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Auf dem Tisch lagen die letzten Dollars, die Bobby Heash besaß. Er hatte Lizzie den kleinen Stapel hingeknallt, als wäre es nur wertloses Papier. Anders konnte er diesem Teufelsweib kaum klarmachen, wie viel es ihm bedeutete. Das Geld stammte von Dan Stanton. Er hatte es Bobby gegeben, damit dieser hinunter nach Cochise City ritt, den Direktor der schwer bewachten Arizonian Bank abknallte und dessen Tresor ausräumte. Die ganze Sache war der reinste Todesjob. Bobby wollte trotzdem, dass Lizzie mit ihm kam. "Fünfhundert?" Die hübsche Brünette verschränkte die Arme. "Nicht mehr?" Bobbys Zunge war wie gelähmt. Er konnte Stantons Kurtisane schlecht sagen, dass er sie heiraten wollte. Genauso gut hätte er sich eine Kugel durch die Stirn jagen können ...
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Seitenzahl: 128
Veröffentlichungsjahr: 2026
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Inhalt
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Impressum
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Inhaltsverzeichnis
Inhaltsbeginn
Impressum
von Marthy J. Cannary
Auf dem Tisch lagen die letzten Dollars, die Bobby Heash besaß. Er hatte Lizzie den kleinen Stapel hingeknallt, als wäre es nur wertloses Papier. Anders konnte er diesem Teufelsweib kaum klarmachen, wie viel es ihm bedeutete.
Das Geld stammte von Dan Stanton. Er hatte es Bobby gegeben, damit dieser hinunter nach Cochise City ritt, den Direktor der schwer bewachten Arizonian Bank abknallte und dessen Tresor ausräumte. Die ganze Sache war der reinste Todesjob. Bobby wollte trotzdem, dass Lizzie mit ihm kam.
»Fünfhundert?« Die hübsche Brünette verschränkte die Arme. »Nicht mehr?«
Bobbys Zunge war wie gelähmt. Er konnte Stantons Kurtisane schlecht sagen, dass er sie heiraten wollte. Genauso gut hätte er sich eine Kugel durch die Stirn jagen können ...
Ohne die Liebe wäre Bobby Heash ein gemachter Mann.
Er würde in einem dieser feinen Herrenhäuser am Mississippi sitzen, sich im Schaukelstuhl ausstrecken und die Bediensteten herumscheuchen. Das Geld würde ihm nur so in die Kassen sprudeln. Er hätte in Transportgeschäften gemacht, in Börsenhandel, in Rohstoffkäufen und in Terminfracht, die mehr Geld in die Bücher brachte als alle vorgenannten zusammen.
Der Name Heash würde in einem Atemzug genannt werden mit Finanzmagnaten wie J.P. Morgan oder Stahlbaronen wie Andrew Carnegie.
Aber Heash war nun einmal verliebt.
Von der Frau, nach der sich sein Herz verzehrte, war indes nichts zu sehen. Sie war in den blassroten Sandwogen verschwunden, die der Sturm über die Sonora Mesa trieb. Mit ihr waren auch die sechs anderen Reiter verschollen, die aus Yuma zu ihnen geritten waren.
Heash sorgte sich um keinen seine Leute.
Der Staubsturm – oder Haboob, wie man ihn in den Wüstenländern des Orients nannte – war eine lästige Laune der Natur, währte aber nicht ewig. Früher oder später flauten die Windböen ab, und der aufgewirbelte Dunst aus Schmutz und Sand setzte sich am Boden ab. So war es in der Sonora Mesa immer gewesen.
»Lizzie!« Heash behauptete sich gegen den brüllenden Wind. »Lizzie! Wo steckt ihr? Bleibt zusammen, verflucht!«
Der Sturm hatte sie hinter Las Quavitas überrascht, jener Siedlung, vor der sie eine Einheimische in Yuma gewarnt hatte. Die Staubriesen seien zornig, hatte die Alte geunkt, sie brächten jedem den Tod, der es mit ihnen aufnahm.
Auf derlei Aberglauben gab Heash keinen Pfifferling.
Er hatte für Frachtdienste geschuftet, die ihre Fahrer unter vorgehaltenem Revolver in den Sturm geschickt hatten. Einmal war Heash in einen Blizzard geraten, der solch grimmige Kälte gebracht hatte, dass ihm zwei Zehen auf dem Kutschbock abgefroren waren. Die Ladung hatte Heash dennoch am vereinbarten Tag zugestellt.
»Lizzie!« Der Sand knirschte zwischen seinen Zähnen. »Lizzie! Verdammt, nun antwortet doch!«
Aus freien Stücken hatte Lizzie ihn begleitet, wiewohl Heash den Verdacht hegte, dass sie wegen der fünfhundert Dollar mitgekommen war, die er ihr für diese Gefälligkeit angeboten hatte. Sie blieb stets die Kurtisane. Auch nach fünf Jahren, die Heash und sie sich die gleiche Kammer geteilt hatten.
Endlich erschienen im Dunst die Umrisse mehrerer Berittener.
Sie preschten in fliegendem Galopp heran, mit jeweils einer Hand an den Zügeln und der anderen an den flatternden Hutkrempen. Vier Männer machten den Anfang, bevor Lizzie aufkreuzte und Heash für dessen kindisches Geschrei verhöhnte. »Jede Amme ist tapferer, Bobby! Glaubst du, wir geben für ein paar Schaufeln Sand auf?«
Sie hatte sich den Überwurf ihres Kleides nach Beduinenart um Mund und Nase gebunden, sodass nur eine fingerbreite Öffnung blieb. In diesem Spalt funkelten Lizzies smaragdgrüne Augen, an denen sich Bobby nicht sattsehen konnte.
»Gut, dann weiter!« Heash kommandierte die Männer so lange herum, bis sie mit ihren Pferden wieder eine Ordnung gefunden hatten. Sie wollten in Cochise City Eindruck schinden. »Jeder von euch kennt seine Aufgabe! Wir reiten die Mainstreet hinunter bis zur Arizonian-Bank! Zwei von uns halten draußen Wache!«
Ein älterer Kerl namens Frank Houck hob den Arm. Hinzu kam der Jüngste in der Runde, ein ehemaliger Rindertreiber, den wegen seiner weibischen Züge alle Lenora nannten, obwohl er Lenny hieß. Er war der geschickteste Gewehrschütze im Trupp. Von den anderen Männern bekam er trotzdem sein Fett weg.
»Ihr beide haltet uns den Rücken frei!« Bobby klopfte erst Frank, dann Lenny auf die Schulter. »Auf dich setze ich vor allen Dingen, Lenny. Du verpasst jedem eine Ladung Blei, der auf sechzig Fuß an uns herankommt.«
»Verstanden, Boss!« Der Sturm riss Lenny die Worte von den Lippen. »Ich ... Wie lange sollen wir dort draußen stehen?«
»Bis wir rauskommen.« Heash wandte sich wieder den übrigen Männern zu. »Womit wir bei euch Bastarden wären! Ihr kommt mit mir hinauf in den Tresorraum! Wir knallen den Direktor ab. Dann sprengen wir die Tür in die Luft. Der ganze verdammte Tresor muss voller Lohnschecks sein! Wir stopfen alles in die Säcke, anschließend verschwinden wir, klar?«
Aus vier Mündern schallte Bobby die gleiche Antwort entgegen. »Klar!«
Die Staubschleier hinter den Männern zogen sich zu einem Trichter zusammen, in dem sich ein heulender Sandteufel aufrichtete. Das Haupt war eine drehende Scheibe aus losem Gras und Erde, der Schlauch schnitt wie ein Dolch die Sonora Mesa auf.
Aus dem Sattel schrie Lizzie Bobby etwas zu. »Ein Tornado wird's! Reiten wir!« Sie galoppierte zu ihm und streckte die Hand aus. »Komm schon, Kleiner! Bald wird hier alles in den Himmel segeln!«
Wieder verschwanden die Männer halb im Dunst, wurden zu geisterhaften Ebenbildern ihrer selbst. Der Trupp schmolz auf Bobby und Lizzie zusammen, die diesmal beieinanderblieben. Fast ritten sie Pferdebrust an Pferdebrust, wichen denselben Gräben und Felsen aus, hielten sich an die kaum noch erkennbaren Karrenspuren, von denen sie glaubten, dass sie zur Straße nach Cochise City gehörten.
Ab und an schaute Lizzie zu Bobby herüber.
Ihre Augen sprühten dabei vor Freude. Sie genoss diesen Sturm, dachte Bobby. Sie genoss die Gefahr und lachte dabei in ihr Beduinentuch.
Kein Mann war solch einem Weibsbild gewachsen.
✰
Die Bretterdächer von Cochise City leuchteten von den hellen Sandbahnen, die der Sturm darauf hinterlassen hatte. Von den Häusern der Stadt kannte Heash nur die Arizonian-Bank. Ein protziger zweistöckiger Bau mit falschem Giebel, den ein Vorgänger des derzeitigen Direktors Jacob F. Floyd hatte errichten lassen.
Der gutmütige Jake Floyd tat Heash schon den ganzen Vormittag leid.
Er hatte den Bankdirektor ein einziges Mal getroffen, als Dutzende Rancher in der Stadt gewesen war, um ihre Erlöse aus der Viehauktion einzuzahlen. Obwohl Floyd mit einer Handvoll Männer aus dieser Menge bekannt gewesen war, hatte er niemanden bevorzugt. Die Rancher hatten sich gedulden müssen, bis sie an der Reihe gewesen waren.
Derartige Aufrichtigkeit sah man im Westen selten.
Sie stand im Widerspruch zu dem schlitzohrigen Halunkentum, wie es Dan Stanton und auch Heash selbst an den Tag legten. Man wurde nicht zu Mördern oder Gesetzesbrechern gemacht. Vielmehr entschied man sich aus freien Stücken dazu, eher den eigenen Vorteil zu suchen.
»Halt!« Heash gab den Männern ein Zeichen. Sie waren auf der letzten Hügelkuppe vor Cochise City angelangt. »Wir warten darauf, dass sich die Mainstreet leert. Die Leute kriegen schon früh genug mit, dass etwas vor sich geht. Wir müssen's ihnen nicht auf die Nase binden!«
»Nein.« Lizzie ritt neben Heash und öffnete ihren Haardutt. Die rotblonden Haarsträhnen fielen ihr auf die Schultern. »Wir müssen vorsichtig sein. Ich kenne ein paar Leute unten in Cochise. Seit man ihnen das Townhouse angesteckt hat, sind sie vorsichtig geworden.«
Das Townhouse von Cochise City hatte vor einem knappen Jahr gebrannt.
Ein erboster Farmer hatte eine brennende Puppe aus Stroh und Lumpen durchs Fenster geworfen, nachdem ihm die Stadtverordneten ein Stück Acker aberkannt hatten. Der Mann hatte im Jellyfish-Saloon Schulden für zwanzig Leute gemacht. Der Wirt im Jellyfish hatte auf eine Enteignung des Farmers bestanden. Er hatte den Stadtverordneten auch gleich mitgeteilt, welcher Flecken Land ihm am meisten nutzen würde. Die ganze Angelegenheit war zu einem abgekarteten Spiel geworden.
»Los jetzt!« Heash verlor die Geduld. »Am Nachmittag kommt die Kutsche aus Phoenix. Auf der gibt's genug Blei, um uns alle über den Jordan gehen zu lassen. Der gilt's auszuweichen!«
Gemeinsam jagte der Trupp nach Cochise City hinunter, stets an einer schroffen Felsenkluft entlang, bis sie das Ende der Mainstreet erreichten. Die wenigen Männer, die sich auf der Straße befanden, machten sich davon wie die Ratten. Sie rochen die Gefahr, die Heash und seine Männer in die Stadt brachten.
Nichts würde Heash und Lizzie nun noch aufhalten.
Verstohlen spähte Bobby zu seiner hübschen Gefährtin hinüber, der ein Sandsturm ebenso wenig zusetzte, wie es ein Verbrechen tat. Sie war in der Halbwelt aufgewachsen. Jeder, der sich mit deren Gesetzen auskannte und sie befolgte, zog sie der Welt von Recht und Gesetz vor. Als Kurtisane musste Lizzie allem begegnet sein, was einen Menschen entmutigen konnte.
»Frank! Lenny!« Kaum hatte Bobby gerufen, wandten sich die Männer zu ihm um. Sie hatten angespannte Mienen. »Runter mit euch! Ihr geht das letzte Stück zu Fuß! Schaut euch um!«
Die Männer banden ihre Pferde an der alten Schmelzhütte an, in der seit Jahren die Kutschpferde des Saloonbesitzers standen. Sie verdrückten sich in eine der Seitengassen und erschienen erst wieder in Bobbys Blickfeld, als sie die Arizonian-Bank fast erreicht hatten.
Aus der Nähe war die Bank noch beeindruckender.
Vier beschnitzte Säulen aus Zedernholz trugen das Vordach, die Ecken des Gebäudes waren ebenfalls mit Schnitzereien verziert. Manche zeigten Szenen aus den Kämpfen gegen die Apachenstämme, andere Siedlertrecks und Büffeljagden. Über dem Eingang war ein Schnitzrelief angebracht, auf dem ein Adler das Wappen der Arizonian-Bank in den Krallen hielt.
Ein paar Schüsse würde Heash sich für das Wappen aufsparen.
Die Bank sollte wissen, dass es keineswegs von Nutzen war, eine Bande unter seinem Kommando zu verfolgen oder gar stellen zu wollen. Ein erschossener Direktor und ein geplünderter Tresor sollten keinen Zweifel daran lassen, dass sie ihr Handwerk ausgezeichnet verstanden.
Mit verschlagener Miene beugte sich Lizzie im Sattel zu Heash herüber. »Absteigen, mein Guter! Wenn wir mit den Pferden vorreiten, wird man gleich wissen, dass wir zusammengehören!« Sie deutete auf die Fenster der Häuser, in denen hin und wieder ein schemenhaftes Gesicht zu erkennen war. »Unsere Ankunft wird sich rasch herumsprechen.«
Nach kurzem Zögern fand auch Heash, dass es an der Zeit war, sich aufzuteilen. Er wechselte mit den restlichen Männern kurze Blicke, nach denen jeder wusste, was er zu tun hatte. Heash blieb mit Lizzie auf der Mainstreet, die anderen pirschten sich auf den Boardwalks und durch die Hinterhöfe nach vorn.
Um die Bank schloss sich ein Würgegriff.
Keiner würde entkommen können, den Heash und seine Männer nicht herausließen. Sie würden entweder vor die Revolver von Bobby und Lizzie laufen, oder im Hof auf Bill und Rodney treffen. Den unschuldigen Bankkunden würden sie nichts tun, machte keiner von ihnen Sperenzchen. Ob sie die Schalterangestellten am Leben lassen würden, hing ebenfalls davon ab, ob sie ihnen Schwierigkeiten bereiteten oder sich gefügig zeigten.
»Gleich sind wir da!« Lizzie knotete ihr Halstuch auf und schnürte es sich als Maske um den Kopf. Sie äugte in die Mainstreet hinaus und gab Heash einen Stoß in die Rippen. »Beweg dich! Ich bin nicht bloß wegen deiner läppischen fünfhundert Dollar mitgekommen!«
»Nein?« Heash maskierte sich ebenfalls. Er band sich einen Lumpen um, der furchtbar nach modriger Nässe stank. »Bist du meinetwegen mitgekommen?«
»Dummkopf.« Lizzie lachte mit den Augen. »Du wirst doch nicht auf Gedanken kommen. Stanton wird seine Beute mit mir teilen.« Sie zog den Revolver und schaute prüfend nach dessen Trommel. »Ich gewinne gleich zwei zweimal, Bobby.«
»Zwei-zweimal?« Heash packte die Angst. Er hatte gehofft, Lizzie würde nach diesem Coup mit ihm nach Kalifornien gehen. »Wollten wir nicht ...?«
»Nein.« Lizzie spannte den Abzug des Revolvers und schaute sich um. »Für Kalifornien bin ich noch zu jung. Geh du ruhig! Du wirst's schon ohne mich aushalten! Ich halte mich an Stanton.«
Noch bevor Heash sich darüber klarwerden konnte, ob er sich in Lizzie von Grund auf getäuscht hatte, schlug sein Trupp los. Die ersten Schüsse fielen im Hinterhof des Bankgebäudes. Sie hörten Rodney nach Bill rufen, danach herrschte gespenstische Stille.
»Los!« Lizzie stieß Heash an. »Worauf wartest du?«
✰
Ganz vier Stunden lang hatte Lassiter wie ein Stein geschlafen.
Die speckigen Kissen hatten ihn nicht gestört. Auch der vor Dreck starrende Kübel nicht, der neben dem Bett stand. Er roch nach Erbrochenem. Nicht einmal die brüchigen Dielen dieses heruntergekommenen Herbergszimmers und die Taranteln darunter hätte der Mann der Brigade Sieben moniert.
Wäre er nicht geweckt worden.
Zwei ganze Flaschen Whisky waren gestern seinetwegen über den Thekentisch gegangen. Er hatte sie allein in einer Ecke des Saloon getrunken, die Hand fest ums Glas geklammert, wie es gottverdammte Säufer taten. Er hatte sich den Zorn durch die Kehle gespült.
Später dann war Linda dagewesen.
Sie hatte ein flammend rotes Kleid getragen, war über zwei Tische hinweg zu ihm geklettert und hatte ihm gesagt, dass er attraktivste Mann in diesem Loch von einer Stadt sei. Die Würdigung war Lassiter zu Kopf gestiegen. Er hatte Linda so lange hingehalten und mit Komplimenten umgarnt, dass sie zum Schluss betrunkener als er gewesen war.
Sie hatten es draußen vor dem Hühnerstall getrieben.
An Näheres dieses Rendezvous erinnerte sich Lassiter nicht, und das, obwohl ihm Linda aus ausnehmend schön im Gedächtnis war. Er hatte – im Rausch – in die hellblauen Augen des Saloonmädchens gestarrt und geglaubt, dass sich darin die ganze Weltkugel spiegelte. Sie hatte ihn ausgelacht und einen Narr genannt. Nackt hatte sie neben den gackernden Hühnern im Stroh gelegen, und nackt, das rote Kleid unter dem Arm, war sie später reumütig zurück in den Saloon geschlichen.
Müde öffnete Lassiter die Augen.
Er starrte auf die mit Pech verschmierten Bretter, aus denen das Dach der Herberge zusammengezimmert war. Sein Rücken schmerzte, seine Hände waren schlaffe Hautsäcke, die er kaum zu heben vermochte. Er hatte getrunken wie seit langem nicht.
Schuld daran Henry Yardley.
Der Mittelsmann und Büchsenmacher aus Phoenix hatte Lassiter in die Mojave-Wüste geschickt, damit er sich an der mexikanischen Grenze mit einem korrupten Händler traf. Er sollte eine Ladung Gold wiederschaffen, die sich irgendwo zwischen Kolumbien und Albuquerque befand.
Das Gold, hatte Yardley betont, stamme aus dem Besitz der amerikanischen Regierung.
Doch der Händler hatte nichts darüber gewusst. Obendrein war er ein netter Kerl gewesen. Er hatte Lassiter in einen seiner beiden Handelsposten mitgenommen, die er im Übrigen führte, ohne von irgendwem Bestechungsgelder anzunehmen. Die ganze Mission, mit der Yardley Lassiter beauftragt hatte, war Zeitvergeudung gewesen.
Also hatte es der Whisky kurieren müssen.
Wieder dieses Geräusch!
Voller Ärger richtete sich Lassiter auf und rieb sich Gesicht und Wangen. Er starrte zum Fenster, hinter dem die Wüste leuchtete, und dachte daran, dass am Morgen ein Sandsturm über die Herberge hinweggefegt war. Die feinen Sandkörner waren durch sämtliche Bretterspalten gedrungen und hatten sich wie weiße Asche im Zimmer verteilt.
Ein weiteres Mal vernahm Lassiter das Geräusch, das ihn geweckt hatte.
Auf gewisse Weise ähnelte es dem dumpfen Schlag eines Teppichklopfers, kam dafür aber aus zu großer Ferne. Die Hunde des Herbergsbesitzers schieden als Verursacher aus. Sie waren alt und lagen faul auf ihren Decken vor der Herberge.
Vom Herbergsbesitzer waren solche Laute ebenso wenig zu erwarten.
Der Alte hatte schon in der Nacht in seinem Lehnstuhl gesessen und schlief auch jetzt darin. Er war ein greiser, schwerkranker Mann, mit einem Bart wie aus Stahlwolle und Pranken von Händen. Er hatte Lassiter das größte Zimmer gegeben, ohne einen Dollar im Voraus zu verlangen.
