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Annika wird von Magenschmerzen gequält. Als sie im Internet nach möglichen Ursachen sucht, bricht für sie eine Welt zusammen. Die Schmerzen können ein Anzeichen für Eierstockkrebs sein, heißt es da, und erst vor Kurzem ist Annikas Tante Gerda an dieser Krankheit gestorben.
Fest davon überzeugt, todkrank zu sein, lässt Annika sich in der Berling-Klinik untersuchen und erhält eine überraschende Diagnose: Sie hat keinen Tumor, sondern eine harmlose Entzündung.
Als diese auskuriert ist, ist ihr Leidensweg jedoch nicht vorüber. Bald plagen sie unerklärliche Fieberschübe, es folgen Schlafattacken und ein Stechen in der Brust. Immer wieder sucht sie die Berling-Klinik auf, jedes Mal mit einem neuen Leiden.
Dr. Stefan Holl hat längst einen Verdacht, was der Patientin wirklich fehlt. Nur lässt sich ihr Leiden mit medizinischen Mitteln nicht stoppen ...
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Seitenzahl: 119
Veröffentlichungsjahr: 2024
Cover
Jeden Tag ein neues Leiden
Vorschau
Impressum
Jeden Tag ein neues Leiden
Arztroman über eine Hypochonderin
Von Mona Marquardt
Annika wird von Magenschmerzen gequält. Als sie im Internet nach möglichen Ursachen sucht, bricht für sie eine Welt zusammen. Die Schmerzen können ein Anzeichen für Eierstockkrebs sein, heißt es da, und erst vor Kurzem ist Annikas Tante Gerda an dieser Krankheit gestorben.
Fest davon überzeugt, todkrank zu sein, lässt Annika sich in der Berling-Klinik untersuchen und erhält eine überraschende Diagnose: Sie hat keinen Tumor, sondern eine harmlose Entzündung.
Als diese auskuriert ist, ist ihr Leidensweg jedoch nicht vorüber. Bald plagen sie unerklärliche Fieberschübe, es folgen Schlafattacken und ein Stechen in der Brust. Immer wieder sucht sie die Berling-Klinik auf, jedes Mal mit einem neuen Leiden.
Dr. Stefan Holl hat längst einen Verdacht, was der Patientin wirklich fehlt. Nur lässt sich ihr Leiden mit medizinischen Mitteln nicht stoppen ...
Seit dem Start im ägyptischen Hurghada starrte Annika Kobell auf den Touch-Screen-Monitor, der am Flugzeugsitz vor ihr angebracht war. Statt eines Films hatte sie die Ansicht der Flugroute gewählt und beobachtete das stilisierte Flugzeug auf dem Weg Richtung Heimat. Obwohl ihr Freund Severin zu Hause auf sie wartete, wollte sie nicht zurück nach München.
Annika legte eine Hand auf den Magen, der seit Tagen rumorte und schmerzte. Beim Anblick des leeren Platzes neben sich ging es ihr noch schlechter. Das elende Gefühl, das sie seit sechs Wochen fest im Griff hatte, schnürte ihr die Kehle zu.
Gerda hätte dort sitzen sollen. Ihre geliebte Tante Gerda, die nach dem allzu frühen Tod ihrer Eltern die Mutterrolle übernommen hatte.
In all den Jahren war sie mit ihrer zarten, kränkelnden Nichte durch dick und dünn gegangen. Sie hatte an Annikas Bett gesessen und ihre fieberheiße Stirn gekühlt. Sie hatte Brühe gekocht und Zwiebelsaft gegen den bellenden Husten gemacht. Gerda war immer dagewesen. Sie hatte mit Annika bunte Bilder gemalt, Plätzchen mit ihr gebacken und Ostereier gefärbt.
Sie war an Annikas Seite gewesen, als ihre Mitschülerinnen sie gemobbt hatten. Sie hatte ihr zur Beruhigung Baldriantee gekocht, als sie das Abitur zum zweiten Mal machen musste. Gerda hatte sie getröstet, als ihre große Liebe zerbrochen war, und feierte mit ihr die neue Beziehung zu einem Unternehmensberater. Da Severin beruflich viel unterwegs war, begleitete Gerda die Ausbildung ihrer Nichte zur Buchhalterin, und sie war für Annika dagewesen, als sie am zehnten Todestag ihrer Eltern am Grab zusammengebrochen war.
Zuerst bestand der Verdacht eines Herzinfarktes. Doch in der Berling-Klinik wurde schnell eine andere Diagnose gestellt. Mit gerade einmal einundzwanzig Jahren litt Annika am sogenannten Broken-Heart-Syndrom.
Ihre Gefäße waren nicht verkalkt, sondern hatten sich verkrampft. Die Verengung unterbrach die Versorgung des Herzens und hatte sie kollabieren lassen. Chefarzt Dr. Stefan Holl und sein Team rieten ihrer jungen Patientin dazu, ihr inneres Gleichgewicht wiederherzustellen. Ein geregelter Tagesablauf, keine unnötige Aufregung und auch kein beruflicher Stress, dafür Yoga und Meditation, Zuwendung von geliebten Menschen und viele positive Erfahrungen.
»Nach all den anstrengenden, aufregenden Jahren solltest du mal eine Auszeit einlegen«, hatte Gerda gesagt. »Ich mache sogar mit. Im Verlag ist in letzter Zeit so viel los, da habe ich mir einen Urlaub verdient.«
Zuerst war Annika skeptisch gewesen. Sollte sie wirklich ohne Severin, seit ein paar Monaten ihre Liebe, in den Urlaub fliegen?
Über diese Bedenken hatte die unverheiratete Gerda nur gelacht.
»Deine Gefühle in Ehren. Aber Severin ist auch die ganze Zeit unterwegs. Wenn du auf ihn wartest, kommst du nie mehr in den Urlaub.«
Immer noch zweifelnd, gab Annika schließlich nach, und Gerda buchte ein Wellnesshotel in Ägypten.
Abermals blinzelte Annika auf den leeren Platz neben sich. Ihre Kehle wurde noch enger, doch ihre Gedanken kehrten unerbittlich in die Vergangenheit zurück.
Drei Wochen vor dem Urlaub hatte Gerda sie aus dem Krankenhaus angerufen. Im Beisein von Dr. Stefan Holl hatte Annika erfahren, dass ihre geliebte Tante schon seit Monaten unter Bauchschmerzen und Verdauungsbeschwerden litt, ausgelöst durch einen bislang unentdeckten Eierstockkrebs. Der Tumor hatte sich bereits auf andere Organe im Becken und der Bauchhöhle ausgedehnt und in weiter entfernt liegende Organe des Körpers gestreut.
»Ich werde den Urlaub sofort stornieren und dir beistehen«, hatte Annika nach dem ersten Schock spontan versichert.
»Auf gar keinen Fall. Du wirst fliegen. Selbst wenn das mein letzter Wunsch sein sollte«, beharrte Gerda.
Nur drei Tage später war der Anruf von Dr. Holl gekommen, dass Gerda in der Nacht an einer Thrombose im Bauchraum gestorben war.
Unter Schock verließ Annika die Berling-Klinik. Unter Schock organisierte sie die Beerdigung und erledigte all die Dinge, die in einem Trauerfall zu tun waren.
»Es tut mir so unfassbar leid, dass ich nicht öfter bei dir sein kann, mein Schatz«, versicherte Severin immer wieder am Telefon. »Aber ich kann leider nicht weg aus China. Dieser Auftrag ist unfassbar wichtig.«
»Kannst du wenigstens mit nach Hurghada fliegen?«, bat Annika kläglich. Vergeblich.
Unter Schock hatte sie im Fünf-Sterne-Luxusressort eingecheckt, immer noch unter Schock und mit kaum einer Erinnerung an die vergangenen zehn Tage befand sie sich nun auf dem Rückflug.
Die Stewardess kam zu ihr und beugte sich herab. »Ist alles in Ordnung mit Ihnen?«
Im selben Moment geriet das Flugzeug in ein Luftloch. Schlagartig verlor es einige Meter an Höhe. Annikas Magen protestierte vehement. Ob sich Gerdas Krebs so angefühlt hatte?
»Ich habe Bauchschmerzen«, klagte sie und bekam ein Medikament gegen Übelkeit von der Flugbegleiterin.
Annika lehnte den Kopf zurück und schloss die Augen. Nicht lange danach kündigte der Pilot den Landeanflug an. Aber Annika wollte nicht zurück. Sie wollte nicht nach Hause und schon gar nicht zurück in ein Leben ohne Gerda. Wenn doch wenigstens Severin dagewesen wäre. Doch der weilte noch immer im fernen China und kam erst in ein paar Tagen zurück.
***
»Guten Morgen, mein Schatz!«, hörte Annika im Dämmerschlaf. Sie öffnete die Augen und blinzelte ins helle Licht.
Mühsam setzte sie sich auf und fuhr sich mit den Fingern durch die hellbraunen Haare. Wenn sie schon vergessen hatte, dass Severin nach Hause kam, wollte sie wenigstens halbwegs hübsch aussehen.
Schritte knarrten auf dem Parkett. Die Schlafzimmertür öffnete sich.
»Du liebe Zeit!« Statt einer zärtlichen Begrüßung starrte Severin seine Freundin nur an. »Du siehst aus wie ein leibhaftiges Gespenst.«
Das Kissen bauschte sich um Annikas Kopf, als sie sich wieder hineinfallen ließ. Sie verkniff sich ein Ächzen und rieb unter der Bettdecke ihren schmerzenden Bauch.
»Kein Wunder. Ich schlafe seit Wochen schlecht.« Sie schickte ihm einen bittenden Blick. »Tut mir leid, dass ich dich nicht vom Flughafen abgeholt habe. Ich muss den Wecker überhört haben.«
Severins Miene wurde weich. Er setzte sich auf die Bettkante und wischte ihr eine Strähne aus dem Gesicht.
»Das dachte ich mir fast. Kein Wunder nach allem, was du in letzter Zeit durchgemacht hast.« Er beugte sich über sie und küsste sie. »Hauptsache, du bist jetzt da. Weißt du eigentlich, wie sehr du mir in all den Wochen gefehlt hast?« Auf der Suche nach ihrem Körper glitten seine Hände unter die Bettdecke.
»Mir geht es wirklich nicht gut.«
Die Enttäuschung stand Severin ins Gesicht geschrieben. Widerwillig zog der die Hände zurück. »Bist du etwa krank?«
»Seit dem Urlaub tut mein Magen weh.«
»Die Hygiene in Hurghada ist bestimmt nicht besser als in China. Warum unternimmst du nichts dagegen? Zum Glück leben wir in einem modernen Land mit einem hervorragenden Gesundheitssystem.«
»Erstens war das Hotel supersauber, zweitens habe ich nur wenig gegessen. An den hygienischen Bedingungen kann es also nicht liegen«, widersprach Annika matt. »Außerdem war ich gleich nach meiner Rückkehr in der Apotheke und habe mir irgendein Mittel gegen Magenbeschwerden gekauft. Leider hat es nicht geholfen. Ganz im Gegenteil. Ich habe das Gefühl, dass es immer schlimmer wird.«
Severin runzelte die Stirn.
»Hast du nicht erzählt, dass deine Tante Gerda auch unter Magenschmerzen litt?«, fragte er arglos, und Annikas Nackenhaare kräuselten sich. Er bemerkte ihren entsetzten Blick nicht, erhob sich von der Bettkante und reckte und streckte sich. »Ich springe schnell unter die Dusche und schlüpfe dann zu dir unter die Bettdecke. Nach dem anstrengenden Flug brauche ich dringend ein paar Stunden Schlaf.«
Annika starrte ihm nach.
Sein achtlos dahingesagter Satz klingelte noch immer in ihren Ohren. Bis jetzt hatte sie den Gedanken an Gerdas Beschwerden tapfer verdrängt. Doch Severins Bemerkung hatte die Schleusen geöffnet. Mit zitternden Fingern nahm sie das Handy vom Nachttisch. Sie öffnete das Internet und tippte Eierstockkrebs in das Suchfeld ein.
»Unklare Schmerzen im Bauchraum, unklare Verdauungsbeschwerden, Blutungen außerhalb der Monatsregel, häufiges Wasserlassen«, las sie atemlos. »Wegen der meist späten Diagnose schlechte Prognose.«
Annika blinzelte, weil ihr schummrig wurde. Doch der Text veränderte sich nicht. Am ganzen Körper zitternd, schwang sie die Beine aus dem Bett und schlang die Arme um den Leib. Vor ihrem geistigen Auge lösten sich ihre Eierstöcke auf. Wie weit ihre Erkrankung wohl schon vorangeschritten war?
Nur mit einem Handtuch um die schmalen Hüften kehrte Severin ins Schlafzimmer zurück. Wassertropfen glitzerten auf seiner nackten Brust und fielen aus seinen Haaren ins Gesicht. Er sah herzergreifend gut aus, doch Annika hatte keinen Blick für seine Schönheit.
»Ich muss weg!«, stöhnte sie und stürzte an ihm vorbei aus dem Schlafzimmer.
Die Enttäuschung schmeckte bitter wie Galle. Nach den Wochen in China hatte er sich auf eine leidenschaftliche Begrüßung und auf die wenigen gemeinsamen Tage gefreut, ehe er wieder zurück nach Fernost musste. Doch es sah ganz danach aus, als ob er sich selbst um seine Freizeit kümmern musste.
***
Seit ihre geliebte Tante tot war, hatte Annika keinen einzigen ernsthaften Gedanken mehr an ihre Beziehung verschwendet. Und auch an diesem Morgen hatte sie anderes zu tun. In ihrem kleinen Büro neben dem Schlafzimmer, in dem auch ihr Kleiderschrank stand, schlüpfte sie schnell in Jeans und einen beigen Zopfpullover. Sie zerrte ihre Jacke von der Garderobe, ließ die Schlüssel in die Handtasche fallen und zog die Wohnungstür hinter sich zu. Im Laufschritt eilte sie durch die Stadt, bis ihre Lunge brannte. Dieser Schmerz lenkte sie wenigstens von dem Grauenvollen ab, das sie gerade erfahren hatte.
Um Atem ringend, blieb sie schließlich vor der Berling-Klinik stehen.
Als sensibles, stets kränkelndes Kind war sie früher oft hier gewesen, erst recht nach dem Unfalltod ihrer Eltern. Doch nach und nach hatte Gerdas Fürsorge, die Liebe und Sicherheit, die sie ihrer Nichte vermittelt hatte, Früchte getragen. Die Gesundheit der zarten Annika war stabiler geworden. Zumindest hatten beide das gedacht bis zu jenem unglückseligen Tag im vergangenen Jahr, als Annika mit dem Broken-Heart-Syndrom eingeliefert worden war. Seitdem kam sie regelmäßig zu Kontrolluntersuchungen und kannte den Weg zu Dr. Holl im Schlaf.
»Guten Morgen, Frau Wolfram«, grüßte sie Stefan Holls Assistentin im Vorzimmer.
»Frau Kobell, das ist ja eine Überraschung.« Moni Wolfram erinnerte sich sofort an Gerdas tragischen Tod vor ein paar Wochen. Seither hatte sie Annika nicht mehr zu Gesicht bekommen. Die Frage nach ihrem Wohlbefinden verbot sich von selbst. »Ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie leid es mir tut, dass Ihre Tante so plötzlich von uns gegangen ist«, bekundete sie ihr Mitgefühl.
Schlagartig kämpfte Annika mit den Tränen.
»Danke. Könnten Sie bitte nachsehen, ob Doktor Holl kurz Zeit für mich hat?«, fuhr sie schnell fort.
Ein Blick in den Kalender genügte.
»Sie haben Glück. Montagmorgen hält der Chef seine Privatsprechstunde ab. Ich schiebe Sie gleich vorne rein. Zweiter Stock, Zimmer elf.«
Annika bedankte sich und machte sich auf den Weg zur Gynäkologie. Stefan Holl begrüßte sie. Sie hatten einander zuletzt bei Gerdas Beerdigung gesehen. Damals hatte Annika schlecht ausgesehen. Jetzt erschrak der Klinikleiter regelrecht.
»Bitte, kommen Sie herein.« Er bot ihr den Stuhl vor dem Schreibtisch an. »In den vergangenen Wochen habe ich mehrmals versucht, Sie telefonisch zu erreichen. Leider vergeblich.«
»Ich habe Tante Gerdas letzten Wunsch erfüllt und den Urlaub in Hurghada gemacht, den wir gemeinsam verbringen wollten«, berichtete Annika stockend.
»Leider scheint der Urlaub seinen Zweck nicht erfüllt zu haben«, musste Stefan Holl zu seinem Leidwesen feststellen.
Sie zuckte mit den Schultern. »Ehrlich gesagt kann ich mich kaum daran erinnern. Zwischendurch hatte ich schon Angst, an Alzheimer erkrankt zu sein. Heute früh habe ich sogar vergessen, dass mein Freund für ein paar Tage aus China zurückkommt.« Sie seufzte. »Ich fürchte, ich habe ihn sehr enttäuscht.«
»Auch wenn Sie mit Sicherheit nicht an Alzheimer leiden, können Sie nichts dafür«, erwiderte Dr. Holl. »Wenn ein Mensch seine Trauerreaktion nicht mehr kontrollieren kann und keinen Ausweg mehr findet, zeigt er unter Umständen Symptome einer Depression«, versuchte er, seiner Patientin wenigstens diese Sorge zu nehmen. »In einer Depression ist man so in sich selbst versunken, dass man Dinge um sich herum nicht richtig wahrnimmt und sich nicht konzentrieren kann. Deshalb bleiben viele Informationen nicht im Gedächtnis hängen.«
Wenigstens ein Grund zur Hoffnung! Annika wollte schon aufatmen, als ihr Magen sie daran erinnerte, warum sie vor Dr. Holls Schreibtisch saß.
»Ich glaube, ich habe auch Eierstockkrebs«, verkündete sie die Hiobsbotschaft.
»Wie kommen Sie denn darauf?«
Annika schilderte die Symptome, die sie seit Wochen quälten. Sie beschrieb die Übelkeit und die Magenschmerzen. »Außerdem musste ich heute Nacht drei Mal aufstehen, um auf die Toilette zu gehen. Sehen Sie nur, mein Bauch wölbt sich schon richtig vor, weil mein Körper so viel Wasser speichert.« Zum Beweis zog sie den Pullover hoch und fuhr über den flachen Leib.
»Sie sind rank und schlank wie immer«, stellte Stefan Holl fest. Die Tastatur klapperte, als er seine Notizen in die Patientenakte eintrug. »Meinetwegen dürften Sie gerne ein paar Kilo zunehmen.«
»Wie soll das gehen, wenn der Krebs mich auffrisst?«
»Wir werden sehen.« Dr. Holl erhob sich und bat seine Patientin auf die Untersuchungsliege. »Bitte schieben Sie Pullover und T-Shirt hoch. Gibt es Vorerkrankungen im Magen-Darm-Bereich?«, erkundigte er sich und tastete den Leib ab.
»Nein.« Annika stöhnte vor Schmerzen.
»Wo tut es denn mehr weh?« Er drückte unterhalb der Rippen. »Hier?« Er drückte um den Bauchnabel herum. »Oder hier?«
»Das tut beides sehr weh«, ächzte Annika.
»Ich habe einen Verdacht, was Ihnen fehlt.« Mit diesen Worten beendete Dr. Holl die körperliche Untersuchung. »Um aber wirklich nichts zu übersehen, machen wir jetzt noch einen vaginalen Ultraschall. So lassen sich nicht nur die Eierstöcke, sondern auch die Gebärmutter, Eileiter und die Harnblase untersuchen.«
Er bat seine Patientin auf den gynäkologischen Stuhl. Die Untersuchung dauerte nicht lange. Mit einem aufmunternden Lächeln bat er sie, sich wieder anzuziehen.
»Zumindest in dieser Hinsicht ist alles in schönster Ordnung«, versuchte er, sie zu beruhigen.
