Das Berghotel 288 - Verena Kufsteiner - E-Book

Das Berghotel 288 E-Book

Verena Kufsteiner

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Beschreibung

Der arme Bergbauernsohn Dominik Haberstätter und Simon Großfurthner, Sohn eines reichen Großbauern, sind beste Freunde und unzertrennliche Bergkameraden. Auch Marie Kraml ist stets bei den Bergtouren mit von der Partie. Ihr neuester Erfolg ist die Besteigung des Mont Blanc. Während Dominik am Abend nach dem Abstieg die Erlebnisse in seinem Buch festhält, feiern Simon und Marie ihren Erfolg. Sie trinken beide viel, tanzen, lachen und landen im Rausch ihrer Glücksgefühle zusammen im Bett.
Marie allerdings ist gar nicht ernsthaft an Simon interessiert, sie hegt schon länger Gefühle für Dominik, und auch ihm geht es nicht anders. Bevor er zu einer dreimonatigen Trekkingreise nach China aufbricht, gesteht er Marie während eines romantischen Spaziergangs in St. Christoph endlich seine Gefühle, und es kommt zu einem Kuss. Marie ist selig. Sie wird warten. Doch dann kommt alles anders, als sie feststellt, dass sie von Simon schwanger ist. Sie gesteht ihm die Neuigkeit, und er macht ihr einen Heiratsantrag. Marie bittet jedoch um Bedenkzeit. Sie will mit Dominik sprechen, kann ihn aber nicht erreichen. Als sie gar nichts von ihm hört, beschließt sie, Simons Heiratsantrag anzunehmen ...


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Seitenzahl: 122

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Inhalt

Cover

Freunde am Berg, doch Rivalen in der Liebe

Vorschau

Impressum

Freunde am Berg, doch Rivalen in der Liebe

Zwei Männer kämpfen um das Herz derschönen Marie

Von Verena Kufsteiner

Der arme Bergbauernsohn Dominik Haberstätter und Simon Großfurthner, Sohn eines reichen Großbauern, sind beste Freunde und unzertrennliche Bergkameraden. Auch Marie Kraml ist stets bei den Bergtouren mit von der Partie. Ihr neuester Erfolg ist die Besteigung des Mont Blanc. Während Dominik am Abend nach dem Abstieg die Erlebnisse in seinem Buch festhält, feiern Simon und Marie ihren Erfolg. Sie trinken beide viel, tanzen, lachen und landen im Rausch ihrer Glücksgefühle zusammen im Bett.

Marie allerdings ist gar nicht ernsthaft an Simon interessiert, sie hegt schon länger Gefühle für Dominik, und auch ihm geht es nicht anders. Bevor er zu einer dreimonatigen Trekkingreise nach China aufbricht, gesteht er Marie während eines romantischen Spaziergangs in St. Christoph endlich seine Gefühle, und es kommt zu einem Kuss. Marie ist selig. Sie wird warten. Doch dann kommt alles anders, als sie feststellt, dass sie von Simon schwanger ist. Sie gesteht ihm die Neuigkeit, und er macht ihr einen Heiratsantrag. Marie bittet jedoch um Bedenkzeit. Sie will mit Dominik sprechen, kann ihn aber nicht erreichen. Als sie gar nichts von ihm hört, beschließt sie, Simons Heiratsantrag anzunehmen ...

In den Personalräumen des Sporthotels »Am Sonnenhang« im malerischen St. Christoph herrschte große Aufregung. Heute sollte das beliebte Zimmermädchen Marie Kraml aus dem Urlaub zurückkommen. Normalerweise wäre das freilich kein Grund zum Feiern, aber Marie war drei Wochen zuvor aufgebrochen, um Großes zu leisten.

Mit ihren beiden Freunden Dominik Haberstätter und Simon Großfurthner hatte die passionierte Bergsteigerin den Montblanc erklimmen wollen – und der war mit 4.807 Metern der höchste Berg der Alpen. Tagelang hatten die Daheimgebliebenen voller Anspannung auf Nachrichten aus Frankreich gewartet. Letzte Woche war dann auf allen Handys gleichzeitig ein Foto aufgepoppt: Es zeigte eine strahlende Marie, die von ihren beiden Freunden umrahmt wurde, neben dem Gipfelkreuz des Mont Blanc. Von den Gesichtern der erfolgreichen Bergsteiger war unter den leuchtend bunten Kapuzen ihrer dicken Anoraks nicht viel zu erkennen, nur eine hellblonde Haarsträhne hatte sich fürwitzig aus Maries Zopf gelöst und flatterte ihr ins Gesicht.

Hotelchefin Hedi Kastler hatte nicht lange gezögert und das Bild sofort ausgedruckt und an die Pinwand hinter der Rezeption gehängt. Alle waren sie stolz auf Marie, die seit ihrer Kindheit auf den Bergen des Zillertaler Umlandes herumkraxelte, und die sich mit dieser Besteigung einen langgehegten Traum erfüllt hatte. Für die beiden Männer war ein Fünftausender keine neue Erfahrung, denn Dominik Haberstätter und Simon Großfurthner hatten ihre Karrieren ganz dem Bergsteigen gewidmet. Marie hingegen betrieb den Sport nur noch als Hobby – eben meistens mit den beiden Freunden gemeinsam – und die Fünfundzwanzigjährige hatte nun allen Grund, zu jubeln.

Am heutigen Juninachmittag wurde Marie wieder in ihrem Elternhaus erwartet, und gleich morgen früh würde sie im Hotel ihre Arbeit als Zimmermädel wieder aufnehmen. Davor aber hatten die beiden Hotelbesitzer Hedi und Andreas Kastler zu einem kleinen Umtrunk geladen, um ihre sportlich so erfolgreiche Angestellte hochleben zu lassen. Nun warteten alle auf Maries Ankunft.

Sogar Tobias, der kleine Sohn des Gärtners Franz Kroneder war gekommen und hielt am Eingangstor des Hotels Ausschau nach Marie. Allerdings galt das Interesse des Buben weniger dem sportlichen Zimmermädchen als den Bauernkrapfen, die Chefkoch Leo Hofbauer zur Feier des Tages herausgebacken und mit frischem Preiselbeerkompott gefüllt hatte.

Andi Kastler, der Siebenundvierzigjährige Hotelbesitzer, rückte das grüne Samtbandl seines Trachtenanzugs zurecht. An einem heißen Frühsommertag wie heute zwickte dieses Accessoire besonders stark in den Hals. Aber Andi wusste, dass es zwecklos war, sich zu beschweren, wenn seine Hedi es so haben wollte. »Wir sind eine Hotelfamilie und stolz auf unsere Marie«, hatte sie erklärt. »Da ist es das Mindeste, dass wir sie nach ihrer Glanzleistung entsprechend würdevoll begrüßen!« Für den Andi bestand der Aufputz dann eben in dem Trachtenband – denn eine Krachlederne und ein fein kariertes Hemd trug er sowieso jeden Tag.

Dass Andis um drei Jahre jüngere Ehefrau Hedi ein hübsches Dirndlkleid trug, war hingegen nichts Besonderes, denn die schöne Tiroler Trachtenmode war nun einmal Hedis Markenzeichen. Das lag nicht nur an der Tiroler Tradition, welche die Kastlers besonders schätzten, sondern auch daran, dass Hedi ein gutes Gespür dafür hatte, was ihr passte. Sie hatte eine wohlgeformte, dralle Figur und war in einem Dirndlkleid eine rechte Augenweide. Ihr stattlicher Busen kam in den tief ausgeschnittenen, weißen Dirndlblusen gut zur Geltung, und die eng taillierten, bunt beschürzten Kleider mit den schwingenden Röcken taten das Übrige. Hedi Kastler besaß unzählige Dirndlkleider, die allesamt aus einer altehrwürdigen Dirndlschneiderei in Kufstein stammten, »wo man halt noch weiß, wie ein Saum von Hand zu nähen ist!«, wie Hedi stets betonte.

Heute trug Hedi ein hellblau-weiß kariertes Kleid mit dunkelblauer Schürze. Die blondierten Haare hatte die Hotelbesitzerin wie immer zu zwei Zöpfen geflochten und rund um den Kopf zur eleganten Kranzlfrisur hochgesteckt. In ihren Ohren schimmerten dezente, aber teure Stecker, deren glitzernde Steine kleine Edelweiß darstellten. Um den Hals trug Hedi ein blaues Kropfband aus Samt. Weil es richtig eng anlag, hatte Hedi auch wenig Verständnis für Andis Gejammer.

»Mach kein Theater, Schatzl«, sagte sie und drückte ihrem Gespons ein herzhaftes Busserl auf die Wange, um gleich darauf festzustellen: »Hättest dich aber schon noch extra rasieren können! Du stichst!«

»Das wird die Marie kaum stören«, maulte Andi leise. »Denn so nahe werde ich ihr net kommen!«

Hedi lächelte ihn glücklich an.

»Nein. Du gehörst mir allein, mein Schatz. Und ist schon recht«, sie streichelte ihm kurz über die Wange, »mir gefällst du eh auch stoppelbärtig!«

Da ertönte vom Eingang her auch schon das Gekreisch von Tobias Kroneder: »Sie kommen! Sie kommen! Sie kommen!«

Tatsächlich kam Marie in Begleitung ihrer beider Bergkameraden. Unter ihren zum Rossschwanz zurückgebundenen langen, hellblonden Haaren leuchteten die blitzblauen Augen freudestrahlend. Lachend und braungebrannt umarmte Marie ihre Chefin und strich dem Kroneder-Buben über die Stoppelfrisur. Die beiden Männer, die neben ihr durch das Tor getreten waren, blieben lächelnd ein wenig zurück, um der Freundin den Triumph zu gönnen. Einer der beiden war groß, hager und dunkelhaarig, der andere war eher vierschrötig und seine Haare hatten einen beinahe rötlich schimmernden Goldton.

»Die sind auch beide stoppelbärtig«, raunte Andi seiner Hedi zu, bevor er den dreien mit ausgestrecktem Arm fröhlich entgegeneilte. »Herzliche Gratulation zum Gipfelsieg!«, rief er und zückte sein Handy, um die drei Bergsteiger zu fotografieren.

Diese rückten lachend eng aneinander. Als der großgewachsene Dominik seine Hand auf Maries Schulter legte, schob sich Simon rasch dazwischen und schlang seinen Arm um ihre Hüfte. Sofort wich Dominik einen Schritt zurück. Auf dem Foto störte das nicht, denn er überragte die beiden anderen sowieso. Hedi Kastler war diese kleine Bewegung jedoch nicht entgangen.

Soso, dachte sie. Um die Marie gibt's also ein Gerangel. Nun, das wundert mich nicht.

Während die quirlige Marie aufgeregt erzählte – und dabei immer wieder von neugierigen Fragen ihrer Kolleginnen und Kollegen unterbrochen wurde, hatten sich die beiden Männer mit Andi Kastler bei drei Krügerln Bier in das Biergartl unter einen blühenden Kastanienbaum gesetzt.

»Danke, dass ihr gut auf unsere Marie aufgepasst habt«, sagte Andi und prostete den beiden zu.

»Aber das ist doch selbstverständlich«, lachte der wortgewandte Simon Großfurthner.

Als Sohn eines der reichsten Bauern von St. Christoph war es Simon gewohnt, im Mittelpunkt zu stehen.

Sein Freund Dominik war hingegen eher von der schweigsamen Sorte.

Aber nun meldete auch er sich zu Wort: »Die Marie braucht keinen Aufpasser«, sagte er bestimmt. »Die ist gescheit genug, um die richtigen Entscheidungen zu treffen. Sie würde sich auch beim Berggehen nicht übernehmen und wäre lieber kurz vor dem Gipfel umgekehrt als ihre Kraft zu überschätzen.«

Andi nickte zufrieden. Er warf einen vorsichtigen Blick zur Hotelterrasse, wo Marie immer noch von ihren Freunden umringt stand und erzählte. Nachdem er Hedi mitten in der Gruppe erblickte und er feststellen konnte, dass sie gerade nicht hersah, lockerte er mit dem Zeigefinger sein Samtbandl.

Dann fragte er: »Und wie geht es jetzt mit euch beiden weiter?«

»Ich werde jetzt einmal für eine Weile mit dem Bergsteigen pausieren«, sagte Simon. »Der Vater wartet ja schon mit der Hofübergabe. Er ist nimmer der Jüngste und hat mir genug Zeit eingeräumt, um meiner Leidenschaft, dem Bergsteigen, nachzugehen. Ich fürchte, dass ich die Steigeisen erst einmal an den Haken hänge und mir stattdessen die Stallstiefel anziehen muss ...«

»Bereust du das?«, wollte Andi Kastler wissen.

Simon zuckte mit den Schultern.

»Es macht vieles auch leichter. Wenn ich nicht ständig im Training bin, darf ich mir guten Gewissens das eine oder andere Krügerl schmecken lassen, und während Dominik in der Kraftkammer trainieren muss, werde ich in der Diskothek mit den Mädels tanzen!« Er warf seinem Freund einen spöttischen Blick zu, der aber, wie Andi Kastler feststellte, nicht frei von Neid war.

»Und du?«, wandte sich der Hotelbesitzer an den schweigsamen Dominik.

Dieser lächelte versonnen. »Ich wage mich jetzt tatsächlich ans Hochgebirge. Schon in drei Wochen geht es los, dann besteige ich im zentralasiatischen Pamirgebirge, an der Grenze zwischen Tadschikistan und China zwei Siebentausender. Wenn mir das gelingt, werde ich meine Erfahrungen in einem Buch zusammenschreiben. Ein Verlag hat schon angefragt und sein Interesse bekundet.«

»Das sind ja großartige Neuigkeiten!«, rief Andi begeistert.

Aus dem Augenwinkel registrierte er, dass Simon betont gelangweilt auf seine Uhr schaute, während Dominik erzählte.

»Hm«, sagte Andi, stets um Ausgleich bemüht. »So ist also das Leben: Der eine hat eine Familie und viel Geld, muss dafür aber sein Erbe antreten. Der andere ist ein ungebundener armer Schlucker, dafür ist er frei« – er deutete auf Dominik und fügte schnell hinzu: »Das mit dem armen Schlucker ist freilich net bös gemeint, Dominik!«

Dieser lachte aber nur. »Ist ja genauso so. Früher musste ich mit abgetragenen Bergschuhen und einer abgenützten Ausrüstung vorliebnehmen, während dieser Großprotz da«, er kniff seinen Freund lachend in den Arm, »stets das neueste Equipment hatte. Zum Glück habe ich meinen Weg trotzdem gemacht, denn unser alter Lehrer, der Fritz Wallner, hat uns immer nur gefördert. Jetzt bin ich frei zu gehen, wohin ich will.« Er schwieg ein paar Sekunden, dann fügte er hinzu: »Aber ich wäre lieber ›unfrei‹ und hätte meine Eltern noch ...«

Andi Kastler räusperte sich verlegen.

»Das glaub ich dir. Aber ich habe deine Eltern gut gekannt und weiß, dass sie jetzt sehr stolz auf dich wären!«

Auch Simon nickte seinem alten Schulfreund Dominik herzlich zu.

»Du weißt aber schon, dass du auf meinem Bauernhof immer willkommen bist?«

»Ja, freilich weiß ich das«, erwiderte der schlanke Dominik und fuhr sich mit der Hand durch das kurzgeschnittene, dunkle Haar. »Aber wart' nur ab, Simon! Über kurz oder lang bist du ein verheirateter Mann, und dann brauchst du das Gästezimmer für deine zahlreichen Sprösslinge!«

»Oh nein!«, protestierte Simon lachend. »Ich werde wohl ein ewiger Junggeselle bleiben. Das Flirten macht mir viel zu viel Spaß, um mich an eine einzige Frau zu binden! Diese Unabhängigkeit ist halt meine Freiheit, und die geb' ich so bald net auf!«

Dominik machte ein Gesicht, als wollte er widersprechen, und Andi Kastler beobachtete, wie die dunklen Augen des hochgewachsenen Mannes kurz zur Terrasse schweiften, wo Marie gerade herzhaft und glockenhell lachte.

»Ich glaub, ich bin da anders gestrickt«, gestand er leise. »Wenn ich die Richtige finde, dann greife ich zu und werde sie für immer festhalten!«

»Ich wünsche euch beiden, dass ihr genau die richtigen Frauen für eure Lebenswege findet«, sagte Andi und hob neuerlich sein Glas. »Prost! Auf den Großfurthnerhof! Auf das Pamirgebirge!«

***

Jeden Vormittag, wenn die abreisenden Gäste verabschiedet waren, die Zimmer aufgeräumt, gereinigt und alle Betten gemacht waren, kehrte im Berghotel stets für ein paar Minuten Ruhe ein. Dann war es immer so, als würde das ganze Personal zwischendurch kurz aufschnaufen. Auch Hotelchefin Hedi Kastler gönnte sich um diese Zeit gern eine kleine Kaffeepause, und wenn ihr Andi gerade unterwegs war oder er mit einem Hotelgast auf dem Golfplatz in Kitzbühel eine Partie spielte, trank Hedi gern mit ihrer Freundin Gerda Stahmer eine Tasse Kaffee, bevor beide ihr Tagewerk fortsetzten.

Gerda Stahmer war schon seit vielen Jahren die verlässliche Rezeptionistin und Hausdame, welche hinter den Kulissen dafür sorgte, dass der Hotelbetrieb reibungslos ablief. Die Mittdreißigerin schätzte die täglichen Kaffeepausen in Hedis Büro, denn sie hatte weder gegen einen Cappuccino noch gegen einen netten Plausch etwas einzuwenden. Da das Leben der beiden Freundinnen abseits vom Hotelbetrieb in ganz unterschiedlichen Bahnen verlief – Hedi war glücklich verheiratet, Gerda immer noch auf der Suche nach ihrem Märchenprinzen – ging den beiden der Gesprächsstoff niemals aus. Heute hatte sich Marie Kraml zu den beiden gesellt.

Sowohl Hedi als auch Gerda hatten anerkennend festgestellt, dass das Zimmermädel auch am Tag nach ihrer Rückkehr aus dem Hochgebirge ganze Arbeit geleistet hatte, und deshalb hatte Hedi die junge Frau eingeladen, an der Kaffeepause in ihrem Büro teilzunehmen.

Marie nahm das Lob mit einem verlegenen Lächeln an.

»Das ist doch selbstverständlich, Frau Kastler«, sagte sie. »Mein Urlaub ist ja vorbei. Dass Sie mich gestern so nett empfangen haben, war fast so schön wie mein Gipfelsieg, dafür will ich mich herzlich bedanken!«

»Na sicher«, lachte Hedi. »Wir sind doch stolz auf unsere Bergsteigerin!«

Sie griff in eine der Schubladen und holte eine angebrochene Packung Schokoladenkekse heraus, die sie nun herumreichte. Dabei hielt sie ein wachsames Auge auf ihre junge Angestellte. Kam es ihr nur so vor oder machte Marie einen bedrückten Eindruck? Schon gestern hatte sie eine kurze Verdunkelung in Maries blauen Augen bemerkt, welche trotz aller Freude über die geschaffte Leistung immer wieder momenthaft das hübsche Gesicht getrübt hatte.

Solange Gerda mit im Zimmer saß, wollte Hedi aber nicht nachfragen. Überhaupt war sie eine, die sich ihren Angestellten immer für persönliche Gespräche anbot, sich aber niemals aufdrängte. Hedi Kastler, die keine Kinder hatte, verstand sich halt ein bisschen als Mutter, vor allem, wenn es um die jüngeren Leute ging.

Gerda hingegen war vielen der jüngeren Angestellten eine gute Freundin, und sie konnte ihre Neugier manchmal nur schwer zügeln.

»Jetzt sag' einmal, Marie«, fragte die Rezeptionistin auch schon mit vorgerecktem Kopf, während sie drei Haferl Kaffee auf ein Tablett stellte. »Wie ist das so, als einzige Frau mit zwei Männern auf Urlaub zu fahren?«

Marie lächelte scheu. »Ach, Dominik und Simon sind doch meine Jugendfreunde. Wir haben schon in der Sandkiste miteinander gespielt«, meinte sie abwehrend. »Auch wenn die beiden Burschen um zwei Jahre älter sind als ich!«

Gerda nickte. »Diese Vertrautheit ist am Berg sicher wichtig.«

»Ja«, versicherte Marie. »Wir drei können uns wirklich blind aufeinander verlassen. Ich bin ja nur manchmal mit von der Partie und deshalb nicht so gut trainiert – aber die Burschen nehmen immer Rücksicht auf mich. Vor allem der Dominik.«