Tom Prox 55 - Frank Dalton - E-Book

Tom Prox 55 E-Book

Frank Dalton

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Beschreibung

Die Shepheard-Ranch sollte Tom Prox und Snuffy Patterson sowie Ben Closter und Ruby Long als Treffpunkt dienen. Ihre Ghost-Kollegen aber finden der Captain und sein Sergeant dort nicht vor. Stattdessen geraten sie in ein Abenteuer voller Unwahrscheinlichkeiten, als nach Rache dürstende Indianer weit entfernt ihrer Heimat auftauchen ...


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Seitenzahl: 102

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Inhalt

Cover

Impressum

Das Totem des Großen Bären

Vorschau

Kleines Wildwest-Lexikon

Aus dem Wilden Westen

BASTEI LÜBBE AG

Vollständige eBook-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

© 2020 by Bastei Lübbe AG, Köln

Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: Heinrich Berends

Illustrationen Innenteil: shutterstock

eBook-Produktion: César Satz & Grafik GmbH, Köln

ISBN 978-3-7517-0505-9

www.bastei.de

www.luebbe.de

www.lesejury.de

Das Totem des Großen Bären

Von Frank Dalton

Die Shepheard-Ranch sollte Tom Prox und Snuffy Patterson sowie Ben Closter und Ruby Long als Treffpunkt dienen. Ihre Ghost-Kollegen aber finden der Captain und sein Sergeant dort nicht vor. Stattdessen geraten sie in ein Abenteuer voller Unwahrscheinlichkeiten, als nach Rache dürstende Indianer weit entfernt ihrer Heimat auftauchen.

Dass das »Totem des Großen Bären« der Auslöser dafür sein könnte, mag der Ghostchef zunächst nicht glauben. Als aber ausgerechnet dort, wo es überhaupt keine Grizzlys geben dürfte, ein Shepheard-Mitglied nach dem anderen, wie von einem riesenhaften Tier zerfleischt, tot aufgefunden wird, scheint sich tatsächlich der Fluch des Totems zu erfüllen …

Es sah beinahe aus wie eine Ansichtskarte: Die hochragenden Felswände, das Tal, das die Mitte zwischen ihnen einnahm, der Salmon Creek, der hindurchfloss und sich an der tiefsten Talstelle zu einem kleinen See erweiterte. Bäume, Sträucher, eine üppige Vegetation mit allerhand Getier, das man nur ahnen konnte.

Captain Tom Prox und Sergeant Snuffy Patterson saßen vor ihrem Zelt und rauchten eine letzte Zigarette, bevor sie in die Schlafsäcke kriechen wollten.

Plötzlich fiel ein Schuss.

Snuffy Patterson nahm noch schnell ein paar Züge, ehe er den Stummel wegwarf.

»Das sind sie! Sie sollten zwar auf der Shepheard-Ranch mit uns zusammentreffen, aber ich finde es nett von ihnen, uns so weit entgegenzukommen. Soll ich sie ein wenig überraschen? So ein kleiner Schreck in der Abendstunde könnte ihnen nichts schaden!«

Und ehe Tom Prox etwas erwidern konnte, war Snuffy wie eine Schlange im Gestrüpp untergetaucht.

Da es sich um Freunde handelte, glitt er ziemlich unbekümmert dahin, bis ihm knackende Zweige und heftiges Atmen verrieten, dass er am Ziel war.

»Verdammt laut, die beiden!«, brummte er mit verstellter Stimme. Dann stutzte er doch, weil er eine Männerstimme vernahm, die eigentlich gar nicht zu seinem Freund Ben passte. »Gib das Ding schon her oder …«

Die Worte wurden leiser, klangen aber durchaus nicht freundlich.

»Oho!« Snuffy hob seinen Oberkörper. Ungefähr zwanzig Schritt vor sich sah er einen großen, schlanken Mann von ungefähr dreißig Jahren, der ihm den Rücken zuwandte. Dessen Gegenüber war eine Rothaut von nahezu siebzig Jahren, klein, hager, ausgetrocknet.

»Ich warne euch!« Zischend kamen die Worte aus dem Mund des alten Indianers. »Sehr große Kraft in diese Totem – alle töten, die nach ihm greifen! Wer Totem von Große Bär stiehlt …«

In diesem Moment übertönte das spöttische Lachen des Weißen die Antwort des Alten.

»Immer wieder dieser alte Aberglaube! Ich mache dir ein letztes Angebot, Tim-Ka-Thu – fünfzig Dollar für das Zeug! Keine fünf ist es wert, das weißt du genau. Bist doch ein alter Gauner!«

Langsam, beinahe lauernd, trat der Weiße einen Schritt auf die Rothaut zu. Der Alte stand furchtlos da, verfolgte aber jede seiner Bewegungen mit geübten Augen.

»Totem nicht verkäuflich!« Seine Stimme klang beschwörend. »Ich sie bringen zu Stamm von Coracaye-Indianer in Reservation, zu heilen alte Häuptling Silberbart. Große Wunderkraft in unsere Bären-Totem! Auch viele große Gefahr. Wer Totem nimmt mit Gewalt …«

»Ist doch alles Quatsch!« Der Weiße sprang wütend vor, während die Rothaut einen kurzen Schritt zurückwich. Aber der Indianer stürzte und schlug rücklings zu Boden. Er stöhnte auf, bekam aber noch sein Messer zu fassen, um den Angriff des Weißen abzuwehren.

Der schien plötzlich wie besessen.

»Verdammter Hund!«, knirschte er mit zusammengebissenen Zähnen. Als er sah, dass der andere sein Messer in der Hand hielt, wurde sein Gesicht rot vor Wut. Gleich darauf lag der Colt in der Rechten.

Die Rothaut wusste, was jetzt kommen würde, stieß aber noch eine Drohung aus: »Große Totem-Bär nehmen fürchterliche Rache! Ihr sterben schrecklichen Tod – ewig verflucht, Weißer!«

Das letzte Wort erstarb bereits im Knall des Schusses. Die alte, runzelige Rechte des Roten ließ das Messer fallen und griff zum Herzen. Der ausgemergelte Körper brach zusammen und streckte sich.

Der Weiße stieß den Colt in sein Holster zurück. Er schien keine Gewissensbisse zu empfinden. Mit einer Sergeant Patterson unverständlichen Hast durchsuchte er den Toten.

Snuffy war empört. Durch Zufall Augenzeuge dieses Mordes geworden, brannte er darauf, den Mörder auf frischer Tat zur Verantwortung zu ziehen. Er sprang vom Boden auf und zwängte sich mit hastigen Schritten durch das Gestrüpp, das ihn von dem Mordbuben trennte.

Aber auf einmal ging es nicht weiter. Eine Erdspalte gähnte vor ihm, beinahe zwanzig Meter tief, nicht übermäßig breit, aber doch zu weit, um sie überspringen zu können. Er machte auf seine Art seiner Enttäuschung Luft; doch nicht leise genug, um nicht von dem anderen gehört zu werden.

Der Weiße schaute sich misstrauisch um. Snuffy konnte ihn nicht sehen, vernahm nur das Brechen von Ästen und Zweigen.

Die Bewegungen des Mörders waren fahrig und von nervöser Hast. Er warf einen scheuen Blick auf das Gestrüpp und richtete sich ruckartig auf. Er hielt etwas in der Hand, und stopfte es eilig in eine seiner Taschen. Dann machte er sich fluchtartig davon.

Snuffy hatte Angst, der Mann könnte ihm entkommen. Er riss seinen Colt aus dem Holster.

»Stopp!«, schrie er hinter dem Davoneilenden her. »Stehen bleiben – oder ich schieße!«

Der Mann kümmerte sich aber herzlich wenig um Snuffys Befehl. Er stieß ein höhnisches Gelächter aus und machte einen gewaltigen Satz, mit dem er in einem ausgedehnten Gebüsch untertauchte.

Snuffy lief am Rand der Erdspalte entlang, um eine Stelle zu finden, an der er auf die andere Seite hätte wechseln können. Ab und zu hielt er im Lauf inne und knickte, ohne sich lange aufzuhalten, hier und da einen Ast ein. Dann wieder schob er schnell einen Steinbrocken mit dem Fuß in eine möglichst auffällige Lage.

Schließlich erreichte er einen Platz, an dem sich der Riss so verengte, dass er den Sprung wagen konnte. Nur mit knapper Not kam er drüben auf, griff hastig in das Astwerk eines Busches, um festen Halt zu finden. Er merkte aber gleich, dass er auf ein überhängendes Stück Erde gesprungen war. Und schon bröckelte der Boden unter seiner Last und rutschte ihm unter den Füßen weg.

Die Hände des Sergeanten verkrampften sich in den Strauch. Jetzt kam es einzig und allein darauf an, dass wenigstens dieser hielt.

Einige Sekunden schien die Sache kritisch. Dann wusste er, dass der Strauch ihn halten würde.

Snuffy pendelte über dem Abgrund. Es gelang ihm, wenn auch nur mit Mühe, sich langsam wieder hochzuarbeiten und festen Boden unter die Füße zu bekommen.

Nach Atem ringend, blieb er kurz auf dem Bauch liegen. Dann sprang er auf und rannte auf die Stelle zu, wo die tote Rothaut lag. Er beugte sich über den Alten, stellte aber bereits auf den ersten Blick fest, dass hier jede Hilfe zu spät kam. Erst jetzt machte er sich an die Verfolgung des Weißen.

Es war nicht schwierig, dessen Spur zu finden. Abgeknickte Zweige, aus ihrer ursprünglichen Position gestoßene Steine und zertretenes Gras wiesen Snuffy den Weg.

Er kam schnell voran. Es dauerte nicht lange, da hörte er den Mann bereits. Die Landschaft war jetzt stark mit Buschwerk durchsetzt und von hohen Bäumen belebt.

Snuffy wusste, dass hinter jedem Gebüsch und hinter jedem Stamm der Tod auf ihn lauern konnte. Und als er mit einem Mal nichts mehr hörte, war ihm sofort klar, dass sein Gegner ganz in der Nähe im Hinterhalt liegen musste.

Plötzlich vernahm er hinter sich eine Stimme. Tom Prox hatte ihn gesucht. Snuffy gab schnell Bericht, dann suchten sie zu zweit die Umgebung ab. Das ging verhältnismäßig rasch, doch plötzlich stutzte Tom.

»Hört sich an wie das Rauschen von Gebirgswässern, die hier nicht selten sind!«

Snuffy setzte sich wieder in Bewegung. Halb geduckt lief er in die Richtung, aus der das Geräusch kam. Wenig später standen sie an einem nicht übermäßig breiten und auch nicht sehr tiefen Bach, der hurtig zu Tal floss. Der Grund war mit Kieseln bedeckt, das Wasser klar.

»Dieses Bachbett muss er benutzt haben! Das gibt leider keine Spuren. Fragt sich nur, ob er auf- oder abwärts gelaufen ist.«

»Abwärts!«, erklärte Tom Prox ziemlich bestimmt. »Höher hinauf dürfte das Vorwärtskommen schwierig sein. Und was soll er schon in dem unwegsamen Gelände, das oben beginnt?«

Sie eilten den Bachlauf entlang und hielten die Ufer sorgsam unter Beobachtung. Irgendwo musste der Mann ja wieder aus dem Wasser gestiegen sein.

Kaum waren sie um die nächste Biegung gekommen, als sich der Mann, hinter dem sie her waren, prustend aus dem Wasser erhob. Er hatte sich an einer Stelle versteckt, wo der Bach so tief ausgespült war, dass ein Mann darin aufrecht stehen konnte, ohne mit dem Kopf über die Wasseroberfläche zu reichen.

Hier hatte er sich an einer Baumwurzel festgehalten. Er schüttelte sich, griff in die Tasche und holte ein uraltes indianisches Totem heraus. Grob, aber eindrucksvoll gebildet, stellte es den stark vermenschlichten Kopf eines Grizzlybären dar, grellbunt bemalt und dadurch von furchterregendem Aussehen.

Obwohl die Farbe durch das Alter bereits an vielen Stellen abgeblättert war, machte die Maske doch einen unheimlichen, dämonischen Eindruck, und man konnte sich der zwingenden Gewalt, die von ihr ausging, nicht entziehen.

Der Mann schauderte, schüttelte jedoch das Gefühl vorahnenden Grauens, das ihn auf einmal erfasst zu haben schien, von sich ab.

Hastig holte er sein Taschentuch hervor, rieb die Plastik, um deren Besitz er selbst vor einem Mord nicht zurückgeschreckt war, trocken, steckte den Zauber wieder in die Tasche, lauschte und verschwand zwischen Buschwerk und Felsblöcken.

Nur wenige Schritte von der Stelle, an der die furchtbare Tat begangen war, lag noch ein zweiter Mann, den weder der Geflüchtete noch Snuffy bemerkt hatten.

So still er sich auch verhalten hatte, so angespannt hatte er darauf geachtet, dass ihm nicht die geringste Einzelheit entging. Als die Rothaut tot zu Boden sank, murmelte er etwas vor sich hin. Dann wollte er sich erheben und sich dem Toten nähern.

Zunächst aber lauschte er noch einmal – und war zufrieden. Seiner Meinung nach befand sich niemand mehr in der Nähe.

Vorsichtig kroch er los. Aber schon nach drei Schritten stutzte er. Er hatte ein Geräusch gehört, das wie ein Flüstern klang. Vorsorglich ging er wieder zu Boden und drückte seinen Leib tief in das hohe Gras.

Obwohl nichts mehr zu hören war, verharrte er eine Zeit lang reglos. Er hatte im Lauf seines Lebens gelernt, geduldig zu warten.

Schließlich vernahm er leise schleichende Schritte. Noch fester presste er seinen Körper gegen den Erdboden. Den Geräuschen nach mussten sich mindestens fünf Menschen auf die Stelle zubewegen, an der der Tote lag. Leute, die es ausgezeichnet verstanden, sich unsichtbar zu machen. Man hätte glauben können, das Rascheln im Gras würde vom Nachtwind hervorgerufen.

Dann standen auf einmal fünf Indsmen neben dem Toten. Die Rothäute starrten auf diesen hinab, ohne ein Wort zu sagen. Dann blickten sie einander an. Einer von ihnen holte schließlich ein paar Federn hervor, Schwanzfedern wilder Truthähne.

Mit dem Messer schlitzte er eine am Kiel auf und steckte die beiden anderen Federn hindurch. Dann begann er mit fast grotesker Feierlichkeit eine sonderbare Zeremonie: Er knickte den oberen Teil jeder der drei Federn, schaute wieder auf und reichte sie einem seiner Kameraden, der sie sorgsam in die Tasche steckte. Nun gab er den anderen ein Zeichen. Wortlos nahmen diese daraufhin den Toten auf und trugen ihn davon.

Der Beobachter im Gras blickte ihnen unentschlossen nach, bis sie nicht mehr zu sehen waren. Schließlich folgte er ihnen, um zu sehen, was sie mit dem Leichnam anfangen würden.

Einige hundert Meter weiter legten die Indianer ihre Last auf den Erdboden und hüllten den Körper in eine grobgewebte, bunte Decke. Dann schleppten sie Steine und Felsbrocken herbei und bedeckten ihren toten Stammesgenossen damit.

Der Beobachter blieb an seinem Platz, bis die Indsmen ihr Werk beendet und sich entfernt hatten. Wenig später löste sich der Mann, der die Federn in Empfang genommen hatte, aus der Gruppe und schritt in entgegengesetzter Richtung davon.

Der heimliche Beobachter war sich nicht recht schlüssig, wem er nun folgen solle. Dann aber kehrte er an den Platz der Bluttat zurück und unterzog den Boden einer sorgfältigen Untersuchung.