Tom Prox 58 - Frank Dalton - E-Book

Tom Prox 58 E-Book

Frank Dalton

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Beschreibung


Seinen ersten Urlaub seit langer Zeit hat sich Tom Prox wahrlich ganz anders vorgestellt. Aber statt ein paar ruhige Tage im kleinen, aber komfortablen Seehaus eines Freundes, am Kirksee, zu verbringen und dort die Seele baumeln lassen zu können, befindet sich der Ghostchef plötzlich mittendrin in einer Mordgeschichte.
"Mittendrin", das bedeutet diesmal aber nicht, dass er der leitende Ermittler wäre. Nein, diesmal ist Tom Prox derjenige, den alle jagen. Denn alles deutet daraufhin, dass er Archie Heyer erschossen hat!

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Seitenzahl: 109

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Inhalt

Cover

Impressum

Die Hütte am Kirksee

Vorschau

Kleines Wildwest-Lexikon

Aus dem Wilden Westen

BASTEI LÜBBE AG

Vollständige eBook-Ausgabeder beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

© 2020 by Bastei Lübbe AG, Köln

Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: Heinrich Berends

eBook-Produktion:3w+p GmbH, Rimpar (www.3wplusp.de)

ISBN 9-783-7517-0705-3

www.bastei.de

www.luebbe.de

www.lesejury.de

Die Hütte am Kirksee

Von Frank Dalton

Seinen ersten Urlaub seit langer Zeit hat sich Tom Prox wahrlich ganz anders vorgestellt. Statt ein paar ruhige Tage im kleinen, aber komfortablen Seehaus eines Freundes am Kirksee zu verbringen und dort die Seele baumeln zu lassen, befindet sich der Ghostchef plötzlich mittendrin in einer Mordgeschichte.

»Mittendrin«, das bedeutet diesmal aber nicht, dass er der leitende Ermittler wäre. Nein, diesmal ist Tom Prox derjenige, den alle jagen. Denn alles deutet schließlich daraufhin, dass er Archie Heyer erschossen hat!

Tom Prox hatte sich die acht Tage Angelurlaub am Kirksee anders vorgestellt.

Schon die Hinfahrt war eine Katastrophe gewesen. Nach einer siebenstündigen Fahrt war der Zug in Salony angekommen. Hier hätte er, laut Fahrplan, lediglich fünf Minuten Aufenthalt gehabt, gestanden hatte er schließlich mehr als eine halbe Stunde.

Die Reisenden waren bereits ungehalten geworden. Dann aber lief endlich ein Schaffner die Wagenreihe entlang und gab bekannt, dass ein Pfeiler der Windriver-Brücke auf die Gleise gestürzt wäre. Der Schaden müsste nun erst behoben werden. Die Weiterfahrt würde sich daher voraussichtlich bis zum nächsten Morgen verzögern.

Die Passagiere waren zunächst empört hierüber, hatten sich dann aber entkräftet auf eine Übernachtung im Abteil eingerichtet.

Tom Prox hatte es vorgezogen, sich den Ort anzusehen. Salony war nur ein winziges Nest. Es besaß kein anständiges Hotel, und der Saloon, in dem er schließlich ein Zimmer bekommen hatte, sah alles andere als vertrauenerweckend aus.

Schon das Wort ›Zimmer‹ hatte sich als Hochstapelei erwiesen. Was man ihm für die Nacht angewiesen hatte, war nicht mehr als eine armselige Dachkammer. Das Essen hatte auch nichts getaugt, und den Whisky hatte man mit Pfeffer versetzt.

Tom hatte in diesem Augenblick nur den einen Wunsch gehabt: Die Brücke möge möglichst schnell wieder in Ordnung kommen.

Als er ein wenig zur Ruhe gekommen war, öffnete er sein Kammerfenster, um vor dem Schlafengehen noch einmal ein wenig durchzulüften. Da hörte er nicht weit vom Haus einen unterdrückten Aufschrei, sah in einer Gasse einen Mann mit einer Frau ringen und wusste, dass diese unterliegen würde.

Der Ghostchef besann sich nicht lange, stürzte die einem Hühnerstieg ähnliche Treppe hinunter und beeilte sich, der Bedrängten zu Hilfe zu kommen.

Der Angreifer ließ sofort von ihr ab und flüchtete. Tom rannte hinter ihm her, bis sich der andere über einen Zaun schwang und verschwand.

Es war nicht einfach, ihn in dem dahinterliegenden Garten aufzustöbern, doch das Knacken eines Astes verriet den Kerl. Da er einsah, dass eine weitere Flucht sinnlos war, stellte er sich zum Kampf.

Ein Messer blitzte auf. Er warf es mit viel Geschicklichkeit nach Tom Prox, der gerade noch ausweichen konnte. Die Dolchspitze streifte nur seinen Rockärmel.

Der Angreifer schwang sich nun über den rückwärtigen Gartenzaun, und als Prox ihm hinterher wollte, wuchs plötzlich neben ihm eine Gestalt aus dem Boden, die ihm mit der Faust einen mächtigen Hieb gegen die Schläfe versetzte. Und als Tom sich wieder einigermaßen gefasst hatte, hörte er die Überfallene laut um Hilfe schreien.

Je näher er der Frau kam, umso lauter rief sie, und als er sie endlich erreicht hatte, schlug sie mit den Fäusten wild auf ihn ein.

Bald bildete sich ein Auflauf von Menschen, die eine drohende Haltung gegen ihn einnahmen. Ihm blieb nichts anderes übrig, als sich auszuweisen. Trotzdem verhielten sie sich weiterhin misstrauisch. Erst als er sich bereit erklärte, mit ihnen zum Sheriff-Office zu gehen, war man zufrieden.

Im Büro tat nur ein etwas beschränkter Gehilfe Dienst. Es dauerte lange, bis der Sheriff herbeigeholt war, der sich erst mal die Frau ein wenig näher ansah und dann ein sehr nachdenkliches Gesicht machte.

»Sie sind doch Mary Geed aus Seattletown? Erzählen Sie mir kein Märchen. Wenn mich das, was Sie aussagen, nicht befriedigt, buchte ich Sie so lange ein, bis mir mein Kollege aus Seattletown nachweist, dass ich mich irre.«

Die Frau druckste eine Weile herum. Dann gab sie zu, Mary Geed zu sein.

»Ein übel beleumundetes Frauenzimmer, Captain!«, wandte sich der Sheriff an Tom Prox. »Mein Freund Hill aus Seattletown hat viel Ärger mit ihr. Sie säuft wie ein Loch, stiehlt und treibt noch schlimmere Dinge. Hat ein Aufenthaltsverbot für Salony.« Dann brüllte er sie wütend an: »Warum kommen Sie trotzdem hierher?«

Nun merkte auch Tom, dass Mary drei Meilen gegen den Wind nach Fusel roch.

Zuerst wollte sie noch frech werden, doch der Sheriff verstand es, mit ihr umzugehen.

»Gut, Mary«, lachte er laut, »wenn ich nicht sofort erfahre, was ich wissen will, wanderst du in die Zelle, bis du wieder nüchtern bist. Ob ich dann aber schon morgen Zeit habe, dich zu verhören, weiß ich nicht. Vielleicht dauert's eine Woche oder zwei. Schadet auch nichts, gehst sowieso keiner geregelten Beschäftigung nach.«

Für einen längeren Gefängnisaufenthalt hatte Mary jedoch nichts übrig.

»Nicht gleich so wild, alter Eisenfresser!«, kicherte sie. »Klein Mary ist ja bereit zu plaudern. Aber wie wär's erst mit 'nem kleinen Schlückchen, um die Kehle zu ölen?«

Der Sheriff lehnte brüsk ab. Da versuchte sie, eine Zigarette von ihm zu schnorren. Als sie diese bekam, setzte sie sich in Positur. »Also ...?«

»Warum kamst du nach Salony, obwohl du weißt, dass du hier nichts zu suchen hast?«

»Er lud mich ein, mitzukommen, und da bei der Geschichte fünf Dollar herausspringen sollten, sagte ich nicht Nein.«

»Welcher er?«

»Der Mann, der mich überfiel. Der Überfall war nur Spaß. Wir hatten die Sache vorher miteinander abgesprochen.«

»Wozu denn das?«

»Weiß ich nicht, ich stelle keine überflüssigen Fragen! Warum darf ein Mensch denn nicht mal 'nen Scherz machen?«

Der Sheriff steckte Mary Geed zur Ausnüchterung in eine Zelle.

Als Tom Prox die Stiegen zu seinem ›Zimmer‹ wieder emporklomm, hörte er ein Geräusch. Er nahm die letzten Stufen, so leise er konnte, und riss die Tür mit einem Ruck auf.

Jemand durchsuchte gerade seinen Koffer. Es war so dunkel im Raum, dass er die Person nur als Schatten erkennen konnte. Als der Eindringling merkte, dass er ertappt war, sprang er mit einem Satz zur Tür hinaus und stürmte die Treppe hinunter.

Jetzt erkannte Tom, dass es ein Mann war, und rannte hinter ihm her. Im Gastraum stieß der Flüchtende den Barkeeper über den Haufen, der sich nun schreiend an Toms Beinen festklammerte und ihn so Zeit kostete.

Als sich der Ghostchef endlich befreit hatte, war von dem Fremden nichts mehr zu sehen. Er kehrte in seine Kammer zurück, zündete die Nachttischkerze an und prüfte den Inhalt seines Gepäcks. Es fehlte nichts.

Am nächsten Tag war die Brücke so weit ausgebessert, dass sie mit der nötigen Vorsicht befahren werden konnte. Ein Streckenwärter brachte den Zug dicht vor ihr zum Halten.

Die Reisenden mussten aussteigen und zu Fuß über die Brücke marschieren. Das Gepäck hatte man weitestgehend im Zug belassen, der den Fahrgästen dann folgte.

Nach dem Wiedereinsteigen musste Tom Prox zum zweiten Mal feststellen, dass sich jemand für sein Gepäck interessierte. Er war als letzter ins Abteil gekommen und wunderte sich über die Aufregung, die dort herrschte.

Ein Mann, der sich im Zug versteckt hatte, war dabei überrascht worden, wie er sich am Gepäck der Fahrgäste zu schaffen gemacht hatte. Es war ihm aber gerade noch gelungen, sich zum Fenster hinaus zu schwingen und aufs Wagendach zu klettern.

Von Wagen zu Wagen springend, hatte er beinahe schon die ganze Länge des Zuges hinter sich gebracht, als er merkte, dass er verfolgt wurde. Der Zug hatte seine Höchstgeschwindigkeit noch nicht erreicht. Kurz entschlossen sprang der Mann ab, überschlug sich, rollte die Böschung hinunter und verschwand bald darauf aus dem Sichtfeld der Reisenden.

Tom Prox verzichtete darauf, ihm nachzujagen. Er hielt die Sache nicht für wichtig und sollte erst später erfahren, dass er sich in dieser Hinsicht geirrt hatte.

Nach weiteren neun Stunden Bahnfahrt kam er in Hellabry an, versorgte sich mit dem nötigsten Proviant und mietete ein Pferd – von Hellabry aus hatte er der Karte nach noch gute sechs Reitstunden bis zu dem mitten im Wald liegenden Kirksee.

Schmale Wege führten hügelauf und hügelab. Während des gesamten Rittes traf er nicht eine Menschenseele.

Durkins Hütte entschädigte ihn dann ein wenig für die schwierige Anreise. Es handelte sich um ein recht solides Bauwerk, nicht groß, aber mit aller Bequemlichkeit eingerichtet. Und am Wasser stand ein Bootshaus mit einem ausgezeichneten Kahn.

»Du bist und bleibst ein Neidhammel!« Ben Closter rümpfte verächtlich die Nase. »Warum soll sich unser Chef diesen Angelurlaub denn nicht verdient haben?«

Snuffy Patterson lachte. »Natürlich hat er ihn verdient, und von Neid kann da gar keine Rede sein. Ich bin nur der Meinung, wir hätten so etwas auch mal nötig! Am See sitzen, Karpfen, Hechte, Schleien und Barsche aus dem Wasser holen, in der Sonne liegen und faulenzen – schließlich haben wir genauso gut acht Tage Urlaub wie unser Chef!«

»Dann fahr ihm doch nach, Langer! Wahrscheinlich jagt er dich gleich wieder davon. Falls du aber Glück hast, ist er froh, Gesellschaft zu bekommen. Manche vertragen nämlich die Einsamkeit nicht.«

Snuffy blickte den Dicken verblüfft an. Dann schlug er sich auf den Schenkel, dass es nur so knallte.

»Mensch, das ist 'ne Idee! Natürlich kommst du mit! Tom schließt uns erfreut in die Arme, wenn wir bei ihm aufkreuzen. Er kann ja all die vielen Fische, die er fängt, gar nicht allein essen!«

Ruby Long, die schöne, tizianblonde Agentin der Ghost Squad, betrat das Zimmer. Snuffy spann seinen Plan weiter: »Ruby ist natürlich auch mit von der Partie! Wir

brauchen doch jemanden, der die Strümpfe stopft! Also, Mädel, wie wär's? Auf in die Einsamkeit am Kirksee-Ufer! Wir beziehen selbstverständlich in Rex Durkins Hütte Quartier!«

Ruby machte kein begeistertes Gesicht.

»Fragt sich, ob es Tom recht ist! Außerdem kommt Rex Durkin drei oder vier Tage später nach. Vielleicht passen ihm die vielen Gesichter nicht.«

»Wer ist denn dieser sagenhafte Durkin?«, wollte Ben wissen.

»Ein Effektenhändler aus Austin, Tom hat ihn vor drei Jahren kennengelernt«, antwortete Ruby. »Damals hatte er ihm einen Dienst erwiesen, und Durkin war ihm sehr dankbar dafür. Jedes Mal, wenn er in Frisco zu tun hat, sucht er Tom auf. Vor drei Wochen war er wieder einmal hier. Wir trafen uns in Silvo Silvanos italienischer Bar, und im Verlauf der Unterhaltung erwähnte Tom, er habe noch acht Tage Urlaub. Durkin erzählte von seiner am großen Kirksee liegenden, abgeschiedenen Hütte und bot Tom an, seinen Urlaub dort zu verbringen.«

»Hab diesen Mann noch nie zu Gesicht bekommen.« Snuffy blickte nachdenklich vor sich hin. »Was ist das für einer?«

Ruby zuckte die Schultern. »Näher kenne ich ihn auch nicht, aber er macht einen ausgezeichneten Eindruck. Am Tag nach dem Abend bei Silvano kam er dann auf Tom wieder zu. Er hatte sich die Sache inzwischen wohl noch einmal durch den Kopf gehen lassen und machte nun unserem Chef den Vorschlag, noch acht Tage zu warten, dann könnte er sich ebenfalls frei machen und käme mit.«

»Es dauerte aber noch vierzehn Tage, wie?«, fragte Snuffy.

»Ja. Und als der Reisetag herankam, meldete sich Durkin von Austin aus nochmals bei Tom und teilte mit, dass ihm ein wichtiges Geschäft dazwischengekommen sei, und er deshalb schon einmal vorausfahren sollte. Er selbst käme dann drei Tage später nach. Also reiste Tom allein los.«

»Ob er schon an Ort und Stelle ist?«

»Ich denke, er sitzt in diesem Augenblick bereits am Wasser und wirft die Angel aus. Angeln soll ein sehr beruhigender Sport sein. Je mehr ich mir die Sache überlege, umso größer wird meine Lust ...«

Snuffy sprang auf. »Du würdest also mitkommen, Ruby?«

Die Agentin lachte. »Klar. Warum nicht? Ich glaube, Tom wird nicht enttäuscht sein, wenn wir ihn in seiner Einsamkeit überfallen, und Mr. Durkin wird wohl auch nichts dagegen haben. Nur Proviant müssen wir mitnehmen, wenn wir nicht verhungern wollen.«

Snuffy war Feuer und Flamme.

»Wann fahren wir? Morgen früh oder schon heute Abend? Ben will ja unter keinen Umständen mit ...«

Der Dicke warf ihm einen verächtlichen Blick zu.

»Ihr zwingt mich doch dazu, mitzukommen! Ich kann euch doch nicht allein fahren lassen. Ohne mich würdet ihr nicht einmal den Weg finden!«

Tom Prox saß vor dem prasselnden Kaminfeuer in Durkins Hütte und fühlte sich ausgesprochen wohl. Da hatte er plötzlich das unklare Gefühl, beobachtet zu werden, obwohl es hier auf viele Meilen im Umkreis kaum einen Menschen gab. Trotzdem glaubte er kurze Zeit später, ein Geräusch am Fenster zu vernehmen.

Er stand auf, wechselte in den Schlafraum, dessen Fenster zur Seeseite zeigten, stieg durch das Fenster ins Freie und schlich um das Haus herum. Ein Mann, verwahrlost und in zerrissener Kleidung, starrte durch das Wohnzimmerfenster.

Tom beschloss, ihn zu einem Teller Suppe einzuladen. Wahrscheinlich hatte er Hunger.

Als er den Kerl anrief, lief der jedoch davon. Tom wäre ihm nicht gefolgt, wenn der Mann nicht plötzlich ein Messer nach ihm geworfen hätte – genau wie der Kerl in Salony! Tom beschloss, ihn zu stellen.