H. C. Hollister 113 - H.C. Hollister - E-Book

H. C. Hollister 113 E-Book

H. C. Hollister

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Beschreibung

Während des Sezessionskrieges waren sie die härteste Crew der Texas-Brigade, jene sechs Männer von der C-Schwadron, die sich Jahre später in der Grenzstadt El Paso wieder zusammenfinden: ein Anwalt, ein Schauspieler, ein Satteltramp, ein Saloonkeeper und ein kleiner mexikanischer Stallhelfer. Nur einer fehlt in dieser alten Mannschaft: der Marshal Dan McLaren, der jetzt in einer Zelle sitzt und dem nächsten Morgen entgegenbangt.
Ambrose Dewey, der mächtigste Mann der rauen Gilde von El Paso, und seine Kreaturen sonnen sich im Glanz ihres kommenden Triumphes. Sie haben nicht nur die Stadt, sondern einen ganzen Distrikt mitsamt den Minencamps der Umgebung unter ihre Kontrolle gebracht. Der einzige Mann, der ihnen noch im Wege stand, wird am nächsten Morgen hängen. Wer könnte da noch gegen die Herrschaft dieses Banditenrudels aufbegehren? Aber sie haben nicht mit einer Handvoll entschlossener Männer gerechnet, die auch einen noch so verzweifelten Kampf nicht scheuen, um einen unschuldig verurteilten Freund vor dem Galgen zu retten ...

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Seitenzahl: 155

Veröffentlichungsjahr: 2024

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Inhalt

Cover

WETTERLEUCHTEN IN EL PASO

Vorschau

Impressum

WETTERLEUCHTENIN EL PASO

Während des Sezessionskrieges waren sie die härteste Crew der Texasbrigade, jene sechs Männer von der C-Schwadron, die sich Jahre später in der Grenzstadt El Paso wieder zusammenfinden: ein Anwalt, ein Schauspieler, ein Satteltramp, ein Saloonkeeper und ein kleiner mexikanischer Stallhelfer. Nur einer fehlt in dieser alten Mannschaft: der Marshal Dan McLaren, der jetzt in einer Zelle sitzt und dem nächsten Morgen entgegenbangt.

Ambrose Dewey, der mächtigste Mann der Rauen Gilde von El Paso, und seine Kreaturen sonnen sich im Glanz ihres kommenden Triumphes. Sie haben nicht nur die Stadt, sondern einen ganzen Distrikt mitsamt den Minencamps der Umgebung unter ihre Kontrolle gebracht. Der einzige Mann, der ihnen noch im Wege stand, wird am nächsten Morgen hängen. Wer könnte da noch gegen die Herrschaft dieses Banditenrudels aufbegehren? Aber sie haben nicht mit einer Handvoll entschlossener Männer gerechnet, die auch einen noch so verzweifelten Kampf nicht scheuen, um einen unschuldig verurteilten Freund vor dem Galgen zu retten ...

Acht Meilen waren es noch bis El Paso. Der Nachmittag war schon vorangeschritten und die Sonne stand tief im Westen. Eine ganze Wolke von Fliegen umsummte die beiden Braunen, die sich in gemächlichem Trab fortbewegten. Wenn man von dem verschwitzten Kragen absah, den Barney Mills ausnahmsweise geöffnet hatte, war seine augenblickliche Gemütsverfassung völlig ausgeglichen. Das aber sollte sich schon in der nächsten Minute ändern, als drei Reiter aus einem schmalen Nebenweg galoppierten, den Wagen umringten und dem Scharfrichter aus dem Apache County ihre Schießeisen unter die Nase hielten.

Wie gestochen fuhren Barney Mills' Hände in die Höhe, und während sein Gesicht dunkel anlief, stammelte er: »A-ber Gentlemen, das – das muss ein Irrtum sein. Ich versichere Ihnen ...«

»Meinst du wirklich, dass er es ist, Wes?«, unterbrach ihn einer der Reiter, ein untersetzter Bursche mit krausem Haar, und warf einen skeptischen Blick auf die zitternde Jammergestalt.

»Ich bin mir ziemlich sicher«, erwiderte der Angeredete, ein schlanker Mann mit schmalem, gebräuntem Gesicht. »Aber das werden wir gleich ganz genau herausfinden. – Los, Mister«, forderte er dann Barney Mills auf, »biegen Sie hier von der Straße ab und lenken Sie den Wagen hinter die Büsche dort drüben.«

Und als der eingeschüchterte Mills auf dem Bock noch zögerte, setzte er scharf hinzu: »Wird es bald?«

Mit einem erstickten Seufzer griff Barney Mills nach den Leinen und führte den Befehl aus. Diese drei Strauchritter sahen nicht so aus, als ob sie mit sich spaßen ließen. Das heißt, eigentlich sahen sie auch nicht wie Strauchritter aus. Nur einer von ihnen, ein langaufgeschossener, hagerer und weißblonder Bursche, wirkte ein bisschen wie ein Satteltramp und zeigte ein geradezu diabolisches Grinsen, das Barney Mills den Schweiß aus allen Poren trieb.

Ein Banditenrudel jedoch hatte er sich immer ganz anders vorgestellt – in Freiheit jedenfalls, denn in einer sicheren Gitterzelle hatte er schon genug Mitglieder dieser Gilde in Augenschein nehmen können, sei es auch nur, um Körpergewicht und Größe eines Delinquenten festzustellen. Wilde Gedanken schossen ihm durch den Kopf, als er hinter den Büschen, etwa zweihundert Yards von der Poststraße entfernt, sein Gespann zum Stehen brachte und mit innerem Beben der weiteren Entwicklung entgegensah.

»Absteigen«, forderte ihn der schmalgesichtige Reiter auf. »Machen Sie keine Umstände und gehen Sie ein bisschen spazieren, aber nur hier in der Nähe, verstanden?«

Barney Mills verstand gar nichts mehr, doch er kam seufzend der Anordnung nach. Kaum stand er jedoch auf dem Boden, als der hagere weißblonde Bursche vor ihm auftauchte und schleppend sagte: »Ihre Brieftasche, Freund! Rücken Sie schon damit heraus!«

Allem Anschein nach war es also doch ein ganz gewöhnlicher Raubüberfall, auch wenn diese Männer nicht den Eindruck von Straßenräubern erweckten. Fast war der Scharfrichter aus dem Apache County darüber ein bisschen erleichtert – besonders deshalb, weil er niemals größere Beträge in seiner Brieftasche aufzubewahren pflegte. Die vierzig Dollar, die sie im Augenblick enthielt, wollte er gern entbehren, wenn er nur mit heiler Haut davonkam.

»Hier«, krächzte er mit zitternder Stimme. »Ich muss schon sagen, eine Heldentat ist das nicht, Gentlemen, und ich möchte annehmen, dass daraus noch eine Menge Kummer für Sie erwächst.«

»Wir sind ja auch keine Helden«, sagte grinsend der weißblonde Satteltramp. »Und was den Kummer betrifft, so lassen Sie ihn getrost unsere Sorge sein, Mister ...«

Er warf einen Blick in die Papiere, die er in der Brieftasche entdeckt hatte, und setzte offenbar befriedigt hinzu: »Mr. Barney Mills, nicht wahr?«

Mit gespreiztem Daumen und Zeigefinger rückte der Scharfrichter seine Brille zurecht.

»Allerdings.« Er nickte würdig und beobachtete gespannt, wie der Hagere weiterhin den Inhalt der Brieftasche durchstöberte. Den wenigen Banknoten schien dieser Bursche merkwürdigerweise keinerlei Aufmerksamkeit zu schenken. Die Papiere hingegen hatten es ihm angetan. Und deshalb war Barney Mills erwartungsvoll gestimmt. Aus langer Erfahrung kannte er die Wirkung, die sein Beruf auf seine Mitmenschen ausübte. Gleich musste der Satteltramp die entsprechenden Hinweise entdecken. Und dann ...

»Es stimmt«, sagte der Hagere trocken und wandte sich an seine Begleiter, die inzwischen abgesessen waren. »Er ist es.«

»Zum Teufel, dann soll er sich endlich ein bisschen bewegen!«, klang da aus den Büschen eine Stimme, die Barney Mills zusammenzucken ließ. »Wie soll ich ihn denn studieren, wenn er bloß dasteht wie seinerzeit Lots Weib?«

Der schmalgesichtige Mann, der offenbar die Rolle eines Anführers übernommen hatte, nickte Barney Mills zu.

»Also los! Nehmen Sie Ihren Hut ab und bewegen Sie sich ganz so, als ob Sie sich bloß ein bisschen die Beine vertreten wollten.«

Der Gedanke, dass ihn jemand studieren sollte, aus welchem Grund auch immer, verunsicherte Barney Mills. Er stand wie angewurzelt da und ächzte: »Ich protestiere, Mister ...«

Der untersetzte Mann mit dem krausen Haar vollführte plötzlich einen Satz und stieß dabei ein Fauchen aus, das kaum von dem eines gereizten Pumas zu unterscheiden war. Dabei stieß er Barney Mills seinen Revolverlauf in die Rippen, sodass der eingeschüchterte Scharfrichter mit einem entsetzten Ächzen davonstolperte. Aus den Büschen erklang ein Kichern, das sich in Mills' Ohren geradezu diabolisch ausnahm.

»Weiter«, sagte der Kraushaarige feixend. »Noch ein paar Schritte. Jetzt kehren Sie um. Und nun noch einen höflichen Gruß mit Ihrem blödsinnigen steifen Hut.«

Wie eine Marionette folgte Barney Mills den Befehlen, zog seinen Hut und vollführte eine Verbeugung. Während er dann noch hilflos dastand, ertönte wieder die Stimme aus den Büschen: »Das genügt! Gebt mir seine Sachen herüber!«

»Ausziehen!«, kommandierte der hagere Satteltramp. »Nur keine falsche Scham, wir sind ja unter uns, nicht wahr?«

Es bedurfte noch einiger Ermunterungen, ehe Barney Mills zögernd begann, sich seiner Kleidung zu entledigen. Stück für Stück warf der Hagere die Sachen hinter die Büsche und ließ zum Schluss noch die Melone hinterhersegeln. Von unsichtbarer Hand geworfen, kamen die Stiefel zurückgeflogen, begleitet von der unwilligen Bemerkung: »Passen nicht.«

Barney Mills war den Tränen nahe. Auf Strümpfen und in Unterhose hatte er noch nie im Gelände herumgestanden, und er gab auch wirklich keine sehr gute Figur ab.

»Und jetzt noch die Brille«, forderte der Kraushaarige mit geradezu niederträchtigem Grinsen.

Schützend griff Barney Mills zu.

»Nein«, seufzte er weinerlich, »die nicht. Das können Sie doch nicht machen. Ohne meine Brille bin ich vollkommen hilflos.«

»Macht nichts«, meldete sich wieder der schmalgesichtige Anführer zu Wort. »Von nun an werden wir für Sie sorgen und jede Verantwortung übernehmen. Rücken Sie Ihre Nasenklemme also getrost heraus, Mister.«

Barney Mills' Mundwinkel zuckten, und sein Adamsapfel vollführte einen wilden Tanz. Fast sah es so aus, als wolle er anfangen zu schluchzen, als er seine Brille herausrückte und der Krauskopf damit hinter den Büschen verschwand.

Wenig später kehrte er mit anderen Kleidungsstücken zurück, die der Scharfrichter hastig über sein Unterzeug streifte. Die Sachen saßen ganz passabel, wenn sie auch um eine Kleinigkeit zu labbrig geraten schienen. Barney Mills wäre der letzte gewesen, der das mit seinen blinzelnden, kurzsichtigen Augen bemerkt hätte.

Etwas anderes jedoch bemerkte er sehr wohl – den Mann nämlich, der nun endlich hinter den Büschen hervortrat. Unter anderen Umständen hätte der Scharfrichter aus dem Apache County geschworen, einer Sinnestäuschung zum Opfer zu fallen. Diese Erscheinung dort, das hätte er selbst sein können, auch wenn seine Hose für den Mann etwas zu kurz war. Die Melone, die Brille, der kurz gestutzte Schnurrbart und sogar der würdige Gesichtsausdruck – es stimmte alles. Und als dieser Doppelgänger nun noch den steifen Hut zog, da tat er es haargenau mit Barney Mills' Bewegungen.

Einen Moment lang kam es dem Scharfrichter so vor, als blicke er in einen Spiegel. Er riss die blinzelnden Augen auf und presste sofort wieder die Lider aufeinander, weil ihm schwindlig wurde. Denn da klang auch seine eigene, näselnde Stimme: »Dieser Überfall wird Sie teuer zu stehen kommen, Gentlemen, wenn Sie mir nicht sofort meine Brieftasche zurückgeben. Ich finde es unerhört, dass ein anständiger Bürger auf offener Straße ...«

»Hör auf, Phil!«, prustete der Krauskopf. »Großer Manitu, das kann doch nicht wahr sein! Und ich habe deinen verrückten Schminkkasten für puren Blödsinn gehalten.«

»Sir«, entrüstete sich der Doppelgänger des Scharfrichters, »ich muss doch sehr bitten. Ich lege in meinem Beruf Wert auf gewisse Umgangsformen. Kann ich jetzt meine Brieftasche haben?«

Er wartete ab, bis ihm der Hagere grinsend die Brieftasche ausgehändigt hatte, wandte sich dann an den schmalgesichtigen Anführer und setzte mit völlig veränderter Stimme hinzu: »Meinst du, dass es so gehen wird, Wes?«

Auch Wesley Drake, wie er vollständig hieß, schmunzelte und erwiderte dann mit anerkennendem Nicken: »Du gibst einen erstklassigen Scharfrichter ab, Phil Windale. Bei deinem Talent frage ich mich ernsthaft, wieso du es bisher bloß bis zum Schmierenkomödianten gebracht hast.«

Phil Windale, seit Kriegsende Mitglied einer reisenden Schauspieltruppe, verzog hoheitsvoll das Gesicht.

»Danach darfst du mich nicht fragen, Captain. Wahrscheinlich gehört es zum Wesen eines jeden wahren Talents, dass es von den Spießern und Banausen verkannt wird. Im Übrigen – wirkliche Kunst gibt es nur im Schmierentheater. Ein leerer Magen beflügelt den Mimen zu ungeahnten schauspielerischen Leistungen.«

»Dann würde ich an deiner Stelle in El Paso gar nichts mehr essen«, gab Wesley Drake trocken zurück. »Da hast du nämlich dein Meisterstück zu liefern, wenn wir Dan McLaren heil herausbekommen wollen. Ist jetzt alles klar?«

»Hier sind die Papiere«, erwiderte der Komödiant und klopfte auf die Brusttasche seines Jacketts. Dann schlug er die andere Seite der Jacke zurück, sodass ein Revolver in dem Schulterhalfter sichtbar wurde, und fuhr fort: »Und das hier ist für den Fall, dass ein gewisser Sheriff Peer Halvorsen nicht glauben sollte, dass ich Barney Mills heiße und der Scharfrichter aus dem Apache County bin. – Zufrieden, Häuptling?«

Wesley Drake nickte und machte ein ernstes Gesicht.

»Das alles ist kein Spaß, Phil, falls ihr das meinen solltet. Diese Gefangenenbefreiung kann uns alle für ein paar Jahre hinter Schwedische Gardinen bringen. Und was diesen Peer Halvorsen betrifft, so mag er zwar ein Halunke sein, aber er ist in sein Amt gewählt worden und trägt den Sheriffstern. Wenn ihm etwas zustößt, dann könnten wir möglicherweise auch beruflich mit dem ehrenwerten Mr. Barney Mills Bekanntschaft machen, und das sollten wir uns lieber ersparen. Du behältst also besser deine Kugeln im Lauf, sofern das nur irgendwie möglich ist. Dasselbe gilt auch für Chip Reilly und mich, wenn wir dir in einer Viertelstunde folgen.«

Chip Reilly, der hagere Satteltramp, zog eine Grimasse.

»Du bist der Boss, Captain«, grunzte er widerwillig. »Doch um ehrlich zu sein – so ein paar kleine Löcher in seinem dicken Fell würde ich diesem Schurken schon gönnen.«

Auch Wesley Drake zeigte nun ein mattes Grinsen.

»Ich weiß. Nur geht es leider nicht immer nach unseren Wünschen. Vorläufig kann dieser Peer Halvorsen sich noch hinter seinem Amtsstern verstecken. – Was ist mit dir, Rory?« Er wandte sich daraufhin an den untersetzten Krauskopf.

Rory Campbell konnte seine irische Herkunft nicht verleugnen und war seinem ganzen Temperament nach ein Sohn der Grünen Insel, obwohl er bereits in den Staaten zur Welt gekommen war.

»Ich werde mich dieser Jammergestalt annehmen«, verkündete er lächelnd. »Verlasst euch ganz auf mich. – Zum Teufel, Leute, ich muss es einmal sagen: Es ist wunderbar, wieder einmal die ganze prächtige Crew aus der C-Schwadron beisammenzuhaben. Es müsste doch mit dem Teufel zugehen, wenn wir den guten alten Dan McLaren nicht vor dem Strick retten. Was meinst du, Langer?«

»An mir soll's nicht liegen«, murmelte Chip Reilly mit zählederner Bedächtigkeit. »Aber denkt daran, dass wir uns in der Stadt nicht kennen. Der Treffpunkt ist bei Diego Santana im Mietstall.«

✰✰✰

Kurze Zeit später rollte der Zweispänner wieder auf der Rio-Grande-Route in Richtung El Paso, und auch dem aufmerksamsten Beobachter wäre entgangen, dass nun ein ganz anderer Mann auf dem Bock die Leinen führte. Phil Windale, jugendlicher Held bei einer Schauspieltruppe, hatte sich bereits vollkommen in seine neue Rolle als würdiger Scharfrichter eingelebt.

Ihm folgte nach einigen Minuten ein einsamer Reiter auf einem Rappen. Der Ex-Captain Wesley Drake von der C-Schwadron der Texasbrigade besaß noch immer jenen vollendeten Reitsitz und die leichte Hand wie damals bei der Kavallerie, auch wenn er sich inzwischen als junger Anwalt in Dallas niedergelassen hatte und nur noch selten Gelegenheit bekam, sich im Sattel zu tummeln.

Unterdessen schlug sich der hagere, weißblonde Chip Reilly seitwärts durch die Büsche, wie er es in seinem rastlosen Leben als Satteltramp und herumstrolchender Zureiter schon oftmals getan hatte.

Er besaß eine kleine Pferderanch in den Guadalupe Mountains. Aber dort pflegte Chip Reilly sich nur wenige Monate im Jahr aufzuhalten. Er konnte es sich leisten, die meiste Zeit durch das Land zu strolchen, denn ihm ging der Ruf des besten Zureiters im ganzen Südwesten voraus. Chip Reilly fand immer und überall einen Job.

Zur selben Zeit strebten zwei andere Reiter durch die Vorhügel den Guadalupe Mountains entgegen und nahmen den aufragenden Felskegel von El Capitan Peak als Richtpunkt. Besser gesagt, die Richtung bestimmte ausschließlich der kraushaarige Ire Rory Campbell, weil seinem Begleiter, der ohne Brille ohnehin orientierungslos war, die Augen verbunden waren.

Vor dem Krieg hatte Rory Campbell als Weidereiter gearbeitet und es in diesem Beruf bis zum Bestman gebracht. Dann aber, nach der Kapitulation des Südens, ereilte ihn das Geschick in Gestalt von Mamie O'Mally, einer stattlichen Witwe, die sich nach einem Lebensgefährten und zugleich nach einer tatkräftigen Hilfe in ihrem Restaurant sehnte.

Durch eine endlose Reihe ausgezeichneter und obendrein kostenloser Mahlzeiten hatte sie Rory Campbell schließlich überzeugen können, dass sie die ideale Frau für ihn war. Auf die Weise wurde Rory Campbell zum Ehemann und Saloonkeeper befördert, obwohl er seinen Freiheitsdrang zeitweilig nicht ganz unterdrücken konnte und jede Gelegenheit wahrnahm, sich dem strengen Regiment seiner sonst recht liebenswerten Gattin für eine kürzere Spanne zu entziehen.

Eine dieser Gelegenheiten war vor etwa vier Wochen gekommen, als eine Depesche von Chip Reilly aus El Paso eintraf.

Sie alle hatten nach dem Krieg untereinander nur noch in loser Verbindung gestanden. Dem Band ihrer alten und oftmals erprobten Kameradschaft jedoch hatte das keinen Abbruch getan. Aus Santa Fe kommend, traf schon zwei Tage später Phil Windale in Albuquerque ein. Seinem Komödiantencharme konnte nicht einmal Mrs. Mamie Campbell widerstehen.

Zusammen mit dem Kriegskameraden war Rory Campbell losgeritten, immer den Rio Grande entlang nach Süden. In Las Cruces war Wesley Drake, der Captain, eine Woche später zu ihnen gestoßen. Und in Mesilla erwartete sie dann bereits der Satteltramp Chip Reilly, um sie auf seine kleine Pferderanch in die Guadalupe Mountains zu bringen.

Dort hatte der Plan zur Rettung Dan McLarens greifbare Formen angenommen, nicht zuletzt durch die Informationen, die ihnen der ehemalige Korporal und jetzige Teilhaber eines Mietstalls, Diego Santana, aus El Paso beschaffte. Denn dort, in El Paso, steckte der letzte Mann dieser alten Crew in einer Zelle.

Dan McLaren bekleidete das Amt des Nachtmarshals in dieser Grenzstadt, die eigentlich aus drei Städten bestand. Um das zu begreifen, muss man sich ein Bild der Landkarte und der Grenzziehung vor Augen führen. Genau in diesem Winkel stießen die beiden US-Bundesstaaten Texas und Neu-Mexiko zusammen, geschieden nur durch den Flusslauf des Rio Grande.

Am westlichen Ufer lag also jener Teil der Stadt, der zu Neu-Mexiko gehörte, auf der Ostseite der texanische Stadtteil. Aber nicht genug damit, wurde die Stadt am Westufer nochmals von einer Grenze zerschnitten, nämlich von jener zwischen den Vereinigten Staaten und Mexiko, jenem unglückseligen Land, das von den Wirren eines blutigen Bürgerkriegs zerrissen wurde.

Es war sicherlich nicht ganz einfach, in einer solchen Stadt das Amt des Marshals zu bekleiden. Es gab zu viele undurchschaubare Existenzen in diesem Land, die nur von der Nähe der Grenze lebten und deshalb ein brennendes Interesse daran hatten, die Gesetzlosigkeit zu einem Dauerzustand zu machen. Die Raue Gilde beherrschte dieses Land vom Rio-Grande-Tal bis in die Ausläufer der Sierra Madre mit ihren Minencamps in Silver City, Deming und Lordsburg. Was jedoch am schlimmsten war – die Gesetzlosigkeit hatte sich gewissermaßen organisiert und durch ihre Strohmänner sogar einen beherrschenden Einfluss auf die Geschicke von El Paso und des Grenzlandes gewonnen.

Einer dieser Strohmänner hieß Peer Halvorsen und hatte es mit Hilfe gewisser Drahtzieher und vieler undurchsichtiger Tricks zum Sheriff des Distrikts von El Paso gebracht. Peer Halvorsen verkörperte gewissermaßen die Kreispolizeibehörde und stand innerhalb der Stadt in Konkurrenz zum Town Marshal Dan McLaren.

In der Geschichte des Westens gab es viele Beispiele dafür, dass zwei solchermaßen konkurrierende Gesetzesvertreter erfolgreich zusammengearbeitet hatten – und andere, bei denen das Gegenteil der Fall war.

In El Paso gab es also zwei Parteien, von denen jede für sich in Anspruch nahm, das Gesetz zu vertreten. Nur dass es Dan McLaren damit bitterer Ernst war. Er hatte seine Gründe dafür, der Herrschaft der Rauen Gilde im El-Paso-Distrikt ein Ende zu machen, und er konnte in den ersten Monaten seiner Amtszeit vielversprechende Erfolge für sich verbuchen.

Aber er hatte die Verschlagenheit der Gegenseite noch nicht hoch genug eingeschätzt. Peer Halvorsen und seine Hintermänner von der Rauen Gilde konnten es sich nicht leisten, ihre Hochburg zu verlieren und El Paso zu einer Keimzelle gesetzlicher Ordnung hier an der Grenze werden zu lassen.

Je stärker die Hoffnungen der friedliebenden Bürger sich auf den Marshal richteten, umso größer wurde die Gefahr für all jene Desperados und skrupellosen Haie, die von der Gesetzlosigkeit der Grenze lebten. Die führenden Köpfe dieser Partei begannen einzusehen, dass es zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr genügte, den Marshal Dan McLaren einfach ausschalten zu lassen. Die Ermordung dieses Mannes hätte der Öffentlichkeit vor Augen geführt, auf welcher Seite das Gesetz wirklich zu suchen war. Und da ein Mann wie Peer Halvorsen immer noch den Schein zu wahren hatte und auf die Stimmen seiner Wähler angewiesen blieb, wenn er nicht zu nackter Gewalt seine Zuflucht nehmen wollte, musste ein anderer Weg gefunden werden.