Chefarzt Dr. Holl 1987 - Mona Marquardt - E-Book

Chefarzt Dr. Holl 1987 E-Book

Mona Marquardt

0,0
1,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Robert Sonnenberg genießt sein Leben. Der Psychologieprofessor gilt als Koryphäe seines Fachs, er reist zu internationalen Kongressen und hält umjubelte Vorträge. Mit Mitte fünfzig ist er ein Mann in den besten Jahren, und er liebt es, bewundert zu werden.
Sorgen bereiten ihm jedoch die Aussetzer, die ihm neuerdings widerfahren. Einmal vergisst er mitten in einem Vortrag, wie es weitergeht. Ein anderes Mal erkennt er eine alte Bekannte nicht.
Als Robert wieder einmal von einer Kongressreise in seine Heimatstadt München zurückkehrt und den Bahnhof verlässt, bleibt er wie angewurzelt stehen. Denn plötzlich weiß er nicht mehr, wo er ist. Ob Geschäfte, Straßen oder Restaurants - nichts erkennt er wieder. Da überfällt ihn die nackte Angst ...


Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 124

Veröffentlichungsjahr: 2024

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Inhalt

Cover

Wenn das Leben verblasst ...

Vorschau

Impressum

Wenn das Leben verblasst ...

Ergreifendes Schicksal eines Alzheimer-Patienten

Von Mona Marquardt

Robert Sonnenberg genießt sein Leben. Der Psychologieprofessor gilt als Koryphäe seines Fachs, er reist zu internationalen Kongressen und hält umjubelte Vorträge. Mit Mitte fünfzig ist er ein Mann in den besten Jahren, und er liebt es, bewundert zu werden.

Sorgen bereiten ihm jedoch die Aussetzer, die ihm neuerdings widerfahren. Einmal vergisst er mitten in einem Vortrag, wie es weitergeht. Ein anderes Mal erkennt er eine alte Bekannte nicht.

Als Robert wieder einmal von einer Kongressreise in seine Heimatstadt München zurückkehrt und den Bahnhof verlässt, bleibt er wie angewurzelt stehen. Denn plötzlich weiß er nicht mehr, wo er ist. Ob Geschäfte, Straßen oder Restaurants – nichts erkennt er wieder. Da überfällt ihn die nackte Angst ...

Die Umrisslinie der Terrassentür rahmte einen Teil des Gartens ein, der im Licht der Morgensonne leuchtete. Denisa saß am Schreibtisch ihres Hauses am Englischen Garten und sah hinaus auf die frühlingshafte Pracht. Schlüsselblumen, Veilchen und Buschwindröschen blühten in den Beeten unter Kornelkirschen und Salweiden. Ein früher Schmetterling gaukelte durch die Luft, eine Bande Spatzen jagte tschilpend durch Sträucher und Bäume.

Bevor Denisa in die Arbeit ging, wollte sie noch einen Artikel fertigstellen, der in einer Fachzeitschrift für Verhaltensbiologie erscheinen sollte.

Auf der Digitaluhr auf dem Schreibtisch war es acht Uhr morgens. Diese Uhrzeit und Roberts hektische Schritte verrieten ihr, dass ihr Mann Anstalten machte, das Haus zu verlassen, aber irgendetwas vergessen hatte, das er nicht finden konnte. Ihre Finger verharrten reglos über der Computertastatur, während sie auf die Digitalziffern der Uhr starrte und darauf wartete, dass er ins Zimmer stürmte.

»Isi?«

Denisa schob die Tastatur weg und seufzte. »Kannst du dein Portemonnaie nicht finden?«

»Ich suche meine Schlüssel. Wenn ich nicht bald loskomme, verpasse ich meinen Zug.«

Denisa erhob sich vom Stuhl und folgte ihm in die Küche. Ihr Blick glitt über die spiegelnde, aufgeräumte Granitoberfläche des Küchentresens. Der Schlüsselbund lag neben der silbernen Obstschale, in der sich Bananen und die letzten Mandarinen der Saison tummelten. Er war nicht versteckt unter einem Stapel Zeitungen und Zeitschriften, sondern lag unschuldig da.

Nicht zum ersten Mal fragte sich Denisa, wie ein gebildeter Wissenschaftler wie ihr Mann Robert etwas nicht sehen konnte, das direkt vor ihm lag.

Sie hielt den Bund hoch und ließ die Schlüssel klappern.

»Was bekomme ich als Belohnung?« In ihren dunklen Augen blitzte der Schalk.

»Isi, bitte! Ich habe keine Zeit für solche Scherze. Wenn ich mich nicht beeile, geht der Zug ohne mich.« Wie ein Staffelläufer den Stab schnappte Robert die Schlüssel und eilte in den Flur, wo schon sein Koffer auf ihn wartete.

Ernüchtert stand Denisa in der Küche und sah ihm nach.

»Bist du am Samstag zu Hause?«, fragte sie seinen Rücken.

»Ich bin noch nicht sicher. Du weißt doch, wie das ist, wenn man länger nicht an seinem Arbeitsplatz ist. Da bleibt viel liegen.« Robert steckte Handy, Portemonnaie und Schlüssel ein und griff nach dem Rollkoffer. »Auf Wiedersehen, mein Schatz. Hab eine schöne Woche.« Er beugte sich über sie.

»Gute Reise.« Denisa wollte ihre Hände in seinen Nacken legen und ihn an sich ziehen.

Doch ihr Mann drückte ihr nur einen flüchtigen Kuss auf die Stirn und war auch schon zur Tür hinaus.

Sehnsüchtig dachte Denisa an früher, als sie jeden Morgen zusammen zu Fuß und Hand in Hand zur Universität gegangen waren. Was für eine wunderschöne Erinnerung! Sie dachte an die Zwischenstopps in dem kleinen Café an der Ecke, in dem sie Kaffee getrunken hatten, ehe sie weiter zur Leopoldstraße geschlendert waren. Dabei hatten sie über ihre Masterarbeit und seine Forschungen gesprochen, über die Scheidung von seiner Frau oder ihre Pläne am Abend. Denisa hatte die Vertrautheit dieser morgendlichen Spaziergänge mit Robert Sonnenberg genossen – mit Robert, ihrem ehemaligen Psychologie-Professor, in den sie sich während ihres Studiums unsterblich verliebt hatte.

Leider gehörten diese Zeiten längst der Vergangenheit an. Der Alltag hatte die Verliebtheit verdrängt. Schon seit einer Weile arbeitete Denisa in einem Institut für Verhaltensbiologie und hatte einen anderen Arbeitsweg. Robert dagegen nahm an immer mehr Psychologie-Konferenzen im In- und Ausland teil. Obendrein saß er in einer Prüfungskommission für die Verteidigung einer Doktorarbeit und hielt nach wie vor Vorlesungen.

In den ersten Jahren war Denisa blind gewesen vor Liebe und hatte Roberts Beteuerungen geglaubt, sie sei die Frau seines Lebens. Inzwischen war sie sich nicht mehr sicher. Nach Abschieden wie diesem wurde die Stimme in ihrem Inneren wieder lauter. Schließlich hatte er schon einmal eine Frau – seine erste Frau Ruth – betrogen. Warum also sollte er es nicht wieder tun? Beweise gab es keine. Nur diese unerträgliche Stimme, die in Momenten wie diesem immer lauter wurde.

Denisa kehrte an ihren Schreibtisch zurück und wandte sich wieder ihrem Artikel zu. Konzentrieren konnte sie sich aber nicht mehr. Ihre Gedanken wanderten weiter zu der Überraschung, die sie für Robert geplant hatte.

Sie wusste, dass er mit zärtlicher Liebe an seiner Tochter Liv aus erster Ehe hing. Und auch wenn Liv die Stiefmutter aus tiefstem Herzen hasste, ihr noch immer die Schuld für die Trennung der Eltern gab, hatte sie der Einladung fürs kommende Wochenende zugestimmt. Sie liebte die Idee, ihren verehrten Papa zu überraschen, und Denisa würde alles dafür tun, um noch einmal das verliebte Funkeln in seinen braunen Augen zu sehen, wenn er sich bei ihr für diese wunderbare Idee bedankte.

***

Am Nachmittag erreichte Professor Robert Sonnenberg den Hauptbahnhof von Zürich. Bei schönstem Sonnenschein brachte ein Taxi ihn zum Hotel, direkt am Zürichsee gelegen. Er bezahlte den Fahrer und betrat das Foyer.

Seine Gastgeber hatten nicht gespart. Obwohl Robert schon viele Hotellobbys gesehen hatte, stach ihm die besondere Kombination aus urbanem Lifestyle und mediterranem Flair sofort ins Auge. Die einmalige Lage und das stilvolle Design im Modern Art Déco Style machten den besonderen Charme des aufwendig renovierten Hotels aus. Denisa wäre begeistert gewesen. Doch an ihrer Stelle würde seine heimliche Geliebte Anna in diesen Genuss kommen.

Schnell schob Robert sein schlechtes Gewissen beiseite und trat an den Tresen, um sich anzumelden.

»Wir wünschen einen angenehmen Aufenthalt.« Die Rezeptionistin gab ihm seinen Personalausweis zurück.

Robert machte sich auf den Weg nach oben. Anna reiste erst am nächsten Nachmittag an. Einige wichtige Vorlesungen, die sie für den Abschluss ihres Studiums brauchte, hielten sie auf. Aber das machte Robert nichts aus. Er musste sich ohnehin noch auf seinen Vortrag am kommenden Morgen vorbereiten, den er als Gastredner zur Eröffnung einer Seminarreihe halten würde.

Doch zunächst genoss er die herrliche Aussicht auf den Zürichsee und das muntere Treiben auf den Straßen zu seinen Füßen. Besonders am Wasser war die Frühlingsluft noch kühl. Deshalb hielt er die Fenster geschlossen. Doch auch so war die Aussicht ein Genuss, genauso wie das ganze Ambiente. In dieser Umgebung ging ihm die Arbeit wie von selbst von der Hand. Nach dem Abendessen telefonierte er zuerst mit Denisa, dann mit Anna. Robert war häufig unterwegs, doch sie konnte ihn nicht jedes Mal begleiten. Umso mehr freuten sich beide auf die Stunden zu zweit.

In dieser Nacht träumte Robert von Annas jugendlichem Körper, von ihrer glatten, samtweichen Haut und dem bewundernden Strahlen in ihren Augen. Dieses Bild begleitete ihn am nächsten Morgen in das psychologische Institut der Universität Zürich.

Zu seiner Verwunderung war der Saal schon gut gefüllt, bei seinem Anblick erhellten sich bekannte Gesichter. Robert grüßte nach links und rechts, unterhielt sich mit Umstehenden und bedankte sich bei seinem Gastgeber für die Einladung und die hervorragende Unterbringung.

»Es freut mich, dass Sie zufrieden sind«, sagte Dr. Urs Weber. »Wenn Sie gut erholt sind, können Sie ja gleich frisch ans Werk gehen.« Er betrat das Podium, griff nach dem Mikrofon und bat um Ruhe.

Er wartete einen Moment, bis sich die rund einhundert Zuhörer gesetzt hatten. Nach und nach wurden die Stimmen leiser und verstummten schließlich ganz.

»Es ist mir eine Ehre, Ihnen heute den ersten Redner unserer Veranstaltung vorzustellen. Professor Robert Sonnenberg ist der herausragende Experte für Psychologie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Im Laufe der letzten neunzehn Jahre seiner beeindruckenden Karriere hat er wegweisende Forschungsergebnisse im Bereich der Psycholinguistik erzielt. Es ist uns eine Ehre, ihn heute zu seinem Vortrag mit dem Titel ›Worterwerb und Wortverarbeitung – Entwicklung, Störungen und Intervention‹ begrüßen zu dürfen.«

Robert betrat das Podium, Applaus brandete auf. Aufgeregt war er schon lange nicht mehr. Er hatte diesen Vortrag in ähnlicher Form schon unzählige Male gehalten und kannte ihn auswendig. Er nickte seinem Helfer zu, der den Computer steuerte und die Präsentation auf die Leinwand hinter dem Rednerpult projizierte. Dann begann er zu sprechen, entspannt, mühelos und ohne einen Blick auf seine Unterlagen werfen zu müssen.

Nach etwa fünfundzwanzig Minuten des vierzigminütigen Vortrags blieb er plötzlich stecken.

»Die eben präsentierten Daten legen den Schluss nahe, dass eine ...«

Robert wollte das Wort einfach nicht einfallen. Er hatte zwar eine vage Vorstellung davon, was er sagen wollte, aber der Begriff selbst wollte ihm nicht in den Sinn kommen. Er war einfach verschwunden, wie ausradiert aus seinem Gedächtnis. Während er verzweifelt nach einem anderen Ausdruck suchte, raste sein Herz. Feine Schweißperlen traten auf seine Stirn. Ihm war noch nie bei einem Vortrag ein Wort entfallen.

Robert befahl sich, tief durchzuatmen. Er warf einen Blick auf seine Unterlagen und setzte den Vortrag an anderer Stelle fort. Die Pause war ihm wie eine Ewigkeit erschienen. Als er aber die Gesichter der Zuhörer studierte, schien niemand beunruhigt oder verwundert zu sein. Robert Sonnenberg atmete noch einmal tief durch und beendete den Vortrag ohne weitere Schwierigkeiten.

***

Leider war das schöne Wetter nicht von Dauer gewesen. Ein Tiefdruckgebiet hatte von Westen Wolken nach Deutschland geschoben. Der Himmel zeigte sich in Einheitsgrau, seit Stunden wisperte der Regen vor dem Fenster.

Um dem noch jungen Tag wenigstens ein bisschen Gemütlichkeit abzutrotzen, hatte Julia Holl eine Kerze auf dem Frühstückstisch angezündet.

»Schade, dass wir es uns in der Schule nicht so schön machen dürfen«, murrte Juju, das elfjährige Nesthäkchen der Familie. »Dann würde ich viel lieber hingehen.«

»Und den ganzen Vormittag Wachsfigürchen basteln, statt aufzupassen«, neckte ihr fünfzehnjähriger Bruder Chris und betrachtete den kleinen Vierbeiner, den Juju aus dem noch warmen Wachs geformt hatte, das an der Kerze herabgelaufen war.

»Stimmt doch gar nicht. Wenn meine Hände etwas zu tun haben, kann ich viel besser aufpassen.«

»Und wenn du nicht bald dein Brot aufisst, kommst du viel zu spät zum Unterricht«, mahnte Julia mit einem Blick auf die Uhr.

Plötzlich brach Hektik aus. Juju stopfte sich das letzte Stück Marmeladenbrot in den Mund und machte sich auf die Suche nach ihren Sportsachen. Chris dagegen fiel plötzlich ein, dass er seinem besten Freund versprochen hatte, ihm ein Buch zu leihen, das auf wundersame Weise wie vom Erdboden verschwunden war.

Mit der tatkräftigen Unterstützung der Eltern fanden sich Buch und Sportzeug schnell. Umarmungen und Küsse wurden getauscht, man wünschte sich einen schönen Tag, und Julia sah den beiden nach, bis sie um die Ecke verschwunden waren.

Sie kehrte an den Frühstückstisch zurück, wo Stefan inzwischen mit der Zeitung raschelte. Als Chefarzt der Berling-Klinik war Dr. Stefan Holl tagsüber und oft bis in die Abendstunden hinein sehr beschäftigt. Umso mehr genoss er ein paar ruhige Minuten mit seiner Frau.

»Erinnerst du dich an Professor Sonnenberg?«, fragte er, als Julia frischen Kaffee einschenkte.

»Ist das nicht der Psychologe, der neulich in der Klinik einen Vortrag über Psycholinguistik gehalten hat?«

»Ein unglaublich spannendes Gebiet«, bestätigte Stefan. »Im Wissenschaftsteil ist ein Artikel über ihn und seine neuesten Forschungsergebnisse abgedruckt.«

Als leidenschaftliche Mutter hatte sich Julia mit Freuden der Erziehung der vier gemeinsamen Kinder gewidmet. Doch nicht mehr lange, dann würde auch dieser Lebensabschnitt vorüber sein. In zwei Jahren, wenn Juju dreizehn Jahre alt war, wollte Julia wieder in ihren Beruf als Kinderärztin einsteigen. Schon deshalb hatte sie in den vergangenen Jahren darauf geachtet, nicht den Anschluss zu verlieren. Stefan unterstützte sie dabei nach Kräften. Wenn seine Frau schon für die Familie auf ihre eigene Karriere verzichtet hatte, wollte er alles dafür tun, um sie auf dem Laufenden zu halten.

Julia blickte von ihrer Tasse hoch. Ihre Augen leuchteten.

»Oh, das klingt spannend. Was haben er und sein Team diesmal entdeckt?«

»Offenbar geben bestimmte sprachliche Muster tiefe Einblicke in das psychologische Wohlbefinden eines Menschen. Ihre Forschung geht weit über das übliche Maß hinaus.«

»Wie faszinierend. Wie genau funktioniert das?«

»Professor Sonnenberg hat eine Verbindung zwischen bestimmten sprachlichen Mustern und psychischen Zuständen entdeckt. Demnach können bestimmte Worte oder Formulierungen auf Stresssituationen oder gar Depressionen hinweisen.«

Julia horchte auf. »Wenn das stimmt, könnte das auch in der Behandlung von Kindern völlig neue Perspektiven eröffnen.«

Stefan teilte die Begeisterung seiner Frau. »Das sehe ich genauso. Wir könnten diese Erkenntnisse auch bei erwachsenen Patienten in der Klinik nutzen, um frühzeitig psychologische Herausforderungen zu erkennen und angemessen darauf zu reagieren. Sie könnten das Verständnis von psychischer und körperlicher Gesundheit revolutionieren.«

Eine Mischung aus Aufregung und Neugier machte sich breit. Stefan und Julia spannen Ideen, wie sie die Forschung von Professor Robert Sonnenberg in nicht allzu ferner Zukunft in ihre Arbeit integrieren konnten.

Die nahen Kirchturmglocken erinnerten den Klinikchef schließlich daran, dass es auch für ihn Zeit zum Aufbruch wurde.

»Das wäre wirklich bahnbrechend«, sagte er auf dem Weg in die Küche.

Julia folgte ihm mit leer gegessenen Tellern und Besteck. »Vielleicht solltest du darüber nachdenken, Professor Sonnenberg zu kontaktieren und ihn um eine Zusammenarbeit zu bitten.«

»Du hast wie immer die besten Ideen.« Stefan beeilte sich, die Tassen in die Spülmaschine zu stellen, um Julia zu küssen. »Was täte ich nur ohne dich?«

»Zum Glück musst du dir darüber keine Gedanken machen«, scherzte sie in seinen Armen. »Mich wirst du nämlich in diesem Leben nicht mehr los.«

***

Graues Licht fiel durch die Fenster des Instituts, als Denisa an diesem Dienstagmorgen ihr Büro betrat, einen Stapel wissenschaftlicher Unterlagen in der Hand. Wie immer empfing sie das leise Summen von Computern. Auch die gedämpften Stimmen ihrer Kollegen waren zu hören.

Ihr Lieblingskollege Moritz Brandhorst war auch schon da. In seine Arbeit vertieft, saß er am Schreibtisch. Denisa legte ihre Unterlagen ab und setzte sich. Sie wollte ihren Computer einschalten, als sie ein längliches Päckchen auf ihrem Schreibtisch entdeckte. Wieder einmal ein Geschenk von Moritz? Dabei hatte sie ihm doch gesagt, er solle damit aufhören. Sie wickelte es aus. Ein Schokoriegel befand sich darin, auf dem Papier der Aufdruck ›Du bringst Süße in mein Leben‹. Sie schluckte.

»Guten Morgen, Schönheit. Ich hoffe, wohl geruht zu haben.« Unbemerkt war Moritz neben ihr aufgetaucht.

Denisa erwiderte sein Lächeln. »Ausnehmend gut sogar. Ich bin allein zu Hause.«

»Sag bloß, dein Professor ist schon wieder unterwegs?«

»So ist das nun einmal, wenn man mit einer Koryphäe verheiratet ist. Ich wusste vorher, worauf ich mich einlasse.«

Das war nicht die Wahrheit. Zu Beginn ihrer Beziehung waren Vortrags- und andere berufliche Reisen die Ausnahme gewesen. Robert war das ganz recht gewesen. Er ließ seine junge Frau nur ungern allein und wachte eifersüchtig über sie. Doch auch diese Zeiten waren lange vorbei.