Tom Prox 49 - Frank Dalton - E-Book

Tom Prox 49 E-Book

Frank Dalton

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Beschreibung

Immer härter werden die Machtkämpfe zwischen zwei Kupferminengesellschaften ausgetragen. Jeder will dem Konkurrenten das Wasser abgraben, um das Feld allein zu beherrschen. Wenn sich mit ehrlichen Mitteln nichts erreichen lässt, greift man eben zu unehrlichen. Da kommt die Truppe um Mr. Paolini auf den Gedanken, sich durch Einbrüche in ein Forschungslabor die Erreger des Rocky-Mountain-Fiebers zu beschaffen und die Mine des gegnerischen Konzerns damit zu verseuchen ...


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Seitenzahl: 153

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Inhalt

Cover

Impressum

Die Mine von Anaconda

Vorschau

Kleines Wildwest-Lexikon

Aus dem Wilden Westen

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige eBook-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2020 by Bastei Lübbe AG, Köln

Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: Heinrich Berends

Illustrationen Innenteil: shutterstock

Datenkonvertierung eBook: César Satz & Grafik GmbH, Köln

ISBN 978-3-7517-0074-0

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

www.bastei.de

Die Mine von Anaconda

Von Frank Dalton

Eigentlich sollen Tom Prox und seine Gehilfen, die Sergeanten Patterson und Closter, die rätselhaften Einbrüche in das »Fleckfieber-Laboratorium« aufklären. Dann aber werden die Männer auch noch mit dem nicht minder seltsamen Verschwinden eines vermögenden Bankiers konfrontiert.

Zunächst scheinen beide Fälle nichts miteinander zu tun zu haben. Doch schon bald muss der Ghostchef erkennen, dass es doch einen Zusammenhang gibt und die Sache mehr als brenzlig ist …

»Sie können sich wirklich nicht denken, was diese Einbrüche zu bedeuten haben?«, fragte der Ghostchef Professor Romuald Smith. Mit seinen beiden Sergeanten Patterson und Closter saß er im Wohnzimmer des einfachen Häuschens, das dem Leiter des »Fleckfieber-Laboratoriums« als Wohnung diente.

»Keine Ahnung«, erwiderte der Gelehrte, während er seine Gäste durch eine Handbewegung zum Trinken aufforderte. »Sehen Sie, praktisch gibt es bei uns nichts zu stehlen! Wir leben zu dritt hier. Da bin zunächst ich, dann mein Assistent John Ernest …«

»Wo befindet sich dieser?«, unterbrach ihn Tom Prox schnell.

Professor Smith lächelte. »Sie sind ja erst seit einer knappen Stunde auf der Station, Mr. Prox! John ist ein Mann, der ganz in seiner Arbeit aufgeht. Steckt schon seit dem frühen Morgen im Laboratorium; ist nämlich einer Sache auf der Spur, von der er sich viel Erfolg verspricht. Er kommt mir wie ein Apache auf dem Kriegspfad vor. Sobald es um unsere Forschungen geht, sind Essen, Trinken und Schlafen Nebensache für ihn. Irgendwann, oft erst spät nach Mitternacht, kommt er dann zum Vorschein, schlingt hastig ein paar Bissen herunter, setzt ein Gläschen Whisky darauf, sinkt wie tot auf sein Bett, schläft ein paar Stunden – und wenn ich morgens aufwache, ist er längst wieder an der Arbeit.«

»Man kann es auch übertreiben«, meinte Patterson gelassen und trank sein Glas leer.

»So etwas nennt man eben Forscherdrang!«, belehrte ihn Ben Closter. »Aber von höheren Dingen verstehst du natürlich nichts. Du kennst nur einen Drang, den nächsten Saloon anzusteuern.«

»Stopp!« unterbrach ihn der Captain. »Hänselt euch meinethalben nachher – wenn ich fertig bin!« Und wieder zu dem Professor gewandt: »Ihr dritter Mann?«

»Sam Eagle, unser Faktotum! Kocht unser Essen, putzt unsere Schuhe, hält Haus und Labor sauber, geht uns bei wissenschaftlichen Versuchen zur Hand – eine unbezahlbare Kraft! Dazu eine Seele von Mensch. Seit die Einbrüche begannen, macht er zusätzlich auch noch Nacht für Nacht ein paar Kontrollgänge. Er hat es sich in den Kopf gesetzt, den Dieb zu stellen.«

»Sagten Sie nicht, dass nie etwas gestohlen wurde?«

»Konserven, Brot, was man sonst noch zum Leben braucht – das lohnt keinen Einbruch! Nennenswerte Geldbeträge haben wir nicht im Haus. Was sollten wir hier draußen auch mit Dollars anfangen? Zu essen und zu trinken haben wir, kaufen können wir beim besten Willen nichts – wir lassen unsere Gehälter auf die nächste Bank überweisen.«

Das jämmerliche Heulen eines Hundes ließ den Professor aufhorchen.

»Mein Gott, was ist denn da los?«, entfuhr es ihm. Er sprang auf, lief ans Fenster und wollte den Vorhang zurückziehen.

Aber Tom Prox hielt ihn zurück. »Bleiben Sie hier! Zeigen Sie sich vor allen Dingen nicht am Fenster. Wir gehen und sehen nach.«

Die Ghosts eilten ins Freie. Zu sehen war nichts; sie liefen auf den Hund zu, dessen Heulen jetzt in ein heiseres Wimmern übergegangen war.

»Was ist denn nur mit dem Köter los?«, fragte Ben etwas verwirrt.

»Mach mal Platz, Dicker!«, forderte der lange Patterson. »Bildest du dir vielleicht ein, durchsichtig zu sein?«

Snuffy ließ seine Stablampe aufleuchten.

»Mein Gott!« Professor Smith war den dreien gefolgt. Entsetzt starrte er auf den Hund. Das Tier regte sich nicht mehr. »Was hat das wohl zu bedeuten?«

Plötzlich fuhren alle herum; schlürfende Schritte kamen ums Haus. Snuffy richtete den Schein seiner Lampe dahin, und was sie dann zu sehen bekamen, war mehr als seltsam: Ein Mann tastete sich schwankend die Hauswand entlang, Blut im Gesicht.

»John!«, rief der Professor entsetzt, und zu Tom gewandt, fügte er erklärend hinzu: »Das ist Mr. Ernest, mein Assistent!«

Sie liefen dem Taumelnden entgegen und fingen ihn gerade noch auf. Snuffy holte seine Taschenflasche hervor und flößte ihm einen Schluck Whisky ein. Der junge Gelehrte schien sich etwas zu fangen. Er berichtete, und die drei Ghosts schauten sich bezeichnend an. Professor Smith war vollkommen durcheinander.

»Die Dinge werden immer unerklärlicher! Das sieht beinahe aus, als habe man die Absicht, uns auszulöschen! Aber weshalb denn nur? Es kann sich doch nur um die Tat eines Wahnsinnigen handeln.«

»Wie sah der Mann aus, der Sie niederschlagen wollte?«, fragte der Ghostchef, der keine Zeit verlieren wollte.

Mr. Ernest hob hilflos die Schultern. »Ich kann Ihnen leider keine Einzelheiten erzählen. Ich war mitten in der Arbeit, als ich merkte, dass jemand am Schloss herumhantierte, und glaubte, es sei der Professor. Da ich den Riegel von innen vorgeschoben hatte, öffnete ich, und als ich hinaustrat, war niemand zu sehen. Im nächsten Augenblick bekam ich den Schlag.«

»Der Hergang der Ereignisse ist leicht zu rekonstruieren!« Tom Prox blickte seine Sergeanten an. »Jemand schlich sich aufs Grundstück, erledigte zuerst den Hund und nahm dann den kürzesten Weg zum Laboratorium. Wahrscheinlich dachte er, es sei niemand dort. Als er aber merkte, dass der Assistent anwesend war, schlug er ihn nieder. Als wir, durch das Heulen des Hundes aufmerksam gemacht, dann auf dem Plan erschienen, zog er es vor, das Weite zu suchen.«

Sie suchten nach Spuren und entdeckten die durch den Hund verursachte Schweißspur. Sie zog sich quer über die Grasfläche auf die Hecke zu. Wortlos folgten sie ihr.

Bald darauf standen sie vor dem auf dem Boden liegenden Wächter. Patterson kniete sich neben dem Reglosen nieder, richtete sich jedoch sofort wieder auf. »Zu spät – muss rasend schnell gegangen sein! Innerlich verblutet!«

Der Professor machte ein entsetztes Gesicht. »Wenn ich nur wüsste, was das Ganze soll!«, murmelte er verstört.

»Um herauszubekommen, worum es geht, sind wir ja hergekommen! Vielleicht kümmern Sie sich um den Toten, Professor!« Dann wandte er sich an Snuffy und Ben: »Wir wollen jetzt hinter dem Täter her, so lange seine Fährte noch heiß ist!«

Sie ritten die Straße entlang und hielten Ausschau.

»Das Waldstück dort drüben«, rief Ben Closter. »Das ist ein ideales Versteck für ein Pferd!« Die Bäume standen hier spärlicher; der Platz, an dem der Bursche sein Pferd untergestellt hatte, war sofort zu erkennen.

»In welcher Richtung mag er davongeeilt sein?« Snuffy kratzte nachdenklich an seinem Kinn herum. »Wenn man eine Gegend nicht kennt …«

»Da zieht sich ein kaum erkennbarer Pfad hin!«, stellte Ben fest. »Ich glaube, er hat ihn genommen. Einer seines Schlages meidet für gewöhnlich Straßen.«

Tom Prox nickte. Sie ritten den schmalen Weg entlang, der eigentlich nicht mehr als eine sich ziellos durchs Gelände schlängelnde Spur darstellte. Von dem Mann, den sie suchten, aber war nichts zu sehen.

Eine Viertelstunde später hielt Tom inne. »Wir sind wahrscheinlich doch falsch geritten! Wenn ich die Zeit einkalkuliere, die der Mann brauchte, um zu seinem Gaul zu kommen, müssten wir ihn jetzt längst gesichtet haben.«

In diesem Augenblick fiel ein Schuss.

Sie horchten auf, aber es war schwierig, die Richtung festzustellen, denn die Gegend war gebirgig, und Felswände, die sich quer ins Gelände hineinschoben, gab es allerorten.

»Vermutlich dort drüben!« Tom Prox ritt wieder an. Nach kurzer Zeit erreichten sie den Fuß einer Felswand, die sich beinahe hundert Meter hoch fast senkrecht in die Höhe schob, um dann rasch wieder abzufallen und in ein unübersichtliches Gewirr von Felsblöcken überzugehen.

»Das Pferd!«, rief Snuffy aufgeregt, hielt auf einen müde zwischen einigen Sträuchern stehenden Gaul zu, schwang sich aus dem Sattel und stieß gleich darauf einen so erstaunten Ruf aus, dass er die beiden anderen rasch an seine Seite brachte.

Im hohen, dürren Gras lag ein Mann. Auf den ersten Blick erkannten die Männer, dass er tot war. Stumm betrachteten sie die Leiche. Mit einem Blick ließ sich feststellen, zu welcher Sorte Mensch er gehört hatte.

»Der Kerl, hinter dem wir her sind, Chef!« Der Dicke blickte Tom an. »Einer von denen, die für fünf Dollar einen Mord, und für zehn extra noch alles andere begehen, was man von ihnen verlangt.«

Snuffy kniete neben dem Toten nieder, zog ihm den Dolch aus dem Gürtel und betrachtete die Waffe. »Kein Zweifel, Chef! Das Messer ist vor ganz kurzer Zeit gebraucht worden. Fragt sich nur – wer den Burschen erschoss! Es muss jemand hinter ihm her gewesen sein, ohne dass er es ahnte.«

Tom betrachtete den Toten und pfiff vor sich hin; er untersuchte die Schusswunde. Einschuss und Ausschuss waren deutlich zu sehen; der Mann schien aus nächster Nähe erschossen worden zu sein. Noch einmal durchmaß er die Gegend mit den Augen. »Er muss von jemandem erschossen worden sein, der höher stand als er! Irgendwo dort in der Felswand – aber nicht höher als zehn Meter!«

Snuffy kletterte bereits nach oben. Schon nach wenigen Metern stieß er einen bestätigenden Ruf aus. »Hast recht, Tom! Hier oben gibt es so etwas wie eine kleine Felsenkanzel – ausgezeichnet gelegen, wenn man einem auflauern will!« Einige Male blitzte seine Taschenlampe auf. »Ich hab’ auch die Patronenhülse gefunden. Ein Beweis dafür, dass der Schütze tatsächlich hier oben stand!«

Er suchte noch ein Weilchen; dann rief er den Wartenden zu: »Hier geht’s weiter! Ich folge jetzt dem Weg, den der Kerl nahm, als er sich davonmachte …«

Der Platz, an dem Snuffy stand, glich tatsächlich einem von der Natur geschaffenen Balkon, nicht groß, aber von einer hüfthohen Mauer umgeben, die den, der sich hier aufhielt, unsichtbar verbarg, wenn er sich etwas duckte. Im Hintergrund ging es durch einen niedrigen Felsbogen weiter. Er kam nun in einen engen, rechts und links von Felswänden umgrenzten Hohlweg, der fast einer Röhre glich, aber schon bald endete. Steil fiel die Felswand jetzt in die Tiefe, sodass Patterson nicht mehr weiterkam.

Da der Schütze sich nicht anders entfernt haben konnte, kletterte auch er die Wand hinab. An ihrem Fuß wuchs eine Menge Gestrüpp, das die nähere Umgebung unübersichtlich machte.

Snuffy überwand die letzten vier Meter mit einem Sprung, der ihn hart auf dem Felsboden aufkommen ließ. Als er sich aufrichten wollte, vernahm er eine harte, entschlossene Stimme in nächster Nähe: »Stopp! Nimm die Hände hoch und rühr dich nicht, sonst …!« Die Drohung, die eigentlich hätte folgen müssen, blieb aber unausgesprochen.

»Bloß nicht so wild!«, gab der Lange liebenswürdig zurück. »Komm erst mal zum Vorschein und lass dich anschauen, mein Lieber! Ich hab’s nicht gern mit Unsichtbaren zu tun.«

Statt einer Antwort wurde das »Hände hoch!« wiederholt, diesmal aber in wilder Entschlossenheit.

»Nun, wenn du’s absolut willst – ich bin kein Spielverderber!« Snuffy nahm die Arme hoch. Aber seine Blicke suchten aufmerksam weiter …

Hinter einem Dornbusch richtete sich jetzt eine große, schlanke Gestalt auf, für diese Gegend eigentlich viel zu vornehm und zu gut gekleidet. Der Mann hielt einen Colt in der Rechten. Snuffy ließ sich fallen, sobald der andere hochkam, und zwar so schnell, dass der Mann einen verblüfften Ruf ausstieß. Gleich darauf schoss er – einen Atemzug zu spät, denn der Lange hatte sich sofort ein Stück weitergerollt und lag jetzt hinter einem großen Stein. Vorsichtig holte er die eigene Waffe aus dem Halfter.

»Lassen Sie das!«, sagte in der gleichen Minute eine andere Stimme, so dicht neben dem Sergeanten, dass dieser erschrak. Sie gehörte einer Frau. Er blickte rasch zur Seite: Zum Greifen nahe lag ein junges Mädchen hinter dem gleichen Felsblock wie er, ebenfalls mit einem Colt bewaffnet. Der Lauf der Waffe war auf seinen Kopf gerichtet.

»Ladies mit Kanonen haben mir noch nie gefallen!«, meinte der Lange grinsend. Er hatte das ängstliche Flackern in den Augen des Mädchens gesehen, und wenn er richtig lag, hatte sie noch nie im Leben einen Colt in der Hand gehabt.

Mit einem entwaffnenden Lächeln griff er zu und hielt gleich darauf ihre Waffe in der Hand. »Frauen gehören an den Kochtopf und nicht hierher. Sie würden sich dort wesentlich wohler fühlen, meine Dame!«

Sie stieß einen halb überraschten, halb zornigen Ruf aus und blickte ihn verängstigt an; ihr war wahrscheinlich gerade bewusst geworden, dass sie nun völlig wehrlos war.

Der junge Mann mit dem Revolver wurde unsicher, weil er seinen Gegner nicht mehr sah, und wusste nicht, wie er sich nun verhalten sollte. Dass er in voller Größe stehen blieb, war eine große Dummheit.

Snuffy lachte halblaut. »Stecken Sie Ihr Schießeisen hübsch wieder dahin zurück, wohin es gehört! Dann treten Sie näher heran, damit wir uns unterhalten können. Weder Sie noch Ihre Begleiterin gehören in den Wilden Westen; so viel ist mir inzwischen klar geworden, mein Lieber!«

»Stehen Sie bitte auf!«, bat der junge Mann. »Ich habe keine Lust, mich von Ihnen hinterrücks erledigen zu lassen.«

»Wenn ich Sie hätte abknallen wollen«, versicherte Snuffy freundlich, »lebten Sie schon längst nicht mehr. Seien Sie also vernünftig. – Ihre nette Begleiterin ist’s ja auch!«

»Tu den Colt weg, Fred!«, ließ sich jetzt die junge Dame vernehmen. »Er scheint harmlos.«

»Weniger harmlos als gutmütig«, berichtigte Snuffy. »Und da ihr beide waschechte Greenhorns zu sein scheint – stecken Sie endlich Ihre verdammte Waffe Weg, Mann! Manchmal gehen solche Dinger nämlich los, ohne dass man’s will. Und meistens dann, wenn man so wenig damit umzugehen versteht, wie Sie!«

Der junge Mann folgte dem Befiehl. Snuffy erhob sich und half der Frau auf die Beine. Nachdem er beide eingehend gemustert hatte, fuhr er fort: »Und nun schießt los … mich interessiert zu erfahren, was ihr hier tut, und warum ihr durchaus Räuber spielen müsst.«

»Wer sind Sie?«, fragte der junge Mann misstrauisch. »Wir hörten einen Schuss und … haben Sie vielleicht geschossen?«

»Wenn Sie’s beruhigt – nein! Ich dachte, Sie seien es gewesen! Nachdem ich Sie jetzt jedoch persönlich in Augenschein genommen habe, glaube ich’s nicht. Der Schütze traf nämlich ausgezeichnet, und Sie sehen nicht aus, als ob Sie im Leben schon einmal etwas getroffen haben. Fassen Sie’s als Kompliment auf, junger Mann!«

»Wir glaubten, der Schuss habe uns gegolten«, meldete sich die Dame wieder.

»Warum sind Sie denn überhaupt zu dieser Nachtzeit unterwegs?«, fragte Snuffy. »Leute, wie Sie, gehören ins Bett, wenn’s dunkel wird.«

»Wir wollen zur Fleckfieber-Station«, erklärte das junge Mädchen offen.

»Sieh einer, da komme ich gerade her! Und was wollen Sie auf der Station? Sich ein wenig anstecken? Keine schöne Sache, dieses Fleckfieber! Und mitten in der Nacht – scheinen es ja verdammt eilig zu haben!«

»Es geht Sie nichts an, was wir auf der Station suchen!«, wies ihn das junge Mädchen zurecht.

»Da haben Sie auch wieder recht«, gab Snuffy gutgelaunt zu.

»Wir hatten auch nicht die Absicht, nachts dort anzukommen.« Das Girl schien Zutrauen zu dem Fremden gefasst zu haben »Wir wollten auf Mr. Paolinis Besitzung übernachten und dem Professor erst morgen früh unsere Aufwartung machen.«

»Wo liegt denn diese Besitzung? Ich kenne mich hier nicht so aus.«

»Wir auch nicht. Auf der Karte ist sie verzeichnet. Als wir hinkamen, fanden wir alles verrammelt, keiner wollte uns einlassen. Anscheinend war niemand da. So blieb uns nichts anderes übrig, als weiterzureiten. Als dann der Schuss fiel, glaubten wir, er hätte uns gegolten. Deshalb beschlossen wir, uns zu wehren.«

»Hallo, Langer!«, erscholl es jetzt von der Felswand her. »Wo steckst du denn?«

»Hallo, Dicker!«, rief Snuffy lachend zurück. »Keine Angst, Lady – das ist mein Freund! Dauerte ihm wohl zu lange. Hat ein sehr stürmisches Naturell.«

Ben Closter kam um die Felswand herum und sprang vom Pferd, als er die Gruppe sah. »Natürlich!«, knurrte er. »Unser langes Leiden raspelt wieder mal Süßholz! Immer dasselbe! Dass Tom und ich uns inzwischen die Beine in den Bauch stehen, macht dir wohl gar nichts aus?«

»Euch hatte ich tatsächlich ganz vergessen! Ich glaube, Sie kommen am besten mit uns!«, wandte er sich an die beiden jungen Leute. »Wo stehen Ihre Gäule? Dass Sie zu Fuß durch die Gegend tippeln, ist wohl unwahrscheinlich.«

»Sind Sie Angestellte der Station?«, fragte das junge Mädchen, plötzlich sehr interessiert.

»Daneben geraten! Aber wenn Sie es durchaus wollen, können Sie es ruhig annehmen. Und nun los, Chefs soll man nicht warten lassen.«

»Professor Smith?«

»Wieder daneben! Sie haben ein bemerkenswertes Talent, immer das Falsche zu treffen, meine Dame!«

Die Pferde der jungen Leute standen nicht weit; so dauerte es nicht lange, bis sie bei Tom eintrafen. Das Girl erschrak, als es den Toten sah, sagte aber nichts. Interessiert betrachtete sie den Ghostchef. »Sie sind nicht der Professor Smith?«

»Nein!«, entgegnete Tom »Aber wenn Sie diesem Weg folgen, kommen Sie zur Station und können den Professor sprechen. Wir selbst haben anderes zu tun – schließlich hat jemand diesen Menschen hier erschossen; wir möchten gern den Täter fassen.«

Der junge Mann nickte. »Wir reiten weiter, Maud! Ich glaube nicht, dass diese Gentlemen …«. Er blickte die Ghosts prüfend an und schwieg dann unschlüssig.

»Sie sehen uns bald wieder«, entgegnete Tom lächelnd. »Wir kehren zur Station zurück, sobald wir unsere Aufgabe erledigt haben.«

Ohne sich weiter um die anderen zu kümmern, schwangen sich die Ghosts in die Sättel und ritten davon.

»Wir müssen um die Felswand herum, Chef«, erklärte Snuffy, als sie außer Hörweite waren. »Der Schütze ist auf der anderen Seite abgestiegen. Wenn wir die Gegend absuchen, müssten wir auf die Stelle stoßen, an der sein Pferd stand, und können seinen Weg weiter verfolgen.«

Sie fanden dann auch bald den Platz, an dem der Gaul des Täters gewartet hatte, folgten der Spur und erreichten wieder den Weg, den sie, vom Institut kommend, genommen hatten.

»Möchte wissen, wohin es hier geht«, überlegte Ben Closter, während sie zügig dahinritten.

»Wahrscheinlich zu Mr. Paolinis Besitzung. Da kommen nämlich die jungen Leute her. Aber das Anwesen scheint unbewohnt zu sein. Sie trafen niemanden an.«

Professor Smith und sein Assistent waren völlig durcheinander. Überfall und Mord auf ihrer stillen, abgelegenen Station, das war etwas, was sie nicht für möglich gehalten hatten. John Ernest stöhnte; der Schlag, der seinen Kopf getroffen, hatte unangenehme Nachwirkungen.

Sie holten eine Trage herbei, betteten den toten Hausdiener darauf und schafften ihn in sein Stübchen, wo sie ihn aufs Bett legten.

»Dieses Schicksal hat er nicht verdient«, meinte Smith wehmütig. »Besitzt er Verwandte? Ich weiß es nicht; er sprach ja nie über seine Familienangelegenheiten. Hoffentlich finden wir in seinen Papieren Hinweise! Mit dem Begräbnis können wir natürlich nicht warten, bis Angehörige erscheinen. Ich denke, wir bereiten ihm hier im Park eine würdige Ruhestätte.«