Das Berghotel 295 - Verena Kufsteiner - E-Book

Das Berghotel 295 E-Book

Verena Kufsteiner

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Beschreibung

Fiona Hellwegs Ehe wird kurz vor ihrem fünfzigsten Geburtstag geschieden. Die Buchhändlerin braucht dringend einen Tapetenwechsel und reist spontan nach St. Christoph ins Berghotel. Da sie nicht reserviert hat, kann Hedi Kastler ihr nur noch das Hochzeitszimmer anbieten. Fiona fühlt sich völlig fehl am Platz, sollte sie die Reise doch gerade von ihrer zerbrochenen Liebe ablenken und nicht mit der Nase noch darauf stoßen!
Doch schon am nächsten Morgen beim Frühstück entdeckt sie einen Mann, der ihre Aufmerksamkeit fesselt. Er trägt einen englischen Tweedanzug, seine dunklen Haare sind zu einem Kurzhaarschnitt frisiert. Und Fiona muss sich eingestehen, dass sie ihn unglaublich anziehend findet. Insgeheim erinnert er sie an den großen Helden ihres Lieblingsromans, wie er allein und mit diesem ernsten Gesichtsausdruck inmitten der Menge fröhlicher Gäste sitzt. Plötzlich hebt der der Fremde seinen Kopf und sieht Fiona an. Gefesselt von seinem durchdringenden Blick ist Fiona kaum in der Lage, sich zu rühren - und ihr Herz klopft wild in ihrer Brust ...


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Seitenzahl: 130

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Inhalt

Cover

Für die Liebe ist man nie zu alt

Vorschau

Impressum

Für die Liebe ist man nie zu alt

Heimatroman um eine verspätete Chance zum Glück

Von Verena Kufsteiner

Fiona Hellwegs Ehe wird kurz vor ihrem fünfzigsten Geburtstag geschieden. Die Buchhändlerin braucht dringend einen Tapetenwechsel und reist spontan nach St. Christoph ins Berghotel. Da sie nicht reserviert hat, kann Hedi Kastler ihr nur noch das Hochzeitszimmer anbieten. Fiona fühlt sich völlig fehl am Platz, sollte sie die Reise doch gerade von ihrer zerbrochenen Liebe ablenken und nicht mit der Nase noch darauf stoßen!

Doch schon am nächsten Morgen beim Frühstück entdeckt sie einen Mann, der ihre Aufmerksamkeit fesselt. Er trägt einen englischen Tweedanzug, seine dunklen Haare sind zu einem Kurzhaarschnitt frisiert. Und Fiona muss sich eingestehen, dass sie ihn unglaublich anziehend findet. Insgeheim erinnert er sie an den großen Helden ihres Lieblingsromans, wie er allein und mit diesem ernsten Gesichtsausdruck inmitten der Menge fröhlicher Gäste sitzt. Plötzlich hebt der der Fremde seinen Kopf und sieht Fiona an. Gefesselt von seinem durchdringenden Blick ist Fiona kaum in der Lage, sich zu rühren – und ihr Herz klopft wild in ihrer Brust ...

Gleißendes Licht erhellte die Lobby des Sporthotels »Am Sonnenhang«. Der Geruch von Zirbelholz erfüllte den weitläufigen Raum und vermischte sich mit dem Aroma frischer Schnittblumen, die als frühlingshafte Arrangements auf den Tischen und halbhohen Bauernschränken verteilt waren. Gerda Stahmer, die dunkelhaarige Hausdame des Hotels, stand an der Rezeption und buchte für ein junges verliebtes Pärchen einen Termin zum Paragliding. Als dieses sich fröhlich von ihr verabschiedete, sah sie durch den Eingang Hedi und Andi Kastler eintreten. Dabei hatte sich die Hotelchefin bei ihrem Mann untergehakt. Ihr fröhliches Lachen klang noch immer, als beide schließlich Gerda erreichten.

»Servus, Gerda«, begrüßte Andi seine treue und pflichtbewusste Mitarbeiterin. »Du, heute musst du ein bisserl auf mein Spatzl aufpassen. Sie glaubt nämlich, Liebe liegt in der Luft.« Zwinkernd wandte er sich wieder seiner Frau zu, die ihn freundschaftlich in die Seite stieß.

»Mei, dass du mich fei immer so pflanzen musst! Ich habe nur gesagt, dass der herrliche Sonnenschein und die frische Luft Frühlingsgefühle wecken«, stellte Hedi klar und konnte sich ein freches Grinsen nicht verkneifen.

»Na, da hörst du sie selbst«, ulkte Andi weiter.

»Servus, ihr beiden!«, begrüßte Gerda ihre Vorgesetzten und lachte. »Na, wenn man euch so sieht, könnte man aber meinen, dass die Frühlingsgefühle von euch beiden Besitz ergriffen haben.«

Andi schüttelte gespielt theatralisch den Kopf.

»Wann ist unser Personal fei so aufmüpfig geworden?«

Nun riss Gerda empört den Mund auf, und alle drei mussten herzig lachen.

»So, Anderl, jetzt aber an die Arbeit! Heute haben wir wahnsinnig viel zu tun. Und wegen den Frühlingsgefühlen brauchst dir auch keine Sorgen zu machen, die habe ich fei nur für dich, mein Schatzl.«

Das ließ sich Andi nicht zweimal sagen. Zum Abschied gab er seiner Frau, die an diesem Tag ein herrlich ausgeschnittenes Dirndl mit Blumenmuster in Rosatönen trug, einen sanften Kuss auf die Wange. Dann begab er sich auf die Suche nach Kilian Garnreiter, sein Mann für alle Fälle, mit dem er die Abholung der neuen Kutsche besprechen wollte.

»Also, womit fangen wir heute einmal an?«, fragte Hedi nun ihre Mitarbeiterin, die ihr mittlerweile so vertraut wie eine Freundin war.

Dabei legte sie ihre Handtasche beiseite und warf direkt einen Blick in das Buchungssystem. Gerda fasste kurz zusammen, welche Gäste am heutigen Tag einchecken und welche abreisen würden.

»Gegen zehn Uhr erwarten wir eine zwölfköpfige Reisegruppe aus Deutschland und dann wird da noch der Herr Doktor Gruber aus Wien anreisen. Da wir voll belegt sind und die andere Reisegruppe nach dem Frühstück abreisen wird, werden sich die Zimmermadeln spurten müssen.«

Während beide Frauen angestrengt auf den Monitor starrten, trat unbemerkt eine Frau in die sonnenbeschienene Lobby des Hotels. Mit unsicheren Schritten näherte sich die hübsche Blondine, deren glatte Haare offen über ihre Schultern lagen.

»Grüß Gott«, sagte sie, doch ihre Stimme war so leise und die aus dem Restaurant hingegen so laut, dass Hedi und Gerda die Unbekannte gar nicht kommen hörten. »Grüß Gott«, wiederholte sie daher lauter, und beide Frauen hoben daraufhin ihren Blick. Ein freudiges Lächeln legte sich auf Hedis Gesicht.

»Grüß Gott, was können wir für Sie tun?«, fragte sie ihren neuen Gast herzig.

Jeder, der der Hotelchefin einmal begegnete, konnte sich ihrer warmen Art nicht entziehen. Und so legte sich auch auf das Gesicht der Frau ein Lächeln, wenn auch noch verhalten.

»Es dauert mich, dass ich net gebucht habe, aber ich wollte Sie fragen, ob Sie vielleicht trotzdem ein Zimmer für mich frei hätten. Schauen's, ich bin den ganzen Weg von Wien hierhergefahren. Ich weiß, ich hätte vorher reservieren müssen, aber es war eine Spontanidee und ...«

»Nun machen Sie sich mal keine Sorgen. Viele unserer Gäste kommen spontan zu uns«, beruhigte Hedi die unbekannte Frau und hoffte, dass diese ihren kleinen Schwindel nicht bemerken würde. »Jetzt schauen wir einfach mal, ob wir net was Schönes für Sie finden.« Mit diesen Worten schaute sie noch mal im Buchungssystem nach. Doch so sehr sie auch suchte, waren doch alle Zimmer belegt. Bis auf eins.

»Wir haben noch ein Zimmerl frei, aber da muss ich Sie warnen.«

Mit großen dunklen Augen blickte die Frau sie an. Mit ihrer rechten Hand steckte sie sich eine vorwitzige Strähne hinter's Ohr.

»Ist's die Besenkammer?«

Hedi lachte kurz auf. Hinter der schüchternen Frau steckte eine humorvolle Seele.

»Na, ganz so schlimm ist's net. Aber es ist unser Hochzeitszimmerl. Das ist das einzige, das noch frei ist.«

Das Lächeln der Frau erstarb. Ein dunkler Schatten legte sich auf das schöne Gesicht, dessen Linien von Lebenserfahrung zeugten und ihrem Antlitz einen ganz besonderen Charme verliehen.

»Na ja, wenn sonst nix frei ist, nehme ich fei das Hochzeitszimmer.«

Als Hedi erkannte, dass die Frau bedrückt wirkte, setzte sie jedoch hinzu: »Dafür überlass ich es Ihnen zum einfachen Preis. Hochzeitsrabatt für Alleinreisende sozusagen.«

Der Aufheiterungsversuch fruchtete, und die Frau stellte lächelnd ihren Koffer neben sich ab.

»Wenn der Chef nix dagegen hat, nehme ich das Angebot gerne an«, sagte sie.

Hedi beugte sich etwas nach vorn und versicherte ihr in einem verschwörerischen Ton: »Ich bin sicher, der Chef ist damit einverstanden.«

***

Was hatte sie sich nur dabei gedacht? Stocksteif stand Fiona in der Tür und wagte es kaum, einen Schritt vorzumachen. Als sie jedoch Gelächter den Flur hinaufkommen hörte, gab sie sich einen Ruck und betrat ihr neues Schlafgemach. Mit einem leichten Tritt gegen die Tür schloss sie diese und ließ resigniert ihren Koffer auf den Boden fallen. Auch hier fiel das gleißende Sonnenlicht durch die Sprossenfenster, die von rotkarierten Vorhängen umrahmt waren. Alle Möbel wirkten auf charmante Weise antik und zeigten bunte, von Hand gemalte Verzierungen. Der Raum wurde dominiert von einem herrlichen Himmelbett, dessen Bezüge auf die Teppiche farblich abgestimmt waren. Dass es sich um ein Hochzeitszimmer handelte, war unverkennbar. Allein das Bett schrie geradezu nach Romantik und Verliebtheit. Auch die zwei Täfelchen Schokolade auf den Kopfkissen machten deutlich, dass dieses Ambiente fei für zwei Personen gedacht war und nicht für eine alleinstehende Frau.

Langsam ging Fiona zu dem Bett und nahm sich die Schokoladetafeln, die sie auspackte und sich beide gleichzeitig in den Mund steckte. Immerhin gab es Hoffnung, dass sie jeden Tag die doppelte Portion Schokolade bekommen würde.

Erschöpft ließ sie sich auf das Bett sinken. Die Uhr an ihrem Handgelenk zeigte an, dass es erst kurz nach neun Uhr war. Zu dieser Zeit würde sie normalerweise die Angebotsware vor den kleinen, urgemütlichen Buchladen stellen, den sie so sehr liebte. Danach würde sie die Bestellungen durchgehen und sich noch ein schnelles Haferl Kaffee machen, bevor die ersten Kunden eintreffen würden.

Stattdessen saß sie in einem Hochzeitszimmer und verputzte schon am frühen Morgen Schokolade. Und doch hatte sie keinen anderen Ausweg gesehen. Nach den Anstrengungen der letzten Monate war es ihr unmöglich erschienen, auch nur einen einzigen Tag wie gewohnt weiterzumachen. Gerade der gestrige Vorfall hatte ihr komplett den Boden unter den Füßen weggezogen. Ein Jahr lang hatte sie Zeit gehabt, sich auf diesen Moment vorzubereiten. Und doch war es, als hätte jemand eine Lanze in ihr Herz gestoßen und es somit zum Erliegen gebracht. Seitdem fühlte sie sich tot. Als sie danach mit geröteten Augen in den Laden gegangen war, hatte ihre Schwester Anna sofort gesehen, wie mitgenommen Fiona gewesen war. Sie war es schließlich gewesen, die ihr nahegelegt hatte, einen ausgiebigen Urlaub zu machen. Ein Tapetenwechsel wäre jetzt genau das Richtige, hatte sie gesagt. Und was wäre erholsamer als eine Reise ins wunderschöne Zillertal, wo sie die Vergangenheit einfach mal zurücklassen konnte.

Fiona, die den Laden gemeinsam mit ihrer Schwester führte, hatte erst protestiert, da sie sie mit der Arbeit nicht hatte allein lassen wollen. Doch Anna hatte ihr versichert, dass sie das zusammen mit ihrer Aushilfe schaffen würde. Nur widerstrebend hatte sich Fiona von dem Vorschlag überzeugen lassen, jedoch eingewilligt, als sie daran gedacht hatte, wie es sein würde, nach Ladenschluss allein in ihre kleine, kahle Wohnung zu kommen. Diese bewohnte sie zwar schon seit einem Jahr, doch war sie ihr immer noch fremd. Vermutlich, weil sie sich immer noch keine Mühe gegeben hatte, sie gemütlich einzurichten. Lediglich die nötigsten Möbel und unzählige Umzugskartons befanden sich darin. Das einzig Persönliche, das erkennen ließ, dass es sich um Fionas Wohnung handelte, waren ihre Bücher. Da hatte sie es nicht übers Herz gebracht, sie eingepackt in den Kartons liegen zu lassen.

Hatte sie gedacht, er käme zurück? Hatte sie etwa immer noch Hoffnung gehabt, obwohl er schon so lange mit seiner Freundin zusammenlebte und ihr nichts überlassen hatte als den Scherbenhaufen ihrer gemeinsamen Vergangenheit? Seit gestern war nun auch der letzte Funken Hoffnung begraben. Bei dem Gedanken füllten sich ihre Augen mit Tränen. Doch sie wollte nicht weinen. Nicht schon wieder. Die Zeit der Trauer war vorbei. Jetzt sollte es erst einmal nur um sie gehen. Wozu sonst war sie in den Urlaub nach St. Christoph gefahren?

Entschlossen stand Fiona von dem gemütlichen Bett auf und ging zu ihrem Koffer. Mit einem Ruck öffnete sie den Reißverschluss. Obenauf lag ihre Kleidung. Sie packte sie zu einem großen Stapel und verstaute sie in dem wunderschönen Bauernschrank, dessen Holz immer noch seinen urigen Duft verströmte. Dann ging sie wieder zu dem Koffer und entdeckte ihre Lieblinge. Der Graf von Monte Christo. Die Liebe in den Zeiten der Cholera. Stolz und Vorurteil. Und Romeo und Julia. Diese würde sie nicht im Schrank verstauen. Sie waren viel zu schön, um versteckt zu werden. Also legte sie ihre Bücher liebevoll auf das kleine Beistelltischerl nahe des Fensters, das von der Sonne unberührt blieb.

Falls St. Christoph ihr nicht die nötige Ablenkung verschaffen würde, dann bestimmt ihre liebsten Geschichten. Wenn die Männer doch nur so heldenhaft wie die großen Romanhelden wären!

***

»Hedi«, atemlos kam Rosi Stadler auf die Hotelchefin zu. »Hedi, Jessas Maria! Ist heute aber der Teufel los.«

Hedi beobachtete amüsiert, wie sich die fesche Konditorin und Köchin des Hotels vornüberbeugte und wieder streckte, um zu Atem zu kommen.

»Mei, was ist denn in dich gefahren, Rosi? Trainierst du für den Marathon?«

»Herrschaftszeiten, genügend Kilometer habe ich heute längst hinter mir. Aber schau, was ich dir mitgebracht habe.«

Und erst jetzt fiel Hedi das Schmankerl auf dem Teller auf, den Rosi in ihrer Hand hielt.

»Ist das für mich? Ach Rosi, du bist ein Schatzl!«

»Ich habe mir fei gedacht, dass du sicher noch kein Pauserl gemacht hast.«

Hedi nahm den Teller entgegen.

»Hast du heute frische Apfeltascherl gebacken? Wie das duftet, Rosi!« Dann kam ihr eine Idee. »Kannst du ein Tascherl auf unser Hochzeitszimmerl bringen lassen? Wir haben da nämlich einen Gast, den ich diesmal ganz besonders verwöhnen möchte. Und womit ging das besser als mit deinen Schmankerln?«

Mit diesen lobenden Worten bekamen die Apfelwangen der Konditorin eine noch rosigere Färbung als zuvor.

»Wird gemacht, Hedi. Und jetzt gönn dir mal ein Pauserl und lass dir das Tascherl schmecken, gell?« Damit verschwand die resolute Frau wieder in der Küche.

Zufrieden setzte Hedi sich auf den Stuhl hinter der Rezeption, als auch Gerda wieder zurückkam.

»Lass mich raten: Rosi glaubt, du brauchst ein Pauserl.«

»Wenn du hurtig in die Küche gehst, bekommst du sicher auch noch ein Apfeltascherl«, erwiderte Hedi und biss genüsslich in das noch warme Gebäck.

»Ich hatte schon das Vergnügen. Bis gerade habe ich den Zimmermadeln geholfen, damit alles rechtzeitig fertig wird und neu bezogen werden kann. Aber für Rosis Schmankerl habe ich mir freilich ein Momenterl Zeit genommen.« Ein Seufzen ging durch die Hausdame, die nicht nur die Oberhand über die Zimmermädchen führte, sondern auch über die allgemeine Ordnung. »Weißt du, irgendwie bekommt man ja gar nix mit von dem herrlichen Frühlingstag, wenn so viel los ist.«

Auch Hedi musste sich eingestehen, dass sie vor lauter Arbeit keinen Augenblick zur Ruhe gekommen war.

»Ich glaube, ich hab da eine Idee. Aber das mag ich erst mal mit dem Anderl besprechen.«

Gerda, die das Glitzern in Hedis blauen Augen bemerkt hatte, wusste, dass diese wieder einen Plan ausheckte.

Gerade als die Hotelchefin ihren Teller abgestellt hatte, öffnete sich der Eingang zur Lobby. Der Mann, der ins Hotel trat, bot einen ungewöhnlichen Anblick in dem feinen Anzug aus kariertem Tweed.

»Grüß Gott, mein Name ist Doktor Andreas Gruber und ich habe reserviert.« Mit durchdringenden ernsten Augen blickte er Hedi an.

Diese reagierte blitzgescheit und antwortete: »Mei, dann sind Sie der Literaturdozent aus Wien? Herzlich willkommen bei uns in St. Christoph!«

Mit einem strahlenden Lächeln empfang sie den neuen Gast, der dieses jedoch nicht erwiderte.

»Wo finde ich mein Zimmer, gnädige Frau?«

»Aus Ihrem Zimmer haben Sie eine ausgezeichnete Aussicht auf den Feldkopf.«

»Nun ja, ich bin ja net wegen der Aussicht hier, sondern aus beruflichen Gründen.«

Die Reserviertheit des Mannes irritierte Hedi, doch war sie geübt darin, auf die unterschiedlichen Umgangsformen und Bedürfnisse ihrer Gäste einzugehen.

»Freilich werden Sie dort genügend Ruhe zum Arbeiten finden, Herr Doktor Gruber.«

Mit diesen Worten händigte sie ihm den Schlüssel aus und veranlasste, dass sein Gepäck aufs Zimmer gebracht wurde. Mit einem höflichen Nicken bedankte sich Dr. Andreas Gruber und verabschiedete sich.

»Sag einmal, der scheint mir aber eine richtige Zeitreise hinter sich zu haben«, raunte Gerda ihrer Chefin zu, als der Mann außer Hörweite war.

»Ein bisserl altmodisch wirkt er schon.«

»Na, eher wie aus der Zeit gefallen«, verbesserte Gerda.

Hedi schaute dem Mann noch kurz hinterher. Nicht nur sein gesamtes Erscheinungsbild strahlte Autorität aus. Auch jede seiner Bewegungen wirkte absolut selbstsicher.

»Weißt du, ich glaube, hier in St. Christoph wird er fei aus der Reserve gelockt«, erwiderte Hedi.

***

Es war schon später Abend, als die Kastlers das Hotel endlich verlassen konnten. Gemeinsam schlenderten sie gemächlich den Hügel hinauf, wo nach einem kurzen Weg ihr kleines Häuserl versteckt lag.

»Sag mal, war das net ein wundervoller Frühlingstag heute, Anderl?«, fragte Hedi und hob ihren Blick in Richtung Sternenhimmel.

»Sicher, mein Spatzl. Aber im Büro bekommt man fei net so viel davon mit.«

»Heute war aber auch wahnsinnig viel zu tun, gell? Ich habe kaum Luft holen können. Und in den nächsten Wochen sind wir völlig ausgebucht. Da wird's kaum ruhiger werden.«

»Meinst, wir sollten vielleicht noch ein paar Aushilfskräfte einstellen, Hedi?«

»Na, ich glaube, die Arbeit schaffen wir schon noch. Ich würde nur so gern diese herrliche Frühlingszeit im Hotel festhalten.«

»Wie stellst du dir das denn vor?« Andi, der die Vorlieben seiner Frau wahrlich kannte, ahnte bereits, was Hedi vorschlagen würde.

»Was hältst du davon, wir feiern im Hotel ein Frühlingsfest? Mit Blumen, Tanz, gutem Essen und fröhlicher Musik? Etwas, woran sich die Gäste noch lange erinnern würden.«