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Im Berghotel wird eine Gala zu Ehren von Bertl Friedmann, der Bergsteigerlegende von St. Christoph, veranstaltet. Er hat als junger Mann die anspruchsvollsten Gipfel der Welt bestiegen und später beim Film Karriere gemacht. Dort lernte er seine Frau kennen, die Schauspielerin Luisa Stein. Hedi ist ein großer Fan der Filmdiva, vor allem erinnert sie sich gerne an einen Kriminalfilm, bei dem es um einen Juwelenraub ging. Luisa hat damals die Chefin einer Diebesbande gespielt. Die Diva hat auch im wirklichen Leben ein Faible für Schmuck. Ihre Polansky-Brosche ist weltberühmt. Es ist ein Erbstück aus ihrer ersten Ehe, als sie mit einem Grafen verheiratet war. Andreas und Hedi Kastler bitten die Schauspielerin, das wertvolle Schmuckstück im Hotelsafe aufzubewahren. Aber Luisa Stein winkt ab. Im idyllischen St. Christoph gibt es doch keine Hoteldiebe! Abends auf der Gala sind alle Blitzlichter auf die funkelnde Brosche gerichtet. Und am nächsten Morgen ist sie verschwunden ...
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Seitenzahl: 122
Veröffentlichungsjahr: 2024
Cover
Dem Hoteldieb auf der Spur
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Impressum
Dem Hoteldieb auf der Spur
Ein mitreißender Liebeskrimi aus dem Berghotel
Von Verena Kufsteiner
Im Berghotel wird eine Gala zu Ehren von Bertl Friedmann, der Bergsteigerlegende von St. Christoph, veranstaltet. Er hat als junger Mann die anspruchsvollsten Gipfel der Welt bestiegen und später beim Film Karriere gemacht. Dort lernte er seine Frau kennen, die Schauspielerin Luisa Stein. Hedi ist ein großer Fan der Filmdiva, vor allem erinnert sie sich gerne an einen Kriminalfilm, bei dem es um einen Juwelenraub ging. Luisa hat damals die Chefin einer Diebesbande gespielt. Die Diva hat auch im wirklichen Leben ein Faible für Schmuck. Ihre Polansky-Brosche ist weltberühmt. Es ist ein Erbstück aus ihrer ersten Ehe, als sie mit einem Grafen verheiratet war. Andreas und Hedi Kastler bitten die Schauspielerin, das wertvolle Schmuckstück im Hotelsafe aufzubewahren. Aber Luisa Stein winkt ab. Im idyllischen St. Christoph gibt es doch keine Hoteldiebe! Abends auf der Gala sind alle Blitzlichter auf die funkelnde Brosche gerichtet. Und am nächsten Morgen ist sie verschwunden ...
An diesem Spätfrühlingstag herrschte im Berghotel Am Sonnenhang schon am frühen Morgen reger Betrieb. Bereits seit Tagen bereitete Hotelchefin Hedi Kastler gemeinsam mit ihrem Team alles für eine große Galaveranstaltung vor, die an diesem Samstag – morgen – stattfinden sollte. Und da gab es viel vorzubereiten!
Hedi eilte ununterbrochen zwischen der Küche, dem Garten und dem Büro hin und her. Schließlich sollte dieser besondere Abend ohne Pannen über die Bühne gehen. Hedi besprach mit Chefkoch Leo Hofbacher die exklusive Speisenfolge bis ins kleinste Detail, sie arrangierte die Lichtergirlanden im Garten immer wieder neu, und nebenbei musste sie auch noch die Zu- und Absagen der geladenen Gäste jonglieren.
Eben stand Hedi neben der Hausdame des Hotels, Gerda Stahmer, im Personalraum. Die beiden Frauen hatten eine kleine Gruppe örtlicher Bauernmadeln um sich geschart, welche bei der Veranstaltung als Kellnerinnen und Zimmermadeln aushelfen sollten, und die nun genau begutachtet wurden. Da genügte ein kurzer Augenkontakt zwischen Hedi und ihrer Freundin Gerda, und diese verstand: Das lustlos an seinem Kaugummi kauende Geschöpf mit den struppigen Haaren im verschwitzten Trainingsanzug wurde gleich wieder freundlich fortgeschickt. Ebenso die aufgeputzte Tochter des Großbauern, deren künstliche Fingernägel so lang waren, dass sie sicher unbeschadet keinen Teller anfassen konnte.
Hedis Blick, als sie den beiden nachschaute, sprach Bände. »Ja gibt es denn keine normalen Madel mehr?«
Freilich gab es die, denn noch standen ein paar herum und warteten artig auf Anweisungen. Hedi seufzte leise. Die duckmäuserischen Geschöpfe taugten wohl genauso wenig für den Kontakt mit den Gästen wie die vorlauten. Eine einzige war darunter, die mit erhobenem Kopf und geradem Rücken, aber einem bescheidenem Lächeln zuhörte, was Hedi gerade sagte.
Kathi Stiegler, Tochter des örtlichen Schlossermeisters, sah so aus, als wäre sie auch für anspruchsvollere Aufgaben geeignet. Die hübsche junge Frau hatte ihre langen, dunkelblonden Haare zu einem Zopf geflochten, ihre klugen Augen blickten wachsam und interessiert aus dem ungeschminkten Gesicht. Die Fingernägel waren sauber und kurz gefeilt, das weiße T-Shirt ohne Flecken. Hedi schenkte der jungen Frau ein aufmunterndes Lächeln.
Dann wandte sie sich an das kleine Grüppchen. »Ihr wisst es wahrscheinlich, aber ich möchte es trotzdem noch einmal sagen«, begann sie. »Die Gala am Samstag wird zu Ehren von Bertl Friedmann veranstaltet. Er ...«, sie unterbrach sich und bedachte die leeren Gesichter ihrer Zuhörerinnen mit einem forschenden Blick, »ja, wisst ihr eigentlich, wer das ist?«
Vier der fünf Mädchen zuckten gelangweilt mit den Schultern.
Nur Kathi Stiegler nickte. »Klar. Unsere Bergsteigerlegende«, sagte sie. »Er hat als junger Mann die anspruchvollsten Gipfel bestiegen und später beim Film Karriere gemacht.«
Hedi hob anerkennend die Augenbrauen.
»Das ist richtig. Und eine Schande für jeden, der das nicht weiß«, fügte sie spitz hinzu. Dieser Tag hatte für sie um vier Uhr morgens begonnen, und wenn es so weiterging, würden die leichten Kopfschmerzen, die sie seitdem verspürte, noch vor dem Mittagessen in eine deftige Migräne münden. »Die Bergsteigerlegende von St. Christoph«, sagte sie in der Hoffnung, die jungen Dinger zu begeistern. Aber nur Kathi Stiegler sah so drein, als würde sie das auch interessieren. Hedi seufzte abermals. »Es ist nun vierzig Jahre her, dass Bertl die als extrem schwierig geltende Rupal-Wand am Nanga Parbat bezwungen hat. Das Besondere an dieser Leistung war jedoch, dass er seinen beiden Kameraden das Leben gerettet hat. Die Gruppe war auf dem Abstieg von einer Lawine erfasst worden. Trotz seiner Erschöpfung schaffte es Bertl, die beiden Männer aus dem Schnee zu befreien und erlitt dabei so schwere Erfrierungen, dass ihm später mehrere Zehen amputiert werden mussten. Diese mutige Heldentat wurde weltweit gerühmt, doch mit Bertls Bergsteigerlaufbahn war es somit vorbei. Als man zwei Jahre später beschloss, das Abenteuer zu verfilmen, übernahm Bertl Friedmann jedoch selbst die Hauptrolle und wurde in der Folge als Schauspieler von Bergfilmen berühmt. Dabei verliebte er sich in eine Kollegin, mit der er nun schon seit vielen Jahren verheiratet ist ...«
»Luisa Stein«, warf Kathi Stiegler ein. »Eine großartige Schauspielerin!«
Hedi schaute verwundert hoch. »Das war aber lang vor deiner Zeit, Kathi. Woher weißt du denn das?«
Kathi errötete leicht, aber sie sprach mit erhobenem Haupt: »Ich begeistere mich schon lange für alte Filme. Jene mit Luisa Stein zählen zu meinen liebsten.«
Sieh an, dachte Hedi. Laut sagte sie: »Dann ist es ja ein wunderbarer Zufall, dass die Diva uns am Samstag persönlich mit ihrer Anwesenheit beehren wird. Und nachdem sie um ein persönliches Zimmermadel gebeten hat, möchte ich dich mit dieser Aufgabe betrauen, Kathi! Es hört sich vielleicht altmodisch an, aber Frau Stein hat um eine ›Kammerzofe‹ gebeten, die ihr beim Ankleiden für die Abendveranstaltung zur Hand gehen wird. Bist du damit einverstanden?«
»Oh, das wäre wunderbar!« Kathis Wangen glühten vor Freude.
»Aber auch die anderen von euch müssen wissen, was sie erwartet«, fuhr Hedi in gestrengem Ton fort. »Luisa Stein war in ihrer ersten Ehe mit einem Grafen verheiratet. Sie galt früher einmal als beste Schauspielerin ihrer Generation. Ihr müsst dieser Dame also mit der größten Ehrfurcht begegnen und dabei unter Umständen auch darüber hinwegsehen, dass sie im persönlichen Umgang ein bisschen schwierig sein kann. Trotzdem wird sie bei unserer Feier nicht die Hauptperson sein.«
»Allerdings«, warf nun Gerda Stahmer ein, die bisher still daneben gestanden war und die Mädchen beobachtet hatte. »Luisa Stein hat sich nämlich in den letzten Jahren von der Bühne zurückgezogen. Und auch bei unserer Gala will sie ihren Ehemann Bertl nicht in den Schatten stellen, denn das Fest gebührt ganz allein ihm und seiner Leistung.«
Hedi nickte. »Ihr dürft auch nicht vergessen, dass auch sonst recht viel Prominenz hier sein wird. Und jede Menge Leute von der Presse. Gerade deshalb möchte ich, dass dieses Fest ein Erfolg wird. Unser Hotel wird weltweit im Zeichen der Aufmerksamkeit stehen. Und deshalb«, Hedi fasste eines der Mädchen, das sich gerade unfein am unteren Rücken kratzte, am Ärmel und wies sie mit einem strengen Blick zurecht, »deshalb erwarte ich von euch absolut gutes Benehmen. Vor allem, wenn ihr im Restaurant beim Servieren aushelft. Ihr habt den Anweisungen von Frau Stahmer unbedingt zu gehorchen. Wie ihr wisst, werdet ihr dafür ja auch fürstlich bezahlt.«
Jetzt regten sich ein paar der gelangweilten Gesichter, und die Mädchen giggelten aufgeregt. Auf Hedis Nicken hin folgten sie Gerda in die Küche, um mit Chefkoch Leo Hofbacher und seinem Team bekannt gemacht zu werden.
Auch Kathi Stiegler trabte hinterher, aber Hedi räusperte sich und sagte schnell: »Auf ein Wort, Kathi!«
»Ja, Frau Kastler?« Kathi wandte sich ihrer Chefin mit aufgeräumter Miene zu.
»Ich wollte dir noch einmal ans Herz legen, Frau Stein mit besonderer Behutsamkeit zu behandeln. Ich habe gehört, dass sie mitunter launisch sein kann ...«
»Freilich, Frau Kastler. Das stelle ich mir auch genauso vor. Aber damit werde ich schon fertig!« Kathi hatte ein offenes Lachen.
Hedi war erleichtert. »Es ist sicher kein Schaden, dass du ihre Geschichte und auch ihre Filme kennst.«
»Mehr noch: Ich bewundere Luisa Steins Filme über die Maßen. Vor allem die Gauner-Komödien aus den späten 70er Jahren habe ich mir schon mehrmals angeschaut. In ›Juwelenraub‹, war die Stein als Chefin der Diebesbande wirklich großartig.«
»Oh ja, das sehe ich genauso. ›Juwelenraub‹ ist auch einer meiner Lieblingsfilme ...« Hedi verzog genießerisch das Gesicht.
Kathi kicherte. »Wie sie als Anführerin der Räuberbande die Polizei ausgetrickst hat, das war wirklich genial. Die Stein hat ihre Rollen immer sehr glaubhaft gespielt. Man spürt beim Zusehen regelrecht, wie viel Spaß die Schauspielerin an ihrer Arbeit hatte. – Machen Sie sich keine Sorgen, Frau Kastler. Ich werde die Diva mit Samthandschuhen anfassen. Dass ich für sie persönlich da sein darf, ehrt mich sehr.«
»Das freut mich, Kathi. Noch etwas solltest du wissen: Die Diva gilt als ›alterslos‹. Du darfst sie also niemals auf ihr Alter ansprechen.«
»Natürlich nicht. Aber sie ist sicherlich schon jenseits der siebzig, oder? Immerhin wurden ihre ersten Filmerfolge schon in den 60er-Jahren gedreht. Und da war sie schon erwachsen.«
»Rechnen kannst du also auch, Kathi«, lachte Hedi zufrieden. Dann wurde sie ernst. »Ja, die Gute ist tatsächlich schon einiges über siebzig, aber laut ihres Pressesprechers hat sie erst vor Kurzem ihren 69. Geburtstag gefeiert. Dieses Ereignis wiederholt sich nun schon seit ein paar Jahren. Man munkelt jedenfalls, dass Luisa Stein ihre Karriere beendet hat, sobald die Rollenangebote für junggebliebene Liebhaberinnen rar wurden.«
»Es ist eine Schande, wie ungerecht Frauen beim Film behandelt werden«, empörte sich Katharina Stiegler. »Ab einem gewissen Alter bleibt Schauspielerinnen nur noch die Rolle der ›schrulligen Alten‹. Dabei können doch auch ältere Frauen wunderschön sein! Schade, dass Luisa Stein mit dem Älterwerden solche Probleme zu haben scheint«, fügte sie nachdenklich hinzu. »Wenn man eine so tolle Künstlerin ist und so gut aussieht, wie diese Frau, sollte es doch völlig egal sein, welche Jahreszahl hinter dem Geburtsdatum steht!«
Hedi, die resolut zu ihren vierundvierzig Jahren stand, wiegte dennoch den Kopf.
»Lass uns in zehn Jahren weiterreden, Kathi«, schmunzelte sie weise. »Es ist leicht, uneitel zu sein, wenn man gerade mal fünfundzwanzig Jahre alt ist. Aber ich verstehe schon, was du sagen willst. Vielleicht schummelt die Diva ja auch deshalb über ihr Alter, weil sie gern jünger wäre als ihr Mann. Auch das zählt für viele Leute angeblich zum guten Ton. Dabei ist es in Wahrheit völlig belanglos. Doch die Stein kommt nun einmal aus einer früheren Zeit, und da haben solche Themen das Leben beeinflusst. Lassen wir der Diva also ihre Ticks, und achten wir darauf, dass sie unvergessliche Tage in unserem Hotel verbringen wird.«
***
Eine Stunde später stellte Hedi Kastler fest, dass ihre Kopfschmerzen fort waren. Erleichtert ging sie zu der Kaffeemaschine neben ihrem Schreibtisch und ließ mit einem Knopfdruck das Mahlwerk des Geräts knattern. Kurz darauf breitete sich im ganzen Büro wunderbarer Kaffeeduft aus. Und wie gewöhnlich dauerte es dann gar nicht lang, bis Gerda Stahmer und auch Hedis Ehemann Andreas mit schnuppernden Nasen ihre Gesichter durch die Tür schoben.
»Herlich! Eine Kaffeepause kann ich grad gut brauchen«, sagte Andi und ließ sich in den Schreibtischsessel fallen, der jenem seiner Gattin gegenüberstand. »Die Techniker, welche für die Pressekonferenz die Kabel verlegen, treiben mich noch in den Wahnsinn. Als hätten wir noch nie eine größere Veranstaltung bewältigt.« Er schnaubte entrüstet.
Hedi schmunzelte. »Ich bin sehr froh, dass du diese Aufgabe übernimmst, Anderl. Ich hätte die Kabel wahrscheinlich schon vor Wut durchgeschnitten!«
»Was macht unser Aushilfspersonal?«, erkundigte sich Andi.
Nun war es Gerda, die stöhnte. »Das Grand Hotel in Innsbruck hat uns dankenswerterweise einen ihrer Oberkellner und die Garderobiere ausgeliehen. In diesem Punkt mache ich mir keine Sorgen. Schwieriger ist es mit den Zimmermädchen. Den jungen Madeln geht es nur darum, sich nebenbei ein Trinkgeld zu verdienen, sie haben allerdings keine Ahnung von der Bedeutung dieses Abends. Für die ist weder Bertl Friedmann noch Luisa Stein ein Begriff. Manieren haben sie auch keine gelernt. Aber ich werde die Bande schon noch rechtzeitig zurechtstutzen.«
»Du meinst aber nicht alle Mädchen, stimmt's?«, warf nun Hedi Kastler ein. »Die kleine Stiegler kommt mir recht vernünftig vor.«
»Da hast du recht, Hedi. Dieses Mädchen ist eine Ausnahmeerscheinung. Ich bin froh, dass sie Zeit hat, uns zu unterstützen.«
»Weißt du denn, was Katharina sonst so treibt?«, erkundigte sich Hedi neugierig. »Auf mich macht sie einen famosen Eindruck.«
»Oh ja, das ist ein tüchtiges Madel. Seit dem frühen Tod ihrer Mutter lebt sie mit dem Vater und ihrem Bruder in Mautz am Rande vom Krähenwald. Die beiden Männer betreiben eine Schlosserwerkstatt. Inzwischen hat Katharina eine kleine Wohnung in Innsbruck, wo sie als Sonderpädagogin mit behinderten Kindern arbeitet. Kurz vor Weihnachten ist sie aber wieder heimgekommen, weil der Bruder nach einem Arbeitsunfall Hilfe brauchte.«
»Davon habe ich gehört!«, warf Andreas ein. »Der junge Mann hatte sich schwer an der Hand verletzt!«
Gerda nickte. »Aber inzwischen ist er wieder gesund und kann auch schon arbeiten. Weil Katharina aber für ein halbes Jahr beurlaubt wurde, ist sie immer noch hier und führt den beiden Männern derweil den Haushalt. Ich bin sicher, dass der Job in unserem Hotel für sie eine schöne Abwechslung bedeutet. Mautz ist ja ein ziemlich abgeschiedener Weiler, und die beiden Mannsbilder sind recht wortkarg. Wo Kathi normalerweise das Stadtleben gewohnt ist, wird ihr im Elternhaus mit der Zeit schon recht langweilig geworden sein.«
Hedi schüttelte verwundert den Kopf. »Was ihr beide alles wisst«, sagte sie und rümpfte dabei ein wenig die Nase.
Andreas und Gerda tauschten einen belustigten Blick. Freilich war es für gewöhnlich Hedi, die immer bestens über die Vorgänge in St. Christoph informiert war. Nun war die Gute wohl ein bisserl neidisch.
»Das kommt nur daher, weil ich letztens bei der Jeggl-Alma eingekauft hab«, gestand Andreas. »Und du weißt ja, wie es dort zugeht. Buschtrommeln sind nichts dagegen!«
Sie lachten. Dann meinte Hedi: »Jetzt verstehe ich, warum das Dirndl so tüchtig ist. Sie ist eben nicht so ein verwöhntes Geschöpf wie die reichen Bauerntöchter, die nicht zupacken können. Schade finde ich es bloß, dass Katharina schon einen Beruf hat. Sonst hätte ich ihr gleich eine Ausbildung im Hotel angeboten.«
»Den Gedanken hatte ich auch schon«, sagte Gerda. »Ich habe sie auch vorsichtig ausgefragt, wie zufrieden sie mit der Arbeit als Sonderpädagogin ist. Aber leider, Hedi, da ist für uns nichts zu machen: Kathi liebt die Arbeit mit den behinderten Kindern über alles!«
Die drei hatten während ihrer Unterhaltung ihren Kaffee getrunken. Nun war es nach dieser kurzen Pause Zeit zum Weiterarbeiten. Andreas murmelte etwas von verlegten Kabeln und machte sich wieder auf den Weg ins Biergartl, wo morgen Vormittag die Pressekonferenz zur Ehrung von Bertl Friedmann stattfinden sollte. Gerda nahm einen letzten Schluck aus ihrer Tasse, dann erhob sie sich ebenfalls.
