Lassiter 2767 - Marthy J. Cannary - E-Book

Lassiter 2767 E-Book

Marthy J. Cannary

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Beschreibung

Fünfeinhalb Meilen hinter Stone City starb Cecil Graham einen Tod, den man seinem ärgsten Feind nicht wünschte. Der Wanderarbeiter befand sich in Gesellschaft seines Freundes Jack Stewart und war ausgesprochen guter Dinge. Er hatte in Stone City im Casino abgeräumt und prahlte mit dem Reichtum, der ihm binnen weniger Stunden zugefallen war. "Siebenhundert Dollar!", rief Cecil mit weit aufgerissenen Augen. Er nahm einen Schluck aus seiner Feldflasche. "Hast du den verfluchten Croupier gesehen?" Jack schüttelte den Kopf und behielt seinen Freund im Auge. Es gefiel ihm nicht, dass Cecil in der letzten halben Stunde weiß wie Kalk geworden war. "Trink nichts mehr von dem Whisky. Er bekommt dir nicht." "Mir nicht bekommen?", höhnte Cecil und setzte die Flasche erneut an die Lippen. "Heute Nacht bringt mich nichts um, Jackie!"

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Seitenzahl: 128

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Inhalt

Cover

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Requiem am Galgenstrick

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Impressum

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Inhaltsverzeichnis

Inhaltsbeginn

Impressum

Requiem am Galgenstrick

von Marthy J. Cannary

Fünfeinhalb Meilen hinter Stone City starb Cecil Graham einen Tod, den man seinem ärgsten Feind nicht wünschte. Der Wanderarbeiter befand sich in Gesellschaft seines Freundes Jack Stewart und war ausgesprochen guter Dinge. Er hatte in Stone City im Casino abgeräumt und prahlte mit dem Reichtum, der ihm binnen weniger Stunden zugefallen war.

»Siebenhundert Dollar!«, rief Cecil mit weit aufgerissenen Augen. Er nahm einen Schluck aus seiner Feldflasche. »Hast du den verfluchten Croupier gesehen?«

Langsam schüttelte Jack den Kopf und behielt seinen Freund im Auge. Es gefiel ihm nicht, dass Cecil in der letzten halben Stunde weiß wie Kalk geworden war. »Trink nichts mehr von dem Whisky. Er bekommt dir nicht.«

»Mir nicht bekommen?«, höhnte Cecil und setzte die Flasche erneut an die Lippen. »Heute Nacht bringt mich nichts um, Jackie!«

Caroline, Wyoming, fünf Jahre zuvor

Im Herzen Wyomings waren die Winter so bitterkalt, dass Daisy Graham die Fenster mit dicken Wolldecken zuhängte. Sie knotete Baststricke an die Enden der Decke, verschnürte diese mit den rostigen Lampenhalterungen zwischen den Fensteröffnungen und sorgte auf diese Weise zumindest dafür, dass der Wind nicht quer durch die Kammer pfiff.

Auf Hilfe konnte Daisy dabei nicht zählen.

Sie war im letzten Herbst fünfunddreißig geworden, hatte zwei Männer überlebt und brachte einen Sohn durch, der mit seinen neunzehn Jahren eine herbe Enttäuschung war. Ein einziges Mal hatte er seine Mutter bislang besucht. Er lebte in Stone City, drei Meilen weiter im Südwesten, eine Cattle Town ohne Ehre und Moral.

»Wie lang wirst du bleiben?«, fragte Daisy und stieg von ihrem Schemel. Sie hielt sich den schmerzenden Rücken und lächelte gequält. »Ich meine, nicht, dass es mich was anginge! Aber du bringst Farbe in die Stadt, Bobby! Ich wünschte mir, dass du öfter da wärest!«

»Öfter als jede Woche?«, erwiderte Bobby knurrend. Er saß am Küchentisch und hatte die Karten gemischt, mit denen sie spielen wollten. »Hältst du es ohne mich nicht aus? Wie häufig willst du mich bei dir haben?«

Die Eitelkeit ihres Geliebten störte Daisy nicht, denn er konnte sie sich leisten. Er war ein verflucht guter Schütze, hatte stechend blaue Augen und lehmblondes Haar, in dem Daisy zu gern ihre Hand vergrub. Mit Bobby hatte sie sich einen Kerl geangelt, um den sie jede Frau in Caroline beneidete.

»Am liebsten jede Nacht«, flüsterte Daisy und nahm auf Bobbys Schoß Platz. Sie liebte seine starken, muskulösen Schenkel, auf denen sie saß wie auf zwei Brettern. »Aber du hast nie Zeit. Bist ständig unterwegs. Ich muss mit meinem missratenen Sohn vorliebnehmen.«

»Cecil ist nicht missraten«, widersprach Bobby. »Er hat nur keinen Vater, zu dem er aufschauen kann. Er tut sein Bestes. Er hat nichts gelernt ...« Er umfasste Daisys Taille. »Weißt du doch, Darling! Man muss was lernen, womit man seine Dollars verdienen kann!«

Ganze Tage schlug Daisys Sohn Cecil im Casino von Stone City tot, das ihm Kredit gewährte und ihn hinauswarf, sobald er seine Raten nicht bezahlte. Reumütig ritt Cecil dann nach Caroline und bettelte Daisy um einen Vorschuss für sein Haushaltsgeld an.

»Meine Dollars verprasst er!«, zischte Daisy und küsste Bobby. Der Cricketspieler aus Melbourne nahm sie fest in die Arme.

»Soll ich ihm ins Gewissen reden?«, flüsterte Bobby und strich mit dem Finger über Daisys rechte Wange. »Du bist zu schön, um dich zu ärgern! Er muss lernen, auf eigenen Beinen zu stehen. Aber du gibst ihm Geld ... Du gibst ihm viel Geld.«

»Inzwischen das halbe Erbe«, gab Daisy ihm recht. Sie schob seine Hand unter ihre Brüste, schloss die Augen und genoss, dass Bobby sie begehrte. »Ich hatte viertausend Dollar von Robert ... Viertausend verfluchte Dollar. Gerade einmal die Hälfte ist noch übrig.« Sie wies in die Kammer. »Musste Möbel kaufen und das Haus hier. Ich wollte, dass es Cecil gut bei mir hat.«

Die Armut ihrer Kindertage hatte sich Daisy tief ins Gedächtnis gebrannt. Die Familie hatte aus vier Brüdern, zwei Schwestern und den beiden Eltern bestanden. Der Lohn ihres Vaters, der in einer Silbermine in Simmerson, North Dakota, geschuftet hatte, war meist schon in der Hälfte eines Monats aufgebraucht gewesen.

Die restlichen Tage hatten sie von Betteleien und Wegelagerei gelebt.

»Du darfst ihn nicht verwöhnen«, riet ihr Bobby und schob eine Hand unter ihren Rock. Er griff nach ihren Hinterbacken und knetete sie. »Ich würde ihn vor die Tür setzen, ehe er dich noch wütender macht.«

Die Lebensversicherung für ihren Sohn Cecil belief sich auf fast zehntausend Dollar, die bei seinem Tod zur Auszahlung anstünden. Voller Ingrimm hoffte Daisy manchmal, dass sich Cecil totsoff, damit sein erbärmlicher Lebenswandel wenigstens für sie von Nutzen war.

»Vor die Tür setzen?« Daisy schüttelte den Kopf und stand von Bobbys Schoß auf. »Meinen eigenen Sohn? Dem eigenen Fleisch und Blut tut man nichts Arges an, Bobby.« Sie lächelte ihren Geliebten an. »Oder willst du ihn für mich umlegen? Mein Erspartes ist bald hinüber.«

Vor ein paar Jahren, als Cecil noch ein schwarzlockiger Knabe mit schüchternen Augen gewesen war, war Daisy aus dem Schwärmen nicht herausgekommen. Sie hatte ihren Sohn überall vorgezeigt, hatte ihn sogar in die Town Hall von Caroline mitgenommen. Der Bürgermeister von Caroline, Alfred Baldock, hatte ihr versprochen, dem Jungen einen Platz in der Sonntagsschule zu beschaffen.

Es waren leere Versprechen gewesen.

Weder hatte Cecil je in einer Sonntagsschule gesessen, noch hatte er sich die Unschuld bewahrt, um die Daisy die meisten Mütter in Caroline beneidet hatten. Er war zu einem Raufbold geworden. Schon mit fünfzehn Jahren hatte er sich regelmäßig geprügelt.

»Rede mit ihm!«, sagte Bobby und winkte Daisy wieder zu sich. »Sag ihm, dass er aus dem Haus fliegt, wenn er sich nicht zusammenreißt! Du bist Witwerin, Daisy, und jeden Tag allein! Du musst keinen Schmarotzer durchfüttern! Cecil muss begreifen, dass er auf eigenen Beinen stehen muss!«

Der Wintersturm griff unters Dach und brachte das Gebälk zum Ächzen. Vierzig Grad war das Thermometer in den letzten Nächten gefallen. Daisy umschloss Bobbys Schultern mit beiden Armen. »Bleib noch ein Weilchen, Liebster! Wenigstens einen Tag, einverstanden?«

Pelican Plantage, Mississippi River, im Sommer 1886

Die beiden Männer vor dem gewaltigen Herrenhaus der Pelican Plantage unterhielten sich angeregt, während die glutrote Sonne schon hinter den alten Eichen der einstigen Zuckerrohrplantage verschwand. Sie waren mit einer Droschke aus New Orleans gekommen und von der Besitzerin des Hauses unter größter Geheimhaltung begrüßt worden.

»Sie können nicht nach Texas zurück!«, ereiferte sich Joshua J. Adams und stützte sich auf seinen Stock. Er konnte mit seinem jüngeren Gesprächspartner kaum Schritt halten. »Das Hauptquartier hat uns strikte Befehle übersandt. Sie wurden von diesem Auftrag abgezogen, Mr. Lassiter.«

Der andere Mann steuerte auf die Eichenallee zu, die das Herrenhaus mit den südlicher gelegenen Zuckerrohrfeldern verband. Er winkte mit einer Hand ab und schrie heiser. »Mr. Adams! Wir hätten Arthur und seine Bande lange festnehmen können! Sie haben mich aus einer laufenden Operation geholt!«

»Nun seien Sie doch still!«, rief Adams dem Agenten hinterher. Er rang um Luft. »Irgendjemand auf der Plantage wird Sie noch hören! Mrs. Fremont war so freundlich, uns in der Kürze der Zeit aufzunehmen!«

»Soll ich Ihnen auch noch dankbar sein?« Lassiter fuhr zu Adams herum und starrte ihn an. »Sie hätten mich bloß nicht aus Texas abziehen müssen. Die Brigade Sieben hat genügend Leute.« Er trat auf Adams zu. »Sie wissen das. Ich weiß es ebenso. Es hat keine Not bestanden, mich nach New Orleans reisen zu lassen.«

Die Bande von Sam Arthur hatte im großen Stil texanische Frauen mit falschen Eheversprechen geködert und um ihre Ersparnisse gebracht. Mehr als ein Dutzend Familien hatten Briefe an den Justizminister geschickt, der daraufhin die Brigade Sieben mit der Festsetzung von Arthurs Leuten beauftragt hatte.

Adams stützte sich an einer Eiche ab und schnappte nach Luft. »Aber wir brauchten Sie, Mr. Lassiter. Sie allein können uns in dieser Angelegenheit helfen. Ich musste Sie aus Texas abziehen.«

Sein Gegenüber gab sich geschlagen. »Ich widersetze mich keinem Auftrag aus Washington. Aber ich stand äußerst knapp davor, Arthur und dessen Handlanger in Gewahrsam zu nehmen. Ein paar Wochen noch, und –«

»Und Mrs. Daisy Graham wäre uns entkommen.« Adams verlieh dem Satz großes Gewicht. Er blickte Lassiter forschend an. »Sie kennen Mrs. Graham noch?«

»Ob ich Mrs. Graham kenne?«, entgegnete Lassiter. Sein Gesicht zeigte keinerlei Regung. »Treiben Sie Scherze mit mir?«

Nach den Akten des Hauptquartiers, die man Adams per Eilkurier auf die Pelican Plantage zugestellt hatte, war Lassiter vor vier Jahren damit beauftragt worden, das Vertrauen von Mrs. Daisy Graham zu gewinnen. Er hatte sich ein gutes halbes Jahr in ihrem Umfeld aufgehalten.

»Keineswegs«, antwortete Adams und war froh, dass ihm Lassiter endlich die notwendige Aufmerksamkeit schenkte. »Nun verstehen Sie sicher, dass wir nur Sie für diese Mission einsetzen können.«

Der Skandal um Mrs. Daisy Graham, die ihre früheren Ehemänner getötet haben sollte, war von sämtlichen Wochenzeitungen des Landes aufgegriffen worden. Einige Zeitungen hatten Mrs. Graham die »Todesbotin« genannt, andere hatte die letzten Minuten der ermordeten Männer beschrieben, was reine Spekulation gewesen war.

»Sie wird kein Wort mit mir sprechen«, sagte Lassiter. »Wir sind im Streit auseinandergegangen.«

Der besagte Streit hatte in den Akten des Hauptquartiers seinen Niederschlag gefunden, war jedoch nur in den Grundzügen beschrieben worden. Das Missionsprotokoll hatte vermerkt – und das fand Adams erstaunlich –, dass das Einvernehmen zwischen Mrs. Graham und Mr. Lassiter unerwartet und endgültig zu Bruch gegangen wäre. Eine Erklärung dafür hatten die Akten nicht.

»Was ist geschehen?«, erkundigte sich Adams. Er holte ein Kuvert unter dem Sakko hervor und reichte es Lassiter. »Sie wissen, dass Sie uns diese Antwort schuldig geblieben sind.«

Selten genug kam es vor, dass Agenten gegenüber dem Hauptquartier einen Abschlussbericht verweigerten. Die Strafen dafür waren lächerlich, und häufig lag es im eigenen Interesse, dass Washington über den Auftrag im Bilde war. Die sture Weigerung, die Lassiter vor vier Jahren zum Ausdruck gebracht hatte, suchte jedoch ihresgleichen.

Der Mann der Brigade Sieben hielt den Blick auf die Eichenallee gerichtet. »Ich bin niemandem eine Antwort schuldig. Der Fall Daisy Graham ist für mich erledigt. Mrs. Graham lebt irgendwo unter falschem Namen in Wyoming.«

Für einen Moment wollte Adams seinen Ohren nicht trauen.

Die Informantenberichte nannten Dutzende Zusammenkünfte, die es nach Abschluss der Mission zwischen Daisy Graham und Lassiter gegeben hatte. Das Paar war bis nach Alaska gereist, um sich ungestört zu treffen.

»Ich glaube Ihnen kein Wort, Mr. Lassiter«, sagte Adams in aller Strenge. »Sie kennen Mrs. Graham gut. Ich habe die Berichte gelesen. Es ist seither kaum ein Jahr vergangen, in dem Sie nicht wenigstens einen Brief an sie geschrieben haben.«

»Sie ist verschwunden.« Lassiter beherrschte sich mühsam. »Ich kann Ihnen nichts anderes sagen.«

»Mrs. Graham ist am Leben.« Adams kostete seinen Triumph genüsslich aus. »Sie ist uns vor ein paar Tagen in Wyoming ins Netz gegangen. Der Sheriff von Caroline hält sie derzeit fest und befragt sie.« Er reichte Lassiter das Missionskuvert. »Wir wollen jedoch, dass Sie ein Verhör durchführen. Sie müssen herausfinden, ob Mrs. Graham ihre Ehemänner getötet hat.«

Hinter den Fenstern des Plantagenhauses strichen die weißgewandeten Bediensteten vorüber, die im Auftrag von Mrs. Fremont das Abendessen für die beiden Männer herrichteten. Vor der Plantagenbesitzerin durften sie sich ihre Meinungsverschiedenheit nicht anmerken lassen.

Adams stützte sich wieder auf seinen Stock. »Die Toten waren Informanten von uns, Lassiter. Wir glauben, dass Daisy Graham Gründe hatte, sie zu töten. Diese Gründe müssen wir kennen.«

»Sie wird mir nicht zuhören«, wandte Lassiter ein. Er fuhr zur Adams herum. »Hören Sie, Mr. Adams, das Verhältnis zwischen ihr und mir war kompliziert. Ich habe der Brigade Sieben den üblichen Bericht verweigert, um Daisy zu schützen. Sie schwebte damals in großer Gefahr.«

Mit einem Kopfnicken zeigte Adams, dass er verstanden hatte. »Die Gefahr für Daisy ist zurück. Sie sind zu dieser Stunde der einzige Mann, der für uns Licht ins Dunkel bringen kann.«

»Ich verstehe«, sagte Lassiter. »Ich werde tun, was in meiner Macht steht, Sir.«

Caroline, Wyoming, sechs Jahre zuvor

Die blühenden Pinselblumen hatten die Prärie in einen scharlachroten Teppich verwandelt, der von der Ranch bis zum Horizont reichte. Das leuchtende Rot schloss das abgestellte Lastfuhrwerk ein, das einsam auf der Weide stand, die Pfähle, die Daisys Mann William auf einen Haufen geworfen hatte, und die alte Scheune, deren Dach im letzten Winter eingebrochen war.

Das Blütenmeer war ein hinreißender Anblick.

Wie gewöhnlich konnte sich Daisy nicht davon losreißen. Sie wusste aus Erfahrung, dass William sie drinnen im Haus anbrüllen würde. Er schrie wie ein wütender Stier herum, sobald er getrunken hatte, und das kam in letzter Zeit häufig vor.

Schuld daran waren die Viehpreise.

Das Kalb brachte ihnen weniger als die Hälfte, das dreijährige Rind noch ein Drittel des Ertrags, den sie noch vor vier Jahren erzielt hatten. Die Schlachthäuser im Osten waren voll, seit die Eisenbahnen die Rinder aus allen Winkeln des Landes herankarrten. Williams Gebrüll war also eine Stimme im ohnmächtigen Chor jener Rancher, die gegen das Unvermeidliche aufbegehrten.

»Geh schon!«, sagte Daisy und scheuchte die Katze vor sich her ins Haus. Sie goss dem Tier eine Schale Milch ein. »Du hast ein gutes Herz.«

Drinnen hörte Daisy ihren Sohn Cecil und ihren Mann William miteinander reden.

Sie stritten über die hohen Casinoeinsätze, die Cecil in jüngster Zeit gemacht hatte und die sich in beträchtlichen Verlusten niedergeschlagen hatten. William hielt nichts vom Roulettespiel, hatte sich jedoch davon verführen lassen, dass Cecil eines Tages mit vierhundert Dollar nach Hause gekommen war.

»Du musst klüger vorgehen, Cecil«, sagte William mit seiner erstickten, kaltherzigen Stimme. Er war ein großer Mann mit breiten Schultern, dem man ohne Weiteres zugetraut hätte, dass er es mit einem Bären aufnehmen konnte. »Du musst die Verluste verteilen. Ein paar Dollar da, ein paar Dollar hier. Nicht alles auf die gleiche Zahl, Dummkopf.«

Tief im Inneren war William ein Einfaltspinsel, der vor allem möglichen Angst hatte und meist zu feige war, sich diese Furcht einzugestehen. Vor ein paar Jahren hatte er sich derart vor einem Nachbarn gefürchtet, dass Daisy auf die andere Ranch gegangen und für Ordnung gesorgt hatte.

Darunter hatte Daisy jetzt noch zu leiden.

Sie hatte William mit ihrem kurzentschlossenen Handeln in die Bredouille gebracht, hatte ihn unter den Ranchern von Caroline zum Gespött gemacht. Seitdem fluchte er nicht nur wie ein Droschkenkutscher, sondern trank auch wie einer. Daisy sah ihn manchmal wochenlang nicht ohne Bourbonflasche.

»Lass mich!«, knurrte Cecil, worauf ein klatschendes Geräusch folgte. William hatte ihm eine Ohrfeige verpasst. »Was soll das, Vater? Wofür? Ich hab nichts getan! Verdien dein Geld doch selber! Ich will lieber spielen gehen!«

Wieder klatschte es zweimal, und Daisy beschleunigte ihre Schritte, um das Ärgste abzuwenden. Sie betrat die Küche und konnte William gerade noch daran hindern, mit einer Bratpfanne auf seinen Sohn loszugehen.

»Geh mir aus dem Weg!«, brüllte William und stieß sie mit seinen Pranken gegen den Tisch. »Der Junge muss lernen, was Respekt heißt! Er beleidigt seinen Vater und denkt, dass er damit davonkommt!« Er schwenkte die Bratpfanne pfeifend durch die Luft. »Komm her, du kleiner Kretin! Komm her und hol dir die Strafe ab!«

»William«, sagte Daisy und brachte ihren Mann dadurch zur Vernunft. »Er lernt nichts auf diese Weise. Lass ihn in Frieden ... Ich mache uns ein paar Brote, ja? Du musst etwas essen?«

Tags darauf hatte William vergessen, dass ihm Cecil übel mitgespielt hatte. Er saß mit seinem Jungen auf dem alten Fuhrwerk, ließ die Beine baumeln und biss auf einer Stange Kautabak herum.