Das Berghotel 325 - Verena Kufsteiner - E-Book

Das Berghotel 325 E-Book

Verena Kufsteiner

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Beschreibung

Annie und Jonas sind seit zehn Jahren ein Paar. Jetzt will der Vierunddreißigjährige endlich Nägel mit Köpfen machen: Er plant einen romantischen Heiratsantrag. Der Diamantring ist schnell ausgesucht. Nun muss nur noch die perfekte Location her. Da kommt Jonas die Idee, mit Annie einen Roadtrip durch Europa zu unternehmen. Mit dem Auto wollen sie zunächst nach London, dann über Paris nach Venedig fahren. St. Christoph, Jonas‘ Heimatort, soll den krönenden Abschluss ihrer Reise bilden. Hausdame Gerda Stahmer ist in Jonas‘ Planung eingeweiht. Die beiden sind seit der Schulzeit befreundet. Sollte es Jonas also wider Erwarten nicht gelingen, Annie während der Reise den Antrag zu machen, dann sind St. Christoph und Gerda seine letzte Chance. Und tatsächlich kommt dem Pechvogel immer wieder etwas dazwischen. Die Stimmung ist angespannt. Immer wieder greift Jonas zum Handy und telefoniert heimlich. Annie bleibt das nicht verborgen. Sie glaubt, dass er eine Affäre hat ...

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Seitenzahl: 124

Veröffentlichungsjahr: 2024

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Inhalt

Cover

Roadtrip ins Glück

Vorschau

Impressum

Roadtrip ins Glück

Der Aufenthalt im Berghotel sollte der Höhepunkt ihrer Reise werden

Von Verena Kufsteiner

Annie und Jonas sind seit zehn Jahren ein Paar. Jetzt will der Vierunddreißigjährige endlich Nägel mit Köpfen machen: Er plant einen romantischen Heiratsantrag. Der Diamantring ist schnell ausgesucht. Nun muss nur noch die perfekte Location her. Da kommt Jonas die Idee, mit Annie einen Roadtrip durch Europa zu unternehmen. Mit dem Auto wollen sie zunächst nach London, dann über Paris nach Venedig fahren. St. Christoph, Jonas' Heimatort, soll den krönenden Abschluss ihrer Reise bilden. Hausdame Gerda Stahmer ist in Jonas' Planung eingeweiht. Die beiden sind seit der Schulzeit befreundet. Sollte es Jonas also wider Erwarten nicht gelingen, Annie während der Reise den Antrag zu machen, dann sind St. Christoph und Gerda seine letzte Chance. Und tatsächlich kommt dem Pechvogel immer wieder etwas dazwischen. Die Stimmung ist angespannt. Immer wieder greift Jonas zum Handy und telefoniert heimlich. Annie bleibt das nicht verborgen. Sie glaubt, dass er eine Affäre hat ...

Leise Gitarrenklänge drangen zu ihnen hinüber. Darunter mischte sich das Rascheln der Blätter, die im lauen Sommerwind flatterten, als würden sie Besucher ankündigen. Zwischen den dichten Baumkronen drang Sonnenlicht auf den Boden. Wie eine schneidende Klinge durchbrach es den Schatten. In der Luft lag das Aroma von getrockneter Erde. Von einem Ort, der schon seit Wochen keinen Regen mehr zu spüren bekommen hatte.

Annie ließ ihre Hände über den Farn streifen. Er sah aus wie Federn, fühlte sich aber rauer an. Die noppige Struktur kitzelte ihre Finger.

»Wie weit ist es noch?«, fragte sie, nachdem sie nun seit zwanzig Minuten durch den Wald liefen.

Zuvor waren sie vierzig Minuten mit dem Bus gefahren. Eine Tortur, da der Fahrer darauf verzichtet hatte, die Fenster zu kippen.

»Jetzt sei nicht so ungeduldig«, ermahnte Käthe, die vorneweg ging.

Käthe war Annies beste Freundin. Im Gegensatz zu vielen Frauen gründete ihre Freundschaft jedoch nicht auf gemeinsam verbrachte Kindergarten- und Schultage. Denn die Studentinnen kannten sich erst seit fünf Jahren.

An Annies erstem Tag an der Uni hatte sie gleich eine Vorlesung gehabt. Einführung in die Didaktik. Die damals Zwanzigjährige hatte sich wie ein Fremdkörper unter Fremdkörpern gefühlt. Da waren die Mädchen gewesen, die aufgeregt geschnattert hatten. Da waren die Coolen gewesen, unverkennbar als einsame Typen in Lederjacken und langen Haaren, die nun Lehrer werden wollten. Sie konnte sich sogar noch an einen Kerl erinnern, der in Anzughose, Hemd, Krawatte und Aktentasche erschienen war. Über der Oberlippe noch ein leichter Flaum. Sie hatte Mühe gehabt, sich das Lachen zu verkneifen.

Und dann war da auch Käthe gewesen, ebenso allein zur Vorlesung erschienen wie sie. Ebenso mit etlichen freien Plätzen neben sich. Während der anderthalb Stunden hatten sich ihre Blicke immer wieder gekreuzt. Und als es endlich Zeit geworden war, den Hörsaal zu wechseln, hatte Käthe zu ihr gesagt, dass da wohl ganz schön was auf sie zukommen würde. Seitdem waren sie Freundinnen gewesen und hatten nie wieder allein in einer Veranstaltung sitzen müssen.

»Es hat sicher nichts mit Ungeduld zu tun, wenn du mich am heißesten Tag des Jahres mitten durch die Pampa schickst und mir nicht mal sagst, was eigentlich unser Ziel ist«, widersprach Annie und ließ ihre Hand automatisch in die rechte Tasche ihrer Shorts gleiten. Suchend tastete sie das Innere ab. Dann erinnerte sie sich daran, dass sie vor zwei Wochen mit dem Rauchen aufgehört hatte.

Käthe drehte sich zu ihr um. Sie stemmte ihre Hände in die Hüften und sah sie belustigt an.

»Ist dir schon mal aufgefallen, dass du ganz schön negativ sein kannst«, scherzte sie.

Das Funkeln ihrer blauen Augen ließ auch Annie schmunzeln.

»Das nennt man Reife«, erwiderte Annie und erhob geziert ihren Kopf.

Dann stolzierte sie neckisch an ihrer Freundin vorbei. Doch schließlich brach sie in Lachen aus, in das Käthe sofort einstimmte.

»Da vorne ist es, Süße«, sagte die andere Studentin und deutete mit einem Finger in Richtung einer glitzernden Oberfläche. Einen Arm hatte sie um Annies Schultern gelegt.

Diese folgte mit ihrem Blick der Richtung ihrer Kommilitonin und erkannte.

»Ein See?«, rief sie erstaunt aus. »Wieso hast du mir nichts davon gesagt?«

»Also ehrlich! Manchmal glaube ich, du bist schwer von Begriff«, dozierte Käthe und setzte sich wieder kopfschüttelnd in Bewegung. »Wohin sollen zwei atemberaubend schöne Frauen an einem heißen Sommertag wohl sonst hingehen? Und außerdem – Gitarren, Stimmen! Klingelt's da bei dir vielleicht?«

Annie stieß ihre Freundin sachte in die Seite.

»Ach, du mal wieder«, echote sie grinsend und folgte ihr.

Nach wenigen Minuten hatten sie endlich ihr Ziel erreicht. Annie spürte, wie ein dünnes Rinnsal Schweiß über ihren Rücken lief und war froh, dass sie sich für ein Shirt entschieden hatte, dass ihre Schmach nicht so schnell preisgeben würde.

Die beiden Frauen verlangsamten ihren Schritt, bis sie stehen blieben.

»Willkommen zum Semesterabschluss«, verkündete Käthe triumphierend.

Die Studentin mit den braunen Locken breitete die Arme aus, als wäre sie höchstpersönlich verantwortlich für das Zusammentreffen der vielen Studenten an diesem versteckten Ort.

»Semesterabschluss? Ist das etwas Offizielles?«, fragte Annie. »Habe ich etwas verpasst?«

Käthe ließ die Arme sinken.

»Liebes, wenn du mich nicht hättest, würdest du dein ganzes Leben verpassen«, fasste sie zusammen und strebte auf die Gruppe Studenten am Uferrand zu, die ihnen euphorisch zuwinkten.

***

Der Abend war hereingebrochen. Das träge Zwitschern unsichtbarer Vögel war verstummt. Am Himmel hatte eine Sternenschar die Sonne verdrängt. Es war die Nacht, in der laut Wetterbericht etliche Sternschnuppen gesichtet werden konnten.

Viele Studenten waren mittlerweile gegangen. Nur ein letzter Rest war noch geblieben. Ein Paar lag küssend abseits, halb verschlungen von der Dunkelheit. Irgendwo in der Ferne blödelten immer noch ein paar Jungs herum, die keiften und planschten, als wären sie noch Kinder.

Annie saß mit einigen Leuten am Feuer. Das Knistern der Flammen wirkte hypnotisierend. Die jungen Leute waren ihr größtenteils fremd. Nur wenige kannte sie vom Sehen von der Uni. Ihr gegenüber saß ein Junge, den sie noch nie zuvor gesehen hatte. Seine Augen wirkten wie Obsidiane, schwarz und geheimnisvoll. Sie mied es, zu oft zu ihm hinüberzublicken.

Doch als er nach der Gitarre griff, hatte sie einen Grund, zu ihm zu schauen. Sanft strich er mit den Fingern über die Saiten. Dann stoppte er wieder. Unwillkürlich kam in ihr der Wunsch auf, diese Saiten zu sein. Nur um für einen kurzen Moment zu erfahren, wie sich seine Finger anfühlten.

Dann senkte sie den Blick, weil sie spürte, wie sich ihre Wangen röteten. Sie nahm einen Schluck aus der Flasche Weißwein, die ihr ein Mädchen mit Dreadlocks reichte. Dann gab sie die Flasche nach links weiter. Während sie nach oben blickte, um sich etwas wünschen zu können, setzte seine Stimme ein.

Sie klang genauso sanft, wie seine Finger über die Saiten gestrichen waren. Jetzt, wo er eine Melodie auf der Gitarre spielte, wirkte es so, als liebkoste er das Instrument. Und als würde es im Gegenzug dafür seine schönsten Klänge hervorbringen.

Annie war wie verzaubert. Hatte sie eben noch versucht, nicht zu oft zu dem Jungen zu schauen, wurde ihr Blick nun magisch von dem Sänger und Gitarristen angezogen. Sie war nicht fähig, etwas anderes zu tun, geschweige denn ihren Blick abzuwenden. Für einen Moment war es, als bliebe die Welt stehen. Selbst der Drang, in den Himmel zu schauen, um eine Sternschnuppe zu sichten, war in den Hintergrund getreten.

Ein leichter Wind kam auf und wehte ihre blonden Haare über ihre Schultern. Instinktiv verschränkte sie ihre Arme vor der Brust und senkte ihren Oberkörper auf ihre angewinkelten Beine. Dann tat sie nichts anderes mehr, als den Jungen anzusehen, der ein leises Lied von Heimkehr sang.

Immerzu hielt er seine Augen gesenkt. Annie konnte selbst von ihrem Platz aus den dunklen Bogen seiner Wimpern sehen. Sie hatte nie etwas Schöneres gesehen. Bis er seinen Blick hob und ihren direkt erwiderte. Wie gebannt schaute sie ihn an. Das Tanzen der Flammen in seinen Augen verstärkte den Eindruck der Obsidiane. Und als sich auf sein Gesicht ein Lächeln abzeichnete, konnte sie nicht anders, als dieses Lächeln zu erwidern.

Zwei Lieder hatte er gesungen und die Gitarre schließlich wieder abgestellt. Jemand anderes hatte sie sich gegriffen. Annie versuchte, sich am trägen Gespräch der Anwesenden zu beteiligen, aber es gelang ihr nicht. Denn immer wieder lächelten sie sich über die Flammen hinweg zu. Schüchtern. Das mochte sie bei Männern.

Als die Flasche Weißwein sie ein weiteres Mal erreichte, nahm sie einen kräftigen Schluck, denn sie wünschte sich nichts so sehr, als den Mut aufzubringen, den Jungen anzusprechen. Doch als sie die Flasche absetzte und weiterreichen wollte, sah sie gerade noch, wie er sich erhob. Ihr Herz rutschte ein Stückerl nach unten, als sie erkannte, dass er sich entfernte. Es dauerte nicht lange, als eine sanfte dunkle Stimme in ihrem rechten Ohr kitzelte.

»Möchtest du mit mir spazieren gehen?«

Annie wandte sich um. Es war eine unnötige Bewegung, denn sie erkannte die Stimme sofort. Als sie seinen dunklen Augen, nur wenige Zentimeter von ihren entfernt, begegnete, nickte sie lächelnd.

»Ich habe dich noch nie hier gesehen«, sagte er, nachdem sie sich von der Gruppe entfernt hatten.

Die Schwärze der Nacht gab einen Blick auf den Himmel frei, den Stadtmenschen nur aus dem Fernsehen kannten. Keinerlei Lichtverschmutzung vernebelte die Sicht. Nicht einmal das Lagerfeuer reichte bis zu ihnen hinüber.

»Das liegt daran, dass ich noch nie hier war«, antwortete sie.

Jonas, so hatte er sich ihr vorgestellt, schlenderte neben ihr her, eine Hand in der Tasche seiner Jeans vergraben.

»Und dann bist du zufällig drauf gestoßen?«, scherzte er mit einem milden Lächeln in ihre Richtung. Dabei berührten seine Finger leicht die Knöchel ihrer Hand.

»Nein«, lachte Annie, »meine Freundin hat mich regelrecht hierhergeschleppt.«

»Dann muss ich mich bei deiner Freundin bedanken«, erwiderte er.

Annie wusste nicht, wie sie darauf reagieren sollte.

»Wer sagt denn, dass du einen Grund hast, dich bei meiner Freundin zu bedanken?«, neckte sie ihn.

Doch Jonas' Gesicht richtete sich plötzlich nach oben.

»Da!«, rief er aus, »hast du es gesehen?«

Annie folgte seinem Blick. Aber sie war zu spät. Sie hatte die Sternschnuppe verpasst.

»Wünsch dir was«, flüsterte sie, ganz so, als könnte sie andernfalls den Zauber der Stille zunichtemachen.

»Habe ich doch schon«, grinste Jonas, aber seine Augen öffneten sich, als er in die Luft zeigte. »Hast du das gesehen?«

Annie, die nur Augen für ihren unerwarteten Begleiter hatte, musste sich eingestehen, dass ihre Hoffnung auf das Naturschauspiel umsonst wäre, wenn sie nicht besser aufpasste. Sie schüttelte den Kopf. Dann trat Jonas hinter sie. Er überragte sie nur um wenige Zentimeter, sodass sie seine Lippen an ihrem Ohr spüren konnte, als er sagte: »Warte einfach ab.«

Zusammen standen sie da und schauten in den Himmel. Hinter ihnen lag das Lagerfeuer mit seinen friedlichen Besuchern. Vor ihnen lag das stille Ufer des Sees. Und an Annies Rücken schmiegte sich ein Körper, der ihr vertraut vorkam, obwohl sie ihn noch nie gespürt hatte.

Jonas hielt weiterhin seinen rechten Arm ausgestreckt, der auf den Himmel zeigte. Sein linker Arm hatte längst ihren Körper erobert, hatte sich wie eine leichte Hülle um sie geschmiegt. Annie ließ all ihre Vorsicht fallen. Sie wollte in diesem Moment nichts anderes empfinden als das, was Jonas ihr schenkte. Alles andere waren Gedanken für ernstere Tage.

Als eine weitere Sternschnuppe eine Kurve in die Dunkelheit zeichnete, hielt die Studentin den Atem an. Jonas ließ seinen Arm sinken und hielt sie nun eng umschlungen.

»Wahnsinn, oder?«, flüsterte er. Auch sie konnte nicht anders, als in seine Begeisterung einzustimmen. »Wünsch dir was«, flüsterte er in ihr Ohr.

Dann wandte sie sich zu ihm um und hauchte: »Habe ich doch schon.«

Sie sahen sich lange an. Doch dann tat Jonas etwas Überraschendes. Anstatt sie zu küssen, zog er sein T-Shirt aus. Darunter kam ein schlanker Oberkörper zum Vorschein, der Annie nervös machte. Als er schließlich an der Öffnung seiner Jeans nestelte, pumpte ihr Herz in einem schnelleren Rhythmus Blut in ihre Adern.

»Zieh dich aus«, forderte Jonas sie lächelnd auf.

Bevor sie etwas erwidern konnte, zog er seine Hose runter und warf sie von sich. Dann ging er einige Schritte in Richtung des Ufers.

»Du willst schwimmen?«, rief sie verwundert, als sie ihn dabei beobachtete, wie er sich von ihr entfernte.

»Wir wollen schwimmen«, entgegnete er mit einem schelmischen Grinsen im Gesicht.

Annie blieb an Ort und Stelle. Sie sah nach links und nach rechts. Niemand war zu sehen. Niemand vermisste sie. Käthe hatte sich längst in einen Jungen mit langen Haaren verbissen. Verlegen kicherte sie.

»Komm schon«, rief Jonas zu ihr hinüber, während er in das schwarze Nass stieg. Er wurde von der Kälte des Wassers überrascht und stieß einen Jauchzer aus.

In diesem Moment wurde Annie eines klar: Wenn sie Jonas jetzt nicht folgte, würde sie es für immer bereuen. Also zog sie sich aus. Zuerst ihr T-Shirt, dann ihre Shorts. Und weil sie nur einmal die Person ablegen wollte, die sich monatelang diszipliniert durch alle Vorlesungen langweilte, öffnete sie ihren BH und ließ zuerst ihn und dann ihren Slip auf den Boden fallen. Nun war es Jonas, der stumm wurde und verlegen wirkte.

Mit langsamen Schritten und dann im Sprint eilte sie auf den See zu und ließ sich von dem Wasser willkommen heißen. Jonas machte keine Anstalten, sie zu berühren. Stattdessen schwammen sie ein paar Meter weit. Bis sie prustend anhielten und sich mit den Armen paddelt über Wasser hielten.

»Du bist verrückter, als ich dachte«, lachte Jonas, der immer noch überrascht wirkte.

Auch Annie war verblüfft. Aber sie genoss jede Minute dieser Nacht. Genoss, wie das Wasser ihre nackte Haut umspielte und wie der dunkle Nachthimmel sie wie eine Kuppel umschloss.

Langsam schwamm sie auf Jonas zu. Als sie ihn erreicht hatte, wischte sie ihre Haare aus dem Gesicht und blickte ihn an. Den Jungen mit den Obsidian-Augen. Als sie ihre Arme um seinen Hals legte, glitten seine Hände um ihre Hüften. Sie waren wie Yin und Yang. Ihre Körper passten perfekt zueinander. Ihre Lippen fanden seine, die leicht zitterten. Wegen der Kälte, wegen der Erwartung. Sein Atem ging schneller, als ihre Zunge in seinen Mund glitt. Als sie ihre Beine um ihn schlang, fühlte sie die Wirkung, die sie auf ihn ausübte. Mit jedem Kuss umschlang er sie mehr. Dabei strichen seine Hände immer wieder über ihre Haut.

Etliche Sternschnuppen sollten in dieser Nacht zu sichten sein. Doch was Annie nicht gewusst hatte, war, dass sich mit ihnen auch die geheimen Wünsche erfüllen sollten.

***

Zehn Jahre später

Gerda Stahmer war das, was jeder Mensch als Pfundskerl bezeichnet hätte. Dabei war sie weder üppig noch männlich. Aber ihre zuverlässige Art und die Bereitschaft, alles in die Hand zu nehmen, sofern es von ihr gefordert wurde, hatten dafür gesorgt, dass sich ihr Ruf weit übers Sporthotel »Am Sonnenhang« hinaus verbreitet hatte.