H. C. Hollister 40 - H.C. Hollister - E-Book

H. C. Hollister 40 E-Book

H. C. Hollister

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Beschreibung

Es ist eine verteufelt schwere Aufgabe, die sich Scott Patterson gestellt hat. Zusammen mit Butch Tillney will er im Hafenviertel von Omaha geheimnisvollen Vorgängen auf die Spur kommen, gerät dabei jedoch mitten in ein Hornissennest. Die wüste Bande, der er gegenübersteht, ist in der Wahl ihrer Mittel nicht zimperlich, wenn es gilt, hohe Gewinne zu retten und einen unliebsamen Widersacher aus dem Weg zu räumen. Es ist ein Spiel ohne Limit, und der Einsatz ist das Leben eines Mannes, der zu viel weiß und noch mehr ahnt. Dies erkennt Scott, als er sich an Bord der schwimmenden Spielhölle "Fortune Star" befindet und sich nur durch einen Sprung in die dunklen Fluten des Missouri retten kann. Die "River Queen", ein klappriger Flussdampfer, fischt Scott kurz vor dem Ertrinken aus dem Wasser. Wird dieses alte Schiff mit seinem kauzigen Kapitän und der seltsamen Mannschaft noch eine entscheidende Rolle in dem rauen Spiel übernehmen können?

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Seitenzahl: 152

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Inhalt

Cover

RIVER QUEEN

Vorschau

Impressum

RIVER QUEEN

Es ist eine verteufelt schwere Aufgabe, die sich Scott Patterson gestellt hat. Zusammen mit Butch Tillney will er im Hafenviertel von Omaha geheimnisvollen Vorgängen auf die Spur kommen, gerät dabei jedoch mitten in ein Hornissennest. Die wüste Bande, der er gegenübersteht, ist in der Wahl ihrer Mittel nicht zimperlich, wenn es gilt, hohe Gewinne zu retten und einen unliebsamen Widersacher aus dem Weg zu räumen. Es ist ein Spiel ohne Limit, und der Einsatz ist das Leben eines Mannes, der zu viel weiß und noch mehr ahnt.

Dies erkennt Scott, als er sich an Bord der schwimmenden Spielhölle »Fortune Star« befindet und sich nur durch einen Sprung in die dunklen Fluten des Missouri retten kann. Die »River Queen«, ein klappriger Flussdampfer, fischt Scott kurz vor dem Ertrinken aus dem Wasser. Wird dieses alte Schiff mit seinem kauzigen Kapitän und der seltsamen Mannschaft künftig noch eine entscheidende Rolle in dem rauen Spiel übernehmen können?

Das Haus, vor dem Price Mendoza aus einer Pferdedroschke steigt, ist von weitläufigen Rasenflächen umgeben. Das solide Gebäude und die sorgfältig gepflegten Anlagen deuten auf Wohlhabenheit hin. Er setzt den bronzenen Türklopfer in Bewegung und wartet ungeduldig, bis ihm geöffnet wird. Aber dann hat er sich doch genügend in der Gewalt, um dem Mädchen, das ihm gegenübersteht, ein harmloses, schmeichlerisches Lächeln zu zeigen.

»Guten Abend, Miss Fiona. Ich hätte nicht erwartet, heute noch zu einer so angenehmen Begegnung zu kommen.«

Das Gesicht des Mädchens bringt Verschlossenheit und Abweisung zum Ausdruck. Ihre geschwungenen Brauen sind gerunzelt, als sie hochmütig und schroff entgegnet:

»Es wäre mir angenehm, wenn Sie mich nicht beim Vornamen nennen würden, Mr. Mendoza. Für Sie bin ich Miss Sherwood!«

Mendozas Augen verdunkeln sich, doch er beherrscht sich, zeigt ein Lächeln und murmelt mit einer unbestimmten Handbewegung:

»Sie tun mir Unrecht, Miss Sherwood. Sie haben mir einmal gesagt, dass Sie mich für einen zweifelhaften Glücksritter halten, aber Sie sollten sich in diesem Punkt wohl doch besser auf das Urteil Ihres Vormunds verlassen. Mr. Darland weiß, dass man manchmal den Anschein der Zweifelhaftigkeit auf sich nehmen muss und sich nicht einmal gegen unberechtigte Verdächtigungen verteidigen kann.«

Fiona Sherwood tritt zurück. »Mr. Mendoza, es gibt Dinge, bei denen ich mich lieber auf mein eigenes Urteil verlasse, selbst dann, wenn es gegen die Meinung von Mr. Darland steht. Mein Vater hat ihn in seinem Testament zum Vormund und Vermögensverwalter bestimmt, aber das bedeutet nicht, dass ich mich selbst in meinen Ansichten von ihm abhängig machen muss ...«

»Haben Sie es nun endlich kapiert, Mendoza?«, erkundigt sich eine spöttische, doch zugleich unheilschwangere Stimme aus dem Hintergrund.

Ein hochgewachsener Mann kommt quer durch den Spalt einer Schiebetür und tritt ins Licht der Lampe, die auf dem Kaminsims steht. Lächelnd lehnt er sich dort mit dem Ellbogen auf einen Sessel, blickt aus schmalen Augen herüber und fährt fort:

»Fiona hat in vielen Dingen ihre eigene Meinung, besonders, was die Politik angeht, und alles, was damit im Zusammenhang steht. Hören Sie also auf, sie bekehren zu wollen, Mendoza. Das ist noch nicht einmal mir gelungen.«

Fiona Sherwood reagiert auf diese Worte nicht einmal mit einem Wimpernzucken, und Les Darlands Blicke übersieht sie geflissentlich.

»Soll ich dir vielleicht Tee ins Arbeitszimmer schicken, Onkel Les?«, erkundigt sie sich mit kalter Höflichkeit.

Darland reißt es ordentlich empor.

»Onkel Les!«, schnauft er verachtungsvoll. »Ah, sehe ich wirklich schon wie ein Greis aus, dass du dir diese verrückte Anrede nicht abgewöhnen kannst?«

Price Mendoza grinst beifällig, und dem Mädchen schießt eine verlegene Röte ins Gesicht.

»So habe ich es nicht gemeint«, sagt sie. »Ich bin es nur von Dad noch gewöhnt. Als er noch lebte, hattest du nichts dagegen, dass ich dich so nannte.«

»In Gesellschaft deines Vaters kam ich mir auch viel älter und würdiger vor«, versetzt Les Darland und greift nach seinem sorgsam gestutzten Lippenbärtchen.

Das Mädchen wendet sich ab und geht hinaus. Im selben Moment ist Les Darland wie umgewandelt. Seine Züge verhärten sich in erschreckender Weise, und seine Augen wirken plötzlich hart und glänzend.

»Du verdammter Narr!«, faucht er Mendoza gedämpft an. »Habe ich dir nicht ausdrücklich eingeschärft, dass du mich nur in äußerst dringenden und wichtigen Fällen hier aufsuchen sollst? Muss ich dir erst beibringen, dass ...«

»Du kannst mir gar nichts mehr beibringen, Les«, unterbricht ihn der andere mit einem gefährlichen Grinsen. »Im Gegenteil, du hast im Laufe der Zeit eine ganze Menge von mir gelernt. Wenn ich zum Beispiel an den Tod deiner Frau vor drei Jahren denke, dann muss ich sagen, dass ich dir eigentlich viel zu nützlich gewesen bin, als dass du heute in solchen Tönen mit mir reden solltest.«

Darlands Backenmuskeln verkrampfen sich, und unwillkürlich zuckt seine Hand unter den Rockschoß. Erst im letzten Augenblick scheint er es sich anders zu überlegen, und der Grund dafür liegt bestimmt nicht zuletzt in Mendozas kaltem und ironischem Grinsen. Als Darland die Hand wieder sinken lässt, knurrt der andere:

»Ich wusste, dass du nicht närrisch sein würdest, mein Freund. In dieser Stadt sind viele Dinge möglich, nachdem du schon jetzt deine Kreaturen in alle möglichen Positionen der Verwaltung geschmuggelt hast, aber einen Mord in diesem Haus werden sie nicht decken können. Dazu sind deine Gegner bislang noch zu stark, und außerdem kannst du vorläufig noch nicht auf meine Dienste verzichten. Ich denke, wir haben uns verstanden, nicht wahr?«

Die versteinerte Miene Les Darlands zeugt von mühsam bewahrter Beherrschung. Schroff wendet er sich ab und geht durch die Schiebetür voraus ins Arbeitszimmer. Dort wartet er, bis Mendoza ihm folgt, und schließt die Tür sorgfältig, lehnt sich dagegen und murmelt mit gepresster Stimme:

»In manchen Augenblicken denkt man nicht mehr daran, welche Handlungsweise man sich leisten kann, Price. Denk daran, ehe du noch einmal von – nun, von diesen Dingen aus der Vergangenheit redest, sonst könnte ich vergessen, dass ich dich tatsächlich noch brauche.«

»Ja, und das dringender denn je«, versetzt Mendoza mit trügerischer Freundlichkeit, geht zum Schreibtisch und entnimmt der dort stehenden Kiste eine Zigarre.

»Die Zeit drängt, denn in einem halben Jahr wird Fiona Sherwood zwanzig Jahre alt sein und selbst die Verfügungsgewalt über ihr Vermögen erlangen. Es wird nicht einfach sein, bis dahin all deine Pläne zu verwirklichen. – Natürlich, wenn du es schaffst, zum Town Major gewählt zu werden ...«

Darlands Augen verengen sich, und heftig stößt er hervor:

»Ich werde es schaffen, Price! Ich habe zu viel Geld in diese Sache investiert, als dass ich mir einen Fehlschlag leisten könnte. Der Grundstücksverkauf für das neue Schlachthaus und die Fleischfabrik ist perfekt. Eines Tages werde ich den großen Burschen aus Chicago, Swift, Armour, Morris und wie sie noch heißen, das Geschäft vor der Nase wegschnappen. Bis dahin werde ich dann auch die Kontrolle über den oberen Missouri und seine Nebenflüsse errungen haben. Schon heute gibt es nur noch einen oder zwei Außenseiter, die mit ihren alten Kähnen stromaufwärts fahren, doch auch die wird meine Linie bald ausgeschaltet haben. Ich werde Mittel und Wege finden, um auch diese letzten Starrköpfe davon zu überzeugen, dass die Sherwood Company nicht mit sich spaßen lässt.«

»Warum nicht?«, meint Mendoza achselzuckend und schnippt die Asche seiner Zigarre in eine Blumenvase. »Du hast es ja auch bei den anderen Burschen geschafft. ›Skipper‹ Kane ist der geeignete Mann für eine solche Aufgabe. Wenn man bedenkt, dass du vor ein paar Jahren kaum zwei Dollar in der Tasche hattest, mit denen du klimpern konntest, dann hast du es verdammt weit gebracht, Les Darland. Es ist eben von unschätzbarem Vorteil, eine Frau zu heiraten und sie dann zu beerben. Heute bist du ein verdammt großer Mann, und dein Meisterstück war es, den alten Sherwood so einzuwickeln, dass er dir die Vermögensverwaltung für seine Tochter übertrug. Ohne diesen freundlichen Zufall wärest du heute noch nicht so weit, dass du in die Politik einsteigen könntest. Ich frage mich nur, wie es sein wird, wenn deine hübsche Pflegetochter selbst die Zügel ergreifen wird. Wenn du nicht höllisch aufpasst, wird sie dir den Boden unter den Füßen wegziehen.«

Price Mendoza hockt sich lässig auf die Armlehne eines Sessels und lässt seinen Gesprächspartner keine Sekunde aus den Augen. Ein Schatten huscht über Darlands Gesicht. Plötzlich wirkt er unduldsam, fanatisch und verbissen. Seine Blicke sind in weite Ferne gerichtet.

»Keine Sorge!«, zischt er. »So weit wird es nicht kommen. Auch in diesem Punkt habe ich meine eigenen Pläne. Du wirst sie zu gegebener Zeit erfahren.«

Nervös tastet er nach seinem Lippenbärtchen und reckt sich hoch empor.

»Wir sind vom Zweck meines Besuches abgekommen«, wechselt Mendoza das Thema. »Ich glaube, ich habe das geeignete Mittel gefunden, um ...«

Mit einer abwehrenden Handbewegung bringt Darland ihn zum Verstummen, geht rasch zum Schreibtisch, lässt sich dahinter nieder und nimmt eine geschäftsmäßige Haltung an.

Da hört auch Mendoza das Klappen einer Tür und die sich nähernden Schritte. Kurz darauf wird die Schiebetür geöffnet, und eine füllige Schwarze erscheint mit einem Tablett.

»Tee, Mr. Darland«, sagt sie, als sie es auf dem Schreibtisch absetzt. »Das Abendessen ist auch in einer Viertelstunde fertig, lässt Miss Fiona ausrichten.«

Darland und sein Besucher wechseln einen Blick.

»Es ist gut, Sandra«, sagt Darland dann mit einem gleichmütigen Nicken. »Bis dahin werden wir auch mit unserer Besprechung fertig sein.«

Schweigend verlässt die Schwarze den Raum.

»Um auf den Zweck meines Besuches zu kommen«, sagt Mendoza, »wie würde es dir gefallen, das bisher recht ertragreiche Rindergeschäft am oberen Missouri auszuweiten? Durch Zufall bin ich an einen Burschen geraten, der nicht so aussieht, als ob er leeres Stroh dreschen würde.«

Gespannt wartet Mendoza auf eine Antwort, doch Darland zeigt keinerlei Reaktion. »Du sagst nichts?«

»Weshalb auch? Bisher ist mit deiner Weisheit noch nicht sehr viel anzufangen«, entgegnet Darland betont gleichmütig. »Du müsstest dich schon etwas deutlicher ausdrücken.«

Da gibt sich der andere gar keine Mühe mehr, seinen Triumph zu verbergen. Grinsend verkündet er:

»Der Mann hat zehntausend Rinder an der Hand. Hast du verstanden? Zehntausend! Und er behauptet, dass er mit ordnungsmäßigen Herdenpapieren aufwarten kann, sodass für den Käufer die Sache völlig ohne Risiko wäre.«

Darlands Augen verengen sich. »Und wie bist ausgerechnet du an ihn geraten?«

»Zufall. Eigentlich sind es zwei Pilger, aber der eine von ihnen ist ein Tölpel. Ich halte ihn für einen Treibherdenboss oder etwas Ähnliches. Butch Tillney heißt er, und an der Sprachweise ist deutlich zu erkennen, dass er aus dem Norden kommt, aus Montana, schätze ich. Der andere aber, dieser Scott Patterson, ist ziemlich gerissen. Er ist der Boss in dieser Angelegenheit. Wahrscheinlich hat er Tillney erst auf die Idee gebracht, dass dabei eine Menge Geld zu verdienen ist, jedenfalls aber erheblich mehr als mit zwanzig Jahren Treibherdenarbeit.«

Diese Möglichkeit scheint Les Darland in Erstaunen zu versetzen. Er lässt sich in seinen Sessel zurücksinken und umspannt die Armlehnen, dass seine Knöchel hell hervortreten.

»Das ist nicht möglich, das muss ein Bluff sein«, krächzt er.

Mendoza zeigt ein befriedigtes Grinsen und interessiert sich scheinbar sehr für seine Stiefelspitzen. Gemächlich streckt er die Beine weit von sich.

»Natürlich, das habe ich auch zuerst gedacht«, gibt er zurück. »Aber dann bin ich doch zu einer anderen Überzeugung gelangt. Als ich nämlich Zweifel zeigte, wollte dieser Patterson gleich einen Rückzieher machen und das Ganze als dummen Witz bezeichnen. Handelt so ein Mann, der scharf darauf ist, ausgerechnet mit uns ein Geschäft vorzutäuschen und dich damit hereinzulegen? Seit drei Tagen treibt er sich mit seinem Partner unten am Fluss herum, um die geeignete Geschäftsverbindung zu finden. Sag doch selbst, glaubst du, dass bisher auch nur irgendjemand Verdacht geschöpft hat, zu welchem Zweck die Missouri-Sun ihre Fahrten den Fluss aufwärts unternimmt? Wir haben die richtige Methode gefunden, um Rinder abzutransportieren, ohne eine Fährte zu hinterlassen. Die Burschen dort oben sind jedenfalls begeistert. Die Ranches sind zu groß, als dass alle Grenzen zu überwachen wären, und die Rinder halten sich gern in den Gebüschstreifen entlang der Ufer auf. Es ist ein Kinderspiel, vierzig bis fünfzig Stück zusammenzutreiben und in der Nacht das Dampfboot durch Lichtsignale heranzuholen. Die Ladebrücke wird herabgelassen, und eine halbe Stunde später ist alles erledigt. Die Burschen verschwinden, und in vielen Fällen wird erst nach Wochen bemerkt, dass nicht mehr so viele Rinder auf der Weide sind.«

»Wie willst du erklären, dass ein einzelner Mann eine solche Herde auf die Beine stellen kann?« äußert Darland skeptisch.

»Es ist nicht einmal so schwer«, triumphiert Mendoza. »Die Rancher im Norden haben die Schwierigkeiten des Aufbaus seit ein paar Jahren überwunden. Seitdem – und besonders seit Fertigstellung der Bahnlinie nach Chicago – waren sie bei ihren Rinderverkäufen sehr zurückhaltend, weil die Preise ständig anstiegen. Ein geschickter Mann wie Patterson, der ihr Vertrauen genießt, könnte die Lage ausnutzen und ihnen einreden, dass jetzt der Zeitpunkt für den Verkauf gekommen sei. Du hast doch in den letzten Jahren erlebt, dass manchmal Sammelherden von drei oder vier Ranches herunterkamen. Der Herdenboss wies die Herdenpapiere und seine Vollmachten vor und nahm seinen Scheck in Empfang. Seine Vollmacht hätte aber ebenfalls ausgereicht, um sich in bar auszahlen zu lassen. Nun ich frage dich: Was kann einen solchen Burschen daran hindern, das Geld für die Herde zu kassieren und sich damit aus dem Staub zu machen?

Dieser Patterson tritt auf wie ein Berufsspieler, aber ich habe mir auch seine Hände angesehen. Sie tragen Lassonarben. Er muss also zumindest irgendwann einmal Cowboy gewesen sein. Wie nun, wenn seine Beziehungen ausgereicht hätten, um eine so große Sammelherde zusammenzustellen? – Käme dir die Zahl immer noch so fantastisch vor? Möglicherweise ist dieser Butch Tillney der Treibherdenboss, und Patterson hat nur die Idee geliefert. Jetzt wollen die beiden ihre Chancen auskundschaften und treiben sich deshalb unten am Fluss herum.

Zufällig sind sie in Kei Lins Spelunke geraten, wo unsere Männer ihr Standquartier aufgeschlagen haben, wenn sie nicht draußen am Deadman Slough sind. Ray Fowler und seine Burschen fühlten sich durch die Anwesenheit Fremder gestört und bespitzelt, und ich kam gerade hinzu, als sie sich Tillney und Patterson vorknöpfen wollten.

Auf diese Weise bin ich mit Patterson ins Gespräch gekommen und habe ihm seine Pläne aus den Zähnen gezogen. Mit zehn Dollar pro Rind will er sich zufriedengeben, aber ich bin mir sicher, dass man ihn auch tiefer drücken könnte, wenn man es nur geschickt anfängt.«

Die Idee scheint Les Darland gepackt zu haben. Er starrt auf die Schreibtischplatte.

»Es ginge um einen Betrag von hunderttausend Dollar«, sagt er verkniffen. »Am Fluss sind schon Leute für den tausendsten Teil dieser Summe für immer stumm gemacht worden. Dieser Patterson wäre doch ein Betrüger, nicht wahr? Warum sollte er nicht selbst betrogen werden, zumal ein Toter mit so viel Geld doch nichts mehr anfangen könnte?«

Die Nasenflügel Mendozas blähen sich, als er hörbar die Luft ausstößt. Dann aber kommen in seiner Miene Hochachtung und Anerkennung zum Ausdruck.

»Du bist ein kluger Bursche, Mister«, meint er bewundernd. »Man könnte es so einrichten, dass Patterson am späten Abend irgendwo unten am Hafen die Herdenpapiere und seine Vollmachten übergibt und dann ...«

»Ja, das hatte ich mir auch so gedacht«, ergänzt Darland. »Für so viel Geld kann man schon ein Risiko auf sich nehmen. Wir hätten die Verkaufsbestätigung und alle nötigen Papiere. Vorsichtshalber würde ich dafür sorgen, dass am gleichen Tag eine entsprechende Summe auf meinem Bankkonto belastet wird. Dann wäre es für jedermann klar, dass wir wirklich bezahlt haben. Was danach mit dem Empfänger des Geldes geschieht, dafür kann man uns nicht verantwortlich machen. Schließlich passieren bei Nacht am Fluss oftmals Überfälle. Und für mich wäre es nur ein Anlass, anhand dieses Vorfalls allen Wählern die Unfähigkeit der Verwaltungsbehörden von Omaha vor Augen zu führen. Ergibt das ein rundes Bild oder nicht?«

Als ob er von ganz alltäglichen Dingen geredet hätte, greift Les Darland nach seiner Tasse und schlürft behaglich den Tee. Er genießt förmlich die anerkennenden Blicke seines Gegenübers und lächelt, als Mendoza schnauft:

»Ich habe mich vorhin geirrt, Les. Ich kann doch noch eine Menge von dir lernen! Aah, du hast eben den politisch geschulten Blick und erkennst Möglichkeiten, die einem normalen Menschen gar nicht in den Sinn kommen. Damit du aber siehst, dass auch ich meinen Kopf nicht nur deshalb auf den Schultern trage, damit ich einen Hut darauf stülpen kann, will ich dir etwas verraten, was dich sicher beruhigen wird: Steve Lemmon wird bei dieser Fahrt der Missouri-Sun mit nach Omaha kommen.«

Verständnislos blickt Darland seinen Gesprächspartner an. »Lemmon?«

»Ach richtig, du kennst ihn ja gar nicht. Das ist der Bursche, der mit seinem Rudel für unseren Rindernachschub sorgen wird. Eine verdammt harte Nummer. Wahrscheinlich wird er für seine Bande einen höheren Preis herausschlagen wollen.«

»Und das nennst du eine Beruhigung?«

»Natürlich. Ich werde ihm nicht einen Cent mehr geben. Er weiß genau, dass ihm niemand einen so glatten und gefahrlosen Job bieten kann. Aber beruhigend ist sein Besuch aus einem anderen Grund. Er kennt sich am gesamten Oberlauf des Missouri und seiner Nebenflüsse aus. Wenn irgendwo eine so große Herde zusammengestellt wird, dann weiß er davon. Von ihm werden wir also die Bestätigung bekommen, dass unser Geschäft astrein ist. Vielleicht kennt er Patterson sogar.«

Darland zeigt eine deutliche Erleichterung.

»Das ist gut, Price. Dann wirst du diesen Burschen also solange hinhalten, bis Lemmon uns die Gewissheit verschafft.«

Ein Kopfschütteln des anderen zerstört seinen Optimismus.

»Sorry, Les«, erwidert Mendoza. »Darauf können wir nicht warten. Du weißt selbst, dass sich ein paar Viehverkäufer der großen Schlachthäuser von Chicago in der Stadt aufhalten. Wenn einer von diesen Kerlen Wind davon bekommt, ist das Geschäft zum Teufel. Hier dürfen wir keine Zeit verlieren und müssen zugreifen. Wenn Patterson erst dahinterkommt, dass er mit seinen Herdenpapieren und Vollmachten gar nicht auf uns angewiesen ist, werden seine Preise erheblich steigen. Er kann die ganze Geschichte ja als völlig normalen Verkauf aufziehen und braucht seine privaten Pläne niemandem auf die Nase zu binden.

Wenn er dann nur einen Dollar unter dem gegenwärtigen Kurs anbietet, werden sich alle anderen die Finger nach der Herde lecken und gern seine Bedingung akzeptieren, nicht mit Scheck, sondern bar zu bezahlen. Was glaubst du, warum ich Miguel Sanchez auf Patterson und seinen Begleiter angesetzt habe? In erster Linie deshalb, weil ich genau unterrichtet sein will, wenn er noch irgendwelche anderen Verbindungen aufnimmt.

Und diesmal wird es auch nicht genügen, dass ich allein mit Patterson verhandle. Auch du wirst in Erscheinung treten müssen, weil er darauf bestehen wird, nur mit dem Mann über die Einzelheiten zu sprechen, der persönlich in das Geschäft einsteigt.«