten Linie über ihre Schulter.
»Die Eltern haben ihren Töchtern genug Geld hinterlassen. So kann sich Johanna ruhigen Gewissens ein Jahr Auszeit nehmen, um herauszufinden, was sie mit ihrem Leben in Zukunft anfangen möchte. Diese Frage, die sich andere jungen Leute mit achtzehn stellen, ist bei ihr halt erst jetzt aktuell geworden.«
Hedi runzelte die Stirn. »Ich kann mir gut vorstellen, dass sich ihre großen Schwestern ein bisschen für das Unglück verantwortlich fühlen«, sagte sie nachdenklich. »Nicht, dass sie eine Schuld daran tragen, dass dieser Kerl seine Braut quasi vor dem Altar sitzengelassen hat. Aber es war damals wohl eine große Erleichterung für sie, dass die kleine Schwester von ihrer Schwiegerfamilie so gut aufgenommen wurde. Vor allem, wenn die beiden selbst Familien gegründet haben, wie du sagst.«
»Ja, da ist was dran. Sophie hat inzwischen drei, Olivia hat zwei Kinder. Die beiden stehen mitten im Leben und haben dabei womöglich wirklich die Warnsignale übersehen. Johanna hingegen hat sich wahrscheinlich so sehr nach einer intakten Familie gesehnt, dass sie bereit war, länger als notwendig mit einem Mann zusammen zu leben, der sich schon von ihr abgewandt hatte. Aber ich will das gar nicht psychologisch zerpflücken. Man kann ja doch net reinschauen in die Menschen ...«
»Da hast du recht, Gerda! Ich verstehe aber, warum du deine Freundinnen in der Suite unterbringen willst, wo sie ganz unter sich sein können. Und es spielt doch wirklich keine große Rolle, wenn uns dadurch die eine oder andere Buchung durch die Lappen geht. Sag den Zimmermädeln, sie sollen die Suite hübsch herrichten, ein paar Blumerl in die Vasen stellen und Schokolade auf die Kopfkissen legen. Deine Freundin und ihre Schwestern sollen sich hier wohlfühlen. Hoffentlich kann die Kleine in unserem schönen Haus ihren Kummer vergessen und neue Pläne schmieden!«
Die Kleine. Gerda schmunzelte. In ihren Augen war Johanna Schweighofer wirklich noch ein kleines Mäderl mit langen, dunkelblonden Zöpfen. Dabei wurde die junge Frau in wenigen Tagen sechsundzwanzig Jahre alt.
***
Zuerst machte es »Rumms«, dann folgte ein lautes Krachen. Der Rollkoffer, den Patrick Schwienbacher neben dem Wagen abgestellt hatte, hatte sich selbstständig gemacht. Oder auch nicht. Der große, schwarzzottelige Hund schaute schuldbewusst zu seinem Herrchen und wedelte zaghaft mit dem Schwanz.
»Oh nein, Mythos, hast du den Koffer etwa angestupst? Was erwartest du dir davon? Das Ding hat Rollen, und wir stehen auf einem Berg!«
Seufzend band der junge Mann die lederne Hundeleine am Gartenzaun fest und rannte seinem Koffer hinterher. Nach einer rasanten Talfahrt war das Ding in einen Baum gekracht und danach in eine Regenpfütze gekippt. Na super. Das fing ja gut an!
Trotz seines Schreibtischjobs als Journalist und Fachbuchautor war Patrick Schwienbacher ein sportlicher Typ. Das verriet auch seine Statur: Er war groß und schlank, seine dunklen, leicht gelockten Haare waren zu einem modischen Männerdutt hochgebunden. Er trug zerrissene Jeans und nagelneue rote Sneaker, ein weißes T-Shirt. Für einen Dreißigjährigen eine annehmbare Aufmachung – auch wenn sich das Weiß des T-Shirts in den nächsten Sekunden in ein matschiges Braun verwandeln würde.
