Chefarzt Dr. Holl 1971 - Mona Marquardt - E-Book

Chefarzt Dr. Holl 1971 E-Book

Mona Marquardt

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Beschreibung

Nelli und Aron Miska können ihr Glück manchmal nicht fassen. Sie sind verliebt wie am ersten Tag, haben zwei wundervolle Kinder, und auch den Traum vom Eigenheim haben sie sich erfüllt.
An einem heißen Sommertag ändert sich aber alles: Aron bricht zusammen und erleidet einen Herzstillstand. Sein Leben hängt am seidenen Faden, er wird in die Berling-Klinik gebracht und fällt ins Koma.
Tage und Wochen schwebt der Familienvater zwischen Leben und Tod, und Chefarzt Dr. Holl muss gegenüber Nelli eine traurige Wahrheit aussprechen: Es steht denkbar schlecht um ihren Mann.
Dann geschieht ein Wunder, und Aron schlägt seine Augen wieder auf. Gleichzeitig wird aber auch klar: Nichts wird je wieder so sein, wie es einmal war ...


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Seitenzahl: 121

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Inhalt

Cover

Als mein Herz dich rief

Vorschau

Impressum

Als mein Herz dich rief

Dramatischer Arztroman um das Locked-in-Syndrom

Von Mona Marquardt

Nelli und Aron Miska können ihr Glück manchmal nicht fassen. Sie sind verliebt wie am ersten Tag, haben zwei wundervolle Kinder, und auch den Traum vom Eigenheim haben sie sich erfüllt.

An einem heißen Sommertag ändert sich aber alles: Aron bricht zusammen und erleidet einen Herzstillstand. Sein Leben hängt am seidenen Faden, er wird in die Berling-Klinik gebracht und fällt ins Koma.

Tage und Wochen schwebt der Familienvater zwischen Leben und Tod, und Chefarzt Dr. Holl muss gegenüber Nelli eine traurige Wahrheit aussprechen: Es steht denkbar schlecht um ihren Mann.

Dann geschieht ein Wunder, und Aron schlägt seine Augen wieder auf. Gleichzeitig wird aber auch klar: Nichts wird je wieder so sein, wie es einmal war ...

»Papa?«

»Ja, Elsie?« Aron war völlig verzaubert vom Eifer seiner achtjährigen Tochter. Wie so oft war er hin- und hergerissen, der Kleinen jeden Wunsch von den Augen abzulesen und doch dafür zu sorgen, dass sie nicht über die Stränge schlug. Das war ein immerwährender Kampf, den Aron mit sich ausfocht, aber immerhin einer, der es wert war.

»Können wir Kuchen backen?«, fragte Elsa mit diesem Augenaufschlag, den sie von ihrer Mama abgeschaut hatte und gegen den ihr Papa machtlos war.

»Au ja, ich will auch mitmachen!«, ertönte eine Stimme aus dem Hintergrund.

Nackte Füße patschten über den Fliesenboden. Auf halbem Weg hielt der fünfjährige Tobias an, packte einen Stuhl vom Esstisch und schob ihn hinüber zur Küchenarbeitsplatte. Er kletterte hinauf und strahlte mit seiner Schwester um die Wette.

Einen Unterschied gab es aber dennoch zwischen den Geschwistern. Während sich Elsa in der Zwischenzeit zu einer echten Hilfe gemausert hatte, schien Tobis Hauptaufgabe darin zu bestehen, den Kuchenteig immer wieder zu probieren, um herauszufinden, ob er auch wirklich gut gelungen war.

Im Gegensatz zu seiner Frau war Aron ein leidenschaftlicher Koch und Bäcker. Wegen seiner Arbeit kam er aber leider viel zu selten dazu. Dafür war der Backofen in seinem Urlaub fast täglich in Betrieb. Dann standen auch mindestens zwei Töpfe auf den Herdplatten, aus denen es verführerisch duftete.

»Natürlich backen wir einen Kuchen, wenn ihr das wollt. Nach dem Baden im See brauchen wir unbedingt eine Stärkung.«

»Aber Kuchen reicht nicht«, reklamierte Elsa.

»Das stimmt.« Aron streichelte über das seidenweiche Haar. »Was sollen wir als Mittagessen vorbereiten?«

»Kartoffelsalat und Gemüsestäbchen!«, krähte Tobias.

Dieser Vorschlag fand allgemeine Zustimmung, und eine Stunde später herrschte in der Küche ein einziges Durcheinander. Eifrige Kinderhände hatten die Arbeitsplatte mit Teigklumpen überzogen, dazwischen tummelten sich Kartoffelstückchen, Gurkenscheiben und Zwiebelschalen. Doch jetzt war der Kuchen im Ofen, ein feiner Duft nach Butter und Vanillezucker lag in der Luft. Lächelnd streute Elsa Schnittlauchröllchen auf den Kartoffelsalat, während Tobias auf dem Boden vor dem Ofen saß und das Backrohr mit Argusaugen beobachtete. Ihr Vater spülte Geschirr.

Mit einem Tuch wischte Aron sich den Schaum von den Händen, als sich zwei Arme um seine Mitte schlangen.

»Weißt du eigentlich, dass ich dich grenzenlos bewundere?« Nellis warmer Atem streifte seinen Hals. »Du hast immer alles im Griff.«

Aron spürte ihre Wange an seinem Rücken. Glück durchströmte und wärmte ihn.

»Das liegt daran, dass ich nicht nur der Herrscher über das Chaos bin, sondern obendrein auch noch ein Glückspilz.« Er drehte sich zu seiner Frau um und küsste sie, dass ihr schwindelig wurde.

Kichernd stieß Elsa ihren Bruder an. »Schau mal, Mama und Papa knutschen!«

»Igitt.« Tobi schüttelte sich, dass er um ein Haar umgekippt wäre. »Das ist ja eklig. Wenn ich mal eine Frau habe, mache ich das nicht.«

»Dann machst du noch viel ekligere Sachen«, prophezeite Elsa grinsend und setzte an, ihre Erkenntnisse aus dem Sachkundeunterricht zum Besten zu geben, als sich Nelli mit einem zärtlichen Lächeln von ihrem Mann löste.

Dieser helle Sommertag Ende Juli war nicht der richtige Zeitpunkt für eine Aufklärungsstunde.

»Schon halb elf.« Sie klatschte in die Hände. »Wenn wir noch ein schönes Plätzchen am See ergattern wollen, sollten wir unsere Sachen zusammenpacken. Tobi, du holst Handtücher für alle. Und du, Elsa, nimmst die Badesachen von der Leine.«

»Aber der Kuchen ...«, reklamierte Tobias.

»Papa und ich passen auf, dass er nicht anbrennt.«

»Aber nicht wieder knutschen.« Mit frechem Lachen lief Elsa aus der Wohnküche, ihr Bruder folgte ihr murrend.

Das Ehepaar stand gemeinsam in der Küche und sah den Kindern nach. Ein Strahlen lag auf ihren Gesichtern, das all ihre Liebe füreinander, die Dankbarkeit für dieses wunderbare Leben widerspiegelte.

Sowohl Nelli als auch Aron erinnerten sich gerne und oft an die Zeit ihrer Anfänge zurück, als sie gemeinsam eine Ausbildung in derselben Versicherung absolviert hatten. Es war beileibe keine Liebe auf den ersten Blick gewesen, schon deshalb, weil Aron umschwärmt wurde wie ein Honigtopf von einem Schwarm Bienen. Obwohl Aron ihr von Anfang an gefallen hatte, wollte Nelli auf keinen Fall Teil seines Fanclubs werden und zeigte sich von ihrer kratzbürstigen Seite.

Eine Strategie, die Arons Interesse erst recht weckte.

Alles änderte sich, als bei einem Skiausflug mit der Firma eine Kollegin verunglückte. Bei dieser Gelegenheit lernte Nelli ihren Kollegen von seiner hilfsbereiten Seite kennen. Aron dagegen bewunderte ihre Gelassenheit und Kompetenz, mit der sie Erste Hilfe leistete. Seit diesem Moment waren sie unzertrennlich, hatten viele schöne Reisen gemacht, ein Haus gekauft und schließlich eine Familie gegründet.

»Ist es nicht unglaublich?«, sagte Aron jetzt zu seiner Frau. »Wir haben alles erreicht, wovon wir je geträumt haben.«

»Das stimmt.« Nelli hob den Kopf und sah ihm in die Augen. »Trotzdem habe ich manchmal Angst, dass dieses Glück nicht von Dauer sein könnte. Das Leben ist so unvorhersehbar! Ein Unfall, eine Krankheit kann mit einem Schlag alles zerstören.«

»Warum so pessimistisch, mein Engel?« Aron zog seine Frau an sich.

»Nicht pessimistisch, nur realistisch«, seufzte sie an seiner Brust. Wie so oft in letzter Zeit kämpfte sie mit einem vagen Unwohlsein. »Kein Mensch kann immer nur Glück haben.«

Aron wusste, worauf sie anspielte, verdrängte diesen Gedanken aber sofort wieder.

»Vielleicht sind wir die rühmliche Ausnahme.« Er lachte leise. »Aber du hast natürlich recht. Deshalb sollten wir jeden Augenblick genießen und dankbar sein für unsere Liebe, die Familie und unsere gemeinsame Geschichte. All das hat uns zu dem gemacht, was wir heute sind: ein rundum glückliches, zufriedenes Paar!«

Schon waren wieder Kinderstimmen und Fußgetrappel zu hören. Ein letzter Kuss, dann löste sich Aron von seiner Frau und sah auf die Uhr.

»Der Kuchen ist fertig. Lass uns das Picknick zusammenpacken und einen schönen Urlaubstag am See verbringen.«

***

»Chris! Juju!« Julia Holls Stimme hallte durch das Haus. Sie stand im Erdgeschoss an der Treppe und sah nach oben. »Zeit, den Rasen zu mähen, bevor es zu heiß wird.«

Eine Tür öffnete sich, die zunächst gedämpfte Musik wurde lauter.

»Tut mir leid, heute habe ich keine Zeit«, rief Chris. »Ich bin schon mit Lara verabredet. Wir fahren in den Englischen Garten zum Beach-Volleyball spielen.«

Seine Schwester, die elfjährige Juju, tauchte am Treppenabsatz auf. Ihr Schmollmund verriet, was sie von der Idee ihrer Mutter hielt.

»Heute ist erst der zweite Ferientag«, murrte sie. »Können wir nicht zum See fahren wie alle anderen auch?«

»Erstens haben wir einen Pool im Garten«, gab Julia zu bedenken. »Und zweitens habe ich keine Lust, wie eine Sardine auf dem Grill zwischen all den anderen Leuten zu liegen.«

»Du könntest ja auch schwimmen gehen oder Federball mit mir spielen«, hielt Juju dagegen. »Außerdem ist es viel lustiger, wenn noch andere Kinder da sind.«

Julia haderte mit sich und beschloss, noch einen letzten Versuch zu wagen.

»Wir wollen übermorgen in den Urlaub fahren. Deshalb sollte der Rasen wirklich gemäht werden.«

Schon seit Längerem war geplant, dass der ganze Familienclan wieder einmal gemeinsam Urlaub im Feriendomizil in Rottach am Tegernsee machen wollte. Dort besaß die Familie zwei benachbarte Ferienhäuser, in denen Platz war für Julias Eltern Walter und Nessi Berling und für Stefans Schwester Trixi samt Familie. Sogar die erwachsenen Kinder der Holls, die einundzwanzigjährige Dani und ihr Bruder Marc, hatten versprochen, mit von der Partie zu sein.

Inzwischen war die Musik verklungen, Chris gesellte sich zu seiner kleinen Schwester.

»Seltenes Mähen kann dazu beitragen, dass der Rasen weniger Wasser verliert, also auch im Sommer seltener gegossen werden muss.«

Juju durchschaute seinen Plan sofort. »Darüber freut sich Theres bestimmt, wenn wir weg sind«, mutmaßte sie.

»Außerdem trägt längeres Gras dazu bei, die Biodiversität zu erhöhen«, fuhr ihr Bruder fort. »Insekten und andere Tiere finden besser Unterschlupf, und ihre Nistplätze werden erhalten.«

Besonders dieses Argument berührte Jujus zartes Gemüt.

»Du würdest doch auch nicht wollen, dass ein Riese kommt und dein Haus zertrampelt oder wegfegt«, sagte sie zu ihrer Mama und machte Julia damit das Leben schwer.

»Aber das würde ja bedeuten, dass wir das Gras überhaupt nicht mehr mähen dürfen«, hielt sie trotzdem tapfer dagegen.

Dabei war die Entscheidung im Grunde genommen schon gefallen. Dem treuherzigen Augenaufschlag ihrer Tochter hatte sie fast so wenig entgegenzusetzen wie ihr Mann, der Klinikleiter Dr. Stefan Holl.

»Was wird wohl euer Vater dazu sagen?«

»Papa ist der klügste Mann auf der ganzen Welt«, beteuerte Juju mit ernstem Gesicht. »Der weiß bestimmt auch, dass eine Blumenwiese viel besser und schöner ist.«

Angesichts dieser Übermacht blieb Julia nichts anderes übrig, als sich endgültig geschlagen zu geben.

»Also gut«, seufzte sie. »Dann verschieben wir diese Aktion, bis wir aus dem Urlaub zurück sind.« Sie warf einen Blick auf die Uhr. »Pack schon einmal die Badesachen zusammen, Juju! Inzwischen rufe ich Papa in der Klinik an und sage Bescheid, dass ich heute Mittag nicht vorbeikomme.«

Obwohl Julia Holl nicht mehr in ihrem Beruf als Kinderärztin arbeitete, seit sie Mutter war, hatte sie den Anschluss nicht verloren. Durch regelmäßige Besuche in der Pädiatrie der Berling-Klinik hielt sie sich genauso auf dem Laufenden wie durch das Studium von Fachliteratur. Auf diese Weise würde es einfacher sein, wenn sie in zwei Jahren – dann war Juju dreizehn Jahre alt – wieder in ihren Beruf zurückzukehren würde.

Während es im oberen Stockwerk rumorte, griff sie zum Telefon. Sie hatte Glück. Ihr Mann nahm das Gespräch nach dem zweiten Klingeln an.

»Die Kinder haben recht. Statt ständig an Arbeit zu denken, solltet ihr die Feste lieber feiern, wie sie fallen«, sagte er mit warmer Stimme. »Besonders freue ich mich darauf, mal wieder mehr als nur ein paar Stunden am Stück mit dir zu verbringen.«

Versonnen betrachtete Julia das Familienfoto im Silberrahmen auf der Kommode. Liebe wärmte ihre Seele, und wieder einmal konnte sie ihr Glück kaum fassen. Einziger Wermutstropfen war die knapp bemessene Freizeit, die sie mit ihrem Ehemann verbringen konnte. Stefan war Arzt mit Leib und Seele und als Leiter der Berling-Klinik ein gefragter Mann. Gemeinsame Urlaube hatten Seltenheitswert, und auch diesmal konnte sie nur hoffen, dass nichts dazwischenkam.

»Auf der anderen Seite bleibt unsere Liebe auf diese Weise ewig jung.« Sie lachte leise.

»Jede Medaille hat zwei Seiten«, stimmte Stefan zu und schickte einen Kuss in den Äther, ehe er seiner Assistentin Moni Wolfram ein Zeichen gab, dass der nächste Besucher eintreten konnte.

***

Die Sonne strahlte von einem tiefblauen Himmel. Ein sanfter Wind wehte vom Wasser herüber und verbreitete den Duft nach Sonnencreme und Grillgut. Auf der großen Wiese hatten sich zahlreiche Besucher versammelt, um den Tag am See zu genießen. Unter Aufsicht von Erwachsenen spielten Kinder im flachen Wasser. Ihr Lachen und Kreischen mischte sich mit dem Platschen, wenn Jugendliche vom Steg ins kühle Nass sprangen.

Ein großer und ein kleiner Schatten fielen auf Nelli.

»Ich liebe diese Stimmung.« Sie lag auf einem Handtuch und lächelte hinüber zu ihrer Tochter Elsa, die eine Spielkameradin gefunden hatte. Am Ufer sammelten die beiden Mädchen flache Steine, um sie über das Wasser springen zu lassen. »Das erinnert mich immer an meine Kindheit.«

Sie schrie auf, als Tobias seinen nassen Kopf schüttelte und kalte Tropfen auf ihrem nackten Bauch landeten.

»Du Frechdachs!« Sie sprang auf die Beine, wickelte ihn in ein Handtuch ein und kitzelte ihn, bis er um Gnade flehte.

Auch Aron griff nach seinem Badetuch, um sich abzutrocknen. Trotz des warmen Sonnenscheins zitterte er.

»Brrr, ganz schön kalt.«

»Findest du?« Nelli hatte Tobi in eine trockene Badehose geholfen und sah ihm nach, wie er – bewaffnet mit einem Plastikbagger – in Richtung Sandkasten davonstapfte. »Die Teenager dort drüben sind bestimmt schon seit einer Stunde im Wasser.« Sie deutete auf ein paar Jugendliche, die Wasserball spielten. »Sie scheinen sich pudelwohl zu fühlen.«

»Das ist die jugendliche Hitze.« Mit leisem Stöhnen ließ sich Aron auf das Handtuch fallen.

»Ich dachte, die hast du auch noch«, scherzte Nelli anzüglich und beugte sich zu Aron hinüber, um ihn zu küssen. Sie berührte seine Haut und erschrak. »Du bist ja wirklich eiskalt. Am Ende hast du dir auf der letzten Geschäftsreise eine Grippe eingefangen. Die Klimaanlagen in den Zügen sind immer furchtbar kalt.«

»So viel, wie ich unterwegs bin, sollte ich abgehärtet sein.« Aron schlüpfte in sein Shirt. Niemals hätte er zugegeben, dass sich seine Glieder plötzlich anfühlten, als wären sie aus Blei. Seine Knochen schienen sich in Eis verwandelt zu haben. Wahrscheinlich der Blutzuckerspiegel, vermutete er und zog den Picknickkorb zu sich.

»Willst du auch ein Stück Kuchen?«

»Mir steht der Sinn eher nach etwas Deftigem. Wenn du kurz warten kannst, rufe ich die Kinder.«

Aron verteilte Teller und Besteck auf der Picknickdecke und stellte die Schüsseln mit Kartoffelsalat, geschnittener Rohkost und Gemüsestäbchen dazu. Kurz darauf kam Elsa angelaufen und versteckte sich hinter ihm, damit Bruder und Mama sie nicht fingen. Als Tobias seine Schwester schließlich erwischte und sich alle lachend auf der Decke niederließen, blieb Aron einfach sitzen und lächelte still über das ausgelassene Treiben um ihn herum.

Kalt war ihm immer noch. Während sie sich gemeinsam über die mitgebrachten Leckereien hermachten, dachte er nach.

Es war nie gut, wenn seine Körpertemperatur zu schnell stieg oder sank.

Im Alter von achtzehn Jahren war bei ihm die leichte Form eines systemischen Lupus erythematodes diagnostiziert worden. Bei dieser Erkrankung griff das Immunsystem körpereigene gesunde Zellen an und löste eine Entzündungsreaktion aus, die zur Schädigung von Gelenken und Organen führen konnte. Heilbar war diese Krankheit nicht. Aron jedoch hatte Glück gehabt. Er zählte zu den wenigen Patienten, bei denen sich die Erkrankung dauerhaft beruhigt hatte und ein symptomloser Zustand erreicht worden war.