Tom Prox 61 - Frank Dalton - E-Book

Tom Prox 61 E-Book

Frank Dalton

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Beschreibung

Eigentlich sind Captain Tom Prox und seine Leute nach einem erfolgreich gelösten Fall auf dem Weg zurück nach San Francisco. Eher zufällig, während eines Unwetters, stoßen sie aber auf eine Leiche, die nicht nur ganz offensichtlich gewaltsam aus dem Leben gerissen wurde, sondern die zudem nicht ist, wer sie zunächst zu sein scheint. Als dann noch auf den Rancher Henry Hammond, der den Ghosts Unterschlupf gewährt, ein Mordanschlag verübt und seine Schwester Ann verschleppt wird, nehmen Tom Prox und seine Sergeanten den Kampf gegen die Gangster auf ...


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Seitenzahl: 109

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Inhalt

Cover

Impressum

Die indianische Knotenschnur

Vorschau

Kleines Wildwest-Lexikon

Aus dem Wilden Westen

BASTEI LÜBBE AG

Vollständige eBook-Ausgabeder beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

© 2021 by Bastei Lübbe AG, Köln

Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: Heinrich Berends

eBook-Produktion:3w+p GmbH, Rimpar (www.3wplusp.de)

ISBN 9-783-7517-0852-4

www.bastei.de

www.luebbe.de

www.lesejury.de

Die indianische Knotenschnur

Von Frank Dalton

Eigentlich sind Captain Tom Prox und seine Leute nach einem erfolgreich gelösten Fall auf dem Weg zurück nach San Francisco. Eher zufällig, durch ein Unwetter, stoßen sie aber auf eine Leiche, die nicht nur ganz offensichtlich gewaltsam aus dem Leben gerissen wurde, sondern die zudem nicht ist, wer sie zunächst zu sein scheint.

Als dann noch auf den Rancher Henry Hammond, der den Ghosts Unterschlupf gewährt, ein Mordanschlag verübt und seine Schwester Ann verschleppt wird, nehmen Prox und seine Sergeanten den Kampf gegen die Gangster auf ...

»Hol's der Teufel, Captain! Das gibt einen Sturm, wie ihn selbst die ältesten Männer noch nicht erlebt haben.«

»Irgendwie werden wir's schon noch schaffen!« Tom Prox nickte seinen Begleitern aufmunternd zu. »Nach meiner Karte liegt die alte Hammond-Ranch nicht weit von hier. Dort werden wir Unterkunft finden – wenn auch nicht für die ganze Nacht, so doch wenigstens für die Dauer des Unwetters.«

In diesem Augenblick fegte der erste Windstoß über sie hinweg. Er kam mit so ungeheurer Wucht, dass sie beinahe aus den Sätteln geblasen wurden.

Sie stemmten ihre Oberkörper der Gewalt des Sturmes entgegen, redeten ihren unruhig gewordenen Pferden gut zu und trieben sie voran – in der Hoffnung, plötzlich die Lichter der Ranch aus der Dunkelheit vor sich auftauchen zu sehen. Dabei waren sie sich keineswegs darüber einig, ob sie auch die richtige Richtung eingeschlagen hatten.

Dann brach das Unwetter mit so unvermittelter Heftigkeit los, dass sie glaubten, der Jüngste Tag sei gekommen. Der Sturm pfiff und heulte. In den Lüften tobte und brauste es, als seien riesige Herden unterwegs. Es schüttete in solchen Strömen, dass sie innerhalb weniger Sekunden bis auf die Haut durchnässt waren.

Ihre Pferde blieben einfach stehen, weil sie ganz keinen Schritt weit mehr sehen konnten. Auch mit Gewalt waren sie nicht zum Weitergehen zu bewegen.

Snuffy Patterson versuchte, seinen Gaul zu zwingen, aber beim ersten Schritt stolperte das Tier auch schon. Der Sergeant, dem die Sache völlig überraschend kam, rutschte aus dem Sattel und fand sich in einem nicht übermäßig tiefen Graben wieder.

Als er herauskrabbelte, wetterte er, ganz nach seiner Art, erbost vor sich hin, um gleich darauf verblüfft auszurufen: »Ein Draht! Muss 'ne niedrige Einzäunung sein.«

Ben Closter hatte die Wasserfluten, die der Himmel ausschüttete, stumm und mit Duldermiene über sich ergehen lassen.

Nun wurde er lebendig. Elastisch schwang er sich aus dem Sattel, tat zwei rasche Schritte vorwärts – und landete im selben Graben, in den sein langer Kollege gefallen war.

Als er sich erbost in die Höhe rappelte, stolperte er gleich Snuffy im nächsten Moment über einen niedrigen Drahtzaun, der die andere Grabenseite entlanglief. Gleich darauf stellte er halb wütend, halb zufrieden fest: »Schafsmist! Schafsmist in rauen Mengen – nicht mehr ganz frisch, aber immerhin ...«

»Tom!«, rief jetzt wieder Snuffy Patterson erfreut. »Beeil dich, deine Unterkunft ist in Sicht!«

Wenige Augenblicke später standen sie dann vor einer alten, armseligen Schafhütte, so niedrig, dass sie ihnen nur bis an die Hüften reichte, mit einem an vielen Stellen schadhaften und undichten Dach und einem Eingang, der tatsächlich nur auf allen Vieren passierbar war. Immerhin aber bot dieser Stall einen Schutz vor dem Unwetter und war deshalb nicht zu verachten.

Etwas seitwärts standen einige Weiden, windschief und verkrüppelt. Sie bogen sich im Sturm und stöhnten, aber auf ihrer Rückseite konnten sie die Pferde abstellen.

Gegen den Wind kämpfend, brachten sie die Gäule hin und banden sie fest. Gleich danach krochen sie hintereinander durch den niedrigen Eingang und verschnauften erst einmal. Der Sturm hatte ihnen beinahe den Atem genommen.

»Das Dach ist zwar an allen möglichen Stellen undicht, aber wenn wir suchen, finden wir vielleicht auch ein Plätzchen, an dem es nicht durchregnet,« sagte Patterson.

Auf der Suche nach diesem sagenhaften trockenen Plätzchen krochen sie durch den ganzen Schuppen. So niedrig er auch war, so ausgedehnt zeigte er sich in der Länge. Der Boden war dick mit Schafsmist bedeckt. Seine Trockenheit bewies, dass die Hütte seit langer Zeit nicht mehr benutzt worden war.

»Wir werden uns mindestens vier Wochen lang nicht mehr in menschlicher Gesellschaft sehen lassen können!«, stöhnte Snuffy verzweifelt.

»Hier ist der Schuppen zu Ende!«, verkündete Ben gleich darauf. »Das hier ist die Rückwand, und ich glaube, hier hinten gibt's auch ein trockenes Fleckchen für uns!«

Man verstand ihn kaum, so stark heulte der Sturm. Sturzbäche trommelten auf das Schuppendach nieder.

Ben ließ sich, mit dem Rücken gegen die Lehmwand gelehnt, auf den Boden gleiten.

»Wenn uns der Wind nicht das Dach über dem Kopf wegreißt, halten wir's hier ein Weilchen aus. Falls du nichts dagegen hast, Ruby, stecke ich mir ein Pfeifchen an!«

Die anderen hatten ihn inzwischen erreicht. Auch sie ließen sich an der Schuppenwand nieder, wischten sich das Wasser aus den Gesichtern, schüttelten sich wie nasse Hunde und dachten sich: Es hätte schlimmer kommen können!

Gleich darauf waren sie emsig bemüht, ihre Pfeifen in Gang zu bringen. Sie rauchten schweigend und schlossen dabei die Augen.

»Nun noch 'n nettes Schlummerlied!«, lachte Snuffy, sich behaglich reckend, doch weiter kam er nicht. Schon in der nächsten Minute war er eingedöst, und sein wenig melodisches Schnarchen erfüllte den Raum.

»Nun, wie geht's dir, Ruby?« Tom Prox wandte sich an die Agentin der Ghost Squad, die sie auf diesem Ritt begleitete und bisher noch kein Wort gesprochen hatte.

Sie kamen von Arabundy, wo sie eine mysteriöse Geschichte aufzuklären hatten, und waren nun auf dem Weg nach Hilverill, um von dort aus nach San Francisco zurückzukehren.

Ruby Long lächelte, obwohl man ihr reizendes Lächeln bei der Finsternis nicht sehen konnte.

»Warum ein Wort darüber verlieren, Tom. Unwetter kommen und vergehen, und Reden darüber zu halten, wäre zwecklos. Sobald es aufhört zu regnen, suchen wir die Hammond-Ranch, lassen unsere Kleider trocknen, übernachten dort vielleicht und reiten morgen früh weiter.«

Tom Prox kam nicht dazu, etwas zu erwidern, denn in diesem Moment gab es ein lautes Krachen und Bersten, und sie waren plötzlich von einer dichten Staubwolke eingehüllt. Dann schimpfte Snuffy mordsjämmerlich los.

»Es müsste verboten werden, solche baufälligen Gebäude in die Welt zu setzen! Musst du mir ausgerechnet auch hier noch dauernd in die Quere kommen, Dicker? Flegelst dich bequem über meinen Bauch und machst nicht die geringsten Anstalten, wieder aufzustehen! Du mutest einem wirklich ein bisschen viel zu! Hoppla, und hoch, du Fettwanst!«

»Was willst du denn von mir?« Sergeant Closter verwahrte sich ganz energisch. »Ich sitze mindestens drei Meter von dir entfernt. Wie kann ich da auf deinem Bauch liegen! Du träumst wohl, Zaunlatte?«

»Und ich sag dir ...!« Snuffys Schimpfen brach plötzlich ab. Seine Stimme klang ganz entfernt. »Mach doch bitte mal jemand Licht! Ich glaube ...« Er verstummte, begann aber bald wieder von Neuem. »Himmelherrgottschockschwerenot ...!«

Toms Taschenscheinwerfer flammte auf. Mit kalkiger Helle beleuchtete er den Platz, an dem Snuffy eben noch gesessen hatte. Von dem Langen war nichts zu sehen. Dafür klaffte nun in der Lehmwand, gegen die er sich gelehnt hatte, ein Loch.

Tom kroch darauf zu. Aber kein Regen peitschte ihm entgegen, kein Sturm pfiff hinein. Ein verwundertes »Nanu?« entfuhr seinem Mund. Nur Snuffys Beine ragten noch aus dem Loch.

»Das ist doch nicht möglich!« Tom schüttelte verblüfft den Kopf. Vorsichtig spähte er zu dem Langen hinüber. Auf dem Oberkörper seines Gehilfen lag – eine Leiche! Wie lange diese schon hier gelegen hatte, ließ sich auf Anhieb nicht sagen, jedenfalls bot sie keinen erfreulichen Anblick mehr.

Tom leuchtete die Umgebung ab. Hinter der eingebrochenen Wand befand sich ein schmaler Raum. Erst dann kam die Außenwand. Allem Anschein nach war die Zwischenwand wesentlich später gezogen worden als die Außenwände. Ihr Lehmbewurf war lange nicht so alt und verwittert wie der der anderen Wände.

Snuffy gelang es mit Mühe, unter dem Toten hervorzukriechen und sich die Bescherung anzusehen. Er schauderte leicht.

»Ermordet!«, berichtete der Sergeant den Freunden. »In seiner Brust steckt noch ein recht beachtlicher Dolch, genau an der Stelle, auf die es ankommt. Der Mann muss gleich tot gewesen sein.«

Ben schüttelte den Kopf. »Und um sich dann der Leiche zu entledigen, hat man wohl diese zweite Lehmwand gezogen! Seltsame Art, einen Toten verschwinden zu lassen! Mit welchem Aufwand! Wie lange mag er hier schon liegen?«

»Lässt sich schwer sagen! So, wie er aussieht, könnte man meinen, die Geschichte läge vier bis sechs Wochen zurück. Wenn man jedoch den Umstand berücksichtigt, dass er völlig luftabgeschlossen in einer Art Gruft lag, kann es durchaus auch ein halbes Jahr her sein. Vielleicht sogar nach länger.«

Draußen tobte das Unwetter noch heftiger als zuvor. Es schien jetzt seinen Höhepunkt erreicht zu haben. Sie hörten das angstvolle Wiehern der Pferde. Das dürre Schilf des Daches raschelte und erzeugte Geräusche, die wie das Fauchen von Raubkatzen klangen. Die Schuppenwände ächzten und stöhnten, und ab und zu platzten Klumpen des knochentrockenen Lehms mit gewehrschussähnlichem Knall von den Wänden. Dazu rauschte der Regen in wahren Sturzbächen herunter.

»Wer mag es wohl sein?«, fragte Ruby Long auf einmal merklich interessiert.

Snuffy befand sich noch immer in dem abgetrennten Raum. Er untersuchte jeden Winkel dieser sonderbaren Totenkammer. Schließlich ließ er den Lichtstrahl seiner Lampe zu dem Toten zurückwandern.

Noch einmal betrachtete er ihn eingehend. Es musste ein jüngerer Mann gewesen sein, nicht älter als dreißig, wohlgebaut, gut genährt und kräftig. Nach seinem Gesicht zu urteilen – wenigstens soweit man es noch erkennen konnte – musste er den größten Teil seines Lebens in freier Natur verbracht haben. Seine Hände schienen an körperliche Arbeit gewöhnt gewesen zu sein. Der Tascheninhalt aber gab keine näheren Anhaltspunkte.

»Etwas von Wichtigkeit festgestellt, Langer?«, rief Ben Closter neugierig durch die Öffnung.

»Eigentlich nichts«, kam es zurück. »Es sei denn, dies hier sagt dir etwas!« Snuffy hielt dem Dicken ein Bündel sonderbar mit- und ineinander verknüpfter Schnüre entgegen.

Ben schüttelte verständnislos den Kopf.

»Sieht aus, als habe sich einer aus Langeweile damit beschäftigt, Schnüre aneinander zu flechten und an allen möglichen Stellen mit Knoten zu verzieren. Eine reichlich stupide Beschäftigung übrigens, finde ich!«

Nun warf auch Ruby einen kurzen Blick auf das Schnurzeug.

»Woher hast du das, Langer? Trug er das bei sich?«

»Nicht direkt! Es lag in einer Ecke dieser sonderbaren Totenkammer, sodass nicht unbedingt feststeht, ob es ihm gehörte. Kann auch auf eine andere Art hineingekommen sein.«

»Vielleicht das Spielzeug eines Kindes, mehr sicher nicht!«

»Eine Reihe südamerikanischer Indianerstämme bedienen sich der Knotenschrift!« Tom Prox hatte laut überlegt. »Das, was du da in der Hand hältst, Snuffy, sieht ganz danach aus, als ob es sich um etwas Ähnliches handelte. War der Tote vielleicht ein Indianer?«

»Und wenn wir sonst nichts wissen: Daran, dass es ein Weißer war, besteht kein Zweifel!« Snuffy nickte Tom zu und kletterte vollends aus der Maueröffnung. »Vielleicht lebte er längere Zeit in Südamerika. Das wäre ein Anhaltspunkt! Irgendwie muss er diese Knotenschrift dort bei den Indios kennengelernt haben und beschäftigte sich aus Interesse an der Sache damit. Zumindest wäre es eine Möglichkeit.«

»Wie ist er gekleidet?«, fragte Ben Closter.

»Sieht aus wie ein Tramp! Und als Tramp kann ich mir ihn auch noch am besten vorstellen: Als einen jener ewig umherziehenden Heimatlosen, denen nur wohl ist, wenn sie im Laufe des Jahres möglichst viele Kilometer hinter sich bringen. Aber wer sollte einen Grund haben, einen dieser im allgemeinen harmlosen Kerle umzulegen? Solche Burschen sind doch alle mehr oder weniger ungefährlich.«

»Was macht übrigens der Sturm?«, fragte Tom Prox. »Der Wind scheint abgeflaut zu sein. Es tobt nicht mehr so stark.«

Sie lauschten und stellten zu ihrer Verblüffung fest, dass sich das Unwetter genauso unvermittelt, wie es gekommen war, wieder verzogen zu haben schien. Das wütende Toben jedenfalls hatte sich gelegt, und aus dem prasselnden Regen war ein sachte rieselndes Plätschern geworden.

»Na also!«, stellte Snuffy Patterson zufrieden fest. »In 'nem kleinen Viertelstündchen können wir weiter.«

»Was fangen wir mit dem Toten an?«, erkundigte sich Ben. »Sieht fast aus, als habe der Himmel dieses Unwetter nur geschickt, damit wir ihn finden und seinen Tod aufklären. Ganz nach dem Motto von der Sonne, die es an den Tag bringt! Nur dass es in diesem Fall nicht die Sonne war, sondern der Sturm.«

»Geschenkt!« Snuffy unterbrach ihn spöttisch. »Wenn dir nichts Geistreicheres einfällt, dann halt gefälligst die Klappe! Ich krieche inzwischen ins Freie. Der Aufenthalt in dieser stickigen Gruft ist mir zuwider. Mal sehen, was unsere Pferde machen!«

Er war noch nicht lange draußen und konnte höchstens ein paar Meter weit gekommen sein, als die Zurückgebliebenen plötzlich einen kurzen, peitschenden Knall vernahmen. Die Sache kam ihnen so überraschend, dass sie unwillkürlich zusammenzuckten. Im nächsten Moment bellten kurz hintereinander weitere Schüsse auf.

»Da scheint sich ja 'ne regelrechte Schlacht zu entwickeln.« Ben schüttelte missbilligend den Kopf. »Solche nächtlichen Überraschungen liebe ich nicht.«