4,99 €
Zwanzig Jahre sind vergangen, seitdem Orlok Peyn und Sichu Dorgstaiger im Kampf gegeneinander starben. Seitdem herrscht Frieden und das Land entwickelt sich immer weiter. Da wird die Stadt Trov im Nachbarland durch monströse Froschsoldaten angegriffen und zwei Dutzend Frauen entführt. Und Trov wendet sich um Hilfe an das Haus Murrsha und Ryder erinnert sich an den Kampf mit der Unke im Untergrund von Dobargash. Und er weiß, er muss zurück nach Dobargash um das Geheimnis um die Froschsoldaten aufzuklären. Aber auch Dobargash hat sich in den letzten zwanzig Jahren weiterentwickelt.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Veröffentlichungsjahr: 2025
Handelnde Personen
Personenbeschreibung
Außerhalb von Trov
Rückblick
In Trov
Vor Aptera
Aptera – eine weitere Residenz des Hauses Murrsha
Aptera – im Hause Murrsha
Aptera – Erin und Rhys
Aptera – Die Lagerhalle
Trov – Erin und Silanay
Im Umland von Aptera
In den öden Landen
Dobargash
In den öden Landen
Trov und darüber hinaus
Über den öden Landen
Aptera
Dobargash
Aptera
In den öden Landen
Dobargash – Im Thronsaal
Aelf
In den öden Land
Auf dem Weg nach Dobargash
Dobargash – Im Labyrinth
Dobargash
Dobargash – Im Palast des Königs
Dobargash – Im Gasthaus
Dobargash – Im Labyrinth
Über den Dächern von Dobargash
Dobargash – Im Gasthaus
Dobargash - Im Kerker
Dobargash – Jozan
Dobargash - Im Kerker
Vor Dobargash
Dobargash – Das Lagerhaus
Dobargash – Flucht aus dem Kerker
Dobargash – Im Haus des hohen Priesters
Dobargash – Der Feind deines Feindes…
Dobargash – Die graue Blüte
Dobargash – Zweikampf
Dobargash – Kampf im Dunkeln
Dobargash – Flucht aus Dobargash
Maya
Dobargash – Xerofon
Der Autor:
Weitere Geschichten vom gleichen Autor:
Das Neue Land
Dobargash
eine dystopische Fantasy
von
Klaus Hartung
Das Haus Maxon-Peyn
Dalaria Peyn – seine Frau
Jonah Peyn – ihr Sohn
Adham Reidháchadh – ihr Mann
Das Haus Peyn-Maxon
Turgal Peyn – Sárkány Peyn-Murrsha
Silanay Murrsha – seine Frau
Das Haus Murrsha
Maya Murrsha – seine Frau
Ryder, Fürst Trevelian - ihr Mann
Erin und Rhys, Kyan und llin – ihre Kinder
Das Haus Trevelian
Ruodlan Murrsha – Mayas Bruder und Ryders Vertreter
Das Haus Golkas
Ulbon Golkas – Anführer des Hauses Golkas
Doire Golkas – seine Frau
Seain Golkas – sein ältester Sohn
Oonagh Golkas – jüngster Sohn
Das Haus Reidháchadh
Andarius – Sárkány
Beadu - Sohn
Cein – Sohn
Freiya Golkas – seine Frau
Dobargash
Xerofon – der König
Hunfrid – sein Sohn
Naboni Leamhnach – der Hohepriester
Marcelus – Söldner Hunfrids
Vercolis – Adjutant Xerofons
Jozan – Händler
Sunyao – sein Bruder
Trimosus – Gastwirt
Suse – seine Tochter
Lilo – deren Freundin
Markus – Lilos Freund
Sonstige
Geatan, Ahrin… Bauern bei Trov
Mannfrith, Thurir, Andaria, Tioboid, Gyldan, Ceallan, Bolton – Bürger von Trov
Mairi, Torra – Bauern bei Aptera
Ryder
Eins neunzig groß. Schlank, sportlich, sehr muskulös. Ungefähr 120 Kilo. Langes, schwarzes Haar leicht blauschimmernd.
Maya
Sie ist eine Schönheit. Groß, etwa Eins fünfundsiebzig, schlanker, aber weiblicher Körper, sportlich durchtrainiert, mit langem, schwarzem Haar. Grüne Augen.
Erin
28 Jahre alt. Etwas kleiner, als ihre Mutter, nämlich nur einen Meter siebzig. Ein schmales, ebenmäßiges Gesicht mit blauen Augen unter ebenfalls langen schwarzen Haaren. Sehr schlank und sehr sportlich, ohne nennenswertes Interesse an Männern. Eine geborene Amazone, die niemand im Kampf unterschätzen sollte. Bevorzugte Waffen: Messer, Pfeil und Bogen, Rapier.
Rhys
28 Jahre. Einen Meter achtzig groß. Schlank und durchtrainiert mit schmäleren Schultern, als seine Körperkraft und Schnelligkeit eigentlich vermuten lässt. Beinahe asketisches Gesicht, blaue Augen unter blauschwarzem, kurzgeschnittenem Haar. Ein Krieger, wie man ihn sich wünscht, wenn es hart auf hart kommt. Bevorzugte Waffen: Schwert, Sharps-Gewehr (treffsicher auf bis zu tausend Meter), Wurfsterne und Wurfmesser.
Kyan und Llin
Zwillinge. 12 Jahre alt. Beide haben blauschwarze Haare, aber grüne Augen. Sie stehen in ihrer jugendlichen Wildheit in nichts ihren beiden Geschwistern nach.
Maya, Fürstin Murrsha
Ryder, Fürst Trevelian
Erin, Prinzessin Murrsha
Rhys, Prinz Murrsha
Xerofon, König von Dobargash
Hunfrid, Sohn von König Xerofon
Naboni Leamhnach, Hohepriester von Dobargash
Außerhalb von Trov
Ahrin zog die Tür zum Haupthaus ihres Bauerhofes hinter sich zu und seufzte. Ihr Mann, Geatan, kniete vor dem Kamin und war dabei ihn anzufeuern, sah zu ihr auf und lächelte.
„Die Tiere sind alle versorgt?“ Ahrin nickte. „Selbstverständlich! Welche Pläne hast du zum Abendessen?“
Geatan wies auf die offene Feuerstelle mitten im Raum, wo ein kleiner Topf über einer kleinen Flamme vor sich hin köchelte. „Ich habe eine kräftige Gemüsesuppe vorbereitet! Falls du dich dafür erwärmen konntest?“
Ahrin sah grübelnd zur Decke hoch, und betrachtete die etwas verrußten Holzbalken. Dann sah sie ihren Mann an und nickte langsam. „Ich denke, damit kann ich mich für heute Abend wohl einmal einverstanden erklären!“
Geatan erhob sich mit einem leichten Stöhnen und rieb sich den unteren Rücken. Von Tag zu Tag merkte er mehr sein Alter. Er war eben keine Zwanzig mehr, stellte er für sich fest, sondern schon fast doppelt so alt. Und das Leben und Arbeiten auf dem eigenen Hof zerrte doch ziemlich an seinem Körper.
Er ging zum Küchenschrank hinüber und nahm zwei Teller heraus. Dann füllte er die beiden mit einer Kelle aus dem Gemüsetopf auf und stellte sie auf den kleinen Esstisch, den er vor Jahren selber zusammengebaut hatte. Geatan ging zurück zum Küchenschrank und nahm zwei der geschnitzten Holzlöffel heraus und legte sie neben die beiden Teller.
„Möchtest du jetzt nicht etwas essen?“ fragte er und wies auf den freien Platz ihm gegenüber. Ahron nickte ihm huldvoll zu und setzte sich.
„Ich denke, das kann ich wohl heute Abend mal tun!“ Sei nickte ihrem Mann und griff nach ihrem Holzlöffel. Sorgsam schlürfte sie die Suppe und seufzte erneut. „Die ist dir wirklich gut gelungen, mein Schatz!“ Sie nahm einen weiteren Löffel. „Aber morgen Abend werde ich mich um das Essen kümmern!“ versprach sie.
Geatan sah sie erstaunt an. „Ist es nicht gut genug geworden?“ fragte er. Ein leichter Klang von Enttäuschung schwang in seiner Frage mit.
Ahrin winkte ab. „Nein, mein Schatz, die Suppe ist hervorragend! Aber wir haben da am nördlichen Grundstücksrand noch zwei Bäume…!“
Geatan schnaufte. „Ach die…!“ Er ließ den Kopf sinken. „Stimmt! Die müssen weg. Ich mache mich gleich morgen früh daran!“ versprach er.
Sie widmeten sich weiter dem Verzehr der Suppe und hörten erst auf, nach sie den kleinen Topf geleert hatten.
Ahrin ließ sich in ihrem Stuhl zurücksinken. „Oh, das war gut. Ich bin jetzt aber auch pappensatt!“ Geatan stand auf, nahm die beiden leeren Teller und die Holzlöffel und stellte zur Küchenzeile hinüber. Säubern würde er die paar Sachen später.
„Möchtest du einen Becher Wein? Wir haben da noch etwas. Ich muss in den nächsten Tagen mal wieder Einkaufen fahren!“
Ahrin nickte. „Ja, das wäre gut. So langsam gehen mir auch dir Gewürze aus. Salz, Pfeffer, Paprika, Kurkuma…!“ Sie horchte auf, als sie dumpfe Geräusche von draußen hörte.
„Hörst du das?“ fragte sie ihren Mann. „Seelensauger?“ Geatan lachte kurz auf und schüttelte den Kopf. „Seelensauger? Schatz, von denen haben wir das letzte Mal vor fast zwanzig Jahren gehört! Ich war selber bei einem der letzten Gefechte gegen sie dabei und weiß daher, dass sie in unserer Welt keine Rolle mehr spielen!“
Ahrin stand auf und ging an ein Fenster und sah hinaus. „Aber was kann es dann sein?“ Geatan stand ebenfalls auf und trat neben sie. „Keine Ahnung!“ zuckte er mit den Schultern. „Vielleicht eine Herde, die sich verlaufen hat?“ vermutete er.
Geatan legte ihr einen Arm um die Schulter. „Komm! Setz dich wieder! Ich hole uns einen Becher Wein!“ Ahrin drehte sich ihm um, dann stutzte sie und drehte sich wieder zum Fenster um. „Da! Da war das Geräusch wieder!“
Sie wandte sich ab und ging in Richtung Tür. Geatan ging hinter ihr her. „Warte!“ hielt er sie auf, ging in den Nebenraum und kam kurz darauf mit einem dicken Knüppel zurück. „So“, grinste er. „Jetzt können wir draußen mal nach dem Rechten sehen!“
Er trat neben sie und schob sie beiseite. „Lass mich bitte vorgehen! Nur zur Sicherheit!“
Geatan schob den Türriegel beiseite und öffnete die Tür einen Spalt weit. Vorsichtig schaute er dadurch hinaus. Er schüttelte den Kopf. „Ich kann soweit nichts sehen!“
„Lass uns draußen nachsehen!“ schlug Ahrin vor. „Wir nehmen ein paar Fackeln, damit wir auch was sehen können!“ Sie drehte sich um und nahm aus der großen Kiste neben der Tür zwei Fackelstiele heraus, die sie am brennenden Kamin schnell entzündete.
„Lass jetzt mich vorgehen!“ schlug sie vor und Geatan zog die Tür weit auf, damit sie genug Platz hatte. „Bitte sehr! Aber sei vorsichtig!“
Ahrin schob sich zur Tür hinaus und hielt beide Fackeln in die Höhe. Ihr flackerndes Licht zog den freien Platz vor ihrem Haus aus der Dunkelheit. Geatan trat neben sie und nahm ihr eine der Fackeln mit der linken Hand ab, während er den Knüppel in der rechten Hand hielt.
„Ich geh zur linken Seite mal rüber. Du bleibst bitte hier! In Ordnung?“ Ahrin nickte schweigend und schwenkte ihre Fackel herum, um immer andere Bereiche beleuchten zu können.
„Ich kann jetzt nichts mehr hören!“ stellte sie fest. „Du?“
Geatan lauschte, dann schüttelte er den Kopf. „Nein!“ Er ließ den Arm mit dem Knüppel sinken. „Aber wir haben uns das doch nicht eingebildet, oder?“ „Nein!“ Ahrin schüttelt überzeugt den Kopf. Aber schließlich zuckte sie mit den Schultern. „Was immer es war… ist wohl weg! Lass uns wieder reingehen!“
Geatan drehte sich um und folgte seiner Frau zurück zum Haus. Sie öffnete die Tür und blieb im Türrahmen stehen, während das Licht von drinnen hinausfiel. „Nun komm schon, Geatan!“ forderte sie ihn leicht ungeduldig auf.
Geatan war kurz vor der Tür, als er ein Surren hörte und dann einen Schlag im Rücken verspürte, der ihn nach vorne taumeln ließ. Ahrin schrie auf, als sie einen Pfeil aus Geatans Rücken ragen sah.
„Was ist da los?“ rief sie und wollte auf Geatan zu. Der aber schubste in das Haus hinein und stützte sich knurrend gegen den Türrahmen. „Hol meine Axt!“ rief er, woraufhin sich Ahrin sofort umdrehte.
Ein weiteres Surren und ein weiterer dumpfer Schlag. Geatan schrie kurz auf, als sich der Pfeil kurz über seinem Hosenbund in seine Seite bohrte. Ihr Mann taumelte in das Haus hinein und sank auf die Knie.
„Schließ die Tür!“ keuchte er. „Schnell!“
Ahrin drehte sich auf der Stelle um und hastete auf die Tür zu. Als sie sie jedoch zudrücken wollte, erhielt sie von außen einen Stoß, taumelte zurück und fiel neben ihren Mann auf den Boden.
„Was?“ rief Geatan aus, als er die Eindringlinge sah. Ahrin schrie panisch auf.
Der vorderste Eindringling war gute zwei Meter groß. Er war muskulös, was trotz seiner schuppigen, grünen Haut, gut zu sehen war. Er hatte leicht gebogene Beine mit kräftigen, definierten Muskelsträngen. Hände und Füße waren breiter, als bei einem Menschen und hatte Schwimmhäute zwischen den einzelnen Gliedern.
Am erschreckendsten war jedoch, dass auf seinen Schultern der Kopf eines Frosches saß, dessen hervorquellende Augen zwischen der Frau und dem Mann hin und her zuckten.!
*
Hunfrid sah verächtlich auf die schreiende Frau und den blutenden Mann hinab. Dann drehte er sich zu einem seiner Soldaten um. „Hey! Du! Bogenschütze! Komm her! Sieh die diese Sauerei an!“ Er wies verächtlich auf den am Boden liegenden Mann.
„Der Mensch war keine zwanzig Meter entfernt und du bist zu doof ihn mit zwei Pfeilen zu töten? Vielleicht sollte ich dir Pfeil und Bogen wegnehmen und dir eine Keule in die Hand drücken?“ ätzte er.
„Frösche!“ keuchte Geatan fassungslos. „Sprechende Frösche!“
„Dobargash!“ stellte Hunfrid richtig. „Keine Frösche! Wir sind Dobargash!“
„Monster seid ihr! Monster!“ schrie Ahrin voller Entsetzen. „Monster!“
„Schweig Weib!“ grollte Hunfrid sie an. „Du kommst noch zur rechten Zeit dran!“
Geatan bäumte sich vom Boden auf, während immer mehr Blut aus ihm herausströmte. „Fast sie ja nicht an! Lasst die Finger von meiner Frau!“
Hunfrid sah auf den Mann hinunter und schüttelte den Kopf. Seine lange, dünne Zunge schoss aus seinem Mund heraus und wieder zurück. „Menschlein, du hast hier überhaupt nichts zu verlangen!“
„Wenn ihr meine Frau anfasst, ihr Monster…!“ Geatan ließ offen, was er dann machen würde.
Hunfrid lachte in einem quietschenden Ton. „Und dann?“ fragte er und winkte seinen Soldaten zu.
„Hebt die Frau auf und legt sie bäuchlings über den Tisch dort!“ Er wies auf den Esstisch im Raum.
Sofort zerrten zwei Soldaten Ahrin vom Boden hoch, gaben ihr eine Ohrfeige, als sie sich sträubend wegdrehen wollte und legten sie dann, wie befohlen über den Tisch.
„Haltet ihre Hände fest!“ befahl Hunfrid, während er von hinten an die Frau herantrat. Dann zog er sein Messer heraus. Geatan schrie entsetzt auf, aber Hunfrid schnitt der Frau lediglich ihren Rock und ihre Unterwäsche vom Leib.
Mit einem zufriedenen Knurren betrachtete er den entblößten Hintern der Frau. „Ich habe schon Hässlichere bestiegen!“ konstatierte er und begann seine Hose zu öffnen.
Ahrin, die wusste, was ihr nun drohte, fing an sich hin und her zu drehen. Hunfrid fluchte. „Haltet sie fest, habe ich gesagt!“ Woraufhin sich die Soldaten mehr ins Zeug legten, um die Frau am Tisch zu fixieren.
Panisch versuchte Ahrin über ihre Schulter zu sehen, als sie hörte, wie hinter ihr eine Hose zu Boden fiel, konnte aber nicht sehen. Aber sie hörte, wie ihr Mann „Oh mein Gott!“ keuchte.
Sie schrie auf, als Hunfrid sein großes, dickes Glied in sie hineinstieß.
Hilflos musste Geatan mitansehen, wie seine Frau von einem mannsgroßen Frosch vergewaltigt wurde. Tränen liefen ihm die Wangen hinunter. „Lasst doch bloß meine Frau in Ruhe!“ jammerte er. Aber niemand reagierte auf ihn.
Schließlich keuchte der große Frosch auf, als er sich in Ahrin ergoss. Ihr Schreien war mittlerweile zu einem leisen Jammern geworden. Zufrieden zog er sich aus ihr zurück und richtete seine Kleidung wieder. „Das war gar nicht mal so schlecht!“ knurrte er. Dann winkte er einem Soldaten zu.
„Du… als nächster!“ wies er ihn an, woraufhin Geatan laut aufschrie. Hunfrid sah zu dem Menschen hinunter und nickte sich selber zu.
„Na, ich will mal nicht so sein!“ sagte er, zog ein Messer heraus und schnitt Geatan die Kehle durch.
Rückblick
Es war etwa das Jahr 280 neuer Zeitrechnung (n.Z.) als der große Drache Orlov Peyn im Kampf gegen den bösen, alten Drachen Sichu Dorgstaiger fiel. Natürlich nicht, ohne ihn vorher auch zu töten!
Im Nachgang entschieden sich die verblieben Völker, einen Kalender wiedereinzuführen, um eine allgemeine Orientierung zu bekommen und um einen Weg zu finden, gemeinsam eine neue Zukunft, ein neues Land zu gestalten und die Zivilisation wieder unter die Bevölkerung zu bringen.
Mit dem Tod Sichu Dorgstaigers und seiner rechten Hand Ceneric, fanden auch die Übergriffe durch die Seelensauger, die von dem beiden vorgenannten kontrolliert wurden, ein Ende.
In den folgenden zwanzig Jahren passierte folgendes:
Dalaria Peyn bekam wenige Wochen später einen kräftigen Jungen, der später einmal auf den Namen Jonah hören sollte.
Viele, viele Jahre später fand sie in Adham Reidháchadh einen neuen Partner, der dann mit ihr das Land der Maxon-Peyn, dann Reidháchadh-Peynführte. Wir waren deren Trauzeugen.
Turgal und Silanay, der Drache und Mayas Vámpirschwester fanden zusammen; das hatte sich ja schon angefangen abzuzeichnen. Sie hatten drei Kinder, die es anfangs nicht einfach hatten, ihre Drachenfähigkeiten mit denen der Vámpire zusammen zu bringen. Wir waren deren Trauzeugen.
Freya Golkas und Cein Reidháchadh. Die beiden hatten während der Schlacht um Aptera zueinander gefunden. Später, unter Zuhilfenahme des Vermögens zweier nicht unvermögender Häuser, erwarben sie die alten Ländereien derer von Peyn und zogen nach Tisawar. Ja, wir waren deren Trauzeugen.
Ruodlan Murrsha hatte meine alten Ländereien übernommen und führte sie in eine für die Bevölkerung glückliche Zukunft. Er hatte wirklich ein Händchen dafür, ein Land, wenn auch ein kleines, zu führen und voranzubringen. Er heiratete später eine Tochter aus einem guten Haus und gründete mit ihr eine Familie, die drei Kinder hervorbrachte. Muss ich es erwähnen? Natürlich waren wir seine Trauzeugen.
Damit hatten wir indirekt die Verantwortung für vier geschlossene Ehen übernommen. Ein Umstand, den Maya gelassen nahm, aber mich irgendwie schon belastete. Für mich hatte es den Anklang dessen, dass ich langsam, hoffentlich sehr langsam, seriös wurde. Wo waren bloß die wilden Jahre hin?
Und Maya und ich? Nun, wir zogen unsere beiden Kinder, Erin und Rhys, zu hervorragenden jungen Erwachsenen heran. Und dann wären da noch Kyan und Llin, die jüngeren Zwillingsgeschwister von Erin und Rhys, die vor 12 Jahren zur Welt kamen.
Maya? Ich weiß nicht genau, wie alt sie eigentlich ist und sie selber ist da auch nicht sehr präzise, obwohl ich das eher auf ihre Eitelkeit, als auf ihr Gedächtnis schiebe, aber sie ist nach wie vor eine bildschöne, rattenscharfe Frau. Sie ist der schönste Vámpir, den ich kenne und liebe.
Und ich? Ach je, ich werde alt.
Meine Haare werden grau, die Muskeln verlieren ihre Spannkraft und alles tut weh…
Wenn es so weiter geht, wird es bald mit mir vorbei sein…
Nur Spaß… mir geht es prima.
Ich bin nach wie vor groß, breitschultrig, muskulös, mit schulterlangem, blauschwarz schimmerndem Haar.
Und insbesondere meine Oberarme sind der Traum jeder Frau.
Agil und energiegeladen.
Kurz gesagt: ich bin ein Vámpir.
Ich altere nicht.
Mein Körper verfällt nicht.
Ich bin praktisch unsterblich.
Wir schreiben, in etwa, das Jahr 300 n. Z.
… und mir ist langweilig!
In Trov
In der Spelunke ging es heute Abend hoch her. Schließlich hatte einer der größeren Händler in dieser aufstrebenden Stadt einen nicht unerheblichen Liefervertrag mit dem amtierenden Herrscher von Vérfarkas Tolot, Rioghbarab, und seinem Wolfsclan, abgeschlossen und feierte dies nun ausgiebig.
In der Spelunke war es nahezu dunkel. Zu mindestens, wenn man gerade von draußen hereinkam. Einige wenige Öl-Lämpchen, die über den Gastraum verteilt waren, warfen ein mehr als diffuses Licht auf die Anwesenden.
Die Anwesenden waren Lebewesen aller Couleur. Menschen, Vámpire, Wölfe und Trolle. Sogar ein paar Zwerge wuselten zwischen den Tischen – eigentlich unter den Tischen – herum. Die Männliche Kategorie trug überwiegend Lederhosen und Lederwesten. Dazu passende, klobige Stiefel. An den Hüften hingen unterschiedliche Waffen. Mal war es ein Schwert, mal nur ein langer Dolch, mal eine kurze Axt.
Die weiblichen Lebewesen trugen entweder schwere Jute oder hautenges Leder, gepaart mit Schafthohen Stiefel. Auch von ihnen war keine unbewaffnet. Mindestens zwei Messer trug jede von ihnen. Auch wenn einige von ihnen schon eigentlich zu lang für diese Bezeichnung waren.
Thurir, der Händler, winkte den Wirt zu sich heran. „Mannfrith, mein Lieber, schaff uns doch noch zwei Fässer von deinem dünnen Bier heran. Und zwei gebratene Schweinehälften wären auch gut!“
Mannfrith sah zu dem Händler hoch und überschlug im Geiste schon die Rechnung die er ihm am Ende des Abends präsentieren würde. Großzügig nach oben aufgerundet, natürlich. Er lächelte den Hämdler an.
„Thurir ist wird mir eine Freude sein!“ versicherte er ihm. „Ich schicke sofort zwei meiner Leute los!“
Thurir klopfte ihm zufrieden auf eine Schulter und fuhr sich danach durch die etwas schweißfeuchten Haare. Dann wischte sich die Finger an der Hose trocken und betatschte der nächsten menschlichen Frau, die vorüberkam, den Po.
„Na Süße, hast du auch genug zu trinken?“ Die Frau drehte sich um, den rechten Arm schon zur Ohrfeige erhoben, dann erkannte sie aber den Mann und ließ den Arm wieder sinken.
„Glück gehabt, Thurir! Der letzte, der mich betatscht hat, fehlt nun der Unterkiefer!“ knurrte sie. Dann verzog sich ihr Gesicht zu etwas, das bei ihr als Lächeln durchging. Sie winkte ab. „Bei dir will ich mal nicht so sein!“ sagte sie gleichmütig und beugte sich vor. „Ja, ich habe genug zu trinken! Aber lange nicht genug, um dich ran zu lassen!“ stellte sie richtig. Nun grinste sie breit, was den meistens Männern einen Angstschauer über den Rücken schicken würde.
Thurir breitete die Arme aus. „Andaria? Hast du mich gar nicht mehr lieb?“ Er beugte sich vor. „Nach diesem Geschäft bin ich reich!“ flüsterte er. „Wie reich?“ flüsterte Andaria leise zurück.
Der Händler nahm den Kopf etwas zurück und überlegte. „Nun, es wird für ein kleines Schloss reichen. Zwei Dutzend Angestellte. Und jeden Tag genug zu essen und zu trinken!“ Andaria sah ihn nachdenklich an. „Und was wäre für mich drin? Ich würde ja deinen schwitzenden Körper mindestens einmal am Tag auf mir liegen haben, oder?“
„Mindestens!“ grinste Thurir und leckte sich über die Lippen. Andaria nickte. „Eben! Und was habe ich davon?“
Thurir überlegte. „Was willst du?“ Andaria zuckte mit den Schultern. „Das du mir deinen Namen gibst! Und ich die alleinige Erbin bin, wenn du stirbst!“
Thurir trat einen Schritt zurück. „Du willst, dass ich dich heirate?“
Andaria sah ihn mit schräggelegtem Kopf an. „Es hat seinen Preis, wenn du in mich rein willst…!“
Thurir drehte sich zum Wirt um. „Zwei Becher Wein! Aber vom guten!“
Einen Becher reichte er Andaria. Den anderen hielt er ihr entgegen. „Einverstanden!“ Er sah sich um. „Leute! Wir trinken auf meine zukünftige Frau! Andaria Mellon!“
Jubel und Hochrufe schallte durch den Gastraum, während Thurir seine Zukünftige abknutschte.
„Trinkt!“ rief er. „Ich lade euch ein!“ „Halt!“ widersprach Andaria. „Noch zwei Getränke für jeden!“ wies sie den Wirt an. „Ab dann zahlen sie selber!“ stellte sie richtig und legte einen Arm um Thurirs Schultern. „Die saufen uns sonst in die Armut!“ Thurir nickte dem Wirt zu. „Du hast meine Zukünftige gehört!“ sprach er und leerte den Becher Wein.
Schnell erhöhte sich die Weinselige Stimmung in der Spelunke und schon bald wurden die ersten Lieder zur Preisung des künftigen Brautpaares angestimmt.
Plötzlich verzog Andaria das Gesicht, glaubte sie doch merkwürdige Geräusche von außerhalb der Spelunke gehört zu haben.
Sie hob beide Arme. „Habt ihr das auch gehört?“ fragte sie laut. „Nein? Dann haltet ihr jetzt einmal alle die Fresse! Ruhe!“ brüllte sie.
Wenn auch widerstrebend kehrte Ruhe in der Spelunke eine. Und dann hörten auch die anderen etwas.
Schreie! Verzweifelte Schreie! Schreie, als ob dort Lebewesen Todesangst hätten. Also ob Lebewesen schreien zu fliehen versuchen.
Tioboid, ein mehr als zwei Meter großer menschlicher Söldner mit einer beeindruckenden Schulterbreite ging auf die Eingangstür der Spelunke zu. „Das kommt aus der Stadt!“ sagte er verwirrt. „Aber, wer greift eine friedliche Stadt, wie Trov, mitten in der Nacht an?“
Gyldan, ein etwas kleinerer Söldner, der häufig mit Tioboid zusammen im Kampf gestanden hatte, schob den Größeren beiseite. „Ich gehe nachsehen!“ entschied er, aber Tioboid schüttelte den Kopf. „Wir gehen nachsehen!“ korrigierte er und sah sich im Gastraum um. „Noch jemand?“
Reihenweise gingen Hände nach oben. „Es ist unsere Stadt!“ konstatierte Andaria, beugte sich über die Theke und zog aus einem Fach darunter ihre Axt heraus. „Niemand pisst auf die Stadt, in der ich lebe!“
Auch ein gutes halbes Dutzend anderer Gäste holte ihre Waffen hervor und stellten sich hinter Tioboid auf.
Der ließ den Blick über die Lebewesen hinter ihm schweifen. „Ich bin stolz auf euch!“ stellte er fest und zog sein Schwert aus der Scheide.
„Für Trov! Bis zum Tode!“ brüllte er und die anderen übernahmen seinen Schlachtruf.
Dann rissen sie die Tür auf und stürmten ins Freie.
*
Tioboid war der erste auf der Straße und bremste abrupt, während die anderen bereits aus der Spelunke gerannt kamen und sich hinter ihm platzierten. Abgesehen von Gyldan, der sich neben ihn stellte und suchend die Straße vor ihnen hinabblickte.
„Was ist das?“ fragte er und wies auf die üppige Ansammlung von Fackeln, die ihnen von ferne entgegenkam. „Trolle?“
Tioboid kniff die Augen zusammen, dann schüttelte er den Kopf. „Nein! Ich habe noch nie solche Wesen gesehen!“
Sie sahen, wie sich die vorderen Fackeln nach links und rechts aufteilten und, ohne groß zu zögern, in die Häuser eindrangen. Kurz darauf ertönten schon die ersten Schreie.
„Was immer sie sind,“ begann Gyldan, „wir werden sie vertreiben oder töten! Vorwärts!“ rief er und stürmte los. Tioboid und die anderen folgten ihm sofort.
„Frösche!“ brüllte Tioboid, als er die Gegner deutlicher sah. „Riesige Monsterfrösche!“
Dann prallte die kleine Gruppe Söldner auf die Angreifer und ein Gemetzel begann. Gyldan warf sich zur Seite, als ein Frosch seine Axt nach ihm schwang, rollte sich über den Boden ab und hackte mit seinem Schwert nach dessen Knien. Der Frosch knickte ein und bekam eine zweiten Schlag in den Nacken. Aber seine dortige Muskulatur und die dicken Knochen. widerstanden der Schwertklinge, die gerade mal fünf Zentimeter eindrang. Trotzdem spritzte sein Blut heraus, während er sich mit einer Hand vom Boden abfing. Mit der andere Schlug er blind nach Gyldan und traf ihn seitlich am Kopf.
Mit einem lauten Knacken brach dessen Genick und er fiel zu Boden.
„Dafür stirbst du!“ rief Andaria und hackte mit ihrer Axt auf den Froschkopf ein, der dem wütenden Angriff jedoch nur kurz standhielt. Schließlich sackte auch er tot zu Boden.
Tioboid holte aus und ließ sein Schwert auf das Brustschild eines anderen Frosches krachen, der dadurch einige Schritte zurücktaumelte. Sofort sprang Andaria nach und hieb wieder mit ihrer Axt zu. Aber diesmal prallte die Klinge von dem Helm ab, den der Frosch trug. Er hob seinerseits sein Schwert und wollte auf Andaria einstechen, als Tioboid Schwert knapp an Andaria vorbeifuhr und sich in seine Brust bohrte.
Der Frosch riss seinen Mund auf und fletschte seine scheinbar Messerscharfen Zähne, dann quoll Blut zwischen ihnen hervor und er fiel zu Boden.
„Schnappt euch die Frau!“ rief Hunfrid, der Anführer der angreifenden Frösche. „Sie wird uns starken Nachwuchs gebären!“
Sofort warfen sich drei Frösche auf Andaria, packten und entwaffneten sie. Tioboid wollte ihr zur Hilfe kommen, sah sich jedoch schlagartig einem halben Dutzend Frösche gegenüber, die mit ihren Schwertern auf ihn eindrangen. Rasch blutete er aus kleinen Schnittwunden, während er hilflos mitansehen musste, wie Andaria verschleppt wurde.
Immer weiter wich er zurück, weil er dem Ansturm nicht gewachsen war. In der Menge der Frösche surrte es plötzlich und er erhielt einen Schlag gegen die Brust. Irritiert sah Tioboid auf den Pfeil hinab, der nun aus seiner Brust ragte.
Mit einer wütenden Bewegung riss er ihn raus und stürmte wieder auf die Frösche vor. Mit kräftigen Schlägen hackte er ihnen links und rechts Wunde in die Körper, bis zwei weitere Pfeile sein Vorankommen verhinderten.
Tioboid spürte, wie ihn eine Schwäche überkam und er auf seine Knie niederfiel. Aus trübe werdenden Augen sah er muskulöse Froschbeine vor ihm auftauchen und er sah nach oben.
Hunfrid fletschte seine Zähne, während er mit dem Schwert ausholte und Tioboid den Kopf abschlug.
„Holt euch die Frauen! Aber nur Menschenfrauen! Keine Gnade gegen die Männer!“
Vor Aptera
Mairi und Torra, die Zwillingsschwestern Rosfar, die den elterlichen Hof betreuten, während ihre Eltern in der nahen Stadt Aptera waren, um notwendige Geräte für den Hof einzukaufen, hatten es gerade geschafft, die Milchkühe zu melken, von denen sie ein halbes Dutzend im Stall stehen hatten.
Torra sah aus dem Stall hinaus, auf die gerade über den Horizont aufsteigende Sonne und rief daraufhin ihre Schwester.
„Da nähern sich drei Reiter!“ Mairi verzog das Gesicht, als sich den Eimer voller frischer, warmer Kuhmilch anhob und trug ihn beiseite. „Wir gehen besser ins Haus! Wer weiß, was die hier wollen. Vor allem zu dieser frühen Stunde!“
Sie gab ihrer Schwester einen kleinen Schubs in Richtung auf das Haus. „Nun komm schon!“
„Aber meine Damen!“ hörten sie hinter sich eine Männerstimme vorwurfsvoll sagen. „Sie wollen uns doch wohl nicht von ihrer Anwesenheit befreien, oder? Das wäre unhöflich!“
„Lauf!“ rief Mairi und stieß ihre Schwester voran. Sofort lief Torra los und hörte ihre Schwester hinter sich. Sie rannten um den Stall herum und bremsten abrupt, als sie sahen, das auf der Veranda noch zwei Männer standen und ihnen grinsend zuwinkten.
„Nur heran! Nur heran!“ riefen sie. „Nicht so schüchtern!“
Mairi seufzte und ließ die Schultern sinken. Sie sah ihre Schwester an. „Ich befürchte, wir haben ein Problem!“ Torra schüttelte den Kopf. „Du lenkst sie ab und ich besorgen eine Waffe!“ sagte sie.
„Woher?“ Torra ließ jetzt auch den Kopf sinken, da die Waffen im Haus waren. „Verdammt!“ knurrte sie und wies auf die andere Seite. „Da kommt noch einer!“
Die beiden Schwestern drängten sich aneinander, während sich die Männer langsam um sie herum platzierten. Ausgenommen davon war lediglich der letzte Mann, den Torra gerade gesehen hatte.
Er trotte gemütlich mit seinem Pferd auf die Ansammlung zu. Schließlich zügelte er es und beugte sich im Sattel vor.
„Alles in Ordnung, die Damen!“ nickte er ihnen höflich zu. Mairi schnaufte und wies auf die sechs Männer, die sie umkreist hatten. „Sieht es so aus?“ fragte sie ätzend.
Der junge Mann auf dem Pferd zuckte mit den Schultern. „Ich denke mal die Herren haben sich verirrt und wollten lediglich nach dem Weg fragen!“ Er sah den vermeintlichen Anführer an. „Oder sollte ich mich da täuschen?“
Eahachan, der Mann aus dem Stall, drehte sich zu ihm um. „Bursche, du solltest besser verschwinden! Wir sind die Horn-Brüder! Du hast sicher von uns gehört!“
Der junge Mann pfiff durch die Zähne. „Die Horn-Brüder!“ meinte er beeindruckt. „Ja, von euch habe ich schon gehört! Allerdings nichts Gutes! Leider!“ sagte er mit einem bedauernden Tonfall.
Im nächsten Moment bewegten sich seine Hände rasend schnell und kurz darauf sanken Eachans fünf Brüder tot oder sterbend zu Boden.
Eachan trat einen Schritt zurück, als sein Blick über seine toten Brüder fiel.
„Verdammter Narr!“ rief er, zog sein Schwert und stürmte auf den jungen Mann zu. Der machte eine achtlose Bewegung mit einer Hand und Eachans Lauf kam ins Stocken.
Er fiel vornüber auf die Knie und sah, wie der junge Mann von seinem Pferd abstieg und auf ihn zukam. Mit einer flinken Bewegung zog er das Messer aus Eachans Brust und säuberte die Klinge an dessen Wams.
„Wer bist du?“ fragte Eachan schon röchelnd. Der junge Mann verbeugte sich. „Rhys Trevelian! Habe die Ehre!“ sagte er, packte den Kopf Eachans und brach ihm mit einer schnellen Bewegung das Genick.
Er klopfte sich imaginären Staub von der Hose, während er sich erhob und den beiden Frauen zuwandte.
„Meine Damen, ich denke mal sie können jetzt weiter ihren Hof bestellen. Natürlich werde ich sie der Mühe entheben, sich um die Horn-Brüder zu kümmern und sie mitnehmen!“
Die beiden Frauen sahen ihn mit offenem Mund nach, während er die Pferde in einer Reihe zusammenband, die Toten über die Sättel legte und verzurrte.
„Na, Rhys? Neue Freunde gefunden?“ Die Zwillingsschwestern sahen sich um und entdeckten neben ihrem Haus eine in schwarzem Leder gekleidete junge Frau auf einem Pferd sitzen.
Rhys warf einen Blick über seine rechte Schulter, dann drehte er sich um. „Hallo Erin! Darf ich dir die… äh…?“
„Wir sind Mairi und Torra Rosfar!“ beeilte sich Torra zu sagen und wies dabei auf ihre Schwester und sich. Sie nickte der jungen Frau zu. „Der junge Mann, Rhys, hat uns beschützt! Diese… Männer“, bemerkte sie abfällig. „…hatten sicherlich nichts Nettes mit uns vor!“
Erin nickte und glitt schlangengleich von ihrem Pferd. „Ja, das kann mein Bruder. Wenn es darum geht, junge Damen zu beschützen, ist er gerne ganz vorne mit dabei!“ Sie lächelte Mairi an und zwinkerte ihr zu. Sie wandte sich an Rhys. „Brauchst du noch Hilfe? Sonst sollten wir langsam zusehen, das wir zurückreiten. Bevor die Sonne hoch am Himmel steht!“
Mairi trat einen Schritt nach vorne. „Ihr wollt uns schon wieder verlassen?“ Erin nickte langsam. „Ach, weißt du, wir haben es nicht so mit dem Sonnenlicht. In jungen Jahren war es noch anders, aber heutzutage…!“ Mairi hob die Augenbrauen vor Überraschung. „Ihr seid ein Vámpir?“ fragte sie verwundert.
Erin wandte sich ihr zu und verbeugte sich leicht. „Prinzessin Erin aus dem Hause Murrsha!“ Torra wies auf den jungen Mann. „Aber… aber er stellte sich als Rhys Trevelian vor! Euer Bruder?“
Erin wies auf ihren Bruder. „Darf ich vorstellen? Prinz Rhys aus dem Hause Murrsha. Unser Vater ist Fürst Trevelian!“
Torras Blick verschleierte sich. „Ihr seid ein Prinz?“ Rhys wiegte den Kopf. „So sagt man!“ Er lächelte ihr zu. „Seid ihr jetzt enttäuscht?“ Torra schüttelte nachdrücklich den Kopf. „Gott bewahre, nein. Ich dachte mir schon so etwas!“
„Rhys? Wir müssen so langsam!“ Rhys nickte seiner Schwester zu. „Ja, lass uns los!“ Er verbeugte sich vor den Zwillingen. „Meine Damen? Es war mir eine Freude, euch kennengelernt zu haben!“
Geschmeidig sprang er auf sein Pferd und lenkte es neben das seiner Schwester, die auch schon aufgesessen war.
„Nun denn!“ grüßte er noch einmal, dann packte er die Leine der sechs Zugpferde und trat seinem Pferd in die Seite.
Gemütlich ritten die beiden an und zogen dabei die Pferde mit den Toten hinter sich her.
Mairi lief ihnen ein paar Schritte nach. „Werde ich euch wiedersehen?“ fragte sie und sah dabei Erin an. „Wohlmöglich führt mich mein Weg nochmal hierher!“ lächelte Erin sie an. Torra war zwischenzeitlich neben sie getreten. „Und euer Bruder auch?“ Erwartungsvoll sah sie in dessen Richtung.
Rhys lachte und ließ sein Pferd kurz aufsteigen. „Wohlmöglich!“ rief er fröhlich.
Aptera – eine weitere Residenz des Hauses Murrsha
Ein hämmerndes Klopfen erschütterte meinen Kopf und ich drehte mich mit einem leisen Fluch zur Seite. Erneut hämmerte es. Doch diesmal hatte ich den Eindruck, dass es nicht mein Kopf war, indem so gehämmert wurde, sondern lediglich die Zimmertür.
„Herein!“ knurrte ich und stützte mich auf meinen Ellenbogen ab, um den Ankömmling begrüßen zu können.
Vorsichtig wurde die Tür aufgeschoben und ein kleiner Kopf mit dichtem, blauschwarzem Haar schaute um das Türblatt. In seinen grünen Augen funkelte der Schabernack.
„Bist du wach, Papa?“ Ich sah meinen Sohn mit einem milden Lächeln an und streckte ihm die Arme entgegen. Mit einem Quietscher kam Kyan um die Ecke geschossen, lief auf das Bett zu und sprang mir entgegen.
Wie so oft verschätzte er sich aber in seinem Schwung und kam in gut einem Meter Höhe auf mich zugeflogen. Ich fing ihn ab und zog ihn zu mir herunter und drückte ihn an mich.
„Na, du großer Räuber? Warum weckst du mich, bevor die Sonne untergegangen ist?“ Kyan sah mich mit einem treuen Blick an. Dann gab er mir einen Kuss auf die Wange und mir lief ein warmer Schauer den Rücken hinab.
