Chefarzt Dr. Holl 1983 - Mona Marquardt - E-Book

Chefarzt Dr. Holl 1983 E-Book

Mona Marquardt

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Beschreibung

Isabella hat sich ihren Traumjob geangelt: Sie arbeitet als Bookerin bei einer angesagten Münchner Werbeagentur. Sie castet Models für Kundenaufträge, plant und organisiert Drehs und Shootings. Jeder Tag in dem Job fühlt sich für sie an wie ein neues Abenteuer. Schuld daran ist auch Jeremias. Bei jeder Begegnung mit dem attraktiven Werbefotografen knistert es gewaltig.
Als Isabella eines Abends zwei kleine kahle Stellen an ihrem Kopf entdeckt, schiebt sie es auf eine vorübergehende Hormonstörung und will sich keine näheren Gedanken darüber machen. Doch ihre Mitbewohnerin Amy, die als Krankenschwester in der Berling-Klinik arbeitet, drängt sie zu einer Untersuchung. Bald liegt das Ergebnis vor. Und dieses zieht Isabella den Boden unter den Füßen weg ...


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Seitenzahl: 121

Veröffentlichungsjahr: 2024

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Inhalt

Cover

Plötzlich Haarausfall

Vorschau

Impressum

Plötzlich Haarausfall

Wegen einer Krankheit muss Isabella um ihre Karriere bangen

Von Mona Marquardt

Isabella hat sich ihren Traumjob geangelt: Sie arbeitet als Bookerin bei einer angesagten Münchner Werbeagentur. Sie castet Models für Kundenaufträge, plant und organisiert Drehs und Shootings. Jeder Tag in dem Job fühlt sich für sie an wie ein neues Abenteuer. Schuld daran ist auch Jeremias. Bei jeder Begegnung mit dem attraktiven Werbefotografen knistert es gewaltig.

Als Isabella eines Abends zwei kleine kahle Stellen an ihrem Kopf entdeckt, schiebt sie es auf eine vorübergehende Hormonstörung und will sich keine näheren Gedanken darüber machen. Doch ihre Mitbewohnerin Amy, die als Krankenschwester in der Berling-Klinik arbeitet, drängt sie zu einer Untersuchung. Bald liegt das Ergebnis vor. Und dieses zieht Isabella den Boden unter den Füßen weg ...

»Ich kann es manchmal immer noch nicht glauben, dass ich den Job ergattert habe.« Isabella König saß mit ihrer Freundin Amy in der kleinen Küche und nippte an ihrem Tee. Auf dem schlichten Holztisch brannte eine Kerze. Ihr Licht warf Schatten auf die modernen Bilder an der Wand. Grünpflanzen auf dem Fensterbrett und in Blumenampeln und Accessoires aus Holz und Rattan lockerten das nüchterne Ambiente auf und schafften eine gemütliche Atmosphäre. »Stell dir vor, gestern haben wir den Auftrag einer großen Modekette an Land gezogen. Ich muss die Models für die neue Kampagne aussuchen und soll auch die Fotoshootings begleiten.«

»Aber nicht in diesem Zustand«, bemerkte Amy mit hochgezogener Augenbraue.

»Wie meinst du das?« Isa spielte die Ahnungslose.

»Schätzchen, ich bin Krankenschwester. Glaubst du im Ernst, du kannst mir etwas vormachen?« Amy schüttelte den Kopf. »Seit Tagen schlägst du dich mit Husten und Schnupfen herum, und ich verwette meine rechte Hand dafür, dass du Fieber hast.«

»Das ist mehr als leichtsinnig«, widersprach Isabella. »Und dann überall das Blut und der Stumpf ... das wird deinen Patienten überhaupt nicht gefallen«, scherzte sie, doch Amy lächelte noch nicht einmal.

Ohne mit der Wimper zu zucken, verschwand sie im Bad und kehrte mit einem Ohrthermometer zurück.

»Neununddreißig sieben. Wusste ich es doch!« Sie beugte sich vor und sah Isabella in die Augen. »Außerdem hast du eine Bindehaut-Entzündung. Mach mal den Mund auf!«

»Mir geht es gut. Das ist nur die Aufregung wegen des tollen Auftrags.« Isa stand auf und schlängelte sich mit ihrem Frühstücksgeschirr an ihrer Freundin vorbei zum Geschirrspüler. »Du hattest recht mit dem, was du gesagt hast. Ich muss mir einfach mal etwas zutrauen.« Ihre Stimme wurde schwammig. »Dann klappt es auch ...« Mitten im Satz verdrehte sie die Augen.

Blitzschnell sprang Amy auf, um ihre Freundin aufzufangen. Gemeinsam gingen sie zu Boden, aber wenigstens landete Isas Kopf weich in Amys Schoß.

»Alles ist gut, schon klar«, schimpfte Amy und nestelte das Handy aus der Jeanstasche. »Hallo Kai, hier ist Amy. Ich brauche sofort einen Rettungswagen. Isa ist gerade zusammengebrochen. Ich vermute eine Maserninfektion.«

Der Kollege am anderen Ende der Leitung versprach, gleich Hilfe aus der nahen Berling-Klinik loszuschicken, und setzte sein Versprechen sofort in die Tat um.

Nicht lange nach dem Gespräch ertönte das erlösende Geräusch des Martinshorns. Es näherte sich rasch und verstummte schließlich. Wagentüren wurden geöffnet, Metall schlug auf Metall, als die Retter die Liege aus dem Wagen holten.

Amy wartete an der Tür auf die Kollegen. »Sie ist in der Küche.« Sie eilte voraus in den kleinen Raum, wo Isa immer noch bewusstlos in stabiler Seitenlage auf dem Boden lag.

Die Rettungsärztin beugte sich über sie und machte eine kurze Bestandsaufnahme.

»Sie vermuten also eine Maserninfektion. Warum?«

»In den letzten Tagen hatte Isa Husten und Schnupfen und klagte über Halsschmerzen. Außerdem habe ich bei ihr Anzeichen einer Bindehautentzündung festgestellt. Und sie hat hohes Fieber.«

»Ist sie nicht geimpft?«

»Doch. Aber Sie wissen ja sicher auch, dass in den letzten Jahren immer mehr Geimpfte unter den Masernfällen sind.«

»Das ist richtig.« Die Ärztin gab den Sanitätern ein Zeichen.

Mit vereinten Kräften wurde Isabella auf die Liege gehoben. Amy begleitete den Transport nach unten auf die Straße, wo schon ein paar Schaulustige warteten.

»Bitte gehen Sie weiter«, rief die Rettungsärztin. »Hier gibt es nichts zu sehen.« Ihr Blick fiel auf zwei, drei gezückte Handys. »Übrigens ist das Fotografieren und Filmen verunglückter oder verletzter Menschen zu unterlassen. Bei diesem Vergehen handelt es sich um eine Straftat und kann mit einer Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren oder einer Geldstrafe sanktioniert werden.«

Murrend steckten die Angesprochenen die Geräte wieder weg und traten zur Seite, um die Rettungskräfte durchzulassen.

»Alle Achtung. Haben Sie nebenbei eine Polizeiausbildung absolviert?«, scherzte Amy, doch die Ärztin lachte nicht.

»Manchmal wünsche ich mir wirklich Handschellen und andere Hilfsmittel, um mich gegen Übergriffe und verständnislose Mitmenschen zu wehren.«

Aus eigener, leidvoller Erfahrung wusste Amy, wovon die Rettungsärztin sprach. Auch in der Berling-Klinik blieb das Personal von raueren Umgangsformen nicht verschont. Dank dem Klinikchef Dr. Stefan Holl, der bei solchen Ereignissen nicht lange fackelte und konsequent durchgriff, blieb es zum Glück aber bei seltenen Vorfällen.

Amy konzentrierte sich wieder auf ihre Freundin, die im Krankenwagen langsam zu sich kam.

»Was ist passiert?«, murmelte Isa. Ihr verwirrter Blick wanderte durch das Innere des Wagens. »Wo bin ich?«

»Meine Kollegen bringen dich in die Berling-Klinik«, versprach Amy. »Wir sehen uns später dort.«

***

Die Krankenschwester Amy Marlow hatte sich nicht geirrt. Tatsächlich litt ihre Freundin an einer Maserninfektion, die es trotz Impfung in sich hatte.

»Ihnen muss ich ja nicht erzählen, dass Masern recht schwer verlaufen können«, sagte Dr. Holl, als er Schwester Amy kurz nach Isabella Königs Einlieferung auf dem Flur begegnete. Wie immer war er bestens informiert über die Vorkommnisse in seiner Klinik, besonders dann, wenn Angehörige oder Freunde seiner Mitarbeiter unter den Patienten waren. »Je eher die Krankheit behandelt wird, umso größer ist die Chance, Komplikationen zu verhindern.« Er wich einem Pfleger aus, der einen Wäschewagen über den Flur schob.

»Ich weiß, und ich würde viel dafür geben, wenn Isabella vernünftiger gewesen wäre«, sinnierte Amy. »Dann hätten wir die Infektionen vermeiden können, die sich wegen ihres geschwächten Immunsystems in ihrem Körper ausgebreitet haben.«

Amy wirkte so geknickt, dass Stefan Holl mit seiner Krankenschwester fühlte.

»Bitte machen Sie sich keine allzu großen Sorgen. Die Kollegen tun alles für Ihre Freundin, was in ihrer Macht steht«, versprach er innig. »Ich bin zuversichtlich, dass es schon bald bergauf geht.«

»Hoffentlich.« Amy seufzte. »Isa hatte es nämlich nicht leicht in der Vergangenheit. Nach einer Ausbildung zur Verkäuferin hat sie ihr Abitur nachgeholt und Medien und Kommunikation studiert. Erst vor zwei Monaten ist sie am Ziel ihrer beruflichen Wünsche angekommen und hat die heiß ersehnte Stelle als Modelagentin und Bookerin in einer namhaften Münchner Agentur ergattert. Jetzt hat sie natürlich Angst, dass sie diesen Job gleich wieder los ist, wenn sie zu lange ausfällt.«

»Von diesem Beruf habe ich überhaupt keine Vorstellung.« In seiner langjährigen Karriere als Arzt waren Stefan Holl schon viele außergewöhnliche Berufe untergekommen. Eine Modelagentin war jedoch noch nicht dabeigewesen. »Welche Aufgaben hat Ihre Freundin dort?«

»Bei Kundenanfragen muss sie nicht nur entscheiden, welches Model die Marke des Kunden am besten verkörpert. Sie begleitet auch Fotoshootings und organisiert mit Kolleginnen und Kollegen die internationalen Modewochen und andere Veranstaltungen«, berichtete Amy mit leuchtenden Augen. Sie war Krankenschwester aus Berufung. Trotzdem bewunderte sie Isas Glitzerwelt. »Im Vorfeld jedes Events oder jeder Werbeproduktion finden viele Besprechungen statt, in denen Konditionen ausgehandelt, Nutzungsrechte und Reisekosten besprochen und Veranstaltungsorte ausgesucht werden.«

»Das klingt nach einem sehr vielseitigen, aber auch anstrengenden Beruf.«

»Isa steht auch ganz schön unter Druck, weil sie sich erst noch beweisen muss. Wahrscheinlich hat sie ihre Krankheit deshalb so lange ignoriert.«

Am Ende des Flurs blieben die beiden stehen. Hier trennten sich ihre Wege.

»Ich hoffe, Sie können Isabella klarmachen, dass kein Beruf der Welt so ein Risiko wert ist«, sagte Dr. Holl zum Abschied. »Selbst wenn es diesmal gut geht, ist das keine Garantie dafür, dass Frau König immer mit dem Schrecken davonkommt.«

Amy wusste, wie gefährlich und heimtückisch eine Maserninfektion war. Neben Mittelohr- und Lungenentzündungen sowie Durchfällen traten in seltenen Fällen auch Gehirnentzündungen auf, manchmal erst Jahre nach der eigentlichen Infektion.

Auch deshalb versprach sie, ihre Freundin noch einmal ins Gebet zu nehmen, und machte ihr Versprechen in den kommenden Tagen mehr als einmal wahr, bis sich Isabella lachend die Ohren zuhielt, sobald die Sprache auf dieses heikle Thema kam. Dabei war ihr sehr wohl bewusst, wie groß ihr Glück gewesen war, dass sie überhaupt wieder lachen konnte.

»Wenn du nicht sofort den Krankenwagen gerufen hättest, wäre die Sache vielleicht anders ausgegangen«, sinnierte sie, als die Freundinnen ein paar Wochen später endlich wieder einmal Zeit fanden, um bei einem Glas Wein zusammenzusitzen.

Weihnachten und Silvester waren inzwischen vergangen. Mit dem alten Jahr war auch der Feiertagszauber verschwunden. Die Temperaturen waren gestiegen, Dauerregen machte auch noch die letzten Schneereste zunichte.

Isabella und Amy saßen auf der Couch, eingemummelt in dicke Decken, und blickten durch die Balkontür hinaus in den Januarabend. Zum Glück war es längst dunkel, das triste Einheitsgrau wenn schon nicht verschwunden, so doch wenigstens bis zum nächsten Morgen unsichtbar.

»Hätte, hätte, Fahrradkette«, zitierte Amy gut gelaunt den altbekannten Spruch. »Solange du dein Versprechen hältst, besser auf dich aufzupassen, müssen wir nicht mehr darüber reden. Erzähl mir lieber von der Fashion Week in Paris, die du für diesen Modeschöpfer vorbereiten musst.« Sie klatschte in die Hände wie ein kleines Mädchen. »Das ist so aufregend.«

»Auf der einen Seite stimmt das natürlich«, sagte Isa und blickte seufzend in ihr Weinglas. »Andererseits macht mich dieser Mensch jetzt schon fertig. Ich habe wirklich viele tolle Models gecastet. Aber bisher hat er fast alle abgelehnt. Und langsam wird die Zeit knapp.«

»Wie ich dich kenne, wirst du das Eisen schon rechtzeitig aus dem Feuer holen.«

Isas Miene wurde weich. Sie leerte ihr Glas in einem letzten Zug, stellte es weg und umarmte ihre Freundin.

»Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie viel Kraft es mir gibt, dass du so unerschütterlich an mich glaubst.«

»Reiner Eigennutz. Schließlich erwarte ich, dass du mir eine komfortable Almhütte in Alleinlage mit Bergblick baust, wenn du erst reich und berühmt bist«, scherzte Amy und Isabella lachte.

»Du bist bescheiden geworden. Vor ein paar Tagen war es noch eine Villa auf Mallorca.«

»Die Almhütte wird natürlich mein Zweitwohnsitz«, sagte Amy und kicherte, als es auch schon wieder Zeit wurde, den Abend zu beenden.

***

Auch in den nächsten Tagen besserte sich das Wetter nicht. Am Wochenende gesellte sich zum Regen ein böiger Wind, der um die Häuserecken fegte und den Menschen die Nässe ins Gesicht peitschte.

»Da machen die schönsten Ferien keinen Spaß, wenn man überhaupt nicht rausgehen kann«, murrte Juju.

»Ich bin ja wirklich kein Mensch, der zu Schwermut neigt«, gab Julia Holl ihrer jüngsten Tochter recht. »Langsam verstehe ich aber die Menschen, die im Winter depressiv werden. Die Sonne hat sich seit bestimmt zwei Wochen nicht mehr blicken lassen.«

»Ein Glück, dass die Schule übermorgen wieder anfängt. Dann kann ich wenigstens meine Freunde wiedersehen«, teilte der fünfzehnjährige Chris die Meinung von Schwester und Mutter.

Trotz allem mussten Stefan und Julia lachen. Solche Worte aus dem Munde ihres jüngsten Sohnes hätten sie sich niemals träumen lassen.

»Dann ist es ja noch viel schlimmer als gedacht«, stellte Stefan augenzwinkernd fest.

»Und bis übermorgen ist noch schrecklich viel Zeit«, jammerte Juju weiter. »Was soll ich denn bis dahin noch machen? Die beiden neuen Bücher, die ich zu Weihnachten bekommen habe, habe ich schon ausgelesen. Und sogar mein Fünfhundert-Teile-Puzzle ist fast fertig.«

Außerdem war Julia in den Ferien mit ihrer Tochter im Kino und im Schwimmbad gewesen. Sogar Chris hatte sich erweichen lassen und seine kleine Schwester einmal mit in die Boulderhalle genommen. Langsam, aber sicher gingen ihr die Ideen aus.

»Was haltet ihr davon, wenn wir heute ausnahmsweise einen gemütlichen Fernsehnachmittag machen«, schlug sie in ihrer Not vor.

Stefan nahm das Mobiltelefon zur Hand, öffnete das Internet und suchte nach dem aktuellen Fernsehprogramm.

»Im zweiten Programm läuft in einer halben Stunde eine Urlaubsreportage über Thailand.«

»Das klingt toll. Lasst uns die Sonne ins Wohnzimmer holen und ein bisschen vom Sommer träumen.«

»Seid ihr mir böse, wenn ich Computer spiele?«, fragte Chris mit Unschuldsmiene. »Nur heute noch. Morgen gehe ich mit Lara in die Eishalle und danach habe ich nachmittags eh keine Zeit mehr.«

»Also meinetwegen kannst du ruhig gehen«, meinte Juju und grinste frech. »Dann habe ich Mama und Papa ganz für mich allein.«

Damit war die Entscheidung gefallen. Stefan verschwand in der Küche, um ein paar Knabbereien und Getränke zu holen. Julia dagegen machte es sich mit ihrer Tochter auf dem Sofa bequem. Bis zum Beginn der Sendung zappte Juju durch die Programme. Einer der Werbeclips, die vor der Reportage ausgestrahlt wurden, erregte ihre besondere Aufmerksamkeit.

»Auch genug vom kalten deutschen Winter?«, fragte eine weibliche Stimme. Eine Frau im Flatterkleid lief über einen weißen Sandstrand ihren Freunden entgegen, die auf einer Decke saßen und ein Picknick machten. Im Hintergrund rauschte das Meer. Palmen säumten das Ufer. »Dann träum dich mit Kokos-Liebe direkt ins Paradies. Fühle die Wärme auf der Haut und spüre den Moment.« Die Frau hatte ihre Freunde erreicht. Sie umarmten einander lachend, eine Schachtel mit Pralinen machte die Runde. Weiße Schokolade splitterte zwischen blitzenden Zähnen, die Gesichter strahlten.

Julia bemerkte den verzückten Gesichtsausdruck ihrer Tochter.

»Jetzt verstehe ich, warum das deine Lieblingsschokolade ist.«

»Das sieht wirklich verführerisch aus«, bestätigte auch Stefan, der sich mit den restlichen Weihnachtsplätzchen, Pralinen und Tee zu seinen beiden Frauen gesellte. »Ich würde zu gerne mit diesen Leuten tauschen.«

»Und ich würde gerne mal in so einem Werbefilm mitspielen«, sinnierte Juju. Ihr Blick klebte förmlich an den Freunden auf der Mattscheibe, die lachend um die letzten Süßigkeiten rangelten. »Weißt du, wie man so eine Rolle bekommt?«, wandte sie sich an ihre Mama.

Julia zuckte mit den Schultern.

»Ehrlich gesagt habe ich mir darüber noch nie Gedanken gemacht«, gestand sie. In Ermangelung einer Schoko-Kokos-Kugel knabberte sie an einem Plätzchen, das nicht weniger köstlich, aber deutlich nach Weihnachten schmeckte. »Bestimmt gibt es Agenturen, die Darsteller für solche Clips suchen.«

»Deine Mama hat recht«, mischte sich Stefan in das Gespräch ein. »In diesen Model-Agenturen arbeiten sogenannte Booker, die anhand einer Kartei entscheiden, welcher Darsteller das Produkt ihres Kunden am besten verkörpert.«

Juju stand der Mund offen vor Staunen. Ihr Papa war doch immer wieder für eine Überraschung gut.

»Woher weißt du denn das?«

»Sag bloß, du hast einen Nebenjob, von dem wir nichts wissen«, scherzte Julia.