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Es ist ruhig im großen Reich Fleb. Bereits seit vielen Jahren gibt es keine nennenswerten Einsätzen mehr für die Mionlach, die Spezialtruppe des Kaisers. Da taucht aus den Tiefen der Galaxis ein alter Feind auf und fordert das Kaiserreich auf, ihm die Mionlach auszuliefern, anderenfalls würde er die Hauptwelt, Fleb I., zerstören. Und, um seine Drohung zu untermauern, zieht er eine Schneise der Vernichtung durch die Galaxis auf dem Weg zur kaiserlichen Zentralwelt. Nach „Das Pergament“, „Höllenwelt“ und „Die Roboterwelt“ ein weiteres Abenteuer mit den Mionlach. Begleiten Sie Dabrifa, Vin, Mara, mCillChaoin, Tref und Suul auf ihrem letzten Einsatz gegen einen übermächtigen Feind.
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Veröffentlichungsjahr: 2025
Dramatis Personae
1.Kapitel – Vor etwa vier Monaten – Messkir
2.Kapitel – Vor etwa vier Monaten – Fleb I.
3. Kapitel – Vor zwölf Monaten – Fleb I.
4. Kapitel – Vor etwa vier Monaten – Messkir
5. Kapitel – Vor etwa zwölf Monaten – Fleb I.
6. Kapitel – Vor etwa zehn Monaten – Outer Rim
7. Kapitel – Vor etwa neun Monaten – Fleb I.
8. Kapitel – Vor etwa acht Monaten – Outer Rim
9. Kapitel – Vor etwa acht Monaten – Outer Rim
10. Kapitel – Vor etwa sieben Monaten – Fleb I.
11. Kapitel – Vor etwa sieben Monaten – Dohmnull / Saoghal Ospadal
12. Kapitel – Vor etwa sechs Monaten – Dohmnull / Saoghal Ospadal
13. Kapitel – Vor etwa sechs Monaten – Fleb I.
14. Kapitel – Vor etwa vier Monaten
15. Kapitel – Vor etwa sechs Monaten – Auf Fluchtkurs
16. Kapitel – Vor etwa vier Monaten – Fleb I.
17. Kapitel – Vor etwa sechs Monaten – Auf Fluchtkurs
18. Kapitel – Vor etwa fünf Monaten - Saoghal Ospadal
19. Kapitel – Vor etwa drei Monaten – Messkir
20. Kapitel – Heute – An Bord der Fear II
21. Kapitel – Heute – Carrier Crom-3
22. Kapitel – Heute – nur wenige Tage von Fleb I. entfernt
23. Kapitel – Heute – Angriff
24. Kapitel – Heute – Dabrifa
25. Kapitel – Heute – Malev der Große
26. Kapitel – Heute – An Bord der Fear Na Sithe II
27. Kapitel – Heute – Fleb I.
28. Kapitel – Heute – An Bord der Fear Na Sithe II
Der Autor:
Weitere Geschichten vom gleichen Autor:
Malev der Große
eine Space Opera
Band 4
der
Mionlach-Quadrologie
von
Klaus Hartung
Diese Geschichte ist fiktiv. Der Ort und die Handlung sind ausgedacht. Die handelnden Personen sind erfunden. Jede Ähnlichkeit mit lebenden oder toten Personen oder Orten oder Örtlichen Gegebenheiten sind ungewollt und rein zufällig.
Kein Teil dieses Buches darf in irgendeiner Form oder mit irgendwelchen elektronischen oder mechanischen Mitteln, einschließlich Informationsspeicher- und -abrufsystemen, ohne schriftliche Genehmigung des Autors vervielfältigt werden, mit Ausnahme der Verwendung von kurzen Zitaten in Rezensionen.
Den Draufgänger erkennt man immer daran, dass er eine Party steigen lässt, wenn es ganz finster aussieht.
Für
Ursula Albers
In der Hoffnung, dass ich in dem Alter
auch noch so fit bin.
Die Mionlach
Suul – Pilot der Mionlach
Tref – Kommunikation der Mionlach
Dabrifa – Einsatzleiter der Mionlach
Vin – Kampfausbilder der Mionlach
Mara – weibliche Agentenführerin der Mionlach
mCillChaoin „Bob“ – Wächter-Mitglied der Mionlach
Harrietteá – freiwilliges Mitglied der Mionlach
Alviss – Sohn von Mara und Bob
Sonstige
Stregoni – Vorsitzender der Sternengemeinschaft
Edalon Heort - Leiter des kaiserlichen Geheimdienstes
Fleborius XI. – Amtierender Kaiser
Siuhan – Bewohnerin von Messkir
Carelis – Bewohnerin von Messkir
Boltar Arealian – Admiral und Kommandant des 3. Raumverbandes
Admiralin Aeldra Skereye - Leiterin der kaiserlichen Raumstreitkräfte
Elsurion - ihr Adjutant, ein Cynbel
Cyneburhlea – Zauberer
Branduin Colef - Kommandant der Cadel
Balnór – Anführer der Bürgerwehr auf Messkir
Jonathan Seagull Livingston – Geschäftsmann
Saoghal Ospadal die Krankenhauswelt
Chalice Siobhan Livingston, Dr. – seine Tochter/Leiterin der Krankenhauswelt
Allsun Varvia – ihre Assistentin
Die Wächter
Gnarrt – Kommandant der Blubb
Gwenda – seine Frau
tCianPadraig – Sohn von Tarrk, Kommandant der DNIG
wEimearSaoirse – Sohn von Wurrk, Kommandant der KRXA
Gurrg – Erster Offizier der Blubb
Pirks – Pilot der Blubb
Twerk – Langstreckenbeobachter
Spark – Kommunikationsoffizier
Kurzx – Analyst der Blubb
Wurrk – Kommandant der Krxa
Begriffserläuterung
Mionlach - Elite
Fear Na Sìthe – Friedensbringer
SpásPol – Weltraum-Polizei
Sóglachan Glad – Purer Luxus
Saoghal Ospadal – Krankenhaus-Welt
Valoraner
T´Pola – Clanführer
Maruuf – sein Adjutant
Coire – Clan-Unterführer
Denu – Clan-Unterführer
Eilis - Valoraner
Dryw - Valoraner
Frimunt - Valoraner
Garm – Valoraner
Heimrik -Valoraner
Siusan schob ihren Kinderwagen gemütlich die Straße hinunter. Rois, er war jetzt gerade mal zehn Monate alt, babbelte und blubberte im Wagen fröhlich vor sich hin. Hin und wieder winkte er anderen Menschen mit seinem Schnuller zu. Die meistens erwiderten sogar den Gruß.
Auf dem Planeten Messkir war Sommeranfang. Die Temperaturen zogen so langsam an. Sie lagen schon bei über zwanzig Grad. Die Sonne schien, brannte aber noch nicht, wie sie es in einem Monat machen würde.
Beinahe sechs Jahre war es jetzt schon her, dass sie ihre Heimatwelt Ghleanna verlassen mussten. Grund dafür war, dass das Zentrale Leitsystem des Planeten, eine Maschine, wahrscheinlich nach Überlastungen durchgebrannt war, und alle Lebewesen auf dem Planeten nach und nach vernichten wollte.
Ihr damaliger Mann, Matthias*2302 hatte sich hilfesuchend an den Kaiser mit seiner Befürchtung gewandt. Der Kaiser hatte sich seiner Ängste angenommen und ihnen Hilfe geschickt.
Sehr viele Menschen konnten damals dadurch gerettet werden. Allerdings mussten sie ihre Heimatwelt verlassen und waren, ebenfalls im System Gionan, auf dem Planeten Messkir untergekommen.
Kurze Zeit später war ihr Heimatwelt Ghleanna aus unerfindlichen Gründen explodiert. Gerüchte behaupteten, das Zentrale Leitsystem hätte die Welt selber gesprengt. Andere Stimmen sagten, es wäre der Kaiser gewesen.
Siusan zuckte mit den Schultern. Die Wahrheit würde man sowieso nie erfahren. Und, letztlich, war es mittlerweile auch egal, was wirklich passiert war. Selbst das damals ihr Mann sein Leben gelassen hatte, hatte sie mittlerweile verwunden. Sie hatte einen anderen Mann kennengelernt, der in den Unruhen seine Frau verloren hatte. Und der gemeinsame Schmerz hatte sie verbunden. Rois war das Ergebnis, des gemeinsam überwundenen Schmerzes.
Natürlich gab es Momente, in denen ihnen beiden die alte Heimatwelt fehlte, aber andererseits hatten sie sich mittlerweile auch auf Messkir gut eingerichtet. Ihr neuer Mann war Architekt und half mit, die neue Welt lebenswert zu machen. Er, diverse kaiserliche Bauunternehmen und eine Vielzahl von Robotern sorgten dafür, dass die künftige Hauptstadt Tearlach wohnlich wurde. Und ihnen selber ging es dabei auch nicht gerade schlecht.
Natürlich waren die Häuser, die gebaut wurden, flach. Zu mindestens im Vergleich von Ghleanna. Vier, maximal fünf Stockwerke. Mehr wurde von der Stadtregierung nicht zugelassen. Hier würde es keinen neuen Groundfloor und die damit verbundene Diskriminierung geben. Dort waren die Häuser sehr viel höher gewesen. Sehr viel höher. Und mindestens die unteren fünfzig Etagen waren für die Ärmsten der Armen vorgesehen gewesen. Und je weiter unten man wohnte, desto weiter unten war man auch im Ansehen. Der Kaiser persönlich hatte es untersagt, das höhere Gebäude auf Messkir gebaut wurden. Und die Bürger waren schlau genug, sich daran zu halten.
In unregelmäßigen Abständen kam ein Schiff der Wächter vorbei. Jener Lebewesen, die im Auftrag des Kaisers im gesamten Reich Fleb für Ruhe und Ordnung sorgten. Dann tauchten plötzlich in der Stadt flimmernde Tore auf, aus denen dann Wächter herausrollten oder schwebten. Sie sahen sich in der Stadt um, befragten hin und wieder einen Passanten und verschwanden dann wieder. Und da die Stadtregierung wusste, dass der Kaiser sein Wohlwollen, auch finanzieller Art, genauso so schnell entzog, wie er es gewährt hatte, achteten sie darauf, das seinen Wünschen gefolgt wurde.
Siusan blieb kurz an einer Straße stehen und blickte sich um. Als kein Gefährt zu sehen war, schob sie schnell ihren Kinderwagen auf die andere Straßenseite. Natürlich bewegte sich der Kinderwagen auf einem Antigravitationskissen vorwärts. Knapp einen Meter schwebte er darauf über dem Boden.
Siusan sah nach vorne. Sie freute sich schon, mit Rois durch den Park zu fahren. Er freute sich immer darüber, wenn über dem Kinderwagen die Baumkronen hinwegzogen. Und Siusan war glücklich, wenn sie seine Lebensfreude spürte.
Ein leichter Wind kam auf. Die Luft roch frisch, wie ein beginnender Tag. Siusan sah, das auch andere Mütter mit ihren Kinderwagen unterwegs waren. Früher, noch auf Ghleanna, musste eine Mutterschaft erst einmal beantragt werden. Und dann entschied das zentrale Leitsystem, angeblich unter Hinzuziehung diverser medizinischer Daten, ob dem Wunsch stattgegeben werden konnte, oder eben nicht.
Siusan kannte viele Frauen und Ehepaare, die unverrichteter Dinge von der ZLS zurückkamen. Nicht jedes Paar war mit der Absage klargekommen. Sehr viele hatten sich hinterher getrennt, da jede Seite der anderen die Schuld an der Absage gab.
Hier auf Messkir war das alles anders. Die Frauen wurden geradezu angehalten, schwanger zu werden. Die Bevölkerung musste wachsen, um eine Chance zu haben auf dieser Welt langfristig existieren zu können.
Siusan atmete tief die klare, reine Luft ein. Was für ein Unterschied. Hier roch die Luft unverbraucht. Nicht danach, schon diverse Male gereinigt und aufbereitet worden zu sein. Frische, klare Luft war damals sehr selten im Groundfloor gewesen. Dafür hatten die Häuser zu eng beieinander gestanden. Aber, je höher man kam, desto besser wurde sie. Allerdings hatte sie mit ihrem Mann damals relativ weit unten gelebt. Nun hatte sie mit ihrem neuen Mann ein kleines Haus außerhalb des Stadtkerns. Nichts Großes. Nur vier Zimmer mit Küche und Nasszelle über zwei Etagen verteilt. Aber immerhin. Die Zimmer waren hell und freundlich. Und überall konnten problemlos die Fenster geöffnet werden, um frische Luft herein zu lassen. Und später, wenn Rosi etwas älter war, konnte er in dem kleinen Garten spielen, der an das Haus anschloss.
Sie seufzte. Ach, das Leben konnte doch schön sein. Oh, dachte sie, das da vorne sieht ja wie Carelia aus. Da sehe ich mal zu, dass ich zu ihr hinkomme!
Sie schob jetzt den Kinderwagen etwas forscher voran. Tatsächlich. Carelia schob dort ihren Kinderwagen ebenfalls durch den Wald. Ihre Tochter, Marillion, war schon ein Jahr alt. Und Siusan ging jedes Mal das Herz auf, wenn sie in deren niedliches puppenhaftes Gesicht mit der kleinen Stupsnase schaute. Sie war aber auch zu süß!
„Hallo Carelia!“ rief sie sie an. Carelia stoppte und sah über ihre linke Schulter. Sie lächelte. „Hallo Siusan! Schön dich hier zu treffen! Rois geht es gut?“
Siusan nickte. „Prima! Marillion hoffentlich auch?“ „Oh ja, ihr geht es großartig. Die Ärzte sind mit ihrer Entwicklung hochzufrieden!“
„Oh, das freut mich aber! Haben du und Frank*3005 schon Pläne für das nächste Kind?“ Carelia schüttelte den Kopf. „Nein. Die Ärzte haben mir für den Moment noch abgeraten, gleich wieder schwanger zu werden. Ich soll erst einmal noch kräftiger werden und Marillion etwas größer. So, wenn sie achtzehn Monate ist, können wir wieder daran denken, sagen die Ärzte!“
„Vielleicht gar nicht verkehrt“, stimmte Siusan den Ärzten zu. „Ist ja doch eine ziemlich Umstellung, jetzt plötzlich Mutter zu sein. Man muss doch seinen Tag völlig anders planen!“ Sie lachte. „Sofern das Kind sich an die Planung hält!“
Carelia lächelte. „Da hast du aber sowas von Recht. Nicht, das ich unbedingt mal wieder eine Nacht durchschlafen möchte. Da kann ich mich nicht beklagen…“ Sie wiegte den Kopf. „Nun ja, zu mindestens in den letzten paar Wochen nicht. Aber im Allgemeinen, würde ich es mir doch manchmal ein wenig ruhiger wünschen!“
„Frank*3005 arbeitet viel?“ fragte Siusan verständnisinnig. Carelia nickte. „Ja, das tut er wohl. Im Moment für meinen Geschmack zu viel!“
„Er sorgt immer noch dafür, dass genügend Baustoffe zur Verfügung stehen? Und ist viel unterwegs?“ Carelia nickte langsam. „Ja!“ Sie sah auf. „Aber, was ist mit deinem Mann? Der ist doch auch dauernd weg!“
Siusan zuckte mit den Schultern. „Ja, leider. Aber ich habe mich mit der Situation arrangiert und mir den Tag entsprechend eingeteilt.“ Sie stupste Carelia leicht an die Schulter. „Besuch mich doch einfach mal, wenn es alles zu viel wird!“ Auffordernd sah sie ihre Freundin an.
Carelia warf ihren Kopf laut lachend zurück. „Alles gut. Ich habe nur Spaß gemacht!“ grinste sie. „Puuh!“ schnaufte Siusan. „Ich fing schon an, mir Sorgen zu machen!“
Ein grummelndes Geräusch ließ die beiden nach oben schauen. Dunkle Schatten huschten durch die Wolken.
„Hat die Wetterkontrolle irgendetwas von einem Gewitter gesagt?“ fragte Carelia. Siusan schüttelte den Kopf. „Nicht, das ich es mitbekommen hätte!“
Sie drehte ihren Kinderwagen um. „Sehen wir zu, dass wir uns irgendwo unterstellen. Nur zur Sicherheit!“
Das Grummeln wurde immer lauter. Misstrauisch betrachteten sie die Wolken.
„Da!“ Carelia wies nach oben. „Was ist das?“
Die dunklen Schatten tauchten aus den Wolken auf. Es waren Flugscheiben, die etwas einen Durchmesser von zehn Metern hatten und dabei nur maximal einen Meter dick waren. Ein Lebewesen thronte scheinbar inmitten der Scheibe und schien sie zu lenken.
„Was sind das denn für Dinger?“ Siusan drehte sich wieder um und schob ihren Kinderwagen dichter unter die Bäume. „Carelia!“ rief sie leise. „Komm hier runter!“ Carelia sah sie irritiert an, tat aber, was Siusan ihr sagte.
„Was hast du?“ fragte sie Siusan, die mittlerweile kreidebleicht geworden war. Die wies ängstlich nach oben. „Das sind Roboter! Dort auf der Scheibe! Das sind Roboter!“ keuchte sie. Carelia zuckte zusammen und sah nun ebenfalls, dass das vermeintliche Lebewesen inmitten der Scheibe aus Metall war.
„Aber wie…?“ stammelte sie. Dann sah sie, das die Roboter anfingen eine Formation zu bilden Zehn Scheiben folgen nebeneinander. Nur wenige Meter voneinander getrennt. Und davon gab es mittlerweile zehn Reihen.
Carelia schluckte. Hundert Roboter! dachte sie. „Wo kommen die bloß her?“
Die vorderste Reihe der Flugscheiben näherte sich dem bebauten Teil der Stadt und gingen in einen Sinkflug über. An der vorderen Front der Scheiben öffneten sich kleine und größere Öffnungen aus denen entsprechende Rohre herausfuhren.
Dann eröffneten sie das Feuer.
Siusan schrie leise auf, als sie sah, wie da, wo die Schüsse einschlugen, riesige Stücke aus dem Straßenbelag und den umliegenden Häusern gerissen wurden. Passanten, die auf die Straßen liefen, um nach dem Rechten zu schauen, wurden einfach zerfetzt.
Nachdem die erste Reihe der Flugscheiben ihr Vernichtungswerk beendet hatte, ging die zweite in den Sinkflug über.
Stichflammen stiegen auf, wo deren Geschosse den Boden aufrissen. Qualmwolken hoben sich in die Luft, als die ersten Brände aufflackerten.
Die Bewohner der Stadt liefen schreiend kurz und quer herum. Völlig in Panik aufgelöst wussten sie nicht mehr wohin.
Den Flugscheiben war das egal. Auch die dritte, vierte und fünfte Reihe feuerte einfach in das nicht enden wollende Chaos.
Siusan und Carelia hatten sich weiter in den Wald zurückgezogen und dabei versucht, sich immer kleiner zu machen. Ängstlich versuchten sie ihre Kinder zu beruhigen, als die selber durch den Lärm ängstlich wurden und anfingen zu brüllen.
„Psst!“ murmelte Siusan. „Sei bitte leiser!“ Sie drückte Rois an sich und versuchte ihn zu beruhigen. Carelia versuchte ähnliches mit Marillion.
Carelia wies mit zitternden Händen nach oben. „Was ist das jetzt noch?“
Siusan sah nach oben und sah etwas durch die Wolken brechen. Es war über siebzig Meter lang, kugelförmig und in Schneeweiß gehalten. Sie grinste. „Das ist die Fear Na Sithe!“
*
„Verdammte Scheiße!“ fluchte Mara völlig undamenhaft. „Wir sind zu spät!“ Sie hatte das Waffenpult übernommen, damit Suul sich auf die Flugmanöver konzentrieren konnte.
„Schilde auf Maximum!“ rief Dabrifa. „Automatische Zielerfassung! Holen wir die Blechknilche vom Himmel!“
Wie ein Rachegott schoss die Fear Na Sithe aus den Wolken. Ihre Außenhülle glühte noch vom schnellen Eintauchen in die Atmosphäre des Planeten. Rauch stieg von ihr auf, als sich das Metall abkühlte.
Auf Äquatorhöhe des Schiffes öffneten sich die Waffenkammern. Die Waffenphalanx fing an um ihre Achse zu rotieren und feuerte dabei ohne Unterbrechung auf die Angreifer. Das Feuerleitsystem des Schiffes schoss nie daneben. Flugscheibe um Flugscheibe verging in einem Feuerball und ließ Trümmer auf den Erdboden regnen.
Die Fear flog eine langgestreckte Kurve über der Stadt, um nicht eine Flugscheibe zu verpassen. Die letzten zwanzig, dreißig Scheiben versammelten sich und flogen einen gemeinsamen Angriff auf den neuen Gegner. Aber deren Schutzschirm flammte nur kurz auf und leiteten jeden Treffer ab. Wenige Augenblicke später war aber auch das vorbei, als die letzte Flugscheibe, während sie versuchte abzudrehen, explodierte.
*
Siusan richte sich auf, nachdem die letzte Scheibe vernichtet war. „Meine Güte“, sagte Carelia, „was für ein Alptraum!“ Siusan deutete auf die Stadt. „Wir sollten zusehen, ob wir da helfen können! Da wird es bestimmt genug Verletzte geben!“
„Aber erst müssen wir die Kinder in Sicherheit bringen!“ sagte Carelia. Sie sah nach oben, wie die Fear Na Sithe ihre Runde über der Stadt drehte.
Sie schrie plötzlich auf, als sich ein dicker Energiestrahl durch die Wolken fraß und die Fear wie einen kleinen Ball durch die Gegend schleuderte.
Das Raumschiff überschlug sich mehrfach in der Luft. Ein zweiter Schuss traf sie. Dann ein dritter. Der Schutzschirm des Raumschiffes glühte in sämtlichen Regenbogenfarben auf. Dann stürzte sie ab und grub eine tiefe Furche in den Erdboden jenseits der Stadt.
Aber es reichte dem Angreifer noch nicht. Weiter wurde auf das havarierte Schiff geschossen. Schließlich brach der Schutzschirm zusammen. Beim nächsten Treffer explodierte das Schiff in einer fürchterlichen Explosion.
Siusan schrie auf, als sie sah, dass der Angreifer durch die Wolken stieß. Eine über hundert Meter große Scheibe tauchte dort auf. Und eröffnete dann wieder das Feuer auf die Stadt und das Umland.
Edalon Heort, seines Zeichens Leiter des kaiserlichen Geheimdienstes, rannte hektisch den Korridor zum Besprechungssaal des Kaisers hinunter. Seine Füße stampften über den Marmorboden und er nahm sich nicht die Zeit, die Gemälde und Skulpturen zu beachten, an die er auf seinem Weg vorbeilief.
Schließlich stand er vor einer sehr großen, hohen Doppeltür, die, in einem kräftigen Blauton gehalten, viele goldene Intarsien aufwies. Ungestüm stieß er sie auf und stürmte in den dahinterliegenden Saal.
Abrupt verhielt er in seinem Lauf. Geradeso, als wäre er gegen eine Mauer gelaufen. Was dem in etwa gleichkam.
Etwa zehn Meter vor ihm stand der Kaiser, mit dem Rücken gegen eine der bequemen Couchen gelehnt. Zu seinen Füßen kniete ein Diener und bewies ihm sein Wohlwollen.
Ungehalten drehte der Kaiser den Kopf zur Seite. „Edalon? Echt? Zwei Minuten! Ja!“
Edalon schüttelte den Kopf. „Die Fear wurde abgeschossen!“
„Scheiße!“ Der Kaiser sah erschüttert auf den Diener hinunter. „Wir machen später weiter!“ Vorsichtig schob er ihn weg und richtete dann seine Kleidung.
Schlagartig dienstlich wies er auf eine Sitzgelegenheit und winkte einem Diener nach Getränken.
„Weiß man genaueres? Wo ist das passiert? Was ist mit der Besatzung?“
„Auf Messkir! Das ist einer der Diaspora-Planeten, wohin wir vor Jahren die Flüchtlinge von Ghleanna verbracht hatten?“ „Ich weiß!“ winkte der Kaiser ab. „Und?“ „Die Kolonie dort wurde angegriffen. Nach den wenigen Überlebenden erst von Robotergesteuerten, kleinen Flugscheiben, dann wohl von deren Mutterschiff, nachdem die Fear die Angreifer zügig zerstört hatte!“ „Und?“ Der Kaiser wirkte nun ungehalten.
„Nun, das Mutterschiff soll der Fear haushoch überlegen gewesen sein. Nach mehreren Treffern stürzte sie ab. Aber das Mutterschiff hat wohl weiter auf sie gefeuert, bis sie schließlich explodiert sein soll!“
„Überlebende?“
„Na komm her, du kleiner, süßer Fratz!“ Mara hockte sich hin und hielt beide Arme dem kleinen Jungen, Alviss, entgegen.
Alviss war jetzt etwas über vier Jahre alt und das Ergebnis der ungewöhnlichen Verbindung zwischen Mara, einer ehemaligen Agentin des kaiserlichen Geheimdienstes und mCillChaoin, der Sohn des Gnarrt, des derzeitigen Anführers der Wächter.
Und obwohl in Alviss die DNA eines Menschen mit der eines Wächters zusammengetroffen war, sah er vollständig wie ein Mensch aus. Er hatte auch eine völlig normale helle Haut, im Gegensatz zu dem bläulichen Gallertton, den mCillChaoin, kurz Bob genannt, beisteuerte. Allerdings wuchs er etwas schneller, als normale, menschliche Kinder.
Seine Haarfarbe würde wohl ein rötliches blond werden, ähnlich der seiner Mutter. Zu mindestens deutete seine derzeitige Behaarung daraufhin.
„Mammmaa!“ rief er langgezogen und lief schnell auf seine Mutter zu, um sich quietschend in deren Arme fallen zu lassen.
Mara hob ihn hoch und drehte sich mit ihm zweimal im Kreis. Lachend setzte sie ihn dann wieder ab.
„Lange geht das aber auch nicht mehr!“ konstatierte Dabrifa und rekelte sich in seinem Liegestuhl. „Er legte ganz ordentlich zu.“
