Das Berghotel 293 - Verena Kufsteiner - E-Book

Das Berghotel 293 E-Book

Verena Kufsteiner

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Beschreibung

Blauer Himmel, Sonne, glitzernder Schnee - einen schöneren freien Tag kann sich Dennis Lackner kaum vorstellen. Nach dem Flockenwirbel der vergangenen Woche zeigt sich der über dem Zillertal thronende Feldkopf bei Kaiserwetter wahrhaft von seiner Schokoladenseite. Nachdem sich Dennis insgesamt dreimal die anspruchsvolle Abfahrtspiste heruntergestürzt hat, ist es jetzt, am späten Nachmittag, an der Zeit, den Tag zünftig ausklingen zu lassen. Und welcher Ort bietet sich da besser an als die bei Einheimischen wie Touristen beliebte Almhütte? Wie fast immer sieht er dabei alte Bekannte und Freunde wieder, tratscht und quatscht über alte Zeiten, die im harten Arbeitsalltag manchmal unendlich weit weg erscheinen. Hier heroben ist das alles für einige Stunden vergessen.
Zumindest so lange, bis ihm in der Menge ein Gesicht auffällt, das er viele Jahre zu verdrängen versucht hat. Dennis blinzelt, und als er wieder aufblickt, ist das Antlitz verschwunden. Doch er ist sich sicher, es sich nicht eingebildet zu haben. Es war Janine Huber, seine große Liebe, die ihn vor sieben Jahren verlassen hat ...


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Seitenzahl: 122

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Inhalt

Cover

Wiedersehen am Feldkopf

Vorschau

Impressum

Wiedersehen am Feldkopf

Wenn zwei Herzen erneut entflammen

Von Verena Kufsteiner

Blauer Himmel, Sonne, glitzernder Schnee – einen schöneren freien Tag kann sich Dennis Lackner kaum vorstellen. Nach dem Flockenwirbel der vergangenen Woche zeigt sich der über dem Zillertal thronende Feldkopf bei Kaiserwetter wahrhaft von seiner Schokoladenseite. Nachdem sich Dennis insgesamt dreimal die anspruchsvolle Abfahrtspiste heruntergestürzt hat, ist es jetzt, am späten Nachmittag, an der Zeit, den Tag zünftig ausklingen zu lassen. Und welcher Ort bietet sich da besser an als die bei Einheimischen wie Touristen beliebte Almhütte? Wie fast immer sieht er dabei alte Bekannte und Freunde wieder, tratscht und quatscht über alte Zeiten, die im harten Arbeitsalltag manchmal unendlich weit weg erscheinen. Hier heroben ist das alles für einige Stunden vergessen.

Zumindest so lange, bis ihm in der Menge ein Gesicht auffällt, das er viele Jahre zu verdrängen versucht hat. Dennis blinzelt, und als er wieder aufblickt, ist das Antlitz verschwunden. Doch er ist sich sicher, es sich nicht eingebildet zu haben. Es war Janine Huber, seine große Liebe, die ihn vor sieben Jahren verlassen hat ...

Sonne, Schnee, nette Leute – einen schöneren freien Tag konnte sich Dennis Lackner kaum vorstellen. Nach dem Flockenwirbel der vergangenen Woche zeigte sich der weit über dem Zillertal thronende Feldkopf bei Kaiserwetter wahrhaft von seiner Schokoladenseite.

Nachdem Dennis sich insgesamt dreimal die selbst für Profis stellenweise anspruchsvolle Abfahrtspiste heruntergestürzt hatte und jedes Mal voller Motivation wieder mit dem Lift nach oben gefahren war, war es jetzt, am späten Nachmittag, an der Zeit, den Tag zünftig ausklingen zu lassen. Und welcher Ort hätte sich da besser angeboten als die bei Einheimischen wie Touristen beliebte Almhütte?

Wie fast immer sah er dabei alte Bekannte und Freunde wieder, tratschte und quatschte über alte Zeiten, die im harten Arbeitsalltag manchmal unendlich weit weg erschienen. Hier, auf den Außentischen der scheinbar über dem Feldkopf-Massiv schwebenden Hütte, war das alles für einige Stunden vergessen.

Zumindest so lange, bis ihm in der Menge der sich um das Holzhaus wuselnden Menge ein Gesicht auffiel, das er viele Jahre zu verdrängen versucht hatte. Dennis blinzelte, und als er wieder aufblickte, war das Antlitz verschwunden. Doch er war sich sicher, es sich nicht eingebildet zu haben. Es war Janine Huber gewesen, die ihn direkt angestarrt hatte ...

***

»Hey, was ist denn mit dir los?«, fragte Nina, das Serviermadel, als sie die halbe Haxe vor ihm abstellte. »Du siehst aus, als hättest du einen Geist gesehen.«

»Vielleicht hab ich das auch.«

Dennis sank förmlich in sich zusammen und hätte sich am liebsten hinter dem halb mit alkoholfreiem Bier gefüllten Glas verkrochen, das er zum Unmut seiner alten Freunde bestellt hatte. Die ehemaligen Schulkameraden waren glücklicherweise längst ins Tal abgezogen, sodass er sich ihnen gegenüber nicht mehr erklären musste, warum er nicht aufstand und nach dem bekannten Gesicht in der Menge suchte. Jedenfalls war ihm der Hunger auf die zünftige Mahlzeit gründlich vergangen.

»Willst du net drüber reden?«, fragte Nina, die eigentlich in Wien studierte und nur in den Semesterferien bei ihrem Onkel, dem Wirt der Feldkopf-Hütte, aushalf.

Dennis seufzte, riss sich aber endlich wieder zusammen.

»Ich glaube, ich hab Janine gesehen«, gab er zu.

»Dieses Lugntschippl!«

»Nina!«

»Ist doch wahr ...«

Wenn ihm nach einem wirklich nicht der Sinn stand, dann ausgerechnet mit Nina über Janine zu diskutieren. Die Mathematik-Studentin hatte in ihrer gemeinsamen Schulzeit nichts unversucht gelassen, Dennis davon zu überzeugen, dass sie und keine andere die Richtige für ihn war. Sie war ja wirklich hübsch, sportlich und energisch, doch leider auch sehr verbissen und von sich selbst eingenommen, weshalb der Funke zwischen ihnen nie so recht übergesprungen war. Zwischen Janine und ihm dagegen war das ganz anders gewesen, was zur Folge hatte, dass sie für Nina zu einem wahren Feindbild geworden war. Dabei war sie es, die sich selbst mit ihrer Art im Weg stand.

Ohne sich noch einmal der mit betretenem Gesicht abziehenden Nina zuzuwenden, zog er nun doch die Haxe, deren Dunkelbiersoße wieder mal sehr intensiv roch, zu sich heran und begann sich in das Spezialgericht des Hüttenwirts zu vertiefen. Wirklichen Hunger verspürte er dabei nicht, zumal seine Gedanken immer wieder in die Vergangenheit abglitten.

Er sah sich selbst als jungen Burschen, wie er mit Janina auf abenteuerliche Bergtouren gegangen war, sie in holprigen Mountainbike-Touren manche Wälder durchpflügt hatten oder einfach nur über eine blühende Bergwiese gelaufen waren. Das Madel mit den stets zu einem langen Zopf gebundenen, hellbraunen Haaren war schon immer ein Wildfang gewesen, eine Charaktereigenschaft, die besonders seinem Vater nicht besonders gefiel. Seine Idealvorstellung war schon immer ein gefestigtes, ruhiges, pflichtbewusstes Mädchen als Freundin und spätere Ehefrau seines einzigen Sohnes, der eines Tages das seit fast hundert Jahren im Familienbesitz befindliche Sägewerk erben sollte.

Dennis hatte das alles überhaupt nicht interessiert und war nach der Matura sogar bereit gewesen, sein altes Leben im Zillertal hinter sich zu lassen und mit Janine hinaus in die Welt zu ziehen, so sehr war er in sie verliebt gewesen. Beiden war es gelungen, sich einiges anzusparen, er, weil er schon früh im Sägewerk zu arbeiten begonnen hatte, sie als Serviermadel im Hendlwirt, dem Lokal ihres Vaters.

Dann war leider alles anders gekommen. Als Dennis bereits einen Ring für seine Freundin gekauft hatte und bereit gewesen war, sie – eigentlich wie selbstverständlich – um ihre Hand anzuhalten, hatte sie sich Hals über Kopf in einen anderen Mann verliebt. In einen Jet-Setter, wie er sich selbst nannte, während andere ihn als Betrüger, Heuchler oder Blender bezeichneten. Jochen Berg war sein Name gewesen, ein damals Fünfunddreißigjähriger, dunkelhaariger und durchtrainierter Tourist, der Janines Welt völlig auf den Kopf stellte. Dennis' Vater hatte sich über ihn informiert und erfahren, dass er im Verdacht stand, mehrere Millionen Euro mit diversen Anlagebetrügereien ergaunert zu haben. Trotzdem hatte Janine Dennis für Jochen verlassen und war Hals über Kopf aus dem Tal verschwunden. Ein kurzes Telefonat war der letzte Kontakt zwischen ihnen gewesen, und das nach so langer Zeit, die sie da schon ein Paar gewesen waren.

Die Wunde, die sie dadurch in sein Herz gerissen hatte, war nie ganz verheilt. Noch heute, sieben Jahre später, kämpfte er oft mit sich, eine neue Beziehung einzugehen, die meist nicht lange anhielt. Deshalb war sein Vater kürzlich auch auf die glorreiche Idee gekommen, ihn mit der Weber-Lissie, der Tochter eines Geschäftspartners, zu verkuppeln. Zuerst hatte Dennis sich mit Händen und Füßen dagegen gewehrt, am Ende war er dann aber doch bereit gewesen, sich an diesem Abend mit ihr zu treffen. Nur seinem Vater zuliebe, wie er immer wieder betonte.

Und nun war ihm Janines Gesicht erschienen! Nein, nicht erschienen – er war davon überzeugt, sie wirklich gesehen zu haben. Dennis war alles, nur kein Träumer, sondern jemand, der mit beiden Beinen im Leben stand und in der Firma auch oft hart anpackte. Da hatte er keine Zeit, sich in den hintersten Winkel seines Hirnkastls zu verziehen und alten Geschichten nachzuhängen, mochten sie auch noch so schmerzhaft sein.

»Na, hat's doch geschmeckt?«

Ninas Stimme schreckte ihn aus seinen Gedanken auf. Er war so in seinen Gedanken versunken gewesen, dass er nicht mehr mitbekommen hatte, wie die gesamte Haxe samt Kruschpel sowie das Kraut und die Knödel in seinen Magen gewandert waren. Zumindest hielt sich noch etwas von dem herrlichen Geschmack auf seiner Zunge, wenngleich er ihn seltsamerweise überhaupt nicht tangierte.

»Ja, sicher«, erwiderte er und versuchte zu lächeln.

»Und, was macht die Aussicht?«

Das Serviermadel spielte sicher auf seine Beobachtung an. Dennis tat so, als wäre ihm das nicht aufgefallen.

»Schön, wie immer«, erwiderte er stattdessen.

Seine ehemalige Schulkameradin warf ihm einen zweifelnden Blick zu.

»Sicher«, sagte sie nur, drehte sich schwungvoll um und rauschte ab. Anscheinend war sie wieder einmal enttäuscht, dass er sie lediglich als alte Bekannte wahrnahm und nicht als das hübsche Dirndl, das sie war. Aber er kannte eben ihren wahren Charakter.

Dennis lehnte sich zurück und rieb sich den Bauch. Das mächtige Essen lag ihm ganz schön schwer im Magen, was sicher daran lag, dass er mit den Gedanken ganz woanders gewesen war. Ein wenig Bewegung würde ihm sicher guttun, wobei er mit den Brettl'n sicher keine große Wanderung mehr starten konnte.

Schweigend beobachtete er den regen Verkehr auf dem Plateau, das allerdings nicht den Gipfel des Feldkopfs einschloss. Dieser befand sich noch einige Meter weiter oben und wurde quasi von der Wetterstation markiert, von der aus sich der beste Blick auf die umliegende Bergwelt und das kleine, verträumte Örtchen St. Christoph bot, in dem er früher viel Zeit verbracht hatte. Ein in der Altstadt gelegenes Café war das Lieblingslokal von Janine und ihm gewesen ...

Dennis fluchte über sich selbst, winkte ein anderes Serviermadel herbei und beglich die Rechnung. Anschließend ging er zu seinen Skiern, warf sie sich über die Schulter und nahm den kurzen Weg in Richtung der Bergstation der Kabinenbahn in Angriff.

Er kam jedoch nur wenige Meter weit. Als er sich noch einmal zu jener Stelle umdrehte, an der er seine Ex-Freundin in der Menge gesehen hatte, hätte ihn fast der Schlag getroffen. Genau dort stand Janine noch immer, drückte die Arme gegen die Brust und starrte ihn mit großen Augen an.

***

Sein Herz begann zu rasen. Diesmal konnte er sich nicht damit rausreden, sich getäuscht zu haben oder dass sie längst wieder über alle Berge war. Nichts und niemand stand mehr zwischen ihnen, sodass er dazu gezwungen war, sich ihr und damit auch seinen Gefühlen zu stellen.

»Janine, bist du's wirklich?«, stellte er eine selten dämliche Frage, für die er sich fast auf die Zunge gebissen hätte. Nach all den Jahren hätte ihm wohl kaum eine schlechtere Begrüßung einfallen können.

Die immer noch wunderschöne Frau mit den Rehaugen, den hellbraunen, nun kurz geschnittenen Haaren und der schwarzen Wollmütze auf dem Kopf nickte zögerlich. Weiterhin schlang sie sich die Arme um die Brust, als würde sie frieren, was bei diesen Wetterverhältnissen fast unmöglich war. Dennis wusste es sowieso besser – so hatte sie schon früher dagestanden, wenn sie unsicher oder nervös gewesen war, was nun wirklich nur sehr selten vorgekommen war. Dass sie sich bei ihrem Wiedersehen so verhielt, ließ wohl tief blicken, wenn man das bei ihrem für ihn so undurchsichtigen Charakter wirklich behaupten konnte.

»Hast du mir nichts zu sagen?«, fragte Dennis nun deutlich ernster und gefestigter.

Erst war er von ihrem Auftauchen geschockt gewesen, anschließend für einen Moment lang glücklich, doch nach und nach erfasste ihn die unwahrscheinliche Enttäuschung, die er schon vor sieben Jahren verspürt hatte.

Janine schluckte. Tränen schimmerten in ihren Augen. Beinahe hätte sie sich von ihm abgewandt, nur sein auf ihr ruhender Blick belehrte sie eines Besseren.

»Ich«, begann sie leise, »hab dich sehr vermisst.«

Ihre Worte ließen Dennis innerlich vereisen. Längst hatte er die Skier von seiner Schulter gleiten lassen und neben sich aufgestellt. Der Griff seiner Hände krampfte sich so stark um die langen Latten, dass er fast fürchtete, sie zerbrechen zu können. Sie hatte ihn also vermisst? War sie hier aufgetaucht, um ihm das zu sagen? Ja, er hatte sie damals auch vermisst, sich wochenlang nach ihr gesehnt und kaum den Lebensmut zurückgefunden, weil er nie eine wirkliche Erklärung für ihren plötzlichen Stimmungsumschwung gefunden hatte. Innerhalb weniger Tage war die heile Welt ihrer Freundschaft zerbrochen, ebenso ihre gemeinsamen Zukunftspläne. Und nun sagte sie ihm ausgerechnet so etwas.

Nach langem Zögern löste sich Janine aus ihrer Position und ging auf ihn zu. Beinahe wäre Dennis zurückgewichen, ließ es jedoch geschehen und wartete ab, was geschah. Gerade einmal einen Schritt von ihm entfernt blieb sie stehen und streckte die linke Hand nach seiner Wange aus, bevor sie sie wieder zurückzog. Immer wieder wanderte ihr unsicherer Blick von seinem Gesicht ab und hinunter ins Tal.

»Ich könnte es nicht ertragen, wenn du sagst, dass du mich hasst«, hauchte sie hervor. »Aber verstehen würd ich's. Ich will mich gar nicht erst dafür entschuldigen, was vor sieben Jahren geschehen ist, denn ich weiß genau, was ich dir damit angetan habe. Du hattest mir ja schon einen Ring gekauft, das habe ich gewusst, obwohl ich es dir gegenüber nie zugegeben habe. Alles ist anders gekommen, ich war so furchtbar unreif, habe einen großen Fehler gemacht und sieben Jahre meines Lebens vergeudet. Jetzt stehe ich mit nichts da als dem, was ich am Körper trage, und einem Vater, dem ich über die Jahre fremd geworden bin. Ich will es wiedergutmachen, Dennis, deshalb bin ich vor einer Woche nach Wiesing zurückgekehrt. Allein, ich hab es nicht geschafft, die paar Meter nach Jenbach zu gehen und mit dir zu reden. Und da ich wusste, dass du an so einem wunderschönen Tag bestimmt hier hinauf zum Skifahren gehen würdest, bin ich auch hinauf zur Almhütte gefahren und habe darauf gehofft, dass wir uns hier treffen.«

Dennis atmete mehrmals tief ein und aus, bevor er zu einer Erwiderung fähig war: »Du willst also alles wiedergutmachen.«

Die Braunhaarige Wirtstochter nickte energisch. Wieder schien es, als würde sie nach ihm greifen oder gleich in die Arme fallen wollen, doch sein ernster Gesichtsausdruck schien sie jedes Mal von ihrem Vorhaben abzuhalten.

»Es gibt keine Möglichkeit, die Zeit zurückzudrehen und die sieben Jahre zurückzugeben, die ich uns gestohlen habe«, gab sie zu. »Aber ich bitte dich, gib uns noch eine Chance. Wir können es auch ganz langsam angehen lassen und ...«

»Nein!«

Seine Erwiderung war so plötzlich erfolgt, dass Dennis selbst von ihr überrascht wurde. Janine traf sie noch härter. Sie fuhr wie vom Blitz getroffen zusammen, schien um mehrere Zentimeter zu schrumpfen und sah ihn an, als wäre gerade etwas in ihr zerbrochen.

»Dennis, bitte, ich ...«

»Red jetzt nicht weiter«, fiel er ihr erneut ins Wort. »Es gibt kein ›uns‹ mehr, nicht nach deiner Entscheidung damals und nach so langer Zeit. Ich habe mein Leben weitergelebt und gelernt, ohne dich zurechtzukommen. Wie du siehst, ist mir das auch ziemlich gut gelungen. Für das, was du mir damals angetan hast, gibt es keine Entschuldigung, und ich will auch nichts weiter darüber hören. Lass mich einfach in Ruhe!«

Ohne die Reaktion seiner Ex-Freundin abzuwarten, packte er seine Skier, drehte sich um und ging davon. Dass er dabei selbst eine Träne nicht verdrücken konnte, sollte Janine auf keinen Fall sehen.

***

»Herzlich willkommen im Zillertal«, begrüßte Hedi Kastler die beiden neu eingetroffenen Gäste in ihrem Sporthotel »Am Sonnenhang«, das bei vielen Einheimischen wie Touristen inzwischen meist nur das »Berghotel« genannt wurde. Wie so oft ließ sie sich das besondere Vergnügen nicht nehmen, den neu eingetroffenen Besuchern einen ersten Eindruck des Hotels zu vermitteln, das sie seit Jahren erfolgreich mit ihrem Mann Andi führte.