1,99 €
Vanessa läuft die Zeit davon. Die Dreiundzwanzigjährige leidet an Leukämie, und da bislang kein passender Stammzellenspender gefunden werden konnte, ist die Prognose schlecht.
Da sie ihre letzten Monate nicht an Schläuche angeschlossen in einem Krankenbett verbringen will, bricht sie die Behandlung ab. Lieber möchte sie das Leben genießen und mit Abenteuern füllen. Sie fertigt eine Bucketlist an - eine Liste mit Dingen, die sie noch erleben will, bevor sie stirbt. Sich zu verlieben, steht nicht darauf, denn sie will nicht noch mehr Schmerz hinterlassen.
Dann tritt aber der attraktive und charmante Benedikt in ihr Leben, und der unausgesprochene Wunsch geht doch in Erfüllung. Vanessa blüht förmlich auf. Aber obwohl sie nun gar keine Zeit mehr zum Sterben hat, verschlechtert sich ihr Gesundheitszustand rapide ...
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 122
Veröffentlichungsjahr: 2023
Cover
Die Bucketlist
Vorschau
Impressum
Die Bucketlist
Was sie noch tun will, bevor sie stirbt
Von Mona Marquardt
Vanessa läuft die Zeit davon. Die Dreiundzwanzigjährige leidet an Leukämie, und da bislang kein passender Stammzellenspender gefunden werden konnte, ist die Prognose schlecht.
Da sie ihre letzten Monate nicht an Schläuche angeschlossen in einem Krankenbett verbringen will, bricht sie die Behandlung ab. Lieber möchte sie das Leben genießen und mit Abenteuern füllen. Sie fertigt eine Bucketlist an – eine Liste mit Dingen, die sie noch erleben will, bevor sie stirbt. Sich zu verlieben, steht nicht darauf, denn sie will nicht noch mehr Schmerz hinterlassen.
Dann tritt aber der attraktive und charmante Benedikt in ihr Leben, und der unausgesprochene Wunsch geht doch in Erfüllung. Vanessa blüht förmlich auf. Aber obwohl sie nun gar keine Zeit mehr zum Sterben hat, verschlechtert sich ihr Gesundheitszustand rapide ...
»Sieh dir das an!« Michaela Lambrecht stand im Zimmer ihrer Tochter am geöffneten Fenster und blickte hinaus in den Sommernachmittag. »Da fühlt man sich gleich wie ein neuer Mensch.«
Nach einem viel zu feuchten, grauen Frühling war es endlich Sommer geworden. In Scharen strömten die Menschen nach draußen, schleppten Gartenmöbel aus den Kellern hinaus auf die Terrassen. Pools wurden aufgeblasen und mit Wasser gefüllt. Die Nachbarskinder konnten endlich auf das große Trampolin, das den ganzen Winter, eingepackt in dicke Planen, auf sie gewartet hatte. Ihr Lachen wehte ins Zimmer.
Vanessa lag im Bett und hatte sich schlafend gestellt. Doch davon ließ sich Micha, ganz im Gegensatz zu ihrem Mann, nur selten aufhalten.
Das wusste Nessi und blinzelte seufzend ins helle Licht. Die Silhouette ihrer Mutter zeichnete sich dunkel vor dem Fenster ab. Die Hände in die Hüften gestemmt, sah Michaela entschlossen aus.
»Ich habe Kuchen und frische Erdbeeren vom Feld besorgt. Komm doch runter zu Papa und mir auf die Terrasse.«
Sie hatte kaum ausgesprochen, als die Stimme von Vanessas Vater Wolfgang im Treppenhaus dröhnte.
»Bist du doch oben bei Nessi? Warum kannst du sie einfach nicht in Ruhe lassen?«
Vanessa hielt sich die Ohren zu. Wieder einmal bereute sie es , ihre eigene Wohnung aufgegeben zu haben und in ihr altes Kinderzimmer gezogen zu sein. Mit dreiundzwanzig Jahren wieder zu Hause! Was für ein Rückschritt. Aber das Schicksal hatte ihr keine Wahl gelassen.
»Ich habe keinen Hunger. Außerdem könnt ihr viel besser ohne mich streiten.«
»Nessi, bitte!«, flehte Micha. »Es bringt doch nichts, den ganzen Tag im Bett herumzuliegen und zu grübeln. Ein bisschen Ablenkung bringt dich bestimmt auf andere Gedanken.«
»Ich will aber nicht abgelenkt werden. Außerdem bin ich müde und möchte schlafen.« Nessi wollte nicht ruppig klingen, aber Michas Miene verriet, dass es ihr nicht gelungen war. Wieder einmal.
Früher wäre ihre Mutter beleidigt gewesen und hätte sich verletzt zurückgezogen. Doch diese Zeiten waren vorbei. Nessi wurde jetzt gemustert, und in den Augen ihrer Mutter lag ein trauriger Ausdruck, der schwer zu ertragen war.
Michaela gab sich einen Ruck und setzte sich auf die Bettkante. Das Lächeln auf ihren Lippen erreichte ihre Augen nicht. Schmerz hatte sich unwiderruflich darin eingebrannt. Ihrer einzigen Tochter blieb nicht mehr viel Zeit. Micha wollte jede Minute davon aufsaugen und so viel wie möglich mit Vanessa zusammen sein. Dieser Wunsch stieß immer seltener auf Gegenliebe.
»Aber draußen ist es so schön. Hörst du, wie die Kinder lachen?«
Wenigstens diesen Gefallen wollte Vanessa ihrer Mutter tun. Sie spitzte die Ohren und lauschte auf die Kinderstimmen und all die anderen Geräusche. Irgendwo brummte ein Rasenmäher. Nachbarn unterhielten sich und lachten. Die Teichpumpe im Garten war eingeschaltet, Wasser plätscherte vor sich hin.
Sofort hatte Vanessa ein Bild vor Augen. »Ich werde es vermissen, den Vögeln beim Baden zuzuschauen.«
Micha schluckte. »Vielleicht sind welche da. Wir sollten nachsehen.«
»Später vielleicht.«
Es war zum Haareraufen. Seit Dr. Holl seiner jungen Patientin mitgeteilt hatte, dass die Suche nach einem Stammzellenspender ergebnislos verlaufen war und nur ein Wunder sie noch retten konnte, hatte sich Nessi in ihr Schneckenhaus zurückgezogen. Sie hatte die Behandlung abgebrochen und schien nur noch auf den Tod zu warten.
Michaela spürte die Tränen, die in ihren Augen brannten. Dabei hatte sie sich doch vorgenommen, nicht mehr vor Nessi zu weinen.
»Na schön. Wie du willst.« Sie erhob sich von der Bettkante und ging zur Tür. Dort drehte sie sich noch einmal um. »Falls du es dir anders überlegst ...«
»Ich hab dich auch lieb, Mama!« Mehr hatte Nessi nicht dazu zu sagen.
***
Als Vanessa die Augen das nächste Mal öffnete, fielen die Sonnenstrahlen schräg ins Zimmer. Draußen war es still geworden. Ihre Eltern rumpelten irgendwo im Haus.
Seit die Hoffnung gestorben war, hielten es beide nicht mehr lange mit ihren Gedanken aus und suchten sich ständig eine Beschäftigung. Unter der Woche war das einfach. Michaela arbeitete als Friseurmeisterin in einem Geschäft nicht weit entfernt. Wolfgang hatte mit den Steuerunterlagen seiner Klienten alle Hände voll zu tun. Nur an den Wochenenden fiel beiden die Decke auf den Kopf. Zum Glück gab es in dem alten Haus immer irgendwo etwas zu renovieren, Wände konnten gestrichen und Holzböden neu eingelassen werden.
Beruhigt stopfte sich Nessi das Kissen in den Rücken und machte es sich im Bett bequem. Eine Weile saß sie einfach nur da und ließ die Gedanken schweifen. Wenn sie doch nur einen Freund hätte! Jemanden, der sie mit diesem besonderen Blick betrachtete, wie die Männer in den Liebesfilmen, die sie stundenlang mit ihrer Freundin Katja anschauen konnte. Ganz so, als wäre sie das schönste Mädchen der Welt! Aber das Leben hatte andere Pläne mit ihr ...
Wie immer, wenn Sehnsucht und Schmerz in ihrer Brust zogen, griff Vanessa zu Tagebuch und Kugelschreiber. Der Stift flog über das Papier, und Nessi war so konzentriert, dass sie die Schritte auf der Treppe überhörte.
Katja klopfte nicht an. Sie kam einfach ins Zimmer und ließ sich auf das Fußende des Bettes fallen.
»Hi, du Ei!«, begrüßte sie ihre Freundin lächelnd.
»Selber Ei.« Nessi klappte das Buch zu. »Was machst du denn hier? Sag bloß, meine Mutter hat dich angerufen.«
»Ich wollte eh vorbeikommen«, erwiderte Katja unbeeindruckt. »Ich wusste gar nicht, dass du Tagebuch schreibst.«
»Irgendwas muss ich deinen Kindern doch hinterlassen. Aber ich fürchte, ich tauge nicht als Schriftstellerin.« Nessi lächelte schief.
»Darf ich es lesen?«
Vanessa wusste selbst nicht genau, warum sie Katja die schwarze Kladde reichte.
»Du wünschst dir einen Freund?«, fragte ihre Freundin überrascht.
»Das ist unrealistisch, ich weiß. So viel Zeit bleibt mir ja gar nicht mehr. Und wer verliebt sich schon in ein Gespenst?« Nessi betrachtete ihre Finger, die nur noch Haut und Knochen und praktisch durchsichtig waren. In ihren Adern spürte sie die bösen Zellen wachsen. Nicht mehr lange und sie würde sterben.
Wie ihr das Leben fehlen würde! Das Gefühl, barfuß über eine Wiese zu laufen. Mit ihrer Freundin zu lachen, Spaghettieis zu verschlingen und nicht zu vergessen: die Reisen in aller Herren Länder. Dort, wo sie hingehen würde, gab es nichts von alledem.
»Aber vielleicht bekomme ich wenigstens einen Kuss.« Nessi holte tief Luft und sah ihre Freundin an. »Du hattest schon mindestens fünf Beziehungen. Und ich wurde noch nicht einmal geküsst.«
Die Worte verfehlten ihre Wirkung nicht.
»Es waren nur drei«, erwiderte Katja sichtlich verlegen. Mit gesenktem Kopf ließ sie die Finger durch die Tagebuchseiten gleiten. Das Papier raschelte leise. »Was hältst du von einer Bucketlist?«
»Was soll das sein?«
»Hier drin stehen so viele Wünsche. So viele Dinge, die du noch erleben willst. Lass uns eine Liste schreiben! Und ich verspreche, dir bei der Umsetzung zu helfen.« Plötzlich war Katja ganz aufgeregt. Sie nahm Nessi den Kugelschreiber aus der Hand und schlug das Buch in der Mitte auf. »Erstens: einen Mann küssen!«
Der Gedanke war verlockend. Die Krankheit hatte Nessi einen Teil ihrer Kindheit und die ganze Jugend geraubt. War noch genug Zeit, um alles nachzuholen, was sie verpasst hatte? Ihre Augen glänzten, auf ihren Wangen tanzten rote Flecken.
»Aber was, wenn ich mich nicht aufraffen kann? Du weißt doch, wie schwer es mir in letzter Zeit fällt, mich zu motivieren. Meine Mutter ist schier am Verzweifeln.«
»Zum Glück bin ich nicht deine Mutter.« Katja lachte kurz auf. »Aber im Ernst. Es geht um deine Wünsche, Süße. Du willst diese schnöde Welt doch nicht verlassen, ohne ein paar wirklich wichtige Erfahrungen gesammelt zu haben, oder? Und wer weiß? Vielleicht ist das alles nicht halb so aufregend, wie du denkst. Am Ende bist du noch froh, dich nicht länger als unbedingt nötig mit diesem Leben herumschlagen zu müssen.«
Vanessa wusste, dass Katja alles gesagt und getan hätte, um sie zu trösten. Trotzdem klang diese Vorstellung verlockend. Zum ersten Mal, seit sie die Behandlung abgebrochen hatte, entzündete sich ein Funke Abenteuerlust.
»Also schön«, erwiderte sie endlich. »Aber nur, wenn du versprichst, mich anzuspornen.
»Versprochen.« Katja stand vom Bett auf.
Nessi sah ihr dabei zu, wie sie in ihrem Schrank herumkramte. »Was tust du da?«
Statt eine Antwort zu geben, schwenkte Katja ein Kleid durch die Luft. Die Applikation unterhalb der Brust glitzerte im Licht der untergehenden Sonne. Vor ein paar Monaten hatte Vanessa das kleine Schwarze nur ein einziges Mal bei einer Firmenparty des Reisebüros getragen, in dem sie ihre Ausbildung gemacht und seither gearbeitet hatte. Ein ganzes Leben schien seither vergangen zu sein.
»Was soll ich damit?«
»Lass uns ausgehen!« Katjas Augen funkelten unternehmungslustig. »Gibt es eine bessere Gelegenheit, um Punkt eins auf deiner Liste abzuhaken?«
***
»Perfekt!« Eine halbe Stunde später hielt Katja ihrer Freundin die Zimmertür auf. »Gehen wir.«
Auf halbem Weg kam ihnen wie zufällig Michaela entgegen.
»Ihr geht aus?« Die Überraschung stand ihr ins Gesicht geschrieben. »Wie hast du das nur hinbekommen?«, wandte sie sich bewundernd an Katja.
Angelockt von den Stimmen trat Wolfgang aus dem Wohnzimmer. Beinahe hätte er seine Tochter nicht erkannt. Geschminkt und frisiert, im kleinen Schwarzen war Nessi ein anderer Mensch geworden.
»Wo willst du hin?«
»In einen neuen Club ganz in der Nähe«, gab Katja die gewünschte Auskunft.
Doch Wolfgang beachtete sie gar nicht. »Denkst du, das ist eine gute Idee?«, fragte er seine Tochter. »Was, wenn dein Kreislauf schlapp macht? Wenn dir schlecht wird oder du Panik bekommst?«
Michaela fuhr zu ihm herum. »Musst du immer den Teufel an die Wand malen?«, schimpfte sie. »Gönn dem Mädchen doch mal was!«
Am liebsten wäre Vanessa im Erdboden versunken. Sie wusste, was jetzt folgte.
»Was soll denn das schon wieder heißen?«, polterte Wolfgang los. »Im Gegensatz zu dir will ich, dass Nessi die Ruhe bekommt, die sie so dringend braucht.«
»Ruhe? Davon hat sie bald mehr als genug«, entfuhr es Micha, und sie erschrak selbst über diesen Satz. »Entschuldige, meine Kleine. Das habe ich nicht so gemeint.«
Nessi stand da und sah von einem zum anderen. In ihrer Hilflosigkeit taten ihr beide Eltern leid.
»Keine Sorge, ich bringe Sie Ihnen wieder heil zurück«, meldete sich Katja zu Wort.
Doch es war zu spät. Nessis Euphorie hatte sich in Luft aufgelöst. Ihr Vater hatte recht. Immer, wenn sie zu viel Energie verbrauchte, bezahlte sie später dafür. Wenn sie an diesem Abend ausging, musste sie danach ein paar Tage schlafen.
Vanessa haderte noch mit sich, als sich Katja an ihr Versprechen erinnerte und sie am Arm packte. »Ich passe auf, dass Nessi sich nicht zu sehr anstrengt. Spätestens um ein Uhr sind wir wieder da.«
Wolfgang argumentierte weiter, doch Katja hörte nicht mehr zu. Sie zog Vanessa hinter sich her, durch den Flur und zur Tür hinaus. Laue Sommerluft empfing die jungen Frauen.
»Wenn du deine Bucketlist erfüllen willst, musst du dir eines merken«, erklärte Katja auf dem Weg zu ihrem Wagen. »Es ist dein Leben, Nessi. Du triffst die Entscheidungen. Also? Was sollen wir tun?«
Vanessa warf einen Blick zurück. Selbst durch die geschlossene Haustür waren die erregten Stimmen ihrer Eltern noch zu hören. Das machte die Entscheidung leichter. »Fahren wir!«
Katja lachte und ließ die Schlösser aufschnappen. »Ich wusste, dass du ein kluges Mädchen bist.«
»Da bin ich mir nicht so sicher.« Beim Gedanken daran, was sie sich vorgenommen hatte, bekam Vanessa nun doch ein mulmiges Gefühl. Sie blickte durch die Windschutzscheibe hinaus auf die abendliche Stadt. Die Sonne war schon untergegangen, doch der Himmel schmückte sich noch mit bunten Farben. In den Straßencafés herrschte reger Betrieb, die Menschen konnten sich gar nicht losreißen vom sommerlichen Flair. Auch Nachtschwärmer wie Katja und Vanessa waren schon unterwegs. Vor dem Club ihrer Wahl hatte sich eine lange Schlange gebildet.
»O je, da kommen wir nie rein«, sagte Vanessa.
»Warte es ab«, unkte Katja und parkte den Wagen.
Sie sollte recht behalten. Es waren nie genug alleinstehende Frauen unterwegs, sodass die Türsteher die beiden einfach durchwinkten. An der Bar kauften sie eine Cola für Nessi, Katja bestellte ein Bier. Sie blieben am Tresen stehen und beobachteten das bunte Treiben. Männer und Frauen, die meisten mit einer Flasche in der Hand, redeten oder tanzten zur lauten Musik.
Alkohol erinnerte Vanessa an ihre Strahlentherapie. In ihrer Verzweiflung hatte sie sich zwischen zwei Behandlungen einmal an der Hausbar ihrer Eltern bedient. Seither vermischten sich diese Erinnerungen, und sie wusste nicht mehr, was schlimmer gewesen war: die Strahlentherapie oder der Vollrausch – auf beides konnte sie getrost verzichten.
Katja berührte die Hand ihrer Freundin. »Alles in Ordnung bei dir?«
»Alles bestens.«
»Bekommst du Platzangst?«
»Nein.«
Obwohl es noch früh am Abend war, herrschte Gedränge auf der Tanzfläche. Im Takt der Musik zuckten Lichtreflexe über die Köpfe. Der Rhythmus war elektrisierend. Vanessa konnte die Energie förmlich mit Händen greifen. Das war genau das, was sie brauchte! Die Bedenken ihres Vaters und der Streit ihrer Eltern rückten in den Hintergrund. Jetzt war sie hier, um Punkt eins auf ihrer Bucketlist abzuhaken: ihren ersten Kuss.
Und sie würde nicht sterben, bevor nicht alle sieben Punkte erfüllt waren.
»Schau mal!« Katja deutete auf einen Mann am Rand der Tanzfläche. Er war ein guter Tänzer und sah immer wieder hinüber zu Vanessa. »Ich sehe ihn fast jede Woche hier.«
»Er sieht nett aus.«
»Gut, dann los!« Katja nahm Nessis Hand und zog sie mit sich zur Tanzfläche, nahe genug an den Tänzer heran. Sie begannen, sich zum Takt der Musik zu bewegen.
Vanessa wusste, was als Nächstes passieren würde. Sie hatte mehr als genug Zeit zum Lesen gehabt und jedes Buch verschlungen, das in ihre Nähe gekommen war. Jeden Film angesehen, der im Fernsehen lief oder von Streamingdiensten angeboten wurde.
So war sie auch nicht überrascht, als sich der Tänzer zu ihr beugte.
»Ich bin Lennard. Und du?« Er war ein paar Jahre älter als sie, vielleicht Ende zwanzig, und ließ sie nicht aus den Augen.
»Nessi«, rief sie, um die wummernden Bässe zu übertönen.
»Bist du öfter hier?«
»Das erste Mal.«
