3,99 €
Peter Gabriel ist zurück! Der Privatermittler/Leibwächter, der in Die Roboterwelt der Mionlach half, ist, knapp zehn Jahre später immer noch tätig. Als eine ehemalige Freundin von ihm ermordet wird, ist es für ihn selbstverständlich, dass er hilft deren Mörder aufzuspüren. Unterstützt wird er dabei von einem Cynbel, der die Okkupation seiner Heimatwelt rückgängig machen will. Leider ist dort ein unermessliches Vorkommen an Talorin gefunden worden, dass, wie man weiß, die Wächter benötigen, um ihre Raumschiffe zu bauen. Was die Ermittlungen kompliziert machen. Es wird also nicht langweilig im großen Reich Fleb!
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Veröffentlichungsjahr: 2025
Dramatis Personae
Chronologie der Romane aus dem Mionlach – Universum
Zusammensetzung der Bevölkerung im Reich Fleb, bevor die Menschen dazukamen
Prolog - Fleb I. – Monsun Capitol City – Östliches Gewerbegebiet
Kapitel 1 – Dr. Chalice Livingston, Saoghal Ospadal – vor einem Monat
Kapitel 2 – Cynbel III, Sumpfgebiet Admán – vor zwei Wochen
Kapitel 3 – Fleb I. – Monsun Capitol City - Heute
Kapitel 4 – Fleb I. – Dóireann Vychan
Kapitel 5 – Fleb I. – Der Auftrag
Kapitel 6 – Fleb I. – Das Attentat
Kapitel 7 – Fleb I. – Die Partnerschaft
Kapitel 8 – Vor über drei Wochen im Cynbel-System
Kapitel 9 – In der Umlaufbahn über Cynbel III
(Unbenannt)
Kapitel 10 – Vor etwa einer Woche auf Fleb I.
Kapitel 11 – Vorgestern auf Fleb I.
Kapitel 12 – Jetzt – Fleb I.
Kapitel 13 – Fleb I. – Die Mionlach
Kapitel 14 – Cynbel-System – Mining Resort VI
Kapitel 15 – Cynbel-System – Mining Resort VI – Transport
Kapitel 16 – Cynbel-System – Mining Resort VI -DSMC
Kapitel 17 – Cynbel-System – Mining Resort VI
Kapitel 18 – Cynbel-System – Mining Resort VI
Kapitel 19 – Cynbel-Rim, Station Morgenrot
Kapitel 20 – Station Morgenrot, Im Untergrund
Kapitel 21 – Station Morgenrot – In der Dunkelheit
Kapitel 22 – Fleb I. – Im Kaiserpalast
Kapitel 23 – Über Cynbel III
Kapitel 24 – Drei Wochen später auf Cynbel III
Der Autor:
Weitere Geschichten vom gleichen Autor:
Peter Gabriel, P.I.
von
Klaus Hartung
Ein Roman aus dem
Mionlach-Universum
Die Mionlach
Tref – Kommunikation der Mionlach
Vin – Kampfausbilder der Mionlach
Mara – weibliche Agentenführerin der Mionlach
mCillChaoin „Bob“ – Wächter-Mitglied der Mionlach
Alviss – Sohn von Mara und Bob
Peter Gabriel – Privatermittler, der der Mionlach aushilft
Eoin Aodhán – Cynbel, der der Mionlach aushilft
Sonstige
Edalon Heort - Leiter des kaiserlichen Geheimdienstes
Fleborius XI. – Amtierender Kaiser
Jonathan Seagull Livingston – Geschäftsmann
Logan McCarthy – Leiter der DSMC
Caleb – seine rechte Hand
MicKenzie Calhoun – Lademeister Carrier V
Frank Delaney – Transport-Pilot der DSMC
Dóireann Vychan – Prospektorin bei der DSMC
Dóire Vychan – ihre Schwester und Moderatorin bei KNTXT
Saoghal Ospadal die Krankenhauswelt
Chalice Siobhan Livingston, Dr. – seine Tochter/Leiterin der Krankenhauswelt
Die Wächter
Gnarrt – Kommandant der Blubb
Gwenda – seine Frau
tCianPadraig – Sohn von Tarrk, Kommandant der DNIG
wEimearSaoirse – Sohn von Wurrk, Kommandant der KRXA
Gurrg – Erster Offizier der Blubb
Pirks – Pilot der Blubb
Twerk – Langstreckenbeobachter
Spark – Kommunikationsoffizier
Kurzx – Analyst der Blubb
Wurrk – Kommandant der Krxa
Begriffserläuterung
Mionlach - Elite
Fear Na Sìthe – Friedensbringer
SpásPol – Weltraum-Polizei
Sóglachan Glad – Purer Luxus
Saoghal Ospadal – Krankenhaus-Welt
DSMC – Deep Space Mining Company
Zu den Sternen – Die Tyler Gabriel Chroniken – Band 0 der Mionlach
Das Pergament – Band 1 der Mionlach
Planet auf Abwegen – Band 2 der Mionlach
Roboterwelt – Band 3 der Mionlach
Malev – Band 4 der Mionlach
Valoraner – Humanoid, zweigeschlechtlich, um die zwei Meter, allerdings mit vier Armen, kräftig und abenteuerlustig, leben in Clans, der Clanführer ist für das Einkommen des Clans verantwortlich. Helle Hautfarbe. Oft braungebrannt. Haarfarbe überwiegend blond bis weiss. Dunkle oder gar schwarze Haare sind sehr selten. Landwirtschaftlich interessiert, sehr seßhaft.
Djewgenianer – Humanoid, zweigeschlechtlich, zwischen 160 und 190 Zentimeter groß, durchschnittlicher Körperbau, Haut rötlich eingefärbt. Aggressiv und kriegerisch. Landwirtschaftlich eher uninteressiert. Warum etwas anbauen, wenn man es stehlen kann? Leben in großen Gruppen zusammen und sind sehr reisefreudig.
Wächter – sind etwa einen Meter hoch und in etwa genauso breit. Bestehen aus einer gallertartigen, blauen, leicht durchsichtigen Masse, aus der bei Bedarf diverse Gliedmaßen geformt werden konnten. Zweigeschlechtlich, Augen, Mund, Ohren gibt es wohl, werden aber meistens nicht besonders definiert. Sind aus einem fernen System, dessen Sonne gestorben ist in das Reich Fleb gekommen. Leben clanweise fast ausschließlich auf ihren Schiffen. Dafür, dass sie im Reich Fleb eine neue Heimat gefunden arbeiten sie als Wächter und schützen die weitläufigen Grenzen des Reiches. Kennen keine Angst. Sind langlebig und gelten als nahezu unbesiegbar. Haben die Fähigkeiten, ihren eigenen Körper bis zu zwanzigmal zu klonen. Jeder Klon arbeitet autark, überträgt aber seine Daten, Werte, Empfindungen an das Original.
Flebirianer – Humanoid, zwischen 140 und 180 Zentimeter groß, zweigeschlechtlich, nahezu menschlich, mit allerdings sehr spärlichem Haarwuchs. Helle bis gelbe Haut. Kein Hang zur Bräune.
Bercleah – Humanoid, aber tierischen Ursprungs, der irdischen Katze ähnlich. Zwischen 120 und 150 Zentimeter groß. Bewegt sich üblicherweise auf zwei Beinen, kann aber auf allen Vieren höhere Geschwindigkeiten erreichen. Raubtiergebiss. Haarlos. Kein Schwanz. Lebend gebärend. Sehr gute Sehkraft und Gehör. Zweigeschlechtlich. Engagieren sich gerne als Soldaten.
Cynbel – Humanoid, reptilienartige Aussehen. Zwischen zwei und zweieinhalb Meter groß. Kann das Geschlecht den Umständen anpassen. Eiergelege. Haarlos. Bewegt sich auf zwei Beinen und einem Stützschwanz. Kriegerisch. Raubtierartiges Gebiss. Es geht das Gerücht, dass sie ihre Opfer schon mal fressen. Militärisch Interessiert.
Estcot – Grundsätzlich Humanoid. Bis zu drei Metern Groß. Stark behaart. Vermutlich zweigeschlechtlich. Leben in kleinen Gruppen zusammen. Leben häufig in Wäldern oder Gebirgen. Bleiben üblicherweise für sich.
Pnumekon – Um die zweieinhalb Meter groß. Humanoid. Sehr schlank. Gelbe Haut. Pechschwarze Haare. Überproportional große Augen. Wüstenbewohner. Ausdauernde Läufer. Benutzen bevorzugt eine langläufige Flinte. Jagen auf große Distanz. Keine Nahkämpfer.
Zur Erinnerung an
W. W. Shols
C. R. Munro
J. E. Wells
Jonathan Burke
James Spencer
H. K. Bulmer
Ihre Hefte und Leihbücher hielten Ende der Fünfziger und Anfang der Sechziger die SF am Leben!
Es gibt keine Grenze für das,
was Du leisten kannst…
außer dem Limit,
dass Du Dir selber setzt.
Prolog
Ich wusste schon, dass es ein Fehler war, als ich den ersten Fuß auf die Kellertreppe setzte und langsam nach unten schlich. Für einen Moment war ich am Überlegen, die Taschenlampe an meiner Waffe zu aktivieren, aber entschied mich dagegen, da ich kein unnötiges Ziel bieten wollte.
Die Sicht vor mir war eher düster bis dunkel. Und jede Menge Staubpartikel schwebten in der Luft, was das Atmen nicht gerade erleichterte.
Irgendwo da unten im Dunkeln wartete ein Kerl auf mich, der mir das Lebenslicht ausblasen wollte. Und ich hatte nicht einmal eine leise Ahnung, warum er dieses Bedürfnis hatte.
Ich war heute Abend, wie häufig, nach getaner Arbeit in einer Bar noch einen Schlummerschluck nehmen gewesen. Doch kaum hatte ich zwei Schritte vor die Bar getan, traf mich schon die erste Kugel in den Oberschenkel. Die zweite schlug in Höhe des Bauchnabels ein.
Zum Glück konnte mich weder die eine, noch die andere, ernsthaft verletzen, aber was mich ärgerte, war, dass ich jetzt in meinem nagelneuen Anzug zwei bildschöne Löcher hatte. Erklären Sie das mal ihrem Schneider!
Also hatte ich mich seitlich zwischen zwei Häusern weggemacht und harrte der Dinge, die da kommen würden.
Und sie kamen. Sie kamen in Form von drei Typen, die alle einen Kopf größer waren als ich, und ich bin schon 195 cm groß, und sich wie ein wildes Tier bewegten, das sich an seine Beute anschleicht. Nur war in diesem Fall das wilde Tier, also ich, so freundlich, dem ersten Jäger einen Gruß aus meiner DesEag entgegen zu schicken.
Er empfing meinen Gruß mit seinem Kopf und verschied.
Seine beiden Kollegen spritzen sofort auseinander und versuchten mich von zwei Seiten in die Zange zu nehmen.
Allerdings blieb ich nicht an Ort und Stelle, sondern lief die schmale Straße hinunter, um dort kurz hinter einem Müllcontainer in Deckung zu gehen und zu versuchen unsichtbar zu werden. Was mir leider nicht gelang, wie ich merkte, als über mir eine Kugel in den Container einschlug.
Schnell drehte ich mich um und feuerte in die vermutete Richtung. Zweimal. Beides Fahrkarten.
Ich drückte auf einen Knopf an der Seite meiner Waffe und schaltete damit auf das zweite Magazin um, das Sprengmunition enthielt.
Als die nächste Kugel mich knapp verfehlte sah ich zu mindestens das Mündungsfeuer und platzierte drei Schüsse darum herum. Dann musste ich geblendet die Augen schließen, da die Munition auch mit einer sehr hellen Lichterscheinung verbunden war. Etwas, das allerdings mein dortiger Gegner nicht mehr mitbekam. Die Polizei würde ihn wohl später mit einem Besen zusammenfegen müssen.
„Deine beiden Kumpels sind tot! Gib auf und komm raus! Wir können über alles reden!“ Ich versuchte es tatsächlich auf die gutmütige Tour mit ihm. Aber dankte er es mir? Nein!
Er schoss mehrmals auf mich, weswegen ich in Deckung gehen musste, dann hörte ich Fußgetrappel und wusste, das er die Flucht vorzog.
Also verließ auch ich meine Deckung und machte mich an die Verfolgung, die uns nun in dieses alte Haus geführt hatte, wo der Typ, der vor mir weggelaufen war, hoffte, sich endgültig verstecken zu können.
Beim Thema Endgültig war ich durchaus bereit ihm zu helfen, wenn auch vielleicht nicht so, wie er sich das vorstellte. Allerdings würde er mir vorher noch ein wenig erzählen müssen, bevor er sich endgültig verabschieden würde.
„Nun gib schon auf! Du kommst hier nicht raus! Sag mir, wer dein Auftraggeber ist und ich lasse dich laufen!“
Ich lauschte dem Nachklang meiner Worte und fand sie überzeugend. Irgendwie wenigstens.
„Du lügst!“ rief mir jemand aus dem Dunkel entgegen. „Du wartest, bis du mich siehst und dann knallst du mich ab!“
Ich grinste. Kluges Kerlchen. Dann aber räusperte ich mich.
„Nein! Du kannst mir trauen! Ich will nur deinen Auftraggeber! Dich lasse ich laufen!“
Ich hatte mich diesmal bemüht eine große Menge Überzeugungskraft in meine Worte zu legen und konnte förmlich hören, wie das Gehirn des anderen arbeitete.
„Und ich kann dir trauen?“ Nur soweit du mich werfen kannst, dachte ich.
„Ja, natürlich! Wem, wenn nicht mir?“ Oh, da fallen mir einen Menge Leute ein.
„Und du lässt mich wirklich laufen?“ Vielleicht schieße ich dir vorher in die Knie, dachte ich so bei mir. Aber dann kannst du gehen…
„Sag mir deinen Auftraggeber und du bist frei und kannst gehen wohin du willst!“
„Du schwörst das?“ Ich schnaufte. „Gleich knall ich dich ab, nur weil du mir nicht traust!“ frotzelte ich. „Nun leg die Waffe weg und komm raus!“
Ich hörte, wie etwas zu Boden schepperte und hob meine Waffe. Eine schemenhafte Erscheinung tauchte am Ende der Treppe auf und hatte die Hände erhoben.
Ich trat ein paar Schritte zurück und winkte mit meiner Waffe. „Los, komm raus! Eine Hand kannst du runternehmen und dich am Geländer festhalten! Mach keine Zicken!“
Mein Angreifer entpuppte sich als ein junger Mann von Anfang zwanzig, der mehr Pickel im Gesicht hatte, als Haare auf dem Kopf. Den hatte er sich nämlich geschoren.
„Hände in den Nacken!“ Ich winkte entsprechend mit meiner Waffe. Und so vor einer DesEag zu stehen und in die Mündung zu schauen, macht einem die eigene Sterblichkeit sehr deutlich.
„Also?“ fragte ich. „Dein Auftraggeber?“ Der Junge sah sich misstrauisch um. „Und du lässt mich wirklich laufen?“
Ich winkte ungeduldig mit der Waffe. „Wenn ich dich hätte töten wollen, wärst du schon tot!“
Er seufzte. „Sha´rid Felabeohrt!“
Überrascht hob ich die Augenbrauen. „Warum? Ich hatte doch nichts mit ihr zu tun?“
Ich konnte mich aber noch lebhaft daran erinnern, dass sie vor Jahren versucht hatte, meinen damaligen Schützling umzulegen. Was aber letztlich durch die Mionlach verhindert wurde, der besonderen Eingreiftruppe des Kaisers.
Der Junge zuckte mit den Schultern. „Ich soll dich umlegen! Dafür zahlt sie mir fünfzigtausend Credit!“ Ich schnaufte. „Das ist ja schon fast eine Beleidigung! 50K C? Seit wann werde ich verramscht?“
Ich winkte mit der Waffe. „Verschwinde! Und lauf mir nie wieder über den Weg!“
Der Junge nickte und schob sich an mir vorbei. Wie ein geprügelter Hund ging er den Flur hinunter und ließ die Schultern dabei hängen. Am Ende des Flures machte er dann etwas ganz Dummes. Er griff unter sein Hemd, wo er wohl eine zweite Waffe verborgen hielt, drehte sich um und wollte auf mich schießen.
Ich hatte immer noch Mitleid mit dem armen Kerl und wollte ihm lediglich in die Schulter schießen. Aber ich hatte noch auf Sprengmunition geschaltet.
„Hey Sweetie,“ flötete ich in das Mikrofon der Anflugkontrolle, „hast du da unten ein Plätzchen für mich?“
„Hier ist die Anflugkontrolle Saoghal Ospadal! Identifizieren Sie sich, oder wir schießen sie ab!“ Ein Kerl, dachte ich mir, der der Meinung war, den Lauten machen zu können.
„Keine Ahnung, welches hohle Würstchen mich gerade bedroht, aber wenn Chalice das erfährt, wie du mit ihrem Lebensretter umgehst, wirft sie dich im nächsten Raumschiff in die Turbine! Frag bei deiner Chefin nach, bevor du mich weiter nervst! Hier spricht Peter Gabriel! Ende!“
Für einige Minuten kam nur Rauschen aus dem Lautsprecher. „Wir senden ihnen einen Leitstrahl für den Landeplatz 14! Guten Anflug!“
Ich nickte zufrieden. „Geht doch!“ Und lehnte mich gemütlich in meinen Pilotensitz zurück, nur um mich keine zwei Minuten später wieder vorbeugen zu müssen, weil mein Bordvisiophon ansprang.
„Peter, mein Bester, könntest du aufhören, meine Leute zu bedrohen?“ Ich grinste den Monitor an. „Chalice, meine Süße, ich habe ihn nicht bedroht! Ich habe ihm lediglich in Aussicht gestellt, was du mit ihm machen würdest, wenn er mich abschießt!“
Chalice, die auch in ihrer Ärztekluft bildschön aussah, sah mich nachdenklich an. „Und du glaubst wirklich, ich würde so jemanden nur in eine Raumschiffturbine werfen? Du unterschätzt mich!“ Sie lachte laut auf und winkte mir zu. „Sieh zu, dass du runterkommst. Ich schicke dir einen Wagen, der dich abholt!“
Der Bildschirm erlosch und die Bodenkontrolle setzte mein Raumschiff sanft Landeplatz 14 auf.
Ich schaltete sämtlich Energiezufuhr ab. Selbst die für die Sicherheitseinrichtungen. Und ging mich umziehen.
Nachdem ich das Raumschiff verlassen hatte, allerdings nicht ohne den Zugang zu verschlüsseln, hielt auch schon der avisierte Wagen vor der Rampe.
Ein Roboter ließ die Tür hinter seinem Fahrersitz auffahren. „Nehmen Sie bitte Platz, Sir oder Madam!“ schnarrte er. „Möchten Sie, dass ich den Fahrgastraum klimatisiere?“
„Nein, danke. Bring mich nur schnell zum Doktor!“
Der Roboter verdrehte seinen Oberkörper und sah mich mit seinen kleinen, leuchtenden Augen an.
„Sie sind krank, Sir oder Madam?“ „Ich schüttelte den Kopf. „Nein! ich habe mich nur unglücklich ausgedrückt. Ich möchte zu Dr. Livingston!“
Der Roboter drehte sich wieder zurück. „Wie Sie wünschen, Sir oder Madam!“ „Sir reicht!“
Ich wurde ein wenig in das Polster gedrückt, als der Roboter losfuhr und wollte mich erst beschweren. Aber dann fiel mir ein, dass ich ja eine schnelle Fahrt bestellt hatte und entschied mich sicherheitshalber dafür, mich anzuschnallen.
Als der Roboter vor dem Hauptgebäude beinahe eine Vollbremsung hinlegte und ich, ohne Sicherheitshalterung quer durch den Wagen geflogen wäre, war ich für meine Voraussicht dankbar.
Neben fuhr die Fahrzeugtür. „Ich wünsche ihnen einen schönen Tag, Sir!“
Ich war froh, aus dem Wagen zu kommen und reckte und streckte mich erst einmal ausgiebig. Irgendwie hatte ich wohl da drinnen verspannt gesessen.
Die wirklich sehr große, doppelte durchsichtige Eingangstür öffnete sich geräuschlos, als ein junger Mann in einem hellgrünen Overall heraustrat und mich begrüßte.
„Mr. Gabriel? Darf ich Sie zu Dr. Livingston bringen?“ Er trat beiseite und wies auf die, mich zutiefst beeindruckende Eingangstür. „Ich darf vorgehen?“
Ohne eine Antwort abzuwarten, schritt der junge Mann durch die Türöffnung. Ich folgte ihm zwar, blieb aber in der Tür stehen und betrachtete deren Konstruktion.
Der junge Mann stellte sich an meine Seite. „Beeindrucken, nicht wahr?“ Ich nickte ihm zu. „Das letzte Mal, als ich hier war, gab es die noch nicht!“
„Ja,“ nickte der junge Mann. „wenn ihr letzter Besuch etwa sechs Monate her ist…“ Er schmunzelte. „Wir hatten vor vier Monaten einen Estcot. Aber einen ausgewachsenen! Der war nicht nur seine drei Meter hoch, sondern auch etwa zwei Meter breit! Er erzählte selber, dass er Muskelwachstum steigernde Präparate genommen hätte, das Wachstum aber nicht aufhören würde, obwohl er die Medikation abgesetzt hätte! Er hatte beachtliche Schwierigkeiten, durch den alten Eingang zu kommen und eine Menge Flurschaden angerichtet. Danach hat Dr. Livingston sich für einen deutlich größeren Eingang entschieden. Ist einfacher, als ein Zelt hier auf dem Vorplatz aufzustellen und wirkt auch deutlich professioneller!“
Ich nickte dem jungen Mann zu. „Verstehe ich! Können wir dann weiter?“
*
Chalice sah von ihrem Schreibtisch hoch, als ich an ihre Tür klopfte. „Komm rein, Peter!“ sagte sie, stand auf und ging um ihren Schreibtisch herum.
Herzlich nahm sie mich in die Arme und gab mir einen Kuss links und rechts auf die Wange. „Schön, dass du es einrichten konntest! Setz dich doch!“ Sie wies auf einen Sessel vor ihrem Schreibtisch, dann ging sie zu einem Schrank auf der anderen Seite und öffnete beide Türen. Dahinter kam eine ansehnliche Ansammlung guter und teurer Getränke zum Vorschein.
„Was möchtest du?“ „Fruchtsaft!“ Sie sah mich mit einem zweifelnden Gesichtsausdruck an. „Im Ernst? Alles okay bei dir?“
Ich grinste sie spitzbübisch an und nickte. „Kein Alkohol, bevor ich nicht weiß, warum ich hier bin!“ „Also Fruchtsaft!“ bestätigte sie und füllte ein ziemlich großes Glas und reichte es mir.
Dankbar nippte ich daran. „Hm, Orangensaft?“ Sie schüttelte den Kopf. „Nicht ganz, aber nahe dran. Papaya und Mango!“
Ich nahm einen tiefen Zug und schmatzte. „Lecker Zeug!“ Sie grinste. „Soll ich dir einen Kübel davon ins Raumschiff einladen?“ „Nur zu gerne!“
Chalice gab etwas in ihren PersonalPad ein und nickt mir zu. „Wird an Bord kaltgestellt!“ Ich hob eine Hand. „Äh, der Zugang ist verschlüsselt!“
Sie hielt mir das Pad hin. „Dann gib dort den Code ein!“ Ich war dann so frei.
Chalice setzte sich wieder hinter ihren Schreibtisch, tippte kurz auf einer Tastatur und dreht dann einen Monitor zu mir rum.
Ich beugte mich vor und kniff die Augen zusammen um die chemische Formel entziffern zu können. Schließlich musste ich aber verneinen.
„Es hat irgendwas mit einem Schutz zu tun, soviel verstehe ich. Aber der Rest…?“ Chalice seufzte. „Körperpanzer! Es geht um einen Körperpanzer!“
Ich ließ mich im Sessel zurücksinken und trank noch etwas. „Und?“ fragte ich, da ich keine Ahnung hatte, worauf sie hinauswollte. „Für die Soldaten?“ Aber sie schüttelte den Kopf.
„Nein, Peter, es geht um einen Körperpanzer für Privatpersonen!“ Sofort beugte ich mich vor. „Erzähl mir mehr!“
Chalice stand auf und kam um ihren Schreibtisch herum und ging zu der leeren Wand links von ihm. Mit einer wischenden Handbewegung aktivierte sich die Wand und wurde zu einem großen Monitor.
Chalice tippte auf einer optischen Tastatur neben dem Bild etwas ein und es erschien eine Aussicht auf ein Labor, in dessen Mitte eine große, durchsichtige Röhre stand.
„Wir, also meine Wissenschaftler und ich, haben in den letzten Monaten daran gearbeitet, etwas zu entwickeln, das den menschlichen Körper in einem etwaigen Schusswechsel oder ähnlichem, schützt! Ich weiß, du wirst jetzt darauf hinweisen, dass es Schutzwesten und ähnliches bereits seit längerem gibt. Das ist richtig. Aber wir, eigentlich ich, dachte da an etwas Vollumfängliches! Etwas, das wohlmöglich den ganzen Körper schützt! Ja, ich weiß“, winkte sie ab. „es gibt auch Vollkörperpanzer! Aber, wer kann sich in diesen Dingern schon wirklich flüssig bewegen? Genau! Niemand!“
Sie drehte sich zu ihm um und ging dann ein paar Meter zur Seite, während auf dem Monitor sich der Blickwinkel auf die durchsichtige Röhre fokussierte.
„Was aber nun, wenn die Testperson einfach eine Dusche nehmen muss, um hinterher einen Vollkörperschutz zu haben?“ Sie schüttelte den Kopf. „Nein, keine Dusche mit einer Flüssigkeit. Sondern Gas. Die Testperson badet in Gas!“ Auffordernd sah sie mich an.
Ich zuckte mit den Schultern. „Also, ich bade in Gas… und dann?“
„Dieses Gas“, fuhr sie lehrerhaft fort. „sorgt dafür, dass sich Nanopartikel auf deine Haut legen, ähnlich wie Schuppen, und so deine Körper vor den Folgen eines Geschosstreffers, oder Splitter, Schrapnell oder so, schützen!“ Sie hob eine Hand. „Der Treffer wird nach wie vor schmerzhaft sein, kann aber deine Haut nicht durchdringen!“
Auf dem Monitor erschien der Körper einer fiktiven Person, der leicht glitzernd glänzte. Ausgenommen davon waren der vordere Unterleib, sowie Kopf und Hals.
„Und was ist mit den freien Bereichen?“ Chalice grinste. „wenn du eine Kugel in die Testikel bekommst, ist es egal, ob sie abprallt! Am Kopf und am Hals ist es ähnlich. Der Aufprall einer Kugel gegen den Kopf würde dich töten, ob die Kugel abprallt, oder nicht!“
Ich schnaufte. „Also doch kein Vollschutz?“ Chalice seufzte. „Statistisch befinden sich 95% aller Wunden, sei es durch Kugel oder anderweitige Geschosse, unterhalb des Halses! Die übrigen 5% musst du dann eben schützen!“
Ich holte tief, sehr tief Luft. „Und das ist alles erprobt und funktioniert?“ Chalice wiegte den Kopf. „Noch nicht abschließend. Deshalb bist du hier!“
Ich sprang aus meinem Sessel auf. „Wie jetzt?“ Sie trat auf mich zu und legte mir beruhigend eine Hand auf die Schulter.
„Alles freiwillig, natürlich! Ich wollte dich bitte, als einer der ersten die Röhre zu besteigen und das Gas auszuprobieren!“ Sie hob eine Hand, als ich etwas sagen wollte. „Der Schutz hält im Übrigen nicht ewig. Nur etwa drei Monate, bevor er anfängt sich abzuschwächen! Und es sind damit keine körperlichen Störungen oder Einschränkungen verbunden!“
„Und woran merke ich, dass sich der Schutz abschwächt? Daran, dass die Kugel eindringt?“ Chalice verzog das Gesicht… und nickte.
„Insofern wäre es sinnvoll, wenn du in zwei Monaten wieder hier wärst, damit wir den Schutz überprüfen können!“
Ich seufzte. „Na ja, wenn das deine Art ist, mich öfter zu sehen…!“ meinte ich grinsend. „Hättest du nur ein Wort sagen müssen!“
Wieder verzog sie das Gesicht. „Machst du es nun… oder nicht?“ Ich nickte. „Wenn ich schon mal hier bin!“
*
Das Labor, in das man mich führte, wirkte so, als ob an allen Wänden das Wort „Experimentell!“ in Neonfarbenen Lettern stünde. In schlichtem, kaltem Weiß gehaltene Wände, Decken und Böden. Frische, klimatisierte Luft hinterließ einen kalten Schauer auf meiner Haut.
„Sie müssen sich keine Sorgen machen!“ versicherte mir der Assistent, der mich hierhergeführt hatte. „Wir wissen, was wir machen!“ Ich sah ihn an und meinte: „Das hörte sich so an, als ob dahinter noch ein… meistens… käme?“
Der Assistent lächelte mich entschuldigend an. „Nun ja, dieses Gas ist nun mal eben experimentell!“ Dann wies er auf eine Tür gegenüber. „Wenn Sie dort bitte durchgehen würden? Abgesehen vom Kopf, müssen alle Haare an ihrem Körper entfernt werden!“
Ich machte einen kleinen Sprung zur Seite. „Was!“ rief ich entrüstet. „was wollt ihr machen? Mich enthaaren? Spinnt ihr?“
„Nein, Peter, das ist notwendig, damit das Gas besser von der Haut absorbiert wird!“ Chalice war von hinten an mich herangetreten. „Die Haare wachsen doch nach. Wir… Ich würde dich nicht darum bitten, wenn es nicht wichtig wäre!“
Ich schluckte und sah sie mit Leidensmiene an. „Kannst du dich aus der Schulzeit noch an den Peruanischen Nackthund erinnern. Denn zeigten sie uns, als eines der Beispiele, was es für Tierarten auf der Erde gegeben hatte!“ meinte ich kopfschüttelnd. „So werde ich dann aussehen!“
Chalice lachte. „Was für ein Vergleich! Nein, nein, vielmehr wirst du mal wirklich nackt sein!“ Sie gab mir einen leichten Stups in Richtung der Tür. „Nun mach schon!“
„Und wie…“ „Nebenan ist ebenfalls eine Röhre, in die du dich reinstellst. Allerdings schaut oben der Kopf raus. Dann wird ein laserbetriebener Pulsator die Haare völlig schmerzfrei entfernen. Danach kommst du hierüber und stellst dich in diese Röhre!“
Ich zog die Augenbrauen zusammen. „Ich laufe hier vor allen nackt herum?“ Chalice musterte mich von oben bis unten. „Schüchtern?“
Ich streckte mich. „Los geht´s!“
Sie hatte nicht zu viel versprochen. Das Prozedere ging schnell und schmerzlos. Trotzdem fühlte ich mich im ersten Moment völlig verunsichert. Meine Haut fühlte sich so ungewohnt an. Und es war an einigen Stellen ziemlich kühl.
Die Röhre, in der ich gesteckt hatte fuhr nach oben und ich sah an mir herunter. Merkwürdig meine Beine zu sehen, ohne auch nur ein Fitzelchen Haare. Und, tatsächlich, stimmten die Gerüchte, ohne Haare sah es unten größer aus. Nicht, dass ich das nötig gehabt hätte!
Ich straffte meine Schulter und ging entschlossenen Schrittes wieder nach nebenan.
„Au weiah!“ Der Assistent musterte mich von oben bis unten und nickte anerkennend. „Kein Wunder, das Sie so von sich eingenommen sind!“
Spontan ging eine Augenbraue bei mir in die Höhe. „Wie meinen?“
Chalice winkte ab. „Ignorier ihn einfach. Kommst du dann bitte hierher zur Röhre!“ Auch wenn sie so tat, als würde sie mich nicht weiter studieren, sah ich doch, wie sich ihr Mund beeindruckt verzog.
Als ich dann neben der Röhre stand winkte sie ein paar Techniker herbei, die mir dann einen Sicherheitshelm verpassten, der auch den Hals mit bedeckte, und einen Tiefschutz, der wie eine dieser alten Unterhosen wirkte, die hinten nur einen dünnen Faden hatten.
„Alles nur zu deinem Schutz!“ lächelte Chalice.
Innerhalb weniger Minuten war ich für das große Experiment angekleidet und man führte mich in einen roten Kreis, in den in mich zu stellen hatte.
„Der Helm ist mit einer Sauerstoffversorgung verbunden, so dass du auf das Atmen nicht verzichten musst! Wenn du dann in der Röhre bist, du stehst bitte etwas breitbeinig und winkelst die Arme etwas ab, und sobald du uns signalisierst, dass alles in Ordnung ist, werden wir das Gas einleiten. Sobald alles geflutet ist, bitte ich dich, möglichst ruhig stehen zu bleiben. Etwa für fünf Minuten, wenn es dir möglich ist, solltest du dich nicht bewegen, damit sich die Nanopartikel gut mit deiner Haut verbinden können!“
