Chefarzt Dr. Holl 1977 - Mona Marquardt - E-Book

Chefarzt Dr. Holl 1977 E-Book

Mona Marquardt

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Beschreibung

Eva isst am liebsten Pizza und Nudeln - sie ist nicht dünn, aber auch nicht dick. Dann kommt sie mit dem attraktiven Noah zusammen, und um ihm zu gefallen, ändert sie ihre Lebensgewohnheiten. Sie fängt zu trainieren an, will rank und schlank werden. Alles Ungesunde streicht sie von ihrem Speiseplan und schwört auf sogenanntes Superfood - Lebensmittel, denen eine besonders gesundheitsfördernde Wirkung nachgesagt wird.
Die Beziehung geht trotzdem in die Brüche. Evas selbstauferlegte Regeln werden danach aber nur noch strenger. Irgendwann ist sie nur noch Haut und Knochen und wird von Schmerzen geplagt. Dass sie ihrem Körper mit ihrer radikalen Diät nichts Gutes tut, glaubt sie erst, als sie mit dem Notarztwagen in die Berling-Klinik eingeliefert wird ...


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Veröffentlichungsjahr: 2023

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Inhalt

Cover

Superfood mit Nebenwirkungen

Vorschau

Impressum

Superfood mit Nebenwirkungen

Die bittere Wahrheit hinter Evas gesunder Küche

Von Mona Marquardt

Eva isst am liebsten Pizza und Nudeln – sie ist nicht dünn, aber auch nicht dick. Dann kommt sie mit dem attraktiven Noah zusammen, und um ihm zu gefallen, ändert sie ihre Lebensgewohnheiten. Sie fängt zu trainieren an, will rank und schlank werden. Alles Ungesunde streicht sie von ihrem Speiseplan und schwört auf sogenanntes Superfood – Lebensmittel, denen eine besonders gesundheitsfördernde Wirkung nachgesagt wird.

Die Beziehung geht trotzdem in die Brüche. Evas selbstauferlegte Regeln werden danach aber nur noch strenger. Irgendwann ist sie nur noch Haut und Knochen und wird von Schmerzen geplagt. Dass sie ihrem Körper mit ihrer radikalen Diät nichts Gutes tut, glaubt sie erst, als sie mit dem Notarztwagen in die Berling-Klinik eingeliefert wird ...

»Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass seelische Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen uns Ärzte vor große Herausforderungen stellen.« Die Oberärztin der Pädiatrie in der Berling-Klinik, Dr. Renate Sanders, ließ ihren Blick über ihre aufmerksamen Zuhörer gleiten.

Ihrer Einladung waren nicht nur viele der Kollegen aus dem eigenen Haus gefolgt. Auch Kinderärzte aus anderen Kliniken und niedergelassene Ärzte lauschten dem Vortrag mit interessierten Gesichtern.

Unter ihnen befand sich auch Dr. Julia Holl. In zwei Jahren, wenn ihre jüngste Tochter dreizehn Jahre alt war, wollte sie endlich wieder in ihren geliebten Beruf zurückkehren, den sie mit Geburt der ersten Sprösslinge aufgegeben hatte. Viele Jahre lang hatte sie sich mit Leidenschaft der Erziehung der Kinder gewidmet. Doch inzwischen lebten die Zwillinge Marc und Dani ihr eigenes Leben, und auch der fünfzehnjährige Sohn Chris wurde immer unabhängiger.

Die neu gewonnene Freizeit verbrachte Julia damit, alleinerziehende Mütter in einem Frauenhaus in gesundheitlichen Fragen ihrer Kinder zu beraten. Darüber hinaus stattete sie der Berling-Klinik immer wieder Besuche ab und nahm an Vorträgen wie denen von Renate Sanders teil, um auf dem Laufenden zu bleiben.

»Wenn die Kinder zu uns in die Klinik kommen, sehen wir häufig nur die Spitze des Eisbergs«, fuhr die Oberärztin fort. »Meist wird erst im Laufe der Behandlung klar, dass Wunden, starke Gewichtsabnahmen oder Vergiftungserscheinungen aufgrund von Drogenmissbrauch mit selbstverletzendem Verhalten zu tun haben.«

»Manchmal bemerken wir das aber auch nicht«, gab Dr. Delius mit gerunzelter Stirn zu bedenken. »Ich habe einen Jungen, dessen Mutter behauptet hat, dass er schrecklich schusselig sei und deshalb ständig stolpere und sich verletze. Erst beim dritten oder vierten Klinikaufenthalt wurde mir klar, dass der Junge das absichtlich macht, um die Aufmerksamkeit der Erwachsenen zu bekommen.«

Dr. Sanders nickte betrübt.

»Das ist einer der Gründe für meinen Vortrag. Seelische Probleme kommen in den verschiedensten Ausprägungen daher. Deshalb möchte ich Ihre Aufmerksamkeit darauf lenken und Sie bitten, bei allen besonderen Fällen eine psychische Erkrankung zumindest in Erwägung zu ziehen. Je schneller diese Kinder behandelt werden, umso größer sind die Erfolgsaussichten.« Die Oberärztin schaltete den Monitor aus und lächelte ihr Publikum an. »Mit dieser Bitte bin ich am Ende meines Vortrags angelangt. Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit und wünsche allen einen schönen Tag.«

Applaus und beifälliges Murmeln und Raunen begleitete die Vortragende und ihre Kollegen nach draußen. Vor der Tür stand Julia noch kurz mit Dr. Sanders und ein paar anderen zusammen, ehe sie sich verabschiedete. Wie immer, wenn sie der Klinik ihres Mannes einen Besuch abstattete, wollte sie wenigstens auf einen Sprung in seinem Büro vorbeischauen. Vorausgesetzt natürlich, er hatte Zeit für sie, was in den vergangenen Wochen leider selten der Fall gewesen war.

Doch diesmal hatte sie Glück.

»Hallo, Herr Doktor. Haben Sie eine Minute?«, begrüßte sie ihn scherzhaft und schloss die Bürotür hinter sich.

Stefan Holl hob den Kopf und betrachtete seine Besucherin mit gerunzelter Stirn. Seine Augen blitzten.

»Was kann ich für Sie tun, gnädige Frau?«

»Ich brauche den Rat eines Fachmannes.« Nur mit Mühe gelang es Julia, ernst zu bleiben. »In letzter Zeit habe ich so ein seltsames Ziehen in der Herzgegend. Muss ich mir Sorgen machen?«

Stefan schob seine Unterlagen zur Seite und erhob sich. Er kam um den Schreibtisch herum. Auf dem Weg zu Julia setzte er sein Stethoskop auf und hörte sie ab.

»Ich kann nichts Verdächtiges feststellen.«

»Halten Sie es für möglich, dass es sich um akute Entzugserscheinungen handeln könnte?«, fragte sie mit leidendem Augenaufschlag.

»Wie kommen Sie darauf?«

»In letzter Zeit bestraft mich mein Mann mit Liebesentzug.«

»So ein Schuft!«, spielte Stefan das Spiel seiner Frau belustigt mit. »Wie kann er einer attraktiven Frau wie Ihnen so etwas antun?«

»Ich fürchte, die Arbeit lenkt ihn immer ab«, seufzte Julia.

»In diesem Fall sollte Ihr Mann sofort Gegenmaßnahmen ergreifen.«

»Ich fürchte, es könnte eine sehr intensive Therapie vonnöten sein.«

»Hm, ich verstehe.« Stefan nickte ein paar Mal hintereinander. »Was halten Sie davon, wenn wir schon einmal mit der Behandlung beginnen.« Er schloss Julia in die Arme und gab ihr einen Kuss, dass ihr die Knie weich wurden.

»Gar nicht schlecht für den Anfang«, gurrte sie in seinen Armen.

»Ich vertrete ja ohnehin die Ansicht, dass Intensivtherapien erfolgversprechender sind als eine moderate Dauermedikation.«

Julia lachte leise.

»Soso, du arbeitest also mit unlauteren Mitteln und hältst mich absichtlich kurz.« Stefan wollte schon widersprechen, als sie schnell fortfuhr: »Aber keine Sorge, damit kommst du nicht durch. Heute Abend, wenn die Kinder im Bett sind, haben wir eine Verabredung.«

»Ich kann es kaum erwarten.« Stefan wollte Julia erneut an sich ziehen und sein Versprechen mit einem weiteren Kuss besiegeln, als sein Telefon klingelte.

Das Gespräch dauerte nur kurz. Trotzdem war die romantische Stimmung dahin.

»Das war Moni Wolfram. Sie hat mich an meinen Termin mit Dr. Seefelder in zehn Minuten erinnert«, seufzte er und legte den Hörer zurück. Der Name des Kinderchirurgen erinnerte ihn an etwas. »Wie war eigentlich der Vortrag von Renate Sanders?«, erkundigte er sich und bot seiner Frau ein Glas Wasser an. »Um was ging es nochmal?«

»Um die körperlichen Folgen seelischer Erkrankungen bei Kindern. Häufig ist in der Klinik auf den ersten Blick nicht erkennbar, dass die Symptome Folgen eines psychischen Problems sind.«

Stefan Holl lehnte sich zurück und ließ seine Gedanken in die Vergangenheit schweifen.

»Erinnerst du dich an das Mädchen, das eine Weile ständig mit den verschiedensten Verletzungen in die Klinik eingeliefert wurde? Es stürzte unglücklich beim Schulsport, hatte zu Hause Ohnmachtsanfälle und fiel die Treppe hinunter.«

Natürlich erinnerte sich Julia an das Mädchen – Eva –, über das sie immer wieder mit ihrem Mann gesprochen hatte. Als Arzt aus Leidenschaft versuchte Stefan Holl, tiefer zu blicken und nicht nur Symptome, sondern auch Ursachen zu behandeln.

»Du hattest den Verdacht, dass Eva sich selbst verletzte, um die Aufmerksamkeit ihrer Eltern zu bekommen.«

Stefan Holl nickte betrübt.

»Leider ist es mir nie gelungen, einen Zugang zu der Familie zu bekommen oder meinen Verdacht zu untermauern«, seufzte er. Wie ein Kriminalbeamter noch jahrelang mit einem ungelösten Mordfall beschäftigt sein konnte, ließen auch ihn die Gedanken an solche Patienten lange nicht los. »Eines Tages kam Eva einfach nicht mehr. Entweder, die psychischen Störungen sind verschwunden, oder aber, die Eltern haben andere Ärzte zu Rate gezogen.«

Julia fühlte mit ihrem Mann.

»Ich weiß, wie belastend solche Fälle für dich auch nach Jahren noch sind«, sagte sie mit weicher Stimme. »Umso wichtiger finde ich, dass du heute Abend unsere Verabredung wahrnimmst. Ich habe ein paar Tricks auf Lager, die dir das Leben leichter machen.« Sie lächelte und verabschiedete sich gleich darauf mit einem Kuss, der Lust auf mehr machte.

***

Von einem Tag auf den anderen hatte sich der goldene Oktober verabschiedet. Düstere Wolken sorgten dafür, dass es schon nachmittags dunkel wurde. Ein wütender Wind zerrte an den bunten Blättern der Bäume und Sträucher, Regentropfen klatschten auf den Asphalt.

Doch all das konnte der guten Laune der Partygesellschaft nichts anhaben, die im dritten Stock eines Münchner Studentenwohnheims ausgelassen feierte. Die Musik wummerte, im Zwielicht tanzten ein paar Gäste, andere hatten es sich auf dem Sofa, Stühlen oder Sitzpolstern auf dem Boden bequem gemacht. Überall standen Flaschen und halbvolle Gläser zwischen Schüsseln mit Chips und Nachos.

»Ich liebe diese Studentenpartys!«, rief Eva Bachmann ihrer Freundin Samira zu. »Da lernt man immer so viele neue Leute kennen.« Sie lehnte an der Flurtür und ließ den Blick über die bunte Schar der Gäste schweifen.

»Was bringt das, wenn man sich eh nicht unterhalten kann, weil es so laut ist?«, hielt Samira dagegen und saugte am Strohhalm ihres Aperol Spritz.

»Wozu reden, wenn man auch küssen kann?« Eva lächelte einen jungen Mann an, als ihr Blick auf den neuen Gast fiel, der in diesem Augenblick die Wohnung betrat.

Trotz des Schummerlichts wurde es plötzlich ganz still in ihrem Kopf. Romantik war keine ihrer Stärken, doch in diesem magischen Moment, als sich ihre Blicke trafen, war sie überzeugt davon, die Liebe ihres Lebens gefunden zu haben. Eva konnte nicht anders, als diesen großen, durchtrainierten Typen anzustarren.

Samira bemerkte den Blick ihrer Freundin und lachte.

»Du hast also bereits ein Opfer zum Küssen gefunden«, stellte sie fest. »Dann viel Erfolg.«

Doch Evas Gedanken waren längst weitergeeilt. Von diesem Mann wollte sie nicht nur einen Kuss. Fieberhaft dachte sie darüber nach, wie sie seine Aufmerksamkeit auf sich ziehen konnte. Ein bisschen Tricksen war doch erlaubt, oder? Langsam ließ sie die Strickjacke über ihrem Arm heruntergleiten, lautlos fiel sie zu Boden. Nun konnte Eva nur hoffen, dass der junge Mann nicht nur wahnsinnig gutaussehend war, sondern auch über perfekte Manieren verfügte.

Ihr Wunsch ging in Erfüllung.

»Du hast etwas verloren.« Noah bückte sich, hob die Jacke auf und reichte sie Eva mit einem strahlenden Zahnpasta-Lächeln.

»Das war Absicht«, gestand sie mit entwaffnender Ehrlichkeit. »Ich wollte dich unbedingt kennenlernen.«

Noah lachte geschmeichelt. »Ganz schön raffiniert. Bist du immer so entschlossen?«

»Das musst du schon selbst herausfinden.« Eva wandte sich ab und ging mit wiegenden Hüften davon.

Hoffentlich bemerkte er ihren Babyspeck nicht, der sich an ihr festklammerte wie ein Affenbaby an seiner Mutter. Auf dem Weg in die Küche hallten wieder einmal die Worte ihres Vaters in ihren Ohren. Dabei war Eva weder dick noch dünn, sondern ganz normal. Trotzdem hatte Achim seinen Töchtern pausenlos gepredigt, sie sollten auf ihre Figur achten. Schlanke Frauen hätten es leichter bei den Männern und überhaupt im Leben.

Obwohl sich Eva inzwischen vom Gegenteil überzeugt hatte – die Herren der Schöpfung lagen ihr scharenweise zu Füßen – nagte die Bemerkung des Vaters immer noch an ihrem Selbstbewusstsein. Ganz besonders bei einem Mann wie Noah.

Sie spürte, dass er ihr gefolgt war. In der Küche drehte sie sich zu ihm um und musterte ihn schweigend.

»Was ist? Warum schaust du mich so an?«

»Ich versuche herauszufinden, ob du zu mir passt.«

»Und? Zu welchem Schluss bist du gekommen?«

»Ich glaube, ich habe es mir anders überlegt.« Eva schenkte sich Weißwein ein. Mit Genugtuung beobachtete sie, wie ihm die Gesichtszüge entglitten. »Ich will dich doch nicht mehr kennenlernen.«

»Aber warum? Habe ich etwas falsch gemacht?«, fragte er verdattert.

»Du siehst einfach zu gut aus. Schöne Männer hat eine Frau nie für sich allein. Und ich teile nicht gerne.« Sie garnierte ihre Worte mit einem Lächeln und verließ die Küche und wenig später die Party.

***

»Bist du jetzt völlig verrückt geworden?«, fragte Samira am nächsten Nachmittag am Telefon.

Ihre heisere Stimme verriet, dass es spät geworden war.

Mit dem Handy am Ohr stand Eva vor ihrem großen Spiegel und unterzog sich einer strengen Kritik. Nein, sie war ganz und gar nicht zufrieden mit sich. Wenn sie den schönen Noah erobern und halten wollte, musste sich etwas ändern.

»Immer mit der Ruhe«, sagte sie laut zu Samira. »Männer sind Jäger. Spätestens morgen steht er vor meiner Tür und bettelt darum, dass ich ihn hereinlasse.«

»Dein Selbstvertrauen hätte ich gerne. Du hast ihm ja noch nicht einmal deine Telefonnummer gegeben.«

Samira kannte Eva erst seit ein paar Monaten und noch nicht gut genug, um zu wissen, dass es um das Selbstbewusstsein ihrer neuen Freundin nicht allzu gut bestellt war. Eva konnte das nur recht sein. In all den Jahren hatte sie gelernt, dass Schwächen nur verletzlich machten. Und sie wollte nicht verletzt werden. Nicht mehr.

»Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg«, sagte sie zu ihrer Freundin.

Aus dem Augenwinkel bemerkte sie einen Schatten auf dem Gehweg vor dem Fenster. Ihr Herz machte einen Satz. Da stand Noah mit den Händen in den Hüften, den Blick nach oben gerichtet. Unter einem Vorwand verabschiedete sie sich von ihrer Freundin, steckte das Mobiltelefon ein und öffnete das Fenster.

»Das ist ja ein Zufall!« Wie immer spielte sie auch diesmal ihre Rolle perfekt. »Suchst du etwas?«

Noah zuckte zusammen. Bei Evas Anblick schoss ihm das Blut in die Wangen.

»Ich ... du ... wir ... also, du bist mir nicht mehr aus dem Kopf gegangen«, entschied er sich schließlich für die Wahrheit. »Deshalb habe ich nachgeforscht und herausgefunden, dass du hier wohnst. Ich wollte nur mal nachsehen und auf keinen Fall mit der Tür ins Haus fallen.«

Eva schlug das Herz bis zum Hals. Doch äußerlich war ihr nichts anzusehen, eine Fähigkeit, die sie jahrelang trainiert hatte.