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Beschreibung

Lustspiele, Komödien, Tragödien, Dramen – viele klassische Werke sind für die meisten Menschen heute Bücher mit sieben Siegeln. Insbesondere die altertümliche Sprache und der sprachliche Aufbau als Bühnenstück lassen nicht nur Schülerinnen und Schüler verzweifeln. Die Reihe "Kein Drama" bringt alte Klassiker in Prosa neu heraus. So werden sie endlich für jede und jeden verständlich. Inhaltlich bleiben die Neufassungen stets dicht am Original. Daher sind teilweise Begriffe enthalten, die heute gemeinhin als diskriminierend wahrgenommen werden. Auch die Struktur ist jeweils abhängig von der genutzten Vorlage – daher sind missverständliche Passagen unvermeidlich.

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Seitenzahl: 82

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Anno Stock

Hamlet - Kein Drama von William Shakespeare

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Table of Contents

Kapitel 1: Der Geist auf den Zinnen

Kapitel 2: Der trauernde Prinz

Kapitel 3: Abschied und Ratschläge

Kapitel 4: Die Wahrheit offenbart

Kapitel 5: Überwachung und Verdacht

Kapitel 6: Das Spiel des Wahnsinnigen

Kapitel 7: Sein oder Nichtsein

Kapitel 8: Das Stück im Stück

Kapitel 9: Blut im Gemach

Kapitel 10: Verschwörungen und Ertrinken

Kapitel 11: Unter den Toten

Kapitel 12: Das letzte Duell

Epilog: Nach dem Sturm

Impressum neobooks

Table of Contents

HAMLET

Ein Roman nach William Shakespeare

TEIL I: DIE ENTHÜLLUNG

Kapitel 1: Der Geist auf den Zinnen

Die Nacht lag schwer über Schloss Helsingör. Ein beißender Wind fegte vom Meer herüber und trieb Schneeflocken vor sich her, die wie winzige Geister durch die Dunkelheit wirbelten. Auf den Zinnen der Festung stapften zwei Gestalten durch den Schnee, ihre Schritte gedämpft, ihre Atem weiße Wolken in der eisigen Luft.

Bernardo zog seinen Mantel enger um sich. Er war ein erfahrener Soldat, hatte schon viele Wachen geschoben, aber diese Nächte waren anders. Seit drei Tagen schon. Er spähte in die Dunkelheit, suchte nach Francisco, der die Wache vor ihm gehabt hatte.

"Wer da?", rief Francisco, noch bevor Bernardo ihn sehen konnte.

"Lang lebe der König!", antwortete Bernardo – das vereinbarte Losungswort.

Francisco trat aus dem Schatten eines Turms. Sein Gesicht war bleich, die Augen weit aufgerissen. "Bernardo?"

"Der bin ich. Pünktlich auf die Minute."

"Gott sei Dank." Francisco schien erleichtert. Mehr als das – er wirkte, als könne er es kaum erwarten, seinen Posten zu verlassen. "Es ist bitter kalt heute Nacht. Und mir ist schwer ums Herz."

"War deine Wache ruhig?"

Francisco zögerte. "Nicht mal eine Maus hat sich gerührt."

Das war gelogen, und beide wussten es. Aber Francisco wollte nicht darüber sprechen, nicht jetzt, nicht hier. Er nickte Bernardo zu und eilte davon, die Stufen hinunter ins Warme.

Bernardo blieb allein zurück. Für einen Moment. Dann hörte er Schritte – mehrere Personen näherten sich. Er griff instinktiv an sein Schwert.

"Halt! Wer da?"

"Freunde dieses Bodens", antwortete eine vertraute Stimme. Horatio trat ins Licht der Fackel, gefolgt von Marcellus, einem weiteren Wachmann.

"Horatio!" Bernardo war überrascht. Horatio war ein Gelehrter, ein Freund des Prinzen Hamlet. Was machte er hier oben, mitten in der Nacht, bei diesem Wetter? "Was führt dich her?"

"Marcellus hat mich überredet", sagte Horatio und sein skeptischer Ton verriet, dass er nicht ganz freiwillig gekommen war. "Er behauptet, ihr hättet etwas gesehen. Etwas... Ungewöhnliches."

Marcellus trat vor. "Es ist wahr, Horatio. Zwei Nächte schon. Bernardo und ich, wir haben es beide gesehen."

"Was habt ihr gesehen?", fragte Horatio geduldig, als spreche er mit Kindern, die ihm von Monstern unterm Bett erzählten.

Bernardo und Marcellus tauschten einen Blick. Dann begann Bernardo zu erzählen: "Eine Gestalt. Sie kommt immer zur selben Stunde, kurz nach Mitternacht. Sie trägt eine Rüstung, genau wie..."

Er verstummte. In der Ferne schlug eine Glocke. Einmal. Mitternacht.

"Wie wer?", drängte Horatio.

"Wie der verstorbene König", flüsterte Marcellus. "Wie König Hamlet."

Horatio wollte gerade antworten – vermutlich etwas über Aberglaube und Einbildung – als sich plötzlich die Temperatur zu ändern schien. Es wurde noch kälter, wenn das überhaupt möglich war. Und dann sahen sie es.

Eine Gestalt löste sich aus dem Nebel, der vom Meer heraufzog. Sie schritt langsam, majestätisch, über die Zinnen. Eine massive Gestalt in voller Rüstung, das Visier des Helms geöffnet. Das Gesicht darunter war bleich wie Mondlicht, die Augen starr geradeaus gerichtet.

"Bei allen Heiligen", hauchte Horatio. Seine Skepsis war wie weggeblasen. Er kannte dieses Gesicht. Er hatte es oft genug gesehen, zu Lebzeiten des Königs. "Das ist... das kann nicht sein."

Die Erscheinung schritt an ihnen vorbei, ohne sie eines Blickes zu würdigen. Bernardo und Marcellus standen wie erstarrt. Horatio fasste sich als Erster.

"Du, der du die Gestalt des toten Königs von Dänemark trägst", rief er mit zitternder Stimme. "Wer bist du? Was willst du? Sprich!"

Der Geist – denn was sonst konnte es sein? – hielt inne. Langsam wandte er den Kopf und sah Horatio direkt an. Die toten Augen schienen durch ihn hindurchzublicken, in eine andere Welt. Der Mund öffnete sich, als wolle die Erscheinung sprechen...

Da krähte in der Ferne ein Hahn. Der erste Hahnenschrei, noch vor der Dämmerung. Der Geist zuckte zusammen, als hätte ihn jemand geschlagen. Dann, schneller als sie schauen konnten, war er verschwunden. Aufgelöst wie Nebel im Wind.

Die drei Männer standen da, zitternd, atemlos.

"Habt ihr das gesehen?", fragte Marcellus schließlich.

"Ich habe es gesehen", sagte Horatio langsam. "Aber ich glaube es nicht."

"Es war der König", beharrte Bernardo. "Ich schwöre es. Genau so sah er aus, als er gegen Norwegen in den Krieg zog."

Horatio nickte nachdenklich. Sein analytischer Verstand arbeitete bereits, suchte nach Erklärungen, nach Bedeutungen. "Wenn der Geist des Königs umgeht, dann stimmt etwas nicht im Königreich. Etwas Schreckliches steht bevor. Oder ist bereits geschehen."

"Was sollen wir tun?", fragte Marcellus.

"Wir müssen es Prinz Hamlet erzählen", entschied Horatio. "Wenn dieser Geist wirklich sein Vater ist, dann wird er vielleicht mit seinem Sohn sprechen. Und Hamlet... Hamlet hat ein Recht darauf, es zu erfahren."

Die drei Männer verließen die Zinnen, als der erste graue Schimmer der Morgendämmerung am östlichen Horizont erschien. Keiner von ihnen ahnte, welche Kette von Ereignissen sie gerade in Gang gesetzt hatten.

Der große Thronsaal von Helsingör erstrahlte im Licht von hunderten Kerzen. Die Wände waren mit prächtigen Wandteppichen behängt, die Szenen aus der ruhmreichen Geschichte Dänemarks zeigten. Der Adel des Landes hatte sich versammelt, die Damen in ihren feinsten Kleidern, die Herren in Samt und Seide. Es hätte ein Fest sein können, eine Feier. Aber die Stimmung war gedrückt, die Gespräche gedämpft.

Auf dem Thron saß Claudius, der neue König von Dänemark. Vor kaum zwei Monaten war sein Bruder, König Hamlet, überraschend gestorben – von einer Schlange gebissen, während er im Garten schlief, so hieß es. Und vor kaum einem Monat hatte Claudius die Witwe seines Bruders geheiratet, Königin Gertrude. Nun saß sie neben ihm auf dem Thron, in einem schwarzen Kleid, das gleichzeitig Trauer und königliche Würde ausdrückte.

Claudius erhob sich. Er war ein stattlicher Mann, charmant, eloquent. Ganz anders als sein verstorbener Bruder, der ein Krieger gewesen war, direkt und manchmal grob. Claudius verstand sich auf die Kunst der Diplomatie, auf das Spiel mit Worten.

"Meine lieben Freunde", begann er, und seine Stimme trug mühelos durch den ganzen Saal. "Auch wenn die Erinnerung an unseren geliebten Bruder Hamlet noch frisch ist, auch wenn es sich ziemt, dass unser ganzes Königreich in Trauer verharrt, so müssen wir doch nach vorne blicken. Das Leben geht weiter, und Dänemark braucht einen starken König."

Er machte eine Pause, ließ seine Worte wirken. "Deshalb haben wir – mit schwerem Herzen, aber in Weisheit – unsere Schwester, eure frühere Königin, zur Frau genommen. Trauer und Freude, Begräbnis und Hochzeit, haben wir vereint. Wir danken euch allen für eure Unterstützung in dieser schwierigen Zeit."

Höflicher Applaus brandete auf. Nicht enthusiastisch, aber respektvoll. Die meisten Adligen hatten die schnelle Hochzeit mit Befremden aufgenommen, aber Claudius war geschickt. Er hatte die richtigen Leute auf seine Seite gezogen, hatte Ängste vor einem Machtvakuum geschürt. Und so hatten sie es akzeptiert.

"Nun zu den Staatsgeschäften", fuhr Claudius fort. "Junger Fortinbras von Norwegen, der Neffe unseres alten Feindes, sammelt Truppen. Er glaubt wohl, der Tod unseres Bruders hätte uns geschwächt. Er irrt sich." Seine Stimme wurde hart. "Wir haben bereits Botschafter zu seinem Onkel, dem König von Norwegen, gesandt. Der alte Mann wird seinen hitzköpfigen Neffen schon zur Räson bringen."

Er wandte sich an zwei Männer in der ersten Reihe. "Cornelius, Voltemand – ihr werdet unsere Botschaft überbringen. Macht dem König von Norwegen klar, dass Dänemark stark ist, vereint unter seinem neuen König."

Die beiden Männer verbeugten sich tief.

Dann änderte sich Claudius' Ton wieder, wurde wärmer, väterlicher. "Und nun zu erfreulicheren Dingen. Laertes, Sohn des Polonius, tritt vor."

Ein junger Mann löste sich aus der Menge. Laertes war Anfang zwanzig, gutaussehend, selbstbewusst. Er verneigte sich elegant vor dem Königspaar.

"Du wolltest uns um etwas bitten?", fragte Claudius freundlich.

"Ja, mein König. Ich kam nach Dänemark, um Eurer Krönung beizuwohnen. Nun möchte ich Eure Erlaubnis, nach Frankreich zurückzukehren, um meine Studien fortzusetzen."

"Was sagt dein Vater dazu?"

Polonius, der königliche Kämmerer, trat vor. Er war ein älterer Mann, grauer Bart, schlau blickende Augen. Ein Mann, der sein Leben lang bei Hofe gedient hatte und alle Tricks kannte. "Nach langem Bitten habe ich meine Zustimmung gegeben, Majestät."

"Dann sollst du gehen, junger Laertes", sagte Claudius großzügig. "Nutze deine Zeit gut."

Laertes verbeugte sich erneut und trat zurück. Claudius' Blick wanderte durch den Saal und blieb an einer Gestalt hängen, die sich im Schatten einer Säule halb versteckt hielt. Eine Gestalt ganz in Schwarz.

"Aber nun, mein Neffe Hamlet, und mein Sohn..."

Hamlet trat widerwillig ins Licht. Er war Ende zwanzig, dunkles Haar, intelligente Augen, die gerade vor unterdrückter Wut funkelten. Sein schwarzer Anzug wirkte wie eine Anklage inmitten all der Farben des Hofes.

"Ein bisschen mehr als Neffe und weniger als Sohn", murmelte Hamlet, gerade laut genug, dass einige es hören konnten.

Gertrude beugte sich vor. "Hamlet, mein lieber Sohn, warum liegt noch immer diese dunkle Wolke über dir?"

Hamlet sah seine Mutter an. Der Schmerz in seinen Augen war deutlich. "Wolke, Mutter? Ich kenne keine Wolken. Ich bin nur das, was ich bin."

"Du weißt, es ist das Los aller Menschen", sagte Claudius mit gespielter Geduld. "Alle Väter sterben, vom ersten bis zum letzten. Dein Vater verlor seinen Vater, und dessen Vater verlor den seinen. Trauer ist natürlich, aber übermäßige Trauer ist unmännlich."

Hamlets Kiefer spannte sich an, aber er schwieg.

"Wir bitten dich", fuhr Claudius fort, "sieh uns als deinen Vater an. Du bist der Nächste für den Thron, unser Erbe. Und wir bitten dich auch, deine Pläne zu überdenken, nach Wittenberg zurückzukehren. Bleib hier, bei uns, in Dänemark."