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Rückenschmerzen, Übelkeit, Stimmungsschwankungen. Luzie Liebig wird von zahlreichen Symptomen geplagt. Nach einer Untersuchung in der Berling-Klinik hat Dr. Holl eine erfreuliche Nachricht für die junge Frau: Sie ist nicht krank, sondern schwanger. Zwar war ein Baby noch nicht geplant, aber Luzie und ihr Freund Simon freuen sich riesig auf den Nachwuchs.
In den ersten Schwangerschaftswochen werden die Beschwerden immer schlimmer. Merkwürdigerweise ist aber nicht nur Luzie betroffen, sondern auch Simon. Außerdem entwickelt der werdende Vater eine Überfürsorge, mit der er seine Freundin fast in den Wahnsinn treibt. Schließlich will er auch etwas nachholen, was er bisher verabsäumt hat: Luzie zu heiraten. Er macht einen Antrag, aber die Antwort fällt unerwartet aus ...
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Seitenzahl: 124
Veröffentlichungsjahr: 2023
Cover
Verrückte Hormone
Vorschau
Impressum
Verrückte Hormone
Arztroman über das Couvade-Syndrom
Von Mona Marquardt
Rückenschmerzen, Übelkeit, Stimmungsschwankungen. Luzie Liebig wird von zahlreichen Symptomen geplagt. Nach einer Untersuchung in der Berling-Klinik hat Dr. Holl eine erfreuliche Nachricht für die junge Frau: Sie ist nicht krank, sondern schwanger. Zwar war ein Baby noch nicht geplant, aber Luzie und ihr Freund Simon freuen sich riesig auf den Nachwuchs.
In den ersten Schwangerschaftswochen werden die Beschwerden immer schlimmer. Merkwürdigerweise ist aber nicht nur Luzie betroffen, sondern auch Simon. Außerdem entwickelt der werdende Vater eine Überfürsorge, mit der er seine Freundin fast in den Wahnsinn treibt. Schließlich will er auch etwas nachholen, was er bisher verabsäumt hat: Luzie zu heiraten. Er macht einen Antrag, aber die Antwort fällt unerwartet aus ...
»Bunt sind schon die Wälder, gelb die Stoppelfelder, und der Herbst beginnt ...«
Zehn Stimmchen begleiteten Simon Monschaus Klavierspiel. Die Mädchen und Jungen zwischen sechs und acht Jahren trafen jeden Ton, was von so manchem Profi-Sänger wahrlich nicht immer behauptet werden konnte.
Stella und Yasemin sahen ihren Musiklehrer beim Singen mit großen Augen an und formten die Töne mit Bedacht, während sich Anton zum Takt der Musik hin und her wiegte. Linus und Emma waren zwar tonsicher, hatten aber Textschwierigkeiten.
Mit einem Schlussakkord beendete Simon das Lied. Seine Augen ruhten auf seinen Schülern.
»Vom Klang her war das schon sehr schön. Aber der Text sitzt noch nicht bei allen. Deshalb beginnen wir nochmal bei der dritten Strophe: Flinke Träger springen ... Seid ihr bereit?«
»Können wir nicht lieber Boom Schakkalakka singen?«, platzte Emma heraus und hatte den Jubel sofort auf ihrer Seite.
Simon zögerte einen Augenblick, ahnte aber schon, dass Gegenwehr zwecklos war. Aufgeregt, wie die Kinder durcheinander plapperten, würde er sie so schnell nicht wieder für alte Volkslieder begeistern können.
Aus den Augenwinkeln sah er, wie sich die Tür öffnete und seine Freundin in den Musikraum schlüpfte. Um nicht zu stören, schlich Luzie auf Zehenspitzen zu einem Hocker. Sie setzte sich und schickte Simon ein Lächeln, das aber nicht so strahlend war wie sonst. Hatte sie etwa immer noch Kopfschmerzen? Simon schob die aufkeimenden Sorgen beiseite und konzentrierte sich wieder auf seine Arbeit.
»Also schön«, sagte er zu seinen Schülern und griff zur Gitarre, die im Ständer neben dem Klavier auf ihren Einsatz wartete. »Wir singen Boom Schakkalakka. Aber danach geben wir noch einmal unser schönes Volkslied für unseren Ehrengast dort hinten zum Besten.«
Diese Bemerkung war ein Fehler. Simon wusste es, kaum dass er ausgesprochen hatte. Sofort fuhren die Köpfe herum. Bei Luzies Anblick kannte die Begeisterung keine Grenzen. Kein Wunder! Als Erzieherin aus Leidenschaft fand sie immer genau die richtigen Worte für die kleinen Menschen, besaß aber dennoch genug natürliche Autorität, um sie mit ein, zwei sanften Worten wieder zur Ruhe zu bringen.
Zum Glück klappte das auch diesmal. Nach einer kurzen Begrüßung standen die Kinder wieder in Reih und Glied vor Simon. Er schlug die ersten Akkorde des fetzigen Kinderlieds an, die kleinen Schüler stimmten ein.
Stumm und mit verklärter Miene saß Luzie auf ihrem Hocker und lauschte der mitreißenden Darbietung. Aber hörte sie auch wirklich zu? Anders als sonst, wenn sie zu Besuch in die Musikschule kam, wippte diesmal noch nicht einmal ihr Fuß zum Takt der Musik. Auch bei ihrem Lieblings-Herbstlied blieb ihr Lächeln schmal. Plötzlich konnte Simon es kaum erwarten, dass der Musikunterricht zu Ende ging und er die Meute in den wohlverdienten, freien Nachmittag schicken konnte.
Endlich war es so weit.
Von ihrem Platz aus sah Luzie dabei zu, wie sich die Kleinen überschwänglich von Simon verabschiedeten.
»Wie gerne sie dich mögen!« Neben seiner Sensibilität und Fürsorge war der Umgang mit den Kindern ein weiterer Grund dafür, dass sie sich vor ein paar Jahren in den Musiklehrer Simon Monschau verliebt hatte.
»Kein Wunder«, erwiderte er lächelnd. »Ich mag sie ja auch. Ohne Kinder wäre diese Welt ein viel zu ernster Ort.«
»Das spüren sie.«
»Und was ist mit dir?« Simons Augen ruhten auf seiner Freundin. »Spürst du auch, wie sehr ich dich liebe?«
»Natürlich.«
»Warum schaust du dann so gequält in die Welt? Hast du etwa immer noch Kopfschmerzen?«
»Ein bisschen«, räumte Luzie zögernd ein und ärgerte sich über sich selbst. Sie wusste doch, wie schnell sich ihr Freund Sorgen machte. »Aber das liegt bestimmt am Wetter.«
In den vergangenen Tagen war der Sommer noch einmal zurückgekehrt. Das goldene Licht der Nachmittagssonne lag auf den Grasflächen vor den Fenstern der Musikschule.
»Morgen soll das Wetter wieder umschlagen und die Temperatur um ganze fünfzehn Grad fallen«, fuhr sie fort. »Kein Wunder, dass mein Kreislauf da verrücktspielt.«
»Und du bist wirklich ganz sicher, dass die Kopfschmerzen nichts mit deinem Schädel-Hirn-Trauma zu tun haben?«
»Ganz sicher. Bei der Entlassung hat Doktor Holl mir versichert, dass ich keine Spätfolgen zu befürchten habe«, erklärte Luzie in einem Tonfall, der keinen Widerspruch duldete. »Außerdem ist der Fahrradunfall inzwischen über ein Jahr her. Und jetzt Schluss damit! Lass uns nach Hause fahren und das Wochenende einläuten.« Sie sah auf ihre Armbanduhr. »Kater Carlo vermisst uns bestimmt auch schon.«
Gegen diesen Vorschlag hatte Simon nichts einzuwenden, und nur wenige Minuten später war das Paar unterwegs zu seinem kleinen Häuschen mitten in München.
***
Seit Simon mit Luzie zusammen war, hatte er die Wochenenden neu zu schätzen gelernt. Wie an den Wochentagen wachte er auch an jedem Samstagmorgen gegen viertel nach sechs auf, erschrak kurz, um gleich darauf zufrieden festzustellen, dass er gar nicht aufstehen musste. Dann schloss er die Augen wieder, zog seine Freundin an sich, schnupperte an ihrer schlafwarmen Haut und döste noch ein, zwei Stunden mit Luzie im Arm weiter.
Doch an diesem Samstagmorgen war alles anders. Erst um halb acht schlug er die Augen auf. Seine Hand griff ins Leere. Luzies Bettseite war leer. Simon kämpfte kurz mit sich, ob er sie suchen sollte, doch die Müdigkeit siegte. Bestimmt würde sie gleich wiederkommen. Er schloss die Augen wieder, schnupperte statt an ihrem Hals an ihrer Bettdecke, genoss die herrliche Ruhe und träumte vor sich hin.
Simon Monschau liebte seine Arbeit als Musiklehrer, aber die lauten Kinderstimmen und die ständige Beschallung hatten es in sich. Dabei waren die kleinen Menschen, mit denen er tagtäglich zu tun hatte, älter als die, die Luzie im Kindergarten erziehen musste. Kein Wunder, dass sie Kopfschmerzen hatte bei dem ständigen Stimmengewirr, dem Zanken und Weinen, dem Scheppern von herunterfallendem Spielzeug und dem Klappern von Geschirr und Besteck beim Mittagessen.
Umso mehr genossen sie beide die himmlische Ruhe der Wochenenden. Hin und wieder raschelte es im Gebüsch im Garten. Dann und wann zwitscherte ein Vogel, oder eine verirrte Fliege summte durch das Schlafzimmer. Wie gemütlich! Ein Glück, dass er mit Luzie einer Meinung war, dass eigener Nachwuchs noch ein paar Jahre warten durfte.
Plötzlich zerriss wildes Bellen die samstägliche Ruhe. Eine Katze fauchte, Laub raschelte, dazwischen Luzies wütende Stimme.
Mit einem Schlag war Simon hellwach. Er schoss aus dem Bett und rannte zum Fenster. Unten im Garten schleppte seine Freundin eine Leiter zum Apfelbaum, unter dem ein Hund aus der Nachbarschaft immer noch laut kläffte. In Windeseile stieg Simon in die erstbeste Hose, die er fand, und eilte seiner Freundin zu Hilfe.
»Warum rufst du mich denn nicht?«, rief er ihr auf dem Weg durch den Garten zu.
»Ist der Lärm nicht laut genug?«, konterte Luzie in einem Tonfall, der nichts Gutes verhieß.
Sie lehnte die Leiter an den Baumstamm und machte Anstalten, die erste Sprosse zu erklimmen.
»Lass mich das machen!«, verlangte Simon.
»Kümmere du dich um den Hund! Immerhin ist es deine Schuld, dass das Gartentor offenstand.«
Seltsam! Simon war sicher, es am vergangenen Abend geschlossen zu haben. Um des lieben Friedens willen schluckte er seinen Widerspruch herunter.
»Tut mir leid. Es kommt nicht wieder vor!«
»Das nützt weder mir noch Carlo im Moment etwas«, schnaubte Luzie irritierend wütend von oben herab. »Der Arme ist völlig verstört.« Sie umschlang den Kater, der sich in ihre Arme geflüchtet hatte. Ihr erwartungsvoller Blick fiel hinab auf Simon. »Worauf wartest du noch?«
Zum Glück erschien in diesem Moment der Nachbar. Mit einer wortreichen Entschuldigung leinte er seinen Hund an und zog und zerrte das Tier aus dem Garten. Diesmal versicherte sich Simon dreimal, dass das Tor geschlossen war.
Inzwischen hatte Luzie wieder festen Boden unter den Füßen. Wie ein geölter Blitz schoss Carlo durch die Terrassentür ins Wohnzimmer.
Als Versöhnungsangebot brachte Simon die Leiter zurück in den Schuppen neben dem Haus und folgte seiner Freundin schließlich in die Küche. Der Frühstückstisch war schon gedeckt, frische Semmeln lagen im Brotkorb, Kaffeeduft erfüllte die Luft.
»Die Semmeln hole ich doch normalerweise. Das musst du nicht tun.«
»Wenn ich nicht verhungern will, offenbar schon«, schimpfte Luzie weiter vor sich hin.
»Aber es ist noch nicht einmal halb neun. Normalerweise stehen wir am Samstag nicht vor neun Uhr auf.«
Luzie ignorierte diesen Einwand und griff nach dem Orangensaft. Mit einem vernichtenden Blick auf das Etikett stellte sie die Flasche wieder zurück.
»Du hast den falschen Saft gekauft.«
Simon holte tief Luft und beschwor sich, ruhig zu bleiben. »Ich habe genau die Marke gekauft, die du aufgeschrieben hattest.«
»Aber dieser hier ist mit Fruchtfleisch. Das kann ich nicht leiden.« Wie immer, wenn sie sich ärgerte, leuchtete die Narbe, die neben ihrem rechten Ohr bis hinab zum Kinn lief, feuerrot.
Ohne eine Antwort zu geben, ging Simon an seiner Freundin vorbei zur Küchenzeile und griff nach dem Sieb, das an einer Stange an der Wand hing. Aus dem Augenwinkel beobachtete er, wie Luzie die Arme vor der Brust verschränkte und ihm dabei zusah, wie er den Saft durch die engen Maschen in ihr Glas goss.
»So!« Er legte das Sieb in die Spüle und kehrte an seinen Platz zurück. »Passt es jetzt?«
Luzie presste die Lippen aufeinander. Schweigend nahm sie eine Semmel aus dem Korb und schnitt sie auf. Brösel rieselten auf ihren Teller.
Simon sah ihr zu und machte sich seine ganz eigenen Gedanken.
»Was ist eigentlich los mit dir?«, fragte er schließlich.
»Was meinst du?«
»Bis jetzt habe ich deine schlechte Laune heute Morgen auf deine Kopfschmerzen geschoben. Aber wenn ich es mir recht überlege, kann ich dir in den letzten Tagen absolut nichts mehr recht machen. Ich kaufe den falschen Orangensaft, wasche die Wäsche zu kalt, räume den Geschirrspüler nicht richtig ein und bin nicht rechtzeitig wach, um Semmeln vom Bäcker oder Carlo vom Baum zu holen. Dabei bin ich ganz sicher, dass ich das Tor nicht offengelassen habe.«
Er wappnete sich schon für ein Streitgespräch, als Luzie plötzlich das Gesicht verzog. Sie presste die Fingerspitzen an die Schläfen, stöhnte leise und schloss die Augen.
Simons Ärger verpuffte so schnell, wie er gekommen war.
»Was ist los, Schneewittchen?« Mit einem Satz stand er neben ihr und beugte sich zu ihr hinab. »Luzie?«
Sie keuchte leise und drückte die Finger so fest gegen die Stirn, dass die Fingerspitzen weiß wurden.
»Hast du wieder Kopfschmerzen?«
»Und schlecht ist mir auch noch«, ächzte sie.
»Das kommt bestimmt von den Schmerzen. Kann ich irgendetwas für dich tun?«
»Ich glaube, ich lege mich noch ein bisschen hin.«
»Ich bringe dich hoch.«
In diesem Augenblick war jeder Ärger vergessen. Simon legte den Arm um die Schultern seiner Freundin und führte sie hinauf in den ersten Stock.
Ihre letzte Kopfschmerzattacke lag ein paar Monate zurück, und beide waren gemeinsam mit Dr. Holl zuversichtlich gewesen, dass diese Phase endgültig überwunden war.
Nach einem Schädel-Hirn-Trauma litten fast alle Patienten bis zu einem halben Jahr lang unter Kopfschmerzen. Dass die Qual zurückgekehrt sein könnte, noch dazu mit Übelkeit, machte Simon nervös. Was, wenn es sich doch um Spätfolgen handelte? Oder das Schädel-Hirn-Trauma etwas viel Schlimmeres ausgelöst hatte?
Simon half seiner Freundin ins Bett und breitete die Decke über sie. »Soll ich Doktor Holl rufen?«
»Nein. Ich will nur schlafen«, lehnte Luzie ab.
Bevor sie die Augen schloss, schenkte sie ihrem Freund ein vages Lächeln. Das erste an diesem verkorksten Samstag.
***
Am Nachmittag verschwanden Kopfschmerz und Übelkeit, und die gewohnte Harmonie kehrte zurück ins Haus Liebig-Monschau.
»Tut mir leid, dass ich so zickig war«, entschuldigte sich Luzie am Sonntagabend sichtlich zerknirscht. Inzwischen waren die Abende zu kühl geworden, um im Garten zu sitzen. Die beiden hatten es sich im Wohnzimmer gemütlich gemacht. »Ich weiß selbst nicht, was in mich gefahren ist. So bin ich doch normalerweise nicht.«
»Gestern früh warst du ganz weiß im Gesicht vor Schmerzen.« Wenn Simon nur daran dachte, rann ihm ein Schauer über den Rücken. »Dafür warst du wirklich noch sehr umgänglich.«
Luzie streckte sich auf der Couch aus und legte die Beine auf seinen Schoß.
»Du schwindelst noch schlechter als meine Kindergartenkinder«, meinte sie und kicherte, wurde aber gleich wieder ernst. »Ich weiß gar nicht, womit ich so einen tollen Mann verdient habe.«
»Für dich ist das Beste gerade gut genug«, scherzte Simon. Während er ihre Füße massierte, betrachtete er sie mit schief gelegtem Kopf. »Bist du sicher, dass wieder alles in Ordnung ist?«
Luzie nickte und gab sich in den kommenden Tagen gut gelaunt und fröhlich. Simons Sorgen verblassten, und mit Feuereifer stürzte er sich auf die Vorbereitung des ersten Konzertes seiner Schüler nach der langen Sommerpause. An seinem unterrichtsfreien Nachmittag war er in die Planungen vertieft, als sein Handy klingelte. Luzies Konterfei lachte ihm auf dem Display entgegen.
»Schneewittchen! Gut, dass du anrufst. Ich denke gerade über das diesjährige Motto unseres Herbstkonzertes nach. Was meinst du ...« Ein Schniefen am anderen Ende der Leitung ließ ihn innehalten. »Luzie? Ist alles in Ordnung?«
»Simon, mir geht es gar nicht gut.«
Sie klang so jämmerlich, dass er innerlich erstarrte. Er erinnerte sich an die Ergebnisse seiner heimlichen Internet-Recherchen. Mit einem Schlag kehrten all seine Sorgen zurück. Was, wenn Luzie doch ernsthaft krank war? Diesmal gab es kein Zaudern.
»Ich bringe dich zu Doktor Holl.« Er warf einen Blick auf die Uhr an seinem Handgelenk. »Kann Saskia deine Gruppe übernehmen?«
»Ich habe schon mit ihr gesprochen. Sie kümmert sich ums Aufräumen.«
»Gut. Ich rufe in der Berling-Klinik an und fahre danach sofort los zu dir.«
Nach dem Fahrradunfall war Luzie von den Spezialisten dort behandelt worden und auch der Klinikleiter persönlich hatte sich immer wieder nach der schwer verletzten jungen Frau erkundigt.
Seither war Dr. Holl der erste Ansprechpartner, wenn es um gesundheitliche Probleme ging.
Auch diesmal wurde Simon nicht enttäuscht. Als die Sekretärin Moni Wolfram ihrem Chef von dem dringlichen Anruf erzählte, verschob Dr. Holl ohne Zögern einen Termin in seinem prall gefüllten Kalender. Schon eine Stunde später begrüßte er seine ehemalige Patientin und wirkte ehrlich erfreut.
»Frau Liebig, wir haben uns ja ewig nicht gesehen.«
Nachdem er den beiden einen Platz vor seinem Schreibtisch angeboten hatte, wanderte sein aufmerksamer Blick von Simon zu Luzie. Sein Lächeln wurde blass.
»Sie haben also seit ein paar Tagen wieder Kopfschmerzen?«
»Und übel ist ihr auch manchmal«, platzte Simon heraus und erntete einen bitterbösen Blick seiner Freundin.
»Das stimmt«, wiederholte sie zähneknirschend in Dr. Holls Richtung.
