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Die in St. Christoph lebende Elina Hofmann, Familien- und Hochzeitsfotografin, erhält einen ungewöhnlichen Auftrag: Ihr einstiger sehr guter Freund, in den sie sogar verliebt war, meldet sich seit Jahren wieder bei ihr. Finn Berger möchte seine Freundin während einer Zillertalreise mit einem Heiratsantrag überraschen, und das Ganze soll fotografisch dokumentiert werden. Elina soll sich als Wanderführerin ausgeben, um bei dem perfekten Antrag mit der Kamera sofort zur Stelle zu sein. Die Rolle fällt ihr nicht schwer, schließlich lebt sie hier und kennt sich in der Region gut aus. Allerdings geht bei jedem der geplanten Ausflüge etwas schief. Der Verlobungsring kommt nie zum Einsatz. In diesen Tagen kommen sich Finn und Elina wieder näher, und die junge Fotografin stellt erschrocken fest, dass sie erneut Gefühle für ihn entwickelt. Insgeheim wünscht sie sich, sie wäre es, der Finn den Antrag macht. Doch das ist nur ein geheimer Wunsch, der sich nie erfüllen wird - oder?
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Seitenzahl: 115
Veröffentlichungsjahr: 2024
Cover
Sie hat Ja gesagt!
Vorschau
Impressum
Sie hat Ja gesagt!
Heimatroman um die Magie der Berge
Von Verena Kufsteiner
Die in St. Christoph lebende Elina Hofmann, Familien- und Hochzeitsfotografin, erhält einen ungewöhnlichen Auftrag: Ihr einstiger sehr guter Freund, in den sie sogar verliebt war, meldet sich seit Jahren wieder bei ihr. Finn Berger möchte seine Freundin während einer Zillertalreise mit einem Heiratsantrag überraschen, und das Ganze soll fotografisch dokumentiert werden. Elina soll sich als Wanderführerin ausgeben, um bei dem perfekten Antrag mit der Kamera sofort zur Stelle zu sein. Die Rolle fällt ihr nicht schwer, schließlich lebt sie hier und kennt sich in der Region gut aus. Allerdings geht bei jedem der geplanten Ausflüge etwas schief. Der Verlobungsring kommt nie zum Einsatz. In diesen Tagen kommen sich Finn und Elina wieder näher, und die junge Fotografin stellt erschrocken fest, dass sie erneut Gefühle für ihn entwickelt. Insgeheim wünscht sie sich, sie wäre es, der Finn den Antrag macht. Doch das ist nur ein geheimer Wunsch, der sich nie erfüllen wird – oder?
Elina saß auf der Veranda ihres kleinen Hauses. Eine sanfte Brise trug den Duft von frisch gemähtem Heu und Wiesenblumen heran. Es war ein angenehm milder Tag, die Sonne schien angenehm warm aufs Zillertal herab.
Genussvoll streckte sie sich und nahm einen Schluck von ihrem gekühlten Almdudler, während sie den Blick über die dramatische Landschaft der Zillertaler Alpen schweifen ließ. Sanft geschwungene Wiesen erstreckten sich, soweit das Auge reichte. Wenn der Wind durch die hochgewachsenen Gräser strich, sah es fast so aus, als versetzte er die Oberfläche eines schier endlosen, grünen Ozeans in Wellen. Durchbrochen wurde das helle Grün durch einen tieferen, dunkleren Farbton: die Nadelwälder, in denen man sich verlieren und verlaufen konnte. Schroff ragten die Hänge der Berge empor, die Gipfel schienen sich förmlich ins strahlende Azurblau des Himmels zu bohren. Sogar jetzt, im Sommer, lag hoch oben Schnee.
Wie sehr Elina ihre Heimat liebte! Es war die beste Entscheidung gewesen, damals vor Jahren aus dem nahe gelegenen Innsbruck in eine ländlichere Region zu ziehen. Innsbruck war eine schöne Stadt, auch nicht allzu groß, doch hier im kleinen Dorf St. Christoph fühlte Elinas Herz sich so richtig zu Hause. Das beschauliche Örtchen mit den hübschen Häusern, die herzlichen Menschen, die atemberaubende Natur ringsumher ... Elina konnte sich keinen schönere Heimat vorstellen.
Am liebsten hätte sie sich sofort die Kamera geschnappt, hätte die Wanderschuhe geschnürt und wäre losgezogen. Auf der Jagd nach dem perfekten Foto konnte sie endlos lange durch die Natur streifen. Nichts fing sie mit ihrer Kamera lieber ein als die wunderbaren Landschaften, die spannenden Felsformationen und die reiche Tier- und Pflanzenwelt. Neulich erst war ihr eine tolle Aufnahme von einem Steinadler gelungen, der gerade im Angriffsflug auf einen Hasen hernieder stieß.
Vielleicht später, sagte sie sich. Vielleicht, wenn es nach der Arbeit noch nicht zu spät war. Dann könnte sie sich noch Zeit für eine kleine Wanderung nehmen. Doch zuerst hatte sie noch einiges zu erledigen.
Sie nahm noch einen Schluck von der Kräuterlimonade und beugte sich dann wieder über ihren Laptop. Auf dem Gerät bearbeitete sie die Bilder von der Hochzeit, für die sie letztens als Fotografin gebucht worden war. Sie liebte ihren Beruf als Familien- und Hochzeitsfotografin. Glückliche Menschen und strahlende Paare fotografierte sie fast genauso gern wie die Zillertaler Natur.
Elina sichtete die Fotos, sortierte all jene aus, die nicht so gut gelungen waren, und begann mit einer dezenten Bearbeitung. Es war eine sehr schöne Hochzeit gewesen: Letztes Wochenende hatte sich ein Paar, das extra dafür aus Wien angereist war, im Sporthotel »Am Sonnenhang«, hier in St. Christoph, das Jawort gegeben. Eine beliebte Location für Feierlichkeiten, und das völlig zurecht. Elina war gut bekannt mit der Hotelchefin Hedi Kastler und wusste, wie viel Wert diese auf jedes Detail legte, wenn sie mit der Organisation eines Familienfests betraut wurde. Der Edelweiß-Saal oder die Panoramaterrasse war stets stimmungsvoll geschmückt, das Essen vorzüglich. Als Fotografin hatte Elina schon viele Hochzeiten miterlebt, die im Berghotel stattgefunden hatten. Und jedes Mal war alles wunderbar gewesen.
Lächelnd klickte sie sich jetzt durch die Bilder. Das junge Paar war wirklich reizend gewesen, die Braut trug ein schlichtes Kleid und einen Blumenkranz auf ihren Locken. Der Bräutigam himmelte sie unverhohlen an. Auch für die Deko hatten sich die beiden kunterbunte Wiesenblumen gewünscht. Das Wetter hatte mitgespielt, und so hatte die Feier auf der Terrasse unter blauem Himmel stattfinden können. Bis spät abends war ausgelassen gefeiert und getanzt worden.
Auch die Fotos waren hervorragend geworden. Elina wusste jetzt schon, dass das Paar zufrieden sein würde. An der Bearbeitung musste sie gar nicht viel machen, die Bilder sollten natürlich bleiben und nicht verfälscht werden. Doch geschickt passte Elina hier und da etwas an, retuschierte Kleinigkeiten, erzeugte mit gekonnten Klicks eine noch verträumtere Atmosphäre.
Sie war so vertieft in ihre Tätigkeit, dass sie gar nicht merkte, wie die Zeit verflog. Das Klingeln riss sie aus der Arbeit. Sie schüttelte über sich selbst den Kopf, als ihr jetzt erst auffiel, dass die Sonne allmählich tiefer sank. Aus der Wanderung würde heute wohl doch nichts mehr werden. Egal, dafür war sie mit den Hochzeitsfotos sehr gut voran gekommen.
Ächzend angelte sie nach ihrem Handy, schaute aufs Display – und schnappte nach Luft. Das war nicht etwa eine unbekannte Nummer. Sondern ein Name, den sie als Kontakt in ihrem Telefonbuch gespeichert hatte. Allerdings hatte sie von diesem Menschen seit Jahren überhaupt nichts gehört.
***
»Elina Hofmann?«, meldete sie sich trotzdem förmlich.
Ihre Stimme klang leicht krächzend. Ihre Kehle war rau. Sie räusperte sich rasch und versuchte, die Überraschung abzuschütteln.
»Elina! Es tut gut, deine Stimme zu hören. Hier ist Finn. Finn Berger. Du kennst mich doch noch, oder?«
Kurz schloss sie die Augen. Seine Stimme klang genauso wie damals. Dunkel, weich. Sodass man sich in ihren Klang fallenlassen wollte.
»Finn. Natürlich erinnere ich mich.« Sie lachte leise. »Es ist zwar ein paar Jahre her, aber ich bin nicht so alt geworden, dass ich Gedächtnislücken bekomme.«
»Wie lange ist es hier«, seufzte er.
»Hundert Jahre?«, scherzte sie. So fühlte es sich jedenfalls an.
»Viel zu lange auf jeden Fall«, meinte er.
Das sah sie auch so. Keine hundert Jahre, aber sechs, sieben Jahre waren es bestimmt schon. Nachdem er weggezogen war, hatten sie sich aus den Augen verloren. Ihn hatte es in die Großstadt gezogen, ins turbulente Wien. Sie hingegen war in Tirol geblieben und hatte es sich im beschaulichen St. Christoph gemütlich gemacht. Anfangs hatten sie noch halbwegs regelmäßig telefoniert, doch die Anrufe waren bald weniger geworden. Jeder von ihnen hatte sein eigenes Leben geführt. Und schließlich hatte sich der Kontakt gänzlich verloren.
»Und da rufst du einfach an, aus dem Nichts? Sag nicht, du wolltest einfach nur mal wieder hören, wie es mir geht. Dir brennt doch etwas auf der Seele?«, vermutete sie. »Schieß los.«
Er lachte. »Immer noch die gleiche Elina. Direkt zur Sache, ohne lange um den heißen Brei herumzureden. Und du hast recht, wie immer. Ich rufe dich aus einem ganz bestimmten Grund an.«
»Jetzt bin ich gespannt.« Sie schob den Laptop ein Stück zurück und lehnte sich im Stuhl zurück. Ihr Blick ging wieder zu den Berggipfeln.
Er zögerte kurz. »Es ist vielleicht ein bisschen ungewöhnlich. Bitte halte mich nicht für verrückt.«
Sie musste grinsen. »Zu spät. Vergiss nicht, ich kenne dich ziemlich gut. Zumindest kannte ich dich damals gut genug, um zu wissen, dass du manchmal ein ziemlich verrückter Kerl bist. Also raus mit der Sprache. Keine Sorge, mich schockt so schnell nichts.«
»Es geht um einen Auftrag. Ich möchte dich als Fotografin buchen.«
Ihre Augen weiteten sich. »Sag bloß ... du heiratest?«
Das hatte sie aus irgendeinem Grund nicht erwartet, dabei war damit doch wirklich zu rechnen, nachdem sie jahrelang keinen Kontakt gehabt hatten. Finn war jetzt Anfang dreißig, so wie sie auch. Kein ungewöhnliches Alter, um sesshaft zu werden und eine Familie zu gründen.
»Das hoffe ich zumindest.« Er klang auf einmal leicht verlegen.
»Du hoffst?« Fragend zog sie die Augenbrauen hoch, obwohl er das natürlich nicht sehen konnte.
»Meine zukünftige Braut ahnt noch nichts von ihrem Glück.«
»So? Also, Finn, wenn du mich als Fotografin buchen willst, muss ich schon mehr als das wissen. Was soll ich denn nun fotografieren?«
Er atmete tief durch. »Den Heiratsantrag. Mira, meine Freundin, legt unheimlich viel Wert darauf, dass es von allen wichtigen Momenten Fotos gibt. Ich glaube, für sie wäre es wunderbar, wenn so ein besonderer Augenblick fotografisch festgehalten wird, sodass sie die Bilder immer wieder ansehen und mit Freunden und Familie teilen kann.«
»Nur damit ich das richtig verstehe. Du willst ihr einen Antrag machen und ich soll scheinbar zufällig mit der Kamera drauf halten und Bilder knipsen? Oder soll ich mich hinter einem Baum verstecken und mit meiner Kamera dahinter hervor springen, sobald du auf die Knie gehst?« Sie kicherte bei der Vorstellung.
Er stimmte lachend mit ein.
»Ich habe mir natürlich alles genau ausgedacht. Mira soll vorher nichts ahnen. Der Heiratsantrag soll sie überraschen. Es muss der perfekte Moment sein. Ich habe mit ihr einen Zillertal-Urlaub geplant, das Berghotel ist schon gebucht. Ich weiß noch nicht, wie dieser perfekte Moment aussehen wird ... Wenn er gekommen ist, werde ich es wissen. Und dann ist es wichtig, dass du zur Stelle bist. Dazu habe ich überlegt, ob du dich nicht als unsere Wanderführerin ausgeben könntest, Elina.«
»Eine Wanderführerin?«, wiederholte sie verblüfft.
»Ich sage doch, es ist ein ungewöhnlicher Auftrag. Aber es wäre perfekt. Wenn du uns durchs Zillertal führen könntest, wärst du ja immer in meiner Nähe. Ich weiß, es ist viel verlangt. Es ist viel zeitaufwendiger, als wenn du nur für ein Shooting von etwa einer Stunde engagiert wirst. Natürlich erwarte ich das nicht als Freundschaftsdienst, das versteht sich von selbst. Ich bezahle angemessen für die Zeit und den Aufwand.«
»Am Geld soll es nicht scheitern. Lass mich kurz überlegen«, meinte sie und schwieg dann für einen Moment.
Sie dachte nach. Das war wirklich ein merkwürdiger Auftrag. Aber sie verstand, worauf Finn hinauswollte. Ein Heiratsantrag war ein besonderer Moment für ein Paar. Sicherlich war es schön, im Nachhinein Fotos davon zu haben, die man immer wieder ansehen konnte. Und auch, dass Finns Partnerin nichts davon ahnen sollte, leuchtete ihr ein. Es sollte eine Überraschung sein. Elina kannte sich gut aus im Zillertal, sie traute es sich schon durchaus zu, ein paar Wanderungen für das Pärchen zu leiten, bis Finn den richtigen Moment für gekommen erachtete.
»Warum ich?«, fragte sie dann. »Fotografen gibt es wie Sand am Meer.«
»Ich kenne deine Fotos und dein Talent«, erwiderte er wie aus der Pistole geschossen. »Du weißt, ich war immer schon ein Fan deiner Bilder. Du hast eine Gabe dafür, Emotionen einzufangen. Als ich den Plan geschmiedet habe, war mir sofort klar: Entweder du, oder keine. Du bist die Fotografin, der ich so wichtige Bilder anvertrauen will, weil ich weiß, dass sie dann wirklich gut werden.«
Sie schnaufte leise. »Versuchst du mir etwa zu schmeicheln, Finn?«
»Funktioniert es denn?«, scherzte er. Aber gleich wurde er wieder ernst. »Ich meine es wirklich so. Außerdem vertraue ich dir. Ich will nicht irgendjemand Fremden tagelang dabei haben, wenn ich mit Mira in der Natur unterwegs bin und nervös darauf warte, dass sich ein guter Augenblick bietet. Ich bin schon aufgeregt genug deswegen. Tut mir leid, dass ich dich damit so überfalle. Jahrelang hören wir nichts voneinander, und dann komme ich mit so einer Anfrage um die Ecke. Ich habe natürlich Verständnis, wenn du ablehnst. Aber es würde mir wirklich viel bedeuten, wenn du Ja sagst.«
Langsam nickte Elina. »Okay. Ich mache es.«
***
Der Wind blähte den weitschwingenden Rock von Elinas Dirndl auf und wirbelte die blonden Haare um ihr Gesicht, als sie sich am nächsten Tag auf den Weg machte. Ihr schwirrte noch das Telefonat von gestern im Kopf herum. Sie hatte überhaupt nicht damit gerechnet, von Finn zu hören. Und dann ging es um so etwas! Sie wusste gar nicht so recht, was sie darüber denken sollte. Aber eines wusste sie: Sie freute sich unheimlich darauf, ihn wiederzusehen.
Sie kannten sich seit ihrer Jugend, waren enge Freunde gewesen. Und dann, irgendwann, sogar etwas mehr als Freunde. Genau genommen war Elina bis über beide Ohren in ihn verliebt gewesen. Bis heute wusste sie nicht, ob ihm bewusst gewesen war, wie wild ihr Herz in seiner Nähe gepocht hatte.
Schlussendlich war nicht viel daraus geworden. Ein paar zarte Küsse in einem Heuschober. Schüchternes Händchenhalten. Eine Jugendliebe, die wie ein Strohfeuer aufgeflammt war und dann ebenso schnell erloschen war, nachdem er weggezogen war. Er hatte immer schon nach Wien gewollt, um etwas zu erleben und Karriere zu machen. Und sie hatte nicht versucht, ihn aufzuhalten. Stattdessen hatte sie ihm alles Gute gewünscht, sich ein Lächeln abgerungen und später heimlich bittere Tränen in ihr Kissen geweint.
Wenn man so blutjung war, wie sie es damals gewesen war, fühlte sich Liebeskummer in manchen Momenten so an, als würde er niemals enden. Und dann war es doch erstaunlich schnell gegangen. Die Zeit hatte Elinas Wunden schneller geheilt, als sie es erwartet hatte. In der herrlichen Natur des Zillertals hatte sie Trost gefunden. Nur noch manchmal hatte sie wehmütig an Finn gedacht und sich gefragt, wie es ihrem Jugendfreund und ihrer ersten Liebe wohl in der großen Stadt erging.
Nun wusste sie mehr. Jedenfalls wusste sie, dass er dort offenbar die große Liebe gefunden hatte. Eine Frau, die ihm so wichtig war, dass er sie heiraten wollte. Wie sie wohl sein mochte, diese Mira?
»Nun, das werde ich bald herausfinden«, murmelte Elina in den Wind und beschleunigte ihre Schritte. »In wenigen Wochen schon.«
